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Verlag Lauggasse 21

„T»|tl»ilhauS".

LcHilter-Hnl» ftilfnrt von » UDt morgen» Hl 7 Uhr abend».

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W.

Ai-eSd»»..» «fr. 191 K Sornsnreiber: Amt Liitzo« 6202 UN» 6203.

Samstag, 2. Februar \ 9 \ 8 . ftbCttösRUSCJClbC. Nr. 56. . 66. Iahrgang.

was der Streik lehrt.

O Berlin, 3l. Januar.

Der Berliner Ausstand erweist sich immer mehr als sm F e h l s ch l a ß, und nicht bloß die Sozialdemokratie droht in seine Folgen hineingezogen zu werden, sondern auch die bisherige Mehrheitsvildung im Reichstag ist bedroht. Der Streik hat neben seinen üblen Erscheinungen gewiß ein Gutes. Indem er im wesentlichen auf Berlin beschränkt blieb und indem die Anstifter außerstande waren, die Hauptmasse der Arbeiter im Reich und in den Provinzen In die Be­wegung hineinzuziehen, ist dorgetan, daß in den betref­fenden Schichten unseres Volkes ein erfreulich hohes Maß von Einsicht und Besinnung vorhanden ist. Die Arbeiter wissen, was auf dem Spiele steht; sie haben begriffen, daß in dem Kampfe auf Leben und Tod, den wir auszufechten haben, jeder auf seinem Posten aus harren muß. Ohne die Probe des Streiks hätte man das mit solcher leuchtender Gewißheit nicht erfahren können; jetzt wissen wir es. und die feindliche Welt weiß es auch. Vor dieier erfreu­lichen, von den Urhebern wahrlich nicht gewollten und deshalb um so dankenswerteren Wirkung oerblaßt die Streibbewegung selbst. Gerade indem sie nur p o l i t i- s ch e Ziele verfolgte, zeigt sie ihre O b n m a ch t, indem sie die Millionen nicht aufbringen konnte, ohne welcbe die Ziele nie erreichbar fern können. Wer auch die An­stifter sind, sie haben zum Nutzen der Lenin und T r o tz k y zu arbeiten versucht, zweifellos auch im ge­heimen Einverständnis mit diesen Männern. Wie tamln nun die sozialdemokratischen Führer dazu, sich mit der Streikbewegung zu vermengen? Gewiß dach­ten sie, die Flut gerade dadurch einzndämmen, aber ihre Boranssetznno war ersichtlich fassch. Sie waren der Meinung. daß der Streik einen wesentlich größeren Umfang annehmen werde sie hatten den Einfluß der , Nnrcktzängioen überschätzt, und sie möaen setzt halb mit Genuatiinna über ihren Irrtum und halb mit Bedauern ülvr ibre Boreiliakeit erkennen, daß die M a s s e n v e r- n >"> n f t i a e r waren und sind, als die Scheidemann und Genossen ihnen zugetrant hatten. Wie will Sie Sozialdemokratie jetzt den Rückweg zu der Mehr­beit finden? Es rächt sich, daß sie innerhalb der Mehrheit eine Selbständigkeit beanspruchte, mit der sie nach Belieben einen Druck airsüben zu. können glaubte, wäbrend sse mit dieser Selöständigkeit doch auch die Ge- fabr der ^wliernna herauibeschwor. Noch sind die Ber- bindunasfäden nicht zerrissen, aber es wird gerade von seiten der Sozialdemokratie einer ungemein.rt Geschick- lichkrit und der Gewährung sester Bürgschaften bedür­fen. damit die Bestehungen nicht ganz gelockert werden. So erbeben sich Kranen, die gn Bedeutung weit über das vergängliche Zwischenspiel dieses Streiks selber hin- ansreichen. Die Sozialdemokratie bat sich eine arge B l äße aeaeben. als sie ihren Feinden das Stichwort in die Hand spielte, daß. wie die letzten Tage in Berlin gküeiat sieben sollen, die Massen durchaus nicht so reif sind, wie es die Botschaft des Kaisers und Königs bei der Ankündigung des gleichen Wablrechts vorai'seesetzt batte. In der Tat haben die Streiken- den seGst das ibnen varber erteilte Reifezeugnis nicht vcrdient nnd wenn dafür die unaebenre Mehrzahl der deutschen Arbeiter um so mehr der Anerkennung lbrer Mündiakeit mürdia war und ist. so könnte es einer ge­schickten Dentimasknnst d^r Geaner dach wabs gelingen, an entscheidenden Politischen Stellen Bedenken hervor- zunffen, die firff alsdann im Kampfe geaen die vre u- ßische Wahlresorm verwerten ließen. Trotzdem ward man über dies llnbeil. das dock' so leicht vermieden weiden konnte, .hinweakommen müssen, nnd das wird auch aescheben. es sei denn, daß den Reblern von der einen Seite aleichwertiae von der bürgerlichen Welt nnd der Reaiernna ans entneaengestellt werden. Daß sie ans falschem gUene gewesen ist. das wird von der Bar- teileitnng selber schon bewiesen durch dm Beschluß, es sollen ans dem Programm für Berban^lnnaen mit der Reninrnng alle von den Streikenden geänß >rten Wünsch? in kstzug ant die auswärtig? Politik gestrichen nnd nur die innorvali^schen Forderungen aukrechterhalten wer­den Wären Scheidemnnn und seine freunde nur schon früher so klug gewesen wie i?M' Wenn st > sich umRei-r-t ans eine Bewegung für die Wgblreform beschränkt bäh­ten. daun n-sistte man freilich sgnen, daß der Streik gls- dgnn übertlüstig war. weil mir doch nherass di? nnb?. dinot? Sicherbeit boben nnd notwenbigermeis? baden müssen, daß die Staatsregiernna unerschütterlich zu ,'brer Barsaae siebt, daß es also keiner Drucknstftel van der Strich? der bedart. um nach'nbelfen. Ander'rteit? jedoch lieat den Unabbänniaen wohl wenig an der Wgbl- rekarm. vielmehr ist es ibnen gerade recht, wenn in dieser Hinsicht mäal'chst ffir Unsicherbeit gesorgt.wird, weil nur io die llnn,friedenbeit in den Massen geschürt werden kgnn. und ihr Hauptziel ist immer die Erschwerung des Krieges für uns. Las

sinnlose Hindrängen auf den Frieden, dessen Früchte, wenn er nach dem Willen dieser geistreichen deutschen Bolschewiki geschlossen würde, nur unseren Feinden zugute käme.

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Zehlgelchlagene Verhandlungen m l dem Reichskanzler.

W. T.-B. Berlin, 1. Febr. (Amtlich.) Gegenüber den Arleitseinstellungen in Groß-Berlin hat die Regierung von vornherein den Standpunkt vertreten, daß sie nicht in der Lage ist, mit einem von streikenden Arbeitern ohne jede gesetz­liche Grundlage gewählten „A r b e i t e r r a t" in Verhand­lungen über politische Fragen einzutreten. Dagegen hgt sie stets ihre Bereitwilligkeit bekundet, die Lage mit den poli­tischen und Gewerkschaftsführern der Arbeiter­schaft zu erörtern. Diesen Grundsätzen hat am gestrigen Tage auch der Reichskanzler bei einer Besprechung mit den Abgeordneten Bauer und Schmidt Ausdruck gegeben. Er erhielt indeffen bald darauf ein von den Abgeordneten Ebert, Haase, Ledebour und Scheidemann unterzeichnetes Telegramm, worin diese ersuchten, zusammen mit fünf Funktionären der Gewerksch-aftsorganisotionen, die von den Streikenden als ihre Vertrauensmänner bezeichnet worden seien, vom Kanzler empfangen zu werden, und zwar zunächst zur Erörterung des Versammlungsrechts.

Da dieses Ersuchen mit der eben dargelegten grundsätz­lichen Stellungnahme der Regierung nicht in Einklang zu l ringen war, ließ der Reichskanzler den Vorschlag dahin er­weitern, daß an der gewünschten Besprechung je zwei Vertreter der beiden sozialdemokratischen Reichstagsfraktionen und der Generalkommission der Gewerkschaften teilnehmen sollten. Er stellte zugleich anheim, dem Leiter der gewerk-" schaftlichen Organisation zu ihrer Unterstützung noch drei andere Vertreter der Gewerkschaften beizugeben. Die Gegenseite ging jedoch nicht darauf ein, sondern schlug nun­wehr vor, die Abordnung aus je zwei Vertretern der beiden Reichstagsfraktionen und aus drei der in dem eben erwähnten Telepramm bezeichneten Gewerkschaftsfunktionäre zusammen- znsetzen. Unter den beiden Mitgliedern der sozialdemokrati­schen Rcichstaosfraktion sollte sich der Abgeordnete Bauer befinden der zwar der Generalkommission der Gewerkschaften ongebört, jedoch als Vertreter der Parteileitung an der Be- sp'echung teilnehmen sollte. Die vom Reichskanzler vorgc- s-blagene Zuziehung besonderer Vertreter der Gewerkschafts­seite sollte mitbin unterbleiben.

Der Reichskanzler konnte sich mit diesem Vorschlag nicht einverstanden erklären, ba die so zusammengesetzte Abord­nung sich.wiederum aus einer von der Streikleitung bevollmächtigten Vertretung der streikenden Arbeiter darstellte und nicht als Vertreter der Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit. Infolgedessen hielt der Reichs­kanzler an der Antwort fest, die er auf das erwähnte tele­graphische Ersuchen gegeben hatte. Von der Gegenseite wurde jedocb erklärt, daß unter diesen Umständen auf den Empfang der Abordrmng verzichtet werde.

Dieser geschilderte Sachverhalt ergibt, daß die Regierung jederzeit bereit ist berufene Vertreter der werktätigen Be­völkerung zu empfangen und mit ihnen zu beraten. Als be­rufen zu solchen Verhandlungen siebt sie die Abgeordneten aller Fraklionen an, außerdem fiir die Erörterung der be­sonderen, die Berufsinteressen der Mrbeiter betreffenden Fragen auch sie Vertreter der verschiedenen gewerk­schaftlichen Verbände. Sie muß es aber als un­vereinbar mit dem Wesen unserer staatlichen Ordnung utlehnen, mit Vertretern solcher Sondergruppen über poli­tische Lebensfragen des ganzen Volkes zu verhandeln, da tiefe Niederleaung der Arbeit in Zeiten vaterländischer Rot den Beweis dafür liefert, daß sie den Ernst der schweren Ver­antwortlichkeit aller Glieder der Gesamtheit des deutschen Volkes nicht erkennen. .

lHfHtärf'<Se Oe tung der Betrieb«!

W. T.-B. Berlin, 1. Febr. (Amtlich.) Bekanntmachung: Die A u s st a n d s b e w e g u n g, in der ein Teil der Arbeiterschaft von Groß-Berlin noch verharrt, beein- trächtiat die Versorgung des H e e r es und der Marine mit Waffen und Munition. Ich habe dah'er zunächst folgende Betriebe: 1. Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken in Martinikenselde nni> Wittenau, 2. Berliner Maschinen-A.-G., torm. L. Schwartzkopff, 8. A Borsig in Rerlin-Tegel, 4. All­gemeine Elektrizitäsgesellschaft, Fabriken in Henningsdorf. 5. Argus-Metorengesellschaft in Berlin-Reinickendorf, 6. Luft- Verkehrsgesellschast in Berlin-Iobannistbal, 7. Daimler Metrren-Gesellschaft. Zweigniederlassung Derlin-Marienfelde, unter militär i s ch e Leitung gestellt und den Arbei­tern dieser Betriebe aufgegeben, die Arbeit spätestens unter dem 4. Februar 1918 bis morgens 7 Nhr wieder außzu- nebmen. Zuwiderhandelnde setzen sich schwerster Be­st r o f u n a nach den Vorschriften des BelagerungSaesebes „ns. die Wehrpflichtigen unter ihnen werden militärisch eir.gezogen werden.

Der Oberstkommandierende in den Marken: v. Kessel, Generaloberst.

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Die vom t. Februar vorliegenden Nachrichten aus dem Reich lassen erkennen, daß ein? Verschärfung der Aus- standSbewegung jedenfalls nicht e i n g e t r e t e n ist, daß im Gegenteil ein Zurückgehen der Zahl der Streikenden sich vollzogen hat.

W. T.-B. Spandau, 1. Febr. Die Streiklage in Spandau veränderte sich gegen gestern fast gar nicht. In len Staatswerkstätten sind weitere Arbeitsein­stellungen im allgemeinen kaum zu verzeichnen, die bisher Streikenden nahmen allerdings meist die Arbeit noch nicht wieder im ganzen auf. ES dürften sich höchstens 7 Prozent der in Spandau besckwftigten 80 000 Rüstungsarbeiter noch im Streik befinden. In der Artilleriewerkstatt Süd, die be­kanntlich am meisten vom Streik betroffen ist. wird auch heute gearbeitet; in Orenstein und Koppel A.-G. veränderte sich die Lage seit gestern nicht. Es streiken im ganzen noch 482 Leute. In den Sicmenswerken in Siemensstadt ist die Lage eine absolut ruhige. Die Zahl der Streikenden verringerte sich wiederum um einige bundert. Beim Schichtwechsel kamen dort heute ebenso wie gestern keine Zwischenfälle vor, ebenso­wenig beim Lohnzahlen. Auch in den übrigen Stadtteilen Wiederhelten sich die Demonstrationen nach Art der am Mittwoch vorgekommenen dank der energischen Vor- leugungsm aßregeln der Polizeiverwaltung und der Komman- dantur nicht. Vor den Eingängen der Rüstungsbetriebe > war durch Polizei- und Militärpatrouillen dafür gesorgt, daß größere Ansammlungen nicht zastandekommen konnten. An­gesichts der überall vorhandenen bewaffneten Polizei, k e a m t e n und Militärmannschaften schien den radaulustigen Elementen unter den Streikenden die Einsicht gekommen zu sein, daß es besser sei, sich r u h i g zu verhalten Der gestrige Tag verlief demnach in Spandau ohne Zwischen­fall. "

Frankfurt a. M., 1. Febr. Im Rhein-Maingebiet ist bis jetzt überhaupt keinerlei Arbeiterausstand erfolgt. Alle Fabriken sind in vollem Betrieb.

Berlin, 1. Febr. In Danzig und Kiel wurde aus den Werften überall wieder gearbeitet, während rn Ham­burg die Werstarbeit am heutigen Tage erfolgen sollte. Im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau feiern nur noch 12 Prozent der Belegschaften. Auch in München ist der Streik im Abflauen. Die Zahl der dort noch Ausstän- ligen iiird auf 4000 beziffert, wäbrend in Dresden 2000 Streikende in 9 Betrieben gezählt wurden.

Die Stellungnahme des fozialdemostraHschen parteiausschufses

ergibt sich au? einer E r kl ä r a n g, in der es beißt:

Die sozialdemokratische Partei hat sich während deS ganzen Kriegs rückhaltles zur Landesverteidi­gung betonnt. Die Landesverteidigung wird jedoch gefähr­det durch die politische Einsichtslosigkeit derer, die den Krieg zu kriegsberlängernden, vom Volk nicht gebilligten Zielen führen wollen, die dem Volk ver­sprochene Rechte verweigern und jeden Protest gegen einen timrer unerträglicher werdenden Druck mit ver­stärktem Druck beantworten. Darum müssen sich heute all« Kräfte vereinigen, um eine Abkehr von dem verbänyniSvollsir Kurs berbeizuführen, im Interesse der Selbsterhaltung unse­res Volkes un>d eines baldigen gerechten Friedens.

Der Parteiausschuß fordert di« Reichsregierung Es, sich in eindeutiger Weise zu erklären:

1. für die ausgiebigere Lebensmittelver­sorgung durch Erfassung der Lebensmittelbestände bei den Erzeugern und in den Handelslagern zur gleichmäßigen Zuführung an alle Bevölkerungsklassen;

2 für ihre Bereitwilligkeit, schleunigst den Belage­rungszustand auszubeben, sofort aber alle das VereinS- und Versammlungsrecht sowie die freie Meinungsäußerung durch die Presse einschränkenden Bestimmungen zu beseitigen;

3. für die Aushebung der Militarisierung der Be­triebe;

4. daß sie kereit ist, zu einem allgemeinen Frie­den ohne offene oder verschleiert« Annexio­nen und Kontributionen aus Grund des nach demo­kratischen Grundsätzen durchzuführenden Selb st best im- m u n g s r e ch t s der Wlker.

vor Kntrag auf Reichstoqseinberufung.

Br. Berlin, 2. Febr. (zb.) Es bestätigt sich, daß beim Reichstagspräiidium ein sozialdemokratischer Antrag auf torzeitige Einberufung des Plenums eingegangen ist, der in­dessen bei keiner der anderen Fraktionen Unterstützung gefunden hätte.

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Revolutionäre Propaganda der Entente in Deutschland.

Mit 150 bis 200 Millionen Dollar amerikanischen Geldes ausgeitattet. hat sich Neujahr dieses Jahres in Washington ein „A l l i i e r t c S. P r o p a g a n d a - K o m i t e e" gebildet, dem u. a. Senator Stone, der berüchtigte Herausgeber der „Times". Lord Northcliffe, und Neading angehören. Aufgabe dieses Komitees ist es, in den Staaten der Mittelmächte, inS- hesondsce in Deutschland, revolutionäre Pro­paganda zu betreiben. Zu diesem Zwecke werden in allen Interniertenlagern in den feindlichen Ländern geeignete Persönlichkeiten — vor allem rechnet man auf solche au§ der österreichlisch-ungarischsn Monarchie — ermittelt, deren revolutionäre Gesinnung sie als geeignete Werkzeuge sür die Pläne unserer Feinde erscheinen läßt. Ebenso denkt man an gut Deutsch sprechende Neutral;. Diese feindlichen Agenten werden mit gefälschten einwandfreien Ausweispapieren un­reichen Geldmitteln versehen nach DeutjchlanL geschickr, um