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Verlag Lauggaffe 21

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Samstag» 2 . Zebruar 1918 .

Streifefolgen.

In Berlin sind einige Zeitungen wegen des Aus- standes nicht erschienen, und es ist möglich, daß auch in den nächsten Tagen die Streikbewegung, wie aus das Zeitungsgewerbe, so auch auf einige andere Betriebe überspringt. Man kann deshalb in keiner Werse von einem Generalstreik reden, denn bei den Zeitungen ist es beispielsweise einfach so gewesen, daß -'inige Dutzend Hilfsarbeiter den Betrieb lahmzulegcn vermachten, während alle and-wen Arbeiter weiter gearbeitet hatten. Ganz ähnlich liegen die Dinge in vielen anderen Zwai- gen. Wenn beispielsweise die Heizer einer Fabrik in den Ausstand treten, so inutz der ganze Betrieb ruhen. Wenn man dies bedenkt, so wird man sich vor einer Überschätzung der ganzen gegenwärtigen Strcik- kcwiguno bewahren. Damit ist aber nicht gesagt, daß mau nun die Bewegung auf die leichte Schulter nchiuen soll, und am wenigsten sollen unsere ?lrbeiter glauben, daß der gegenwärtige Streik im Grunde eine h a r >n. lose Sache sei. Das ist er nicht. Im Gegeule seine Wirkimgen können so furchtbarer Art sein, doß man nur immer wieder darauf Hinweisen muß. Im A u s l a n d e hat man von den Vorgängen ein ganz falsches Bild, und den Charakter des deutschen Arbeiters wie überhaupt des deutschen Volkes verkennt man dort vollkommen. In London sind schon bei dem '"trrik in Hsterreich-Unaarn Ertrablätter verteilt wor- n und die Presse benutzte die Vorgänge -ur Auf­ei t s ch n n g der K r i e g s st i m m n n g. Italien t offensichtlich, durch den Streik in ö st erreich nfgemuntert. wieder eine O' ieniive b e - e n n e n. Es sind also unsere Brüder an der Front, >e d'e Hexereien der Streikichürer und den Unverstand er Streikenden mit ihrem Blute bezahlen müssen. Aber auch das Inland leidst, denn der Krieg wird, wenn sich das Ausland in falsche Hoffnungen binsinwiegt. verlängert. Das kommt auch im Osten zum Aus­druck, wo Herr Trotz kg in keiner Frledensgcgneischaft so nur bestärkt werden muß. wenn er siebt, .daß deutsche Arbeiter auf seine Taktik hinoinsiillen. Eine Verzögerung des Friedensschlusses mit Nußland bedeu­tet aber auch die Verlängerung der Entbehrungen in der Heimat.

A us dem Gebiete der inneren Politik fügen die Streikenden den Interessen der Arbeiter den a T T c r- fchwersten Schaden zu. Aus dem jetzigen Streik weiden die Feinde der Sozialreform irnd des Wahl­rechts noch Jahre lang agititarischen Nutzen ziehen. Mehr als alle ihre Penammlungcn nützen der Vaterlnndspartei die gegenwärtigen Vorgänge in der Arbeiterschaft. Man darf annernnea, daß die Führer der sozialdemokratischen Mehrbertspartet und der Gewerkschaften diese Sachlage vollkommen über­sehen. Die Generalkommission der Gewei kschaften er­klärt sich sa gegenüber diesen Streiks vollkommen neu­tral. da es sich um keinerlei g e w e r k s ch a f t- liche Lohnbewegungen handelt. Di? sozial­demokratische Mehrbeitsvarsei hat . auf uechsrägfsche Aufforderung sich in der Lestung beftiffat, un> C i n f' u ß arif die ganze Bewegung und ihren Ab- schli'ß zu erhalten. Dieses Bestreben ist vom Standpunkt einer Arbsitervartei aus z:' verstehen, aber m leas ihr nun auch die ernste Verantwortung out. die Bewegung umgebend zu Ende zu bringen. Mög- t'.ch ist es. daß eine Unterredung mit dem Staats- sekretär des Innern wohltätige Folgen hätte haben kennen, aber setzt ist mit der Tatsache zu rechneu. daß die Negierung aus dem Standpunkts siebt, daß politische Ding? nur airs parlamentarischem Wege er­ledigt werden dürfen. Airch wenn man diesen Stand- Punkt nicht billigt, wird man doch mgen wüsten daß araenüber der ganzen Lage, in der wir uns befinden, der Streik bedingungslos » n d n n v e r z n g- l i ch z u Ende gebrecht werden muß. Die^e Nffickst be- st.-b« sstr "lle gssentlichen ^ra"ne. »ür di? Brests, für die A- bgitarfübrar und besonder« ti> ille Arbeiter. I> der. V: pa. on N"*rläri'"g und Abmahnnng fehlen läßt, tr'ies »in Ssstch ^erantwo'tnna mit kür alle Folgen, die ans dem Streikwehnstnn entstehen.

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L. Berlin, t. Febr. lEig. Drerblberickit. zb.) Gestern nnirde der Abg. Di-ttmann, Mitglied der unirbbänesipeii sazieldemetrutischen Partei, verbastet, naebdem er in einer Votfomniiung in Treptow eine Rode gebalten batte, die in den Dorten aiisklon-g. ..der Streik wüste bocktgabalteu werden". Dem Wv Dittmann. der zu der Stre-iKeiitung ge­bärt. welche durch das Oberkommowdo in den Marken aufge­löst wurde, war durch die Verfügung eine weitere Betätigung in der Streikleitung verbeten. Die Versammlung, in der er g«sprceben batte, war. wie alle Dersainmtungen, zurzeit rnch! zugelaffen. Die Beamten der Staatsanwcckifchaft sahen rn der Rede Ditvnarm« in einer verbotenen Versanrmlung eine

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t a t und hielten daher chre Maßnahme für gerechtfertigt. Der Abg. Dittmann wird heute dem zuständigen Staatsanwalt zu- gefübvt.

Zwischen den Mgg. Scheidemann und Ebert einerseits und Vertretern der Regierung andererseits Haber, heute vor mittag Verhandlungen stattgefunden, die aber zu keinem bestimmten Ergebnis führten. Kon­ferenzen, die beim Reichskanzler abgehalten wurden, wohnte auch -Staatssekretär Wallras 'bei.

Über die Ausdehnung des Streiks anr heutigen Vormittag läßt sich sagen, daß von einem weiteren Umsichgrei­fen nicht gesprochen werden kann, im Gegenteil haben die besonneren Teile der Arbeiterschaft die Neigung, aus ihre Arbeitsstälten zurückzukehr-en.

Die Befürchtung, daß die V er keh r s u riiler­ne h m u n g e n, insbesondere -die Große Berliner Straßen­bahn, von dem Ausstand in Mitleidenschaft gezogen werden könne, bat sich als gegenstandslos erwiesen. Die elek­trischen Bahnen fahren wieder fahrplanmäßig. Hock- und Unlerarundbahncn sowie Omnibusgesellschast urid Expe- dltionsfirmen waren vom Streik überhaupt nicht berührt.

Oie §liegeranariffe c»"f Ooris nnk» Calais.

Weitere französische Meldungen.

W. T.-B. Poiis, 1. F-ebr. (Drahtbericht.) Vier feind- llche Geschwader überflogen unsere Linien nördlich von Eompiegne und erreichten Paris. Sie flogen wegen des klaren Himmels sehr hoch und näherten sich dem Bezirk von Paris vom Osten her, wobei sie nack.einander Bomben aus verschiedene Gemeinden -der Pariser Bannmeile obwarfen. Sie überflogen hierauf Paris, hauptsäMich auf dem rechten Seineufer. wo sie in einigen Augenblicken nahezu sämtlich Bomben abwarfen. Sie vernichteten dabei ziem­lich viele Menschenleben, besonders Frauen und Kinder. Zwei Hospitäler wurden getroffen und mehrere Gebäude durch Brände beschädigt.. Die Anzahl dex G e t öte t e n be trägt 2 0. die der Verwundeten f>0. Mehrere Kämpfe wurden nörd­lich der Hauptstadt geliefert. Ein deutsches Flugzeug wurde abgeschostcn und beide Insoste i gefangen. Ein ftonzMscheS Flugzeug mußte landen; bfide Jnsaffen sind verwundet. Ein späterer Bericht wird die Zahl unserer Verluste angeben.

W. T.-B. Bern, 1. Febr. (Drahtbericht.) Lhoner Blätter melden aus Ealai-S: Am letzten Freitag überflogen mehrere deutsche Flugzeug« Calais. Sie konnten trotz heftiger Fliegerabwehr eine große Anzahl Bomben abwevfen, die ziemlich bedeutenden Schaden anrichteten. Meh- rere Psrscnen wurden getötet.

W. T.-B. Paris, 1. Febc. (Drabtbericht. Agenee Havas.) Präsident Poincare bat sich nachts in die von de« Bomben betroffenen Stadtteile begeben und die Hospitäler be­sichtigt. Die Zahl der in ihren Wohnungen oder in Hospi- rölern in ärztlicher Behandlung befindlichen Personen scheint etwa M zu betragen. Nach den bisb-r gemachten Feststestnn- gen befanden sich fast alle durch Bombensplitter verletzte Per­sonen ans der Straße oder an den Fenstern ihrer Wobnimgen. Das Platzen einer Bombe rief kleine Brände hepvor, die vom Bruch einer Gasleitung herrührten.

Oie s4llkserten,lsonf're''-, s« versokff-s.

tzi- 1 Febr. lEig. Drahtber,cht. zb.l Di« Entente-

lovlerenz in Bl-r'aille« hat am Mittwoch zw«, Sitzungen, emc militärisch« und «tn« politiiche, abgebalten. Der Konferenz wohmen n. a. dit Wints»' Präsidenten von Frankreich, Eng'and und Italien und or-herten, Vertreter der amerikanischen Regierung bei. Man befaßte sich mit der neue» Lage Rußlands, wobei von dem englischen und amerikanlichen Vertreter auf eine Annäherung an die Bolichewikik Wert gelegt wurde. Ferner wurde d,e Frage einer Antwort auf ttc Äußerungen Hertlings und Czernins in ablebnendem Sinne entschieden. Der deutschen und ö st erreicht; wen Streikbewegung wurde grrtz; Be­deutung l-cigclegt uni keschlosten, dieser Bewegung durch alle vec- fügbaren Wittel, wie Propaganda usw.. Vorschub zu leisten. Man clblickt in der Bewegung die Möglichkeit, einen H e h f e k d z u g gegen di: Regierungen der Mittelmächte durchfuhren zu können, de- sonders glaubt nia», den gcjürchteten Einfluß der Militärpartei in Deutschland zu schätigen. Auf militärischem Gebiet besprach man die Bildung einer S1 r ß a r m e e , die aus den Reserven der ver- ßhiedenen Verbündeten gebildet werden soll

W. T.-B. Bern. I. Febr. iDrabttwricht.) Die fronzöfi. sche Preise bes«häfti«t sich hauptsächlich vemi Standpunkt der italiemischen Krie-gsziele mit der Konferenz in Versailles .Journal des Debats' tritt erneuit für die Durchsicht der italienischen Krier^ziele ein. Italien nriisse sich mtt den Slawen verständigen und nur die Ge­biete für sich fordern, in denen Italiener vorwiegen. Selbst bei einer derartigen Veränderung seiner Kriegsziele erhalte Italien bei dem Friedensstblluß immer nock> mehr a-ls Frank­reich England und Amerika, die doch schlseßlich aus amderen Gründen in den Krieg eingetre-ten sind als Italien. ..Liberte" tritt gleichzeitig für eine Verständigung Italiens mit dr.i Jung.Slo-n'en ein und ».eint. Orlando legte sich in Lon­don bereits solche Aufopferung auf zugunsten des Allgeweln- wohls. Die Konsetenz in Versailles werde wohl die Londoner Abmachungen Orlandos nur zu ratifizieren haben. Auch von sozialistischer Seite werden verschiedentlich Wünsche auf Neu- fcrmuiierung der ttailienischeu Kriegsziele und die Abgabe thn*t SöUcI t i»«i Uä r uBfl als Antwort auf die ÄodL»

Nr 33 . » 66 . Jahrgang.

der Staatsmänner der Mittelmächte laut. „Times" bedauert, daß Wilson der Konferenz rncht persönlich beiwohnen kann. Eine Kollcktiberklärung der Entente iväre ein wahrer Donnerschlag für Berlin und Wien. Für das Schweigen der Entente lägen nur zwei Gründe vor, entweder daß die Alliierten sich untereinander nicht verständigen können, w.rs sehr schlimm wäre, oder daß die von den englischen Arbeitern verlangten Verhandlungen schon vorbereitet würden. Dies wäre das beste, was geschehen könne.

Eine scharf: enattsche ttritik, an General $a'g.

W. T.-B. Amsterdam, 1. Febr. (Drahtbericht.) Der militärische Mitarbeiter der englischen Wochenschrift „World" lenkt die Aufmerksamkeit, darauf, daß General Haig in seinen Berichten über die Taten der -britischen Truppen in Frankreich im abgelausenen Jahre nichts über die Verluste gesagt. Früher hotte der Generalstab nie versäumt, die Verluste zu melden, denn der Wert der militärischen Erfolge hängt im allgemeinen von dem Preis an Menschenleben ob, den man dafüp bezahlte. Die großen Offen-stvbswegungen von 19i7 haben nicht nur keine Entscheidung gebracht, sondern auch ke>ne strategischen Ergebnisse von Be­deutung. Der militärische Mitarbeiter wirst General Ha:g vor, daß er die Schuld an seinen geringen Erfolgen dem Wetter, den Verbündeten und der Regierung in die Schuhe ichiebt. Es gche nicht an, daß der Oberbefehls­haber. der in zwei Offensiven mehr als eine Million Menschen verloren hat, den Stab über die Regierung breche. Der Verlaus der vielen englischen Offensiven zeige, daß dos englische Oberkommando dom deu-ffchen noch nicht gewachien sei. Aber die Schuld treffe nicht den General Haig allein, auch der ftanzösische Oberbefehlshaber nehme an der Verantwortung teil. Trotzdem müsse festgestellt werden, daß der englische Generalstab seiner Ausgabe nicht gewachsen war. Die Deutschen seien an der W-estftont gefährlicher geworden, als zu irgend einem Zeitpunkt seit der Schlacht an der Marne. Es werde eine große O s s e,n - s i v e erwartet. Es wäre der rein« Wahnsinn, anzuneh­men. daß sie mißglücken könnte, sie werde im Gegenteil wahrscheinlich gelingen. Diese Krisis im Krieg werde dann wahrscheinlich die letzte sein.

vile Kämpfe In der Ukraine nach max'malistiscber varffellurg.

W. T.-B. Petersburg. 1. Febr. (Dra-hlbericht. Peters- buroer Telegrophenagentur.) Die Truppen des Sowjets bo- mäckitigten fick» des wichtigen Babnbofs B a ch m e t cki im Gou­vernement Dschernigow. Di« Offiziere und Unteroffiziere zogen sich nach Kiew zurück, das von allen Seiten um­ringt ist. Da die Z e n t r a l r a b a das Vertrauen zu den ukrainistben Soldaten und Arbeitern verloren bat. errichtet sie eine Weiße Garde aus adligen Offizieren und degra­dierten russisch-polnischen Offizieren. Ans S-cbastopol wird gemeldet, die Städte Kerffeb und Theodosta kowie Jalta fielen in die Hände der Sowsetstruppen. Bei Simverpol leisteten 7000 tatarische Soldaten Widerstand Man erwartet jeden Augenblick die Einnahme Orenburgs. Der Kosakeugenevrl Du-ter wurde geschlagen.

Nie volscvewsffen im Vefitze Kiews?

Bi-. Rotterdam, 1. Febr. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach einer Meldung aus Petersburg berick-tet „Njetsch", daß Kiew in die Hände der Bolschewisten gefallen ift.

Vas Programm wekerles.

iSckluß.)

Weiter entwickelte Mmisterpräsident W.'kerle seine Anschauungen über die F i n u n z l a q e. Die Errichtung eines selbständigen Zollgebietes, aus das Ungarn gegenüber Österreich e>n unbe- dingles Recht besitzt, würde inmitten der Erschütterungen des gesamten wsitschastlichen Hebens nicht zweckmäßig sein: es würde da- durch r ur der Wiederaufbau der Fricdcnswirtschast und die Her­stellung nmmalei wirtschastl'lcher Zustände verlangsamt werden.

Eine seibständige ungarische Armee «wrde uitter Wabrung der Emhcit der Führung und rnneren Organt. sarion vetwttklich- werten, >ndem daun Ungarn für die Erhaltung senrer eigenen Armee zu sorgen haben toerde. So würden dadurch die gemeinsamen Auslagen und die guotenmäßiga Beretkiguug. welche zwischen llnpmii »nd Österreich oft Gegensätze heroorgerul-n hätten, an Bed-uruna sehr deindgemindert.

Rack dcm Minillerprajidenten Dr Wckerte er-rr'N Gras 2 ,s,a als Füh'er der llpi-oßlion das Wort »nd versicherte dem Minister- Präsidenten, daß ttc fioßcn Gesichtspunkte seines Programms volle Würtigung seitens der Ü pposition fanden. Wenn er r-em Programm r icbt im ganzen zustimmen könne, so löge es daran, daß oie un* g l ü ck s! m e W a l, l i e s l rm aul die Tagesordnung gestellt worden sei. Eigen dtcle Rckorm hege er P e d e n k e n. Er wünsche daß di> Frage der L-alilreivrm mit Kon:promisten gelöst werde. Di« Li Position unterstütze tic Regierung in allen nanonalen Fragen, er bitte jedoch den Minister,-räsitenlen. daß er vnrck eine B.-r- schlc;p»ng der strittige,- Frage die Loge für die Opposition nicht un- möglich macke Gras A p P o n y >. erklärte namens der Regierung daß diese in lezug aus die Lahlrcsorm den Weg vcs Koni pro. m i s s e s n i ck l betrete» könne. Die Regierung könne von dem Um­fange der Rcckircrw-eiterung sich nichts mehr abhonvein lallen, oh!» zrgeil das Gebot da Cdre ju v«stoßen. (Lebhostr Zustunmmtg.)