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Berliner Abteilung deS Wiesbadener TagdlattS: Berlin W., Ptztsdamer Str. 12t K. Fernsprecher: Amt Liltzaw 8E und 6203.

Freitag» 1. Februar 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 53. 66. Jahrgang.

Die unbestreitbare Wirkung der U-Soot-Urirgr.

Nachdem nunmehr, am 1. Februar, der uneinge­schränkte U-Bootskrieg ein volles Jahr hindurch geführt worden ist, scheint es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Dabei wollen wir von vornherein zugeben, daß nicht alle Hoffnungen, die an das Einsetzen dieser Waffe ge­knüpft worden sind, jedenfalls nicht . alle, die von Enthusiasten und Stammtischen in die Welt hinaus- gefchrien wurden, sich bewahrheitet haben. Dre zustän­digen Stellen selber haben niemals behauptet, daß der uneingeschränkte U-Bootskrieg England non heute auf morgen in die Knie zwingen und so den Krieg im Handumdrehen beenden würde. Was von diesen sachlich und ruhig urteilenden Stellen behauptet worden ist, beschränkte sich auf die Voraussage, daß England eine außerordentlich empfindliche Einschränkung ferner Tonnage erleiden würde und daß es so dem Frie­denswillen näher gerückt werden könnte. Nicht einmal mit einer spürbaren Aushungerung Eng­lands haben die verantwortlichen Stellen gerechnet. In solchem Umfange nun, das muß offen zugegeben werden, und das werden auch ruffer? Feinde nicht bestreiten können, hot der U-Bootskrieg sich bewährt.

Leute, die geschichtlich und politisch zu denken ge­wohnt sind, haben von vornherein nicht daran zu glau­ben vermocht, daß ein technisches Mittel, und sei es noch so mächtig, von sich aus eine Entsiheidung herbeiführen könnte, wie die ist, um die es sich hier handelt. Worauf kommt es an? Englands W'elthegemonie und Seetyrannei sollen gebrochen werden. Sie zu unterhöhlen, würde das U-Boot nie gusreickieu, wenn nicht wesentlich andere Faktoren dafür sprächen, daß die Zeit für jene Sonderstellung Englands abge- lanfen ist. Nim ist aber Deutschland durch die Be­gabung seiner Bevölkerung und durch den unermüd­lichen Fleiß von fünf Jahrzehnten dahin gekommen, daß es einen berechtigten Anteil an dem Nießnntz der ge­samten Welt fordern kann. Die in Deutschland Heran­wachsenden und reif gewordenen Kräfte haben das moralische, das wirtschaftliche, das volitische und das kulturelle Recht, für sich und ihre Träger freie Bahn zu fordern. In solchen Grenzen war von vornherein die Wirkung des U-Bootskriegs gesichert. Nicht um ein Niederbrechen oder gar um eine Vernichtung Eng- londs konnte es sich handeln. 100 hl aber darum, Eng­land zu der Einsicht zu zwingen, daß es künftigbin seine Absicht, das aufstrebende und mit Recht aufstrebende Deutschland niederzuhalten, preiszuaeben hat. In sol­chem Kampf, den man ohne Zweitel einen Kampf auf Leben und Tod nennen kann, hat der unein­geschränkte U-Bootskrieg das Seine getan, und hat da- mit die Entscheidung, die, wie sie durch das Deutsch- land innewohnende Quantum an Kraft und Herrsäwfts- anspruch von vornherein feststeht, wesentlich ge- fördert.

Während des ersten U-Bootsjahres sind mehr als neuneinhalb Millionen Brutto- Register-Tonnen versenkt worden. Sach­verständige haben errechnet, daß dadurch unsere Feinde an Schiffsraum, an Frachtgütern und an zwecklos aus- geaebenen Geldern für Fracht und Versicherung einen Verlust in Höhe von rund 81 Milliarden Mark gehabt haben. Daß das für sie eine schwere Schädigung be­deutet, bedgrf keines Nachw.'ises. Aber damit nicht genug: der Zwang, C o n v o r s zusammenzustellen, be­deutet eine weitere sehr spürbare Einschränkung der feindlichen Schiffahrt und veranlaßt eine zunehmend und immer heftiger werdende Verstopfung der feind­lichen Häfen. Der Neubau, durch den die Feinde ihre Schiffsverluste auszugleicben versuchen, b i n d e t, ohne daß dabei auch nur annähernd die Erwartungen der Herren Wilson und Lloyd George erreicht werden, ganze. Armeen und verschlingt außerordentliche Mengen von Material. Durch beides könnte, wenn nicht eben neue Schiffe gebaut werden müßten, das gegen uns geschickte Landbecr der Feinde verstärkt wer- den. Jetzt aber ist gerade da? Umgekebrte der Fall. Durch seine direkten und indirekten Wirkungen leistet der B-Bootskriea. wie auch die Oberste Heeresleitung des öfteren anerkannt hat, eine bedeutsame Er­leichterung für sämtliche Fronten der Mittelmächte. Noch kürzlich hat Churchill zugegeben, daß er die Mnnitionsberstellung um hunderttausend Tonnen habe einschränken müssen, weil es an Schiffs­raum ffir die Herbeiführung der notwendigen Rohstoffe und den Abtransport der fertigen Stücke mangele. Eine statistische Zusammenstellung zeigt, daß während des ersten U-Bootsjahres unseren Feinden an Waffen und Munition so viel abaenommen worden ist, daß dadurch 5N Divisionen und 50 000 Mann für einen Monat außer Geieck-t gefetzt worden sind.

Doch damit nicht genug. Die F l a n d e r n s ch l a ch- t e n, in denen England leine beste Mannschaft rücksicyts» los, wenn auch ohneErgebnis, geopfert hat. sind ein vor­trefflicher Beweis für die Wirkung des U-Bootskriegs. Denn in diesen schweren und blutigen Kämpfen ging es um nichts anderes als um die Basis. von der aus die U-Boote ihre todbringenden Fahrten antreten. Und was anders als die U-Bootsnot hat England zu unpoli- tischen Handlungen gezwungen, wie es die Beschlag­nahmung der neutralen Tonnage und all die in solcher Absicht gegen die Neutralen angewandten Erpressungen sind. Schließlich aber, wodurch ist England in so schwere.Na h rungsin irteln ö te gekommen: wie die sind, 'die nunmehr aus ihm lasten, wenn nicht durch die Wirkungen de? U-BootSkriegs. Dies ist um so beachtenswerter, als, wie wir schon sag- ten, die Aushungerung Englands keinesywgs zu den Erwartungen des U-Bootskriegs von vornherein gehört hat. Nim aber ist England so weit. Der neue Nahrungsmittelkommissar Lord Rhonda mußte sich dazu bequemen, die R a t i o n i? r u n g für Margarine, Butter und- Fleisch anzukündigen. In einer Unter- rednng, die er demDaily Chronicle" gewährt hat, sprach' er von der in allernächster Zeit einsetzenden Lc-bcnsmittelrationierung in Tonen, die einigermaßen vor Ängsten durchsetzt und gerade nicht hoff- minc-svoll sind. Wenn in w hohem Maße eine Wirkuna, mit der wir kaum gerechnet haben, sich bemerkbar macht, so dürfen wir mit um w größerer Zuversicht auf das Eintreten jenes Erfolges rechnen, um deswegen wir den uneinaeschränkten U-Bootskrieg begonnen haben: die Erschütterung des englischen Kriegs- willens, den Verzicht ans seine Seehegemonie und die Bereitschaft des großen Britanniens, sich an den Friedenstisch zu verfiigen. ^

W. T.-B. Bern, 31. Jan. (Drahtbericht.) Der Lebens- Mittelkontrolle,ft Lord R b o n b a sagte in einer Rede in Newport, die deutschen Tauchboote hätten in einer Woche im Dezember dre, Millionen Pfund Speck und ,-ier Millionen Pfund Käse versenkt. Zweifel­los lege der Tauchbootkrieg England bedeutende Unannehm­lichkeiten und Entbehrungen auf. Man müsse eben den Gürtel fester schnellen und dem Feind ins Gesicht lachen. Die Versorgung mit Brot und Weizen sei nicht so be­friedigend. da das Lebensmittelamt wegen "der schleckten Ernte in Frankreich und Italien viele amerikanische Sen­dungen dorthin leiten müsse. Trotzdem bestehe kein Grund zur Besorgnis. '

Zwei en«Ii«<t)c U-voote vernichte».

\V. T.-B. Konstantinopel» 31. Jan. (Drwbtbericht. Tages­bericht.) An den Dardanellen ist durch Geschützseuer der Dardanellen-batterien das englische U-Boot E. 14 bei .Kumkale versenkt worden. 7 Mann wurden gerettet. Einem zweiten englischen U-Boot F. 82 wurde bei Nagara das Seerohr abgeschosfen Dann wurde ein großer .«Mflet? beobachtet, so daß auch dieses Boot mit ziemlicher Sicherheit als vernichtet gelten kann. Durch Maschinen- g,ewekwfeiicr wurde ein englisches Wasserflugzeug, SvitemShena". bei Nagara zum Landen gezwun­gen Die Besatzung wurde gefangen genommen und da? Flugzeua unversehrt geborgen.

An den übrigen Fronten ist die Lage unverändert.

Der wiederbeg'nn der Zriedenr- verhändlangen.

-Schluß.)

W. T.-B. Brest-LitowSk, 31. Jan. Staatssekretär von K ü h > m a n n erklärte, daß er im Namen der Verbündeten befürworte, die Erörterung über die Darlegung des Herrn Trotzky tis nach Eintreffen der Delegation der Kiew er Rada a.'fzuschieben. Er lege Wert darauf, sestzustellen, daß der Bcrsitzende de: russischen Delegation seinerzeit mit keinem Wor t.ongedeutet habe, daß neben der Abordnung des Herrn Holnbawitsch noch eine andere Körperschaft vor­handen fei, welche Ansoruch erhebe, namens der Ukraine zu sprzche« Die Lage scheine ihm kurz die zu sein, daß das Be sieben der ukrainischen Volksrepublik von keiner Seite in Frage gestellt sei, daß aber zwei konkurrierende Körperschaften behaupteten, berechtig zu sein, internaiional tie freie ukrainische Republik zu vertreten. Die verbün­deten Delegationen würden diese wichtige Frage mit Gründ­lichkeit prüfen.

Trotzky erwiderte, er habe seinerseits tatsächlich nicht erwähnt, daß auf dem ukrainischen Gebiet nÄien der Roda noch eine zweite Körperschaft bestehe, welche Anspruch erhebe, da? ukrainische Volk zu vertreten. Es sei für die russische Delegation kein Anlaß gcwn'en, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, so lange die Räte der ukrainischen Arbeiter-, Sol- taten- und Bauern-Dedutierten noch nickt entschieden hätten, ob sie eigene Vertreter zu den Verhandlungen entsenden wellten. Die Frage, welch? der beiden Delegationen das Recht habe, endgültig über d« WüMe der ukraunsche»

Republik zu sprechen, werde nach dem Ergebnis des Kampfes der beiden Organisationen zu entscheiden sein.

Minister des Äußern Graf C z e r n i n erklärte, sich der von Staatssekretär v. Kühlmann ausgesprochenen Ansicht an- znschliehen, daß die Erörterung der Stellung, welche die ukrainische Delegation bei den Friedensverhandlungen ein- znnebmen habe, bis zum Eintreffen der K i e w e r Dele­gation aufzuschieben sei. Da er jedoch es für bedauerlich halten würde, die Zeit unnütz verstreichen zu lassen, so möchte er anregen, daß inzwischen die Kommission für territoriale Fragen ihre Arbeit wieder aufnehnce. Diesem von Graf Czernin ausgesprochenen Wunsche schloß sich Trotzky an. Er erklärte, «Z sei nur noch notwendig, auf eine Angelegenheit zurückznkommen, welche bei der letzten Verhandlungsperiode eine Rolle gespielt habe. Danach sei angeblich ein von der Petersburger Telegraphen-Agentur ausgegelenes Telegramm über eine in der ersten Sitzungs­periode abgegebene Erklärung Joffes zur Sprache gebracht und darauf hingewiesen worden, daß diese Depesche den sach­lichen Inhalt in wahrheitswidriger Weise darstelle. Er, Trotzky, habe darauf erklärt, daß der deutsche und österreichisch- ungarische Bericht über die fraglich? Erklärung Joffes richtig gewesen sei, während der angeblickie Bericht der Petersburger Telegraphen-Agentur nicht den Tatsachen entspreche. In dieser Sache habe er jetzt in Petersburg eine Unter­suchung vornehmen lassen, in der festgestellt wurde, daß die Petersburger Telegraphen-Anentur ein solches Telegramm überhaupt nicht abgeschickt habe. Wie dieses Miß­verständnis oder diese Fälschung entstanden, vermöge er nicht nachzuprüfen. Er überlasse es der daran interessierten Stelle, dies sestzustellen.

Talaat-Pascha schließt hierauf die Sitzung mit dem Vorschlag, die Kommissionsberatung wieder aufzunehmen.

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was soll das?

IV. T.-B. Petersburg, 31. Jan. (Dpabtbericht. Telegra- phenagentur.) Das Mitglied der Friedenskonferenz in Brest-Litowsk Kamenefi reiste als außerordentlicher Ver­treter des Rats der Bolksbeauftragten nach Stockholm, P a r i s u n d L o n d o n. um die Regierungen und Völker der verckündeten Länder über den <ikm« der Besprechungen zu unterrick'ten. Die Abreise Kameneffs verzögerte sich durch den Eisenbahnerstreik in Finnland. Die Meldung, daß Trotzkh heute nach Brest-Litawsk adgereist sei, ist falsch.Anmerkung des W. T.-B.: Trotzky verhandelte bekanntlich schon in Brest- Litowsk.

Die Stteiibewegung.

Ter Eindrilck rn Österrriä».

IV. T.-B. Wien, 31. Jan. (Drahtb-richt.) DasReue Wiener Abendblatt" erinnert drran, daß Ll oyd Georges einzige Hoffnung die Revolution in Deutschland sei. Diese? Geständnis müsse dem deutschen Volk die Augen öffnen. Hoffentlich werde der Feind sich täuschen. Dre Reichspost" urteilt: Der Styeik bedeute eine Verlänge­rung des Krieges und verschlechtere auch die guten Frii'densaussichten. Darunter werde das Volk selbst am meisten zu leiden haben.

Die Gberksand der Besonnenheit.

In verschiedeuea sozialdemokratischen Zeitungen wird Herrn Trotzky folgende Belchruny über den Charakter der deuffchen Streikbewegung gegeben, um ihn vor trügerischer Meinung zu bewahren:

Der Streik ist eine Demonstrationsbewegung, keine Revolutionsbewegung. Und sollte wirklich Trotzky, was wir nickt glauben, io lange es nicht feststebt, sich der Hoff­nung hingeben, Deutschland revolutionieren und maximalisie- ren zu können ein Versuch, der selbst, wenn er von der deutschen Arbeiterklasse unternommen würde, notwondi- aerweise 'Leitern müßte und auf diese Hoffnung hin die Verhandlungen in Brest binzuschleppen versuchen, dann ivürde er erleben müssen, daß die Proletariate der Mittelmächte einig und geschlossen s«h gegen «ine solche Politik wenden würden, die gut gemeint fein mag. auf dem harten Boden der Dinge aber heute mitten tm Krieg zu unmöglichen Zuständen führen müßte.

Die Bewegung ist von den innenpolitischen Zielen ab- {.ejetieri entstanden, um dem Frieden zu diene«, Friedenshindernisse zn beseitigen und eine eindeutig- klare Politik herbeiführen zu helfen, nicht ober um irgend welcher Theorien wegen, dre niemals die des deutschen und österreichischen Proletariats waren. Zusamaceickrüche L la Rußland zu riskieren.

Das deutsche Proletariat hat nicht dreieinheckb Jahre lang an der Front und in dc'r Heimat das Vaterland mit seinem Blut aegen feindliche E, oberungsgelüsie verteidigt, um es kurz vor dem Kriegsende auf eine Niederlage ankommen zu lassen: das möge Troykh wissen, desien mag auch das ganze deutsche Volk ge»oiß sein!

Natürlich Helle Freude in l^mgland!

IV. T.-B. Bern, 31. Jiii (Dwaptbericht.) In London ist die Nachricht von dem Streik in Deutschland mit Heller Freude aufgenominen worden. Jedes Ereignis wurde in London durch Extrablätter bekanntgegeben, die die Überschrift iTflEfl- »Der Zusammenbruch der Mittelmächte."