Wiesbadener Tayblail
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Donnerstag, 31. Januar 1918.
Der Wiederbeginn der 5rieden§- verhandlungen.
W. T.-B. Brest-Litowsk, 80. Jan. (Dräht'üericht.) Heute vormittag fand unter dem Bcvsitz Seiner Hoheit des Grotz- ^wesirs Talaot-Pascha eine Plenarsitzung statt, ine von dein Vorsitzenden mit einer Begrüßung der erschienenen Delegationen eröffnet wurde. In einleitenden Worten wies Talaat-Pascha «darauf hin, «daß seit Eintritt der letzten Pause gewisse Veränderungen in der Zusammensetzung der einzelnen Delegationen eingetreten seien, weshalb er die Vorsitzenden der einzelnen Delegationen, bei denen solche Veränderungen siattgesunden haben, bitte, hiervon der Plenarversammlung Mtteiluug zu machen. Hierauf teilte Staatssekretär v. Kühlmann mit, daß die Königl. haherische Staatsregierung, von einem ihr vertragsmäßig zustehenden Recht Gedrauch machend, int Einverständnis mit Seiner Majestät dem Kaiser und dem Reichskanzler, den Königl. bayerischen Staatsminisier Graf P o d ew i l s - D ü r n i tz als ihren ^Vertreter zu den Verhandlungen nach Brest-Litowsk entsandt habe, so daß Staatsminister Gras Podewils von nun an als Mitglied der deutschen Delegation cm den Verhandlungen teil- nebmen werde.
Herr T r o tz k y gab darauf die Erklärung ab, daß in der Zusommensetznng der russischen Delegation zw'ei Veränderungen vorgenommen worden seien. Eine Änderung sei persönlicher Natur, indem an den weiteren Verhandlungen auch der Volkskommiff«rr für Staatseigentum Herr K a r f I i n teilnehmen werde. Die andere Veränderung trage einen staatsrechtlichen politischen Eharaktcr und betreffe die ~-
Einreihung von zwei Mitgliedern der ukrainische» Bolks- republtt in di? russische Delegation, wovon bereits schriftlich Mitteilung gemacht worden sei. Tw Regierung der Räte der Arbeiter-, Soldaten- und Bauern- deputierten der ukrainischen VolksrspuiÄik habe drei Mitglieder zur Teilnahme an den Friedensverhandlungen entsandt, von denen das eine Mitglied, Volkskommissar und VoM-Staatssekretär Herr Satowskji, in Petersburg zurückgeblieben. und in die Regierung des Rats der Volkskommissare eingetreten sei. Die beiden anderen, und zwar der Vorsitzende des Exekutivausschufles Herr M ej) wjedew und Volks-Staatssekretär für militärische Angelegenheiten S ch a a ch r a y befand sich in Brest-Litowsk, und zwar innerhalb des Verbands der russischen Delegation. Diese Tatsache, die von größter Bedeutung für den Gang der Verhandlungen sei, spiegele die Lage wider, wie sie sich in der Ukraine als Ergebnis der jüngsten Ereignisse entwickelt habe. Da die Gegenparteieu ein Interesse daran hätten, genau über die Zustände in der Ukraine unterrichtet zu sein, so halte er eZ für notwendig, eine kurze Erläuterung zu geben. Die ukrainischen Räte der Soldaten-, Arbeiter- und Bauerudele- gierten führten in der ganzen Ukraine einen entschiedenen Kampf gegen di« Kiewer Ra da, .bei dem in vielen Seifen der Ukraine die Partei der Räte siegte, die in vollständiger Übereinstimmung mit dem PaterSburger Rat ^er Volkskommissare auftrete. DaS ganze Kohlenbecken des Don- revierS, das ganze Bergwerksgediet Jekaterinoslaw und des Gouvernements Charkow und P o l ta v a seien in der Gewalt der ukrainischen Sowjets. In anderen Teilen «der Ukraine wachsedie M a ch t d er «Sowjets, und gehe der Einstuß der Kiewer Rada stetig zurück. Am Tag der Abreise Trotzkhs ans Petersburg fei auf direktem Dräht auö Kiew gemeldet worden, daß das
Kiewer Generelsekretariat zurückgetreteu sei Welche Lösung die Krise in der Kiewer Regierung gesunden habe, welcher, Einslus; eS auf die Delegation des Herrn Holubowitz arSülben werde, fei noch nicht bekannt, doch gehe aus dem Dargefegten jedenfalls hervor, daß ein mrt der Delegation des Kiewer Generalsekretariats _ geschlossener Friede unter den augenblicklichen Verhältnissen keinesfalls bereits als ein Friede m i t d e r ukrainischen Republik angesehen werden könne. In seiner Rede !m «Hauptausschuß des Reichstags ihabe es Staatssekretär v. Kühlmann so dargestellt, als ob die russische Delegation d,e ukrainische so lmige a ne ija n n t Iya*>e, wie sie anneh- men konnte, «letztere würde «digMäolle einer Hilfstrnppe 'vielen. Jetzt aber, wo die russische Delegation ihren Fehler eingesehen habe, verweigere sie ihr Anerkennung. Dies sei eine subjektive Darstellung des Vorgangs, «schon in der ersten Sitzung, m der die Frage der ukrainischen Delegation anaeschnitt-en worden .sei, habe er erklärt, dcrtz der Prazetz des Selbstbestimmungsrechts der Ukrainer noch im Werden be- »rifsen sei. Jetzt, wo in Petersburg der allrussische Kongrey ;er Räte der Arbeiter-, Soldaten- und BauernSelegierwn -a«. auf dem auch die ukrainischen Sowjets vertreten «'eien und wo einmütig die föderative Grundlage für die russische Republik geschaffen würde, entspreche die Ausnahme von Vertretern des ukrainischen Volkssekretariats in die hiesige Delegation, durchaus Zuständen, die in der russischen Republik herrschten. Wenn in der Deleaotimi Herr Holubowitz nach wie vor ein Mandat des Kiewer Sekretariats habe, so erhebe sein« Delegation keinen Einspruch gegtzu deren fernere Tei«nähme "« d»a Krfedentuerhanddwge», Jedcujalfe aber könMen «rr Mhe
klbend-klusgabe.
mit der Ukraine getroffenen Abkommen anerkannt werden, welche durch die Negierung der föderativen Republik Rußlands ihre formelle Bestätigung fänden.
Hierauf ga>b im Namen der in Brest-Litowsk zurückgebliebenen Vertreter der ukrainischen Volksrepublik Herr L e w y t s j k y i folgende Erklärung ab: „Vor der Abreise unterer Vertreter wurde unter den Mitgliedern der Delegation verüb redet, daß bis zum Wiedereintreffen der ganzen Abordnung einzelne hier zurückgebliebene Mitglieder in politischen Fragen nicht austreten sollten. Daher bleibt die Stellungnahme unserer Delegation zu den hier abgegebenen Erklärun- aen des Vertreters des Rats der Volkskommissare, sonne zu der Frage der Zuziehung von Vertretern der Stadt Charkow zur russischen Delegation . bis zum W i e «d erein - treffen unserer Abordnung Vorbehalten."
•** (Schluß folgt.)
Trotzkhs famoses Programm für Brest-Litowsk.
- Berlin, 31. Jan. <zb.) Trotzky hat sich über die Taktik, k'e er weiter in Brest-Litowsk befot§en will, Dahin geäußert: Sein oberster Grundsatz sei, die Verhandcungen mögliclisi hinzu ziehen, Propagandareden zum Fenster hinaus an die Adresse der Bevölkerung der K-nser- mächte zu halten und auf den Umsturz in den Landern der Mittelmächte hinzuarbeiten.
Die vSUiye KuflSsung an der russischen Zront.
W. T.-B. Berlin, 30. Jan. Die russische Presse Vevöffent- luht ein Telegramm des Generals B e n t s ch Br u h e w i t s ch, des Stabschefs der Oberkommandos, das wörtlich lautet: Vollkommene Machtlosigkeit. Biele Frontteile sind entblößt. Aus der Westfront kommen aus die Werst nur 160 Bosonette. D:e Reserven lösen ihre Kameraden in den Schützengräben nicht ab. Eine ungeheure Zahl erfahre- ner militärischer Vorgesetzter ist bei den Wahlen ausgefchie- den. Der jetzige Bestand an Stäben ist ohne Erfahrung. Der Stab und die Behörden werden in Kürze zu arbeiten aufhören, ba niemand mehr arbeiten kann. General- st a b s o ffi z i c r e sind n ich t v o r ha rk de n. Die Arbeits- bedirrgangen in den Stäben sind entsetzlich. Wirtschaftlia) herrscht eine vollkommene Auflösung. Ausbildung und Ordnung der Truppen sind nichts wert. Eine Ordnung tut Heer gibt es nicht mehr. Die Befehle werden nicht ausqefübrt. Desertionen finden inassenhaft statt.^ Beurlaubte tchren nicht zurück. Der Zusammenhang ist an vielen Stellen zerrissen. Der Bestrnd an Pferden ist fast ganz vernichtet. Die Befestigungen der Stellungen zerfallen. Die Drahthindernisse sind zur Erleichterung der Verbrüderung und des Handels entfernt. Einen Angriff des Feindes aus- zvhalten ist unmöglich. Die einzige Rettung des Heeres ist der Rückzug hinter die natürlichen Grenzen.
Kufkebuny der Entente-Verlräye mst Ruhland?
— Berlin, 31. Jan. (zb.) Ein französisches Blatt will die bisher unbestätigte Nachricht bringen können, die nnli- tärischen und politischen Verträge der Entente mrt Rußland seien durch einen gemeinsamen Beschluß der alliierten Kabinetts am 10. Januar aufgehoben worden.
Beschlagnahme der Efsektendepots!
Bi. Zürich, 31. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach Petersburger Meldungen steht ein Dekret bevor, wonach alle EffektendevotS bei den Banken voll über 2 5 000 Rubel konfisziert würden. Auf Guthaben in laufender Rechnung dürfen 150 Rubel wöchentlich abgehoben werden. Nur von den nach Jahresbeginn eröffneken Konten können Gelder noch Wunsch abgehoben werden.
Der Bruch der Bolschewiki mit Rumänien.
IV T.-B. Berlin, 31. Jan. (Drabtbericht.) Folgender russischer Funkspruch behandelt den Bruch der Bolschewik, mit der rumänischen Regierung: „Die mit Verbrechen befleckte rumänische Oligarchie hat die Kriegshandlungen gegen die russische Republik eröffnet. Gewohnt, ihre Herrschaft auf Oligarchie und Kabale und mit dem Blute der rumänischen Bauern und Arbeiter zu begründen, hat die rumänische Monarchie den Versuch gemacht, ihre Gutsbesitzer und ihre Bankiers durch die Besetzung B e tz a r a b i e n s und dessen Umwandlung in einen Prellbock gegen die mächtige Strömung der russischen Revolution zu retten. Die Verbrechen der rumänischen Militär- und Zivilgewalt siiiü unendlick Die Kommissare der russischen revolutionären Trappen wurden verhaftet beim Rückmarsch ins Hinterland wurden sie mit Geschützen beschossen. In allen diesen blutigen Verbrechen nimmt eine der ersten Stellen der Ober- befehlelaber der rumänischen Front, Tscherbatschew. ein. Als Protest und Warnung hat der Rat der Volkskom- m'ssar- den rumänischen Gesandten einer kurzfristigen Verhaftung unterzogen. Die Matzregel blieb ohne Wirkung. Die Verbrechen dauern fort. Der Rat der Volkskommissare verfüg! d,e Eröffnung der Kriegshandlungen. Alle diplomatischen Beziehungen mit Rumänien werden ab- gebroiben. Die rumänischen Gesandten und überhaupt alle Agenten der rumänischen Macht werden in kürzester Frist ausocwiesen Der in Moskau aufbewahrte Goldfonds Rumäniens wird als unantastbar für die rumänische Oligarchi- erklärt Die Raksqelvalt nimmt auf sich di« Verantwortung Pr die Unverschrtheit des Fonds «cd wu» ihn «die Hänü«
Nr. 52. ♦ 66. Jahrgang.
des rumänischen Volkes übergeben. Der gegen die Revolution aufrührerische Oberbefehlshaber der rumänischen^ Armee Tsckerbatschew wird zum Feinde des Volkes erklärt und außerhalb der Gesetze gestellt."
Ein weiterer Funkspruch sogt u. a.: Di am and r
mit seiner Suite wird aus den Grenzen der russrschen Republik hinausbcfördert, wodurch die Sntentebotfchafter von der Notwendigkeit befreit werden, immer neue Forderungen betreffs der Unantastbarkeit Diamandis stellen zu müssen. Nachdem nun einmal nicht nur daS Schicksal einiger Landstreicher, sondern das Schicksal des ganzen rumänischen Volkes heute auf diese Karte gesetzt ist, bedeutet die getroffene Maßnahme eine direkte unmittelbare Unterstützung der rumänischen Revolution, welche in der TieP der ■ sozialistischen Schichten Rumäniens längst herangereist ist. Diese Revolution, ihre Parteien und ihre Führer können auf die volle Unterstützung der Ratsregierung rechnen.
Eine bedeutsame Rundgebuny der etzländische« und livlandischen Ritterschaft.
W. T.-B, Stockholm, 30. Jan. Laut „Stockholms Tid- ningeu" überreichte gestern eine Wbordnung, bestehend aus drei angesehenen Mitgliedern der Ritterschaft Estlands und Livlands, dem Vertreter der Bolschswiri-Regierumg -n Stockholm Vorovskv eine Kundge«bung, worin mitgeteilk wird, daß die Ritterschaft Livlands und Estlands eiw verfassungsmäßige Vertretung «des Landes bildet und hiermit bekannt gibt, daß Livland und Estland f ««l b st ä n d i g sind und in ihr Reckt eintreten, um mit den anderen Ländern Abkom- n>en jeder Art zu treffen. Zum Schluß heißt eS in der Kundgebung: Die wiederholten Übergriffe der yestrrrzten
Selbstberrschermacht und die zahlreichen Übergriffe gegen to«, Gesetze des Landes, die von der republikanischen Regierung Rußlands zugelassen wuroen, «brachte «das Land in eine »er- Meifelte Lage und nahm ihm die Möglichkeit, sein staatliche? Da«s«in zu festigeir. Die Vertreter deS Landes sind somit gezwungen, sich wich Schutz autzerliald der Landesgrenzen umzn- schen und dort Garantien für Gesetz und 9!echt zu suchen. Daher beschloß die Ritterschaft Livlands und Estlands, das Deutsche Reich um Schutz zu bitten. Sie w-.ll die Vertreter der russischen Regierung «davon zur selben Zeit in Kenntnis setzen, tv« dieser Beschluß «der «deutschen Regierung übermittelt wird.
>4000 Lilosramm zfliegerbsmben auf Paris!
W. T.-B, Großes Hauptquartier, 81. Jan, (Amtlich.)
West lieber ^
Dir Gefechtstätigkcit blieb auf Artillerie- und Minen- werferkümpfc auf verschiedenen Stellen der Front beschränkt.
Am Weihnachtsabend und im Laufe deS Januar haben Flieger nuferer Gegner trotz unserer Warnung wieder offene deutsche Städte, weit außerhalb des Operationsgebietes angegriffen.
Tank unserer Abwehrmaßnahmen traten nennenswerte Verluste und Schäden nicht ein.
»»r Strafe wurde die Stadt Paris im ersten planmäßigen Luftangriff in der Nacht vom 30 zum 31. Januar mit 14000Kilogramm Bomben belegt.
Italienische Front.
Südwestlich von Asiago scheiterte ei» itaNenischer Angriff
Zwischen Asiago und der Brenta blieb die AeMerie-
Zahl der von den Ssterreichifch-ungarischen Truppen in den letzten Kämpfen gemachten Gefangenen hat sich a«f 15 Offiziere und 860 Mann erhöht.
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Rea«S.
Der Erste General,uartiermeister: Lndenbarff.
Der letzte Luftangriff ans England.
Englische Meldungen.
v/ T B London, 30. Jan. (Reuter.) Gestern «featt fand ein Luftangriff statt, der länger als alle bis jetzt auS- peföhrten war. Er dauerte ununterbrochen fünf Stunden bei Hellem Mondensckem und wolkenlosem Himmel bei Windstille. Das Gefchützfeuer war kräftiger, das Knattern der Maschinengewehr« deutlicher als gewöhnlich, und nur die fertdauerrckw TÄigkeit der englischen Flieger, die mit den Angreifern kämpften, veranlaßten Pausen von wechselnd« Dauer. Dann brach das Feuer wieder von neuem aus, wenn wieder eine neue Gruppe Maschinen erschien.
IV T -B London, 31. Jan. (Drahtbericht. Reuter.) B« dem Luftangriff in der letzten Nacht wurden vierzehn Personen, meist Kinder, z u T o d e g e q u e t s ch t ,n der Polksnwnge. die m einen Unterstand etnzudcingen versuchte, dessen Tore verschlossen waren.
IV T.-B. Londoa, 31. Fan. (Dcahtbericht.) Feindliche Flugzeuge überflogen die Küste von Essex und Seat etwa 0ix Uhr abend». Einige Flugzeuge versuchte«! etwa eine Ltunde spät« m London «nzu-riugen. Ws zur Stund«
