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Donnerstag» 31. Januar 1918.
M orgen-Ausgabe.
Nr. 51. . 66. Jahrgang.
Eine schwere Gefahr für dir innere Entwicklung.
Die für den Anfang dieser Woche angekündigte Streikbewegung hat sich glücklicherweise als ziemlich b e- deutungslos erwiesen. Wohl haben in einigen großen Berliner Betrieben und vielleicht auch sonst im Lande die Räder stillgestanden, aber im großen und ganzen waren es nur Bruchteile der Arbeiterschaft die der Streikaufforderung, die an sie von unzuständiger und zugleich' unverantwortlicher Seite ergangen war. Folge geleistet hatten. So ist der Schaden, der durch diese Ausstandsbewegung angerichtet worden ist. verhältnismäßig'gering; aber immerhin ein Schäden ist angerichtet worden, und zwar zu einer Zeit, wo dies am wenigsten hätte geschehen dürsten. Es läßt sich ia gewiß begreifen, daß wäbrend eines so langen Krieges Unmutswellen sich ausbreiten und die Gemüter mit sich sortreißen. Es ist auch zu verstehen, daß dre Ausstandsbewegung, die in Österreich-Ungarn sich bemerkbar gemacht hatte, nach Deutschland hinüberstchlna. Das alles aber kann nicht als Entschuldigung gelten für die große'Torheit, die in gegenwärtiger Zeit jede Arbeitseinstellung ist. Sehr mit Recht hat der Staatssekretär des Innern darauf hingewieien, daß. wenn es den Feinden gelänge, die deutsche innere Front zu zerbrechen, die w i I d e st e n ihrer R a u b p l ä n e aufs neue erwachen würden, der Krieg sich ins Unendliche verlängerte und gerade die Arbeiterschaft dabei wirtschaftlich und poliftsch die schwersten Folgen zu tragen hätte. So ist es in der Tat. Ein? Unterbrechung der kriegswichtigen Fabrikation, und sei sie nach so geringen Umsangs, n ü b t n u r den von außen anstürmenden Feinden, fördert aber zugleich den Widerstand, den die freiheitliche Entwicklung unserer inneren Politik bei denen ftndet. die niemals einen Hebl dar- »ws gem««bt haben, daß die Demokratisierung eine Gefahr für das Bestehen des Reichs ist. Tie Arbeiter, die den Fabriken und den Werkstätten fernbleiben, fügen sich und ihren Kameraden also einen d o o p e l t e u Eckode« zu. Dies einzußeben. dürfte nickt sckwvr sein, und so ist zu hoffen, daß jeder etwTik.» weitere oder zukünftige Versuch, die deutsche Arbeiterschaft .ihrer Pflicht abspenstig zu machen, scheitern wird. Was die Förderung der äußeren Feinde betrifft, so bedarf es kaum eines Nnckw-ftes. daß jede Unter- brechimg der Arbeit, die naturgemäß eine Minderung der Munition, der Waffen und des sonstigen Kriegsmaterials bedeuten muß, von Willon und winen Kumpanen als eine Hilfe in schwerer Rot befracktes wird. Solche Hilfeleistikng muß die deutsche Arbeiterschaft, wenn sie die Zusammenhänge richtig erlaßt, gewiß wert von sich weisen. Kein deutscher Arbeiter sollte dafür die Verantwartnna fragen wollen, daß seine Brüder an den Fronten überflüssig leiden, weil kurzsichtiger Trotz den Krieg auf eine Weise zu beendigen versucht, auf die ergänz gewiß niemals beendet werden kann. Jedermann weiß, daß Deutschland alles getan hat. um das Kämmen des Friedens zu fördern; an unseren Feinden liegt es. und nur an ihnen, wenn die Walsen auch weiterhin ihr furchtbare? Werk verrichten müssen. Da dem aber nun einmal so ist, so bedeutet iedes Nachlassen der Energie eine Steigerung und Verlängerung der .Ki-wasnot. llmaekebrt ist jede restlos auZaebrauchte Arbeitsstunde eine Forderung, den feindlichen Kriegswillen zu zerbrechen und die Herren um Wilson und Llovd Keorae endlich friedensbereit zu machen.
Aber auch die andere Erwäqimg. daß ieder Streik unter den obwaltenden Umständen eine Schädigung unserer inneren politischen Entwicklung ist. muß seder- mann einleuchten. Die Gegner solcher Entwicklung operieren ia gerade mit der Behauptung, daß das Volk für die Selbstverwaltung. ftir das allgemeine Wahlrecht rmd für olles. waS damft zniammenkän.ft nicht reif fei. WaS kann es da Törichteres geben, als tatsächlich etwas zu ftm. was von jedem Einsichtigen als ein Zeichen voliftscher Unreif? beurteilt werden muß. Eine Demokratisierung ist nur dann möglich, wenn das ganz? Volk lest davon durchdrungen ist. daß alles, was die Notwendigkeiten des Staates verlangen. In eigener Sache aescbwbt. Wm- gegen solch? Selbst- vers'ändsichkeft verstößt, lördert iene Verbuche, die bents und künftigbin dos dentichtz Volk wie ein ar»ß»s Kind behandeln möchten. Solchen Versuchen ein ftir allemal ein End? zu machen, aibt es Fern besseres Mittel als das, unter allen Umständen alles zu tun, lvas das Wohl des Vaterlandes verlamrt.
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dFbt# «oerrnettb« Stimm«.
W. T.-B'. Kattowitz, 30 Jan. (Drahtbericht.) Der Z e n t r a ! v o r st n n d der polnischen BerufSver- vereinigunq veröffentlicht einen Aufruf an di, polrci. scheu Arbeiter, in i*m e» «. «. heißt: Die SWwie*
haben bis jetzt kaltes Blut bewahrt und liehen sich nicht auf Irrwege geleiten. Da jedoch in letzter Zeit die Gemüter durch die letzten Vorfälle in Österreich-Ungarn und die Lebensmittelschwierigkeiten erregt sind, ist es nicht ausgeschlossen, daß hier und dort jemand das Gleichgewicht verlieren und sich der Streikbewegung anschliehen könnte. Deswegen erheben wir unsere warnende Stimme und fordern die polnischen Arbeiter auf. auf anonyme Aufrufe nicht zu achten und den Einflüsterungen verschiedener Verführer kein Gehör zu geben, dagegen sich ruhig zu verhalten und ihre Pflichten zu erfüllen. Me bisber, sind solche Ausschreitungen, zu denen der Aufruf auftordert, Wasser auf die Mühlen der Gegner jeglichen Fortschritts, namentlich einer Reform des Arbeiterschntzgesetz^s und der Wahlrechtsreform. Die Regierung hat bereits angekündigt, daß sie gegebenenfalls mit allen Mitteln gegen solche Ausschreitungen vorgehen wird, so daß die Teilnehmer sich den größten Unannehmlichkeiten aussehen könnten. Was die Lebensmittelschwierigkciten anbelangt, so haben die Vertreter der Berucksvereinigungen und anderer Verbände unlängst mit großer Bestimmtheit im Ernäbrungs- amt Klagen der Arbeiter vorgetragen. Es ist zu boffen, daß eine rationelle Lebensmittelverteilung eintritt. Im übrigen weichen durch solche Ausschreitungen fehlende Lebensmittel weder vermebrt, noch beschaffen. Gebt auch nicht aus den Leim des Bolschewikis- mus, sondern bleibt ruhig bei klarem Verstand und «füllt die euch anvertraute Arbeit. Meidet jegliche Ausschreitung I
Zum Sturz des Senats in Finnland.
W. T.-B. Helft ngfors, 30. Jan. (Drahtbericht. Svenska Telegram-Bvran.) Der aussührende Arbeiterausschuß beschloß. den Arbeitern vorzuscklagen. eine Delegation des finnischen Volkes zu ernennen an Stelle des jetzt gefallenen M haßten Senats. Die Delegation soll zusammen mit dem Zentrolrat der Arbeiter vom Rat kontrolliert werden und die Regierung ausüben, bis die Arbeiter anders bestimmen. Die Regierung, die sozialdemokratisch sein muß, ist interimistisch und folgendermaßen zusammengesetzt: Präsident Strola. Auswärtiges; Hoapalönen. Innere«, Letenmäki, Justiz; Kunsinnen. Unterricht; Kohonen. Finanzen; Lnmiwuekko, soziale Fragen; Elorauta. Ackerbau; Tokoi. Lebensmittel; Lindquist. Verkehr und Post; Turkia, Pro- kurator. Der Z e n I r a I r a t wird 35 Mitglieder zählen, und zwar 10 au? dem Parteirat l0 aus der Volksorganisation. ;0 Rete Gardisten und 5 organisierte Helsingfors« Arbeiter. Der Name Senat darf nicht mehr Vorkommen.
Finnische Hoffnungen aus Skandinavie« und
Tentichland.
W.T.-B. Berlin, 29. Jan. Am 22. Januar, also unmittelbar vor dem Ausbruch der Unruhen in Finnland, schrieb die finnische Fettung .Husvud Statsbladet": Die soziale Um- Wälzung in Rußland verlöt unser, .Roten" und läßt sie hoffen, ähnliche Vorteile in unserem St-nrtkkörp« zu « reicken, wie ihre dortigen Gesinnungsgenossen. Jedem aber, der die Lage des Augenblicks zu übersehen vermag, ist es klar, daß eine derartige Orientierung den Untergang unserer staatlichen Selbständigkeit und den Tod der nationalen Unabhängigkeit bedeuten würde. Unser Land würde in Kürze in den Wirbel der bolschewistischen Anarchie und Auflösung hineingezoqen werden. Nachdem das Blatt auf die Notwendigkeit hingewiesen bat. daß die Grenze klar und bestimmt gezogen wird. was natürlich eine gute Nachbar- rchaft mit Rußland nicht ausich'ieht. bemerkt die Zeitung, daß Finnland ebensowohl wie die skandinavischen Staaten jetzt, wie auch bei eventuellen Zukvnfttkonflikten. strenge Neutralität innehalt-n muß. In einem Anschluß an Skandinavien könne daS Land ballen, außerhalb der Rivalität der Großmächte und der dadurch b»,vorgerusenen Strömun- gen stehen zu dürfen. Die Sozi,listen, die sich siir einen Anschluß an Rußland beg-iüern. lassen den Umstand unbeachtet, daß ver rusiische StaatSköiver nickt immer bolschewistisch regiert und anck nickt immer durch soiiake Unistürzung in Anspruch genommen sei» wird. Ein Riickschiag kaim bald ein- treten, und es ist möglich, ygß stck Rußland von der Ermatvinq des Verfalls erbolt und daß dessen GrußmachÜnstinkte wieder erwachen, wobuvtz ein mit Rusckand verknindene? Finnland riskieren kann, in »ine Mrn« schwieriger »ompkibationen bknemgezoaen »u werden. Wenn w-^er eine ck>om»in,stische Strömung in Rußland die Selbständigkeit Finnlands be- droben sollt«, wäre es fst.' d»S Land von unschätzbarem Wert, mit Staaten verßnnden za sei«, die «in direktes Interesse daran baden, daß di» Unabdäagigkrtt F,nn!and« bowahrt wird. §? ist nick» auSges.-ralsea. daß die Hilfe der skandinrvi- sckon Staaten in einer ko>«h«-n Sttnation nnht stark Kenug wä«, weshakd Finnland itä-ke« Garantien für sotne Unav- bängigkeit suchen sollte. Hie-mit spielt der Verfaß« des Arttirl« auf Deutschland an.
öe-r^«r*'*♦*>< Maftnshrn««
W T.-B. Stockdol«. S8 Jon . (Drodtberichl i NnkätzliH der S«g» >» Finn-ont tr»s di» !»w»dibb, Regiernng v»rb»r»,t»vd» Woßnvbmkn uw netstkniall» iinverriiglich »*‘H« dar,bin zu en11« e > » « . » »ich» dir schwedisch«, Bitlfrta*en In ihr Saterland zurücksübr«, sollen.
\V. T.-B. Stsckhot«. W. Ja». kDvatztderdcht. Swenvta Tsloyrom-Byrrrn.) D«r K » n i , . der seit einige« Tagen in
Schonen weilte, beschloß mit Rücksicht U
KuullnÄtz nach P» r«tp ,t chr« w
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 30. Jan. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 30. Januar, mittags: Die schweren Kämpfe auf der Hochfläche von Asiaga dauern an. Südwestlich von Asirpc und im Gebiete des Mte. Sisemoll scheiterten alle italienischen Angriffe unter großen blutigen Verlusten. Der Monte di Val Bella und C o l d e l R o s s o mutzten nach heldenmütiger Verteidigung und zähem Ringen den an Zahl immer stärker herangeführten feindlicher, Kräften überlassen werden.
D« Chef des Generalstabes.
vev kkrie«zsrai der Kllfksrten.
W. T.-B. Paris. SO Jon. (Trabtbcricht. Ag.'nc? HavaS.) Di« di» Blätter berichten, sind Lloyd George, Persing, Douglas, Haig, Codorna. Orlando und niedrere stanzosische Generale in Der- s a i l l ! s cnorkommen Der Kriegsrat der Alttrerien wird im Saale des „Hotels Triancn" siattfinden. Me alliierten Generale hielten gestern eine korbereitende Versammlung ab. Der Kriegsrot tagte gestern unter dem Vorsitz des ftanMschen Ministers LIemenceau,
Das schwedisch-amerikanische Schiftsabkommen. W.T.-B. Washington. 3b. Jan. lDrahtbericht. Reuter.) Es wird >nitq»tei't. daß eine kerläukige Übereinkunft zwischen den Der- einigten Staaten und Schweden wegen der Charterung schwedischer Schiffe für die Vereinigten Staaten in London zustande gekommen ist Die Cchifsc sollen hauptsächlich für den Handel mit Südamerika verwendet werden, einige sollen jedoch Frachten nach Schwede» führen.
Deutsches Reich.
Kur d«rn wahlrechtraurschutz de» ttbq«»rvn«tenhauser.
W. T : B. Berlin, 80. Ion. (Dvo-OberiM.) Im M«M-
rechtsausschuh des Lstbaeordnetenhaufes wurde gegen die Stiimneu der FortschritÄer, Sozinldcmckvaten und Polen der Z 1» onpenomimen, der lautet: Als Mitglied des Herreu- st.ru ke« ist deftendge vollsochrige Azenatz der der Krone «m nächsten steht, nach erreichter Dollsahrigikeil zu berufen. Sodann wurde tz 2 in der folgenden Fassung angenommen: Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit sind: t. diejenigen Prinzen des König!. Hauies und des fürstlichen Hauses von Hohen- zcllern, die nmb erreichter Volljährigkeit vom König berufen werden; 2. die Häupter, der nach der deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815 zur Stcmdschsft berechtigten vormaligen deutschen reiLsständigen Häusern in Preußen, die vom König berücken werben. Ferner winche 8 3 in der nachltebende» Fassung anckgewomivem: Auf Grund van PrÄentaticm werden auf Lebenszeit in das Herrenhaus berufen 50 (in der Re- aicranaSvorlage 60) Personen auher der Zahl der nach der Verordnung wegen Bildung der Ersten Kamm« vom 12. Oktober 1854 zu erblichen Mitgliedern berufenen und 1. 18 Mitglieder (in der Regierungsvorlage 24) als Vertreter der Fürsten. Grafen und Herren; 2. 32 Mitglieder (in der Regierungsvorlage 26) als Vertreter mit erblich« Ber«hti- gung >dem H«renhous angehörenden Personen und d« mit dem Präsentationsrecht begnadeten Geschlecht«.
Der Glückwunsch des Abgeordnetenlsauses für den Kars« ''imb die Antwort des Kaisers.
W.T.-B. Berlin, 30. Jan. (Drahtbericht.) Der Präsident des Abgeordnetenhauses richtete an den Kaiser folgendes Geburtstagstelegramm- ..Eur« Kaiserlichen und Käniglichen Majestät beehre ich mich, namens des preußischen Abgeordnetenhauses die innigsten Geburtstagswünsche darzubringen. Mögen die mit einem Teile unserer Gegner eingeleiteten Friedensverhandlungen zu einem für «ns»rtzeliebtes Vat«land gesegneten Ausgang führen, mögen die ungebrochene Kraft und Einmütigkeit unseres Volker im Kampfe gegen unsere übrigen noch immer unversöhnllchan Feinde Eurer Majestät und Ihrem getreuen Volke im «e«en Sebenrjabr Heu vollen Sieg und gesicherten dauernden Fa», den bringe«.' — Darauf ist folgende Antwort eingeganyen: ..Wärmsten Dank für die treuen Wünsche, mit denen Sie namens des Abgeordnetenhauses mich bei Beginn des neuen »rnt entscheiduugsvollen Lebensjahres erfreut feilten. Im Rückblick auf daS vergangene Jahr denke ich mit tieftr Dankbarkeit d« neuen unvergänglichen Lorbs«en, die den alte« preußischen Fahnen unter Führung groß« Feld- berren zuteil geworden sind. Sie sind ermöglicht worden durch den Geist treuer Pflichterfüllung, starken Staatsbewußtseins und opferwilliger Hin- g a fe e, zu d« große Könige und geniale StaatsmännerRuns« Volk in harter Schule erzogen haben, und die die Grundlagen für tos treue Durchhalten der Heimat bilden. Es ist mein Heister Wunsch für dessen Erfüllung ich die treue Hilfe aller Pnterlandsfseunde oufruft. daß dieser Geist unser in Net und Tod bewährte Volk zu weiterem treuen und ge- schivsienen Aushacren einige, bis der Sieg uns«« Waffen und ein guter Frieden den Weg zu freier sich«er Entfaltung f-iay reich e n gettzigLN Kob wchtjchqsMen Kräfte öffnet.
