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12 Ausgaben.

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Berliner Abteilung deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Lütz,« 8202 und 6203.

Dienstag, 29. Januar 1918.

Kbend-klusgabe.

Nr. 48.. 66, Jahrgang.

Vrest-Litowsk.

Eine Spaltung der Bolschewiki?

W. T.-B. London, 28. Jan. (Reutermeldung.) -Daily News" erfährt aus Petersburg: Es ist eine Spaltung unter den Bolschewiki eingetreten. Die Minorität ist der Ansicht, daß die Schwächung und Isolierung Rußlands zu einem Sonderfrieden zwinge. Die Majorität einschließlich des linken Flügels der Sozialrevolutionäre ist bereit, in eine Periode der revolutionären Verteidigung omzutreten. Die letzte Entscheidung liegt bei T r o tz k y.

Dir Stellungnahme der Bolschewiki zu den deutschen Bedingungen.

Br. Kopenhagen, 29. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Mail" meldet aus Petersburg: Die Dolschewiki-Regie- rnng wird die deutschen Friedensbedingunpen nicht anneh- «nen, sondern die Verantwortung für den Abschluß dem all­russischen Kongreß überlassen.

Trotzkys Abreise.

W. T.-B. Petersburg, 28. Jan. Der BoNSbsauftraqte für auswärtige Angelegenibeiten Trotzky ist in der vergangenen Nacht noch Brest-Litcwsk abgereist.

Eins Erklärung der ukraini'^en Sowjet» reoierung neoen die Roda.

Stockholm, 25. Jan Tie Petersburger Telegraphen-Agentnr oeicssentlilbt felgende Erklörung der Vertreter der Bauern- und Arbeitet regier»rig rer Ukrainc zu Brest-Litowsk:

Dir.die Vertreter der Arbeiter- und Bauernregierung der ukrai- Nischen Nepnklik Schschrai, Sekretär lür die milttärischen Angelegen, beiten Medwiediew. Präsideni des ausführenden ZentralausschnsseS der ukrainischen Sowjets, abgeardnet nach Brest-Litowsk zu den Frirdensverbandumgen, erklären zusammen mit den Bertretern der russischen Bundesrepublik, daß das Generalsekretariat der ukrainilckien Zentralrada nicht als Vertretung des gesamten ukrainischen Volkes anerkannt werten kann. Im Namen der Ar­beiter. Baueir und Soldaten der Ukraine erklären wir, daß alle von dem Grneraliekretariat ohne unsere Zustimmung gesüßten Beschlüsse durch tos ukrainische Volk nicht anerkannt werden und keinessoll? durckicusübr! werden können. Wir machen gemein­sam« Seche mit der Abordnung der Regierung der Bauern und Ar- beiterRußlaudS auf der Friedenskonferenz und nebmen an der rufst- scheu Telegation teil. Ter Zentralausschutz beauftragt UNS, auf de» Friedbnsverb.andlungen kategorisch zu erklären:

Alle von der Zentraliada im Namen deS ukrainischen Volkes getanen Schritte sind Versuche der ukrainischen Bourgeoisie, gegen den Willen und die Jnler-ssen der Arbeiterklasten zu handeln. Kein» don der Roda eingegangene Verpflichtung wird von den Sowsels des ukrainischen Volke» anerkannt werden. Die Regie­rung der Bauern und Arbeiter der Ukraine erkennt die VolkSbe- avstregten als Verireter der Macht der russischen SawsetS an und ei kennt Ihnen das Recht zn, die gesamte russische Föderation zu vertreten. Tie Delegation der Regierung der Arbeiter und Bauei« der Ukraine wünscht die falsche Politik der Rada zu ent­hülle« und gemeinsam mit der russischen Delegation vorzugehen.

Ter aue.führende ZentralauSschuß der Sowjets der Ukraine:

Volkskommissar für militärische Angelegenheiten, Schachrai.

Rach Empfang dieser Erklärung stellte der Präsident den Vor­sitzenden sämllickkr Delegationen Abschriften der Erklärung sowie Abschriften der Mandate der Kameraden Medwiediew und Schachrai sowie folgenden Brief gir

Indem wir Ihne» Abschrift der Erklärung der Delegation der ukrainischen Arbeiter- und Vauernregierung überienven, geben wir uns die Ebre. Ihnen mitzuteilen, daß die rujsiscys Delegation in Übereinstimmung mit dem anerkannten Rechte rller Völker einschlietz- kich des ukrainischen, über ihr Schicksal zu bestimmen, bereit ist, über den allgemeinen Frieden zu verhandeln, zusammen mit de' Vertretern der Ukraine. In Übereinstimmung mit ihrem Wunsch läßt di, russische Delegation sie als bevollmächtigte Vertreter der ukrainischen Bauern- und Arbeiterregicrung zu. In dieser Er­wägung sitzen wir die unterbrochene Sitzung des DonderausschusteS fort. Der Präsident der russischen Delegation Joffe.

Die Erklärung der absoluten Unabhängig­keit der Ukraine.

Basel, 28. Jan. Wie Havas auS Petersburg meldet, proklamierte di« ukrainische Zentralrada mit 808 gegen 4 Stimmen die absolute Unabhängigkeit der ukraini­schen Republik und sprach den Wunsch aus, mit Ru m ä n ie n, der Türkei und den benachbarten Mächten in guten und freundschaftlichen Beziehungen zu leben. Bis zur Eröffnung der ukrainischen Konstituante wird die Zen- tralrada im Namen des ukrainischen Volkes di« Geschäft« un­ter dem Namen „Rat der Volksminister" führen.

In ihrer Proklamation wirft die Zenträlrada den Petersburger Kommissären vor, den Frisdensschluß zu v e rz ö,a e r n, es heißt dann weiter: „Wir sind von 'der Ar­beiterklasse gebildet, die Bauern und. Soldaten der Ukraine werden keinen Krieg führen. Wir verlangen den Frieden für das ukrainische Volk in kürze st er F r i st. Wir proklamieren unsere Unabhängigkeit, damit weder die russische noch eine andere Regierung dem Frieden Hindernisse bereiten kann, der in der Ukraine die Ordnung wiedevherstellt und die durch die Revolution erlangte Freiheit befestigen will."

Englische Befürchtungen wegen eines Sonderfriedens mit der Ukraine.

-Ln. Rotterdam, 29. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der

Petersburger Berichterstatter der »Daily Utetoi“ bettat- daß

die Gefahr eines Sonderfriedens zwischen den Zerrtralmächten und der Ukraine sich ver'chärft. Das ukrainisch« Getreide werde dann den Mittelmächten und nicht Nordrußland zugute kommen. Schon jetzt berrscht aber in Großru-tzland Hungers­not. In Petersburg sei infolge Unterernährung der Fleck­typhus ausgobrochen und habe epidemischen Charakter an­genommen. Der Ernst der Lage könne leicht zur Anarchie und zum Sturz der Negierung führen. Trotzky setze seine Hoff­nung auf die ukrainischen Sowjets, die in Charkow gegen die Rada sich erhoben haben und den Petersburger Maximalisten gewogen sind. Die Alliierten sollten versuchen, durch ihre Be- teiiigung an den Verhandlungen einem Sonderfrieden mit der Ukraine twrzubeugen mtd Trotzky zu unterstützen.

»

Gewaltsame Auflösung des finnischen Senats.

Br. Genf, 29. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Havas mel­det auS HclsingforS: Der finnische Senat wurde von den Bolschewiki, unterstützt durch die Marinetruppen der Sowjets, aufgelöst. Der Senat protestierte gegen die Ein­mischung der russischen Soldaten und Matrosen in die inne­ren Angelegenheiten Finnlands. Der Präsident des Senats wurde verhaftet.

W. T.-B. Stockholm, 27. Jan. (Meldung des SvenSka Telegram-ByranS.) Seit gestern vormittag ist die tele­graphische Verbindung zwischen Stockholm und Petersburg unterbrochen. Die finnländische Übergangsstation Nystad signalisiert, daß Rote Garden die Linien abschnitten. Auch mit Finnland besteht keine Verbindung. Man erfährt über Petersburg aus Haparanda, daß vollständige Anarchie in Finnland herrsche, besten Unglück dadurch noch vermehrt weide, daß die russische Bolschewiki-Reyierung erklärt habe, sie sei genötigt, ihren Grundsätzen gemäß die finnländischen Revolutionäre in dem Streite gegen die bürgerliche Gesell­schaft zu unterstützen.

Entwaffnung der polnischen Legion durch die Maximalisteu.

Vs. T.-B. Petersburg, 28. Jan. „Rjetsch" meldet: Kry- lenkc brachte ein Radiotelegramm zur Kenntnis der Volks­kommissare, das schleunigst Maßnahmen zur Bertrei- bung der polnischen Truppen im Gouvernement Orscba von den Punkten, die fie besetzt halten, und die allge­meine Entwaffnung der polnischen Legion anordnet. DaS Vorgehen der Polen soll die Antwort auf die Verhaftung deS polnttchen ZentralauSschusteS durch die Maximalisten fein, die unter den Polen lebhafte Aufregung hervorgerufen habe.

*

Abbruch aller Beziehungen zu Rumänien!

Tfcherbatichew geächtet.

W. T.-B. Petersburg, 28. Jan. Nach einem Petersburger Funkspruch bat die Petersburger Regierung alle diploma­tischen Beziehungen zu Rumänien abgebrochen. Die rumä­nische Gesandtschaft wird auf dem kürzesten Wege in? Ausland abgeschoben. Der Goldschatz Rumä­niens, der in Moskau liegt, wird als u n a n t a st b a r für die rumänische Oligarchie erklärt. Die Räterepierung übernimmt für die Aufbewahrung dieses Goldes und die Übergabe an daS rumänische Volk die Verantwortung.

General Tscheroatschew wird als außerhalb des Gesetzes stehend erklärt.

Die russtsch-rumSnischen Kümpfe bei Galatz.

W. T.-B. Petersburg, 27. Jan. ilbar dir Vorgänge bei Galatz, die zum Übertritt russischer- Truppenteile zu den Verbündeten führten, wird weiter gemeldet, daß die Kämpfet zwischen der 9. und Teilen der 10. sibirischen Division und den Rumänen westlich von Galatz noch immerandauern. Auf rumänischer Seite nahmen dabei schwere Artillerie und bei Galatz auch drei M c n i t o r e teil. Die russischen Stellungen von der Babn Brailn-Galatz bis zum Serethbogen östlich Nicolei bleiben unbesetzt. Ein befestigter Punkt an der Bahn wurde von den Rumänen besetzt, deren Posten sich gleichzeitig im S e r e t h b o g e n festsetzten.

Die Zriedenrerörterung.

Ein grotzer Rriegsrat der verbündeten.

W. T -B. Rom, 29. Jan. (Drahtbericht. Agencia Stefan!.) Der Minister des Äußern Sonnino ist am Sonntag nach Paris abgereist.

W. T.-B. Paris, 29. Jan. (Drahtbericht.) Der „Temps" meldet: P i ch o n und Sonnino werden an den morgen und übermorgen zwischen den Chefs der Regierungen Frank­reichs, Englands und Italiens stattfindenden Besprechungen teilnebmen. Der Kriegs rat der Verbündeten tagt wahrschein, lrch am Donnerstag.

W. T.-B. London, 29. Jan. (Drahtbericht. Reuter.) Lloyd George und der italienische Ministerpräsident Orlando haben London verlosten und sich nach Paris begeben.

Noch eine bemerkenswerte englische Betrachtung.

U. Rotterdam, 29 Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die eng­lische ~ i a r" betont, daß Wilson zweifellos

die Entlad«^ Czernins zu Friedensverchandlungen beant-

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die VermittlungSrclle zwischen den kriegführenden Gruppen übernehmen und die Welt vor völliger Vernichtung retten könne. Di« Wahrheit sei, daß die Völker aller Länder sich jetzt gegen ihre Regierungen wenden und einen unwiderstehlichen Druck zugunsten eines allgemei­nen Friedens ausüben, weil sie sich nicht länger von Leuten bevormunden lasten wollen, di« die Welt zu-m Abgrund füh­ren. Wenn unsere Politiker ve: ständig wären, so würden sie sich zusammenschlictzen nnd eine demokratische Regierung bilden, die endlich und großmütig gegen die bisherigen Geg­ner Vorgehen müßten.

Lloyd Georges Antwort. *

— Berlin, 29. Jan. Das „Berl. Tagcbl." berichtet von der Schweizer Grenze: „Daily News" berichten,

daß Lloyd George zunächst nach einem Einvernehmen mit den Alliierten die deutschen wie österreichisch-ungari­schen Auslassungen zu seiner und Wilsons Rede beant- Worten werde.

Drlando als Sprecher der Entente?

W. T.-B. Bern, 28. Jan. Der Berichterstatter der „Stampo" in Rom berichtet, daß die politischen Kreise ge­spannt seien, was nun auf die Reden der Minister der Mittelmächte folgen werde. Ein Meinungsaustausch zwischen der Entente und Wilson sei nötig. Man glaubt jedoch nicht an eine einheitliche Kundgebung der Entente. Die Antwort auf die Reden der Gvafen Hertling und Ezernin werde wohl namens der Entente durch Orlando bei der Eröffnung der italienischen Kammer erfolgen. Den italie­nischen Kriegszielen seien die Reden der feindlichen Staatsmänner wenig günstig. Dennoch sei die Mehrzahl der Politiker der Ansicht, daß die Reden der Staatsmänner, ganz allgemein betrachtet, einen Schritt zum Frieden bedeuteten.

Die Sdmiralstabsmeldung.

W. T,-B. Berlin, 28. Jan. (Amtlich.) Unsere Untersee­boote fügten dem Feinde wiederum einen Berlust von 18 003 Brnttcrrgistrrtonnen Handelsschiffsraum zu. Drei große Dampfer wurden unter der irischen Küste versenkt. Zwei von ihnen fuhren in einem durch Zerstörer stark gesicherten Geleitzug. Einer der Dampfer war der bewaffnete englische Dampfer ^Maxton" (3810 Br.-R.-T.). ____

Der Lycf deS Admiralstavs der Marine.

Der Demonstrationrstcelk der „Unabhängigen".

„Steine auf den FriedenSwep".

Berlin, 29. Jan. (zb.) Unter dieser Überschrift schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." redaktionell: Wenn unsere Feinde, die auf eine Revolution in Mitteleuropa und den Abfall der Sozialdemokratie vom Volksganzen spekulieren, erfahren, daß cs in Deutschland tutsächlich zu TeilauS- ständen gekommen ist, so wird man sich in dem Wahne wissen, daß solche Hoffnung der Erfüllung nahe sei. Daß eS sich in Wirklichkeit um verhältnismäßig geringe Arbeiter- masten handelt, wird sie in ihrer Freude vorläufig nicht be- einträchfigen. Troydem ist gerade heute die Feststellung an­gebracht. daß es sich bei diesen Streikenden nicht um politisch denkende Männer und Frauen handelt, sondern in der Haupt­sache um Jugendliche beiderlei Geschlechts. Die Sozial- demokrattsche Internationale Korrespondenz stellt das aus­drücklich fest.

W. T.-B. Berlin, 28. Jan. Dis zum Abend war aus ganz Berlin und ferner Umgebung nicht ein einziger Zwischenfall gemeldet worden, der mit. dem AuSstand rm Zusammenhang stände. Die Gesamtzahl der heute nicht zur Arbeit erschienenen Leute beträgt höchstens 90 000, darunter meistens jugendliche Arbeiter und Arbeite­rinnen. An den meisten großen Betrieben ist die ganze Be­wegung überhaupt spurlos vorübergegangen. Im Straßen­leben Berlins war den Tag hindurch keinerlei auffällige Erscheinung wabrzunehmea.

verbotene Versammlungen.

Abordnung einer Deputation zum Minister deS Innern.

Br. Berlin, 29. Jan. (Eig. Drcchtbericht. zb.) Heute vormittag sollten im Gewerkschaftshaue von 9 dis 2 Uhr eine Anzahl Versammlungen der Ausständigen, außerdem Ver­sa mm luiiaen von Schneidern, Schuhmachern und Rohrlegern zur Stellungnobme zu dem Streik stadtfinden. Die Polizei untersagte diese Berai-staltungen. Die große Masse der er­schienenen Arbeiter ging, als mitgeteilt wurde, daß morgen früh neue lDersammlungen statffinden würden, ruhig nach Haus«. Um l0 Uhr begann dann im GewerkschaftShaus eine Sitzung der GewerkschaftskomMission, zu der Vertrster der Streikenden hinzugczcgen worden waren. Nach kurzer Be­ratung wurde heschkostcn, sofort eine Deputation zunr Minister des Innern zu senden, um chm die Forderung der