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Verlag Langgaffe 21
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Sonntag, 27. Januar 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 45.
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66. Jahrgang.
Dem SriebenssHaifer.
Zum vierten Male begehen wir den Geburtstag des Kaisers in Kriegs zeiten. Wir sagen begehen, nicht feiern, denn inmitten des Weltkrieges haben wir keine Zeit Feste zu feiern, und der Monarch selbst hat ausdrücklich den Wunsch geäußert, daß auch in diesem Jahre von lauten, festlichen Veranstaltungen tunlichst Abstand genommen werden möge: man möge sich auf ein freundliches Gedenken und auf treue Fürbitte beschränken.
Das wird gewißlich in reichem Maße und za» vollem Herzen geschehen. Denn wenn auch die Lloyd George, Clemenceau, Wilson und Genossen, obwohl sie selber die größten Autokraten sind, sich bemüßigt fühlen, verleumderische und verlogene Reden zu hallen gegen die „Autokratie der Hohenzollerndynastie", deren angeblicher Militarismus, verbunden mit unbezwinglick)er Eroberungssucht, den Weltkrieg verschuldet habe, so zeugt das von der erstaunlichen Naivität und U n- k e n n t n i s dieser Staatsmänner, falls sie wirklich glauben, damit auf das deutsche Volk einen Ein- druck zu machen. Von derselben Naivität, die wir bei den russischen Maximalisten feststellen können, welche sich einreden, durch ihre phrasenhaften Brandreden die tief im Denken und Fühlen des Deutschen wurzelnde monarchische Gesinnung erschüttern, entwurzeln zu können.
Mitten hineingefetzt zwischen zwei Revubli- k e n, die zwischen Kaiserreich, Königtum und republikanischer Staatsform schwankende französische und die neugebackene russische Republik, sind wir Deutschen in der glücklichen Lage, zu prüfen und zu wägen. Und wir haben sie zu leicht befunden. Wir sehen, wie in Frankreich nicht etwa, trcktz ckller demokratischen Phrasen, das Volk, sondern einige, ehrgeizige Politiker von diesseits und jenseits des Kanals herrschen. Und wir sehen, wie sogar die morimalistischen Republikaner bei aller theoretischen Schwärmerei für das „Selbstbestimmiings- recht der Nationen" und die „Volksabstimmung" die erwählten Vertreter des Volkes zum Tempel der Konstituante hinausaesagt haben, weil sie anders wollten als di? republikanischen Zaren.
Doch die Wilson und Genossen versichern uns, daß die Republik den Frieden und die Monarchie den Krieg bedeute. Siehe Frankreich, dessen Revanchedurst swohlgemerkt Revanche für die Zurücknahme des uns geraubten Elsaß-Lothringen!» seit nahezu einem halben Jahrhundert Europa in Kriegsalarm hält. Aber wenn die Franzosen wenigstens noch einen Vorwand haben, so fehlt auch dieser dem jenseits des großen Teich? thronenden Präsidenten der nordamerikanischen Republik, die doch die europäischen Händel gar nichts angehen. Wer aber, der nicht ein schamloser Lügner ist. wollte dem deutschen Kaiser, der in den drei Jahrzehnten seiner Regierung nach dem Titel des Friedenskaisers geizte und allezeit danach handelte, Kriegslüsternheit vorwerfen?
Es sind gerade 30 Jahre her. seit der Monarch, da- mals noch Prinz Wilhelm, im brandenbnrgischen Pro- vinziallandtaa „ruhmlüsterne Kriegsgedanken" weit von sich obwies. „Gott bewahre mich vor solchem verbrecherischen Leichtsinn", erklärte er feierlich im Februar 1888. „In der auswärtigen Politik bin ich entschlossen, Frieden zu halten mit jedermann-: so viel an mir liegt", versicherte der Monarch, als er nach seiner Thron- besteigung am 18. Juni 1888 zum ersten Mal den Reichstag eröffnete. Und es ist ja im Wesen nur dasselbe, wenn unser Kaiser den Frieden, den er den bösen Nachbarn gegenüber vergeblich zu halten versuchte, jetzt von diesen erkämpfen will, wenn er in seiner Kundgebung an den Reichstag vom 1. Januar dieses Jahres erklärte: „Den unerschütterlichen Willen, einen die Zukunft und Wohlfahrt des Reiches sicher st eilenden Frieden zu erkämpfen, wird das deutsche Volk — das vertraue ich zuversichtlich — auch im neuen Jahre an der Front und daheim in Treue zu Kaiser und Reich kraftvoll bestätigen."
Aber die_ Wilson, Lloyd George, Clemenceau und Genossen bleiben dabei, daß die Hohenzollerndynastie ein Weltreich begründen wolle. Und in der Tat. darin haben sic recht. Kaiser Wilhelm hat einst, bei der Enthüllung des Kaiser-Friedrich-Denkmals in Bremen, sich zu einem solchen Ziele bekannt. „Das Weltreich", so sagte er, „das ich mir geträumt habe, soll darin bestehen, daß das Deutsche Reich oon allen Seiten das absoluteste Vertrauen als eines ruhigen, ehrlichen, friedlichen Nachbarn genießen soll und daß, wenn man dereinst von einem deutschen Weltreich oder einer Hahenzollern-Weltberrschaft in der Geschichte reden sollte, sie nicht auf Eroberungen begründet sein soll, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen."
Die Versicherung, keine Eroberungen zu wollen, hätte keines von den Oberhäuptern der in Waffen gegen uns stehenden Völker mit so ehrlichem Herzen abgeben können. Und diesen unseren Fciedensnionarchcn will man der Kriegslüsternheit bezichtigen?; Aber wie wir uns mit ihm eins wußten in dem Bestreben, den Frieden zu erhalten, so ist das deutsche Volk mit seinem Kaiser einig, den Frieden, den deutschen Frieden zu erkämpfen, zu erzwingen dadurch, daß wir, wie der Monarch unlänast sagte, „mit eiserner Faust und mit blitzendem Schwert die Pforten ein- schlagen bei denen, die den Frieden nicht wo ll en." Und in diesem Sinne gilt heute unser: Heil dem Friedenskaiser!
* V
Ein ämneftieerlag.
3V. T.-B. Berlin, 26. Jan. (Drahtbericht.1 Auch in diesem Jahre hat der „Reichsanzeiger" in einer Sonderausgabe zwei vom preußijck>en Staatsministerium gezeichnete allerhöchste Gnadenerlasse veröffentlicht: In dem ersten Erlaß sind wiederum den Kriegsteilnehmern Niederschlagung ' noch nicht erledigter Strafverfahren und der Erlaß noch nicht vollstreckter Strafen unter den aus dem Vorjahre bereits bekannten Voraussetzungen und Bedingungen gewährt. Dadurch ist die Wirkung der bisherigen Gnadenerlasse dieser Art ausgedehnt auch auf Personen, die seit dem letzten Gnadenerlaß <87.-Januar 1917s bis zum heutigen Tage Kriegsteilnehmer sind. Hinsichtlich aller bisherigen Kriegsteilnehmer umfaßt die Niederschlagung^ der StrafverHhren die Straftaten, die bis zum heutigen Tag begangen worden sind und der Straferloß die Strafen, 'die bis zum heutigen Tag rechtskräftig geworden sind. Sow«t die Voraussetzungen des Aller- böchsten Erlasses nicht vcuckzegen, soll in erweiterten! Umfange geprüft werden, ob einzelne Gnadenerweise für Kriegsteilnehmer' zu beantragen sind. Der zweite auch für Zivilpersonen geltende Erlaß oidnet im Anschluß an die entsprechenden Erlasse der Jahre 1916 und 1917 an, daß im Strafregister und in den polizeilichen Listen alle noch nicht gelöschten Vermerke über die bis zu-r 27. Januar 1918 erfolgten Bestrafungen derjenigen Perionen z n löschen sind, die keine schwerere Strafe, als Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahre erlitten haben und in den lebten 10 Jahren nicht wieder wegen eines Verbreckzens oder Vergebens verurteilt worden sind. Nach einem gleich, zritia veröffentlichten Erlich des Kaisers erfolgen diese Löschungen auch beiStrafen. die vonKonsulats-,Marine-, Schubtruppen- und Schutzigebietsgerichten verhängt wor- den sind. _ i
(Eine gute Ergänzung.
Die Rede, die der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. v. K ü h l m a n n, am zweiten Tage der Er- örterungen im Hanptausschuß des deutschen Reichstags gehalten hat, ist von anderer Art als die Ausführungen der Grafen H e r t l i n g und C z e r n i n. Sie ist als eine Art Seknndantendienst kür den Kanzler gedacht und bedeutet in dieser Beziehung allerdings eine sehr wertvolle Ergänzung der Ausführungen des, Grafen Hertling. Ihre besondere Bedeutung liegt darin, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes einmal die logischen Zusammenhänge der deutschen Friedenspolitik von Anbeginn an darlegt. Gerade in den Preßangriffen, die niemand in jüngsterZeit so reich- lich über sich ergehen lassen mußte als Herr von Kühlmann, kehrte der Vorwurf imnier wieder, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Anites nach Brest- Litowsk ohne jedes Programm und ohne feste . Richtlinien gefahren sei. Nun weist Herr v. Kühlmann nach, daß schon aus der Kanzlerschaft Bethmann Holl- Wegs Dokumente existieren; die unserer Friedenspolitik eine i e st e Richtung geben. Man kann hin- znfügen, daß diese Politik > außerdem getragen war durch die Mehrheitsentsclilitzhumz der deutschen Volksvertretung vom 19. Juli -und von der Kundgebung des Grafen Hertling in seiner ersten Kanzlerrede. Der bevollmächtigte FriedenSunterbändler Deutschlands konnte nun nicht einfach ans dem Handgelenk heraus das Gegenteil tun. sondern er mußte die bisherige P o l i ti k logisch f o r t en w i ck e l n. Dabei aber waren seine Schritte bedingt durch die Psychologie des Gegners und die Voraussetzungen, auf denen zu Sonderverhandlungen mit Rußland zu kommen war. Ganz überzeugend legt Zerr v. Kiihlmann dar, daß es sich zunächst daru.m bandelte, die Russen oon dem Londoner Traktat loszulösen. Mit seiner Taktik ist das jedenfalls gelungen, und auch sein weiteres Verhalten zeugt durchaus von Folgerichtigkeit. Ani kvenigsten zwingend will noch der Nachweis oon dem inneren Zusammenhang der Dokumente-vom 25. und 27. Dezember erscheinen. Aber selbst, wenn hier die Logik fehlt, so
war die Taktik an sich nicht falsch. Denn.s§ hat sich herausgestellt, daß Herr T r o tz k y ja gar nicht das freie S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t der Völker in den besetzten Gebieten will, ändern, wie der Wortlaut der der Konstituante vorgeleqten Deklaration der Arbeiterckchte klar nachweist, lediglich die Herrschaft von Arbeiter- und Soldatenräten unter den Bajonetten der Roten Garde anstrebt.
Schließlich darf man nicht außer acht lassen, daß unsere Friedenspolitik und ihre Fortführung durch den Staatssekretär dazu geführt hat. daß wir uns der Ukraine wesentlich nähern konnten. Zwar sind auch hier Schwierigkeiten durch das Dazwischenkommen der bolschewistischen Propaganda innerhalb der Ukraine entstanden, aber es läßt sich doch nicht leugnen, daß nur auf der von Kühlmann proklamierten Grundlage ein Friedensschluß mit der Ukraine und schließlich auch mit Finnland möglich ist.
Eine sehr gute Ergänzung zur Kanzlercede stellen die Ausführungen des Staatssekretärs über unser Verhältnis zu Öfter re ich dar. Wie man auch in der Zeit vor dem Kriege zur deutschen Bündnispolitik gestanden haben mag-, jetzt liegen die Dinge einfach so, daß unser Verhältnis zu Österreich-Ungarn, wie der Staatssekretär treffend iaat, der Grund- und E ck- st e i n unserer ganzen Politik sein niuß. ES ist außer allem Zweifel, daß ebenso wie in der österreichischen Delegation Graf Czernin eine volle Billigung seiner Politik finden wird, auch dm- Hauptausschuß in seiner Mehrheit hinter Herrn v. Küblmann tritt. Das ist um so notwendiger, als der Staatssekretär leider nur zu recht hatte, wenn er einem gewissen Teile der Berliner Presse vorwarf, daß dieser durch allerlei unberechtigte Vorwürfe der deutschen Sache in Brest-Litgwsk sehr ^nesentlich geschadet bat. Diese Presse hat auch fortgesetzt Gegensätze zwischen der Obersten Heeresleitung und dem Staatssekre^ir her- vorzurufen gesucht. Darauf hat der Staatssekretär durch kein ritterliches Eintreten für den Vertreter der Obersten Heeresleitung in Brcst-Litowsk, dem General H offmann eine würdige Antwort gegeben. Wenn jene Leute, die sich für Politiker holten, daraus lernen wollten, so würde das Vaterland davon Nutzen haben.
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Die reine Luft wieder herczefleNt.
— Berlin, SS. Jan. szb.j Zur Rede des Staatssekretärs v. Kühlmann sagt das „Berliner Tageblatt", von Kühlmann l-abe über den Gang und den Stand der Brest-Litowsker Verbandlungen mit u»bestreitbarer Geschicklichkeit und in günstig wirkendem Tone Bericht erstattet und die großen Schwierigkeiten dargetan, die den Delegierten der Verbündeten bei diesen Verbandlungen gegenüberstanden. An der Frage, wie die Volksabstimmung zu gestalten wäre, dürften, so meint das Blatt, die Verbandlungen, nicht scheitern.
Die „Morqenpvst" nennt die Rede Exzellenz v. Kühlmanns eine groß angelegte, ruhige und streng sachliche, und die „BolkSzeitnng" sagt, der Staatssekretär babe dem Reichskanzler einen guten Sekundantendienst geleistet.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Nach Hertling, Czernin Herr v. Kühlmann, ein Rede-T e r z e t t, das der Presse der ganzen Welt für die nächsten Tage Stoff zu Aus- und Unterlegungen geben wird. Alles in allem ein Gesamteindruck, der nicht unerfreulich ist. Wir baben uns gegenüber den zersetzenden Einflüssen von draußen und innen wieder eine diplomatische Front geschaffen, ja, wir haben sogar die C i n b e i t der diplomatischen Front mit Österreich wiederhergestellt.
In der „Germanin" heißt es: Ezernin und Kühlmann haben wieder reine Luft geschaffen Wir sehen heute klar die Dinge im Osten liegen, und was wir aus ihrem Mund an Einzelheiten neu erfuhren, bestätigt nur den Eindruck, daß unsere Unterhändler in Brcst-Litowsk in voller Einmütigkeit stets so gehandelt haben, wie es nach pflichtgemäßer Erkenntnis die Stunde und di? politische Lage verlangte.
Holländische Stimmen zur Reichskanzlerrede.
W. T.-B. Rotterdam, 26. Jan. (Drahtbericht.) Dor „Nieuwe Rotterd. Courant" schreibt über die Reichskanzlerrede, es sei schwer zu sogen, o/ sie den Frieden näher bringe» Sie bewege sich nicht an entgegengesetzter Richtung, und das sei schon viel. „Maasbode" schreibt, die Frage, ob die bisherige Friedensdebatte den Frieden nähergebracht, lasse sich weder mit ja, noch mit nein beantworten. Aus der Rede des Reichskanzlers spreche das Friedens- Verlangen Deutschlands. Aber die praktischen Hindernisse für den Frieden, die nach >der Rede bestehen bliebe«, seien -ernst genug.
W. T.-B. Amsterdam, 26. Jan. (Drahtbericht.) Das „Algemeen Handelsblad" schreibt: Hat -die Rede HertlingS uns den Frieden nähergebracht? Vielleicht, denn der deuffche Kanzler sprach es so deutlich aus, daß Deutschland keine Annexionspläne bezüglich Belgiens und Norl» frankreichs habe, daß darüber in den Ländern der Entente kein Zweifel mehr bestehen kann.
