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Donnerstag» 24. Ianuar 1918.

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Keine große» Ueberraschmigen?

Die heutige ttanzlerrede.

Br. Berlin, 24. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie dieB. Z." schreibt, wird sich der Reichskanzler heute nachmittag um 3 Uhr im Hauptausschuß des Reichs­tags sowohl mit den Ereignissen im O st e n wie den Vörgängen in den w e st l i ch e n Ententestaaten beschäf­tigen. Wir möchten so erklärt das Blatt nach un­serer Kenntnis der Dinge annehmen, daß große Über­raschungen von dieser Rede nicht zu erwarten sind. Eine sozusagen amtlich genaue Mitteilung über den Inhalt der Rede machte Unterstaatssekretär v. R a d o- witz den Fraktionsführern in einer Besprechung, die heute mittag um 12 Uhr in der Reichstagskanzlei stattfand. Diese Besprechung diente auch dazu, dre D i s- k u s s i o n über den Gang der Verhandlungen im Hauvtausschuß, die sich der Kanzlcrrede anknüpfen wird, zu besprechen. Staatssekretär v. K ü h l m a n n hat gestern abend bei Empfang der Fraktionsführer Bericht über die Verhandlungen in Brest-Litowsk erstat­tet und die Ansichten der Parteiführer entgegen­genommen. Herr v. Kühlmann dürfte anfangs der kommenden Woche, wahrscheinlich Sonntag, nach Brest- Litowsk wieder abreisen. Der eintägige Aufenthalt des Gencralfeldmarschalls v. Hindenburg und des Ersten Generalquartiermeisters Ludendorff hatte, wie wir hören, ausschließlich den Zweck, dem Kaiser militärischen Vortrag zu erstatten. Da ihr Besuch nur von morgens bis abends dauerte, und ihre Zeit nur mit militärischen Arbeiten ausqefüllt war, hat keine Begegnung mit ihnen und dem Reichskanzler oder anderen politischen Persönlichkeiten stattge­funden.

Berlin, 24. Ion. Der .vorwärts" meint, man erwarte, daß >der Reichskanzler sich Wer die Aussichten des Friedens im Osten auSsprechcn und sich mit der neuen Friedensbe­wegung deS Westens, die mich in der veränderten Stellung­nahme Wilsons und Lloyd Georges zum Ausdruck kommt, awseinandersetzen werde. Es werde ihm wob! auch nicht möglich sein, 'die neue Wendung in der öfter- reichrsch-ungarischen auswärtigen Politik außerhalb seiner Betrachtungen zu lassen, da sie seldenfalls in >der fol­genden Debatte eine große Rolle spielen dürfte. In der folgenden Debatte werde für die Sozialdemokratie Scheide- m a n n das Wort ergreifen.

Die Parteiführer im Reichskanzlerpalais.

Berlin, 24. Jan. (zb.) Wie derB. L.-A." erfährt, fand gcstcin abend um 5% Uhr im Roichskanzlerpalais eine Zusammenkunft der Vorstände der Reichstagsfraktionen statt, denen der Staatssekretär Dr. b. Kühlmann ausführlichen Bericht über das bisherige Ergebnis der Verhandlungen in Brest-Litowsk erstattete. Wie derB. L.-A." weiter erfährt, fand gestern nachmittag ein Empfang der Fraktionsführer beim Chef der Reichskanzlei Erzellenz v. R a d o w i tz statt.

war wird in Vreft-Litowsk?

Die Friedensverhandlungen in Breft-Litowsk sind zwar nicht unterbrochen worden, aber man beschränkt sich zurzeit auf die Erörterung wirtschaftlicher und recht­licher Fragen, während die ausschlaggebenden Beratun­gen über die politische Seite des angestrebten Friedens­vertrages erst zu Ende dieses Monats wieder ausge­nommen werden sollen. Nämlich wenn einmal der Volkskommissar Trotz ky- Braun st ein, wie er bei seiner Abreise versicherte, am 29. Januar wieder in Brest-Litowsk erscheinen wird, und wenn die Vertreter der U k r a i n e mit ihren Instruktionen, die sie von den: zu einem außerordentlichen Ministerrat zusammen- getreteneu Generalsekvetariat der Ukraine empfangen sollen, wieder aus Kiew zurückkehren werden, was etwa um dieselbe Zeit, also auch Ende dieses Monats, zu erwarten ist.

Wir sagten vorhin, wenn Trotzky nach Brest- Litowsk zurückkehrt. Es ist unleugbar, daß die Ver­hältnisse in Rußland nach dem Staatsstreich der maximalistischeu Regierung gegen die gesetzgebende Ver­sammlung wieder ganz unklar und ungewiß gewor­den sind, und es ist zweifellos, daß dies auf die V e r- handluugsMöglichkeit und -fähigkeit der Lenin und Genossen zurückwirken muß. Die­selben Herren, die in Brest-Litowsk so s ch ö ue Reden über das Selbstbestimmungsrecht der Natio­nen und die Volksabstiininung hielten, sind über das Selbstbestimmungsrecht der Russen kaltlächelnd zur Tagesordnung übergcgangen und haben bk aus der Volksabstimmung hervorgegangenen Delegierten der Konstituante mit Maschinengewehren zu Paaren ge­trieben.

Nun stehen wir und unsere Verbündeten ja auf dem Standpunkt der Nichteinmischung in die inneren An­gelegenheiten der anderen Nationen, und so könnte es uns zum Schluß im Grunde gleichOültiq sein, ob die Regierung, mit der wir verhandeln, auf dem Recht oder, Luc die Marimaüsten, auf der Gewalt beruht. Aber

Kbend-Kusgabe.

nach den neuesten Nachrichten aus Petersburg ist die Herrschaft der Bolschewiki zweifellos ernst- lich bedroht, und ein Erlaß der Volkskommissare räumt ja offen ein, daß sie in der russischen Hauptstadt nicht über ausreichende Kräfte gegenüber der mit aller Macht einsetzenden Gegenrevolution verfügen. Es ist also einmal ungewiß, wie lange die derzeitige Regierung noch ihre Aktivlegitimation zur Fortsetzung der Verhandlungen ausweisen kann, und zweitens, ob Herr Trotzky angesichts des blutigen Bürgerkrieges in Rußland am 29. d. M. abkömmlich sein wird.

Andererseits liegt es auf der Hand, daß die Maxi- malisten, wenn es ihnen überhaupt noch gelingen sollte, ihre Herrschaft zu behaupten, dies nur mit Hilfe eines schnellen Friedensschlusses zu tun vermöch­ten. Aber es scheint fast, als ob diese Einsicht den Herren fehlt, denn anders ist es kaum zu erklären, daß sie sich jetzt befleißigen, den unmittelbare vor dem Ab­schluß stehenden Verhandlungen zwischen dem Vierbund und der U k r a i n e in die Parade zu fahren. Das aber ist der tiefere Sinn des V o r st o ß e s gegen die Ukraine, die man zu vergewaltigen sucht, indem man das maximali st ische Zentralkomitee in Char­kow gegen die Zentralrada auszuspielen versucht. Auch diese Taktik bildet wieder eine lehrcerche Illustra­tion zu der Auffassung der Maximalisten vom Selbst- bestimmungscecht der Völker.

»

Die Staaten-Neubildung in Rußland.

Wir halten es aber für ausgeschlossen, daß die Ukraine, die sich bereits im November v. I. selbständig er­klärt hat, sich diese Petersburger Bevormundung ge­fallen lassen wird, um so mehr, da nach der gewaltsamen Auflösung der Konstituante ihre Neigung, mit der groß­russischen Repriblik zusammenzugehen, sich noch wesent­lich vermindert haben dürste. Es ist auch nicht zu über­sehen, daß es der 30 Millionen Einwohner zählenden Ukraine, die nicht nur die Kornkammer Rußlands darstellt, sondern auch über die reichsten Petroleum- und Kohlengebiete verfügt, nicht an den Möglichkeit wirkungsvoller Repressalien gegenüber dem maximalistischen Rußland gebricht.

Was den Vierbund betrifft, so kann er sich selbstver­ständlich durch den Protest der Lenin und Trotzky nicht in der Fortführung der direkten Verhandlungen nrit der Ukraine beirren lassen. Vielmehr muß uns dieser Vorstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine veranlassen, unsere direkten Verhandlungen mit den Randvölkern, mit Kurland, Litauen und Polen, um so entschiedener und mit um so mehr Aus­sicht auf Erfolg, zu betreiben, ie mehr die Bewohner dieser Pufferländer oinsehen müssen, daß ihr Selbst­bestimmungsrecht von den Maximalisten ebenso miß­achtet wird wie das der Ukrainer und Finnen.

Angesichts der mit Sicherheit zu erwartenden Eini­gung mit diesen Randvölkern und der Ukraine können wir dem Fortgang der Verhandlungen mit der maxi­malistischen Regierung uni so gemütsruhiger entgegen­sehen. da angesichts der absoluten Kriegsmüdigkeit und des so reißend fortschreitenden Zerfalls der russischen -Front der Krieg im Osten ohnehin so oder so als be­endigt gelten kann. Ein intensives Interesse am Frie­densschluß aber hätten die Lenin und Trotzky, wenn ihnen die Dinge in Rußland überhaupt noch dazu Zeit lassen und sie das nickt ihren Rechts- und Macht- nachfolgern überlassen müssen. Denn ein schneller Friedensschluß ist heute eine zwingende Notwendigkeit für jede russische Regierung, wie sie sich auch nennt und auf welchem ^elvstbestimmungs recht der Völker" sie sich noch mifftmef

Nr. 40. 66. Jahrgang.

Kbg. Stresemann über die Zriedensfrage.

Dresden, 21. Jan. In einer nationalliberalen Ver­sammlung sprach hier Reichstagsabgeordneter Dr. Strese­mann über die Lage und insbesondere über die gegenwär­tigen Friedensverhandlungen mit Rußland. Er würdigte die große wirtschaftliche Bedeutung eines Friedensschlüsse- mir der Ukraine und betonte, daß die militärische Bedeutung des russischen Friedensschlusses nur eine Frage der Zeit sei, da jeder weitere militärische Widerstand Rußlands unmöglich wäre. Gegenüber den Angriffen auf die Haltung der Regie­rung wies Stresemann daraus hin, daß die Entscheidung des kurländischen Landtags für engere Angliederung an Deutsch­land völkerrechtlich unbedingt auch von Rußland aneckannr werden müsse. Entschieden zurückzuweisen seien die neuer­dings in unerhörter Weise auftretenden Versuche öster­reichischer Politiker und Publizisten, die deutsche Außenpolitik zu beeinflussen und sich sogar in innere personelle Angelegen­heiten einzumischen. Der Praterpfeil, den- das offiziöse Wiener Organ gegen den Fürsten Bülow abgesandt, dessen Nibelungentreue Österreich Bosnien und die Herzegowina verdanke, sei tief beschämend. Die Versuche des österreichischen Abgeordneten Dr. Viktor Adler, Deutschland in seine Kriegs­ziele hineinreden z» wollen, und die Untersiützung dieses Be­strebens durch denVorwärts" können nur die Wirkung haben, Trchky in seinem Widerstand zu bestärken und dadurch den definitiven Friedensschluß hinauszuziehen. Nach den letzten Vereinbarungen in Berlin dürfe man aber erwarten, daß die Regierung gegenüber derartigen Bestrebungen fest bleiben werde. Bei Besprechung der inneren Fragen betonte Dr. Stresemann, daß die notwendigen neuen Steuern tief in den Prozeß der Volkswirtschaft eingceifen und eine gewisse Revo- lutioniernng bisheriger volkswirtschaftlicher Grundsätze in bezug auf Zollfragen in sich bergen würden. Die preußische Wahlrechtsfrage bezeichnet Dr. Stresemann als eine deutsche Frage, die unter dem großen Gesichtspunkt der ftaatS- politischen Notwendigkeit der Gegenwart betrachtet und im Sinne des gleichen Wahlrechts gebilligt werden muss«: Im Rahmen der Wahlrechtsvorlage sei ein Schutz gegen Radikalisierung durch Berücksichtigung bürgerlicher Minderheiten in den Jnduftrieb-zn.ken und der deutschen Minderheiten in der Ostmark, sowie durch Ausbau der Be­fugnisse eines auf moderner Grundlage errichteten Herren­hauses gegeben. Wenn das Zentrum eine Zweidrittel-Mehr­heit für künftige Abänderungen auf dem cssebiet der kulstr- rellen Gesetzgebung verlange, so müsse dasselbe fiir die Ge­setzgebung in der Ostmark gelten.

Für Auslösung der rtonftituante.

Pariser Pressrstimmen.

\V. T.-B. Bern, 24. Fan. (Drahtbericht.) Die AuftSsuug der verfassunggebenden Versammlung in, Petersburg wird von der französischen Presse wenig besprochen.L'Hamme libre" urteilt, die Maximalisten gingen genau so autokratisch vor wie der Zar. In Petersburg find alle niedrigen Leidenschaften der Bevölkerung und der Soldateska entfesselt. Vielleicht ist die Regierung Lenins nicht unmittel­bar für die Morde und Untaten verantwortlich, aber sie trägt die Verantwortung fiir die Geistesverfassung der Bevölkerung. Hevves Ausftchrungen sind melancholisch. In Rußland sec für die Entente nichts mehr zu machen. Einem solchen Zyklon gqgenWer sei man machtlos. Er werde sich, wie alle Naturereignisse, schließlich pon selbst wieder legen.

Der Tagesbericht vom 24. Januar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Jan. (Amtlich.)

Westlicher §irregsscl»aiipl«»tzo

Keine besonderen Ereignisse.

Rege Erkundungstntigkcit unserer Infanterie brachte an vielen Stellen der Front G e f a n g eit e ein. An der Bah« Boesinghe-Staden wurden sechs Maschinengewehre erbeutet.

Lstlichcv Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Mazedonische Front

In einzelnen Abschnitten Artillerietätigkeit. Südwestlich vom Doiransee scheiterte ein englischer Borstoß.

Italienische Front,

Die Lage ist unverändert.

Der Eiste Genrkalquartiermeister: Ludendorffi

Die Ndmiralstabsmelbun^.

W. T.-B. Berlin, 23. Jan. (Amtlich.) Neue U-Boots- erfolge aus dein nördlichen Kriegsschauplatz:

18 000 Bruttoregistertonnen.

Die Mehrzahl der Schiffe, die tief beladen waren, wurde im Ärmelkanal trotz starker feindlicher Abwehrmaßnahmen jeder Art versenkt. Eins der vernichteten Schifte, das im östlichen Ärmelkanal aus einem durch zahlreiche Seestreitkräfte geschützten Geleitzug herausgeschossen wurde, war allem An­schein nach ein Transportdampfer mit Kriegsmaterial.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Ein englisches Schulschifi verbrannt.

Rotterdam, 28. Jan.Maasbo.de" veröffentlicht einen drahtlosen Bericht aus London, 'daß das alte Schubschiff Warspite" Samstagnacht auf der Themse vollständig ver- k v a nntL . Wo an Bord befindlichen Personen sind geruttet.