Verlag Langsasse 21
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vonnerstag» 24. Ianuar 1918.
Ruhland.
ver Nationalkonvent an Stelle der Ronstlluante.
Br, Rotterdam, 23. Jan. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Aus Petersburg wird gemeldet: Lenin teilte einer Abordnung der Sowjets mit, datz man einen abermaligen Zusammentritt der Konstituante hindern werde, ganz gleich, wo ein solcher von den bürgerlichen Parteien versucht werden sollte. An 4hre Stelle werde der Nationalkonvent treten, der durch den bevoritehenden Kongreß im Taurischen Palast gebildet werden solle.
Sur Ermordung zweier NadettenfShrer.
W.T.-B. Petersburg, 23. Jan. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphen-Agentur.) Dringender Befehl an die Konsulate, Präsidenten der Sowjets, Ausschüsse für den Kampf gegen die Pogrome, an das Hauptquartier der Roten Gardr, an den Ausschuh zur Bekämpfung der Gegenrevolution, an den Kommissar für Kriminalangelegenheiten, an die Kommissare der Bahnhöfe von Petersburg! Sofort alle Kräfte in Bewegung setzen zur Ermittlung der Matrosen und roten Gardisten, die heute nacht 1 Uhr rm Marine» Hospital eingedrun,^n sind und Tschingarew und Kokoschkin ermordet haben. Die Mitschuldigen sind zu verhaften und nach dem Smolny-Jnstitut, Zimmer 78. zu bringen. Uber den Gang der Ermittlung ist alle zwei Stunden Bericht zu erstatten. 21. Januar. Lenin. Justiz- mrntster Steinberg.
Auf der Spur der Mörder?
W. T.-B. Petersburg, 23. Jan. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Dolkskommiffare find benachrichtigt werden, daß die Polizei di« S p u r der Mörder Tschrngavews und KokoschkinS gefunden hat. Zekaterinoslaro in der Gewalt der volfchewiki.
8. Storkholm, 28. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) „SvenSka Dagbladed" meldet aus Haparanda' Die Ukrainer in Petersburg erbielten die Nachricht, dah Jekaterinoölaw nach erbitterten Kämpfen definitiv in die Gewalt der Bolschewik« übergegangen sei.
Nene erbittert« Rümpfe ln der Ukraine?
\V. T.-B. Petersburg, 23. Jan. (Dvahtbericht. Petersburger Telegropben-Agcntur.) Die von Charkow nach Poltawa abgcsandten Abteilungen der Sowjets lieferten eine Schlacht gegen Truppen der Rada von K««w. Die Truppen der Roda wurden vollkomiuen geschlagen. Die Stadt ist in den Häirden der Abteilungen der Sowjets. Von den t-ereinigten Soldaten-, Arbeiter- und Bauernräten wurden die Vertreter des ausführenden Zentralausfchuffes von Cl>arkow mit Begeisterung begrüßt. In Poltawa herrscht allgemeine Freude.
Erstaunen und Bestürzung ln Frankreich über dar Abkommen mit der Ukraine.
W. T.-B. Bern, 23. Jan. (Drahllberrcht.) Das einstweilige Abkommen der Ukraine mit den Mittelmächten hat in Frankreich allgemein überrascht. Die Presse gibt ihrem Erstaunen und ihrer Bestürzung offen Ausdruck. Die Abend- Aätter werfen darauf hm, datz die Mittelmächte dadurch einen Druck auf die Maximallisten ausüben und gleichzeitig auf die reichsten Provinzen Rußlands indirekt e:nwirken können.
Frankreichs Entrüstung über die Äraftloserklärung der russischen Anleihen.
W. T.-B. Berlin» 23. Jan. „Goulois" schreibt: Wir brauchen nicht erst z» ragen, mit welcher Entrüstung die unglaubliche Nachricht von der Kraftlose rcklärung der russischen Anle'hen in der ganzen zivilisierten Weit ausgenommen>a>er- den wird. Aber b«- un§ wrvd sie den st ä r f ft e lt E : ndreck erwecken Frankreich bat, oihne zu rechnen, kein Geld an Rußland gegeben. Durch dieses Geld ist Rußland vor dem Krieg vorwärts gekommen, hat sein ungeheures Eisenbahnnetz auSpel»aut, feine Naturschätze auSgebeutet, Industrien geschaffen und seine WärtzschastSlaye und fein Münzsystem verbessert Und nun vollendet die M ax m n l ; ft e rt» regierung mit dem Bievöund den Verrat und bedroht Tausende von französisch« Familien mit dem R nu. Rußland bcsindst sich in der schrecklichsten und s chmä hl, chft« n K r ifiS, es ist aber nur eine Krisis. Eine? Tages werden der Patriotismus und die Ehrliebe die russischen Herzen wieder mrfleben lassen und fich schaudernd von den Taten der Leute abwenden, die offenbar vom Zerst 3 r u n g s w a h u s i n n befallen sind. Wäre eS anders, dann würde das vormals erhabene Reich Peters des Großen ewiger Schande archeimfallen.
Die Lage im westen.
Die GntimSIungess über die roqatistifche» Umtriebe in Krankreich.
So. Genf, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) In den Wandelgängen der französischen Kammer wich erzählt, der Deputierte Poncet gedenke seine Enthüllungen über die royolistlschen Umtriebe fortzuseyen und dabei die Person Poincares in die Debatte zu zichen. Poncet habe dokumentarische Beweise, datz während deS Pariser Streiks im Juli v. I. von den Royalisten versucht wurde, mehrere der nach Paris abgegangenen Regimenter zu einem Staatsstreich zu aewiarmo. Poncet warnte damals den WinLsterpräsidsnten
Morgen'Kusgabe.
Painlebe, der eines der Regimenter auch schleunigst wieder aus Paris zurückkehren ließ. Die Untersuchung gegen dre „Action franqaise" aber wurde trotz aller Verdachtsgründe eingestellt; ebenso blteben Mauras und Daudet, die in den Anschlag verwickelt waren, unbehelligt.
Das Rriegskomrtee der KMierten.
— Berlin, 23.. Jan. (zb.) Wie dem ,.B. L.-A." aus Basel gemeldet wird, vernimmt „Echo de Paris", dah dos Komitee der Ministerpräsidenten und der Kriegsminister der alliierten Länder sich wahrscheinlich in der nächsten Woche unter dem Vorsitz von C l e m e n c e a u versammeln werden. Im Versailler Krregskomitee werden auch die Vereinigten Staaten und Griechenland vertreten sein.
Der Caillaux-Prozeß.
W. T.-B. Paris, 23. Jan. (Drahtbericht. Agence Havas.) Die Mitglieder der italienischen Mission, Lberst Cbiuppironeux und Hauptmann de Robertis, und ihre Mii- arbeiter. arbeiteten den ganzen Vormittag im dritten Bureau des KriegsrateS. Sie nahmen Abschriften von Hunderten von Schriftstücken des Dossiers Bolo und Hönau.
Der italienische Ministerpräsident in Paris.
w. T.-B. Paris» 23. Jan. (Drahtbericht. Agence Havas.) „Temps" meldet, Orlando werde nur kurzen Aufenthalt in Paris nehmen und dann mit Thaon de Revel und Alfiere sich unveraiglich nach London begeben, um an den nächsten Beratungen des Marinerates der Alliierten über den Schiffsverkehr teilnehmen zu können.
Ein Stimmungsbild ans England.
Br. Rotterdam, 22. Jan. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Sehr bezeichnend für die augenblickliche Stimmung in England ist ein Brief, den Professor Hearnshaw an der Londoner Universität im „Telegraph" veröffentlicht. Darin heiht eS, England müsse im kommenden Halbjahr auf dreigrotze Gefahren gefaßt fein und sie bekämpfen. Erstens die Gefahr eines österreichisch - ungarischen . deutschen Angriffs, zweitens die Gefahr der Hungersnot, drittens die Ge- fechr der eigenen englischen Bolschewiki. Wir hrer in England, fährt der Professor fort, stehen vor einer Hungersnot, die näher gerückt ist und furchtbarer fein wird, als sie unser Volk seit dem Mittelalter gekannt hat. Wir dürfen sticht vergessen, daß e§ uns nicht schlimmer gehen kann, alS den Deutschen, die ihre Rot mit vorbildlicher Zucht unh Ergebenheit mehr als zwei Jahre getragen haben. Aber die Vorzeichen sind für uns alles andere, als günstig. Man hört in unserer Mitte wüste Schreie gegen die KriegS- gewinner, umsinuig« Wünsche nach Preisermäßigung, ungesetzliche Proteme gegen unvermeidliche Entbehrungen, gewalttätige Drobwngen für den Fall, datz keine Vorräte ankommen. Es ist dringend nötig, der Nation die unangenehme Wahrheit deutlich zu nrachen, datz die übliche Nahrung keinesfalls zu haben sein wind und daß daS Volk sich besinnen muß auf seine Opferfreudigkc'rt und Pflichterfüllung.
wilft>n will kein Rriegrkabinett.
W. T.-B. Washington, 28. Jan. (Reuter.) Präsident Wilson hat e->n« Erklärung gegen die Bildung des KriegSkabinetts veröffentlicht, in der gesagt wird, datz wirksam« organisatoirische Maßregeln bereits getroffen worden feien.
Verhaftung ««gesehener Deutschen in den Vereinigten Staaten.
Br. Haag, 22. Jan. (Eig. Drahtoericht. zb.) Das hollän- dffche neue Bureau meldet aus New Dork: Hugo Schmidt, der Vertreter der Deutschen Bank in den Vereinigten Staaten, wurde auf Grund ^angeblicher Beziehungen zu Bolo-Pascha verbastet und mit ihm mehrere führende Deuffche interniert.
Ksterreichisch-rrngarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 23. Jan. (Drahtbevicht.) Amtlich verlautet vcm 23. Januar, mittags: Beiderseits der Brenta war die Artillerietätigkeit lebhafter als in den letzten Tagen.
Der Chef des GeneraLstÄbS.
Abgeordnetenhaus.
(Etz>ei»er 2rohrbericht des „Wiesbadener Tagblatts".)
$ Berlin, 23. Januar.
Am Ministertisch Kuitusarimster Dr. Schmidt und Dr. S v d i> fc>.
Präsident Graf U. Schwerkn-Löwitz eröffnet die Sitzung um 11.24 Uhr
Zunächs: wird der dom Herrenhaus in abgeänderter Verfassung zur-ückgelanqte Entwurf eines Wohnungsgesetzes nach kurzer (»eschäitdvrduungödebatte der Wohnungskommission überwiesen, ebenso das Blirgschastssicherungsgejctz.
Hieraus wird die Beratung des Anttags Hammer (taf.) über den
Eirdernusba» des Handwerls «ach dem Krieg
in Derkindung mit dem Antrag Arendsohn über dt« Wiederaufrich. jung des gewerblichen Mittelstandes fortgesetzt.
Abg Dr. Hager (Zentr.): Der Krieg mit fernen großen Um. Wälzungen hat besonders den Handel und den .'Hc 111 c l ft a tt b geschädigt Ter Staat hat das größte Interesse daran, daß ein guter selbständiger gewerblicher Mittel st and wieder ausblüht. Deshalb begrüßen wir den vortiegerrden Antrag, der ms-
Nr. 39. . 66. Jahrgang.
besruderc Las Ziel verfolgt, das Handwerk zu fördern. Vor alle» Dingen ntiusen Rohstvsse und Halbsadrtkate für das Handwerk<k«reitoestellt werden. Aufträge müssen in reicherem Umfange tzis bisher zugewresen werden. Das Berdingungs» wesen muß umgeftaltet und dementsprechend gehandhabt werden. Bon besonderer Dichtigkeit ist auch, daß dem Handwerk die erjorder» lichen Lrbeitskräste zugewresen werden.
Die Erhaltung eines gesunden Mittelstandes ist eine Staat».
Notwendigkeit.
Wir hoffen, daß das Handwerk derart gefördert wird, daß es bald wieder fr inen alten goldenen Boden gewinnt. '.Beifall im Zentrum.)
Abo. Schräder kfteikons.) und Abg. Dr. Schröder-Kassel (nat.-lib.) äußern sich züslimwend.
Nach emein Schlußwort des Berichterstatters werden die Anträge der Handels, und Gcw>erbelomniission zu dem Antrag Hammer angenommen. Ter Anttag Aronsohn wird angenommen.
Hierauf bcgründcr Abg. Hammer seinen Antrag, m welchem die Ctaatkreglerung ersucht wird, unter Heranzichung entsprechender Beihilfen von lristungrsähigcn Gemeinden und von Interessenten- kreisen angemessene Staatsmittel zur Verfügung zu stellen für die iui Interesse unserer Volkswirtschaft nicht mehr auszuschiebenden dringlichen Ausgaben, gemeinsam« Berufs- beramngen und Lkbrslellentermittelung tunlichst in Angriff zu nehme,-. In Verbindung damit wird über eine Petition zur Regelung des Arbeitsnachweises im Deutschen Reich beraten. Die Kcmmission'beantragt ilberweisimg zur Erwägung.
Abg. Hirsch-Verlm (Soz.) befürwortet den Antrag Braun (Soz.) aus Ilberwcisung t-er Position zur Berücksichtigung.
Nach längerer Debatte wird der Anttag Hammer der Handel», und Gcwerbekommisswn überwiesen. Die Petition wird zur Er- wäcung überwiesen.
Hierauf berichtet Abg. Lippman» (nat.-Nb.) über den Anttag Fahrenhorst (freikens.) aus Vorlegung eines ÄesrtzeMwuw», nachdem während der Dauer des Krieges die zur Auflösung sowie di« Ziilückstellunii oder Übertragung eines Erbbaurechts erforda- liche Einigung äußer vor dem Grnndbuchamt auch von einem anderen preußischen Amtsgericht rdü Notar erklärt werden kann.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Lewm (Bolkspartei). Hammer (kvns.) und Fohrenhorst (freikons.) wird de, Antrag »». genommen.
Der Anttag Althof (nat.-lib.) ans Anrechnung der MlNtär» d i e n st z e I t auf das B e r s o r g u n g S a l t e r der Mililära». Wärter im Gemeindedtenst wird von der Tagerordmmg ad- gcietzt. ' '
Abg. Hammer (kons.) begründet seinen Antrag, in dem di« Regie- rnng ersucht wird, den rn Aussicht genommenen Ausgleich de. Gemeint«lasten zunächst aus dem Gebiete der Bolksschulunter- haltung vorzunehmen und einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die persönlichen Bolksschullasten entweder aus die Staat«, oder L a n d e s k a I s e überttagen werden, die von den Gemeinde»! hauptsächlich durch Beiirägc nach Maßgabe ihrer Steuerkrast und vom Staat durch Zuschüsse gespeist werden und zweitens die noch voihandenen Ungleichheiten und Unznlänglichkeite« im Lehrerdesoldungsxesetz bcseitigt werden.
Der Antrag wird noch einer kurzen Geschästsordnungsdedatte und rach kurzen Russührunxen eines Rrgierungsvertreter» dem Staatshaushalisaurschuß überwiesen. Ter Antrag R i ch t o r s k y (Zentr.) aus Bckärnpfung der Schädlinge der landwirtschaftliche« Nutzpflanzen und aus Förderung des Vogelschutzes wird der Ägra. kow.missron überwiesen
Nächste Sitzung. Donnerstag', 11 Uhr. Wohnungsgesetz, BürgschaflLstcherungsgt.sctz, Ar träge, Petikicnen. Schluß 3& Uhr.
Deutsches Reich.
Konferenz der Parteiführer mit dem Reichskanzler.
I- Berlin, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Besuch der Fraktionsführer beim Staatssekretär v. Kühlmann, der für heute nachmittag 5 Uhr angesetzt war, ist wiederum abgesagt worden. An Stelle des Staatssekretärs des Äußern wird Reichskanzler Graf H e r t l i n g mit den Partei, führern konferieven. Man fuhrt dies darauf zurück, daß Steatrsekretär v. Kühlmann noch unter dem Unwohlsein leidet, dak er sich auf der Reise von Brest-LitowSk nach Berit» zugezogen hat. ,
ver Reichstagrhauptausfchutz und di« neue» Zensurletstunyen.
w. T.-B. Berlin, 23. Jan. (Drahtbericht.) Der Haupt, ausschuß des Reichstags hat heute nach kurzer Erörterung eine vori allen Parteien unterstützte Entschließung angenommen. di« den Herrn Reichskanzler ersucht, erforderlich, Maßnahmen zu treffen, damit das Erscheinungsver- bot deS „Berliner Tageblattes" alsbald w-ede, aufgehoben wird. Sodann verwies der Hauptausschuh das gestern von dem Unterausschuß angenommene Gesetz zrr, Abänderung des Kriegszustandsgesetzes von 1916 an de, Unterausschuß zurück und dazu den Antrag Gothein. wonach gegenüber den Anordnungen der milrtärische, Befehlshaber in bezug auf die Handhabung de, Zensur und deS Vereins- rrnd Versammlungsrechtes deq Reichskanzler die Auffichts- und Beschwerdestelle sein soll.
Em Antrag auf schleunige Hilfe für die O-fer de, Hochwass erkatastrop he.
W. T.-B. Berlin, 22. Jan. Im Abgeordnetenhaus ist ehj dringlicher Antrag der Abgg. Andres (natl.) und Oerte! (natl.1 er,'gegangen, wonach die Regierung aufgefordert wirdf schleunige Maßnahmen zu ergreifen, datz den durch H o ch.- wasser geschädigten Bewohnern deS Lande», befoadLG hzA NahetaHeS, flaatüche üaterjtützuug zütSÄ Such.
