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Verlag Langgasse 21

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Dienstag, 22. Ianuar 19!8.

Der Tagesbericht vom 22. Januar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Jan. (Amtlich.)

Westlicher Krreysscl-auplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Ruvprecht.

Südlich von Ipern war die Kampftätigkeit der Artillerien am Tage und zu einzelnen Nachtstunden lebhaft. Mit kleineren Abteilungen versuchte der Eng­länder vergeblich, an mehreren Stellen in Flandern in unsere Kampfzone einzudringea.

An der übrigen Front ist die GefcchMätigkeit mäßig. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Mbrecht.

In den Argon neu, nördlich von Le Four de Paris, stießen französische Kompagnien nach tagsüber anhaltender Artilleriewirkung am Abend gegen unsere Stellungen vor. Sie wurden durch Feuer und im Rahkamvf abgrwirsen.

Auf dem östlichen Maasufer und in der Gegend von Flirry lebte das Artilleriefeuer zeitweilig auf.

östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Ln der

mazedonischen Front und italienischen Front ist die Lage unverändert.

Der E»fte General,uartiermeistrr: Lndendorff.

Die Begründung der Auslösung der Nonstituante durch die Sowjets.

w. T.-B. Berlin, 21. Jan. Das amtliche Dekret, mit dem die verfasiungpcbende Versammlung in Petersburg ausgelöst wurde, hat folgenden Wortlaut:

Die russische Revolution bat von ihrem Anfang an die Sowjets der A. B. utld V. Abgeordneten für die Massenorganisation aller arbeitenden «usgcbentelcn Klassen, welche einzig fähig ist. den Kamps dieser Klassen zu sübren, für ihre politische und wirtschastliche Be­freiung zu führen, an die erste Stelle gestellt. Im Laufe der ganzen ersten Periode der russischen Revolution haben sich di« Sowjets ver­mehrt. sind gewachsen und erstarkt, indem sie aus eigener Ersahrung die Jllus;on des Einverständnisses mit der Bourgeoisie die Falschheit der Form des bourgeois;,scheu demokratischen Parlamentarismus er- lebten und praltisch zu dem Schluß kamen, daß die Befreiung der unterdrückten Klassen ohneBruchmit dieser Form und jedem Ein­verständnis unmöglich ist. Als solch ein Bruch erschien die Oktober-

revolvtirn, die Übergabe ber ganzen Macht in die 'mitbe der S.iets.

Die v< fassunggebend« Versammlung, welche nach den i> 1 Oktoberrevolution ausgestellten Listen gewählt war, war der Ausd. des Verhältnisses der alten politischen Kräfte, als die Einigungspartei und die Kadetten die Gewalt inne hotten. Das Volk konnte damals, als cs für die Kandidaten der sozialrevolutionären Pottei stimmte, nicht zwischen den echten Sozialrevolutionären, den Parteigängern der Bourgeoisie und den Linken, den Parteigängern des Sozialismus, wählen Auf diese Weise mußte die versasiunggebende Versammlung, welche als die Krone der Bourgeoisie der parlamen- torischen Republik erschien, der Oktoberrevolution und der Sowjets- ,nacht in die Quere kommen. Nachdem di« Oktoberrevolution den Sowjets und durch die Sowjets den arbeitenden ausgebeuteten Klasten die Macht gab, ries sie den Widerstand der Arbeiter hervor und zeigte sich bei der Unterdrückung des Widerstandes als der An. fang der sozialistischen Revolution. Die arbeitenden Klaften mußten durch Erfahrung sich davon überzeugen, daß der alte bour. geoistische Parlamentarismus sich überlebt hat, vaß er gar nicht vereinbar ist mit der Aufgabe der Verwirklichung des Sozialismus, daß nicht die allgemeinen nationalen, sondern nur die Klafteiieinrichtungen (wie die Sowjets) fähig sind, den Widerstand der besitzenden Klaften zu besiegen und den Grund zur sozialistischen Gestllschaft zu legen. Jede Absage vor der Vollständigkeit der Macht der Sowjet?, vor der durch das Volk eroberten Sowjetrepublik zu­gunsten des bonrgeoistischen Parlamentarismus der versaftung. gebenden Bersammlung, würde jetzt ein Schritt zurück und der Be. schränkung der ganzen Oktoberrevolution der Ar­beiter und Bauer: sein Die am 18. Januar eröffnet« versaftung. gebende Versammlung ergab, aus Grund der allen bekannten Um­stände, die Mklirheit der Partei der rechten sozialistischen Revolutio- näre, der Partei des KcrenSki, Awksentijew und T s ch e r n o w. Es ist klar, daß sich diese Partei weigerte, den voll- kommen genauen, klaren, keine falschen Äußerungen zulaftenden Bor- schlag des höchsten Organs der Sowjetmacht, des Zentral-Aus- führungskomitees der Sowjets zur Aufklärung anzunehmen und das Programm der Sowjetmacht, di« Deklaration der Rechte des arbeiten­den und ausgebeuteten Volkes, die Oktoberrevolution und die Sowjet, macht auzueekinnen. Dadurch hat die verfassunggebende Versamm. lung jedeBerbindungzwischensichundderSowjet- RepublikRußlands abgebrochen. Der Weggang der Fraktion der Bolschewik! und linken sozialrstrschen Revolutionäre, welche zurzeit die größte Mehrheit im Sowjet darslellcn und das Vertrauen der Arbeiter und der Mebrheit der Bauern genießen, von der verfassung­gebenden Bersammlung war unausbleiblich. Tie Uqrtei der Mehr­heit der versastunggebenden Versammlung, die rechts-sozialistischcn Revolutionäre und.Minimalisten führen einen offenen Kampf gegen die Sowjetmacht, indem sie in :hrem Organ zu deren Stürznng cmsrusen, und objektiv betrachtet, hierdurch den W i d e r st a n d der Ausbeuter gegen den Übergang des Landes und der Fabriken in die Hände der arbeitenden Klaften unterstützen. Es ist klar, daß der übriggebliebene Teil der verfassunggebenden Versammlung aus Grund desien nur eine Rolle des Verdeckens des Kampfes der bonrgcoislischen Gegenrevr>lutirr.äre zur Stürznng der Macht der Sowjets spielen kann. Deshalb verfügt das Zentrai-Ausführungs- 1mmim, dir verfassunggebende Berjmnmlnnq autznlbj«.

kibend-klusgabe.

vie Erklärung der Bolschewik! in der konstituierenden versammluno.

W. T.-B. Petersburg, 22. Jan. (Drahtbericht. Tele- grapben-Agentur.) In der verfassunggebenden Versammlung gaben die Bolschewiki folgend? Erklärung ab: Die beträchtliche Mehrheit des arbeitenden Rußland, Arbeiter, Bauern und So/daten. haben an die verfassunggebende Versammlung die Aufforderung gerichtet, die Errungenschaften der Oktober- Revolution, die Erlaffe der Arbeiter- und Soldatenräte über den Grund und Boden und über die Kontrolle, der Arbeit, und vor allem die Autorität der Sowjets, der Arbeiter, Bauern und Soldaten, anzu erkennen. Der Hauptausschuß, der den Willen der beträchtlichen Mehrheit der Arbeiterklassen Rußlands ausführt, hat die verfassunggebende Versammlung aufgefordert, diesen Willen anzuerkennen. Die M eh,,rheit der verfaffunggebenden Versammlung hat in Übereinstimmung mit den Ansprüchen des Bürgertums diesen Antrag zurück­gewiesen und bas ganze arbeitende Rußland heransge- fordert. In der verfaffunggebenden Versammlung fübrt b»e Mehrheit der revolutionären Sozialisten der Rechten, die Partei Kerenskis, Aksentiews und Tschernows, diese Partei, die sich sozial und revolutionär nennt, das gegenrevo­lutionäre Bürgertum im Kampfe an. Die ver­fassunggebende Versammlung ist in ihrer gegenwärtigen Zu­sammensetzung das Ergebnis eines Kräfteverbältnisses, das ffch vor Oktober gebildet hat. Die gegenwärtige gegenrevo­lutionäre Mebrheit ist nach den alten Listen gewählt und stellt sich der Bewegung der Arbeiter und Bauern in den Weg. Tie Debatte iw 'laufe des Tages hat gezeigt, daß die Partei der revolutionären Sozialisten wie die Anhänger Kerenskis das Volk mit Verheißungen füttern, indem sie ihm alles ver­sprechen, in Wirklichkeit aber entschlossen sind, die Autorität der Sowjets, der Arbeiter, Soldaten und Bauern zu be­kämpfen, ferner die sozialistischen Maßnahmen, die Ver­teilung des Grundbesitzes und des ganzen Inventars an die Bauern ohne Entgelt, die National,siernng der Werke und die Kontrolle und Aufhebung der Staatsschuld. Da wir keine Minute lang mitschuldige Verbrecher der Feinde des Volkes -sein wollen, so erklären wir, daß wir die verfassunggebende Versammlung verlassen. .

Eine Berul)igttrg erftlärurg des Haupt- vostzugsausichussss.

W. T.-B. Petersburg, 20. Jan. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Aufruf an die Bevölkerung von Petersburg! Die Feinde des Volkes verbreiten das Ge­rückt, daß revolutionäre Arbeiter und Soldaten auf die Teil­nehmer einer friedlichen Kundgebung der Arbeiter Schüsse ab­gegeben batten. Dies geschieht, um Unruhe und Unordnung in die Reihen der arbeitenden Klassen zu tragen, und um die revolutionären Führer anzugreifen. Es ist schon fest­gestellt worden, daß Spitzel auf die Matrosen, Soldaten und Arbeiter geschossen haben, die die Ordnung in der Stadt sichern. Der HauptvollzugSausschuß hat ^ine energische Untersuchung eingeleitet. Die Schuldigen werden von dem Revclntionsgcricht abgeurteilt werden. Genaue Feststellun­gen werden sobald wie möglich veröffentlicht werden. Der HauvtvollzugZauSschutz fordert die Bevölkerung auf, den Ge­rüchten keinen Glauben zu schenken und rubig zu bleiben. Die revolutionäre Ordnung wird von Matrosen. Arbeitern und Soldaten gesichert. Der Hauptvollzugsausschuß."

Das Attentat auf Denn-!.

Luga«», 21. Jan. (zb.) Der Petersburger Vertreter des Corriere della Sera" berichtet, daß jene unbekannte Frau, die dos Attentat auf Lenin verübte. vollständig verschwunden ist. Der Angriff auf den Revolutionsführer leite eine neue Periode des Terrorismus gegen die Marimalisten ein.

*

Offener Bruch zwischen btt russischen und der ukrainischen Zriedensbelegclion.

Br. Stockholm, 22. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Zwischen der russischen und der ukrainischen Friedensdelegation ist es zum offenen Bruch gekommen. Die-egraphenagentur mel-- det darüber aus Brest-Litowsk: Am 16. Januar gaben die Russen folgende Erklärung ab: Schon bei dem Zu- sommentreffen mit der nkraimschen Delegation am 8. Januar erklärten wir ihr, daß wir es als unzulässig 'betrachteten, daß irgend welche Konferenzen offizieller oder privater Natur ftattfinden ohne Kenntnis der ukrainischen Delegation, und wir erklärten, wir würden sie jedesmal über den Gang der Verhandlungen mit der Gegenpartei unterrichten. Gene­ralsekretär Holubowytsch sollte sich mit ihrer Regierung in Kiew in Verbindung setzen, und zweifelt« keinen Augenblick daran, daß er uns die gleiche Erklärung abgeben würde. Wir bekamen aber keine Antwort ans unseren Wunsch, Mitteilungen über die Verhandlungen der Ukrainer mit Deutschland und Österreich-Ungarn, die vor unserer An­kunst begannen und scheinbar noch jetzt fortgesetzt werden, zu erhalten. Am 16. Januar bemerkte Staatssekretär v. K ü h l - m a nn, daß die Grenzokkupationsgebieke mit der Ukraine be­sprochen wurden, und daß diese Besprechung Einfluß ans die Verhandlungen haben würden. In Anbetracht, -daß die ukrai­nische Delqjation sich ohne unser Wissen in diplomati­sche Verhandlungen eingelassen hatte, sandte Trotzkh ein Schreiben an die ukrainische Delegation, das. Schätzt: Wjr

stellen fest, daß die ukrainische Delegation trotz des sehr be­stimmten Textes «ttjrveL Übereinkommens und trotz der

Nr. 36. . 66. Jahrgang.

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gegenwärtigen Sachlage, die verlangt, daß wir solidarisch gegen den gemeinsamen Feind austreten, sich gegen die Revolutionsmoral vergangen hat, die kein ge­heimes Abkommen mit Imperialisten dulden kann. Die Ukrainer fahren fort, hinter unserem Rücken mit den feindlichen Delegationen zu verhandeln. Mit Rücksicht auf die Masse der Arbeiter und Bailern in Ruß­land und der Ukraine, deren Lebensinteressen aus dem Spiel stehen, beschlossen wir, jede Verantwortung für ihre Verhandlungen abzulehnen. Wir wenden uns noch ein­mal an das ukrainische Exekutiv-Zeuiralkomitee in Charkow mit dem Verlangen, es möge alle Moßnolbn:ey treifen, um die Interessen der ukrainischen Volksrepublik zu sichern und vor dem geheimen Spiel der Delegation des General­sekretariats'zu schützen. Wir wissen genau, daß das exekutive Zentralkomitee augenblicklich ein größeres Rocht hat, im Namen der ukrainischen Regierung zu sprechen, als die Kiewer Rada. Daß wir zuvor gegen eure Teilnahme am VeibaMlungstisch nicht protestierten, geschah, weil wir hofften, da! im Ang in Auge dem gemeinsamen Feind gegenüber wissen würdet, euer Auftreten aus die demokratischen elementaren Prinzipien zu gründen, und daß euer Auftreten zu keinem Konflikt zwischen euch und dem Eharkower exekutiven Zentralkomitee, sowie uns führen würde. Da sich nun eure Politik auf geheime Überein­kommen und Verrat der demokratischen Interessen grün­det, findet wir es notwendig, darauf hiuzuweisen, daß euer wirklicher Einfluß in keiner Weise euch das Recht gibt, an Namen der unabhängigen Republik zu sprechen.

Dir tage in Oesterreich-Ungarn.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 22. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die inner - und an her politische Lage Österreichs sowie Ernähr ungsschwierigkeiten, die sich zeitweilig der Negierung entqegenstellten, haben in den letzten Tagen zu einer Arbeiterbewegung ge­führt, die, von der Wiener-Neustadt ausgehend, sich b d zu einer großen Kundgebung in Form von Streiks über große Teile Österreich-llngarns ausdehnte. Das Hauptmotiv dafür bildete der Verlauf der Verhand­lungen von B r e st - L i t o w s k, mit dem die Ar­beiter unzufrieden waren. Konferenzen der Regierung mit den Arbeiteisführern schufen in dieser Hinsicht indes bald Klarheit, so daß es zur V e r st ä n d i g u n g und Beilegung des Ausstandes kam. Die Arbeiter gaben in den Konferenzen mit der Negierung ihren Willen be- kannt, wohl dnrchzuhalten, aber nur kür die 'Vertcidi- qung des Landes, nicht für Eroberungen. Da- nach kann man den ganzen Charakter der Bewegung be­urteilen, die nun hoffentlich endgültig beseitigt ist.

Über den allgemeinen Verlauf der Stveik- bewegung wird den Blättern gedrahtet: Der Ausstgnd begann am Dienstag daniit, daß die Arbeiter der Daimler-Motorenwerke die Arbeit niederlegten, mit ihnen die Angestellten sämtlicher Kriegsbetnebe. Im Laufe des Mittwochs schlossen sich zahlreiche Wiener Privatbetriebe der Streikbewegung an. Dienstag ver­hinderte die Wiener Arbeiterschaft in der H o f o p e r die Vorstellung, indem sie erzwang, daß das Publikum nach Hause geschickt werden mußte. Am Freitag war Wien bereits ohne Licht und kein Theater versuchte mehr zu spielen. Am Freitag wurde ferner der Straßenbahnverkehr eingestellt und die letzten Zeitungen in Wien erschienen. Samstag früh er­schien im Verlag derWiener Arbeiter- Zeitung" ein Mitteilungsblatt an die Arbeiterschaft. Auf der ersten Seite des Mitteilungsblattes waren vier Punkte festgesetzt, die lauteten: 1. Es wird gefordert, daß die Regierung die Verhandlungen von Brest-Litowsk von keinerlei territorialen Zugeständnissen der Russen abhängig macht und den Vertrauens- mör.ttertt der Arbeiter den ihnen gebührenden Ein­fluß auf den Gang der Verhandlungen nicht versagt: 2. daß die Regierung zu einer gründlichen Reorgani­sation des Verpflegungsdienstes, insbesondere der Gleichstellung der Selbstversorger mit der übrqgen Bevölkerung zustimmt: 3. daß die Regierung die unverzügliche Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in den Gemeindevertretungen zusggt und 4. daß sie der Aufhebung der M i l i t a r i s i e r u n g der Be- triebe keinerlei Schwierigkeiten in den Weg legt. Die Ausstandsbewegung blieb nicht auf Niederösterreich be- schränkt, sondern dehnte sich am Donnerstag und Frei- tag auf Steiermark, Böhmen und Mähren aus. Auch in Graz, Brünn und Prag wurde der Straßenbahnverkehr eingestellt. In Budapest brei­tete sich die Bewegung weit schneller aus als in Wien. Dort wurde am Freitagmorgen der Generalstreik proklamiert. Die Regierung suchte nun zu einer Ver­ständigung mit den Arbeitern zu kommen. In Wien haben die Streikenden einen Rat von 100 Vertrauens­männer» gewählt. Diese erschienen beim Ernähr