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Freitag. 18, Januar 1918. KbeNd-klUZgabS. Ur. 30. . 66. Jahrgang.

Vrest-LitowrK.

Befrievigender Fortgang der Verhandlungen mit der Ukraine.

W.T.-B. Brest-Litowsk. 17. Jan. (Amtlich.) Bei der heute zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Delegation einerseits und oer ukrainischen Delegation andererseits abgehalteneu Besprechung wurde einleitend das bisherige Ergebnis der über die bolitischen Fragen vertrau­lich gepflogenen Besprechungen resümiert. Gras C zernin hob hierbei den für die Brest-Litowsker Verhandlungen über­haupt zeltenden und auch von der ukrainischen Delegation anerkannten allgemeinen Grundsatz hervor, daß die Ein­mischung eineö Teiles in die inneren staatlichen An­gelegenheiten des anderen ausgeschlossen sei. Anderer­seits bestehe ein Einverständnis darüber, daß beim Zustande­kommen eines die Entwicklung eines dauernden Freund- schaftsverhältniffes sicherstellenden Friedens die beiden Teile bereit seien, sich unter der Voraussetzung voller Gegen­seitigkeit über verschiedene sie interessierende politische und kulturelle Fragen auSznspcechen. Hierbei wies Graf Czrrnin beispielsweise auf die Besprechung der Sicher- stellung i cs Schicksals der v o l n i s ch e n Minderheiten hin. welche künftig dem ukrainischen Staatswesen angehören werten. Diese Erklärungen wurden van der ukrainischen Delegatar- zustimmend und mit dem Bemerken zur Kenntnis genoinmen, daß sie auf Grund derselben in die weitere Verhandlung eintreten werden.

Bei der weiteren Besprechung über die Regelung des leiderfeitigen Wirtschaftsverkehrs wurden .keine selchen Dffierenzen in de», grundelgeiaden Auffassungen fest­gestellt, das sie das Zustandekommen einer Vereinbarung zu hindern vermöchten. Die Beratungen wurden so weit ge­fördert. das; sie sich bereits aus konkrete Fragen des Warenoustauschverkehrs erstrecken. Der Gang der Verl,arwlui,gen und ihr bisheriges Ergebnis lassen die Er- wartutig eines befriedigenden Abschlusses be­richtigt crs.cheine-u Die Weiterberatunq ist einer Spezial- kommission übertragen worden, die ihre Arbeiten sofort auf­nehmen und mit trinlichster Beschleunigung durchführen wird.

Oie in den nächsten T grn reife Entscheidung

Berlin, 18. Jan. (zb.i DerB. L.-A." will sich aus Grund der Nachrichten auS Brest-LitowSk keinem voreiligen Optimismus hingeben. Es sei aber doch klar, sagt er, daß bei der ukrainischen Delegation der Wille vorliege, durch ein praktisch brauchbares Ergebnis zum Frieden zu kommen. Sc Eindruck, daß die russische Delegation das gleiche Ziel verfolge, sei seit der Unterbrechung der Verhaud- lannen im Dezember nicht sonderlich stark gewesen und sei immer schwächer geworden. Mit einer außer- crdentlichen Geduld habe Staatssekretär bi Kühlmann immer wieder versucht, die von Herrn Trotzky ins uferlose fort- gesponnenkn Telatten zu konkreten Zielen zurückzulenken. Der Konzessionen an Herrn Trotzky wären es längst genug und übergenug. Wie liegen die Dinge? Brauchen wrr oder die Russen mehr den Frieden? Wir können das ruhrgen Auges mit ansehen, daß Herr Trotzky mit der Verlängerung des Krieges in der Tasche nach Petersburg zurückkehrt, wäh­rend womöglich die nicht ins Nebelhafte verstiegenen Ver­treter der ukrainischen Republik den Frieden mit den Mittelmächten abschließen.

Die ..Germania" sagt, man vermeine in Trotzky jeden Augenblick mehr den Weltagitator zu sehen KilL den Fricder.sbrilnger, dem das eine Ziel über alles gehe, den Völkern seines Landes schnell, sicher und in ehrenvoller Weise die Segnungen geordneter und beruhigter Zustände wieder- zugeben. Die Unterhändler der Vierbundmächte bewiesen in ollen möglichen Fragen ein weitgehendes Entgegenkommen, und ihr ehrlicher Friedenswille ist durch Taten er­wiesen Wir haben uns znm Unterhandeln bereit gezeigt. In den nächsten Togen wird die Entscheidung fallen, ob wir unS einer Täuschung Hingaben, als wir bei den Petersburger Herren den gleichen ehrlich^ Willen annahmen.

Zustimmung der ungarischen Press? zu dem festen Auftreten Kühlmanns und Czcrnins.

IV. T.-B. Budapest, 17. Jan. Die ungarische Presse stimmt, so weit sie nicki rein pazifistische Ziele verfolgt, vor- b e h a l t l o s den Äußerungen des Staatssekretärs v. Kühl­mann und des Grafen Czernin bei. Es wird darauf hinge- wftseu, daß das bestimmte Auftreten der beiden Staats­männer zur Klärung der Lage wesentlich beitrage.

Holländische Blätter über den naiven Doktrinarismus Trotzkys.

IV. T.-B. Rotterdam, 17. Jan. DerNieuwe Notterd. Courant" schreibt in einem Art-kel: Trotzky hat selbst ge­sprochen und andere so sprechen lassen, als ob er der Ver­treter eines siegreichen Staates wäre. Rußland hat ober dcch nicht gesiegt. WaS seine Vertreter tun, ist, für ihre Maximalsttischen Jdeen^und Theorien Weltpropaganda zu mack.en, oder sind sie wirklich naiv genug zu glauben, daß sie, c £ iv c I, I geschlagen, ohne die Macht, ihre Gegner nur durch Reden so weit bekommen können, als ob sie ge­schlagen seien. DerMaasbode" schreibt: Kühlmann hat deS ganze Register diplomatischer Talente m e i st e r - baft spielen lassen, um den Russen * den Standpunkt der Deutschen hinsichtlich der besetzten Gebiete und ihrer Räumung «rnehmbar zu machen. S» hat dann und wann

den Ar schein, als cb er die Gegenpartei in die Enge treiben und sie zu Zugeständnissen zwingen würde. Aber die von ihm gesponnenen Netze der Diplomatie werden durch den harten, unwandelbaren Doktrinarismus der russischen Delegation und Trctzkys allein zerrissen.

Vertagung vor vedalte über Vrest-Litowsk im Herrenhaus.

W. T.-B. Berlin, 18. Januar. Im Herrenhaus er­klärte vor Eintritt in die Tagesordnung Dr. Gras Jork von Wartend erg: In Anbetracht, daß der Hauptaus- schuß des Reichstags gegen die Stimmen der «beiden sozialdemokratischen Fraktionen beschlossen hat, mit Rücksicht aus die Verhandlungen in Brüst-LitöwÄ von einer Besprech­ung der n it der auswärtigen P o l i t i f zufammey- häugenden Angelegenheiten a-bzusehen, halten wir die beiden Unterzeichner unseres Antrags und ich uns ver­pflichtet, an den Präsidenten die Bitte zu richteix, den Antrag nicht aus die Tagesordnung der morgigen Ätzung zu setzen. Auf künftige Verhandlung darüber zu einem geeigneten Zeit­punkt «verzichten wir daniit nicht.

Zur Entsendung eines besonderen bayerischen Friedensunterhändlers.

W. T.-B. Berlin, 17. Jan. (Drahtbericht.) DieNovdd. Allg. Ztg " schreibt: Der Entsendung des König!, bayerischen Staatsministers a. D. Gras Podewils nach Bvclst-Litowsk liegt, wie wir hören, eine Vereinbarung zugrunde, die im Anschluß an die Versailler Übereinkunft vom 23. November 1870 zwischen Preußen und Bayern getroffen und von Preu­ßen am 14) Februar 1871 ratifiziert wurde, '©ie geht dahin, daß bei Friedensverträgen, die nach einem Bundeskrieg ge­schlossen werden, auch ein Bevollmächtigter Seiner Majestät des Königs vori Bayern zugezogen werden soll, der sich an den Verhandlungen beteiligt und durch das Reichskauzleramt, also durch den denffchen Reichskanzler, seine Instruktionen erhält.

*

Die vergellungrmatznahme gegen den rumSntscven Gesandten.

W.T.-B. Stockholm, 17. Jan. Nach einem Telegramm der Petersburger Telegraphen-Agentur ist die Verhaftung des rumänischen Gesandten D i a m a n d i in der Nacht vom 14. zum 16. Januar Wegen der grausamen Unterdrückungs­maßregeln der rumänischen Regierung gegenüber russi­schen Soldaten erfolgt. Das ganze diploma­tische Korps begab sich auf Anregung der französischen und englischen Botschaft zu L e n i n. Die Kommissare be­willigten die Freilassung des Gesandten auf den Vor­schlag des amerikanischen Botschafters hin, daß er in seinem Namen der rumänischen Regierung eine Erklärung gegen d-e Gewaltmaßregeln Rumäniens gegenüber russi­schen Soldaten senden werde. Um 3 Uhr in der Frühe wurde der Befehl erteilt, Diamandi freizulafsen.

Der Tagesbericht vom 18. Januar.

W.T.-B. Grcßks Hauptquartier, 18. Jam (Amtlich.) *trBc - ft l reaftsrlmnplutz

Auf dem größten Teile der Front war die GefechtS- tätigkeit gering; lebhafter in der Gegend südwest­lich von E « m b r a i.

Bei kleineren Unternehmungen nördlich und nordöstlich von Prosnes wurden Gefangene eingebracht.

östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

An der

mazedonischen und italienischen Front

ist die Lage unverändert.

Ter Erste Genclalauartiermeister: Lndrnd»rff.

Neue Veute an der englischen Westküste.

W. T.-B. Berlin» 18. Jau. (Amtlich.) Eines unserer Untersesboote hat kürzlich an der Westküste «Englands vier Dampfer, ein französisches Bewachungsfahrzsug, einen Segler und einen Fischdampfer «versenkt. Die Mehrzahl der Schisse wurde unter erheblicher feindlicher Gegenwirkung in den für starke U-BootSabwehr beson­ders geeigneten Gewässern «der Irischen See und deS Bristolkanals in geschickten Angriffen versenkt. Hier fiel auch das französische Bewachungsfahrzeug dem U-Boot zum Opfer. Sämtliche Dampfer waren bewaffnet. Unter ihnen konnten die englischen SeglerElmelcaf" u«ndBoston City" sestgestellt erden. Bon den beiden anderen Dampfern hatte der eine Kohlen- der andere vom Aussehen und Größe des englischen Dampfers ,,-Egremont Castle", 6284 Tonnem Leinöl geladen. Der «Fischdwmpfer führte die Be- zs'chm«ungB. P. 696".

Der Chef des Admiralstabs der Marin«.

Laillanx' Geheimfach.

W. T.-B. Rom, 17. Jan. (Agencia Stefani.)Giornale d'Jtalia" schreibt: Das G e h e i m f a ch, das Eaillaux seit 1914 in Florenz unter dem NamenMadame Renou-ard", dem Rainen seiner Frau, «beisaß, wurde in der letzten Woche geöffnet und enthielt erstens Schmucksachen >m Wert von nage führ Million, zweitens «Hsische, englische und

portugiesische Staatspapiere im Wert von 1% Millionen u:t> drittens 8 politische Aktenmappem «Die erste Mappe enthält unt«c dem TitelMeine Ablehnung" Briese, die zwischen Eaillaux und einigen Züricher Persönlichkeiten gewechselt worden sind, die ihn dringend um «Geld und Pässe bitten, um nach Frankreich gehen zu können. Eaillaux lehnte beständig ab. Die zweite Aktenmappe enthält die Briese mehrerer französischer Zeitungsschriftsteller, bösondevs A l l m e r e h - das. In alleil diesen Papieren befindet sich keine An­spielung auf italienische Politiker oder Zeitungsschriftsteller oder auf italienische Angelegenheiten. Die dritte Llktenmappe ist die un fangreichste, wichtigste und ein«drucks«vollste. «Si-e ist in zwei TeAe' geschieden und enthält ein ausführliches merk­würdiges politisches Programm, das von Eaillaux aufgezeichnet und unterschriöben ist und in Frankreich ve-:- »

wirklicht «werden sollte, wenn er, wie er hoffte, zum Mimster- p residenten ernannt worden wäre. Dieses Programm würde in WivMchkeit ein Attentat gegen «den Staat darge- ftillt haben und wäre eine wirkliche Umwälzung der ftanzösi- scken politischen Einrichtungen, eine Umstürzung und Umgestcltung der öffentlichen Gewalten und Ämter.

Eaillaux gibt die Namen der D-eputierten, Senatoren und (

Generale an, die er in sein Mnisteriiml berufen haben würde. Eaillaux würde die Werhaftung PoincareS und aller Lerjenigeri, die die öffentlichen Angelegercheiten Fvankrei«chs in ;ener letzten Zeit geleitet habM, Brian-d angeschloifen, angeordnet haben. Dieses Programm fah die Schaffung neuer Staatsorgane vor, wobei der «gesamte mili­tärische Oberbefehl an der Front dem Generäl S «a r r a i l anvertraut worden lväre, und zwei Sondemegimenter, aus korsischen Soldaten «gebildet, nach Paris berufen werden soll­ten mit ihren Generälen, die Eaillaux als seine ergebenen Freunde betrachtete. Er hätte dann «durch die Kammer ein Projekt genehmigen lassen, das Eaillaux denR«rMkon" nannte und daS ihm die absolute Gewalt gab. ES «handelte sich «um einen «wirklich«en Staatsstreich. Kammer und Senat würden aufgelöst worden sein.» Gleichzeitig Hütte Frankreich «eine äußerste Anstrengung zu machen gehabt, um irgend einen Sieg an der Front oder «inen diplomatischen Sieg davonzutrageu, um im Glanz des Sieges der Volksab- stianmung den Fri«sdensvertvag unterbreiten zu können. Die neue Regierungsform in Frankreich wäre im wesentlichen von der gegenwärtigen R«egierungsform verschieden gvw«efen, wenn di« republikanische Sl«iatsforni gewahrt worden wäre.

Die neue Regierungsförm hätte den Senat mehr beschränkt als gegenwärftg und die Kammer noch mehr in ihren Befug- nffsen eingeschränkt. Im übrigen wäre der Staat be«ibehal- ten worden mit Machtbefugnissen, die von den ge,enwärtig«en sehr verschieden wären. Dieser phantastische Plan Eaillaux' war voll von «Einzelheiten Mer die Zusammeu- setzuug des neuem Ministeriums, Mer die Militärregierung von Poris, besonders während des Regierungswechspls und «über die diplomatischen Vertreter Frankreich,s im Ausland, die sämtlich gewechselt worden wären. Der ftü«here M.ini«ste? Leygues «rväre zum Botschafter in Rom ernannt worden, bis Nachforschung wurde ttn Auftrag der Untersuchungskom- mifsion der srarzrsischcn Justizbehörden allein durch die italienischen Behörden vorgenommen.

W. T.-B, Genf, 18. Jan. (Drähtbericht.) Der D-Spu- tierte L o u s 1 a l o t wurde, wie die Slgence «HavaS meldet, heute verhaftet.

*

Der Mörder Faures'.

Berlin, 18. Jan. (zb.) Die Aburteilung deS Mörders Jaures' fit aufs neue .ms die nächste Schwur- gelicktspiiiode verschoben worden. Um die Form zu wahren, wird Villain derVoss. Ztg." zufolge von einer neuen Ärzte- kciinnffsion ivieder einmal aus seinen Geisteszustand unter­sucht werden.

Die neue Pariser Konferenz.

Lugano, 18. Jan. (zb.) Die Pariser Konferenz wird voraussichtlich am 21. Iin beginnen und bis zum 24. Jan. dauern. Auf der Rückreise nrch Rom wird Orlando am 27. Januar in Mailand eine große Volksrede halten. .

Explosion einer spanischen Waffen- und Munitions- Niederlage.

W. T.-B Genf,. Jan. (Draht«beL.icht.) Nach einer Meldung der Ll«gcnre Havas ist in Bilbao «die Kaserne «Viktoria, in der eine Waffen- und M«unitionSniederlage m> tergebrocht war, infolge Brands in die Luft geflogen.

Oer polnisck»e Regentfctzaftsrat an Kaiser Wilhelm uns an den Kanzler.

W.T.-B. Berlin, 17. Jan. Der Regenffchaftsrat des Königreichs Polen richtete nach Abschluß seine? Besuches in. Berlin an den Kaiser and den Reichskanzler folgende Tele- gramme:

An Seine Kaiserliche und Königliche Majestät den deutschen Kaiser, Berlin.

Beim Überschceiten ber ReichSgcenze ist es «aus ein Be­dürfnis, Eurer Majestät für oen gnädigen Empfang und die Gasffreundschaft in Eurer MaicstÄ Haupt- und Residenzstadt unseren warm empfundenen Dank auszusprechen.

De. ». Makowski, Erzbischof. Fürst Luvomirski, Joseph v. Ostrowski,