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Verlag Langgafse 21

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Mittwoch, 16. Januar 1918.

kibend-Kusgabe.

Nr. 26.. 6b. Jahrgang.

wiederum erfolglose Angriffe der Italiener.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Jan. (Amtlich.) Westlirlicr Zlriegsschai,platz,

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht

lind

Deutscher Kronprinz.

Bei und östlich von Lens war die Artillerie- t a t i g k e i t gesteigert. In einzelnen Abschnitten ErkundungS- gefechte; südlich von O r n e S wurden Gefangene gemacht.

Heeresgruppe Herzog Mbrecht.

Roch mehrstündiger Feuerwirkung stießen französische Ab­teilungen nördlich voil Badonvillers vor nnd drangen vorübergehend in unsere vorderen Gräben ein.

Eigene Aufklärungstruppen brachten in den oberen B o g c s e n Gefangene ein.

östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues. '

Mazedonische Front

Im Cernabogdn erhöhte Gefechtstätigkeit.

Italienische Front.

Zwischen Brenta nnd Piave lebhafte F e u er­kämpfe, mit besonderer Heftigkeit im Gebiete des Monte A s o l o n e. Die Italiener' haben ihre c r f o lg l u f e n An­griffe nnr südlich vom Monte Fontana Secco wiederholt; sie wurden abgewiesen. Im Piaveabschnitt nördlich vom Moutello verstärkte sich das eilglische Artillrrie- seuer.

Der Erste Generalquartiermeister: Lndendorff.

Zorlfchritle in Vrest-Litowsk.

W. T.-E. Brrst-Litowsk, 15. Jan. Heute fanden wieder Besprechungen der deuffch-österveichffch-unqarischen-russischen Kvmmifslcn zur Regelung der territorialen und politischen Fragen statt. Trotz der vorläufig noch starken Ab­weichung in den Auffassungen der beiden verhandelnden Parteien konnte in einigen Punkten eine wesentliche Annaberung festgestellt werden.

tteinerlel Kenderungen in den Instruktionen für ttühlmann.

' W. T.-B. Berlin, 15. Jan. In der Sitzung des H a >u p t- auSschusseS des Reichstags erklärte der Unterstaatsfekre- tärvon dem Buss che: Ich kann namens des Reichskanz­lers erklären, daß in den Instruktionen, di« der Staats­sekretär v KüMmann für die Verhandlungen in Brest-Litawsk erhielt, keinerlei Änderung eintvat. Hiermit dürfte allen im Publikum und in der Presse umlaufenden Gerüchten der Loden en tzogen sein. »

Graf v. Podewils als Unterhändler in Brest-Litvwsk.

Berlin, 16. Jan. Einem Telegramm desBerl. L.-A." aus München zufolge geht der frühere bayerische Ministerpräsident v. Podewils, instruiert voin Reichs­kanzler, zu den Friedensverhandlungen nach Brest- Litowsk. Graf v. Podewils war im bayerischen Ministe­rium im Jahre 1911 vom Trafen v. Hertling avgelöst worden. _

Die Entspannung.

Berliner Pressestimmen.

Berlru, 16. J.m. (zb.) Nach dem Ansgang der letzt- tägigen Besprechungen, zu denen Hindenb-lcg und Lndendcrff hierher gekommen waren, schreibt dieGermania": In der Polittk ist nichts bedenklicher als das Schwanken, und Graf Hertling ist nichts weniger als ein schwankendes Rohr. Der Reichskanzler weiß, Was er will, und was er für das Vaterland erstrebt. Er hat sich seine Meinung nicht erst von gestern auf heute gebildet und wird sie auch nicht von heute auf morgen wieder aufgeben, wenn nicht ganz neue Situationen ihn dazu zwingen. Die Frage der Grenz- sicherung aus.strategischen Gründen ist nicht erst in den letzten Wochen geboren. Es ist nur eine Selbstverständlichkeit, wenn wir hvilte bestätigt sehen, dass unsere Reichsleitunq eben­sowenig wie die Kcone darin denken kann, Deutschlands KriegszielkurS durch Unbeständigkeit zu erschüttern/ Der Grund der Aufregung lag in Hoffnungen und Wünschen, die gewisse poiltische Kreise hegten itnd für die sie die Zeit für gekommen hielten.

DasBerliner Tageblatt" spielt darauf an, daß gewisse Kräfte mit ihrem mißglückten Sturm gegen Herrn v. Kühlmann eine allgemeine Krise herbeizuführen ver­suchten, um einem bestimmten Kandidaten die Wege zur Kanzlerschaft zn ebnen

DieBerliner Morgenpost" sagt: Ohne jede Schön­

färberei daif behauptet Weeden, daß in allen Fragen zwischen der pclitischen und der militärischen Leitung Einigkeit herrscht. Man kann nur hoffen, daß nach der allgemein be-

C 'ßten Enispannunz d«r inner? Friede soüalo nicht wieder ö« werden vtrd.

DieKöln. VoWAzig." schreibt: Die Stellung des Grafen Hertling ist durch di« Ereignisse und Verhand­lungen der letzten Tage, wenn möglich, noch, gefestigt wor­den.^ Es kann heute ganz offen ausgesprochen werden, daß zwischen der Obersten Heeresleitung und dem Grafen Heitling wohl Meinungsverschiedenheiten über einzelne Fragen bestanden und vielleicht in Zukunft wieder entstehen können, /daß aber Gegensätze von irgend welcher Schärfe vom ersten Tag des Ko»- slikts an zwischen Gras Hertling und der Obersten Heeres­leitung nicht bestanden haben. - Im Gegenteil! Bei der Obersten Heeresleitung sieht man dem weiteren Zusammenarbeiten mit dem Reichskanzler in den Fragen des Friedensschlusses mit Vertrauen entgo-e>n. Das haben dre Aussprachen der letzten Tage bewiesen."

Die Kdmiralstabsmeldung.

Zwei Truppentransportdampfer und ein Zerstörer versenkt.

W. T.-B. Berlin, 15. Jan. (Amtlich.) Neue Erfolge im Mittelmeer: Ein englischer Zerstörer und 24 000 Brutto- regiftertonnen Handelsschiffsraum. Am 30. Dezember hat eines unserer Unterseeboote, Kommandant Oberleutnant zur See Obermüller, vor Alexandrien einen großen be­waffneten, durch Fischdampfer und Torpedobootszerstörer stark gesicherten, vollbesetzten Truppentransportdampfer versenkt und darauf in kühnem Angriff den Zerstörer der Sicherung H. 08" durch Torpedotoeffer versenkt. Der Transporter batte noch Beobachtung des Unterseebootes anscheinend aus­schließlich weiße Engländer an Bord.

Unter Len übrigen, von unseren Unterseebooten versenkten Schiffen von denen die meisten für Italien, bezw. die Eng­länder im Orieni Ladung hatten, befand sich ein weirerer bewaffneter, von Zerstörern gesicherter Transportdampfcr von etwa 5000 Tonnen sowie zwei mittelgroße Dampfer, die aus Geleitzügen herauSgeichoffen wurden.

Der Chef des AdmirakstabS der Marine.

*

W. T.-B. Berlin, 15. Jan. Die Versenkung eines Truppevtransportdampkers hat deshalb besonderen Wert, weil für die Beförderung von Traippen nur große und schnelle Dampfer mit besonderen Einrichtungen benutzr zu werden pflegen. Vom Untergang des Z e r st ö r e r S H. 08" wutzren wir bereits aus englischen Meldungen. Da­nach sollte die ganze Besatzung bis auf 10 Mann gerettet wirten sein. Nun erfahren wir den wahren Hergang. Interessant ist übrigens auch in diesem Zusammenhang die englische Nachricht, daß die britische Admiralität wegen der zunehmenden Unterseebootsgefahr einen Teil ihrer Transporte irach Mesopotamien und Palästina nicht mebr durch das Mittelmeer sendet, sondern westwärts durch den Atlantischen, Süllen und Indischen Ozean.

ver Hauptzweck der neuen pariser Konferenz.

W. T.-B. Bern,. Jan. Der römische Korrespon­dent derStampa" berichtet, der Hauptzweck der Pariser Konferenz sei die Abgabe einer ins einzelne gehenden Erklärung über die Kriegsziele der Alliierten und die Abfassung eines gemein­samen, die gesamten Forderungen enthaltenden Doku­ments. Die italienische Regierung habe einem derarti­gen Einheits-Dokument zugestimnlt. AuchGiornale d'Jtalia" bezeichnet ein derartiges Deokument als er- wünscht und wahrscheinlich, hält es aber für nötig, dar­auf hinzuweisen, daß di; Hauptpunkte des demokrati­schen Friedens dadurch keinerlei Veränderung erfahren würden. An erster Stelle würden die Forde­rungen Frankreichs gegenüber Deutschland und Ita­liens gegenüber Osterrüch bestehen bleiben

Italiens unveränderte Kriegszkeie.

W. T.-B. Berlin, 15. Jan. Wie derCorriere della Sera" mitteilt, ist in dem gestrigen vierstündigen Miristerrat grundsätzlich vereinbart worden, daß Ministerpräsident Orlando, wahrscheinlich noch vor der Kammereröffnung, ähnlich wie Lloyd George, Wilson und Pichon eine Rede halten werde, um den StandpunktJtaliens in der Friedensfrage fest­zulegen. Halbamtlich verlautet, die Kriegsziele sollten im wesentlichen in unveränderter Form bestätigt werden. Der Ministerrat soll auch einen vor­zeitigen Zusammentritt der Kammer erörtert, jedoch ab- gelehnt haben, da Orlando bereits für die Teilnahme^ an der Pariser Konferenz verpflichtet sei.

Amerika kann den Alliierten keine Kohlen mehr liefern.

W. T.-B. Bern, 15. Jan. Die Pariser Ausgabe der Chicagc Tribüne" meldet aus Washington vom 8. Januar: Dos Kriegsamt hat ein strenges Embargo auf die Kohlen russul r, so weit die Kohle nicht für Zwecke des Krieges nottvendig ist, verfügt, da dieses Jahr weniger Kohlen für dre Ausfuhr zur Verfügung stehen als im vorigen Jahr. Infolgedessen fällt die, Aufgabe. Frankreich und JtaltNr zu versorgen, jetzt gründlich auf Englands Schultern. 3cach, einer Meldung desselben Blattes aus Washington vom 13, Januar beabßchü^t ine amerikanische Regierung, neugr-

dings»a:ccl allen inländischen Industrien, die nicht für den Krieg arbeiten, angesichts des starken Kohlenmangels in der Bevölkerung, bis auf weiteres die Kohle vorzuenthalten.

Die englische Heeresverstärkung.

Br. Haag, 15. Jan. (zb.) Der englische Kriegsminister Geddes führte in seiner llntechausrede (vgl, Morgen-Aus­gabe) weiter aus« Dafür bürgen uns die Hilfsquellen unserer Alliierten in Amerika. Nur eine psychologische a t a st r o p h e in unserem Land oder in einem der Länder unserer Bundesgenossen, wie das in Rußland der Fall war, körinte die Zentralmächte retten. Es ist mir un­möglich, mit Genauigkeit mitzuteilen, wie viele Truppen wir und unsere Bundesgenossen zurzeit im Felde und in Reserve hoben. Aber ich kann dem Hause versichern, daß wir im­stande sein werden, den feindlichen Armeen die Spitze zu treten. Die Zunahme an Dienstmannsck'aften wird die Tat­sache erweisen, daß die F l ot t e im August 1914 nur 150 000 Köffe betrug, jetzt aber 460 000 Mann zählt. Unser Land- h e e r zäblt zurzeit vier Millionen Mann, wobei die Verluste rächt milgerechnet sind. Wir können sagen, daß die englische Natten nicht weniger als 7s/, Millionen Mann firr den Krieg zur Verfügung gestellt hat. Wenn wir aber Armee, Flotte und das Flagzeugwesen auf der Höhe halten wellen, wie es unser Plan ist, dann muß England u n v e r - züalich 450 000 Mann neu einstellen. Es müssen dafür Leute herangezogen werden, die zurzeit ihrer bürgerlichen Beschästigung nachgehen. Die genannte Ziffer mutz als ein Minimum betrachtet werden. Es ist aber sehr wahrschein­lich, daß die militärische Lage erfordert daß im Jahre 1918 n o ck mehr Leute unter die Fahnen gerufen werden. Es besteht die Absicht, die Altersgrenze riach oben und unten zu ändern und auch in Irland die Dienstpflicht einzuführen. Ich hoffe, daß das Land auf die Arbeiter ebenso wie aus ihre Führer wird zählen können.

Unfreiwilliges Eingeständnis der Besorgnis vor kommenden Niederlagen.

ZV. T.-B! Genf, 15. Fan.Genevois" veröffentlicht eine Zuschrift des Bureaus derTimes", in deni die Gründe an­gegeben werden, warum England gegen einen gemeinsamen Genera!isstnrns ist. Irr der englischen Darstellung heißt es u. a.: Der Evfolg einer solchen Einrichtung hängt völlig von den Verteilen ab, die die Heere davon tragen, die der Gene­ralissimus befehligt. Taffache fft, daß ein Heer eine Nieder­lage und alle ihre Folgen ertragen kann, wenn es von seinen eigenen Führern befehligt wird, daß es eine Niederlage aber nicht duikden kann, wenn ein Führer anderer Nationalität es befehligt.

vie Lebensmiltel-Nat'onierung in England.

ZV. T.-B. Amsterdam, 16. Jen. (Drahtbericht.)Alge- meen Handelsblad" erfährt aus London: Der Entwurf der Lsbensmittelznfnhryuteilung fft fertiggSstellt und wird vec- mutlicb auch Butter uud Margarine und möglicherweise auch aus andere Artikel, Tee, Fleisch und Käse, angewen- det werden, falls er Erfolg hat. An Butter besteht ein wirk­licher Mangel. Andere Artikel weiden künstlich zurückye- halten. Tie eigentlich«: Beschwerde der Arbeiter­klasse richtet sich dagegen, daß die Preise von Waren, die im Überschuß vorhanden sind, in die Höhe getrieben werdsn, und gegen die Ungleichheit der Bqrtsilung,

Arbeitsverweigerungen in der Kriegsindustrie.

W. T.-B, Amsterdam, 16. .Jan. (Drahtbericht.)Wgv» meen Hartdelsblab" erfahrt aus London: Die baltische Re­gierung beabsichtigt strenge Maßregeln gegen die Ar- beitevgruppen, die die Herstellung von Mumüon, Schiffen und FluWsugen erschweren.

Ein offener Brief Lenins.

Die GenferNation" bringt in Nr. 31 einen offenen Brief Lenins an Hermann Frrnau. den Herausgeber derFreien Zeitung". Wir entnehmen der bedeuffamen Auslassung des Maximalistenführers folgende Sätze: Lord Bryce. der sich auskennen muß, schrieb, daß in England, dem Mutterland aller Parlamente, die Ge­schicke des Landes in Wirklichkeit von einem Dutzend unverantwortlicher Perionen gelenkt werden. Das rein monarchische Regiment hat wenigstens den Vorzug der Offenheit. Die Völker antworten nns nicht, weil ihre Negierungen, monarchische oder schein-demokratische, sie nicht zu Wort kommen lassen. Wir ivollen unser Volk retten, welches den Frieden unbedingt nötig hat. Sollen wir. wenn die anderen Völker sich noch weiterhin abschlachten lassen wollen, dasselbe tun <-.u§ Solidaritätsgefühl? Fassen wir die Tatsachen ins Auge I Wirbrauch en vorn Hemden Frieden. Wir haben alle Welt eingeladen, ihn zu schließen. Zwei Regierungen gehen darauf ein. Glauben Sir, daß das gegen den Wunsch ihrer Völker ist? And wenn die an­deren Regierungen nichts davon hören wollen, was können wir dabei tun? Sie auffordern, ihre Völker zu fragen oder zur Leitung ihrer eigenen Geschicke sinzu» laden? Das haben wir ja bereits getan... Wir haben genug und ziehen uns zurück. Und andere werden es machen loi; wir, allmählich, einer nach dem anderen: Rumänien, Portugal, wer dann? .., ,