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Verlag Langgaffe 81

„Tagblanhaus".

8a»lter-Halle geöffnet von 8 Ubr morgen« bi« 7 Uhr abends.

wöchentlich

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W„ Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203.

Mittwoch» 16. Januar 1918.

Morgen-klusgabe.

Nr. 25. . 66. Jahrgang.

Ministerpräsident Graf hertling über die wohnungrresorm.

Herrenhaus.

(Eigener Dradtbericht de? „Wiesbadener Tagblatts".)

W. T.-B» Berlin, 15. Januar.

Am RsgierrmgStisch: Graf v. Hertliug, Dr. Frisdherg, Dr. DrewS, Dr. Spdow, Dr. He «ft.

Das Haus iffi gut besucht. Die Tribünen sind überfüllt. Präsident Graf v. Arnim-Boitzenburg eröffnet die Sitzung um 2.47 Ubr.

DaS Andenken der verstorbenen Mitglieder b. Burgsdorf, Gras v. Wedel-PierSdc-vf, Pvofeffor Wolf Wagner und Gene­ral Brgel von Fakkenstein wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Neueingetreten ist Generalsekretär Stegerwald. Der Präsident richtet einige Worte der Begrünung an ihn. Auf der Tagesordnung steht der Bericht der Kommission, betr. den Entwurf eines Wohnungsgesetzes. Präsident des Staatsministertumr vr. Graf v. Hertltny:

Meine Herren! Ich ergreife gern die Gelegenheit, welche die heutige Beratung bietet, um mich dem Haus vorzustellen, nachdem Seine Majestät der Kaiser und König mich aus meinen schweren und verantwortungsvollen Pasten berufen hat. Der Gegenstand, um den es sich 'handelt, ist ja in der letzten Zeit in der außerordentlichen Wichtigkeit, die da­mit veobunden ist, mehr und mehr in. den weitesten Kreisen erkannt werden. Schon vor dem Krieg und schon lange vor­her-mutzten jedem, dem das Wohl des Volkes arnstlich am Herzen liegt, die Zustände, wie sie sich an der Peripherie un­serer Großstädte und in den Industriezentren entwickelt haben, •:n : t ernsterSorge, mit wahrem Schmerz und gelegentlich mit Entsetzen erfüllen. Schiechtge lüftete Räume, wenig Be­leuchtung, mit einer Aussicht aus einen engen Hof, diele Stockwerke hoch, die überfüllten Räume nicht nur von einer Familie allein bewohnt, sondern durch Fremdlinge noch weiter überfüllt, die Unmöglichkeit, die Familienwohnung genügend abzusperren, die damit gegebene Gefahr, die Heranwachsende!, Eindrücken und Erlebnissen auSzm'etzen. die für ihre ganze irätere Entwicklung vergiftend wirken müssen, und hinter dem allen der unverantwortliche Wohnungswucher. Daß hier Abhilfe geschaffen perden mutz, loar längst in weiten Kreisen anerkannt worden und verschiedentlich sind auch Maßregeln dagegen ergriffen worden.

ES ist aber notwendig, daß in grösserem Maß großzügig ' bei uns vorgegangen wird.

Dazu kommt, daß zu deu Zuständen, die vor dem Krieg bestan­den, der Krieg noch Erschwernisse und neue Aufgaben («kracht hat. Nicht nur. daß die bauliche Instandhaltung der- ulten Wohnungen erschwert ist, daß es fast unmöglich gewor­den ist, den Wohnungsbau zu verstärken, etwas anderes liegt un? am Herzen. Wir wollen unseren Heimkehrer, den Kriegern ein Heim schossen, das ausreichend, gesund und befriedigend ist. Aus all diesen Gründen heraus sind diese Verlagen entstanden. Vorlagen also, die eine Förderung de? gemeinschaftlichen Siedelungswesens und des Wohnungsbaus betreffen. Diese Förderung soll ge­schehen. erstens dadurch, dotz die gemeindlichen Dmwdnungen auif gesetzliche Grundlage gestellt werden, und zum zweiten, daß auch Mittel des Staats bereitgestellt werden, Mittel des Staats, um einerseits gemeinnützige Bauvereini- gunaen zu unterstützen und andererseits zweite Hypotheken, die gemeindliche Vereinigungen stellen, durch staatliche Gewähr zu sichern. Die Vorlagen, meine Herren, sind Fönen ja nichts Neuss. Ihre 14. Kommission hat bereits erfolgreich daran gearbeitet. Die vorgenommenen Veränderungen sind zu einem großen Teil als Verbesserungen aiwrfarmt worden. glaube mich um so mehr aus diese wenigen Worte bssch rucken zu können, und dem Herrn Han­delsminister, wenn nötig die weitere Begründung überlassen za dürfen. (Lebhafter Beifall.)

Abgeordnetenhaus.

(Eigener Drahtbericht des „WieSbsd-ner Tagblattr'.l

$ Berlin, 15. Januar.

Am Ministertisch: Kommissare.

Präbdent Grar v. Schwerin-Läwitz eröffnet die Sitzung am 12,20 llhr.

Zu Ehren des verstorbenen Präsidenten des Hauses v. K r cch e r erhebt sich daS Haus. Der Präsident widmet dem Abgecrt rieten v. Kröcher einen ernsten Nachruf.

Auf der Tagesordnung steht der Antrag des Abgeordneten Aronkotn und Genossen (Bpt.) auf

Zulassung der Zrauen zu städt. verwaltungs- deputationen und Stiftungsvorftanden.

Abg. Gräfe (konf.) berichtet über die Verhandlungen der Kommission und erklärt, daß ein Teil seiner Freunde für deu Antrag stimmen wird. In einer Entschließung der Kom­mission wird die Regierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den die Bestimmungen der Städteordnung £uMj|cn£ dahin «bgeandert werden, daß Frauen zu Mit­

gliedern städtischer Verwaltungsdeputationen und Stiftungs­vorständen der sozialen Fürsorge und Wohlfahrtspflege mit beschließender Stimme bestellt werden. Wenn ein Teil meiner Freunde dem Antrag Aronsohn zustimmt, so lehnen wir doch die Folgerung, die besonders die Sozialdemokratie zieht, daß namentlich die Frauen auch das politische Wahlrecht erhalten sollen, entschlossen ab. Di^^rauen sollen sich insl esondere auf charitivem und den soD den Frauen ge­mäßen Gebieten betätigen. In Fragen, die sonst das örfent- liche Leben berühren, mag man die Frauen mit beratender Stimme heranziehen. Unter der Betätigung der Frauen im öffentlichen Leben würde vor allem da? Familienleben leiden. Namhafte Frauenrechtlerinnen haben anerkannt, daß die zu­nehmende Abneigung gegen die Mutterschaft als eine Folge der politischen Betätigung der Frauen zu betrachten..ist. Die Haltung der Frauen in diesem Krieg ist über alles Lob erhaben. Das wollen wir freudig anerkennen; aber das Eindringen der Frauen in die Männerberufe wollen wir nicht zu einer dauernden Einrichtung machen. lBeifall rechts.)/

Abg. Dr. Kaufmann (Zentc.) begründet seinen Zusatz zur Entschließung der Kommission, wonach die Frauen auch zu Mitgliedern von-Schulkom m i ssi on en bestellt werden können. Das politische und kommunale Wahlrecht der Frauen lehnen wir ab. M't dee Entschließung der Kommission sind wir einverstanden. Eine Betätigung der Frau auf sozialem Gebiet wird von uns begrüßt. Auch aus dem Schulgeotet hat sich die Arbeit der Frau gut bewährt. Auch wtr erkennen an, daß die Frau im Krieg eine große nationale Leistung vollbracht hat. ?lber der jetzige Zustand, bei welchem die Ge­sundbeit der Frauen aufs allerschwerste geschädigt ist und dee große sittliche Schäden mit sich bringt, mutz nach dem Krieg sobald als möglich beseitigt werden. Die.Hauptaufgabe der Frau muß es bleiben, Kinder zu tüchtigen Bürgern heranzu­bilden (Beiiall im Zentrum.)

Geheimrat Conze' Der Minister des Innern ist bereit, die Städte er dnung im Sinne des Beschlusses der verstärkten Gmueindekommission abzuändern, damit die Frauen in den städtischen Deputationen da-? Kommissionsskimmrecht erkalten. Das srll aber nicht durch ein Sondergesetz geschehen, sondern die Angelegenbeit wird in dem bald notwendig wer­denden neuen Gemeindeverfasiilnqs^-setz geregelt werden.

Abg. Tr. Lewin lVvt.)' Der Abgeordnete Gräfe verlangt, d»ß die Frauen nicht in den politischen Kampf hinctngezogen werden. Weiß denn der Abgeordnete Gräte nicht, daß in jeder Familie seit Jahrzehnten die politischen Fragen er­örtert werden und daß die Frauen sich ebenso mit Politik beschäftigen, wie die Männer? Macht es denn der Stimm, gt ltel allein? Man sagt, durch die volitische Betätigung der Frau leide das Familienleben. Maria Tberesia war in enormem Maße tätig und doch batte sie 15 Kinder. Die Frau verlangt, daß sie in polftischcr Beziehung gleichgestellt werde mit dem Mann. Allerdings verlangen wir nicht, daß den Frauen schon aleich das politische Recht im Staat ge- wäbrt wird. (Adolf Hofmann: Immer nur langsam voran I> Wir wollen, daß die Frage sich in ruhiger Weise entwickelt. Den Frauen muß das Gemeindewahlrecht gegeben weiden. Der Forderung auf Gewährung des Frauenwahl­rechts im Staat können wir zurzeit nicht zustimmen, weil wir die schwebende Wahlrerorm nicht durch weitere Forde­rungen erschweren stwllen. (Beifall links )

Abg. Hirfcb-Berlin (Soz.)' Das günstige Urteil über die Leistungen der Frau bei der Kriegsfüriorge ist denen ent- geger.zubalten, die keinen Fortschritt in der vorliegenden Frage wollen. (Fortsetzung folgt.)

Für tage.

(Von unserer Berliner Abteilung.) h. Berlin, 15. Jan. (Cig. Drahtbericht, zb.) Von offi­zieller Seite versucht man, weiter Beruhigung hinsichtlich der Konferenzen der letzten Tage zu verbreiten. Die „Germania", das jetzt der Regierung am nächsten stehende Matt, schreibt unter dem Titel „Das Ergebnis": Die Grund­lagen unserer Friedenspolitik bleiben in der Tat die alten. Nach dem Osten gelten die Erk!ärung»n des Reichskanzlers nein 20. Neben,ber weiter mit ihrem Bekenntnis zum Selbst- bestimmringsrecht. Im übrigen ist eine Bindung unserer Kricaspi-litik nach andwen Seiten nicht erfolgt. Auch an der Absicht, das Selbstbestimmungsrecht der östlichen Grenzvölker loyal durchzuslibren, wird in dem bekannten Sinn festgebolten. Ans dieser Sachlage folgt, daß dem Staotsf^kretär v. K ü b im a nst'für die Verhandlungen in Brest-Litowsk keine neuen Weisungen gegeben wer­den brauchten. Es sind auch tatsächlich keine ergangen.

England.

Qie enilf'dtc Reeresoerftar&un'».

Br. Haag. 15. Jan lEig. Drahiberrcht. zb.) Im Unterhaus hat der Minister für nauonale Verteidigung eine Erklärung über die HeereSstärk; abgegeben Er sagte, die Frage der HeereSslärke sei Gegei stand aittoedklnter Besprechungen zwischen der Regierung und den Eewcrl'chaitcn genulen Im Augenblick sei die dringendste Frage die der Crböbu » g des M a n n l ch a f t s o e st a n d e s. Was vns dringend nrt int, ist, laß wir zur gegebenen Zeit über die nötigen Manirschaiten verfugen. Wir haben daher alle nötigen Bor- bcreitungen z» treffen da der Zeitpunkt nicht niehr wen entfernt ist. Ich habe fesigcsteb't, daß die Rekrutierung in letzter gelt zurück- gegangen ist Tie Heere an der Front haben an Zahl der Mann»

G£fiCiH2Hm£lL irnd iicoi dadurch, fcafc fsin» ngucn

angekornmen sind Te> Heeresbestand war von 1915 bis jetzt schwankend Ec war im Tczember ,916 größer als im Dezeniber 1915 und im Dezember 1917 weit größer als 1916. In viesciii gabr ge- winnt die britische Hecresmacht für die Entente an Bedeviung. Rußland lampst nicht länger für die Freiheit mit. Frank­reich hat seine Kraft bis zum äußersten in' diesem Kampfe ange­spannt und kann die volle Bürde nicht bis zun, Ende tragen. Amerika ist ncch sticht im Felde und es Wernen noch Monate vergihen. bl» cs in voller Stärke eintreten kann, und Italien hat schwer gelitten Bon unserer Kraft und Tüchtigkeit, mit der Graß Britannien seine Heeresmacht in den bevorsteyenden Monaten einseyt. l, u n a l alles ab Es ist deshalb klar, daß wir uns vor- beieiten müssen ^ den Hanptteil des Landkrieges auf uns zu »en,u en bis Amerika kommt. Für England lautet daher die Parole jetzt- .Männer, inehr Männer und noch mehr Männer für das Heer!

W. T.-B. London, 15. Jan. (Drahtbericht.) Das Unter­haus hat das Gesetz, betreffend den Mannschaftsbostand, ein­stimmig angenommen.

*

warmherziger Empfang ausgetauschter deutscher Gefangener in Rotterdam.

Der Führer der „Emden" unter den Znrnckgckehrte«.

W. T.-B. Rotterdam, 14. Jan. Gestern vormittag er­folgte dir Ausschiffung der im Austausch gegen englische Kriegsgefangene vorgestern abend aus England eingetroffenen deutschen Offiziere und Mannschaften. Die niederländische Regierung war durch den Minister des Auswärtigen ver­treten. Am Nachmittag fand im Doelen-Saal zu Ehren der Zurückgekehrten ein Empfang statt. Zahlreiche Herren und Damen der deutschen und holländischen Gesellschaft waren an­wesend. Legationsrat v. M-iltzan begrüßte die deutschen Offiziere und Mannschaften und dankte ihnen für das, was sie für Deutschland ini Kampf nnd während der Gefangen­schaft geleistet und ertragen härten. Sein besonderer Dank galt Kavitän v. Müller, dem ruhmreichen Führer der „Emden" Er sprach ferner den Dank der deutschen Regie­rung on die niederländische Regierung für die Gastfreusth- schast aus Seine Worte klangen in ein Hurra für die Königin der Niederlande aus. Hauptmaun v. Scheven be­grüßte im Auftrag der deutschen Kaiserin herzlich die aus dec Gefangenschaft Zurückgekehrten und verlas sodann ein Tele­gramm des-Kaisers. Er dankte weiter der niederländi­schen Regierung und Generalmajor Onnen sowie dem Inter­nierungs-Komitee für den warmherzigen Empfang der aus- getavschten Offiziere und Mannschaften. Er schloß seine Rede mit einem Hurra auf den Kaiser. Generalmajor Onnen dankte fiir die anerkennenden Worte des deutschen Regie- runpsveitreters. Er vegrüßte die internierten Offiziere und Mannschaften im Auftrag der niederländischen Regierung. Nach einer BewillkommnungSrede des Bürgermeisters von Rctterdam, der die Versicherung abgab. das niederländische Volk werde den Helden, deren Ruhm die Welt erfülle, eine hirzliche Aufnahme bereiten, svracki im Namen der deutschen £ ffiziere und Mannschaften Kapitän v. Müller, der von den Anwesenden freudig, begrüßt wurde, der niederländischen Regierung, der Stadt Nott-rdum und dem niederländischen Bill seinen Dank für den herzlichen Empfang und das gaft- fteundscbaftliche Verhalten aus. Die Rückkehr aus der Ge­fangenschaft bedeute den Anfang eines neuen Lebensab- scl'nities und biete Gelegenbeit, sich in dem früheren Beruf n ieder zu betätigen oder sich auf ibn vorzubereiten. Der Empfang schloß mit einem geselligen Beisammensein.

Rußland. .

Die Exzarin geisteskrank?

vr. Bon der schweizerischen Grenze, 15. Jon. Ein« von der „Neuen Korrespondenz" wisdergeaebene Depesche aus Rom meldet, daß die Exzcwin in ihrem Exil in TobolSk getsteÄoank geworden sei. , /

Bedingung'-'kose Seftuldenannullierung in Rutzland.

vr. Petersburg, 16. Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Rak für das- nationale Eigentum hat den Entwurf eines Dekrets zur Annullierung aller nabionalen Anleihen, fri« von der kaiserlichen uud der bürgerlichen Regierung auSgegoben worden sind, aus gearbeitet.. Nach diesem Entwurif wer­den alle inländischen Anleihen, die im Besitz von Ausl ändern sind, bedingungslos annulliert. Nur d'e kurz­fristige Anleihe des Schatzamts und die vom Schatzamt auI» gsgebenen Serien bleiben gülttg.

Russische Räumun«, Armenien-.

stk. Rotterdam, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily News" meldet aus Petersburg: Tie Volkskommissare ließen durch die russische Abordnung in Brest-Litowsk bekanntgebcn, daß Rußland dem armenischen Volk das Selbstbestimmungs­recht zuerkennt. Rußland will die Truppen aus den besetzten Teilen Armeniens zurückrufeu.

Schwere Exzesse bei der Niliimiing Persiens.

8 Stcikholni, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. zb.) Bei der Räuinnng Persiens von russischen Truppen ereignrlen sich schwer: Exzesse Die £rie Maragc und N c> », i a wurden wochenlang geplündert Biele Menschen wurden getötet. Die schwierig: wirtschaftliche Lope Pcrstens wird dadurch noch verschlimmert. In­folge dessen strömten tauslnde Petser m russisches Gebiet und zer- stö'tcn dort die Bcwästerungsmajchinen, dir Baumwoll- und Reis»