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Sonntag» 13. Januar 1918
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Morgen-ktusgabe. nr. - ss. -°hrg°ng.
wir und Wilson.
Unsere militärischen Fortschritte und das Günstigerwerden der politischen Situation für uns haben wenigstens den Vorteil, daß die feindlichen Staatsmänner sich endlich ?'! einem anständigeren Ton bequemen. Lloyd George hat den Niederboxton in seiner letzten Rede vermieden, und selbst Willon findet nun in seiner Friedensbotschaft an den Kongreß Worte, dre unter kul- liutei ten Menschen als Umgangssprache gelten können. Wenn aber der Präsident der Vereinigren Staaten im Ernst geglaubt haben sollte, daß sein Friedensprogramin für uns eine V e r h a n d l u n g s g r n n d l a g e sein könnte, so befände er sich in einem verhängnisvollen Irrtum. Herr Wilson ist h nach Kräften bemüht, zum deutschen Volke unterschiedlich zu reden.
Er trennt zwisclien Reichstagsmehrbeit und Militärpartei. und sein Bestreben geht dahin, aus dieser Trennung den Vorteil zu ziehen. Er hat noch immer nicht
begr en, daß es bei uns gewiß politische Meinungs-
verft edenheiten gibt, daß aber auch der letzte Arbeiter in Deutschland längst begriffen hat, wie notwenbig ein Zusammen st ehen aller Volksgenossen in den Fragen unserer Verwidignng und, Selbstbehauptung ist. Wilson muß die Reichstagsentschließung vom 19. Juli sehr schlecht kennen, wenn er glaubt, daß sein Friedensprogramm für die Reichstagsmehrbeit annehmbar sein könnte. Ausdrücklich spricht sich diese Ent- schlikßung für die Unversehrtheit des Reichsgebietes aus. Wilson aber will E l s a ß - Lothringen, das von Deutschen beivobnt wird, die sich durch ihre Volksvertretung für das Verbleiben bei Deutschland erklärt haben, von uns losreißen. Ebenso möchte er das preußische Staatsgebiet zugunsten Polens schmälern, dem er außerdem einen Zugang zum Meere verspricht, der ohne Vergewaltigung anderer Bevc 'ernngsteile gar nicht zu ermöglichen wäre. Den ‘ talienern verspricht er_ allerdings etwas zurückb ltend nur eine Berichtigung ihrer Grenzen, aber sonst will er Ö st e r r e r elf-U n g a r n durch , unbefugte Einmischung in seine inneren Verhältnisse nach Kräften schwächen. Die s ch a m I o f e n Forderungen Englands nach türkischen Besitzungen in Kleinasien möchte er in verschleierter Form völlig befriedigen. Im Prinzip gibt Wilson tatsächlich keine der ausschweifenden En tenteforderungen preis. Tieies Friedens- Programm ist in Wahrheit eine neue Kriegserklärung. Seine Hauptpunkte sind für alle Teile nr Parteien des deutschen Volkes in gleicher Weile nnan: bmbar.
Gewiß hat Wilson auch wieder Forderungen ausgestellt. denen wir znstimmen können und die bereits von uns in deutschen Kundgebungen vertreten worden sind. Die HffeiT'ichkeit der Friedeasvertr^ge und Vereinbarungen demonstrieren wir ibm ja augenblicklich prak tisch vor. Die Freiheit der Meere und die Gleichheit der Aandelsbeziebnnaen und Forderungen, _ denen wir zustimmen, die Beschränkung der Rüstungen ist von uns in der Antwo tnote an den Vavst «berito vertreten worden, wie die Vereinigung der Nationen. Hier schmückt sich Wilson also mit fr-mik>en Federn. Was aber seine sonstigen Bedingungen sind, so handelt es sich dabei nur um eine im Ton? maßvolle, sachlich aber völlige Um schreibung der bisherigen Erobern ngsziele der Entente. Ein wesentlicher Zweck der Wilson schen Botschaft ist es auch, aufdieRussenzu wirken. Zum anderen soll den Franzosen erste- " Mut gemacht werden, aus-niharren, bis die ame,.konischen Truppen kommen können. In beiden Fällen tritt Wilson die Menschheitsinteressen mit Füßen, fördert er den Krieg und verhindert er den Frieden. Seine mobswollenden Worte für Deutschland werden Lügen aestrait von seinen Vernichtnngsabstchten. Wir sehen seinem Wortschwall die Pflicht entgegen, unseren Verteidigungskrieg bis zu einem ehrenvollen Abschluß fortzuführen.
Richtige Beurteilung durch den „Berner Bund".
W. T.-B. Bern, 12. Jan. (DralEberirbt.) Zu der Botschaft !>eS Präsidenten Wstscm schreibt der „Bund": Wilson hat die ycrch seiner Meinung für Amerika erreichbaren Frie- densbedii-gunger, in 14 Artikel gefaßt. Über 11 Artikel wäre ein« Einigung sicheft'ch u cht zu er ' r en, die drei übrigem stehen noch immer da wie mächtige Fe-, .-locke, die den Engpaß sperren. In Artikel 8 wird die Rückgabe Elsatz-Loth r i n g e n s an Frankreich verlangt, in Artikel 6 die Wiederherstellung, der italienischen Grenze entsprechend der klar erkennbaren Nationalität-enabgrenzung, und in Artikel 13 die Bildung eines polnischen Staats, der alle Gebiete umfaßt, die u-rtbestreitbnr von einer polnischen Bevölkerung beivobnt siad. All drei Punkte setzen die A b t r e t u n g v o n (fi e t > e t voraus, zu dem sich nur ein geschlagener E egner verstehen könnte. Aus bisher bckanntgewo, denen deutsrlien Pressestimmen ergibt sich mit aller Deutlichkeit. daß die Gegner noch sehr weit davon entfernt sind, einen Stoben gefunden zu haben, «ms dem sie sich treffen könnten.
Italienisches Mißtrauen gegen Wrlson.
W.l.-B. Bern, 12. Jan. (Dcahtbericht.) „Corrrere d'Jtnlia" schreibt zur Botschaft Wilsons' Während die AuS- fübrnngen Lloyd Georges wohl den Anfang einer Klärung in den gegensätzlichen politischen Strömungen eingeleitet hätten, werde die Botschaft Wilsons wahrscheinlich die crtnegengesetzte Wirkung ausüben. Wilson habe sich hinstcht- lick? der italienischen Bestrebungen noch em- schrör.kender ausgesprochen als Lloyd George, so daß man fast glauben möchte, die slawischen Ansprüche würden heimlich zum^ Schaden Italiens unterstützt.
Oie Alternative: Soldaten oder Getreide, w. -T.-B. Rotterdam, 12. Jan. (Drahtbericht.) Der „Nievave Notterd. Courant" lenkt in einem Artikel die Aufmerksamkeit auf den heutigen Bericht des Reuter-Bureau^ daß die -amerikanische Regierung -daran denke, Getreide anstaft Truppen nach Europa zu sch-ickem. Das Blatt schreibt, die Wternative, Soldaten oder Getveid-e, bedeutet, daß für beides zusammen kein Schiffsraum mehr vorhanden ist.
- Berlin, 12. Jan. (zb.) Zu der Nachricht aus Washington, daß Amerika Weizen, aber keine Truppen nach Europa schicken wolle, heißt es in der „Nordd. Allg. Ztg. . Die von Reuter in hochoffiziöser Form verbreitete Nachricht bedeutet Sen zweiten s ch w c r e u S ch l a g, den dre Entente nach vier Kriegsjahcen erleidet. Entkleidet man dre Meldung aller höstrchen Umschreibungen, so ergibt pch der Entschluß, für absehbare Zeit nicht auf das europäische Schlachtfeld zu gehen.
Erfolg der Einsprüche gegen dir Einziehung von Neutralen in Amerika
W. T.-B. Washington, 12. Jan. (Drahtbericht. Reuter.) Der Schweizer Gesandte hat ein Übereinkommen mit dem Staatsdepartement erzielt, wonach Schweizer Bürger, welche jetzt >n der Armee der Bereinigten Staaten dienen jollten, nicht zum Militärdienst verpflichtet sind, wenn sie durch ihre diplcmc tische Vertretung Einspruch erheben. Das Staatsdepartement kündigt jetzt au, daß diese Bestimmungen tür alle Neutralen gelten.
Line Rede pichons.
W.T.-B. Paris. 13. Jan. (Dcahtbecicht. Agence Havas.) Der Minister des Äußern Pichon erklärte in seiner Rede in der Kammer u. a.: Die B e r w e i g e r u r, g d c r Passe für Petersburg sei eine grundsätzliche Frage. Man könne es zulasten und — -io führte der Minister aus — für meinen Teil gestatte ich es gern, daß zwischen den russischen Sozialisten und den französischen Beziehungen und Besprechungen angibahnt werden. Ich habe erklärt, daß wir Rußland keineswegs aufgeben und daß wir mit allen Teilen des russischen Volkes in Berührung bleiben und keinen Untirschied zwischen den verschiedenen Meinungen in diesem Leute machen. Aber bei der Frage der Ausstellung von Pässen bandelt es sich darum, ob diese vorteilhaft ist. Außerdem wuri-e dieses Verlangen in einer zu dunklen Stunde geäußert, als daß wir iüm Folge geben können. In der Tat nullen die französischen Sozialisten sich mit der m a y i m u l i st i s cb e n Regierung und ihren Freurideu» e i n I a s s e n. Nun, dieser Schritt iväre für uns voller Gefahren. Hätten wir ihn gültig gemacht, so hätten wir nuferen Anteil an der Verantwortung auf uns genommen. Tirsc Vcrontwortung haben wir nicht auf uns nehmen wollen und Ivir sind fest entschlossen, ne nicht auf uns zu nehmen.
Vir wollen in keiner Weise mit den maximalistischen Besprecheuaeu veranickt werden, denn wir besitzen den Beweis, daß Deutschland uns hineinzuziehen versucht. An dem Tare. an dem man unmitt-lbar mit Frieden Svorschlägen an uns hcrautreten würde, würden wir sie in Übereinstimmung mit unseren Bundesgenrffen prüfen und beantworten.
Bcn Verhandlungen über diese Angelegenheit mit der unpatriotischen Gewalt in Petersburg kann keine Rede sein.
Wir sind gleichfalls gegen jeden Gedanken einer interna l i r i, o l e n A r b e i t e r k o n k e r e n z. Diese stellte die Tagesordnung der französischen Sozialistenpartei aus tem Kongreß der allgemeinen Arbeitervecernigung in Cler- viont-Ferrand dar. Danach bestätigt der Kongreß, daß die Arbeiterperbände,das Recht haben, an einer internationalen Kcrfcienz teilzunehmen und eine solche im Bedarfsfälle her- leizuführen. Diese Konferenz würde noch gefährlicher lein wie die Besprechungen mit den Maximalisten. Sie würde die öffentliche Meinung erschrecken und an die Stelle der Autr rität der Remer'ing die private Initiative setzen. Eine Gruppe der Sozialisten der Kammer hat eine Kundgebung an die russischen Sozialisten gerichtet, welcher wir uns im »oterländisichen Interesse nur anschlietzen können; sie warnt vor einem Waffenstillstand und einem Sonderfrieden.
Trobky
lat auf diese Kundgebung mit einem Brief voller Beleidigungen gegen die hervorragendsten Mitglieder der frai zösischen Sozi ilistenpartei geantwortet, gegen Guesde, Senibatz Thomas, ferner gegen Vanderveld« und gegen die geachteten Mitglieder der Kadettenpartei, welche weiter unsere Freunde sind die beschimpft wurden als internationale Raubritter. Dieser Brief ist voll Verachtung und Geringschätzung der Ec-zialiste» von der Farbe Kerenski«, welche dU V«o>
söhnungssozialisten bezeichnet werden. Ich war betroffen durch dre Stelle in der sozialistischen Erklärung, welche mir am 3t. Dezember zugegangen ist, in welcher man uns der Un- täliakeit bezichtigt gegenüber der Tatkraft unserer Gegner. Auf meine Erklärung folgte diejenige Lloyd Georges und Wilsens, Orlandos und Balfours. Man will jetzt entgegen- Nicken. Aber sieht man hinsichtlich dessen, wofür wir kämpfen, einen Zwiespalt?
Für einen gerechten und dauerhaften Frieden sind drei Bedingungen erforderlich:
Die peinliche Art der Achtung vor Verträgen, die Gebiets» regrlung, welche sich auf die Rechte der Völker, über sich zu verfügen, gründet, und endlich die Einschränkung der Rüstungen Dos ist unser Programm, und das ist das Programm» n-e^ches Lloyd George dargelegt hat. Was die Gesell» schaftder Rationen anbetrifft, so kann ein Sieg allein sie wirklich schaffen. Das hat Lloyd George erklärt, und daS ist auch unser Programm.
W.T.-B. Paris, 12. Im. (Drahtbericht. Agence Havas.) Nach der Rede Pichons nahm die Kammer mit 367 gegen 145 (stimmen eine Tagesordnung an, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird.
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Oie gewaltige Verkürzung der deutschen Zront.
Der Milstärlritiker der ..Ostschweiz" sclweibt: Der Krieg an der Ostfront kann in der Hauptsache als beendigt angeiehen werderi. Salbst wemn die Verhandluu>gen iu Bresh Litowsk wjder Erwarten mcht zu einer -vollständigen Vec» ständiguu-g zwische-n den Mittölmächt-eu und -den Rüsten führen sollten, oder daß einzelne Völkerstämme Südrußlands, wt« Koia-ken und Ukrainer, im Verein mit lden Rumänen doch noch einmal versuchen sollten, die.W-aisfeu wieder aufzu-neh» m-eu, so tst mit einer -ernstha-ft-en Kri-eg-sührung tm O^ten innerhalb ersprießlicher Zeit nicht mehr zu rechnen, da«u vst die Descrganisation der ganzen Frrnt zu weit fortgsschritt«n. Wahl versuchen die Parteigänger des Ver-ba-nds, unterstützt von den bisherig-en Dundesgenoffen, die Fri-edensverihaudlu-n- -gen zu stören, aber au -einen vollen Umschwung glauldt man be,ute weder in Paris oder London noch in Wasi,inglon. Im Gesamträhmen des Weltkriegs spielt das russische Kapitel nur melhr eine nabengeorünete Rolle, und die HauptaEtion-en sind künftig im W e -st e n und auf dem italienischen Kriegsschauplatz zu erwarten. Auch ist nicht ausge- Mosssn, daß -der Balkan und -der Orient nochmals eine erhöhte Bedeutung gewinnen. Mer immer ist daran festznhwl- ten, -daß von "den run-d 5000 Kilometern Kriegsi» fronten etwa 3100 Kilometer in Wegfall gekommen sind, nämlich rmtd 2800 zwischen Ostsee und Schwarzem Meer und in der asiatischen Türkei durch Waffenstillstand, und über 300 Kilometer in Italien durch Frontverkürzung insölge der deutsch-österreichischen OffeiMe. Die noch folgen- den KriegÄhandlungen drängen sich somit auf engerer Front zusammen und werden demnach dort kräftiger und nachhaltiger geführt werden können.
Eine Entente-Munitionsfabrik explodiert. W.T.-B. Bern, 12. Jan. (Dcahtbericht.) Die bureautechnische Fabrik in Carooge, einem Vorort von Genf, ist heute abend in die Luft geflogen. Die Fabrik stellte Kriegsmaterial für die Entente her. Einzelheiten fehlen.
Die preußische wahicechlrvoriage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
D. Berlin. 12. Jan. (Gig. Drahtbericht, zb.) Der Ber- fassungsausschuß des preußischen AbgeoNdneteuhause«, setzte heute vormittag die Generaldebatte fort. Ei« Naticnall'Leraler erklärte, ein Teil der Nationalltbs- ralen werde für das Weiche Wahlrecht stimmen, wenm da» Herlen-Hovs solche Macht erhalt«, daß seine Meinung a-uch dann jbcrchtet ir-erden müffe, wenn sie von der deS AbgeorS- neter-iha-ufes ahn eicht. Die staatsbürgerliche Weisheit und Klugheit im Innern fei durchschnittlich nicht größer geworden,, Man solle desbc lb am besten ein P -l u r a l w a h l r e ch t eta- führen, uud wenn sich nach fünf oder zehn Jahre» daS De» trauen zum Volk als gerechtfertigt erwiese, so könne man auch den letzten Schritt tun.
Der Vizeprästdeut des Staatsministeriums Dr. Friedberg wendet sich gegen ein Pluralwahlrecht. Im Fcis» deii, wenn große innerpolitische Fragen auftauchen, wende sich das Völk mit der Äahlrefovm noch sehr eingehender beschäl^ tigen als heute. Die Frage wevde nicht zur Ruhe komm«», Die Wahlresorm' ist in feierlicher Form angekündigt worden Wenn auch die Volksvertretung das Recht hat, trotz diese» ftierlichen Ankündigung die Vorlage abzulehnen, so müste si« doch auch die Wirkung a b w ä g e n. Eine Ablehnung 'de» Vorlage würde ibic Volksmassen enttäuschen. Werde der R» gierungsvorliaye in chren Grundgugen nicht entsprochen, f» werde der Si e g e s w i l l e n der breiten Masten autzerordend- ftch geschwächt, ftlnruhe bei den Konservativen.) De» Mittel-stand und die Minderbemittelten hätten im Krieg aM meisten gelitten. Würde man ihnen sagen, trotzdem ihr an* meisten gelitten habt, dabt ihr nicht denselben Wert und nicht dieselbe Leistung aufzuweise-u, wie die anderwi. so müßte dqß verbüteund wirken.
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