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Mittwoch, y. Ianuar 1918.
Die KriedenroerhandlMge» in Brest-Litcw-k.
In drei schweren Kriesssjahren ist die ruffische Dampfwalze niedergeworfen worden. Die Heere der siegreiäten Mittelmächte stehen nach zahlreichen Siegen und gewaltigen Erfolgen tief auf russischem Boden und haben weite Gebiete des russischen Reiches erobert. Das russisäie Heer hat Millionenverluste erlitten. Es ist in seinem inneren Halte vollkommen gebrochen. Die ganze Bevölkerung verlangt dringend nach Frieden. Rur wenn ein solcher erzielt wird, kann aus die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse im Innern des Landes gerechnet werden. Das alte Rußland besteht nicht mehr. Die autokratisck>e zaristische Regierung, die allein mit ihren Machtmitteln in der Lage war. die verschiedenen Völkerschaften zusamnienzuhalten und einen einheitlichen Staat zu bilden, ist durch die Stürme der Revolution binweggefeqt. Tie verschiedenen Völker Wellen eigene selbständige Staaten bilden, die nur wenig Berührungspunkte miteinander qem-insam haben. Und nun erleben wir es, daß die Vertreter der russischen Regierung sich in Brest-Litowsk gleichsain als Sieger a u f f p i e l e n nnd den siegreichen Mittelmächten Bedingungen über die Fortführung der Friedensverhand- lungen vorschreiben wollen. Eine umgekehrte Welt, die nur aus einer gänzlichen Verkennung der militärischen Lage hervorgehen kann.
Wir können der weiteren Entwicklung mit voller Ruhe entgeqensehen Unsere Lage ist f o günstig, unsere Machtmittel sind so groß. daß wir auch ein S ch e i- 1 e r n der Verhandlungen ruhig ertragen können, so grotz auch der Wunsch nach Frieden nett Rußland bei uns vorbanden ist, und so sehr wir auch die großen Vorteile erkennen, die mit der gänzlichen Einstellung des Krieges auf der Ostfront v°rbunden stnd. Wir befinden uns aber nach keiner Richtung hin in einer Zwangslage, die uns zum Abschluß des Friedens nötigen würde. Gegen das jetzige russische Heer kann die Ostfront auch bei Fortsetzung de? Krieges mit verhältnismäßig schwachen Kräften gehalten und gesichert werden, so daß etwaige auf den anderen Fronten eingeleitete oder beabsichtigte Overationen ohne Rücksicht auf die Entwicklung der Verhältnisse im Osten ruhig diirchgefübrt werden tonnen. Sollte aber dieHeeres- leitung anderePläue verfoiaeu und alsdann beabsichtigen, zunächst eine weitere En tsche i d » n g im Osten zu suchen, so bietet eine solche bei dem jetzigen Zustand des russischen Heeres große Aussichten und könnte voraussichtlich mit den verfügbaren Kräften obne weiteres durchgefübrt werden. Rach den bisherigen Er- folaen in Italien und dem glücklichen Verlauf der Kämpfe im Westen könnt? man auch mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß uns>r? F-ont im Westen standhält obne daß sie aus dem Osten sied »ulend verstärkt wird. Bai einer Beurteilung des russischen Heeres d^rf nicht überleben werden, daß die liefe Friedensseh n- sucht, die das ganze russische V o I k beseelt, sich naturgemäß auch auf das Heer Übertragen hat. i'nd seine Wider standskrrst erb »blich vermindert hat. Es kommt hinzu daß die Transport- und Lebensmittelfrage nach immer nickst gelöst ist, sondern auch weiterhin araße Schwiergkeiten h?r.»it-n wird. Die RnstiinaLindustrie hat ihren Betrieb zum Teil bereits eingestellt, di? ln Archangel lagernden Vorräte der En- tente sind schon wieder binv-eaaeschakst. Amerika nnd Japan haben die Herstellung und Lieferung boi Kriegsmaterial für Rußland einge» stellt, und ebe neue Sendungen ankommen sollten, muß geraume Zeit veraeben. &o erscheint die Lage für Rußland in militärischer Hinsicht aussichtslos, und es ist nickt reckt zu erkennen, worauf di? russische Regierung ibre Hoffnung auf ferneren Widerstand auf- bauen will.
Wir können aber vorläufig die Hoffnung noch nicht vi'fgeben daß, Rußland sich n o ch r e ch t z e i t i g e i n e s Besseren besinnen, und von f-ntieir jetzigen unerfüllbaren Forderungen ab gehen wird. Allmählich wird auch den russischen Unterhändlern die ganze S.chwilriakeit ihrer Lag? und die weittragenden Folaen klar werden, wenn die Verhandlungen in Brest-Lilowsk scheitern sollten. W i r können jedenfalls der weiteren Entwicklung mit voller Ruhe entg »geniehen, wenn je, so gilt es jetzt, die Nerven zu behalten und dem Gegner zu zeigen, daß »wir lest entschlossen sind, den Kampf fortzusetzen, wenn das besiegte und niedergeworfene Rußland nicht ans di? gestellten Bedingungen eingehen will. Wenn, wie der Gen-»ralfeldmarschall v. Hindenbnrg einmal gesagt bat, dasjenige Volk und derjenige Staat den Krieg gewinnen wird, der die stärksten Nerven besitzt, so niüssen sich die Verhältnisse für »ns außerordentlich entwickeln, denn unsere Nerven werden durch unser Machtbewußtsein. die bis-
Morgen'klusgabe.
herigen Erfolge und die augenblickliche außerordentliche günstige militärische Lage gestärkt.
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vte Erklärungen vom 28. Dezember.
Zu den in der Preise fortdauernden Erörterungen, die übe: ar.gelliche Unvollständigkeit der deutschen Mitteilungen über den Verlauf der Verhandlungen in Brest-Litowsk vom 28 Dezember 1917 (die Sitzung fand tatsächlich am 27. Dez., abends, statt berichten, erfährt die „Rordd. Allg. Ztg." von zuständiger Seite folgendes: Der von der Petersburger Tele- graphkn-Age>-tur gemeldete Widerspruch der russischen Delegation in Brest-Litowsk ist nicht erfolgt. Das Wolfftchc Telrgrophen-Bureau hat den Wortlaut der Erklärungen in Bitst-Liwwsk ohne jede Einschränkung wieder- gegtbcn. Im Anschluß an die dort veröffentlichte Antwort de? Herrn Joffe auf die deutschen Gegenvorschläge hat der deutsche Delegierte nur noch nachdrücklich festgestellt. daß über den letzten von Herrn Joffe erwähnten Punkt, Gämtich die Nctuendrgkeit eirer kommissarischen Beratung, volles Eiilvklitändnis zwischen den Delegationen bestehe. Hierauf ist ruffischcrseits nichts mehr geäußert worden.
„Vas Jahr der Entscheidung".
Der Major im Generalstab ider Armee v. Olberg, Chef der Oberzcnfuvsdelle im KriegSpressvarnt, hielt am Samstag ta der Abteilung Berlin-Charlattenbnvg der Deutschen Koilo- uialgesellschaift einen Vortrag über die Entwicklung der militärischen Lage im vierten KricgSjahr. Dill Spannung lauschten die zahlreich erschienenen Hörer der Schilderung der Erfolge Deutschlands und seiner Verbündeten aus berufenem Vüuudc. Zum Schluß fuhrt? der Redner aus: Sei 1917 das Jahr der Vergeltung gewesen, so folge nunmehr das Jahr der Entscheidung. Die Freut von Flandern bis Vene tien sei die Enkscheidungsfront. Dorthin müßten wir unsere Herzen richten und unsere Auge», loSreißen von dem augenblicklichen Friedens-verltano- lungen tat Osten, denn deren Ausgang sei militärisch bedeutungslos. „Heute haben wir den Rücken frei und die Reserven zur Verfügung, die 1914 fehlten, als imr Ostpreußen vor dem Einbruch der Feinde schützen mußten. Der große Schlag kann erfolgen; dann gnade Gott, Albion!" Wann und wo das geschehen würde, sollten wir getrost Hindenburg überlassen, der ums durch Sieg zum Frieden führen würde.
vieaufgerealen Treibereien der killdeut^en.
Verltn, 8. Jon. Die „Germania" schreibt: Unser
Hindenburg hat das Wort geprägt, o-rß den Krieg gewinnen wird, wer seine Nerven l»ehäl!t. Nach starken Nerven sielst es augemvlichlich bei »ms manchercrts le-der nicht auS. Das mmß anders werden, wenn bei unteren Feinden nicht die Überzeugung zustande kommen soll, daß die Unsicherheit, Zerfahrenheit und Zerrissenheit im deutschen Volke sie zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.
Auch die «K öl n. Z tg." rät dazu, die Nerven zusaniinei'- zuholten und nicht jede Schwierigkeit zu e>ner Schicksalsfrage aufzubauschen. Sui>e der Herreslienoaltung sei es, die in erjlcr Linie notwendige stralegisch-mililärische Sicherung fest- zmlegen. Dann habe die Diploniotie zu versuchen, die militärischen Notwcndigleilcn in oen Friedensrerhandlungen durchpisetzen. Die Diplomtaiie könne mit der vollen W u ck t der militärischen Machtmittel ihren Forderungen Nachdruck geben. Main müsie erwarten, daß sie von der Gunst der heutigen Lage Gebrauch mache und eine vertrauensvolle Vec- jtönülgmig zwischen Drplomatic und Heeresleitung cvivarten.
Neue englische Frirdensbedingungen vor der Veröffentlichung?
3. Stockholm, 8. Jrn. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die »Petersburger bürgerlichen Zeit rügen behiupten, daß England bereits seine Frirdensbedingungen ausge-nröeitet habe urrd sie in den nächsten Tagen veröffentlichen werde.
Lloyd Gsorges Rede.
Französische und italienische Preffestimmcn.
W. T.-B. Paris, 8. Jan. (Draytbericht.) Zu Lloyv Georges Rede schreibt das „Journal". Niemals sei die Auf- sassung der Entente über Krieg und Fneocn so präzis und knapp dargelegt lvvoden. . Für Llond George habe es sich vor allem darum gehandelt, das emglisckje Proletariat vcn der Notwendigkeit ne>:er Opfer zu überzeugen. AlorH George habe «S verstanden, von lden wesentlichen FcNVerumgL't der Entente nichts zu opfern und den »Verdacht des Imperialismus zu ckückzuweisen sowie die Desor-z- nifse der englischem Friedensfreunde zu beschioichiigen. Ll>n?d George behalte sich die Verwendung wirischastlicher Waffen gegen Rußbanid vor. Man verlasse endlich das Gebiot der Theorie. »Alles sei berechnet, um sogar die Bedenken der russische» Demokraten zu ^beruhigen und die deutichen Liberalen und die Alldsurschen in Gegensatz zu bringen. Die Besprechun- gen der sozialsttfcken Presse beschränken sich bis beute auf den Brief von Thomas im der „Hnmanite", im dwn er bedauert, daß die Entente nicht so z^sprochem habe, wie Lloyd George.
W. T.-B. Rom, 8. Jair. (Dvahtbericht. Agcncia Stesami.)
Ja Besprechung der Rede Lloyd Georges jagt der „Osservatooe
Nr. 13. ♦ 66. Iahrgang.
»Romano": Von nun am weiß man im amtlicher feierlicher Form, was England und die Entente wünischen, um den Fvis- dsn »u unterzeichnen. England hat viel Ballast ausgegvben. und eS hat gut daran getan, es hot die K r i e g S z i e l e der Entente auf einige Punkte beschränkt, die vom Gegner erörtert werden können. Außerdem nähert sich das Programm des englischen Premierministers dermaßen den Vorschlägen CzetninS, daß der Augenblick wirklich gekE° men zu sein scheint, die Punkte, über die noch MeinpugS- Verschiedenheit besteiht, geniu festzustcllen und zu vervollständigen. Jetzt ist es an Deutschland und an Österreich-Ungarn, zu sprechen und ihre Ansicht über die Punkte darzulegen. Man muß hoffen. >daß sie es entweder öffentlich durch Roden oder noch besser m geheimen Besprechungen mit der Entente tun werden. Wenn bei diesem Unterredungso auf beiden Seiten ein versöhnlicher Geist herrscht, c e könnte der aus London und ans Brest-Litowsk gerkornmene Lichtstrahl die Morgenröte des Friedens sein. — „Giornale d'Jtalia" betont die Mäßigung der Kriegszie!« der Entente, die von demokratischen Grundsätzen eingegeben seien, während di« »Mittelmächte noch den deutichen Frieden erhofften. In dem von Lloyd George namens der Entente dar- gsleytcn Progvrmm göbe es keinen Imperialismus, es werde imin das Recht der Völker bekräftigt, nach ihren geisttgcn Anlagen ihrer nationalen Einheit und in den natür- lichcn Grenzen zu leben.
Clemenreaus Glückwunsch für Lloyd George.
Br. Basel, 8. Jan. Eig. Dr ihtbericht. zb.) Schweizer Blätter becrchten: Lliyd Geor.ze erhielt von Clemenceiu ein Telegrimm, welches lautet: „Ich beeile mich,- meine herzlichsten Glückwünsche zu übennitteln anläßlich der bemerkenswerten Rede, in der Sie fo glücklich jene Wahrheit und jene Tatsachen vereinigen, die man >ea deutschen Lügen eatgegenzusetzen niemals unterlassen darf.
Die Beurteilung bei den Neutralen.
W. T.-B. Bern, 8. Jan. (Drahtberichl.) .Journal d» Genebe" schreibt zur Rede Lloyd George»: Sein Programm sei vrn äi'ßetster Mäßigung. Die Widersprüche zivilche» dem »Prrgramm der Entente und dem der Mittelmächte seiev nur an einigen Stellen zu verzeichnen, besonders bezüglich Elsoß-Loibringens. Abgesehen von diesem Punkte, in dem Dciuschlc-nd hrsfenilich eines Tages zur Vernunft kommen werte, sei das Programm Lloyd Georg.-S für jedermann annehmbar (?). Die Friedensaussichten seien noch niemals so groß gewesen als gerade jetzt. Ob die Deutschen die Gelegenheit wohl zu erfassen wisienr
U. Rotterdam, 8. Jan. <Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Nieuwe Nottecd. Courrnt" schreibt: Di« bedeutende Red« Lloyd Georges lasse sich zusimmenfisson in die Worte: »Di« Entente will augenblicklich keine FriedenSoerhand- l u n g e n." Daß Lloyd George etwas gemäßigter sprach, aü früher, sei aus taktischen Gründen erklärlich.
Günstige Kufnatsme in Kmertsta!
17. Rotterdam, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) .Man- ehester Gintdian" meldet aus Dasbington, die Rede Lloyt Eerrges sei in den Vereinigten Staaten gut aufgenommev w, rden. Man begrüße sie als eine Darlegung der Kriegs, ziele s ä m t I i ch e-r E n t e n t e st a a t e n. Sie cntspräckie, Wilsons Politik und seien ein? Aufforderung an Deutjchi laich, sciiw Kriegsziele offen bekinntzugeben.
ver*polnische Regenlschastsrat beim ttaiser.
W. T.-B. Berlin, 8. Jan. lDcahtbericht.) Die Mt- glieder des RegentschaftsrntI des Königreichs Polen, de» Ministerpräsident v. KucharewSki und die anderen Herren dei polnischen Deputation, sowie die Herren der Begleitung wurden heute vremittig vom Kaiser ln Aezenwiet des Reichskanzlers und des stellvertretenden Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Fchrn. von dem Bussche-Haddenhausev empfangen. Die Einführung der polnischen Deputation ge- jchah durch den Oberhof- und Hcrusmarschall und den Einführer des diplomatisown Korps. Bei dem Empfang richtet« Fürst LubomirSki namens des RcgentschaftSrats folgend« Ansprache an den Kaiser:
„Kaiserliche und Königliche Majestät! Wir sind glücklich, daß es uns vergönnt ist. Eure: Kaiserlichen Majestät heute per- sönlich unsere tiefste Verehrung aussprechen zu dürfen und unsere tiefempfundene Dankbarkeit für die Akte auszudrücken, die unserem Vaterland das staatliche Leben in Gestalt einer unabhängigen Monarchie wiedergcgeben haben. Unverbrüchlich vertrauen w>r darauf, daß Eure Majestät das begonnene Werk geschichtlicher' Gerechtigkeit w Gemeinschaft mit den erlauchten Verbündeten glorreich vollen- den iverden und dem entstehenden Staate durch Schaffung der für seiner' Lauernden Aufschwung erforderlichen Levens- be'oingimgev Allerhöchst Ihre mächtige H'.lfe angedeihen lasser, werden. Wir wissen, daß Eure Kaiserliche Majestät die großen Aufgaben der Zukunft mit Ihrem tief» empkundriie» Geiste übersehen und dem deutschen Volke ein Führer auf dem Wege sein werden, dessen Ziel das friedlich« und sixenSrerckre Zusammenwirken aller Völker ist. In dem wiedererstandencn »Vaterlande werden wir die »Bekenner dieser Grundsätze sein. In der erhabene» Person Eurer Kaiserlichen Majestät erblicke« wir abst uuij
