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Dienstag, 8. Januar 1918.
Die Kriedenrverhandlungen in Vreft-Litswrk.
W- T-B. Berlin, 7. Jan. (Drahtberichi.) Gegenüber der Auffassung, die teilweise in der Presse wiedergegeden ist, dotz hie Erklärung vom 28. Dezember über den Ztcnd der Verhandlungen nicht übcreingestimmt hätte mit der Avffvflung und Äußerung der russischen Delegation, ist durch Eirsichtnahme in das Protokoll der Verhandlungen m Brest-Litcwsk fest ge stellt, daß die deutsche Verüffent- llchrng dem Stand der Verhandlungen und dem Inhalt des Prvfekolls durchaus entspricht und daß die Auffassung der russischen Delegation, wie ste in der neutralen und russischen Presse darqestellt wurde, eine andere Darstellung gibt, als sie den Tatsichen entspricht. — Die ukrainische Dele, gation hat das in Aussicht gestellte Zirkular über die Selbständigkeit der Ukraine noch nicht überreicht. Die Überreichung wird voraussichtlich heute erfolgen. Die Vertreter der Ukraine '-gen grasten Wert dar ruf, völlig selbständig neben der rustischen Delegation zu verhandeln.
Ankunft der russischen Friedensdelcgierte» in Brest-Litowsk.
W. T.-B. Brest-Litowsk, 7. Jan. (Drahwericht.) HE vormittag sind -die russischen FriodenkBelegierten, ein* schließlich Trotzky, hier eäu-getrofseu.
Die russische« Wünsche betr. eiuen anderen Berhandlungsort.
S-. Rotterdam, 7. Ja«. lGig. Drcchtbericht. ich.) R-rch vrrvsten Meldungen aus PetersE>urg glaubt man setzt, datz di« Bvkschewiki nicht auf der Verlegung der Verhandlung«* ii.rch Stockholm beslckhen sondern auch mit einer anderen neutral«, StM. wie Kopenhagen oder Haag, zuifmedva soim würden.
Berliner preffest'mmen zur La«».
— Berlin. 7. Jan Das „Berliner Tageblatt" hält die Zeitun««. mtrüsfiiitg über Brest.s'ittwsk fü, etwas erlünstelk und bezeichnet es als unerhört nenn Sensafinnsnochrichten im Volk« veroreite« werden, dos «-ehr als je Kraft und Gleichmaß braucht. Roch steht, sagt das Platt. eine Welt gegen uns in Waffen und neue tzep-gfsnete Welten rücken an. Indessen verlaßt sich das Volk mit einer durch leinen Nebengedanken verfälschten Zuversicht auf unsere große'? Hen sübrcr.
Die .Krenzzestunz" ichreibt: Große militärische Schläge sind noch möglich, uoi den Frieden zu erkämpfen. Unersetzlich ist für Volk und Heer die uiilitärtsche Führung und die Kraft der bewe» Männer, di» uns bis zu diesem Punkte gebracht haben. Unersetzlich ist auch der Schatz des vnbedingten Vertrauens, dos Heer und Voll zu diesen Heerführern erfüllt.
. Da« deutsche Volk weiß, schreibt die „Tägliche Rundschau", war es den hiiden Männern trrdankt, die außer jedem Vergleich unser wertvollstes «atlrnales Haben sind.
Die richtige Auffassung einer uationalliberalen Organisiltio».
— Berlin, 7. Jan. izb.) Eine Vertreterversammlung tgr oatnmalliberalen Organisation der Provinz Branden, burz und Berlin hat einen Beschluß gefaßt, in dem st« sich in
Morgen-Kusgabe.
voller Übereinstimmung mit drr Auffassung der naiional- kiberolen Reichstagsfraktion dahin ausspricht, daß für die Frage der deutschen Grenzsicherung in Ost und West die Forderungen der deutschen Obersten Heeresleitung maßgebend sein müssen.
Die Haltung der Dozraldemoktzatre.
. —- Berlin, 7. Jan. izb.s Di? sozialdemokra- tische Reichstagöfraktion trat gestern zusammen. Die Beratungen gestalteten sich, wie der „Vorwärts" sagt, rn- sistrn schn irrig, als die Materie, der sie galten, sich noch töllig im Fluß befindet. Nach mehrstündiger Debatte beschloß lie Fraktion eine Kundgebung in der sie einmütig das Ve>halten ihrer Vertreter im Hauptausschutz billigt und ihren Entschluß bekundet, jedem Mißbrauch des Selbstbe« siimmvi.gSrechteS zum Zweck der Verschleierung von Annexionen mit Entschiedenheit entgegenzutceten.
— Berlin, 7. Jan. (zb.) Die „Kreuzztg." sagt: ES ist ausgeschlossen, daß eine Annäherung zwischen der soz'oldemokratischen und der konservativen Auffassung ein- treten konnte und die Konservativen werden wie bisher e*ne Politik nicht mitmachen, die die bestehenden Gegensätze äußerlich zu überbrücken versuchen sollte.
Ein neuer iisterreichjscher Friedensunterhändler.
— Berlin, 7. .Jan. (zb.) Einem Privattelegramm deS „B. T." zufolge tjaf die Wiener Regierung den früheren Botschafter in Sofia, Adam Tarnowski, zum Kommissar bei den FrietenSberhandlungen in Brest-Litowsk ernannt.
Dl« Rigaer Raufmannschaft für Kngttederung
»«« Baltenland«» an da. Deutsch« R«i».
Kopenhagen, 7. Ja». sDvatzwericht.) Die Rigaer Kauf- mamiskammer, die Vertretung der wirtjchaftltichen Interessen der Dctail.Kau«fm<Mnschaft, der Grossisten und Agenten RrgaS, hat dom Vovsteherami «der KünigSberger Kaufmannschaft Äenntms von S-nem Beschluß gegeben, in dem rS heißt: Nach veiflicher Überlegung rst die allgemsine Vec- sammLung der Mitglieder der Rigaer KaustnannsikaMmer der festen Überzeugung, daß alle u-nvevgängsichen hohen Güter, die jeder ehrenwerte Kaufmann höher einschätzt .als Wohlleben und leichtst* Verdieutt, ihr nur wenden können, wenn ihre alte Vaterstadt und !>a§ Bastenland e n g a n g e - gliedert werden an das große mächtige Deutsch« Reich, u«nd wenn sie sich uni.r dem Schutz und Schirm Senner Majestät des deutschen Kaisers begehen. Freudig bewegten Herzens, ohne Vorbehalt hat daber die heutige Versammlung der in der Rigaer Kaufmannskaui-mer vereinigten Rigaer Kc-ufmannschast sich für eine solche Angliode« ru-ng einstimmig ausgesprochen.
Lüuft der Waffenstillstand weiter?
Bv. Be« sin. 7. Jan. (Eig. Draytbericht. zü.) Die Frage, cd der Waffenstillstand über den 14. Januar hinaus dauern soll, ist heute akut geworden. Drr am lö. Dezember 1917 in Brest-Litowsk beschlossene Wasfen.stillstandÄvertra«g bestimmt m Artikel 1: »Der Wafferrstillstand beginnt am 17. Dezember 1917, 12 Uhr mittags, und dauert bis 14. Januar 1018, 12 Uhr mittags. Die vertragschließenden Parteien
Nr. 11. * 66. Jahrgang.
fifftö berechtigt, den LSafferissillstand am 21. Droge m i t siebentägiger Frist zu kündigen. Erfolgt dies nicht so dauert Ser Wrrffenstillstand automatisch weiter, bis eine der Parteien ihn mit siebentägiger Frist kündigt." Seit gestern, spätestens aber heute mittag, mutzte also der Waffenstillstand gekündigt sein, wenn von einer der beiden Parte'sn die Absicht besiande, die Feindsoligkeiten am 14. .Januar wieder zu eröffnen.
* »
Eine RepressivmastnahUle Trvbkbs gegen die Alliierte«. ^ W. T.-B. Petersburg, 7. Jan. tDoahtbericht. Reuter.) Trotzky hat die Ab Hebung aller in russischen Banken niedec- gelegton Gelder der fremden diplomatischen Ber.- tretungen verboten, da die Anleihen sowie alle Gelder der alten Regierung, die in ausländischen Banken untergebracht sind, den Volkskommissaren voventhatten wenden.
Die neuen russischen Vertreter in der Schweiz und in London.
W. T.-B. Petersburg, 7. Jan. (Drohtberichi. Petersburger Telegraphenagentur.) Namens des Rats der Arbeiter-, Sildaten- und Bauernvertreter ist der Bürg,er Krapinksi vorläufig zum Bevollmächtigten des Kommissariats für auswärtige Angelegenheiten in Genf ernannt worden. Der Bürger L i t v i n c f f ist vorläufig zun* BsvovmSchtigten des Kommissariats für auswärtige Angelegenheiten m London ernamtt worden
Lord Lanrdown« zu Lloyd Georg«» R«d«.
W. T.-B. London, 7. Jan. (Draihtbertcht.) Lord LanSdow:« sagte in einer UntervSdung, er habe nur eine kurze Zufam menfaffumg der Rede des Premierministers gesehen und -nächte deshalb von einer Besprechung avsechon, bis er den vollen Wortlaut gelesen habe. LanSbowne bemerkte mit Befriedigung, daß der Premierminister in den bestimm- tssten Wendrngen den Grundsatz bekräftigte, daß Englan-d nieuials nach Großmacht strebe, sonbem virlmob* darnach, sich von den Hoffnungen unld Plänen militärischer Herrschaft abzuwenden. Er stimme mit der Absicht des Promiermindsterü überein, daß ein gerechter, dauerhafter Friede nur auf den von dem Premier- mimfter daygelegten Bedingungen begrünbot fein könnte. Die Aufnahme dieser Bed.ingun-gen durch Deutschland würde in sich schließen, daß der alte Geist miilitärischer Herrschaft aeus- gaspielt hat. Eine solche Annahme würde an sich da« Zuge- sisiriiduis erner Niederlage sein.
Englische preffestimmen zur Red«
Lloyd George».
Nr. Haag, 7. Jan. (Eig. Drahtbevicht. zb.) Der ^Oidsdr- der" bezeichnet die Rebe Lloyd Georges als a u f f e h e n - erregend. Er habe den Interessen der Alliierten durch ferne Rsd« einen großen Dienst erwiesen, wobei er auch die deutsche Friedensoffensive in Runlarid mit einer Gegenoffensive beantwortet und das äußerste Minimum der Fokdcvung der Alliierten feststellte. ES ist ein wichtiger Vorteil für unser Land, sagt das Blatt, datz L.'cyd George im-
(.8. Fortsetzung.) Nachdruck verboten.
tzanne Iepsen.
Eine Geschichte auS der Kleinstadt von Albert Peters»«.
„Ach, du", antwocteto Lieie. „der Direktor kommt, srnme ledige Oberlehrer, etliche Hilfslehrer."
„In uraltem Bratenrock oder glanzärmeligen Jop- pm?' fragte Karl bissig.
„Oho", und Liese bemühte sich, ein schelmisches Lachen zu unterdrücken, „oho, Herr von Stock hat einen ebenso guten Schneider wie du, Karl."
„Ist wohl mal 'n Philologe mit Geldern?"
„Weiß nicht, aber wo sein Vater als Gehsimrat im Unterrichtsministerium sitzt."
„Warum hat der Mann denn nicht Jura studiert?" fragte Karl ehrlich erstaunt.
„Ist ihm zu ledern, wie er sagt", erwiderte Liese, m schallendes Gelächter ausbrechend. Und auch Hanne lachte laut auf.
„Der Mann gefällt mir", meinte letztere.
„Mir auch", rief Liese.
Übrigens, wenn er Jura studiert hätte, wäre er doch zur Regierung und nicht zum Gericht gegangen", fügt» >Vmie hmin.
„Natürlich, bessere Fakultät", brummte Karl, „na, ihr wollt mich ärgern."
„O. nur kein Neid: wer hat, der hat", mahnte Liese schelmisch, sich verabschiedend.
Natürlich bestand Karl daraus, sie nach Hause zu be. gleiten,
Cs hatte aufgehört zu schneien. In ruhigem Weiß lagen die Straßen da. Hier und da führte eine Wagenspur. aber die Räder hatten den Scbnn; nur niederge- vnßt und zur Seite gedrängt, doch keinen Schmutz hinterlassen. Auf den Dächern klebten dicke, bläulich- weiße Polster. -
Als Liest und Karl aus der Krämerstraße über den ziemlich steil abfallenden Marktplatz kamen, sausten di«
Jungen schon lärmend aus ihren leichten Schlitten, den ..Rutschern", dahin
Plaudernd gingen beide durch die Straßen, die nach dem Osten der Stadt führten. Sie redeten gleichgültige Sacken, aber ihre Augen führten eine Sprache für sich zärtlich, liebkosend. Als sie in der Osterstraß- an Tischler Witts Häuschen vorüberkamcn. sagte Liest plötzlich' „Du, Hanne hat schauderhafte Ansichten."
„Wieso?"
„Ach, sie hat mir heute eine Rede über den Adel alter Handwerkerfamilien gehalten. Nein, einfach Unsinn, obgleich ich sie nickst widerlegen konnte."
„Ach, sie schwatzt manchmal so etwas nur so hin, um andere in Hämisch zu bringen."
„Nein. nein. Und dann hat sie neulich immer wieder mit einem jungen Handwerker getanzt. Ick) meine, wenn sie ihn nicht recht deutlich dazu ermuntert hätte, hätte er es nicht gewagt."
.Au, au. oder ei. ei. wie des ollen Honier blöde Helden 'aalen. Donner, das fehlte noch. Menschens- kind, dann willigt dein Alter ja nie ein, daß wir uns verloben."
„Ach, er ist so schon denke, nun laßt er immer deutlicher dnrchblicken. daß ihm der stockige Stock — Verzeihung —■- von Stock als Schwiegersohn recht ange- nehin wäre. Ach, wenn du doch erst deinen Assessor in der Tasche hättest!"
„Isbeis Jahr, mein Kind, übers Jahr", tröstete Karl, obglnch auch er finster dreinsah.
.Ich weiß ja nicht, ob Hanne wirklich bst Torheit begeht, aber sie ist ja nun einmal anders crls andere Menschenkinder."
,Na. der Teufel, sie wird doch Rücksicht nehmen."
%fe seufzte nur.
S:-e waren jetzt in eine dunklere Straß? gekommen, Karl ergriff ihre Hand und zog ihren Arm in den
seinen
»Du süße« Mädel."
..Liebster
Und eng aneinander geschmiegt schritten sie dahin. Im Schatten eines Baumes hastiges Umarmen, schnell gcmmimene und gegebene Küsst. Wiederholtes „aus Wt'dersihen". und Liest schritt eilend durch den Borgarten einer hellerleuchteten, weinumrankten Villa. —
Karl sah ihr nach, bis sie hinter der Haustür verschwunden war. Dann wandte er sich langsam zum Gehen und schritt sinnend durch die stillen Straßen zu- >uck in sein Elternhaus, Ino seine Schwester gerade den Tisch zum Abendessen deckte.
„Du —" sagte er zögernd, indem er, eine Zigarette rauchend, im Zimmer aut- und abging. „Lu — neulich war ja wohl Militärkonzert hier, nicht ivahr?"
.Ja", antwortete Harme, ihn mit ihren klugen Augen prüfend anstbend.
„Na. wie war's? Wohl für Uldsums Mittelstand gesellschaftliches Ereignis erster Klasse, was? Bliebt ihr auch, als die Tarizerei losging?"
„Ja", antwortete Hanne einsilbig. „Ich lasse dich zappeln", dachte sie innerlich belustigt.
„Hast du auch getanzt?"
„Ja."
. vmin iyauT, wuii'n iuuyi Time ttaDauere aus
Merkurs Reich anwesend, was?" „Ja."
„Mit wem hast du denn getanzt, bübscheste aller Schwestern, die einem netten Bruder >o kurze Ant- N orten gibt."
Da brach Hanne in lautes, ein wenig ärgerliches Lacken aus und sagte: „t'iebster Karl, du willst Jurist sein und benimmst dich bei Ausfrager-ien so furchtbar tollpatschig, daß du dem armen Angeklagten geradezu leid tun mußt."
„Nanu aber erlaube mal —. wiest —", ries der
Referendar gekränkt.
Bortsetzmtz» ststtü ,
