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Verlag Langgaffe 21

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mder Nachlaß Anzeigru-Annahwe: Für die »de »iS 3 Uhr nachmittags. - Kstr die wird keine Sewähr übern »m«en.

Montag» 7. Ianuar 1918.

Berliner Abteil»»- deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin W Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Lützo« 6202 und 6203.

klbend-klusgabe.

Nr. 10.. 66. Jahrgang.

Der zortgang der Medeiizverhand- lungen in Brest-Litowsk.

. (Von unserer Berliner Abteilung.)

Berlin, 7. Jan. , (Eig. Drahtbericht, zb.) Tr otzkY rst 'in der Spitze der russischen Delegation heute früh in Brest-Litowsk oingetcofsen. wo die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen. Es besteht Grund zu der Annahme, daß das Verhalten der Volkskommissare während der Zwischen­zeit nicht o bn c Einfluß auf die Haltung der Vier- bundsdelegationeil geblieben ist. die nach den jüngsten Vorfällen eine etwas entschiedenere Sprache führen müssen. Der Funkspruch der Petersburger Tele- grcphen-Agentur, lvelcher über die Haltung der Sowjet- Delegierten in Brest-Litowsk am 28. Dez. eine neuartige Dar­stellung verbreitete, war eine dreiste Fälschung derTatsachen, Die Delogierten hatten zwar gewisse Bedenken gegen Punkt 1 und 2 der Vieribundsantwort ms Feld geführt, keinesfalls aber m einer Weife protestiert, wie es das Knnkentelogramm der Petersburger Regierung davsteilte. Dieses Verfahren, und dann auch das Ausbleiben der tÄÄegation zur festgesetzlen Zeitz haben in Deutschland ver­stimme« muffen. Wenn dadurch auch sachlich nicht mr- se« Vorschläge über daö Sclbstbestimmungsrecht der Wevölkemmg in den besetzten Gebieten berührt sind, so er­klärt sich doch aus der unfreundlichen Stellimgnahme der Volkskommifsare die größere Zurückhaltung auf seiten des Merbundcs. Die Verhandlungen ni.it den Dele- tsiertcn der Ukraine, die, tvas wir ja ausdrücklich feststelle-r können, Bevollmächtigte der Roda in Kte>v, Mo nicht der Gegenrevolutionärc, sind, nehmen «inen zu­friedenstellenden Verlaus.

Die abgelaufene 1v tägige Seist.

Eine offizielle Feststellung der verbündeten Delegationen,

W. T.-B. Brest-Litowsk, 6. Jan. Gestern abend ist folgender Funkspruch in deutschem Klartext abgesandt worden:

An die russische Delegation zu Händen ihres Vor­sitzenden Herr« Joffe in 'Petersburg.

In ihrer Antwort auf die Vorschläge der russischen Delegation hatten die Delegationen des Vierbundes am 25. Dezember 1917 in Brest Lrtowsk gewisse Leit­sätze für den Abschluß eines sofortigen allgemeinen Friedens ausgestellt. Zur Vermeidung einer einscltigen Festlegung hatten sie die Gültigkeit dieser Leitsätze aus­drücklich davon abhängig gemacht, daß sich sämt­liche jetzt am Kriege beteiligten Mächte innerhalb einer angemessenen Frist ausnahmslos und ohne jeden Rückhalt zur genauesten Beob­achtung der alle Völker in gleicher Weise bindenden Be­dingungen verpflichten mühten. Mit Zustimmung der vier verbündete» Delegationen war darauf von der russi­schen Delegation eine zehntägige Frist festgesetzt worden, innerhalb welcher die anderen Kriegführenden sich mit den in Brest-Litowsk ausgestellten Grundsätzen eines sofortigen Friedens bekannt machen und über den Anschluß an die Friedcnsverhandlungen entscheiden sollten.

Die Delegationen der verbündeten Mächte stellten sest, daß die zehntägige F r i st mit dem 4. Januar 1918 abgelausen ist und von keinem der an­deren Kriegführenden eine Erklärung über den Beiiiitt zu den Friedensvcrh-indlnngen bei ihnen ein- gegangen ist.

Gezeichnet: Der Vorsitzende der verbündeten Dele­gationen: v. K ü h l m a « » für

Deutschland,

Graf Czernin tiir Österreich-Ungarn, Popow für Bulgarien,

R e s s i m y - B e i für die Türkei.

Ruhige Sicherheit.

Eine Erklärung derNordd. eilig. Stg."

W. T.-B. Berlin, 6. Jan. DieNorddeutsche Allge­meine Zeitung" schreibt unter der Überschrift:Ruhige Sicherheit" unter anderem: Der Zwischenfall von Brest-Litowsk, der in den Morgenbättern vom Samstag zum Teil schon abnorme und groteske Formen anzunehmen begann, ist durch die feste, aber inhalts­volle Erklärung, die der Ulsterstaatssekretär Frei­herr von dom Buss ch e im Aufträge des Reichs­kanzlers im Hauptausschuß abgegeben HM. aus Stm iiAtiaen Weg zurückqeführt worden.

Die Verhandlungen sind mit nichtcn abge­brochen,

sie waren nicht einmaI zeitweise ganz aus- gesetzt Was vorliegt, sind einige Wünsche der Russen, die wider alle Form und Gebräuche vorgebracht wurden, denen Erfüllung dann p r o in p t von unseren Vertretern a b g e l e h n t wurde und die jetzt ordnungsgemäß, aber init demselben End­ergebnis besprochen werden dürften. Was dann weiter geschehen ivird, entzieht sich jeder Voraussicht. Es wäre also wieder einmal besser gewesen, keinen Sturm im Wasser glase zu erzeugen, nicht gleich die Vorgänge in den grellsten Farben zu kleiden, sondern dessen eingedenk zu sein, daß eine Friedensver­handlung nach einem Zl/tzkährigen Kriege nicht mit den Formen eines K a f f e e k l a r s ch e s sich abspiclen kann, und daß diesem ersten Zuäschen falle manche andere folgen werden.

Wenn man gewissen Zeichen glauben wollte, dann wäre der Freitag mit der Erklärung des Reichskanzlers der große Tag der p o l i t i s ch e n R e i n i g u n g ge­wesen. dann wäre an diesem Tage der chirurgische Schnitt gemacht worden, der unserer Politik wieder die Gesundheit gebracht, der unsere Friedens­unterhändler ans den richtigen Weg gebracht hätte. Davon kann natürlich kein? Rede sein. Unsere Vertreter: sind von Berlin abgereist, aufrichtig in dem Vertrauen, dessen sie sich in der Weihnachtspause ver- sichert hatten. Sie waren und sind willens, den Weg, der ini Dezember schon zu nennenswerten Stationen ge­führt hat, im neuen Jahre weiter zu gehen, inöglichst bis zum Ziele. Nicht wir waren es die sine Storung ver­ursachten, sondern die russischen Delegierten. Aber wenn schon irgendwo eine Schwenkung festgestellt werden könnte, dann müßte inan sie drüben suchen, wo die B o l s ch e w i k i - Regierung irgendeiner Regung oder Strömung nachqegeben bat. Vielleicht hat sie unter einer inneren Zwangsvorstellung den Versuch machen zu müssen geglaubt, ihrer Ideologie zum vollen Siege zu verhelfen, vielleicht sind sie aber auch den W e st- m ächten ins Garn gegangen. Für die erste Möglich­keit spricht vor allein die schnelle Bereitwilligkeit, nach Brest-Litowsk zu kommen, als ein entschiedener Wi d e r s P r u ch die verstiegenen Ho f f n u n g e n gleich totschlug. Tie zweite Möglichkeit ist auch heute noch nicht ans dem Auge zu lassen, da E n g l a n d alle Minen hat springen lassen, um den zarten F r i e d e n s b a lt m zu verschütten. Verhängnis­voll wäre das nur für R u ß l a n d, dessen zweite Revolution dann wohl das Schicksal der ersten finden würde.

Alles das können wir ruhig sich entwickeln lassen. Unsere Heere stehen auf der Wacht, und daß auch die Politik den richtigen Kurs steuert, ist in den letz­ten Monaten immer deutlicher geworden.

Wenn heute der russischen Regierung gesagt wird, bis hierhin und nicht weiter, wenn wir ihr bevcu- ten, daß auch wir ein M i n d e st v r o g r a m m und rin M i n d e st k r i e g S z i e l haben, dann geben wir damit nicht irgendwelche» Machtgelüsten die Oberhand.

Nein, wir besinnen uns nur, daß wir zuinindest in die­sem Handel nicht die Schwächeren sind, die zu allem Ja und Anien sagen müssen. Wir erinnern uns in diesem Augenblick auch einmal, wie sich der Reichs­kanzler ausdrückte, unserer Machtstellung, aber wir pochen nicht auf unser Schwert und unsere Macht, sondern betonen gleichzeitig unsere loyale Gesin­nung, die wir den Russen auch heute noch beweisen wollen, und unser gutes Recht, das un§ in dieser Sfimde den glücklichen Gleichmut gibt, a b z n w a r t e n, ob die Russen bei ihrer Gesinnung bleiben oder a b- g leiten.

Loyal wie bisher wollen wjr weiter verhandeln, wenn die Bolschewik: zu den Tatsachen zurücksinden, die zum Frieden führen. Kühl werden wir uulerer Stärke vertraue«, wenn die russischen Vertreter in irgendeiner Form de» Anschluß an die unsere Ver- «i ch t u n g bezweckenden Pläne der W e st m ä ch t c erstreben.

*

General LudenLorff.

W. T.-B. Berlin, g. Jan. (Amtlich.) Die in mehreren Zeitungen verbreitete Nachricht, daß ein Entlassungsgesuch des Generals Ludendorff vorliege, entspricht nicht den Tat­sachen.

Bein Grund zur veunruhiaung.

Berlin» 7. Jan. (zb.) Der Reichskanzler emp­fing lautL.-A." gestern eine Reibe von FraktionS- führern, denen er c.n durchaus berb:gendes BiN» über die gegentvarlige politische und militärische Lage zu geben in >der Lage war. Auch eine Rothe von PersönlichkeitS- fragen wurden in einer Weise-erörtert, dos; jckder etwaige Grund zur' Äeunr«tzigu n g als 'des ettigt migchchon' Hörde» fimm» .i j

Lloyd George über die llriegrzirle.

Vas alte Lied in neuer Eonart.

W.T.-B. London, 6. Jan. Hloyd George berief gestern die Vertreter der Gewerkschaften zu sich und gab ihnen eine Erklärung über die Kriegsziele, in der er nach einem Hinweise auf diekritisch st en Stunden dieses Welt­krieges" u. a. folgendes sagte: Wir führen keinen An­griffskrieg gegen da§ deutsche Volk, das von seinen Führern überzeugt worden ist, cs kämpfe einen Vertei­digungskrieg gegen eine Vereinigung neidischer Völker, die auf die Zerstörung Deutschlands aus sind. Das ist nicht der Fall; eine Zerstörung Deutschlands oder des deutschen Volkes war niemals (?) unser Kriegsziel, vom ersten Tage des Krieges bis heute (!). DaS englische Volk hat niemals eine Trennung der deutschen Stämme oder die Auflösung des deutschen Staates oder Landes beabsichtigt. Deutschland hat eine große Stellung in der Welt. Es ist nicht unser Wunsch oder unsere Absicht, diese Stellung in der Zukunft in Frage zu stellen oder zu zerstören, sondern Deutschland von seinen Hoffnungen und Plänen einer mili­tärischen Beherrschung abzulenken, damit eS alle lerne Kraft den großen gemeinnützigen Aufgaben der Welt widmet.

Ebenso kämpfen wir nicht, um Österreich-Ungarn zu zerstören oder die Türkei ihrer Hauptstrdt und der reichen berühmten Besitzungen in Kleinasien und Thrazien, die vorwiegend von der tückischen Rasse bewohnt sind, zu berauben. Ebensowenig sind wir in den Krieg eingetreten, lediglich umdieBerfassungdeSDeutschenReicheS abzuändera oder zu zerstören. DaS ist eine Sache, die das deutsche Volk zu entscheiden hat.

Die Erklärung C z e r n i n s, die dieser am 25. Dez. 1917 namens Österreich Ungarns und seiner Verbündeten ab­gegeben hat, ist bedauerlich unbe -tiinm t. Klingende Wort« allein über die Formel:Keine Annexionen und keine Ent­schädigungen" oderRecht auf Selbstbestimmung" sind zweck­los. Bevor irgendwelche Verhandlungen über­haupt begonnen werden können, müssen sich di« Mittelmächte der wesentlichen Tatsachen der Lage bewußt werden. Die ersten Forderungen, die daher die britische Regierung und ihre Verbündeten immer vorangestellt haben, sind

die vollständige Wiederaufeichtung Belgiens und eine solche Entschädigung für seine verwüsteten Städte «nd Provinzen, wie str geleistet «erde« kan».

So lange dag internationale Recht nicht durch das Beharren auf Zahlung von einem Schaden, der in Nichtachtung seiner Grundlagen zugefügt wurde, anerkannt worden ist, kann e» niemals Wirklichkeit sein.

Als nächstes kommt

die Wiederherstellung Serbiens, Montenegro» sowie der brfttzten Teile Frankreichs, Italiens und Rumäniens «nd die vollständige Zurückziehung der feindlichen Armee.

Das Wicdergutinachen von Unrecht 'st die grundlegende Be­dingung für einen dauernden Frieden.

Wir wollen bis zum Untergang an der Seite der franzö- fischen Demokratie in deren Verlangen ans Wiedergut­machung des großen Unrechts von 1871 stehe«,

als ohne Rücksicht auf die Wünsche der Bevölkerung zwei französische Provinzen auL Frankreich hecausgerissen und dem Deutschen Reiche während eines halben Jahrhundert» eivierleibt wurden. Und bis dieses nicht geheilt ist, fönnen gesunde Zustände nicht wieder eintreten, kann e» keine bessere Illustration der törichten Bösartigkeit geben, einen vorüber- geherden militärischen Erfolg zur Vergewaltigung de» natio­nalen Rechts zu benutzen.

Ich will nicht versucheli,

die Frage der russischen Gebiete,

die jetzt von den Deutschen besetzt sind, zu behandeln. Ruß­land ist nunmehr dabei, ohne Verbindung mit den Ländern, die cs in den Krieg gezogen hat, Sonderverhandlun- g e n mit Lern gemeinschaftlichen Feind zu führen. Ich mache keine Verwürfe, sondern führe lediglich die Tatsachen cm. Niemand, der Preußen und seine Absichten auf Rußland kennt, kann einen Augenblick über seine letzten Absichten im Zweifel sein. Was füc Phrasen es auch immer gebrauch«, uin Rußland einzuwickeln, es liegt nicht in seiner Absicht, eine der Provinzen und Städte Rußlands, die es jetzt oefefei hält, zurückzugcden.

Unter dem einen oder anderen Namen, welche«», ist ja gleichgültig, werden diese russischer Provinzen künftig in Wirklichkeit einen Teil de» preußische» Reiche» bilden

und daS übrige Volk Rußlands wird, teils durch blendende Worte verlockt, teils durch die Drohungen über die Fortsetzung des Krieges geschreckt, in einen Zustand vollständiger wirt­schaftliche,. und später auch politischer Sklaverei getrieben werden. Wir alle bedauern diese Absicht.

Lloyd George erklärt sich dann für ein unaübängugss Polen, fiir Selbstregierung der Völker in Öster­reich-Ungarn, für die natürlichen Ansprüche der Italiener und Rumänen, und für Anerkennung der bose-nderen nationalen BoümMngL-n Arabiens, Arlnenisns, Mesopotaanien^ (gftCiflflä und PakGnkH, ktzorgtz Mzt tzann