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Verlag Langgasse 21

„Tagblalihsus".

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„Tagdliitihn»»" Nr. 6650-S-r.

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Berliner Abteilung deS Wiesbadener TagblattS: Berlin W., Potsdamer Skr. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203.

§rettag» 4. Ianuar 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. S. . 66. Jahrgang.

Telegrammwechsel }

zwischen dem Reichstagspräsidenten Vr. Raempf und dem Raiser.

>V. T.-B. Berlin» 3. Jan. (Drahtbericht.) Beim Jahres Wechsel wurde ^ t-cm Präsidenten des Reichstags, Exzellenz Dr. Kaempf, an Seine Majestät den Kaiser folgendes Telegramm gerichtet:

.Eure Kaiserliche und Königliche Majestät bitte ich, beim Jabieswechsel die ehrfurchtsvollsten und herzlichsten Glück- wünsche tes Reichstags entgegennehmen zu wollen. Eure Majestät blicken mit dem deutschen Volk auf ein Jahr zurück, das den dcurschen Waffen und denen seiner Verbündeten zu Wasser, zu Land und in den Lüften die ruhmreich st en Erfolge gebracht hat den unwiderstehlichen Offensivgeist unserer Heere und Flotte von neuem bewiesen und die Wider- stalltskrcft des deutschen Volkes an der Front und >n der Heimat zvin glänzendsten Ausdruck gebracht hat. DaS Samenkorn des Friedens, das Eure Majestät mit Eurer Majestät hohen Verbündeten am 12. Dezember 19i6 gelegt hot. ist aufgegangen. Mit Eurer Majestät treten wir in das neue Jahr in der begründeten Hoffnung, daß das blutige Völkerringen sich seinem Ende näher! und uns dem ersehnten Ziel eines Friedens entgegenbringen wird, der "nscre und unserer Verbündeten ungehinderte Ent- ir i ck l u ii_g aller geistigen und wirtsshaftlichen Kräfte in der Welt gewährleisten möge. Des Allmächtigen Segen ruhe auf Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät, dem ganzen kaiserlichen und königlichen Hause und auf unserem geliebten Vaterland."

Darauf ging folgende Antwort ein:

Ich danke Ihnen herzlichst für die freundlichen Wünsche, die Sie mir im Namen des Reichstags bei Ausgang des alten lieg- und ruhmgekrönten Jahres dargcbrachr haben. Den unerschütterlichen Willen, einen die 3ulun.fi u-nd Wehls ahrt des Reichs sich er stellenden Frieden zu erkämpfen, wird das deutsch? Volk — das vertraue ich zuvec- stchtlich — auch im neuen Jahr an der Front und daheim zu Kaiser und Reich voll bestätigen, und mit Gottes Hilfe wird das schöne Werk gelingen und das ersehnte Friedens- ziel in absehbarer Zeit erreicht werden.

Wilhelm I. R.

Unsere „Verbündeten", die Tschechen.

Deutschland und Österreich-Ungarn sind durch einen untrennbaren Bund verknüpft. Das sollte doch heißen, daß der öffentliche Geist in beiden Ländern von der Notwendigkeit durchdrungen ist. ein Verhältnis sach- lichen gegenseitigen Nutzens auf die breitere und stör» kere Grundlage der moralischen Ü b e re i n st i in- m u n g zu gründen, das Bündnis nicht bloß als eine mechanische Notwendigkeit, sondern als ein Stück organischen Lebens in den gemeinsamen Wil­len anfzunehmen. Von uns geschieht das in reichem Maße, im Nachbarlande geschieht es von den Deutschen, bis zu einem glücklicherweise ansehnlichen Teile auch von den Magyaren. Es geschieht aber nicht von den Tschechen, die uns vielmehr offen f.nndselig gesinnt find. die. wenn sie könnten, wie sie inöchten, auf die Seite unserer Gegner treten würden. Sie haben das ja hochverräterischerweise auch schon getan. Tausende von tschechischen Soldaten sind unter der Führung ihrer Offiziere zu den Russen übergegangen, andere haben Verrat zugunsten Italiens geübt, und im Reichsrat haben tschechische Redner eine Sprache des wildesten Hasses gegen uns geführt. Trotzdem sind die Tschechen mit uns ..verbündet". So seltsam das Wort in diesem Zusammenhänge klingt, so muß man eö ge- brauchen, weil es einem formulierten Tatbestands ent­spricht: man muß es aber auch gebrauchen, um dadurch erst sich des grotesken Gegensatzes zwischen Sein und Schein ganz bewußt zu werden.

Der gute Kenner der österreichischen Zustände, Rudolf Rotheit, schilderte jüngst, wenn wir nicht irren, in der „Voss. Ztg.", den Einzug des Führers der tschechi­schen Nationalversammlung, K r a m a r z, in Prag nach seiner Begnadigung. Dieser Einzug glich nicht nur, wie man zu sagen pflegt, einem Triumphzuge, er war tatsächlich ein solcher. Rotheit und, nach seinem Vor- gange, Quessel (in den „Sozialistischen Monatsheften") erzählen, wie es dann weiter kam. Die Rückkehr des Herrn Kramarz nach Prag hatte sofort einen Wechsel in der Redaktion der „Narodni Lisch", des Hauptblatts der nationalen Bewegung des Tscheckientums, zur Folge, und zwar in dem Sinne eines ententefreund­lichen Separatismus. Die erste Nummer unter der neiien Redaktion brachte einen Aufsatz über die „ge- schichtlichen Grenzen des Tschechenstaates". die außer Böhmen, Mähren irnd Schlesien auch die ungarische Slowakei einschließen und sich bis zur Donau hinab- ziehen sollten, mit einem Korridor zum Meer, was, wie Bärenrerther jüngst im österreichischen Herren­haus feststellte, mit den Absichten der Entente überein­

stimmen dürfte. In Ungarn riefen die vorn tschechi­schen Separatismus vertretenen Ansprüche auf die Slowakei starke B e u n ru h i g u n g hervor. Man verlangte im ungarischen Parlament, daß die tschechischen Bestrebungen auf die Herstellung eines Großtschechiens auf Kosten Ungarns unter Strafe ge­stellt werden. Der ungarische Ministerpräsident erklärte, vorn österreichischen Justizminister bereits die Zusage erhalten zu haben daß S t r a s b e st i m m u n g e n ge­schaffen werden, damit inan gegen die tschechischen Nationalisten, die „fortwährend den Karren unserer Feinde schieben", strafrechtlich Vorgehen könne. Weit entfernt durch die ungarischen Angriffe eingejchüchtert zu sein, richtete die „Narodni Lrjty" folgende Kampf­ansage an Ungarn- „Die Magyaren sind am Ende mit ihrer gewalttätigen Nationalitätenpolitik und fürch­ten sich vor dem öffentlichen europäischen Tribunal... Wenn es wahr ist, daß dieser Krieg vor allem die Völ­kerkarte Europas umgestalten wird, dann stehen die Maayaren Aug' in Auq' vor einem schreckhaften Problem. Der magyarische Staat ist eine Sünde gegen die Natur— Die Stunde der Not ist im Anzugs. Don fern erklingen bereits die Fanfaren der zu National­staaten wiedergeborenen Völker." Die Erregung über die ernerite .Kampfansage des tschcchrschen Nativnalis mus war in Ungarn deshalb besonders groß, weil nian sich fragte, wie e§ möglich sei, daß ein solcher Ar­tikel in einer Großstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie erscheinen könne.

Nun, es war möglich, und nach der Begnadigung des tschechischen Landesverräters kann noch vieles möglich werden, was vorher wie eine traumhafte Undenkbarkeit erschien. Aber vielleicht mutz cs erst schlimmer kommen, damit es besser werden kann. Viel­leicht müssen die Tschechen erst ganz ihren heißen Deutschenhaß entbrennen lasten,, damit zunächst die Deutschen in Österreich den Zusam­menschluß finden, die sie zum Schaden ihres Landes und ihres Volkstums vreisaeaeben haben. Es geht dabei gewiß um innerösterreichische Probleme, aber es geht auch um solche, die unseren Lebensnerv berühren, und darum sind wir mehr als objektive Zuschauer, wir sind leidenschaftlich verknüpft mit allen diesen Vorgängen, wir denken dabei wahrlich nicht zu­letzt an unsere eigene Zukunft, die stehen und fallen wird mit der Herstellung gesicherter Zu­stände im Donaureicho. Jedenfalls hat wohl kein zweiter Staat in der Welt w sonderbare „Ver­bündete". wie wir uns deren im edlen Volk der Tschechen erfreuen. _____________

Die Lage im westen.

Die „gefährdete" Westfront des Verbandes.

Die gesamte französische und englische Presse -beschäftigt sich mit der drohenden deutsch-österreichischem Offensive am der Westfront. Di? siegestrunkenen Stimmen, die noch dem Keinen, rasch glänzend wett gemachten örtlichem -Erfolg ÄeS Generals Byng im Cam-braii-Abschnitt frohlocktem und nicht müde wurden, über die „Demoratisativm" umb „Auflösung" der deutschen Armee zu orakeln, sind völlig verstummt. Die Furcht vor der deutschem Drohung beherrscht die Artikel der Mikitä-rkvitiker. „Gomlais" vermutet, da-ß nicht nur die Truppen am der Ostfront, sondern -auch di-e jetzt abkömmlich gewordenen Divisionen BeLow-s und Mackensens nunmehr noch dem Westen geworfen werden. Sehr scharf bekämpft er di-e weitverbreitete Meinung und Ho-sfmuig, daß cime innere Krise ernster Natur in Deutschland ausbrechen und seine militärische Kraft -lähmen werde. „Mom vergißt dabei, daß die Deutschem seit drei Jahren einem Geist der Organisation und Disziplin emtwicke-lt -haben, der, auch durch militärische Erfolge genährt, mwntwirrbar scheinende Probleme gcköst hat" — ,,Bataille" vom 12. Dezember äußert ebenfalls leb­hafte Besorgnisse, der deutsch-ösierreichi-sche Block werde jetzt mit seinem ganzen Gewicht auf den Westen drücken, -und bricht dckber in die Klage ans: „Warum vier Heere vier Fnstcu- msnte» vier lei-tende Organe, während es drüben -nur ein« Maschine und einen Mechaniker gibt? Warum nicht Mock geg-en Mock?"

Nicht -anders spricht die englische Presse. Oberst Repington weist in der „Times" nach, daß die seit 1014 dauernde deutsche Defensiv tc.kiik wn Westen nun zu Ende gehe, und daß entsprechende Gegenmaßregeln getroffen wer» den müßten. Die Verbündeten bedürften schleunigst emer halben Million frischer C-treitkräfte, einer größeren Anzahl von Geschützen und vor allem vieler An-gvisfsflugzeuye. Frank­reich werde gezwungen fein, seine Klassen 1918 und ISIS ein­zuziehen r«nd sein« älteren Jahrgänge am der Front zu Se- lassen. (Das wird man in Frankreich nicht gern hören!) Aber auch England müsse möglichst scbnell neue M-anmsckaftem auf- brinaen, und zwar -durch Ausdehnung der MerSgr-em-ze bis auf 50 Jahre und strikte Anwendung des Dienstgesetzes -auch auf Irland. Aut Inland weist auch „Morni-ng Post" vorn 11. Dezember hin- Die leite.Kdem Politiker —schreibt das Norrhclrsseblatt —, dächren nech immer mehr an sich als daran, dem Krieg zu gewinnen. Man brauche nur an die

Schonung Irlands bezüglich ssin-er Heranziehung zu -den mili­tärischen Lasten zu denken. Ohne Irland gehe die Sache nun aber nicht mohrl Allein auch dann werde es noch Monats dauern, ehe die militärisch brauchbarem Kräfte ousgebildet wären. Und wa» m die Kn Monaten alles geschehen sein könne, darüber schweiigt „Mornimg Post". . .

Englisches Gcschützfeuer zu Neujahr.

W. T.-B. Amsterdam, 3, Jan. (Drahtbericht.) Der Korrespondent der „Times" bei der englischen Armee in Frankreich meldet: Das neu? Jahr wurde von den englischen Truppe» mit einem plötzlichen Orkan von Geschütz­feuer cingeleitet. Um Mitternacht wurden 12 Salven aus 12 Battcrien abgegeben. Dabei wurden bestimmte Punkte systematisch beschossen, während die leichteren Geschütze eine« Regen von Schrapnells über das Gelände nieder- gehen ließen. Die Deutschen antworteten auf dieselbe Weise oder indem sie mehrrre Minuten lang Gardinen­feuer ckgaben. _ '

wieviel Kmerik aner können über Vas grotz« Wasser kommen?

In einer Broschurs „Das Eingreifen der Vereinigten Staaten in oea Weltkrieg" gibt Major Hoffe folgende Be­rechnungen: Der Chef des Schweizer Transportsamtes, Herr Cailler, der wegen Vermehrung der Schweizer Überseezufuhr im Juli 1917 in London war, hat aus Grund dieser Be­sprechungen den Transporrmittelbednrf einer amerikanischer» Armee auf 21,1, Millionen Registertonnen berechnet, wobei freilich die Stärke dieser Armee nicht angegeben ist. Nach anderen Angaben vecmrg die gesamte Überseehandelsflott» (2,8 Millionen Registertonnen) der Union nicht mehr als 250 000 Mann zu befördern. Für eine Armee also, die unter einer halben Million zurückbleibt, brauchen die Amerikaner/ selbst wenn der Schiffsraum aufs äußerste ausgenutzt wird, und die Schiffe aufs sorgfältigste und gründlichste für die Misitärtransporte hergerichjetz werden, m i ndestens Zy s Millio­nen Registertonnen. Für die Fahrt sind einschließlich der be­nötigten Zeit zum Ein- und Auslaoen, zur Rückfahrt und Wiederinstandsetzung der Schisse durchschnittlich etwa sechs Wocken zu rechnen. Somit würde eine Flotte von 500 OüO Registertonnen bei fünfmaliger Fahrt zur Überführung 80 Wecken benötigen. Nehmen wir an, daß diese 500 00V Registertonnen jetzt zur Verfügung ständen und mit der Ver­ladung bereits am 1. November 1917, zu einer Zeit, wo die Armee erst im Werden begriffen war, begonnen worden wäre, dann würden — eine ungeftörte Überführung vorausgesetzt —- die letzten Staffeln erst Ende M.n 1918 auf dem europä »schert Kontinent eintveffen.

Hierzu kommt die Aufgabe, 400 000 bis 500 000 Man» mit allen ihren Erfordernissen an Nahrungsmitteln, Klei­dung, Geschützen, Geschossen, Flugzeugen, Kriegsmaterial urld' ten zahlreichen anderen für die heutige Kriegführung uner­läßlichen Hilfsmitteln, z. B. Bahnmaterial, dauernd zu ver­sorgen. Eine amerikanische Armee von 400 000 bis 500 000 Mann würde somit, selbst wenn sie mehr als die englische! aus Frorkreich entnehmen könnte, doch dauernd mindestens 1,2 Millionen Registertonnen Schiffsraum zum Nachschub benötigen. Bei einer Teilung der Überführung der Armee, nach obigem Beispiel, würden also sofort für den Nachschub der ersten Rate 240 000 Registertonnen festgelegt werde» müssen, und diese Zahl wüchse dauernd weiter bei jeder fol­genden Rate. Zur Überführung nennenswerter Teile be­nötigte Amerika mithin von Anfang an rund % Millionen Registertonnen Schiffsraum. Nach Maßgabe der Überführung -würde diese Zahl sich bis zum Sommer auf über eine Million Tonnen erböben. Dazu käme der Bedarf der Flotte, die ja bei der -lberfübrung mitzuwirken hat. Die Höhe dieses Be­darfs ist in den Verhandlungen des Kongresses auf 2.3 bis 2,5 Millionen Registertonnen angegeben worden, vielleicht wird er geringer sein.

Diesen gewaltigen Anfordecungen steht gegenüber ein Bestand von 4,15 Millionen Registertonnen am 1. Januar 1918. Ein Vergl-eich des Bestandes und des Bedarfs ergibt ohne weiteres, daß Amerika gar nicht in der Lage ist, diese großen Schitfsraummengen aufzu­bringen. Ist doch schon ein großer Teil der amerikanische«' Flotte fiir die Versoraung der Engländer und Franzosen mit Kriegsmaterial und Lebensnntteln festgelegt, der Rejt für dro einen? Wirtsckast fast unabkömmlick. Somit würde jedes Schiff, das Amerika Air Militärtransporte verwendet, di« Rot in England und Frankreich verstärken und diesen nnent- bebrliche Bedürfnisse zum Leben und zum Kriegsühren ent­ziehen

Massnahmen gegen feindliche Ausländer in Amerika.

W. T.-B. Amsterdam» 3. Jan. (Drahtbericht.) Nach einem hiesigen Blatt erfährt die „Times" aus Washington; Das Justizdepartement gibt bekannt, daß mn 4. Januar mit der Einschreibung einer halben Million nichtnaturali-, sierter feindlicher Ausländer zum Schutz gege« Spionage und Sabotage begonnen werden soll. Poli^ zeibeamte, Postmeijrec nnd andere Beamte werden diese Auf­nahme leiten. Von allen männlichen feindlichen Ausländer« über 14 Jahr? werden Fingerabdrücke gemacht. All?! bekommen eine Ausweiskarte. Diese Karte müssen sie stets bei sich tragen. Sie dürfen auch nickt ohne Zustimmung der Polizei ihre Wohnung verändern. Lsterreicher und Ungarn werden vorläufig von dieser Maßregel noch nicht betzloßjen,