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Verlag Lmrggaffc 21
„TagblanhauS".
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„Tagdiatthans" Nr. 8850 S3.
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Mittwoch» 2. Ianuar 1918
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berli» W., Potsdamer Sir. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203
Kbend-klusgabe.
Nr. 2. . 66. Jahrgang.
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Neujahr 1918.
Sie Depeschen öes Kaisers und des Königs von vorzern.
W. T.-B. München, 1. Jan. Die Kcrrespcridenz Ho-fftnunn «Ädei: Zwischen König Ludwig und dem deutschen Kaiser fytt aus Anlaß beS JahwZwechjsäs folgender Telegramm» ech- sei stattgesunden:
Seme Majestät den Kaiser!
Dir und der Kaiserin bringe ich mit Däarie Therese zur Jcchveswende die tiefempfundenen Glück- und Segenswünsche dar. Wieder geht ein Jahr härtester Kämpfe für Euer und unser liebes Vaterland zu Ende, erfolgreich an heldenmütiger Abwehr überwältigender Übermacht, an siegreichen Vorstößen gegen unsere Feinde, an zäher Ausdauer undArbeit im Innern. Gieichwobl will der Wahn, Deutschland und seine Bunde Saenossen nieder» ringen zu können, bei unseren Hauptfeinden noch nichr ", endgültig schwinden. Ihre Schuld ist es, wenn trotz der von uns schon vor Jahresfrist erklärten Verständigungsbereitschaft und trotz des Friedenswillen», der im Osten zutage tritt, da- Mut- und Zerstörungswerck seinen Fortgang nimmt Deutschlands Fürsten und freien Städte, das gaaze Volk werden wie bisher in Einigkeit und Geschlossenheit zusammen stehen, bis uns das gute Recht aus Leben und Geltung, auf Weiterentwicklung in ehr- Sicher Arbeit erstritten ist. Daß diosos glückliche Ende des großen Kanipfes für Deutschland und seine Irenen Bnudesge- »ffen erreicht wird, ist unsere felsenfeste Zuversicht. Gott gäbe Dir und Deinem .Hause hierzu seinen Schutz und Beistand. gez. Ludw i g.
Der deutsche Kaiser antwortete lsteraus:
Sein? Majestät den König von Bayern!
Herzil'chen D-mk und wärmste Erwiderung Eurer freundlichen ReujahrSiminsche von Viktoria und Mir. Wir können mit Dank zu Gott aus das verflossene Jahr zurückblicken, das uns neben beldenbasier Verteidigung unserer Grenzen, im Berein mit unteren treuen Verbündeten glänzende Siege und den Keimeines Fr iedensgegen Osten gebracht hat. Er wird unS auch im neuen Jahr in unserer gerechten Sache zur Seite sieben utib dm bösen Willen der Feinde, die noch immer an ihrem frevelhaften VernichtungSvortatz fest halten, zu brechen wissen. Mit Dir vertraue Ich fest auf unser deutsches Volk, daß es auch diese letzte unS auserlegte Prüfung bestehen und die Keime des Sieges in dickem großen Kampf um Freiheit und Recht erringen wird. Gott schütze Dich und Dein treues , Bayernvolk im neuen Jahre, gez. Wilhelm.
X Hindenburas Neujahrsgrutz Bi-. an die*Marine.
g. W. T.-B. Berlin, 31. Dez. Anläßlich deS JahreSwechsÄL | ‘.iat zwischen dem Chef deS Generalstabs des Feldheere» und
Al»dem Ebef des Admiralstabs der Äiarine der nachstehende Tele- n grammwechsel stattyefnnden:
An Admiral v. Ho Itzendorfs. Admiralstab, Berlin: Zum Jahreswechsel sende 'ck> Gw. Exzellenz und der ) Kaiserlichen Marine die herzlichsten Glückwünsche. Der gemeinsame Waffenaang gegen Oiel und Daaö hat da» Bans > zwischen 'bcr Marine und dem Heer nech fester geknüpft. Die Wirkungen unseres U-B ootkriegs brachten unserer Westfront «ine wesentliche Entlastung. So werden wir Hand in Hand rm kommenden Jahr :mt Gottes Hilfe die siegreiche Entscheidung erkämpfen.
gez. v. Hindenburg, Gsneralfeldmarschall.
An Generalseldmarschall v. Hindenburg,
Großes Ha^uptguartier.
Ew. Exzellenz danke ich für die an mich gerichteten, der Marine gewidmeten Porte und Wünsche zum Jahreswechsel von Herzen. Es wird uns ein w ei t e r e r Ansporn sein zur Anspannung aller Kräfte, zu wissen, daß der Il-Bootkrieg den unvergleichlichen Kämpfern der hart bestürmten Westfront eine wesentliche Entlastung gebracht hat. Mge das neue Jahr dem deutschen Volk die Früchte der herr- ^«hen Sieye seines tapferen Heeres zur Reife bringen.
gez. v. Holtzendorss.
Die verhandlrnzen int Rußland.
Eine große Zriedenskundgebung in Petersburg!
»Der letzte energische Aufruf an die Demokratien Europas."
W. T.-E. Petersburg, 31. Dez. (Petersburger Telegra- phenogentur.) Gestern fand in Petersburg eine Massenkundgebung zu Ehren des Erfolgs der Friedensverhandlungen statt. Die Kundgebung begann um 10 Uhr vormittags und dauerte bis S Uhr nachmittag». U. a. nahmen mehrere hunderttausend Arüeir'cr, Soldaten und Matrosen teil. Der Zug setzte sich von der Umgebung Petersburg» aus in Leivegung. Der N e w » k i - P r o 1 p e k t biÄetze ein Meer r»ter Kastne« und Schilder mit Lus
schriften. In geordneten Reihen marschierten die Arbeiter aus jeder Fabrik mit der Roten Garde an der Spitze, alle Mi.l i tärs mit Mu srk urrd ffic sfen. Die Ukrainer, dre sich in Petersburg bes'nden, nahmen auch an de: Kundgebung teil. Die Ausschrifron zeigten in der größten MehrzaU das Berttauen in die vollständige Ausrechterhaltung der Sowjet», die dem Laiide den Frieden schenken. Insbesondere wurde ein allgemeiner demokratischer Friede n verlangt mit einem Aufruf an die europäischen Völker, von ihrer Regierung die Teilnahme an den Friedens» Verhandlungen zu erlangen. Unter anderem wurde besonders eine Aufschrift bemerkt, in der erklärt wird, man würde n >.: r eine solche verfassunggebende Bers-ammlung anerkennen, die mit den Sowjets Mid dm Volkskommissaren gu- särmnengehen würde. Viele Aufschriften sprachen sich gegen die Teilnahme der Führer und Freunde der Bourgeoisie, an der verfassunggebenden Versammlung aus, und forderten Maßnahmen gegen Umtriebe und'Sabotageverluche. die gegen die Macht der Sowjets gerichtet würden. Die Kundgebung glich an Großartigkeit der Kundgebung vom 1. Mai 1917 und beweist von neuem die Einigkeit der Arbeiter, Soldaten, Bauern und Matrosen. Die Revolutionären rei-ren dadurch eine kraftvolle Entschlossenheit, dem allgenieinen Frieden und dem Soziilismus zum voller: Sieg zu verhelfen. DaS durch d:e Straße gegangene Volk richtet den letzten energischen Aufruf an die Demokratien Europas, damit sie sich oer Arbeit für den allgemeinen Frieden a n - schließen. Dieser Appell muß gehört werden.
Tic Verhandlungen der deutschen Marinekommission in Petersburg.
— Berlin, 2. Jan. (zb.) Laut „B. 2.-A." hatte der Führer der deutschen Marinekommtssion eine Unterredung mit T r o tz k y. Am Freitagmittag haben die ersten Be-ratvnpen zwischen den Vertretern Deutschlands und des russischen Marinestabes über tue Einzelheiten de» Waffenstillstandes au? dem Meere fratigefunden.
England erwägt doch die Beteiligung an den Zrtedensverhandlungen?
W. T.-B. Amsterdam, 31. Dez. Reuter meldet: Ter Londoner Korrespondent des „Manchester Guardian" erklärt: Die britische Regierung betrachtet die von Deutschland und Österreich-Ungarn gestellten Friedensbedingungen als einen ernsten Schritt von seiten der Mittelmächte und hat die feste Absicht, eine ernste wohlüberlegte Antwort zu geben, sobald die Bedingungen offiziell überreicht sind. Llond George hat bereit» selbst seine Reife nach Frankreich festgesetzt, nur mit Clemenceau darüber zu verhandeln.
W. T.-B. London, 31. Dez. (Reuters „Daily News" berichtet, daß der -ansfüh reiche Ausschuß der Arbeiterpartei und das parlamentarische Komitee des Gewerk- sibaftskongreffeS nach der Konferenz am Freitag den Premierminister besucht haben, der den lebhaften Wunsch bezeigte, sich mit dem Standpunkt der Arbeiter in der Kr ieasziel frage unter besonderer Bezugnahme aus das Memorandum der Arbeiter vertraut zu machen. Die Unterredung verlies ruhig und gemäßigt. Man wünschte allgemein, sich auf nackta Tatsachen zu beschränken. DwS deutsche Friedensangebot an Rußland wurde erwähnt und der Abordnung wurde zu versieben gegeben, daß die alliierten Regierungenwahrscheinlich irgend eine Antwort geben würden. Bei der Besprechung der Friedenszielc und der Kriegsziele betonte der Premierminister, daß die Regierung sich für verpflichtet halte, im Einvernehmen mit de-i alliierten Regierungen zu handeln. Die Unterredung beschränkte sich auf die Krieg »ziele und auf Fragen des Men- schenmaterials. D'e LebenSmittelpreise und der Wucherhandel wurden nicht erwähnt.
Keine Reise Lloyd Georges nach Paris!
W. T.-B. London, 2. Jan. (Drahtbericht.) Auf eine Anfrage in der Umgebung des Premierministers Lloyd George erfährt das Reutersche Bureau, daß dort nichts bekannt sei, von der vom „Manchester Guardian" gemeldeten angeblichen Absicht Lloyd Georges, nach Frankreich zu reisen und mit Clemen- ceau über dir österreichisch-deutschen Kriegsbedingungen zu sprechen. — Weiter meldet das Reutersche Bureau unter dem 1. Januar: Der Parlamentsberichterstatter des „Daily Chronicle" meldet: In Regierungskroisen werde anerkannt, daß die Vorschläge von Brest-Litowsk eine schwerwiegende neue Tatsache darstellen, von der Kenntnis genommen werden müsse. Selbst mit den Einschränkungen des Grafen Czernin sei die Annahme der nrssischen Formel das Anzeichen einer neuen Lage. Großbritannien, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und Italien tauschen bereits ihre Ansichten aus.
Lansing nimmt keine Notiz!
W. T.-B. Amsterdam, 1. Jan. Einem hiesigen Watt zu- folge meldet bvt „Times" aus Washington, Staatssekretär Lansing teilte auf einer Journaliftenkonfevenz mit, er habe über hie Erklärung CzerninS in Breft-Litowsk nichts zu sagen. Amtlich werde von ihr wahrscheinlich keine Notiz Stabes.
Eine gemeinsame Kundgebung der Rumpf- Entente?
— Berlin, 2. Jcm. (zb.) Die Meldungen über die Absichte', der Ententemächte sind, wie das „B. T." meint, sehr widerspruchsvoll. Im allgemeinen könne man annehmen, daß in RegiervngSkreisen von London, Paris und Washington nicht bealsichtigt sei, bis zum Ablauf der zehntägigen F r i st, bis zum 4. Januar, den FriedenS- verharidlungcn mrf der an Brest-Litowsk durch die Erklärung vom 2ö. Dezember bezenhrreten Grundlage sich anzuschließen. Vielleicht werde man, um den nach Klarheit und nach einer Revision der Kriegsziele Verlangenden Genugtuung zu ge- näbrcn, den Eröffnungen von Bcest-LitowSk eine gemeinsam c Kundgebung der Entente gcgenüberstellen. Es sei aiidererfeitS wahrscheinlich, daß man die Versuche, sich in PelerSturg den Bolschewik: unoffiziell zu nähern und E 11 : s l u tz auf sie zu gewinnen, stärker als bisher fort- sehen werde.
Clemenceau gegen eine Reife der Sozialisten nach Petersburg.
W. T.-B. Paris, 2. Jon. (Drahtbericht. Aponcc Havas.) Ministerpräsident Clemenceau hot im Beisein des Ministers des Äußern Pichon eine Abordnung der vereinigten Sozialisten der Kammer, bestehend aus Albert Thomas, Humbert, Wäger, Renaudel, Cochin, Longuc, Daek, empfangen, die um Reisepässe für Petersburg baten, wo sie den Abschluß eines Sonderfriedens verhindern, oder wenigstens bewirken wollten, daß er so unschädlich wie möglich aussalle. Clemenceau erwiderte ihnen, bei aller Anerkennung ihrer Vaterlandsliebe könne er unter den verworrenen Verhältnissen in Petersburg keinen Erfolg von ihrem Schritt erhoffen, vielmehr würde er der Bewilligung von Plänen zu diesem Zweck ihrer Sendung einen solchen Anstrich geben, daß unerwünschte Wirkungen auf die öffentliche Meinung im Lande und an der Front eintreten würden? vielfach würde man sagen, daß Frankreich an den Vorbesprechungen^ über die Friedensprälu- minarien teilnehme. Dies sei aber mangss ernst zu nehmender Vorschläge der stündlichen Mämte ganz und gar nicht beabsichtigt. Clemenceau hob schließlich hervor, daß er die Entscheidung, die gewünscht werde, nicht treffen könne, solange er keine Verständigung mit den Alliierten erzielt hätte und daß er keinen Grund zu der Annahme habe, daß sich deren Ansicht seit der Stockholmer Konferenz geändert hätte.
Beginnende Einsicht in einzelnen pariser Blättern.
W. T.-B. Bee r, 31. Dez. Die Preifer Blätter yecöffent- lichen weiter: aus Berlin und Wien im Ausland verbreitete Meldungen über die Veeh mdluagen in Brest-Litowsk und befürworten teilweise eine Besprechung der Alliierten über die Kriegsziele, im besonderen „Journal de? DcbatS", „Information", „Verite" und sozirlistis-he und radikale Blätter. „Journrl des Deb-rts" erklärt: Das Programm der Alliierten, das in der Antwort auf die Botschaft Wilsons vcrluutbact sei, müsse in gewissen Punkten revidiert werden. Die Entente müsse der Welt «in gemeinsames Programm norsetzen. Sogar die Mitteimächte hätten ein Programm auZgearbeitet, welches anscheinend einigen Grundsätzen Würdigung zolle, für die die Entente kämpfe. Diese feierliche Kundgebung der Mittelmächte dürfe man nicht als nicht vorhanden betrachten und ihrer ©rörtering nicht aus dem Wege gehen. ES wäre verbrecherisch, wenn mnn die Erörterungen zu fliehen scheine. — Huret verlangt, die Entente müsse ein demokratisches Programm ohne iede Doppelsinnigkeit bekannt geben. — Die reaktionäre Presse dagegen lehnt sich an die Rede TlomencecruS i'cher die französisch« Militärpolitik an und erklärt, man habe endlich den Eindruck, von einem Manne regiert zu werden, der den Problemen in vollem Umfang in» Auge sehe.
Der „Secolo" für Beantwortung des Brest-Litowsker Vorschlags.
W. T.-B. Bern, 2. Ion. (Drahtbsr-cht.) Zu den Verhandlungen in Brest-Litowsk schreib! der „Secolo": Czernin s Vorschläge verlangten eine prompte Antwort, die übrigens nicht schwer zu geben sei, aber erfolaen müsse, um bei den Völkern nicht den Verdacht der Schwäche oder Angst oder Ambitionen aufkommen zu lassen, die nicht eingenommen werden dürften. Es gelte offen, die Gründe und Zieledes Krieges zu bestätigen. Die leidenden Völker müßten erfahren, daß die Entente keinen Tag länger Krieg führen werde, als es zur Erreichung der gemeinsamen Ziele notwen» dig sei.
Ein Protest der englischen Arbeiterpartei.
— Berlin, 2. Jga. (zb.) Wie dem „Vorwärts" au» Stockholm berichtet wird, ließ dis englffche Arbeiterpartei dem bolschewistischen Auslandsvertreter in Stockholm, Worowski, eine für die russische dtcgierung besttmmte P rote ftdepeschc gegen den Abschirß eines Sonderfriedens zugehen. Der Übermittler des Protestes fragte zugleich an, ob die russische Regierung bereit wäre, den Feie« t^ntzschlutz so lange zu vertagen, dir eine inttzL»
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