llllZbtf'
12 Ausgaben.
Bon
Fernruf:
„TagbkrkihLuS" Nr. 6650-63.
8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntag».
Tlnzeigen-PreiS für die Zeile: SS Ug. für örtlidic Anzeigen; 85 P!g. für auswärtige Anzeigen: 1 2'> 'JJif für ‘ ■> fj\ ClU* f,T« .'. u . u QU«: ..„4...
Mk. für äruiche Reklame»; r.6> MI. für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Ausnahme unver- Lndener Anzeigen in kurzen Zwinden-äumen entivrechender Nachlaß - Aiizcigen-Annahmc: Kür die Abend-Autgabe bis IS Ubr miliaas; sür die Morgen-Ausgabe bis 8 Uor nachmittags. — Kür die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenea Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagdlatts: Berlin W„ Potsdamer Str. 121 K. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 1. * 66. Jahrgang.
An unsere Leser!
Dar ständige Anwachsen aller Papier- und Druckkosten. sowie ^ie Lohnerhöhungen haben den Zeitungs- betrreb in einer Weise belastet, daß wir. wie die große Mehrzahl der deutschen Tageszeitungen, uns zur Schaffung eines Ausgleichs und soinit zur
Erhöhung des Bezugspreises des Wiesbadener Tagblatts
gezwungen sehen.
Das „Wiesbadener Tagblatt" wird daher vom 1. Januar 1016 ab in Wiesbaden:
1.2« Mk. für dcrr Monar
<25 Psg. Trägerlohn, 10 Pfg. Ausgabestellengebühr),
3.6« Mk. für das Merteljahr '
.< <75 Pfg. TrLgerlohn, 30 Psg. Ausgabestellengebühr),
durch die Post bezogen:
Mk. für den Monat,
4.63 Mk. für das Vierteljahr,
(die Zustellungsgebühren bleiben unverändert)
*ör beide Ausgaben kosten.
Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Leser die Gründe unserer durch die Verhältnisse gebotenen Maßnahme würdigen und dem „Wiesbadener Tagblatt" die alte Treue bewahren werden.
Der Verlag.
Oer Weltkrieg 1914 18.
Wir werden uns nun auch an diese neue Bezeichnung des Weltkrieges gewöhnen müssen, wie wir uns daran gewöhnt haben, daß aus dem Weltkrieg 1814 zuerst 1914/15 und dann 1914/16 und 1914/17 wurde. Aber wir dürfen uns wohl, ohne der Schönfärberei und des Optimismus bezichtigt zu werden, der sicheren Zuversicht hingebeu, daß der fünfte Titel „Weltkrieg 1914/18" nunmehr sein dauernder bleiben, daß er mit diesem in die Weltgeschichte eilig.'zeichnet werden wird, die sich für unsere Gegner als das W e i t- g e r i ch t erweisen wird, ja, doch eigentlich schon erwiesen hat.
Weshalb sollten wir es leugnen, daß alle militärischen Fachmänner sich in schweren Jrrtürnern beiveat haben, als sie den Sah verkündeten, daß den modernen Kriegen eine längere Dauer nicht mehr beschreden sein könne. Aber noch weit mehr haben unsere Gegner mit ihren Voraussagungen Schiffbruch erlit- te n, daß Delktschland den Krieg nicht ein halbes Jahr aushalten werde, daß die indischen Lanzenreiter sich schon binnen wenigen, Monaten mit den russischen Kosaken ein Stelldichein in Berlin geben würden, daß die deutsche Flotte bald ans deni Grunde des Meeres ruhen würde. Alle diese Pläne sind zuschanden gcwor- den durch „dad zähe Durchhalten, die unerschütterliche Tapferkeit unserer todesmutigen TrAppen", um die Worte des Kaisers in seinem Dank an das Kriegsministerium wie an die Heimat zu gebrauchen.
Nicht Deutschland, sondern das russische Riesen re ich. auf das die Westmächte ihre stärksten Hoffnungen setzten, ist zusammengebrochen, hat sich zum Abschluß eines Waffenstillstandes und zur Einleitung von Friedensverhandlun- a - ” "ezwnnaen oeseben. Und zu'ammenqebrochsn sind endlich auch die immer wieder erneuerten, blutigen Offensiven der Franzosen wie dcr Eng- lautier, deren erbitterter K ;it£f um die flandrische U-Bootsbasis mit schweren, r rlustreich'kn Niederlagen geendet hat, während Tonne auf Tonne englischen Schiffsraums und kmmit Britanniens Lebenskraft unseren U-Booten zum Opfer fällt.
Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe? Noch ist es in frischer Erinnerung, wie der Treubruch der verräterischen Italiener, die Entscheidung in dem Weltkrieg bringen sollte. Schon hatte man einen Minister für die z n ero bern den Provinzen ernannt: heute wäre einer für die verlorenen Provinzen mehr am Platze. In Roin ist soeben ein Schriftsteller, der Deutschland als unüberwindlich bezeichnet hatte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden.
Aber wenn man alle Italiener, die sich zu diesem Glauben bekehrt haben, hinter Schoß und Riegel setzen wollte, dann müßte man die Kasernen ausräumen. Und in Rumänien konnte der konservative Führer Marahi- loman die Regierung, welche verräterischerwette den Krieg gegen die Mittelmächte verkündet hatte, als verbrecherisch bezeichnen, ohne daß ihn jemand mit Gefängnisstrafe bedrohen kann.
„Welche Wendung durch Gottes Fügung", wenn wir die militärischen Erfolge des verflossenen Jahres betrachten, das dem der Großmut des Siegers entsprungenen Friedensangebot Deutschlands und seiner Verbündeten folgte! 4 7500 Quadratkilometer haben wir im Jahre 1917 zu den gewaltigen Faustpfändern, die wir schon besessen, errungen, rund eine halbe Million Gefangene haben wir gemacht, über 4000 Geschütze erbeutet, und nahezu 1 0 M ' f i o n e n Tonnen feindlichen Schiffs- r ^ . m haben unsere Unterseeboote in diesem Jahre gewaltiger Erfolge versenkt, in diesem Jahre, das uns zu Lande wie zu Wasser Sieg auf Sieg brachte, das die Unriberwindlichkeit und ungebrochene Schlagkraft unseres Heeres aufs neue der staunenden Welt kundgab und das dirrch die angemaßte britische Seeherrschaft für immer einen Strich machte.
Gewiß sollen wir uns auch nicht verhehlen, welche Opfer uns das Jahr 1917 wie der Weltkrieg überhaupt . auferlegten und anferlegen. Doch wir haben jetzt die Sicherheit, daß alle diese Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Es ist, wie der Kaiser in seiner Ansprache an die zweite Arme gesagt bat, „wie eine Witterung von Morgenluft, die durch die Gemüter ging". Heute haben wir die Gewißheit, daß das am Schluß des zu Ende gegangenen Jahres gepflanzte Friedensreis sich im neuen Jahre zu voller Blüte entfalten, daß es uns den deutschen Sieg, den deutschenFrieden bringen und daß sich über kurz oder lang erfüllen werde, was der Dichter Grillparzer in seinem Drama König Ottokars „Glück und Ende" den dentschen Kaiser Rudolf von Habsburg prophetisch verkünden läßt:
„Wir steb'n am Eingang einer neuen Zeit,
Der Bauer folgt in Frieden seinem Pflug,
Es rührt sich in der Stadt der fleiß'ge Bürger, Gewerb und Innung hebt das Haupt empor.
Und raschen Schrittes strebe die muntre Hansa Nach Nord und Ost um Handel und Gewinn."
Oie militärische Lage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
1« Berlin, 81. Dez. (Eig. Drahtbericht zb.) D.:S Dezember-Ergebnis der Mittelmächte — 44000 Gefangene. 243 Geschütze, 931 Dsaschmengewehre und 85 Minen- dazu ein eurofuisicher Gelän.dezewinu von 16 t QuadratkAameter — zeigt auf» deutlichste das militari- säe Übergewicht, das wir gegen unsere Feinde gewonnen Haben, die im gleichen Monat nur 1027 Gefangen». 2 Geschütze und 23 Maschinengewehre, in Europa keinen Ge- Awdegewinn verzeichnen. Die bei C a m b r a, gestern gemachten englischen Gegangenen sind in obigen Zahlen noch nicht eingerechnet, ebenso fehlt das abschließende Ergebnis des eng. loschen Erfolgs in Palästina. Gut vorbereitet durch Geschütz- und Minemv-riertäiigleit gelang unser Unternehmen südlich M a r c oi n g ES brachte uns in den Besitz feindlicher Gräben in beträchtlicher Ausdehnung. Auch nördlich La Baauerie bemächt'gten wir uns eines großen Stücks der vorderen femdlichcn Gräben, von denen ein Teil bei dem eng. lsichen Gagenitoß wieder aufgegeben werden «rußte. Fast 400 Briten wurden als Gerangene abgeführt.
Von der östlichen Front nichts Wesentliches. Man hört Sprengungen der russischen Stellungen.
Aus dem mazedonischen Kriegsschauplatz am Wandar verstärktes Geschützfeuer.
An -der ital-eniscken Front ivechrt sich der Feind zw sichen Piave und Brenta verzweifelt, konnte uns jedoch rühts von uns-rem Gewinn rauben. Nur cm Monte Tomba. wo die Franzosen ihr Artilleriefeuer gestern nachmittag bis zum Trommelfeuer steigerten, und wo sie starke Insanteoiemassen. sowie 20 bis 30 Flugzeuge zum Kamps ansctzten, gälingte der Feind bis in die österreichischen Stellungen; dort ist die Schlacht noch im Gange.
In Palästina haben nach beträchtlichen türkischen Teilerfolgen die Engländer erneut scharf angegriffen, über den Verlauf der dortigen Kämpfe liegen noch.keine direkten Mitteilungen vor. da die telegraphischen Verbindungen er» sebwer: si nd.
«
Umgruppierungen an der feindlichen Westfront.
_ — Berlin, 31 Dez. Hinter der englisch-französischen Front im Westen haben, wie die Blätter melden, die Umgruppierungen der verbündeten Heere begonnen. Aus diesem Grunde fei auch die Frontreise der französischen Parlamentarier bis zum 6. Februar verschoben worden.
Keujahttgrutz de; llaiser;.
5ln das deutsche Heer und die deutsche Marine!
Ein Jahr schwerer bedeutungsvoller Kämpfe ist zu Ende gegangen.
Die gewaltigen Schlachten, die vom Frühjahr bis zum Herbst auf belgischer und französischer Erde tobten, sind zn- gunsten Eurer ruhmreichen Waffen entschicdrn. Im Osten' braute der Angriffsgeist unseres Heeres durch wuchtige Schläge großen Erfolg. Jetzt ruhen dort die Waffen. Glänzende Siege vernichteten in wenigen Tagen jahrelange Aw- griffsrüstungen der Italiener.
Im Zusammenwirken mit der Armee hat meine Flotte aufs neue bei kühnen Unternchmungrn ihre Tatkraft de. wiesen. Unbeirrt leisten die Unterseeboote ihre schwere wirkungsvolle Arbeit.
Voll Stolz und Bewunderung blicken wir anf die Helden- mutige Schar unserer Schutztruppe.
So hat das deutsche Volk in Waffen überall zu Lande unk, zu Kaffer (Gewaltiges errungen. Aber noch hoffen unff.rt Feinde, mit Hilfe neuer Bundesgenossen Euch zu schlüge» und dann für immer Deutschlands in harter Arbeit erkämpft« Weitst ellung zv zertrümmern. Es wird ihnen nicht gelingen^ Jm Vertrauen auf unsere gerechte Sache und uusere Kraft sehen wir mit festrr Zuv e rsicht und stählerne« Willen aus LaS Jahr 1918.
Darum vorwärts mit Gott zu neuen Tate», und neuen Siegen!
Großes Hanptguarrier, 31. Dezember 1917.
(Bez.) Wilhelm I. K.
(Eine Jahresabrechnung für 1917.
So unangenehm die am Morgen des 24. Dezember rri Deutschland bekannt gewordene Nachricht von der Versenkung dreier englischer Zerstörer kür die Briten auch gewesen sein mag so erfreulich war diese Botschaft am Weihnachtstage für r nS, die wir hieraus eine neue Eintragung auf deu Posten .Kricgssckiffsverlujte unserer Feinde im Jahre 1917“ machen können Eist Mitte Dezember erfuhren wir bei der Verjerr- kung des französischen Kreuzers „Chateau Renault“, daß damit die Gesamtverluste unserer Feil.-de an Kriegsschiffen seit dem 1. August 1914 auf überein« Million Tonnen Waffervecdrängung angewachsvn sind. Ohne die fetzt in den Hoofden, der holländischen Buchst der Nordsee, lernichteten niei Zerstörer betragen bie Kriegsverluste unserer Gegner im letzten Jahre 196 000 Tonnen. Davon entrollen anf England 97 655, Tonnen, Frankreich 37 t?2fc’ Tonnen. Rußland 34 380 Tonnen, Japan 17 050 Tonne:: uäbrend sich der Rest aus Italien, Portugal. Rumänien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika verteilt.
Neben den vielen vernichteten kleineren Eürheiteri. wr, Zerstörern, Torpedobooten, Nnterseebootsjägern, Kanonen booten, Hilfskreuzern usw. haben unsere Feinde eine eikleck ttche Auxc hl von größeren Schissen eingebüßr, wie aus folgender Verlustliste hervorgeht' Zwei Großkampfschiffe, „Van- guaid“ (englisch) 19 600 Tonnen. „Danton“ (französisch) 400 Tonnen f drei Linienschiffe, „CornwalliS“ (englisch) 14 206 Tonnen, „Peresvjet' lrussisch, 11 900 Tonnen, „Slava" (russisch) 14 600 Tonnenf drei Panzerkreuzer, „Drake“ (englisch) :4 300 Tonnen. „Kleber" (französisch) 7700 Tonnen , Tsukuba' ijavanisch) 14 009 Tonnen. Außerdem fielen dev Torpedos unserer li^terseebaote fünf geschützte Kreuzer zum Llffer von denen „Ariadne“ (englisch) mit 11150 Tonnen und „Cbnieau Renault" mit 8000 Tonnen au der Spitze. nia: schieren.
Mitbin hoben die feindlichen Kriegsflotten -einen Jahres- Verlust für 1917 van insgesamt 13 Linienschiffen und Kreuzen zu lucheu. Dieses Ergebnis wiegt um so schwerer, wenn man £ cttr.fi, daß die deutsche Kriegsflotte im vergangenen Jahr nicht ein einziges größeres Schiff über 1500 Tt nnen eingebüßt hat.
Die britische Kdmiralitfft gibt den Verlust von drei TorpedojSaern zu.
Sr. Rotterdam, 81. Dez. Die englische Admiralität teilt mit: I» der Nacht auf Leu 2-2. Dezember liefen drei britische Torpe.'wjäger an der holländischen Küste bei nebligem Wette» auf Mmen oder sie wurden torpediert. 13 Offiziere und 180 Mann kamen dabei umL Leben.
Ein englischer Dampfer verloren.
IV. 1.-2. London, 31. Dez. (Dcahtbericht.) Der Dampfen „General“ der Steam Navigation Company, der von Rotterdam nach London unterwegs war. ist in der Nacht zuw Samstag gcscheitert. Er brach im Sturm in zwei Teile/ Ein Rettungsboot aus Walton on the Nrce (Essex) rettete unter großen Schwierigkeiien alle an Bord befindlichen 56 Passagiere. meist Frauen und Kinder, und die. 32 Mann starktz Besatzung.
