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Verlag Langgasse 21

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wöchentlich

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Montag, 24. Dezember 1917.

Kbenö-Kusgabe.

Uv, 650. ♦ 65. Jahrgang.

A rfer v'ertez Ar!eg§we!hnachten!

„Und in den Dörfern traut und sackt, da läuten heut Hur Welt hinieden die Weihnachtsglocken durch die Nacht ihr Wunderlied vom ew'gen Frieden." Klingt das nicht wie ein Märchen ans der guten, alten Zeit mit dem Motto: „Es war einmal." Dürfen wir uns Wundern, daß das verheißunasvolle Weihnachtslied vom ewigen Frieden verstummt ist, wo doch die Glocken selbst, die cs einst verkü.ndeten, sich heute in den Kriegsdienst gestellt Haben und mit ihrem ehernen Munde, der „Frede dieser Stadt bedeuten" sollte, den Donner der Geschütze verstärken? Aber wenn wir das Fest des Friedens zum vierten Male im Zeichen des Krieges, des mannermor» dend-en, die Werte der Kultur brutal vernichtenden ^Weltkrieges begehen, so wissen wir uns frei von 'der Schuld daran, können wir mit gutem Ge­wissen die Verantwortung dafür aut unsere Gegner ab­wälzen. Wir haben getan, was unser Gewissen uns gebot, und was in unseren Kräften stand. Unmittelbar 'vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1916 war es, als !die Mittelmächte, „getragen von dem Bewußtsein ihrer .militärischen und wirtschaftlichen Kraft" an die Alliier­ten die Aufforderung richteten, „dem Kamps ein Ende -zu bereiten und alsbald in Friedensverhandlungen rn- jautreien" . Aber das der Großmut des Siegers erst- sprinaende Friedensangebot wurde mit Hohn 'Und Spott z u r ü ck g e w i e s e n, ebenso wie unsere jGeaner in schroffem Gegensatz zu dem versöhnlichen Verhalten der Mittelmächten den Fr i e d e n s a p p e 11 des Papstes an die Staatsoberhäupter nicht ein­mal einer Antwort würdigten.

Also uns trifft die Schuld nicht, wenn die Vot- schaff, die «nS seit mehr denn 1900 Jabrcn „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" kündet, auch an diesem Weihnachtsfeste in io schroffem Wider­spruch zu den Geschehnissen steht. Und doch! Hören wir nicht, wenn auch noch leise und zaghaft, aber schon verheißungsvoll die Klänge d'U Wunderliedes vom ewigen Frieden zu uns hinüberdringen? Ist doch auf Grund der glänzenden Erfolge unserer Waffen mit demjenigen unserer Gegner, der als der militärisch stärkste galt, mit Rußland, ein Waffen­stillstand abgeschlossen worden, der die Einleitung zu einem „dauerhaften, für alle Teile ehrenvollen Frie­den" bilden soll. Und, klingt es nickt wie Musik in untere Obren, wenn wir in diesem Waffenstillstonds- vertraae znm ersten. Male seit langen Jahren wieder die Worte Zivilisation und Kultur vernehmen, wenn wir die schöne Botschaft hören: „Um die Friedens- Verhandlungen zu fördern und die der Zivi­lisation durch den Krieg geschlagenen Wunden so schnell wie möglich zu heilen, sollen Maß­nahmen zur Wiederherstellung, der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den vertrag­schließenden Parteien getroffen werden."

Vertrag, Kultur, Zivilisation! „Drei Worte nenn' sch euch inhaltsschwer", an deren Klang wir unser Obr wnasam wieder gewöhnen müssen. Denn mag uns noch Schweres hevorstehen, sind uns angesichts des noch immer nicht gebrochenen Vernichtiinsgwilsens unserer Gegner im Westen guck noch,harte Kämpfe be- schteden. so dürfen wir doch die glänzenden Waffen­erfolge dieses Jahres und den Abfall Rußlands aus der Pbalanr unserer Gegner als P f a n,d für den 'vielleicht nicht mehr so fernen Endsiegs, für einen ehrenvollen, unseres Vaterlandes Gegenwart und Zukunft sichernden Frieden nehmen.

Denn die Hoffnung auf Sieg scheinen unsere Gegner trotz aller ibrer Prahlereien endaültia ansgegeben zu .haben, und deshalb vertrösten die feindlichen Staats­männer isire irnnwr krieasmüder und unwilliger wer­denden Völker mit der eitlen Hoffnung darauf, daß es uns Deutschen rum Schluß doch an dem Willen und >an der Kraft fehlen werde, a u s z u h a l t e n und d u r ch z n h a l t e n bis z„ dem für uns siegreichen, für untere Feinde bitteren Ende. Wahrlich, schon, daß eine wlche Spekulation ans unsere Schwäche nur möglich ist. sollte uns mit Erbitterung erfüllen, uns doppelt anspocnen, die Verleumder Lugen zu strafen.

Weihnachten ist das Fest der Wünsche. In diesem vierten Kriegssabve haben wir noch mehr als früher zurückstellen müssen Aber ein Wunsch soll in uns lebendig sein, mit einem Wunsche wollen wir uns alle erfüllen, mit dem Wunsche, daß uns der Wille und die Kraff verliehen werde, es hier daheim im Au sh a r ren sind Durchhalten dienen gleich zu tun, die da draußen für uns kämpfen, für uns, für unser teures deutsches Vaterland ibr Leben einseben,, weil ihnen höher als dieses die Pflicht gilt. Wenn wir uns mit ihrem vaterländischen Pflichtbewußt­sein erfüllen, dann wird uns auch der endgültige Triumph über alle unsere Gegner nicht versagt bleiben, und dann werden für die Kämpfe, die wir hinter uns

haben, wie für jene, die uns noch bevorstehen, die ver­heißungsvollen Worte gelten, die der Soldatendichter Heinrich Lersch gesungen hat:

„Heute ist uns dieses Schlachtenfeld eines großen Volkes Schmiede.

Und in Glnt und Blut und Feuer schasst es Einheit, Kraft und Friede."

Lin Lsitspruch ksindenburgs.

W. T.-R. Berlin, 23. Dez. Bon einer Anzahl Zeitungen darum gebeten, stellt der Gsnero.lfeldmarschc.ll HrndenLurg allen folgenden Leichspruch für die WeihnachtSnummer zur Versüquing:

Der Segen Gottes richte 1817 auf unseren Waffen. Er wird 1913 unsere gerechte Sache Zu einem gu^en Ende führen!

Großes Hauptquartier. 24. Dezember 1917.

v. Hinidenburg, Gener-ciilfekdMarschall.

Ein nruer wichtiger Fortschritt zwischen Asiago und Brenta!

Bisher mehr wie 6000 Gefangen».

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Dez. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz

In Verbindung mit Erkundungsgefcchten lebte die Artillerietiitigkeit in einzelnen Abschnitten auf.

Gesteigertes Feuer hielt tagsüber auf dem ö st - lichen Maasufer an.

östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neucs.

Mazedonische Front.

Ein feindlicher B o r st o h gegen bulgarische Stellungen nördlich vom Toiranfee scheiterte.

In der Str umgebene rege Borfeldtätigkeit.

Italienische Front.

Zwischen Asiago und Brenta haben die Truppen des Feldmarschalls Eonrad den Col di Resso und die westlich und östlich anschließenden Höhen erstürmt.

Bisher wurden mehr als 6909 Gefangene eingrbracht.

Der Erste Genrralquartiecmrister: Ludendorff.

•

Der Tagesbericht vom 23. Dezember.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Dez. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.

Vom Blankaartsee bis zur Denke hielt lebhaftes Artillerieseuer bis zur Dunkelheit an. Bon einem an der Bahn Boesinghe-Staden dnrchgeführten Unternehmen wurden 39 Engländer gefangen eingebracht.

Beiderseits der Sca rpe und südlich von St. Quentin entwickelte sich am Nach uittag rege Frnertätigkeit. Zahlreiche erfolgreiche ErkundunKsgefechte zwischen ArraS und St. Quentin.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

- Zu beiden Seiten dex M a a « nahm in den Abendstunden das Artillerieseuer z«. * f

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Die tagsüber in vielen Abschnitten sehr starke Flieger­tätigkeit blieb auch bei mondheller Rächt rege. S Heer« eß, Dover, Dünkirchen sowie Bahnanlagen und Munitions­lager hinter der englische» und französischen Front wurden kräftig mit Bomben belegt.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Mazedonische Front

Die Grsechtstütigkeit blieb gering.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Ein Vorstoß der Italiener gegen die Höhen westlich vom M »«t e A s o l o n e scheiterte.

Der Eiste Genctalquartiermeister: Lubendorff.

Die Kdiniralftabsmeldungen.

W. T.-B. Berlin, 22. Dez. (Amtlich.) Neue U-BootS- erfcklge im Sperrgebiet um England:

20 000 Brnttsregistertonnrn.

Unter den verseiften Schiffen befand sich ein Voltschiff vr>n über 2 000 Tonnen, das mit Stahl, Tabak und Holz nmh^Frankreich unterwegs war, sowie zwei größer« be­waffnete Dampfer. Einer der Dampfer wurde aus einem durch Kreuzer, Zerstörer und Mchdampfer stark ge­sicherten Gelettzug herausgeschossen.

Ter Chef bes AdmirelstabS der Marine.

. W. T.-B. Berlin, 23. Dez. (Amtlich.) In den Hoof- den, im Ärmelkanal und in der irischen See wurden durch unsere U-Boote vier Dampfer und das eng» Itldbe Flschersah rzeug „Forward" vernichtet.

Einer der versenkten Dampfer wurde aus einem durch kleine Kreuzer, Zerstörer und bewaffnete Fischdampfer stark gesicherten und daher vermutlich besonders wertvollen Geleitzug beraußgeschossen. Unter den übrigen vernichteten Dampfern befanden sich die eng­lischen beladenen Dampfer „Euphorbia" und „Rydal Hall".

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Drei englische Torpedobootszerstörer torp-diert?

W. T.-B. Hock van Holland, 23. Dez. (Meldung der Niederländischen Telegraphen-Aaentur.) Drei englische TorpedobnotSzerstörer sind in der Nähe des M a a s- l k u ch t s ch i f f e s torpediert worden. Einzelheiten fehlen.

Ein Hilfskreuzer im irischen Kanal torpediert.

T.-B. London, 22. Dez. (Reuter.) Die Admira­lität teilt mit: Der bewaffnete Wohndampfer „Stephan Furneß" wurde von einem deutschen U-Boot im irischen Kanal torpediert und versenkt. 6 Offiziere und 9 5 Mannkamenum.

(Es scheint eine U-Bootsfalle oder ein Hilfskreuzer gewesen zu sein. Schriftl.)

Caillaux der eigentliche Sieger,

Br. Genf, 24. Dez. (Eig. Dcahtberichr. zb.) Aus der großen parlamentarischen Szene im Palais Bourbon geht Caillaux moralisch als Sieger hervor. Während Caillaux sich mit gemessener und leidenschaft- loser Stimme verteidigte, niußte Elemenceau auf der M i n i st e r b a n k mehr das Bild des A n g e- klagten als des Anklägers geboten haben. Wäh­rend der zweieinhalbstündigen Rede Caillaux' hörte man nicht das geringste Zeichen des Widerspruchs. Die ganze Rechte schweift fast gedrückt. Caillaux beginnt: Mejn.c Rede Mrd ein einziger E n t r ü st u n g s s ch r e i sein. Mit der ganzen Kraft meiner Seele erhebe ich Protest. Caillaux zerpflückt die ganze Anklage. Erst als er auf das beispiellose Verhalten der französischen Botschaft in Rom zu sprechen kommt, wird Caillaux etwas leidenschaftlicher. Ec versichert nochmals feier­lich, die Behaiiptung der Anklage, er habe in einem Ge­spräch mit dem italienischen Kriegsminister Martini Propaganda für die Sprengung der Entente und für die Opferung Serbiens und Rumäniens gemacht, sei einfach eine Lüge. Briand erhebt sich und sagt unter allgemeiner Bewegung in einer kurzen Zwischenbemer­kung, er habe in Rom Martini über sein Gespräch mit Caillaux zur Rede gestellt. Martini bestätigte, vonRumä- nien und Serbien sei in jener Unterhaltung mit Caillaux nicht die Rede gewesen. Caillaux geht zum Angriff über. Er wendet sich scharf gegen Elemenceau und schildert seine eigene Politik als Ministerpräsident. Ich soll ein Bündnis mit Deutschland gewollt haben. Nein, um,, das ist nicht wahr. Ein Bündnis mit Deutschland ist solange unmöglich, als die elsaß­lot h ri ngif d)e Frage ungelöst bleibt. Wahr ist, daß ich Tag für Tag durch die Verständigung mit anderen Nachbarn den Frieden sicherte. Diese Politik haben die Ereignsse des Jahres 1914 über den Haufen geworfen. Dann entwickelte Caillaux seine Anschauungen in der Friedens frage. Ist es Verrat, sagte er, an den Frieden zu denken, ist es Verrat, der Meinung zu sein, daß es neben der militärischen auch diplomatische Lösung gibt, ja, daß die diPlomatischenLösungen oft vor- teilhafter und wirksamer sind als die des Schwertes. Gewiß, ich und die Meinen, die hinter mir stehen, wollen nicht jeden Frieden, wir wollen, daß die Alliierten die Wilsonsche Friedens forme! auf ihre Fahnen schreiben, anstatt ungewisse und veränder­liche Kriegszielp zu verfolgen. Frankreich niuß groß und stark bleiben und darum verdient es ange­sichts seiner schwachen Bevölkerung und seiner wirtschaft­lichen Schwächung doppelte Schonung und dop­pelte Sorgfalt. Diese Überzeugung bat man durch das verächtliche Wort „Defaitismus" brandmarken wollen. Bei uns beginnt sich ein gefährlicher Geistes­zustand zu entwickeln, das Dogma eines starren eng­herzigen Fanatismus. Lieber möchte ich Verräter und Defaitist heißen, lieber eure Gerichte und Ketten als meine geistige Freiheit vor dieser Papstreligion # beugen. Renandel ruft hier dazwischen: „Im Namer

dieser Papstreligion hat man Jaurtzs ermordet." Hi ei beugt sich Caillaux zur Minisrerbairt: Herr Minister­präsident! Ich erinnere Sie daran, daß auch Sie ein­mal wegen Ihrer politischen Gesinnung wie ich gehetzt worden bin, wie ein wildes Tier. Ich erinnere Sie an die Anklage Nortons, Sie seien an England verkauft. Wollen Sie wirklich gegen mich das gleiche Unrecht wie* derbolen, wollen Sie wirklich eine neue DreyfuS- Affäre schaffen? Vor der Geschichte ruht auf Ihnen die Verantwortung. Brauche ich noch einmal meine litt*