Einzelbild herunterladen
 

WeitznachLs-Abenö.

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, D.r Kinder denkend, de ich ließ zu Haus.

We huachtcn war's. D rch alle Gassen scholl Dar Kinderji.b,! und des Markts Gebraus.

Nur von dem Treppenste'n. worauf es saß. Noch immer bört' ich. mühsam wie es schien: „Kauft, lieber Herr!" d n Ruf ohn' Unterlaß. Doch hat wohl keiner ihm Gehör verlieh'n.

Und wie dr Menshcnstrom m ch fwigspült,

Tr nq m r ein h.is r St mmch n t i das Ohr:

„K ft li ber Her !' Ein mageres H ndchen hielt Fe.lb.et.nd mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schreck em'or. und beim Latcrnenschein Sah ich ein ble ch s Kind rang sicht,

W s Alters und Geschlechts es mochte sein, Erk..nnt ich im Vorüber,reib.n nicht.

Und ich? War's Ungeschick, war es die Scham, Au: W g zu Hände n mit dem Bettelkind?

Eh' meine Heno zu me n r Börse kam.

Verscholl das Stimmten h.nter mir im Wind.

Doch a's ich endlich war mit inir allein,

Erfaßte m ch die A tgst im He z n so,

A s s ß m in eigen Kind aus fit m Stein Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm.

Stille Zeit.

Bon F. Schrönghamer-Heimda

Seit acht Tagen liegt der erste Schnee und gebt auch nicht mehr weg. Es scheint, es wird ein richtiger Kriegs­winter. denn es stürmt und schneit in einem Trnmm. Kein Büscherl Gras sieht mehr auf den Pointen und der Steinacker schaut auch schon weiß zum Fenster herein. Die Mutter aber schaut zum Fenster hinaus.

Neulich ist der Postbote dagewesen und da hat sie ihn gefragt: „Wozua liegt denn eigentli' dös Frankreich ?"

Sagt der Postbote: „über 'n Stoanackcr und 'n Daxstoa hin muaß 's lieg'n, dös Frankreich."

Und seitdem schaut halt die Mutter alleweil über den Steinacker und den Darstein hin. Ist kein Wunder, wenn eins drei Buben im Feld hat, alle drei in Frankreich. Und der Mann von der Agnes, der Schwiegersohn, hat auch sortmüssen nach Straßburg. Der Leni den ihren haben sie bei der letzten Musterung noch frei gelassen, aber wie inan hört, nehmen sie jetzt alle. So weit ist er ja gesund» der Leni der ihre, bloß einen steifen Finger hat er an der linken Hand. Wenn sie den auch noch vacken, dann sind flink Buben im Feld, die zum Haus gehören. Das ist keine Kleinigkeit für eine Mutter.

Draußen stürmt und wachelt es, aber in der Stube ist es schön warm. Der Kachelofen hält die Wärme gut und wenn sie Nachlassen will, legt man einen Buchenstrunk nach. Denn am Holz hat man keine Not im Wald, das braucht man nicht zu sparen. Um den Kachelofen herum sitzen die Dirndeln mit ihren Spinnrädern, die Mutter strickt am Fenster Wintersocken für die Buben, und weil sie das Stricken schon auswendig kann, schaut sie halt wieder zum Inster hinaus. Frankreich zu.

„Wie 's nur so schneib'n ko'!" wundert sich das Nachbur­dirndl, das auf der Rockenreise da ist.

„Gottlob, daß ma' mit der Arbat dranßen sckio' firti is. Is eh' a Wunder, daß ma' all's so schö' hoambracht hat — und ohne Mannerlcut'!"

„Wahr is 's!" sagt das Dirndl. „Hat ma' alleweil z'moant, was dös wer'n wird, wenn d' Mannerleut' all' urt san, und jetzt is d' Sach' do' hoamkemma. Recht chö' aa no."

„Ja. all's geht in Gott's Nam'! Unser Herrgott und

die Liabe Frau machen all's wieder recht. Dös Hab' i

mir scho' oft denkt. Wer'n do' d' Buam aa wieder hoam­

kemma. mei' Liabe Frau! Tag und Nacht bet' i, daß koan' nix passiert. Dös is mei' oanziger Trost jetzt, 's Beten. I moan' alleweil, beten wenn ma' net könnt', müßt' ma' eh' verzweifeln."

Sagt d e Agnes: „Die kriaa'n amal a schöne Himmel­fahrt, die den Krieg auf 'm G'wissen hab'n!"

Sagt die Fanni: „Mei', wenn i nur g'rad' aa a Bua war'!"

Sagt die Mutter: „Geh' du, sei froh, daß d' da sein kannst. Wer taat' uns denn ackern, wenn wir di' net

hätten?"

Jetzt läßt sich das Hüterbübl hören, das hinten in der „Hölle" Holzschuhe nagelt: „Ja, für was bin denn i da? Ich Hab' aa scho' g'ackert, gelt, Fanni?"

„Ja." sagt die Fanni, „und fein kannst es. Bloß tragt di' der Pflug alleweil aus."

Die anderen lachen; j>er Hüterbub', den sie als Knecht eingc.st.llt haben, wirst mit einem Span nach der Fanni: „Gelt, du, bi' fei' stad!" Der Vorwurf, daß er für den Pflug noch zu leicht und gering sei, kränkt seine Jungknecht- ehre „Paßt's nur auf, im auswärts, da mach' i 's alloa!" so prahlt er.

„Muaßt halt fest Knödel essen im Winter, daß tv d' Psluagschwar'n kriagst. Halt' di' nur net auf, mir fuattern dt' scho' außa!" tröstet die Mutter. „Es is scho' so auf der Welt," fährt sie dann fort, „daß ma' net zur Ruah' kimmt. Z'erst hat ma' 'e Kreuz mit 'm Kinderausziahg'n, nacha muaß ma schau'n, daß s' in der Ordnung bleib'n und in nix einiiemma. Bon der Arbat saget' ma gar nix und von dem kloan' Kreuz, das oans alle Tag' hat. Jeyt, wo d' K ndcr g oß san, sag i zum Vätern — am Sonnwend- tng is 's g'wen, — „Vater", sag' i, „jetzt derfe' ma' uns leichtere Tag' auftoa', hab'n uns g'schuud'n und 'plagt g'nua' sei Lebtag." Ja, all's waar' recht guat g'wen, setzt muast der Krieg no' daherkemma."

Wieder ists still in der Stube. Nur die Spinnräder schnurren und die alte Wanduhr tickt.

„Ja", sagt die Mutter weiter, „und derf ma' Gott no' danken, daß s' alle no' so glückli' durchkemma san bis jetzt. Vom G'schwendtnermüller san scho' zwoa g'fall'n, der Konrad und der Engelbert, und drei hat er no' draußen."