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Donnerstag, 20. Dezember 1917.
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Der Tagesbericht vom 2«. Dezember.
W. T.-B. Großes Hauptquartier» 20. Dez. (Amtlich.)
UVeuiiclscr H n ca tu;,
Heeresoruppe firottbrinj Rupprecht.
Die Stadt D > xmuiden lug zeitweilig unter lebhaftem M i n e n fc u e r. Zwischen dem Honthoulster Wald und der Lys sowie sUdlich von der Scarpe am Nach- niittog »nd Abend erhöhte Artillerietätigkeit; bei Len b heftige Minenwerferknmvfe.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz und Herzog Albrccht.
Be,dr>seits von O c n e s uab auf den Maashöhffn, südwestlich von Comb res lebte das Artillerieseuer vorübergehend auf.
kstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts NeueS.
Mazedonische Front.
Am W a rda r und zwischen Wardar und Doiransee war die Feuertütigkeit gesteigert.
Italienische Front.
Mthikache italienische Gegenangriffe gegen die neugewonnenen Linien am Monte Pertica wurden obgewiesen. Am Tompa-Rücken und an der Piave zu beiden Seiten des Montello lebhafte Artillericknmpfc.
Zwischen Brenta und Piave wurden seit dem 11. Dez- an gefangenen Italienern 270 Offiziere und 8150 Mann ringrbracht.
Der Erste Generalanartiecmeister: Ludendorff.
wir und Frankreich.
Kann es in der Welt wohl einen ernsthaften Mengen aeben, der es für möglich hielte, daß C a i l l a n r ein Landesvemäter ist? Kann sich jemand, der noch die Herisckast über leinen Verstand besitzt, auch nur von weitem vorstell"n. daß dieier Staatsmann beabsichtigt haben könnte, sein Vaterland uns zuliebe ins Verderben zu stürzen? Die vollkommene Unsinnigkeit .nnes solchen Gedankens müßte auch den erbittertsten Feinden Caillaux' in Frankreich eine derartige Selbstverständlichkeit sein, daß sie sich vor der ranzen Mensch» bcit zu schämen hätten, wenn sie gleich,«will kalten Blutes die Vorberciinngen zu einem beispiellosen Justiz- ni o r d bet, «eben. Aber sie schämen sich nicht. >ind daß das Verfabren aegen Caillanx einaeleitet worden ist, daß h v st e r i sch e Wutausbrüche ein-e ir rcge- lesteten öffentlichen Meinung den seltsam;n Vorgang mit Gekreisch bealeiten, das ist für uns und für jeden rußigen Beurteiler auch außerhalb Deutschlands die w i ck t i g st e Erscheinung, iinvergleicblich w'chtiger jedenfalls, als es der Prozeß gegen C-ullcmx werden könnte. Denn wenn es zu einem weiteren V-.-fibren kommen s»llt", so würde es entweder mit einer Freisprechung enden, da die Anklage ja gewiß kein? Unterlage hat. oder eine etwa doch kommende Verurteilung ans blinden Haß heraus würde den zweifellos sichren Tatbestand, daß ein Unschuldiger geopfert werden ^oll, nicht im geringsten erschüttern. Auf Enthüllungen also, auf wirkliche Belastungen Caillanx', kann niemand rechnen, und so bl"ibt, wie gesagt, das Bemerkenswerteste an dieser Caillaurhetze eben die Gei st e s- perfassnna des heutigen Frankreichs, diese unheimliche Mischuno von Verzweiflung und wahnsinnig sich steigernder H o f f n u n p aus einen Sieg von dem jede bewnnen' Erwägung den Franzi,sen längst schon sagen muß. daß er. nicht mehr zu erzwingen ist, die Coillaurstiche ist za nicht die cin-ige in der sich die Hysterie unserer Nachbarn jejpt austobt, aber sie bedeutet e>n° Steigerung des fieberbasten Zustandes. Das Friedensbe- d ü r s n i s im Volke muß doch schon weil noraeichritten sein, wenn di- brutalsten U n t e r d - H ck » n g s- mittel angewendet loerden. um lein- Vertiefung zu verhindern. Wir unserer'eits können natürlich nur di? allerdings stark interessierten Zuschauer bei diesen« im-rkwürdigen Vorgang kein, wir bähen uns nichl ;t«na einzubilden, dgb .Herr Caillanx uaiar Freund sei, daß er auf einen Frieden babe hinwirken wollen, der ke,n Land in eine Abhängigkeit von UN? treiben würde. He'-r Caillanx ist sowenig u n s e«- F r e n n d. wie es etwa Lord Lansdowne -st, der ja gerade das enali'ch.kranrösische Bündnis zustande geb-acht hat, oder wie G i o T i 11 1 diesen Nam-n verdient. N»r gerade die erforderlich k l a r e E i n s i ch t in die Wirklichkeit dcr Dinae ist dielen drei Männern geblieb»n. -io», ^en?n d,r C.naländer und der Italiener vielleicht noch die Magli^kei.' erhalten, am Beratnngstikch des Friedens- kvnarl-si'cs zn zeiaen daß in London und in Nom Nnsstik der v-rnünstwen Anpassung «einacht werden si-ll. Wer weiß eb nickst io unwahrscheinlich das rn di-- sein Auaenblick vi'sleben mag, hacr Caillapr noch der d-rittc in dreier Neide sein wird. Zum mindesten kann mr.n sich hei uns nur schwer entschließen, an die dauernde Herrschaft beainn-nde'' Verrücktheit in Frankreich zu glauben. Aber was auch
Kbend-klusgabe.
iinmer unse>-e Nachbarn tun und reden uno schreiben mögen, Elsaß-Lothringen bekommen sie nicht, der Krieg ist für sie verloren, und kein? Opfer, die sie ihrer getäuschten Eigenliebe bringen «nögen, werden ihnen einen Ersatz für ihre gescheiterten räuberischen Begierden verschaffen können.
«
Der Fall Laivaux.
W. T.-B. Paris, 19. Dez. (Dcahtbericht. Agence Havas.) Der Untersuchungsausschuß in Sachen Caillaux hat mit 7 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen den Antrag des Berichterstatters Paysant angenommen, der dahin gebt, die pai lamentarische Immunität für E nllaux und Louselot a u f- zn heben. Der Ausschuß wird in der Kammer eine öffentliche Erörterung der Angelegenheit für Samstag fordern.
Rußland.
Neutrale über den Geist des Vorvertrags in Vrest-L'towsb.
W. T.-B. Amsterdam, 10. Dez. Das „Algemecii Han- delsblad" schreibt über den Waffenstillstand: „Wenn Deutschland und Österreich-Ungarn bei den Verhandlungen mit Rußland eine weise Mäßigung an den Tag legen, kann die Fricdensmöglichkoit nicht län.zer geleugnet werden. Unter den jetzigen Umständen wären Fräedensverhandlungen, die auf die Errichtung eines Völkerbundes, Abrüstung und Schiedsgerichtsbackeit im Sinne des Briefes Lansdownes abzielten, besser als die Knockout-Red;« Llohd Georges. Jetzt ist die Zeit gekommen, um den Völkerbund zu begründen."
„Nieuwe Rotterdamsche Courant" sagt: „Der ganze Vertrag ist von einem Geiste beseelt, aus dem hervorgeht, daß auf beiden Seiten der Wunsch besteht, möglichst rasch zum Frieden zu gelangen. Es sind in dem Vertrage Bestimmungen enthalten, die geeignet sind, sen Wiederbeginn des Kampfes für später unmöglich zu machen. Wenn nicht alle Zeichen trügen, werden die Friedensverhandlungen gelingen."
ver vüreerstrieg.
Br. Berlin, 20. Dez. Aus PaberSburg wird gemeldet: Der Dürgcrlriey breitet sich nun in nördlicher Richtung von Astrachan t-s Samara längs der Wolga aus. Astrachan ist in den Händen der Max-malisten, aber die Kosaken befanden sich bereits gestern 21 Werst von der Stadt entfernt. Die M a x i m a l i st e n sind mit vielen Maschinengewehren ert«> gerüstet, während die Kosaken über leichte Feldgeschütze verfügen. Die Orenbiraer Kwaken rücken gegen Samara vor. Den jüngsten Nachr-chten aus Odessa zufolge haben tie ukrainischen Truppen das Arsenal, das Telegraphen- und Fernsprechamt und die Bahnhöfe besetzt. Die Maximoilisten bshaiten noch den Hafen.
Die Nusrufunc, k»er ustraknllcben Nepnbirft.
Br Rotterdam. 20 Tez. (Cig. Drahtbericht. zb.t Nach einer Renter.Prieoltipksche ent P,t,rsbrrg Kat die Zentrale Rada der Ukraine eine neue Kundgebung ci> da» Bulk der Ukrainer erlnsicn, worin sie die d e m o k r o t i ^ ch e R e p u l l i k der Ukraine o u s - rust, welche zur rnsiischen Bundesrepublik zehören soll. Bis die konstituierenoe Bcriawmlung der Ukraine zuiammengetreten sei, soll die piTarnte Regierung-'gewalt in den Händen dcr Rada und de» Generalsekreiariats dliiden Die Kundgebung erkennt die Grundsätze der Cnieipnung ohne Entschädigung für Privatländereien, Klosterkcsitz und ge Niste Ländereien der Kirche an. Sie wird die Jnterrsten der Laut arl eitel und Kosaken wahrnebmen. Die Kolaken besetzten den ganzen westlichen Teil van W o r o - n es ch.
Die ttriegsdrohung des volstsbeauftragten Rates cegen die „Rada Ukraine".
Bedingungslose Anerkennung der vollständigen Abtrennung der Ukraine.
W. T.-B. Petersburg, 19. Dez. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Im Interesse der Einheit und Brüderlichkeit der :m Kampfe für den Sozialismus bedrückten und ausgebeuteten Missen der Arbeiter und angesichts der Anerkenn,u-g dieser Gcundlätze durch viele Entschließungen der revolutionären Vertretungen der Demokratie der Sowjets bisoi>ders des ersten Kongresses der Sowjets aus ganz Rußland und der sozialistischen Regierung Rußlands, bestätigt der Sowjet der Volksbeauftragten daS Recht oller iurch die Zarenberrschift und das Bürgertnm unter- dri, cklen Völker dos großen Rußland aus eine freie Entwicklung, etnschließlicb ihr Recht, sich von Ruß. l a r t z >r trennen. Daher erkennt der Rat und Sowjet d-e Volksbeai-stragten der Republik des ukrainischen Volkes icwie >br Rocht auf vollständige Trennung von Rußland und auf den Beginn von Verhandlungen mit der rrssckcken Republik über ihre gegenseitige Beziehungen an, soien eS solche eines Bündniffes oder andersartige. Die natioiiaken Reckte und die Unabhängigkeit des ukrainischen Volk-s werden von dem Rat der Volksbeanftragten ohne eine Einschränkung und bedingungslos anerkannt.
„Rada Ukraine" nahm sich heraus, die Truppen des Sowjet, die in der Ukraine standen, zu entwaffnen. Ferner unterstiitzt die R.rda die Verschwörung gegen die Regierung der Sowjets, indem sie sich aus die übrigens nur angeblichen Selbständigkeitsrechte des Don- und Knbangebiets beruft und so die r-volutionSfeindliche Erhebung K a I e d i n s deckt. Indem sie sich sea Jntecrsse» und der Aufforderung
Nr. 644. ♦ 65. Jahrgang.
der ungeheuren Mehcheir der bedrückten Kosaken wtdersetzt» öffnet die Rada den Truppen Kaledins den Weg durch ihre Gebiete, indem sie den anderen Truppen den Durchgang verweigert. und indem sie sich auf die Seite des sckstmpfliclren Verrates schlägt, und sich anschtckt, die schlimmsten Feinde sowohl der Unabhängigkeit der Völker Rußlands als der Regierung der Sowjets, die Feinde der arbeitenden und ausgebeuteten Masten, der Kadetten und der Anhänger KalcdinS, zu unterstützen, würde die Rada uns zwingen, ihr ohne Zögern den Krieg zu erklären, selbst dann, wenn die ukrainische unabhäng',ze bürgerliche Republik bereits von der Vertretung der obersten Staatsgewalt formell anerkannt wäre.
Nunmehr legt der R>it der Volksbeauftrogteu angesichts aller oben angeführten llmftMe den Völkern der ukrainischen und rrrst-sck>en Republik folgende Fragen vor: Wird di« Rada sich verpflichten, auf jeden Versuch, die Front auf« zulösen, zu verzichten? Wird die Rada sich verpflichten, ebne die Chefs der Obersten Heeresleitung keine Truppenteile durchziehen zu lasten, die in dec Richtnng auf den Don, nach dem Ural oder a»d--ron Orten marschieren? Wird die Rada sich verpflichten, jeden Verstich. t ; e Regimenter der Sowjets und dcr Roten «Narbe in der Ukraine zu entwaffnen, e i n 3 ujt e 11 e n, und« wird sie solchen die weggenommmren Waffen - sofort zurück- giber.? Falls nicht binnen 48 Stunden eine zufriedenstellende Antwort gegeben sein sollte, wird der Rat der VolkS- beoufiragtrn die Rada als rm Zustande des offenen 5k r t e g e s gegen die Macht der Sowjets in Rußland und der Ukraine tefindlich ansehen.
Unterschrift: Der Rat der Volksbeauftragten.
Keine Hilfeleistung der Ukraine für Kalrdin.
Di-. Bern, 20. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der rustische Mitarbeiter des Berner „Bund' meldet: Die Petersburger Havasmeldung, wonach die Ukraine dem Kosakengeneral Kaledin ihre Hilfe zugesagt habe, entbehrt jeder Grundlage. Seckst der Kosakengeneral Koropadski will von einem Zusammen zehen mit Kaled-n nichts wissen.
Die Verwirrung der Schwarzmrerflvtte.
»r. Rotterdam, 20. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Telegraph" meldet ans Petersburg, daß die Schwarzmeerflotte augenscheinlich sich in Verwirrung befind«, da sie nicht weiß, wen: sie gehorchen ^oll den aus Petersburg kommenden Befehlen dee Bolschewik» oder denen des ukrainischen Staat" S. Eine Anzahl kl"iner Kriegsschiffe, di« unlängst auf dem Don die Bolichewiki von Rostow unterstützt batten, haben sich zurückgezogen und die Stadt den Kosaken überlasten.
Belohnunsen für die Ergreifung KerenSkiS.
TU. Havaranda, 19. Dez. Auf Kere-nSki wird in St, Petersburg Jagd gemacht. Man verspricht höchste Geldprämien für sc-ne Verhaftung.
vle NZumuny frinnkands.
Stockholm, 19. Deq. A iS HeMnssforS wßrd bestätigt, daß einzelne Abteilungen des russtscken Militärs lieiginnen, Finnland za verkästen. In Bjöneborg sind für die HenrnschinfsuNg von 700 Pferden sowie de? Trostes der dortigen Garnison angeblich 120 russische Eiäem.bahnwaiaen angosawmelt. Der Chef deS Marinem inisteri ums Kapitän Jsranow traf in HelfingsocS e:n, um die D e m 0 b i l i s i e r u n g des >n, KriegShasea Sweaborg liegenden Teils der Flotte vorxunehanen.
Die kldmlralstabsmeldung.
\V. T.-B. Berlin, 20. Dez. (Amtlich.) Eines nuferer U-Boote, Kommandant KapitSnlkiit iant B i e b e g, ha« im Ärmelkanal uuter stärkster feindlicher Gegenwirkung fünf Dampfer mit
23 500 Bruttoregisteetonnen
versenkt, darunter einen bewaffneten, tief beladenen Dampfer «früheren deutschen Dampfer „Armin! a") von 3461 Tonnen, der in einem durch vier Zerstörer gesicherten Gelritzug fuhr. Auch aus einem durch Zerstörer »nd Fischdampfer stark gesicherten Geleiteup wurden zwei tief beladene Dampfer, von denen einer bewaffnet war, hrraiiSgcschossen. DaS gleiche Schicksal ereilte einen größeren bewaffneten stark gesicherten Dampfer von e»wa 5000 Tannen. Außerdem wurde der französische lewaffnete Dampfer „Ango" «7393 Tannen), der, tief beladen, auf dem Wege nach Falmouth angetrosfen wurde, torpediert.
Der Ehrf de-s AdmiralstabS der Marine.
Ein amerikanike^es U-Ooot durch ein deutsches U-Voot «rcramirt,
W. T.-B. Washington» 19. Dez «Reuter.) DaS amerikanische Unterseeboot „F 1" ist am 17. Dezember in de» amerikanischen ««tewästern bei Nebel »on dem U-Boot ,.F 3" gerammt worden. Es sank, und 19 Personen ertranken dabei.
Ein deschSdicter englischer ZrrslSrer in Veraen e ngetroffen.
W. T.-B. Christian!», 20. Dez. «Dcahtbericht,) Ein beschädigter englischer Zerstörer ist »n Baggervik, zwischen Bergen und Hi.ig's md, mit «4 Mann von einem aus dem Geleitzug versenkten englischen Schiff („Cordova") «tnge- trossen.
