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Morgen-kluzgabe.
Donnerstag. 20. Dezember 1917.
Die brstden v rhandlungen ii.it Rußland.
58 on unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 19. Dez. (Eig. Drohtbericht. zb.) Die Fricdensveltinndliinj'.'.'n mit Rußland beiiljättincn einen immer tH’betitenöetcn Regierungsapparat. Auch der frühere Staatssekretär im Neichsamt des Innern ^r. Cternens Delbri-ck. Professor an der Universität Jene., bat sich nach Brest-Litowsk begeben und der frühere Vizekanzler Dr. S) e l f f e r i di ist selbstverständlich olief) nicht ansgcschaltet und bat Unter den Linden ein vorläufig noch wenia gesetzmäßiges Amt für die wirtschaftlichen fragen, die mit dein Friedcnsschluß im Zusammenhang sieben, gegründet. Unter Mitwirkung des trüberen Aiisstellungokommissars in Chicago. Geheimrat Albert. sowie hoben Staatsmännern Deutschlands und der der verbündeten Länder, die sich nach Brest-Litowsk begaben, worden ne lelbstverstünd- lich nicht nur mit untergeordneten Abgesandten der neuen russischen Negierung oerbandeln. Aus Peters- bi'rg wird unter dem 17. Dezember gemeldet: Graf
C z e r n i n und Staatssekretär v. K ü h l m a n n telegraphierten,, daß sie in Brest-Litowsk eintreffen. Sie luden Trotzky sin. dorthin zu kommen, um den allgemeinen Frieden einzuleiten. Jnzwisckgm ist Staatssekretär v. Kiihlmann beute mittags aus dem Großen Haaptanartier wieder in Berlin eingetroffen. Der heutige Tag wird für ihn mit Besprechungen mit den bereits hier weilenden türkischen Fricdens- nnterbändlern ansgefüllt sein, denen zu Ehren der Staatssekretär am Abend ein Essen veranstaltet. Mor- gen folgen die Sitzungen mit den Fraktions- vorsländen des Reichst a g s. Das Pari a» m e n t wird ebensoivenig von den Verhandlungen a u s- ge schalt et. sondern beständig daran beteiligt werden. Denn rnenn der Hauptmisschnß oder der Reichstag selbst sich jetzt in Permanenz erklären wollte, würde die Abwesenheit des Kanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen, die im Hauptguartier-Ost weilen wüsten, dauernde Berbandlunaen doch unmöglich mc.ck>en. Tie Verhandlungen mit den Parteiführern werden rnoraen Klarbe.it in den g r o ß e n R i ck t- l-nien geben, die für den Friedensoertrag in Aussicht genommen sind. Da auf keinen Fall Endgültiges beschlossen werden wird, ohne daß der Reichstag sein Wort dazu gesprochen hat — und hierüber erlanaten wir Gewißheit — so genüat e? uns, dast der AltestenanSfckmß des Reichstags selbst moraen über den Tag der Einberufung beschließen wird, rie bulaatifrt'cn t>ettretc%
W. 7.-B. Berlin, 10. Dez. (£rjfi(f>cricf>t.) Die bulgarische Abordnung für die Friedensverhandlungen in Brest-' LitoN'tk wird bestellen aus deru Iustizwinister Popow als Füluer, dem außerordentlichen Gesandten Kossew, Sto- jonawitsch. dem ersten Sekretär der hiesigen bulgari- schi n Gesandtsckiasi Dr. A n a st u s o w . dem bulgarischen Militärbevollinächtmten Oberst Aantschew und militärischen Sack vei ständigen.
Der österreichische Nlinisterprasidenl über die Zriedensverhandlunyen.
\V. 1.-8. Vien, 19 Dez (Drrbtbsricht.) In der Fortsetzung der Verhandlungen der dringlichen Anfrage, betr. die Frieden »Verhandlungen gab Ministerpräsident Seidl er !:n Einvernehmen mit dem Minister des Ändern eine Erklärung ab. in der er gegenüber der Anregung des Tschescken S t a n e 1 nach der dem Minister zu den Friedensverhandlun- gen ein aus den verschiedenen Nationolitäten Hster- reich-llngarn» zusammengesetzter Beirat beigegeben ward.', feilstcllt. daß nach den verfassungsrechtlichen Einrichtungen die Vertretung bei den FriedenSverhaudkingen dem Minister des Äußern c»Mi«gl,,&er itn Rahmen seiner Verantwortlichkeit und im Einvernehmen mit de-m verantwortlichen Mirlisterpräsidenten heider Staaten der Monarchie diese Verhandlungen zu führen hat. Es würde dem Eieist aller Verfassungen der konst't itivnelten Staaten widerspnecken, wenn die Regierung bei der Führung dieser Verhandlungen durch solche Beiräte kontrolliert würde. Dieser Anregung könne, l-i- mit nicht näbergetreten norden. Selbstverständlich isi es jedoch.. Hatz evra abgeschlossene tnternatianale Abmachungen., insoweit sie nach der V e r f a s i u n y der Genehmigung dunb die ge-seve-b enden ftörrerW,r>ften bedürfen, diesen zeitgerecht vorgelegt lucrden. Bei den Friedensverhandlungen mit Rußland wciaden selbstred-ud auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Rußland eine Regelung erfahren. Die bevollmächtigten Vertreter Österreich-Ungarns werden bewncht sein, solche Abmachuna-n zu erzielen, dst dem wirSicb-isttlickeu Be. dnrfnis Üst-rreich-Unonrns voll »nd ganz gerecht werten. £e Befürchtung einer Übervorteilung durch andere Miitel- mächle liegt selbstverständlich außerhalb des Kreises aller Eruwzunaen. tLebbnsie Z.isiimmung, !:n's Beifall.) Fn Be- «„tN'ortung der Anfrage des Sozialdemokraten' Dr. Adle' venve>ti der Ministerpräsident aus das Expose de? Masters Ui Lutze rar. daß die Reztrrung im Sini^ ihree jrüheren !»r>
klär.ingen bei den FrreidenAverbandlungen mit Rußland von dem Grundsatz ausgelien wird, daß wir einen Frieden ohne territoriale und wirtschaftliche Vergewaltigung mit Rußland zu schließen wün'chen. Hinsichtlich der Grundsätze, nach welchen der Friede mit den übrigen feindlichen Staaten geschlossen werden 'oll. erklärte der Minister des Äußern, daß unser Streben daraus gerichtet ist, auf der gedachten Grundlage einen allgemeinen Frieden zu schließen, daß er äber nicht in der Lage sei, gegenüber solchen Feinden, die auch weiterhin aus der Fortsetzung des Kriege beharren 'ollten, diese selbstlosen K r i e g s z i e l e für alle Zukunft einseitig fest zu legen. (Lebhafter Beifall und H ä n d e k l a t s ch e n.l Die Absicht der bsterreichisch-ungowschen Regierung mit allen unseren Gegnern zu einem derartigen selbstlosen Frieden zu gelangen, ist dem ganzen Ausland »nd daber auch den Reg'erungen aller feindlick-cn Staaten vollauf bekannt. Mit Rücksicht auf die se:t den letzten Ei^lärungen des Ministers de! Äußern verstrichenen kurzen Fr! st sowie darauf, daß die Situation inzwischen eine wesentliche Veränderung erfahren hat., liegt kein Anlaß tor, im jetzigen Augenblick mit neuen Friedensvorschlägen an unsere Gegner heranzutrettn. (Lebhafter Beifall und HäudeLatscheu. Der Ministerpräsident wird beglückwünscht.)
Lüsten über die Wasscnstillslandsvcrhandlunstcn.
W. T.-B. Petersburg, 15. Dez. (Verspätet eingetrassen. Petersburger Telegrapheuagentur.) „Prawda" widerspricht aufs entschiedenste dem in der gangen bür- gevlichcn und der sozialpatriotisckien Presse verbrei<tetcn Gerede über deutsche Wassenstillst <ra dsde - dingungen. die bei den Besprechungen in Brest-Litowsk gefordert worden wären, daß näml'ch die Deutschen verlangt hatten 1. die Räumung von Petersburg; 2 . die Räumung von Finnland; 3. die Entwaffnung Rußlands; 4. ein deutsches Monopol für die Getreiderusfuhr. Alle diese Mitteilungen sind unverschämte Lügen. Weder diese neck, andere ähnliche sind in amtlicher oder vcivater^ Form gefordert worden. Ein- für allemal muß auch betont werden. d»iß nichts Derartiges in den, Bericht unserer Abordnung in Brest- Litowsk gestanden hat.
Nutznießer des Nrieges.
Der Reichstcist hcit kürzlich ciberrnals 15 Milliarden für den Krieg bewilligt. Das sind nun mehr 109 Milliarden, die voraussichtlich im nächsten Frühjahr ausgebraucht sind. In diese Summe sind nicht die gewaltigen Ausgaben der Bundesstaaten und Gemeinden, auch nicht die kommenden Lasten der Jnvalrden- und Hinterbliebenensürsoege eingerechnet. Weit mehr als der vierte Teil, unseres Nationalvermögens, selbst wenn man dieses, wie Helfferich vor dem Kriege, auf 400 Milliarden schätzt, ist bewits für Kriegsausgaben verwendet. Es drängt sich daher die Frage auf, ob diese Verwendung auch nach klugen wirtschaftlichen Grundsätzen geschehen ist. Sie drängt sich auf in Berücksichtigung der kommenden gewaltigen Steuerlasten, denn die Kriegsausgaben wollen verzinst und abgetragen sein, und auch in Hinblick aus die riesigen K r ie g s g e w i n n e vieler Heereslieferanten. Unter ihnen gibt es eine sehr große Zahl, die überhaupt kaum wissen, was sie mit d>?m ihnen wie ein »nnnterbrochener Goldstrom zufl-ießenden Reichtum anfangen sollen. Während hier fortwährend neue große Vermögen sich bilden und alte märchenhaft anschwellen, leidet der Mittelstand, namentlich aber ein großer Teil der Ar 5 e i t e r s ch a f t, wirtschaftlich schwer; zahlreiche bürgerliche Eri- stenzen brechen zusammen. Eine nicht geringe Grilpre unseres Volkes bereichert sich nngemesien nm Kriege, während andere verarmen und Unaezählte ihre Gesundheit oder gar das Leben zum Opfer bringen müssen.
Dieser Zustand wird von den Besten unseres Volker immer mebr als ein unleidlicher Zustand empfunden. Der Goldstrom in oft nicht einmal sauberen Taschen schwillt immer mehr an und fordert geradezu Maßnahmen, tbir endlich einzndämmen. Man ist vielfach überzeugt, daß es nicht zu den heutigen gewaltigen Vermögensverschiebnngen gekommen wäre, wenn die Beschaffung des Heeresbedarfs nicht von vornherein ans falschen Grundsätzen a u f g? b a u t wäre. Es ist selbstverständlich, daß alles, dessen das Heer bedarf, unverweiaerlich beschafft weiten muß und «keine Kosten dabei gesckeiit werden dürfen. Aber men bat sich b-i der Beschaffnna dieses Bedarfs fchon in den ersten Krieg.swochen auf das unvorsichtige wirtschaftliche Prinzip ßestaelegt. daß von vornherein die Kosten keiine otpfle svielen Der nationalliberale Abeeordnete Nitzschke brachte dieses Prineiv kürzlich.in der sächsischen Zweiten Kammer in den Worten zum Ansdruck, daß Hxer und Marine „zu stark ans dem vollen" gewirt- schattet haben. In welckiem Umsange das zutrifft, kann man in den Einzelheiten natürlich nicht laicht nackz- ►nnifen, aber immer mebr besestiat sich auch bei kauf- . männisck)cn Sachverständigen die Überzeugung, daß der
Nr» 643. ♦ 65, Jahrgang.
Heeresbedars auch zu decken gewesen wäre, wenn man nicht von vornherein hohe, höchste und allerhöchste Preise bewilligt hätte.
Jetzt ist auf dem einmal betretenen Wege schwer auszubalten. Diese Verhältnisse hatten die beklagenswerte Folge, daß sie auf unser ganzes wirtschastlrckxrs Leben preistreibend wirkten. Fast jede Ware und nahezu alle Bedarfsartikel werden heute im Preise möglichst nach der Höhe des Kriegsgcwinnes bemessen. Unser Volk zahlt derart Uir seine Lebenshaltung Milliarden mehr, als es sonst wohl nötig. hätte. Und auch die Folgen für die öffentliche Moralsind übler Natur. .Viele geschäftlicl>e und andere Kreise gewöhnen sich an leichte und phantastische Gewinne und selbst an ein Korrigieren des Glücks. Viele handeln heute ohne Skrupel gegen ehrenwerte kaufmännische G r u n d s ä tz e, die sich vor dem Kriege dessen geschämt hätten. Die üppige Nutznießung am Kriege verdirbt den Charakter. Es wird ein widerwärtiges P a r v e n n t u m großgezogen, das ohne Gewissensbedenken das Leben in niedrigen Genüssen aus- schöpsen will. Man spürt das in den Großstädten schon ans Schritt und Tritt. Es sucht auf jedem Wege zum Genuß zu gelangen. Auf seine Ansprüche und seinen Drapg, sich das Alltagsleben nach seinen plebejischen Instinkten zu gestalten, ist der blühende Schleichhandel, der ein Krebsschaden für die allgemeine VolkSversor- gung ist, der Schmuggel an den Grenzen des Reiches und die unverschämte Preistreiberei^ zu einem erheblichen Teil ziirückzuführen. Diesen im Golde sitzenden Kriegsgewinnern ist nichts zu teuer und ibnen sind selbst die ordinärsten Mittel recht, um zum sofortigen Genuß ibres Reichtums zu gelangen. Sie wollen auch heute nichts entbehren — und sie entbehren auch nichts.
Wenn man gegen diese nnerfrenliche Entwicklung machtlos ist, dann soll das Reichsschatzamt nicht schüch- tern sein und die K r i e g s g e w i n n st e n e r derart ansbanen, daß wenigstens ein sehr erheblicher Teil des deitts-ck"» Polksvermögens, das in den letzten Jabren in den Besitz der g r^ ß e n Nutznießer am Kineo? gelangt ist. wieder zu rückfließt. Wir werden wobl in naber Zeit in der notgedrnngenen Anziehung der Stenersckrgiibe zu Erfghrnng"n gelangen, die uns die Augen übergeben machnn. Kier sindi mit Fritz w„,Aer zu sprechen, die großen .Kriegsgewinner „die Nächsten dazu". Auch wenn man sie so wenig zart- ssihlend als möglich zu den kommenden Lasten heran- ziebt. werden an ihnen auch alle, die ihr Dermöaetz durch den Krieg nickt gewaltig vermehrten, noch sehr schwer zu tragen haben.
tffln frnnzZKset er Kreuzer toffeMeH.
W. T.-B. Paris, 10. D :z. (Drahtbericht. Agenee Hvvas. Amtlich.) Einer unserer alten Kreuzer, „Ehateau Renauld" (2000 Br.-R.-T.), dec zu Transporten im Mitrelmeer benutzt wurde, wurde an, 14. Dezember, morgens, durch ein Unterseeboot torpediert und kentert«. Die Fahraäste, durchweg Soldaten, sind gerettet. Zehn Matrosen werden vermißt. Das deutsche Unterseeboot wurde z e r st i. r t.
Wir cifc-bren hierzu- An zuständiger Stelle ist über die Biaibenbeit noch nichts bekannt. Es ist zu hassen, daß auch in diesem Falle die Nachricht über die Versenkung des deutschen Unterseebootes sich als eine Entente-Phantasie berausstellen wird.
wiever ein erfolgr-'^er Horpedotzootsvorstotz an der T^uemÜnduna.
W. T.-B. Amsterdam, 10. Dez. ,'Drahtberlcht.) „Central News" melden: Ein deutscher Torpcdojäger versenkte anr
Mittwoch vor der Tvne-Mündung einen englischen Segler und jtiei Vvllbeladeue Schiffe. Acht Mann sind umgekommen.
ws'lsre Sctztffsvsrlnste.
W. T.-B. Rotterdam, 19. Dez. (Drahtbe-ncht.) „Maa». boode" meldet: Der amerikanische Dampfer „Jroquois" (3601 Bruttoregistertonnen) wurde durch eine Explosion schwer beschädigt. Er lief in Marcismcmd ein. Der britische Dampfer „Bloodbeund" (542 Bruttoregistertonnen) ist gestrandet umd vermutlich verloren. Der britische Dampfer „Demerara" (1484 Bruttoregistertcnner) ist gestrandet und schwer beschädigt. Der französische Dampfer „Edouard Shaki" (44^5 Brnttoregisiertonnen) stieß mit dem Dampfer „Telessor-r* ,4060 Bruttorog-iiertonnen) zusammen. Der evstere lief schwer beschüdig-t in Cherbourg ein, -letzterer sank. Der japanische Dampfer „Doiren Mari" (3974 Bruttoregistertannen) strandete bei Wladiwestok. Der britische Dampfer „Bohbow-el" (4343 Brutt.wegisterdonnon) wunde am New Völker Hafenfruer schwer beschädigt.
Ein französisches Patrouillenboot vernichtet.
»r. Haag, 19. Dez. (Gig. Drabtberöcht, zb.) Die Admi- r-.i!ilät u-eldet, daß das frauzösisthe Patrouillenboot „P a r i §“ cm 13. Dezember an der Küste non S v r i e n durch türkisches Kanonenfeuer versenkt word-n ist. Ein Teil der Bemannung s>, oeiettei worden. Wabrsckieinlich sei dec Kommandant und.16 Mann gefangen genommen,
