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Dienstag, 18. Dezember 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 640. * 65. Iahrgang.

Der Vertrag von Breft-L towtt.

Beginn der Zriedensverhandlungen bevorstehend.

W. T.-F* Berlin, 17. Dez. (Amtlich.) Drs Regie- rimgln Deutschlands, Lsterreich-Un.mniS, Bulgariens und der Türkei werden bereits in den nächsten Tagen in ktriedensverhandlungen mit Russland ointreten. Die Abreise de: deutschen Bevollmächtigten crkclgt dem­nächst.. Unverbindliche Vorbesprechungen über die Frie- d> nt-bedinniinaen zwischen den schon in Brest-Litowsk anw"senden Vertretern der beteiligten Negierungen )ind Kreits im Gange.

Oer Wortlaut des Vertrages.

(Schluß der Depesche aus Nc. 639.)

6. Um Unruhe und Zwischenfälle an der Front zu ver­meiden, dürfen Übungen mit Fnsanteri-wirkung nicht näher als 5 Kilometer, mit Artilleriewirkung nicht näher als 15 Kilometer hinter den Fronten vorgenommen werden. Der Landminenkrieg wird vollkommen eingestellt. Luftstreltkräfte und Fesselballone müssen sich außer­halb einer tO Kilometer breiten Luftzone hinter der eigenen Demarkationslinie Hollen. Die Arbeiten an den Stellungen hinter den vordersten Drahthindernissen sind erlaubt, jedoch nicht solche, die der Vorbereitung zum An- griff dienen können.

7. Mit Beginn des Waffenstillstandes treten die nach­stehenden

WaffenkkiKstandSkommissionrn»

Vertreter jede» au dem betretenden Frontstück beteiligten Startes, zusammen. d-n«n alle militärischen Fragen für die Ai-sliihruny der WafkenstillstandSbestimmungcn in den be­treffenden Bevmchen zu zutsch re n sind.

1. R > g o für di« Oltsee.

2. Dünaburg für dir Front von der Ostsee bis zur Düna.

3. B r e st - L i t o w S k für die Front von der Düna bis zum Pripet.

4. Beritschew für die Front vom Pripet dir Dnjestr.

5. Kolo-war für die Front vom Dnjestr bis zum Schwarze» Meer. - Gcenzbestimmnng zwischen den beiden Komniiffionen 5 und 6 erfolgt im gegen- festigen Einvernehmen.

8. F o c s a n i.

7. Odessa für dav Schwarze Meer.

Diesen Kommissioncn werden unmittelbare, unkontrol- liertc Fernschreibeleitungen in die Heimatländer ihrer Mitglieder zur Verfügung gestellt. Die Leitungen wer- den im eigenen Lande bis ,ur Mitre der Demarkationslinie non den betreffenden Heeresleitungen gebaut. Auch auf den russisch-turkischrn Kriegsschauplätzen werden derartige Kom- Missionen eingerichtet nach Vereinbarung der beiderseitigen Höchstkommandierenden.

8. Vertrag über die Waffenruhe vom 5. Dezember (22. November). Alle bisher für die einzelnen Frontstücke abgeschlossenen Vewinb leungen über Waffenruhe oder Waffenstillstlnd werden ourch cncsen WaffenstillstandSvrrtrag rußer Kraft gesetzt.

S. Die vertragschließenden Parteien werben im u... mittelbaren Anschluß a» die Nnterzeichnung dieses Wofftn. flillstandSvectragrS in Friedensverhan Ölungen e i n t r e t e n.

10. Ausgehend von dem Grundsatz der Freiheit, Unab­hängigkeit und territorialen Unversehrtheit deS neutralen persischen Reiche? find die türkische und dir russische Oberfte Heeresleitung bereit, die Trupoen aus Persien zu- rückzuzfehen. Die werden uirlald mit der persischen Regierung in Verbindung treten, um die Einzelheiten der Räuniung und die zur Sicherstellung jenes Grundsatzes soust noch erforderlichen Maßnahmen zu regeln.

11. Jede vertragsschließende Partei erhält ein« Aus­fertigung dieser Vereinbarung in deutscher und russischer Sprache, bi? von den Bevollmächtigten unterzeichnet ist.

Brest-LitowSk, 15. Dezember 1917 (2. Dez. 1917).

(Unterschriften.)-

Zusatz zum waffenstillstandsoertrag:

Zur Ergänzung und zum iveiterrn Ausbau Letz Ab­kommens über den W isfenstillstand kamen die revtragS- schließenden Parteien überein, ichuellstenS , die Regelung deS Austausche» der Zivilgefangrnrn und der dienstuntauglichen Kriegsgefangenen unmittelbar durch die Front in Angriff zu nehmen. Hierbei soll die Frage der Heimschaffung der im Laufe des Krieger zurückgehaltenen Frauen und Kinder unter 14 Jahren in erster Linie berücksichtigt werden. Die vertragsschließen­den Parteien werden sofort für eine tunlichste Verbesserung der Lage der beiderseitigen ArirgSgejangsnea Sargs tragen» Dies soll ging der

vornehm st en Aufgaben der beteiligten Negierungen sein Um die FriedenSverhandlungen zu fördern und die der Zivilisation durch den Krieg geschlagenen Wunden so schnell wie möglich zu heilen, sollen

Maßnahmen zur Wiederherstellung der kulturelle»

und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den ver­tragschließenden Parteien getroffen werden.

^Diesem Zweck soll u. a dienen: Die Wiederaufnahme der Po st, deS Handelsverkehrs, der Versand von Büchern, Zeitungen und dergl. innerhalb der durch den Waffenstillstand gezogenen Grenzen. Zur Regelung der Einzelheiten wird eine gemischt: Kommission von Ver­tretern sämtlicher Beteiligten demnächst in Petersburg zusamniei « essen.

B r e st - L i t o w S k, 15. Dezember 1917.

Grundsätzlich genehmigt und unter Vorbehalt der end­gültigen Formulierung unterzeichnet. (Unterschriften.)

*

Erörterung der Friedensverhandlunnen zwischen dem Reichskanzler und den Parteiführern.

Pr. Berlin, 18 Dez. (Eia. Drabthoricht. zb.) Nacl den letzten Mitteilungen ans Regiernnaskreisen wird der Hauptausschutz des Reichstags vorläufig nicht ein- berufen werden. Dagegen findet Donnerstag­nachmittag 3 Uhr eine Aussprache der Vaeteiführer init dem Reichskanzler/ Staatssekretär v. Kühlmann und Vertretern der Bundesstaaten statt, um die Friedens- Verhandlungen mit Russland zu erörtern. Exzellenz v. Körner, der frühere Direktor ini Reichsschatz- e.mt, ist als deutscher Delegierter zu den Der- Handlungen nach Brest-Litowsk abgereist.

*

Die ruhige Genngtnnng in der deutschen Presse.

Berlin, 18. Dez Mil Vefrietigung und Besonnen­heit tctyrc(fren alte Blätter den, wie darBerliner Tageblatt" sogt, ganz u n g e w i> b » I > «b e » Vorgang, daß man sofort nach den, Abschluß der D-assensnllsiandwcrhandlnngen das Doku> ment des D'alsensfillffandsrertrages ohne jede Einschrän­kung der L f s e ii t l i ck> k e i t unterbreitet.

DerLokakanzciger" schreibt unter der ÜberschriftEin erfreu. lichoZ Dokument". Ter Geist dcr M e n k ch s i ch k e i t durchzieht das Dokument in allen seinen Teilen und man darf et alt das Muster einer von hn n, a » e r Gesinnung cingegebenen völkerrechtlichen Abmachung hinstelle». Es will schon etwa« bedeuten, wenn nach Jahren de« siirchtdarsten Kampfes und nach Aufrührung allcr mensch- Iicknn Leitciischaften ein solcher Vertrag zustande kommt, der seinen Urhebern und ebenso den von ihnen vertretenen Völkern zur höchsten Ehre gereicht Ein für beide Teile ehren­voller Friede wird die Signatur dieses Vertrages sein, der förmlich danach angelegt ist bin selver in den eigentlichen Frieden-Vertrag b i n e i n z n wachsen. Den deutschen vnte>häntierii. di- den Ve-trag von Brest-Litowsk zustande gebracht haoen. wird der Dank des Vatcrlcndes licher sein.

DasBerliner Tageblatt" meint: Geleitet von dem Geist der Verständigung haben beide Parteien einen Vertrag zustande gebrach:, der in stu.en wichtigsten Paragraphen bereits eine erste, brauchbare Grundlage für die Friedensverhand- lnnaen bietet, Wenn auch die Regierungen unserer Gegner mit allm Mitteln dagegen Stellung nehmen werden, die Völker wer- dm sich dem Eindruck dieses ersten Friedenszeichens schwerlich ent­zieh-,! können

In derBossischen Zeitung" heißt «»: Wett schneller, al» wir oll» gckwsst hatten, ist der erst vor wenigen Tagen abgeschlosiencn Daffenriche vor dcr abgelausenen Frist der eigentliche Dassenstill, stand gesclgt Der schnclle Abschluß und die Fasiung des Protokolls werden allen denen, die anfangs glaubten, Zweifel in die diplo­matische V c l« h i g u n g der mit der Führung der Verhanv- lungen bitrauten militärischen Stellen setzen zu müssen, die Glwißheit geben, daß sie in guter Hand lagen. Das Werk der Offiziere ist getan, mögen es die Diplomaten zu einem glückliche,- Ende sühren, zu dem von uns allen erhofften guten Frieden nach Esten.

DiePost" nberschreibt ihre Betrachtungen mit den Worten: Der G e > st der Freundschaft" und sagt: Von einer dauernden Freundschaft mit den, russischen Volke hat uns nichts gitrinnt als die K r i e g s l ü st e rn h e > t und A b en- «e u e r s u ch « jener Kliqne, die in den entscheidenden Augusttagen des Jabres 1914 drn Friedend wünsch des Zaren zu brechen verstand. Tao deutsche Volk ist innerlich bereit, mit dem russischen Volke einen ehre ii vollen und gerechten grirden zu machen, ganz in dem Sinne, wie der Wassenstillstcmdsvertrag es will. Die Zn- kunft braucht keinerlei grundsätzliche Streitpunkte zwischer, den terdündclen Miltelmächten und dem großen Volke de» Osiens zu kennen, Kulturell und wlrtschastllch haben wir einander manches zu geben, da» uns gegenseitig bereichern kan».

Der , Bkrsrnkurier" sagt- In- Osten klärt es sich auf.

DieBerliner Volkgzeitniig" schreibt: So sind die Dassen «n der Ostfccnt gefinkt worber: und wenigstens dort wicd das Erlösungs- WertFriede aus Erden" zur Weihnachttnacht zur Tat iv»rden.

DieGermania" eint Der Abschluß des Wasssnstillstandes im Osten ist in ur.fercm Baterlande mit der ruhigen Genügtuung aufge- ncmmcii »erden, die das Bewußtsein einglbt, daß wieder ein b e - deutender Schritt ous dem Wege zum Frieden ge. macht ist. daß aber nun erst dir eigentlichen Schwierig, kette« beginnen. Wen« die russischen Machthaber soeben die

Konstituante einlernfcn haben, von der sie erwarten, daß sie an ihr einen krüsfigc» Rückhalt für ihren Friedenswillen uns die Art seiner Verwiiklichnnp finde» weiden, so liegt es aui der Hand, wie sehr unserer Regierung ein gleiches Instrument vvnnole» sein muß, soll cs nicht »nstren Feinden, vor allem denen im Westen, gelingen, ihr allerlei SchüierigkcUen in den Weg zu legen. Ein möglichst breite? Fd i der Fricdensverbandlungen nach dein Westen er­scheint bescnterS wünschenswert. Kein geringerer als Reichskanzler Graf Hertliug hat gestern die Antwort auf die Ausführungen Llotzd Georges gegeben und zu, verstehen gegeben, daß die erste Bedingung für einen Frieden nach dem Westen hin ein W e ch s e l in den leitenden Slaatsstellen dort sei. Wie sollten die Völker de? Westens zu der Einsicht kommen, daß sie von uns einen gerechten Frieden zu erhalten vermögen, als drirch den Beweis der Tat, den wir letzt im Osten znlicfcrn im Bcgrifsc sind.

DieFrar.ksueter Ztg" 'chreibt:Die einleitenden Worte de» Wofscnstillstanr «vertrag? geben diesem ganzen historischen Dokument die entfck«»dende Rate wäbrend das HaaaerAbkommen, b-tr die Gesetze und Gebräuche de? Landkiicge?", trocken »nd nüchtern sagt: Dcr Waffenstillstand n nt erbeich, die Kr,ea?unternchmungen". de- ginnt der Krjcgcvcitrag mit Rußland mit der prograniniatischen Er« klärur-g'E- wird zur H e e b e > f ü h r u n ä eines d a -> c r. haften, für all« Teil» ehrenvc llen Friedens" ein Wasfenltillstand geschlasicn Nnc dieser Zwcckgedanke, 5er Wunlch der Verhandelnden, nach siirchtlaicm Ringen zu einem wahrhaireu Aus­gleich dcr Jmcrcsien zu ge'angen, lcherrscht das ganze Dokument. Es mutet an wie ein Stück Fricdensvertraz die Grenze des mili- tärisch Notwendigsten ist übrrlchritten: wir becgnen politischer

Zweckmäßigkeit und Versöhnlichkeit; derZusatz" znm Verieag vollends verpflichtet die beiden Parteien zuMußnavmen zur Wieder, hcistelliiiig dcr kulturellen und wirtschastlichin Beziehungen zwischen den vertragschließenden Parteien", Die Wiederausnahme des Post» und Handelsverkehrs bedeutet wahrlich einen herzhaften Schritt in den Frieden hinein. Der Vertrag ist großzügig angelegt, er will in kürzcster Zeit durchgreifend wirken, er ist dnrchans aujr Pralnsche abgepelll er macht den Kontrahenten alle Ehre."

Der Tagesbericht vom 18. Dezember.

W.T.-B. Großes Hauptauactier, 18. Dez. (Amtlich.)

Bei Sturm und Schneetreiben blieb die Arti^llerietätigkcit mäßig. In F I «n d e r n und westlich von C a in d r a i tr>rt: am Abend geringe Feuer st eigerung ein.

ErkundungSableiln-tgeii brachten an der englischen Front nordwestlich vo» Pinon, aus dem Ostufer der MaaS und südöstlich von Thann eine'Anzahl Engländer und Fvansq zosen rin.

östlicher Kriegsschauplatz.

Nicht» Neues«

Mazedonische Front

Im Eernaboqe» und zwischen Wardar «nd D o i r a n s e e lebte aaS Feuer zeitweilig auf.

Italienische Front.

Zwischen Brenta und P i av e vielfach lebhafte Artillerietätigkrit. Östlich vom M o » t e S»lo< rolo wurden Teile der feindlichen Stellung genommen, Ter Eiste Genctalquartiermcister: Ludrndorff.

W.T. B. Wien, 18. Dez. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 18. Dezember, mittag«:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Waffenstillstand.

Italienischer Krieasschauvlatz,

Zwischen Piave und Brenta erfolgreiche Ge­fecht Stätigkeit. Der Chef deS GeneraljtabeS.

22000 Tonnen.

W. T.-B. Berlin, 17. D-z. (Amtlich ) Eines unserer Unterseeboote, Kommunbant Kapffänleutnant R v ! e. vernichtete am 5. Dezember im Ärmelkanal den amerikanischen ZerstörerJakob Ion.-s" »nd nahm dabei zwei Matrosen gefangen. Das Bc-vt Miss dann den Handelsverkehr mit gutem Grrfuhv? bei sl ä r k- ster feindlicher Gegenwirkung an und ver­senkte insaesamt acht Dampfer mit über 22 000 Brutto- registeitonnen All-in vier sirötzere Dampfer fielen ihm aus stark gesicherten Geleitzügen zum Dpser. d-irunter der englische DampferWestland" mit 311? Tonnen, mit Kohlen von Leith nach Nantes, und d-?r enFlisä^ DampferNyanza" 1405.", Tonnen). Ein einzeln sah-en- der bewaffneter Dampfer wurde aus starker Bewachung heraukpeschessen. Geaen den enqliidvn DamvferEarls Woord" (2.053 Tonnen), der durch Vewachungskahr- xeuae gesichert war und unter der englischen Küste west­wärts fuhr, wurde ein Torpedotrekfer erzielt.

Der Chef des Adniirnlstabs der Marine.

vie Vernichtung des Geleitzuges in der Nordsee.

Was Sir Gcddes im Nnterhaus berichtete.

W. T.-B. London, 18. Dez. (Drahtbericht. Reuter.) Im Unterhaus teilte Sir Eric G e d d e S mit, daß als Ergebnis eines Angriffes feindlicher Kriegsschiffe auf einen skandi­navischen Gelritzug ein englisches und fünf neu, frale Schijje von inSgrsunt 8092 Xotuign versenkt wo»