Verlag Langgasse 21
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Samstag, 15. Dezember 1917. klbSNd-KUZgabe. Nr. 636. . 65. Iahrgang.
Die waffenftllljtandrvrrhandlungen mit Rußland.
W. T-B. Berlin, 15 Dez. Amtlich.) In der Boll« f i tz u n g, die am Bormittag de? 14. Dezember stattfand, wurde ein Teil der gegenseitigen Bedingungen deS Vertragsentwurfs entgültig formuliert und, da dir russischen Delegierten über einige Punkte ergänzende Instruktionen von ihrer Negierung rinholen wollen, wurde die Fortsetzung der allgemeinen Beratungen auf den 15. Dezember vormittags angesetzt. Der Nachmittag deS 14. Dezember war mit einer Sitzung der Protokoll- r o m m i s s i o n ausgrfüllt.
Oer endgültige Mißerfolg der großen englischen Zlandernosfensive.
Ucbsr 3000 Italiener in den letzten Tagen gefangen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Dez (Amtlich.)
{Ricflltdier 5irieqssrl>a«plah. Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.
Seit mehr als 4 Wochen hat der Engländer seine Angriffe in Flandern ringeslcstt. Seine gewaltige auf den Besitz der flandrischen Küste und die Vernichtung un- serer U-B o o t S b a s i s hinzielende Offensive kann somit als vorläufig abgeschlossen gelten. Fast daS ganze englische Heer, verstärkt durch Franzosen, hat über ein viertel Jahr lang mit unserer in Flandern stehenden Armee um die Entscheidung gerungen. Deutsche Führung und deutsche Truppen haben auch hier den Sieg davongetragen, während wir an anderen Stellen durch gewaltige Schläge den Feind nicderwarfen. Die Miß- erfolge des englischen Heeres in Flandern werden verschärft durch die schwere Niederlage, die es bei C a m b r a i erlitt.
Nördlich von Gheluvrlt wurden bei erfolgreicher Nnteruehiiiuug gegen die englische Linie am Schlotzvark von Porzelhoek 2 Offiziere, 45 Mann gefangen. Ein nächtlicher englischer Ge"„ angriff zur Wiedergewinnung deS verlorenen Gerades scheiterte.
Von der Sca rpe bis zur O i se war die feindlicha Artillerietätigkrit rege. Starke Überfälle lagen om Abend, während der Nacht und am frühen Morgen auf unseren Stellungen.
Die Absicht eine? englischen Angriffs östlich von B u l l e c, u r t wurde erkannt, seine Ausführung durch unser BcrnichtungSsrner verhindert.
Heeresgruppe Herzcq Albrecht.
Im Thannrr Wald wehrte unsere Grabrnbrsatzung den Vorstoß einer französischen Erkundungsabtrilnng ab.
östliche» Kriegsfrlinuplatz.
Die Waffenstillstand s-B erhandlungen wer- den f o r t g e s r tz t. »
Mazedonische Front.
Kleine Vorfeldkämpfe westlich vom Ochrida-See. Auf der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit gering.
Italienische Fron*.
AuS den Kämpfen der letzten Tage zwischen Brenta und Piere blieben 40 Offiziere und mehr als 3 000 Mann, einige Geschütze nnd Maschinengewehre in unserer Hand. Mehrfache Gegenangrisfe, die der Feind gegen die von unS gewonnenen Stellungen führte, wurden abgewiesen.
Der Erste Genrralquartircmeister: Ludendorff.
»
W. T.-B. Berlin, 14. Dez., abend». (Amtlich.) Ein italienischer Angriff gegen den Monte Bertica ist gescheitert. Einige hundert Gefangene blieben in unserer Hand. — Von den anderen Fronten nichts Neues.
Die Rdmiralftadsmeldung.
W. T.-Ii. Berlin, 14. D?z. (Amtlich.) Im Ärmel- kanol wurden durch die Tätigkeit unserer U-Boote tri->dcrum 15 000 Brutto»cgistci onncn vernichtet. Unter den versenkten Schissen befanden sich drei mittelgroke beladene Tmnpfcr, von denen einer bewaffnet war. sowie ein Dampfer von etwa 6000 Tonnen. Einer der vernichteten Dainpfer wurde aus einem gesicherten Ge- Icit.zug lieransgeschcssen.
Der Chef deS AdnriralstabS der Marine.
Die Versenkung des Geleitzu-es in der Nordsee.
Alle Besatzungen gerettet.
W. T.-T>. Kopenhagen. 14. Dez. Nach einer Meldung vcn »Politiken" ans Christiania hatten die an der nv'wegischrn Küste von deutschen Sezst^itk^äften ver- senklen sechs Handelsdan»pfer Kohlen für Dänemark, Norwegen und Schweden an Bord. .National Tidcnde" perössentlicht ein spät nachts von Bergen eingetrossenes
Telegramm wonach die Besatzung aller versenkten Dampfer gerettet ist.
Line gefätirltche U-Bootsfahrt in der Gtrantostratze.
W. T.-B Berlin, 15. Dez. Mit weW hartnäckiger Gegenwehr unsere U-Boote zeitweise zu rechnen haben, wie sie es aber auch verstehen, den Gegner restlos u b z n s ch ü t t e l n, geht ans folgendem Erlebnis eines unserer im Mrttelmeer arbeitenden U-Boote hervor:
,,U. .befand sich aus der Ausreise in der Straß? von Otranto, als plötzlich ein italienischer Flieger h» rannabte. Um ihn ain Werfen seiner Bomben zu tirhindern. wurde er lebha't mit Gewehren beschossen und dadurch von weiterer Annäherung abge- halten. Während jedoch unsere Leut? dem nach Osten enteilenden Flieger Schüsse nachsandten, erschienen un- ei wartet vcn Westen weitere fünf Wasserflugzeug ?, die sogleich in höchster Hast aus 100 bis 2Ö0 Meter Höbe ihre Bomben« abwar^en, ohne einen Treffer zn erzielen. Rasch einsetzeudes Masch.nengewehr- f e u e r war die Antwort unseres U-Bootes. Hageldicht saiisien die Geschosse in tie Tragflächen der Flugzeuge und zwanmn den Gegner, unverrichteter Sache abzu- drebt-n. Inzwischen nahten, jedenfalls durch das Schießen herbeigelockt, zwei Bewach unasfahr- zeuge, die unter größt"! Munitionkv-rlchwendung ein schlecht gezieltes Gesch'itzfeuer ecöfs-eten. Daraus tauchte unsi'r Boot weg und setzte den Marsch durch die Otiantostratze fort._
Rußland.
’ (Eine große Mehrheit der Konstituante für sofortigen Zsriedeuskchlutz.
— Berlin, 15. Dez. (zb.) Kein Mitglied der konstituiere r> den Versainmlung in Petersburg wurde, wie die Blätter inelden, in den Ta »rischen Palast eingelassen ohne einen Patz, der von den maximalistischen Kommissaren unterzeichnet »st. Das Gebäude war non mehreren Kompignien Soldatei besetzt. Der „Pciwda" zufolge soll für den Regierungsantvag auf sofortig m Friedensschluß eine Mehrheit von über 150 Stimmen vorhanden sein.
weitere Ergebnisse der Wahlen zur Konstituante.
W. T.-B. Petersburg, 14. Dez. (Meldung der Petersburger Telegcrvh.'n-Äzcutur.) Im Bezirk Kastroma wurden 4 revolutionäre Sozialisten und 4 Bolschewik! gewählt. In Krasnojarsk erhielten die Bolschewik! 12 000 Stimmen, die revolutionären Sozialisten 4000 Stimmen, die Kadetten 2000, die Menschewiki-Jnternat-onalisten 200. In Tomsk und Minsk erhielten die Bolschewik! zwei Drittel der Stimmen.
Eine neue größere Kktion der Kriegstreiber?
— Stbckhotm, 14. Dez. lzb.) Nach einer Petersburger Meldung versuchen die Kriegstreiber eine erneute Aktion, um Beschlüsse der jetzt in Petersburg zusammengchcetenen Nationalversammlung zu verhindern. Kaledin, dem sich außer Kocniiow auch eine Anzahl bekannter Politiker, wie Miljukow und Rodzianko, angeschlossen hoben, vereinigt seine Truppen in der Gegend von JekaterinoSlaw, um möglichst wiederum einen Handstreich gegen Moskau zu versuche». s
Militärische Vorsichtsmaßnahmen der Bolschewik» in Petersburg.
Amsterdam, 14. Dez. lzb.) Nach einer Meldung de» Reuterschen BureauS aus Petersburg haben die Maximalisten 8000 Mann in den Kasernen in der Nachbarschaft deS Taurisclien Palastes zusanimeugezogen. Auch der Taurische Palast selbst ist militärisch besetzt. Die sozialistische«' Blätter erscheinen ohne Anzeigen. ,
Englische Berichterstattung aus Petersburg.
W. T.-B. Amsterdam, 14. Dez. Nach dem „Algemeen Hontelsblad" erfährt „Daily Chronicle" aus Petersburg, d'ß ei» A u f st a n d gegen die Aolsckewiki in Petersburg erwartet wird Großfürst Paul Alexandrowitsch sei 4 Tage ini Smoluy-Jnstitut gewesen und sei von Lenin und seinen Anhängern mit großer Ehrerbietung behandelt worden.
Der Wintcrpalast in Flammen?
— Stockholm, 15. Dez. lzb.) Französische Blätter melden über London aus Petersburg, daß der Winterpalast in Flammen stehe.
Doch Kein« russische Finfrnzah'ung?
— Berlin, 15. Dez. (zb.) Eine Sensationsmeldung, deren Beitätiguna abzuwarten bleibt, liegt dem „B. L.-A." aus de»n Haag vor. Der Abgeordnete Nie-ow, der Pcäsideut der Amsterdamer Bank, soll in der Ersten Kammer mitgeteilt haben, es sei »hin berichtet worden, daß die Kupons der russischen Anleihen tatsächlich nicht bezahlt worden seien.
Die Autonomie der Ukraine.
W. T.-B. Petersburg, 9. Dez. (Drahdbericht. Verspätet eingetroffen. Te legraphcnogeu»ur.) Zwischen der Sol- datenrada der Ukraine und dein geschästSsührenden Ausschuß der Sowjet » in PeterSbura ist ein Ab k o m m e n über die Rückgabe der ukrainischem Reliquien getroffen wor
den, die seinerzeit durch die Zarenbcrrschaft geraubt worden sind. Ihre Ubergaile imrd in einer ösfenisichen Feier statt- finden und die ^Gemeinschaft der Arbeitermasseri zum Ausdruck bringen, di« keine IluterjockMvg von Völkern anerkennen. Der Voiksbsanftiwgir für N<Moualitäten«nge(egen- heiten Dsckxung Aschmili Kal im hat lu einer Zusammenkunft von Vertretern der sozmldcmukrolsichen Pcrtei dcr Ukraine mit der Arbeiter-, Soldaten- nnd Vauerniegierung das Recht der Ukraine voll anerkannt, ihr« Beziehungen zu Rußland selbst zu o r d » e n, und zwar wenden' das die A r h e i t« r m a s s e n, nicht daS Bürgertum tun, welches die versaffuiioycbent>« Bersamn>lung der st>g. Rad«, leitet. Der Rat der Pollsbeu'ustragten fordert di« ukrain^chrn Ar- beitecmassen ans, überall Abgeordnete für Arbeiter- und Bawernsowjets zu wählen, welche ein Mittel seien, dem Bürgertum die Macht zu entreißen.
vie Untersuchung der Laillaux-krngelegenhell.
W. T.-B, Paris, 14. Dez. (Agence Havas.) Der Untersuchungsausschuß für die Angelegenheit Caillaux' und Loustelot hörte heute die Aussagen des Mnistenpräsidenten Clemenceau und Jgnare. Clemenceau übergab dein Ausschuß einzelne Akte und ein Aktenstück des MinistenuiuS des Äußern, allerdings nicht solche, die fremden Regierungen gehörten, denn das wäre ein Vertrauensbruch gegenüber dis- sen Aiächlen. Tie Ermächtigung Nord von den Mächten ec- bcl<>n werden, falls eine llntc-'uck'ung eröffnet wird. Jgna.:e erklärte zu dom Aktenistück, der Antrag beziehe sich aus di« Befchuldignmg ldes Einverständnisses mit dem Feind und des Vergehens gegen die Sicherheit des Staats. Die Aktenstücke enthalten zwei verschiedene Tat- sarhen, nämlich di« Angslcgenheiten Allmereyda, Bolo und C a v a I l i n i und txrn dem diplomatischen Dienst festgestellte Umtriebe in Jiaiien, die Caillaux zur Last gelegt werden. Die Untersuchung wird ergeben, vor welche Z:r- stäildigte:t die gerichilich festge>slrltter, Tatsachen gehöirn. DiS Verhör mit Caillaux und Jgnare darertc länger als eine Stunde. Es ist wahrscheinlich, daß sie der Ur teisuchungsauS- schuß nicht noch einmall wird vorzuladen bieuchon.
W. T.-B. Rom, 14. Dez. (Agencia Stefan,.) „Osservotore Niomano" stellt die Mitteilung des „Petit Parisien" in Abrede. daß Cavollini mit einem Empfehlungsschreiben de?- Papstes versehen sei. Weder der Papst, noch der Strats>ekretär hätten jemals Eavallini, der u» Vatikan unbekannt sei. irgend ein Schreiben gegeben.
Der Nrieq gegen ItaNen.
Das verlangen nach Bestrafung der an der Katastrophe Schuldigen.
W. T.-B. Bern. 14. Dez. Die italieniscke Presse meldet: Die in der Kammer eingebrachte Tagesordnung Ferres verlangt die s ch ä r f st e B e st r a s a n g der an der Katastrophe an der Front schiildiqen Personen, auch derjenigen, die die Verantwortung von sich abzuwälzen suchen.
Gtolätis Teilnahme an den Kammer.
Verhandlungen.
— Zürich, 14. Dez. (zb.) Der „Neuen Zürcher Ztg." wird von der italienischen Grenze telegraphiert: In den
römischen politischen Kreisen wird der diesmaligen Teilnahme G i o I i t t i s an den Verhandlungen der Kammer auße» ordeniliche Bedeutung beigemessen. Diesmal durfte ober der ehemalige Ministerpräsident unmittelbar an den politischen Geschäften teilnehmrn, die in geheimen Sitzungen verhandelt werden sollen.
Eine Gehcimsitzung des italienischen Senats.
ZV. T.-B. Rom. 14. Dez. lMeldung der Agenzia Strfani.) Der Senat hat mit Zustimmung der Regierung beschlossen, eine geheime Sitzung abzuhalte». Der Zeitpunkt der Sitzung wird später bekanntgegeben werden.
Ein zweifelljafteS VertrauenSdotnm.
— Stockholm, 15. Dez. (zb.s Nach der „Voss. Ztg." zeigt sich bereits, daß das Vertrauensvotum in der italienischen Kaniiner kein Vertrauensvotum für die italienische Regierung war.
Deutsches Reich.
Unterstaatssekretär vr. Müller üter die Kantoffeloersorcunc,.
Im KriegS-rnährungs,mt gab Ilnterstaatssckretär Dr> Müller den Victretern der Presse Erklärungen über unser« Veisoraung mit Kict>ff:l>i. Er beg:nn mit dom Hinweise darauf, daß es sich hierbei um zwei Fragen lwndle, die in der Bevölkerung eine gewisse Ercegiiiig verursacht halwn. DaS Kriegsernähruugsamt wollte demgegeuüber einmal im Zusammenhang die Lage beleuchten und die Beweggründe darlegen, die es zu Entscheidungen nötigen, die in der Bevölkerung vielleicht nicht gleich voll erkannt, und die jedenfalls nur^dann als notioendig hingenommen würden, wenn eine Unterrickstung der Öffentlichkeit erfolgt. Dr. Müller führte ganz im einzelnen vor, wie man — zunächst auf dem Papier— über die Kartoffelernte verfügt hat. Die Kartoffelernte selber bczcichnete er als gut» wenn das auch nicht statistisch
