Verlag Langgasse 21
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Berliner Abteilung des Wiesdadener TagblattS: Berlin W., Potsdamer Skr. 12t K. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.
Zamstag, 8. Dezember 1917 ,
klbend-klusgabe.
Nr. 624. - 65. Zahrgan»
Der russische StaaKbankrott!
W. T.-B. Frankfurt. 8. Dez. (Drahtbericht.) Die „Fr. Ztg." veröffentlicht folgende englische Meldung aus Petersburg: Die „Prawda" teilt mit, das, alle Anleihen, die Rußland im Ausland abgeschlossen hat, einschließlich der von der Regierung garantierten Bank- und Eisenbaynanleihen, zür ungültig erklärt werden und daß die Verzinsung l,u-d Tilgung deS Kapitals e i n g r.st e l l t werden. Die rnffischen FinanzverhSltnisse sind seit Monaten einer so ungeheuren Belastung ausgesetzt, daß die Zahlung der Zinsen der Staatsanleihen im Ausland schon recht unregelmäßig erfolgte. D>e Folgen der Maßnahme.lassen sich noch nicht übersehen. Wenn nach der moximalistischen Aera «ne gemäßigte Regierung m Rußland wieder einiger- woßon normale Zustande bcrbeiführen wird, wind man sich in Petersburg die Frage vorlegen, ob man den StaatÄredit durch eine ohne Beispiel dastehende Schu ldenab schütteln ng unhaltbar untergraben und damit aus jede Einfuhr von fremdem Kapital nach Rußland verzichten will Die Drohung, die in der Maßnahme der Maxi- malisten liegt, richtet sich natürlich gegen alle Inhaber vnssi- schsr Staats- und Ersenbtbnpapier«. Weitaus am schwersten werden dadurch die E nte n teln nd e r betrogen, an die Rußland in geradest phantastischer Höhe verschuLdet ist.
Amerikas ttriegssrklärung an Gesterreich-Ungarn.
W. T.-B. Washington, 8. Dez. (Drahtbericht. Reuter.) Der S e n a t hat die Kriegscntschlietzung gegen Hstrrrcich-Un- garn einstimmig mit 74 Stimmen angcnvmmcn. DaS Repräsentantenhaus hat die Entschließung mit 363 Stimmen gegen nt rrs Sozialisten London gebilligt. Präsident Wilson hat die Kriegserkläruns an Österreich- Ungarn gestern nntcrzeichnrt.
Der Tagesbericht vom 8. Dezember.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Dez. (Amtlich.)
Westlicher ssiirregsschanplatz,
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Aus den flandrischen Trichterfeldern zwischen Roosebeke und Bacelaerc sowie nördlich von B a r n e t o n lag am Nachmittag heftiges Feuer.
Südlich von der S c a r p e hielt die erhöhte Artillerir- tätigkcit an.
In Handgranatenkämpfen drängten wir die Engländer beiderseits von Graincourt um einige hundert Meter zurück. Mehrere Versuche deS Feindes, nördlich von La Vacauerie Boden zu gewinnen, scheiterten. Aus den Gefechten der beiden letzten Tage wurden 52 Ge- f a n g e « e, darunter 5 Offiziere, cingrbracht, 2 Grfchützc und 15 Maschinengewehreerbeutet.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In den Abschnitten südlich von La Fere, nordöstlich von C r a o n n e und auf dem östlichen Maasufer verstärkte sich am Nachmittag die Frnertätigkeit.
Einige Erkundungsabteilungen brachten sühlich von Or»es Gefangene ein.
Leutnant Müller errang seinen 37. Luftsieg.
östlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Mazedonische Front.
Bulgarische Vorposten zwangen englische, in der Strumaebene vergehende Abteilungen zur Umkehr.
Italienische Front.
In dem Kampfgelände östlich von A s i a g o hielt lebhaftes Artilleriefeuer an. Tie am Monte Sisemol genommenen Stellungen wurden von den Resten der italienische» Besatzung gesäubert.
Die Zahl der seit dem 4. d. M. bei der Heeresgruppe des FeldmarschallS Conrad gemachten Gefangenen übersteigt
ikvov.
Der Erste Generalqnartiermeister: Lndendorff.
Oie sldmiralstabsmeldung.
W. T-E. Berlin 7. Dez Fm englischen ftaital und in der Nrrdsee wnrden durch unsere U-Boote wiederum
15 GPO Bruttoregistertoaneu
persenkt Unter den ternichteten Schiffen befanden sich der englische Dan pser .Almod Stand!" (3461 Tonnen) sowie drei bewaffnete eng. lisch- Dampfer, von tcnen zwei voll beladen waren.
Der Chef der AdmirMabcs der Marine.
Die bnmane Seite unseres U-Bootskricges.
Vv T . T -B Berlin, 7 Dez. Eines unserer tm Wittelmeer operierenden U-Brrte traf kürzlich auf einen ocllbeladenen K r h l e n t o ni p i e r , der auf der Fahrt nach Itarien begriffen war. Kaum war tiefer Dumpfer rersenkt und die Rettungsboote «Massen, alS eine neue Rauchwolke aufjtieg, auf welche „U" sogleich
zum Angriff znfahren wollte. Da hörte man plötzlich laute a n - Heltente Schreie von der Untergangs stelle her, was den Kcmmantamen veranlagte, den beabsichtigten Angriff auf- zuschiebcn und nach tcr R'chrnng des Rufes zurückzu laufen.^ Nach längerem Suchen entdeckte man zwischen den zahllosen Schiffs- trünnnern zwei Menschen, tie sich an Holzstücken angeklammeri hatten. Die völlig erschöpften Leute wurden an Bord genommen, wo sie sich lold Nieder crbolten. Aus ihren Aussagen ging hervor, daß der Kapitän mit dem kaum zur Hälfte besetzten Boot, unbekümmert UN! ihr Schicksal und unbeocht':: ihres Schreiens davon- gesahren war. Bier Tage später wurden die Leute, die auf dem versenkten Dampfer als Heizer bedienstet gewesen waren, an Bord eines vernichteten italienischen Seglers abgegeVit.
An der tunesischen Küste traf dieses U-Boot aus ein halbes Dutzend kleiner Segler, die mit Lebensmitteln, Gras, Heu und Phosphat belater waren und zum Teil über kein Beiboot verfügten Mcn'chensreundliche Rücksicht bestimrnte den Kommandanten, eines der Fahrzeuge mrt den Besatzungen der übrigen fünf Schiffe zu entlasten, nachdem der wertvollste Teil jenes Fahrzeuges über Bord gewrrsen war ösieichcrmaßen verfuhr säst genau zur selben Zeit ein anderes unserer Mittelnieer-Boote, das einen nach der Insel Usiica bcstrmmten italienischen Segler wegen Fehlens eines Rettungsbootes ebenfalls nach l-lerbochwersen seiner Bann- waare entließ. Militärische Rücksichten hatten rn beiden Fällen die Versenkung der Schisse gefordert, die Sorge um das Leben der fcindlrchen Schisssbesatzungen wurde jedoch darüber gestellt. _
Die waffeilMftandrverhandllmgei, mit Rußland.
Oie gegenseitigen Vorschläge.
»r. Rotterdam, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der «Nieuwe Notterd. Eourant" meidet' Die Petersburger Tele- graphen-Agentur berichtet: Die russischen Delegierten gaben zu Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen eine Erklärung ab über Friedensbedingungen. Dre feindlichen Delegierten erwiderten darauf. das sei ausschließlich eine Frage für Politiker. Sie erklärten, daß sie nur ermächtigt seien, über Waffenstillstand zu verhandeln. Der Feind lehnte auch ab, sich an einer Aufforderung an alle Kriegführenden zum Abschluß eines Waffenstillstandes zu beteiligen. Die Deutschen schlugen einen Waffenstillstand von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer vor, und zwar vom 10. Dezember ab auf 2 8 Tage. Die russischen militärischen Sachverständigen prüften den Antrag. Wir schlugen vor, die nächste Zusammenkunft hinter den russischen Linien abzuhalten.
Erotzkys Standpunkt.
Sr. Stockholm, 8. Dez (Eig. Drahtbericht, zb.) Trotzky erklärte, wie „Sozialdemokraten" aus Petersburg erfährt, in einer Rede: Unsere Delegationen werden eine offene und ehrlich? Sprache führen. Sie werden die Deutschen fragen: Sii d Sie damit einverstanden, augenblicklich einen Waffenstillstand auf allen Fronten zu schließen? Unsere zweite Frage wird dann sein: Berbsichtigen Sie. einen demokratisch e nF r i e d e n zu schließen? Wenn wir allein den Waffenstillstand eingehen inüssen, werden wir den Deutschen erklären, daß wir es für unzulässig ansehen, daß Tri ppen von der russischen Front an die anderen Fronten ge- warfrn werden. Wir werden erklären, daß die lettischen vnd kurländischen Landesgebiete selber die Frage über ihren Anschluß an ein anderes Land entscheiden sollen, und daß Deutschland sich nach ihrer freien Wahl richten mutz.
Die 10-tägige Waffenruhe.
Br. Wien, 8. Dez. (Giq. Dralstb wicht. zb.) In hiesigen unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Vereinbarung einer lOtägigen Waffenruhe hauptiächlich den Zweck hat, den Mittelmächten eine entsprechende Frist zu gewähren, um wichtige Entscheidungen über Truppenver^chiebnngen und ähnliche Maßnahmen zu treffen. Man ist der Überzeugung, daß es nach Abschluß der Waffenruhe zum W a f f e n st i I !- stand kommen wird und daß noch im Lauf? dieses Jahre? mit den eigentlichen F r i e d e n s » e r h a n d- lungen mit Rußland und Rumänien begonnen werden kann.
160 russischettonsulate oonTrotzkq aufgehoben.
W. T.-B. Bern, 8. Dez. (Drahtbericht.) Der Stock- holmer Berichterstatter des „Daily Ehronicle" gibt seinem Blatte eine Petersburger Meldung weiter, nach der Trotzky 160 rrtffifdjc Konsulate und diplomatische Missionen im Ausland, die sich weigerten, die maz imalistische Regierung anzneiken- n e n, aufgehoben habe. Lenin hat ein Dekret erlassen, daß alle Geburtstitel Berufsttte. und Standesvorrechte ab geschafft und bestimmt, daß jedermann Bürger der russijchen Republik heißcn soll.
Line neue englische Drohung.
Haag, 8. Dez. Aus London wird berichtet, daß wahrscheinlich am Mvnmg eine Erklcrrnng der britischen Regierung an die russische veröffentlicht wird, worin aus die Gefahr h:n- gcwresen wird, der Rußlaird sich jetzt und später wirtschaftlich und finanziell aussetzt, wenn die Entente Rußland fallen lasse Auch andere En tentereg leru-ngen werden ähnliche <LrLlLrung>sn au Rußland erlaßen. -r --
Energische Repressalien gegen vie Engländers.
W. T.-B. Bern, 7. Dez. (Drahtbericht.) „Daily Mail" meldet aus Petersburg vom 1. Dezember: Da auf Trotz- kys Verlangen der Freilassung der in England internierten russischen Sozialisten einschließlich Lfchitscherin» von der englischen Regierung keine Antwort eingsga:> gen ist, hat Trotzky verfügt, .daß kein britischer Untertan Rußland vor einer befriedigenden Lösung des Streitfalls verlassen dürfe, wodurch angebl'ch wetz» reven Engländern, die «Kreisen wollten, starke Ungelegenheiterl erwachsen seien. Trotzky berichtete in den Petersburger Sowjets, er habe dem englischen Konsul, der um ReisseAaub- nis für seine Landsleute bat, gesagt, wenn die russischen Ge> noffen in englischen Konzentrationslagern fcftgc'halten würden, werde das revolutionäre Rußland nicht zaudern, gegen die englische Gegenrevolutionäre in Rußland dieselben Matz- > nahmen zu gebrauchen. Trotzky fügte hinzu: „Unsere Bundesgenossen und Feinde müssen ein- für allemal merken, daß eS mit «dem Zaren, mit Kerenski und mit Miljukow vorbei ist, und daß jeder russische Bürger, gleichgültig cb politischer Flüchtling oder revolutionärer Soldat in Frankreich, jetzt unter dem Schutz der Obrigkeit des russischen Staats steht.
Englischer Selbstschutz in Petersburg.
K. Haag, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus London wird gemeldet: Der britische Botschafter und das britische Konsulat haben allen britischen StaatSang«hörigen in Petersburg schriftliche Nationalatteste ausgestellt, die an der» Türen der Wohnungen befestigt sind.
Russische Soldaten aus Frankreich in England interniert.
L. Berlin, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) In detz letzten Woche sind in Portsmouth über 1000 russische Sonaten aus Frankreich angekommen, welche sich ge- weigert hatten, länger in Frankreich zu kämpfen. Sie sollten nach Rußland zurückgebracht! werden. Die englische Regierung hat dazu ihre Zustimmung nicht gegeben und die Russen auf der Insel Wriaht internieren lassen.
vie russtschen Geheimpapiere.
Br. Stockholm, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Trotzky setzt seine Veröffentlichungen der diplomatischen Dokuments fort. Das Peter Am iger Telegrammbureau meldet: Von de« Geheimdokumenten des Außenmrnisteriums ist ein T e I c- zramm vom 6. Oktober 1S17 vom russischen Geschäft-> träger in London an daS Außenministerium «räffenHidjf worden. Hierin ist die Rede von der Diplomatenkon» s e-r e n z der Alliierten, die m London von BalsouS zusammeuberufen wurde, um ihnen mitzuteilen, daß einy hochstehende deut'che Persönlichkeit gegenübW dem spanischen Gesandten in Berlin ben Wunsch ausgedrückt habe, sich in FriedensverHandlungen mit England einzulassen. D>>? spanische Regierung glaubte, dem englischen Vertreter in Madrid von diesem Schritt Mitteilung machen zu sollen, indem sie gleichzeitig erklärte, stch auf keine Vermittlungen einlassen zu wollen. Balfour erklärte. daß er, da die engliscke Regierung nicht wünsch«, datz Englands Schweigen in Rußland von Deutschland dahin auS- genutzt werden könne, zu beweisen, daß England Rußland m>1 sich zog. in der Absicht Deutschland zu vernichten, folgendermaßen antworten zu sollen geglaubt habe: „Die britisch« Regierung ist bereit, die Mitteilungen za empfangen, die die deutsche Regierung hinsichtlich de« Friedens machen will, und wird diese Mitteilungen mft ihre« Alliierten besprechen." Balfour bemerkte, daß die Antwort sehr könzis und klar abaesaßt wurde, um zu verhüten, Latz Deutschland ihr eine sgllche Ausdeutung geben könne.
vie waffenstillstanisverhandlungen 'mit Rumänien.
Ein unzutreffendes englisches Dementi.
W. T.-B. Wien, 7. Dez. (Drahtbericht. K. und K. Korrespondcnzbureau.) Zu der Wiener amtlichen Meldung, daß der Oberstkammandierende der russisch- rumänischen Truppen zwischen dem Lujestr! und Schwarzen ' Meer dem österreichisch-ungarischen L'berstkommandierenden norqeschlagen habe, über einen Waffenstillstand zu verhandeln, wird dem Reuter« sch-en Bureau in London amtlich erklärt, daß än dieser schändlichen Erklärung kein wahres Wort sei. Das Dementi ankert nichts an der Tatsache, datz Verhandlnnchen über einen Waffenstillstand an der rumänischen Front einschsieß^ch der rumänischen Truppen heutebeginnen.
Br Basel» 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Dmltz News" meldet, daß auch die rumänische Regierung di« Alliierten zur Teilnahme an den Waffenstill- standsverhandlnngen offiziell e r s n s> t hat. Seit emigen Tagen sind die Ententr-Kabinette fast ohne Verbindung mit der rumänischen Regierung. Die Geldanweisimgen nach Jchsy mußten eingestellt werden. Tie russischen Staatsbanken lehnten es a b eine vonr amerikanischen Schatzamt dem russlsthen Bosichafter für die rumänisch» Regrerung üb wgeben«
. Stimme von 6 Millionen Dollar weiter, zu leii«Hs
