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Verlag Langgasse 21

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Zreitag, 7. Dezember 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. srr. . SS. Jahrgang.

Der Monte „Sifcmol" ecftilrmt.

Erhöhung der Gefangenenzahl auf 15000.

W. T.-B.' Großes Hauptquartier, 7. Dez. (Amtlich.)

Westliklier Kriegsschanpiatz Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht.

DaS im Apernbogen zeitweilig starke Feuer dehnte sich nach Süden bis zur L y s aus.

Aus dem Siidufer der S c a r p e war der Artillerie- k a m p f am Abend gesteigert

Zwischen Graincourt und Marcoing führten kleinere Unternehmungen zur, Verbesserung unserer Stellun­gen. Das Gehöft La Justice wuccdc erstürmt» M a r e o i n g vom Feind gesäubert.

Nördlich von La B a c q u e r i e behaupteten wir unsere Stellungen in erbitterten Kämpfen gegen englische Hand- granatcnangriffe. Vorübergehend eindringende Feinde wur­den im Gegenstoß zurückgctrie b e n.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Auf beiden MaaLufern war die Feuertätigkcit am Nachmittag lebhaft.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Rheinische Landwehr brachte von kühnem Borstoß in die französischen Gräben im Wald von Aprrmont 20 Ge­fangene rin.

Leutnant Müller errang seinen 36. L u f t s i e g.

Sftfteilet* Kriegsschauplatz.

Nichts Besonderes.

Mazedonische Front.

Geringe Gesechtstätigkcit.

Italienische ssront.

In Ausnutzung ihrer Erfolge haben dir Truppen des Feldmarschalls Conrad den Monte.Sisemol erstürmt. Die Zahl der in den Siebengemeinden gemachten Gefangenen hat sich auf 1 5 CM) 0 erhöht.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Gsierreichisch.ung arischer Tagesbericht.

W. 1 .-B. Wien» 7. Dez. <Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet dom 7. Dezember, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Waffenruhe.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Truppen des Feldmarschalls Conrad haben im A n - griff weitere Erfolge errungen. Lsterreichische Schützenregimentrr brachen in mehrstündigem er­bittertem N a h k a m v f den feindlichen Widerstand auf dem Mt. S i s e m o l. Mit dem Fall dieses durch Wochen zäh verteidigte» Bellwrrks verlor der Italiener über 10(0 Gefangene und große Mengen von Kampf material aller Art. Die Gesamtzahl der seit dem 4. Dezember östlich von Asi-mo eingebrackiten Gefangenen stieg ans 15000. Auch d>c Geschützbeute erhöhte sich.

Der Chef des Gcneralstabes.

Oie Verhandlungen mit Rußland.

W. T.-E. Berlin, 7. Dez. (Amtlich. Drabtbericht.) Di« Vertreter der vier verbündeten Mächte und die zvrüchMtebe- nm Mitglieder der russischen Delegationen hirlten gestern vormittag and nachmittag K o m w i s s i o n s s r tz u nge n ab, in denen di« Redaktion der Sitzungsprotokolle und di« Vorarbeiten für die kommenden Vollsitzungen abge­schlossen wurde.

Keilte deutschen Truppen zur Westfront nach russischem w Heu.

— Rotterdam, 7. Dez (zb.) Aus Petersburg wird berichtet: Trotzkp sagte, daß über die a u s l ä n d i I ch e n Militärattaches im Hauptquartier nichts bekannt sei. Man nimmt an, daß sie nach Kiew entkommen sind. Weiter erklärte er, Deutschland wurde davon ner- ständig!, daß, wenn es zum Waffenstillstand kommt, es keine Truppen nach der Westfront werfen darf, um die Engländer und F r a n z o s e n -zu zer­schmettern, während die Fciedensverhandlungen an- dauern.

Noch in diesem Monat laut Trotzstq Friedensverhandlungen!

— Berlin, 7. Dez. Tie Petersburger „Prawda" meldet: Am Montag teilte Tcotzky im Soldaten- und Arbeiterrät mit, nach den Waffenstillstandsperhundlun- gen würden sofort allgemeine Friedens» p e r h a n d l-u n g e n ausgenommen. Ihr Beginn ser noch in diesem Monat zu erwatten.

W. T.-B. London, 6. Dez. „Daily Mail'' meldet aus Petersburg vom 4. Dezember: Die Abordnun­gen haben beschlossen, n u r die Frage d:s Waffen- st i l l st a n d ezu besprechen und die Friedsnsver- handlnnaen einer europäischen Konferenz zu überlallen.

Schwierigere Verhandlungen mit uns, als erwartet? '

— Berlin, 7. Dez. Zu den Waffenstillstand»Verhand­lungen bringt der „Berl. L.-A." aus Petersburg fol­gendes: In den Regierungsgebäuden und im Smolny- Institut verlautet, daß die Deutschen nicht io leicht mit sich verhandeln lassen, wie man erwartet hätte. Eines ist klar, und ganz Rußland ist der Ansicht, daß der Krieg um j e d e u Preis eingestellt werden muß. Selbst das Organ der sdzialrevolutionären Par­tei (gemäßigt und Gegner der Bol'chewiki) schreibt in demselben Sinne.

Der fortgesetzte widerstand der russischen Auslandsvertreter.

W. T.-B. Kopenhigei, 6. D:z. Der hiesige russische Ge­schäftsträger überreichte der dänischen Regierung am 3. Dez. einen Protest gegen die, Veröffentlichung der geheimen Ver-, träge durch die Bolscherviki sowie gegen ihre Schritte zu einem Sonderfrieden. Ähnliche Proteste' haben die russischen diplo­matischen Vertreter in London, Paris, Rom,

C h r i st i a rft a und im H a a a überreicht.

Der Marienpalast in maximalistischcn Händen.

IV. T.-B. Petersburg, ’i. Dez. (Deahtbe-acht. Reuter.) Bewaffnete Maximalisteu haben den Marienpalast be­setzt und den allrussischen Ausschuß für die Wahlen zu der verfassungsgebenden Versammlung ver­trieben.

Line Berichtigung der amerikanischen Vertreter in Petersburg durch das Staatsdepartement.

W. T.-B. Washington, 7. D'z. (Drahtbericht. Reuter.) Das S t a a r s d e v a r t e m e n t erklärt amtlich' Oberst Johnson, der Führer der anierika- nischen Mission in Rußland und der zeitweilige M i l i- tärattachs Major Kerrh haben ohne In- lt- e 's un g der Regierung gehandelt, als ‘io der Bolsche­wiks-Regierung die Mitteilmiqen machtm übör das Ver­halten der Vereinigten Staaten gegenüber den Be­mühungen zu einem Sonderfrieden mit Deutschland zu gelangen.

*

W. T.-B. Washington. 6. Dez (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Ausschuß für die auswär­tigen Angelegenheiten des Repräsentantenhauses hat sich f ü r die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn aus­gesproche n. _

Gras Lzeriün fiter die neu geschaffene Lage.

W. T.-B. Budapest, 7. Dez. (Drahtbericht.) In der heu­tigen Sitzung der ungarischen Delegation nahm zu- ' nächst Graf T i s z a das Wort. Ja einer längeren Rede sagte der Redner über Rußland u. i. folgendes: Wir riskieren gar nichts, wenn loir uns mit der gegenwärtigen Regierung in Verhandlungen einlassen und unterstützen dadurch die fried­liche Stimmung, welche durch die jetzige Regierung vertreten wird. Wenn die jetzige russische Regierung mit der Überliefe­rung des imperialistischen Zarentums bricht, so steht kein Hindernis mehr entgegen, daß wir mit dem neuen Rußland nicht nur korrekte, sondern auch freundschaft­liche Beziehungen unterhalten. Bezüglich P o l e n s, begrüßte der Redner die Wiederherstellung des polnischen Staates mit Freuden und sagte. Falls Polen in Personalunion mit der Monarchie treten wird, wird Ungarn dies mit Genug­tuung aufnehmen, nur darf die Stellung Ungarns nicht be­nachteiligt werden. 1

Hierauf ergriff der Minister des Äußern Graf C z e r n i n das Wort und sagte u. a.' Ich lege Wert darauf, schon in diesem Stadium der Verhandlungen ganz kurz meine Meinung über wichtig« Fragen zu äußern, weil hervorragend- Parteiführer Ungarns da« Wort ergriffen haben und An­fragen an mich richteten, die ich nach Möglichkeit sofort beant­worten will. Graf Andrassy sprach mit der von ihm er­warteten Wärme von den: Biindnis mit Deutschland und stellte die Foage an mich, ob und inwieweit wir in den Kriegszielen mit Deutschland einig sind. Ich ■ kann diese Frage in positivem Sinne beantworten:

Wir sind einig mit Deutschland, und zwar auf der Basis des Verteidigungskrieges,

der hier in dieser hohen Versammlung ungeteilte Zustimmung gefunden hat, welche >m deutschen Reichstag als Richtlinien fiir die Kriegsziele festgelegt wurden und welche der Staats- stkretär v. Kühlmann in den letzten Reden meiner An­sicht ned) klar und deutlich präzisiert hat, indem er Len Satz onssprach: „Es gibt kein Friedensbindernis als Elsaß- Lothr-n. gen." Allerdings dürfen wir. wenn wir unsere Lage mit der des Bundesgenossen vergleichen, das eine nicht vergesien, daß wir uns in gewisser Beziehung in besserer Lage befinden als er.

Wir haben so gut wie unser ganzes Territorium in Besitz, Deutschlands Kolonien sind heute in Feindes Hand.

Wenn mir nun von mancher Seite der Vorwurf gemacht wird, daß das eine Schwäche meiner Politik sei, welche sich im

Schlepptau Deutschlands befinde, und wie diese Phrasen sonst lauten, daß diese Politik uns zwinge, den Krieg länger fortzusetzen, als es sonst der Full wäre, ja, daß wir chr deutsche Eroberungen kämpfen müßten, so setze ich tiefen Argumenten ein kategorisches Nein entgegen.

Wir kämpfen für die Verteidigung Deutschlands ebenso gut, - wie Deutschland für unsere. In dieser Beziehung kenne ich keine territorialen Grenzen.

Wenn jemand fragt, ob wir für Elsaß-Lothringen kämpfen, so antworte ich: Jawohl, wir kämpf«» für Elsaß-Loth­ringen, genau wie Dentsckland für uns kämpft, für Lem­berg, für Triest gekämpft hat.

Ich kenne da keinen Untersch-eö zwischen Strrßburg und Triest. Wenn in denl allgemeinen europäischen Krieg eine andere Konstellation einsetzen sollte, ivas nicht ausgeschlossen erscheint, und an anderen Fronten große Er- eigniffe vergehen sollten, dann würde ick es — ich sage e? offen und ich fühle mich hierbei eins mit Graf Tisza —

lebhaft begrüßen, wenn der Moment käme, in dem auch wir an den anderen Fronten mit unseren Bundesgenossen kämpfen würden.

Wenn es also nach dieser Richtung die wir eingeschlagen haben, seitdem der Krieg begonnen hat, und die wir mit voller Zustimmung der erdrückenden Mehrheit sowohl Österreichs wie Ungarns gehen, wenn nach der Klarlegung dieser Richtung drüben bei der Entente es immer-noch Leute gibt, die in dem Glauben leben, es könne ihnen gelingen, uns von unseren Bundesgenossen zu trennen, io kann ich nichts sagen, als: Diejenigen, die das glauben, sind schlechte Politiker nndkindischeGemüter. #

Graf Andrassy hat mit Bezug auf Italien eine An­frage an mich gerichtet, auf die ich vollständig offen antworten mochte: Die italienische'Pölitik seit Kriegsbegtnn bewegt sich a v f s ch i e fe r E b e n e a S w ä r t S. Es ist den Herren be­kannt. daß Italien vor dem Kriege mit uns hätte sprechen können, weil wir ein lebhaftes Interesse daran hatten, diesen überflüssigen Krieg zu vermeiden. Hierbei hätte Italien zu einer Vereinbarung gelangen können, die es heute tivhl in seinen kühnsten Träumen nicht mehr zu erreichen hoffen kann. Italien bat seitdem in zwölf Schlachten Hundect- tousei.de an Toten verloren und hat Milliarden an Werten und große Teile des eigenen Bodens eili­ge k ü ß t, die heute in unserer Hand sind.

Italien kann heute im besten Falle hassen, den Status quo ante bellum zu erreichen.

Ich muß aber noch mnsn Schritt weiter geben, wobei ich auf das komme, was Goas Karolyi gesagt hat: Er hat mir,

wenn ich recht verstanden habe, am Schluß seiner Aussüh- ruugen zu verstehen, gegeben, ich müsse unter allen U-mstäuden Pazifist bis zum äußersten sein. Im Zusammen- hairg hat er meiner Budapester Rede einige wohlwollende Worte gewidmet, zu. meinem Erstaunen aber nur deren erstem Teil, während er zweiten totgeschwiegen hat. Die­ser zweite Teil ändert aber das ganze Charakteristikum der Rede. Was Karvlyi von mir 'verlangt, heißt, daß ich mich zur Assekuranz für die italienischen Abenteuerer hergeben möge.

Ich soll nach der Ansicht des Grafen Karolyr heute den Jtaift- nern erklären: Setzt den. Krieg fort, so lange ihr wollt, greift uns an, so oft ihr wollt, verlängert den Krieg nach BÄiÄben, wir garantieren auch, daß euch nichts geschieht. Nun, meine Herren, ach brn sehr weit von diesem Standpunkt entfernt, ich sage gang offen, und damit man es in Rom hört, wenn Jtaliesi den Krieg mutwillig fcrtsetzt. so wtrü cs später einen schlechteren Frieden belommeu. Das sind wir den. Truppen und dem Hinterlauld schuldig. (Beifall.) Karolyi möge es wissen:

Ich habe ein Ziel, das heißt: Baldigste Erreichung eines

ehrenvollen Friedend. Dabei weigere ich mich, den Feinden Prämien auf KriegSvcrlängerung auszusetzen. Bezüglich der U-Boote kann ich vollständig lbestätigeu. tu iS Graf Ti^za erwähnte: Es wird einer späteren Zeit Vorbehal­ten sein, die genauen Daten zu geben Ich kann aber Karolyi versichern, das; die maßgebeUden militärischen Pew'önliMeiten, sowohl auf deutscher, wie auf unserer Seite, der ilberzertguu.g Ausdruck geben, daß die Hinderung der Runitions- z u f u h r an der Ost- und Westfront so stark war, daß sie den Gang des Kriegs wesentlich ^beeinflußt hat. Und daß unsere Gegner gewaltig unter feiner Wirkung leide»/« das wissen wir ganz genau. Auch in anderen Punkten bin ich vollkommen der Meinung wie Graf Tisza, der dem Grafen Karolyi ans irgesid eine andere Bemerkung antwortete: Un­sere Diplomatie sei schuld daran, daß Italien und Rumä­nien ans die gegner'scke Seite übergetveten seien. In einem einzigen S-rtz geff,rgts fasse ich die Situation so auf, d.rß Rumänien' und Italien eine falsche Macht­spekula rion gemacht haben, als sie sich der uns feindlichen Gruppe anschlossen. >

Wir haben wogen unserer treuerr BuudeSgenoffenschaft mit Deutschtaud mit der

Gegnerschaft Amerikas

rechnen müssen. Wenn Amerika diese Konsequenzen zickht, ist dgs — ich gebe das zu — schmerzlich wegen der Öster­reicher und Ungarn, die in Am-erika sind, und in die pein­lichste Lage gelangen. An den K r i eg sergeb ni s scn jedoch wird das nacht das gsring^c ändern.