Wiesbadener
wöchentlich
Verlag Langgaffe 21
„Tagblalltzaii»".
ßchaltrr-Kalle geöffn» von » Ubr morgen» bi» 7 llbr übend».
»rtua£.*rtie nir beide «usnndrn: «3.1.- mon-rli». Mi 3- »ierieljLdrlick, bunti de» Bering 8-nEge n ohne «ringerlvdn" MI 4 VS vier-eljödrli-d durch alle beulten PoNanftnIten »u»nb»ekl,ck BeffevaeLd -r Bezugs - Bestellungen nehmen außerdem entgegen, m ^Abaoen dre Zweigstelle Bls« mar-Iring 1». !°»ne die «»»„adeilellen in allen Teilen der Stabt: i" Biebrich: die »ott'«»" *“*' gobeiikllen und in den benachbartem Landotten und rm Rdeinqau die betreffenden Tagbtatt--Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
„SogSIatii)«»«“ Mr. 6650-53.
Bon 8 llbr morgen» bi» 7 Uhr abend«, außer Sonntag».
S»BrsS”»aSa' ! -Ä
Morgen-klusgabe.
Nr. 617. . 65. Jahrgang.
Vonar Law gegen Lanrdcwne.
O Berlin, 3. Dezember.
Der Brief des Lord Lansdowne muß den britischen Machthabern arg in die Quere gekommen sein sonst würden sie nicht sofort alles aufbiei'M, MN seine Wirkung abznschwächen. Die Rede des Herrn Bona v Law auf einer starkbesuchten Versamm'.nng non Vertretern der konservativen und unionistischen Lerenn- gnngen bedeutet eine ungewöhnlich schnelle Antwort aus Lansdownes Kundgebung. Es ist bezeichnend. daß diese Versammlung, an der nicht weniger als loOO Männer ans allen Teilen des Landes teilnahmen, un- prrzüglich einbernfen wurde, was gewiß nicht ohne Schwierigkeiten gewesen sein kann. Aber es sollte um. mußte sofort etwas geschelpm. und w kam diese Veranstaltung zustande. Um sich klarzumachen, wie seyr icr englischen Regierung das F e u e r a u f d r e R ä g e l brennt, ist es ganz zweckmäßig sich die Dmge m einem ßebad)ten deutschen (Jeaenbeiiviel vorzustellen. Angenommen, ein deutscher Staatsmann, der früher mit am Ruder gestanden, hätte in einem großen deutschen Blatte r.ne Erklärung veröffentlicht, wie Lord Lansdowne sie in die Welt hat geben lassen, so müßte der Eindruck ganz außerordentlich sein. Wenn ern solcher Staatsmann geschrieben hatte. Deutschland sollte ans die Fortsetzung des Krieges gegen England verzichten, wenn er für diese 'eine Auffaffung inrt dein Gewicht seiner vormaligen Amtsstelliing eingetreten wäre, so hätte die Reichsleitung lind hatten wir alle, die wir ihre Politik als die zurzeit zweckmäßigste cm- sehen und billigen, darin eine u n q e m e: n b e t r a chr- liche Störung unserer Interesten erblicken müssen. Wozu sich Lord Lansdoivne durch seine Uberzeugiing verpflichtet fühlte, das ist auf alle Fälle die stärkste Zurückweisung der heutigen buti'chen Pontil durch einen Mann, dessen Laiffbalm wohl noch nicht abgeschlossen ist, der, da beute die Umschwünge un poli- tischen Leben schnell und gründlich sind, binnen kurzem vielleicht wieder die auswärtige Leitung der englischen Politik in Händen halten kann. Bonai Laws Rede ist nun aber doch zahmer ausgefallen, als es die britischen Ministerreden seit der Diktatur deS Lloyd George zu sein pfleaen. Es ist schließlich nur ein Hilfeschrei an das rätselhafteSÄicksal, den dieser Minister ausstoszt. Er ichreit nach einem Sieae. aber er hütet ach, mit der frechen Ruhmredigkeit, mit der Liovd George zu sprechen gewohnt ist, diesen Sieg als sicher inzuiunri- gen Er stammelt verschiedenes durcheinander von der Notwendigkeit, uns Deutschen zu zeia'n, daß die Engländer es länger an sh alten können, und er hofft mit verzweifelter Sehnsiicht MUimr noch darauf, fco* wir unserem Ha.nptseinde durch ein.' innere Um- Wälzung den Gefallen tun werden, uns unheilbar zu schwächen. Es sind Worte und nichts als Worte, die Bonar Law macht, man merkt ihm die bleiche Furcht vor den Folgen des russischen Fneoens- angebotes an. Er glaubt, die wankende Zuversicht seiner Landsleute durch die Behauptung stutzen zu können, daß ein Frieden ans Lansdownes Grundlage in Wirklichkeit die N i e d erl i g e d e r Entente sein würde. Vor solcher Möglichkeit mutz den britischen Staatsmännern freilich grauen, ober -'S wird ihnen nichts '-sitzen. sie werden sich mit dein Ge- danken vertraut nie-ben müssen, daß erne große Wandlung im Begriffe ist, sich m verwirklichen. Auch in bezng auf tw russischen Schritte zum Frieden bin ist es garn nützlich sich die Möglichkeit ein-S Varallelzi-standes auf der Seite unseres Dier- 5,indes vorzustellen. Diese Möglichkeit hat allerdings nicht« in sich was eine auch nur ungefähre Wahrscheinlichkeit bedeuten könnte, immwhin kann man Probe- weist van ihr sprechen. Würde es alst dahmgekomnren sein, daß etwa die Pforte oder Bulgarien gefunden hätte die Notwendigkeit des Friedensschlusses sei un- abnrei^dne und würde non Konst..intlnovel und Soiio aus eine Einladung zu Waffenstillstandsverhandlunaen an alle kriegfübrelrden Mächte gelangt stm. so würde sich bei ,'ntz und in Wien niemand darüber tauschen können, daß das einen harten Schlag für unsere gemeinsame Sache zu bedeuten bätte. Aber selbst dann wäre die Wichtigkeit der in Petersburg gesoßten Entschlüsse noch nicht durch das Geaenbeispiel erschöpft, weil da? AuSschalt-n eines unserer Verbündeten niemals so- viel weitreichende Wirkung haben kann wie der Verzicht der stärksten Militärmacht auf die Fortsetzung des Krieges. Die Rearerungen Enstlonds und Frankreichs werden Beicher denhert lernen müssen, sie werden nur besten wrsten, doß sich die Wage zu ihren Unaunsten senkt. Wir dürfen Hessen, daß die Verhandlungen mit den russischen Machthabern zum Ziele sichren werden. Haben Lenin ,«nd T r o tz k y für diese Verhandlungen Grundlagen anfgestellt, von denen der Reichskanzler und SrafEzernln erklären konnten, daß sie „di 2 ku t abe l"
streu, so wird man auch in Petersburg schon wissen oder sehr bald erfahren, daß die in Berlin und Wten zu stellenden Bedingungen für Frieden und Freundschaft ebenfalls geeignet stin würden, von der neuen rnsslschen Regstrung im wesentlichen angenommen zu werden, sts müßten arge Fehler gemacht werden, d nnrt hiernach dre Wahrscheinlichkeit einer Verständigung wieder verschwände. Solche Fehler aber sind gewiß nicht zu erwarten, und r o schwier'g es auch rm einzelnen noch sein mag, zu Pereinbarunqen zu getan- gen, so ist der Weg doch gewiesen, und das sichere Zu- trauen darf gehegt werden daß er bis zu einem g l ü ck- lichrn Ende beschriften werden wird, London nnd in Paris wird man alsdann vor der entscheiüenden Frage stehen, ob man inittun soll oder ob >nan es auf iinen Sonderfrieden zwischen Rußland und den Mittelmächten ankomm-n lasten will. Wie auch dre Entscheidung fallen wird, für uns und unsere Vcrbun- deten eröffnet sich jedenfalls der Ausblick auf erneu Frre- den. wie wir ihn brauchen.
*
Henderson ans der Seite Lansdownes!
W. t.-B. Bern, 4. Dez. (Drahtbericht.) Der Arbeiterführer He n d c r s o n äußerte sich in Manchester zu einem Vertreter der „D.nly News" über den Brief L»nsdownes h ö ch st erfreut und gezeichnete ihn ils zeitgemäß und hoffnungsvoll. Ec empfahl, p.,ß die im öffentlichen Leben itehonden Männer, die äbnliche Ansichten hätten, sich zu- sammentum und einen wohlwollenden Druck auf die öffentliche Meinung rusüben möchten, um eine L rge yerbeiz c- führen, von der die Regierung vielleicht willens sei, Gebrauch zu machen. . Henderson sprach erneut die Hoffnung aus, daß die englische Regierung freimütig ihre Kriegsziele erkläre und nicht erst abwarten möchte, bis Amerika Gelegenheit gehabt hat, dieselben bitteren Erfahrungen zu machen, wie die Alliierten. Wilson wolle fraglos den Frieden heilte, wie 1816. Ein Volksfriede könne sicher auch anders als durch blinde Konzentration auf die militärische Strategie herbeigeführt werden. Henderson wandte sich dagegen, daß kein Versuch eines befriedigenden Ausgleichs gemacht werden solle, bis die Vertreter der Knock-out-Richtung befriedigt seien. Er hoffe, dah Lans- downe seine so beachtenswert begonnenen Bemühungen fortsetzen werde.
wachsendes ZriedensbedÜrfnis in der engk. Arbeiterschaft.
W. T.-B. Bern, '. Dez. Der am 24. November in der Ester Hall abgehaltenen Iahresveftaninilung der Londoner Laboi:r Party, welch? 225 OCO Mitglieder zählt, lag eine Entschließung vor. die den *otortl- gen Friedensschlnß fordert. Der Antrag eines Delegierten, darüber ohne Erörterung zur Tagesordnung-überzngehen, wurde mit 196 gegen 130 Stimmen angenommen. Die starke Minderheit läßt die Zunahme des Friedensbedürfnis'es der englischen Arbeiterschaft erkennen.
Die Einwirkung des U-Vootkrieyes auf die englische Vaumrvollinduftr'e.
W.T.-B. Bern, 4. Dez. (Drahtbericht.) Die durch den Tauchbootkrieg herbeigeführte Knappheit an Rohbaumwolle, welche die englischen Baumwollspinnereien und -Webereien bereits vor vier Moniten zu 36proz. Einschränkung genötigt hatte, wird neuerdings immer drückender und bedroht Lan- c a h i r e mit einer Krise. Eine Abordnung der Baumwollspinner legte daher dem Präsidenten des englischen Handels- amtis, Sir Alfred Stanley, unter Hinweis auf die im Interesse des Landes liegende Autreckiterhaltung des Ausfuhrhandels die dringende Notwendigkeit einer großen Beschaffung ton Spinnmaterial durch die B v r z u g s b e h a n d l u n g der Bcnmwolle seitens des Äckstffahrtsamtes dar. Stanley ver- sicheite, die Regierung verstehe ebenso den Ernst der Lage hinsichtlich der drohenden A r be i t s l o s ,tz k e i t einer größeren Zahl von Spinnereien, wie sie sich der Notwendigkeit bewußt sei, durch die Aufrechierhaltung des Außenhandels M;' Finanzlast des Landes zu erleichtern. Das an sich schon ichn ierige Scknffahrtsvroblem sei indessen durch den Transport der amerikanischen Truppen noch verwickelter ge- Neiden. Er könne keine feste Zusicherung geben, werde es aber als eine große Leistung ansehen, wenn man es ermöglicht, bis zu kV Prozent der Spindeln in Lancashire mit Reh- material zu versorgen .
Osterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 4. Dez (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 4. Dezember, mittags- >
Italienischer Krieqsschauplay
Das A r t i l l e r i e f e u e r hat stellenweise zugenommen. Größere Kampfhandlungen unterblieben.
östlicher Kriegsschauplatz.
'Äesrern nachmittag haben die Verhandlungen über den Waffenstillstand an der ruflischen Front begonnen.
Albanien.
Unverändert, Der Chef des GeneraljtabeZ, ..
ver Waffenstillstand im Osten.
vuchonin im vürserkrteg gefasten.
W. T.-B. Wien, 4. Dez. (Drahtbericht.) Ans dem Kriegs» presteouartier wird unter dem 4. Dezember, mittags, nrrtge» teilt: Die Festsetzung Krylenkos im ruß ychen Haupt» martier ist vor, erbitterten Kämpfen begleitet ge» v efen, m denen der frühere Ooerbefehlshaber D u ch o n t n den Soldcrtentcd erlitten hat
Kmertk as Stellungnahme gegenüber Nutzland.
Sr. Berlin, 4. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „83. Z." ntcTfei aus Basel: Einem Agence-Havos-Berrcht aus
Washinqron zufolge beabsichtigt die amerikanisch« Regierung Rußland gegenwärtig keineswegs a l s d u r ch a u S feindlich zu betrachten, selbst wenn der Waffenstttt- tand zustande kommt. Wenn der Alliiertenkriegsrat m Paris eine d r o l e r i> gebaltene Mitteilung an Rußland zu richten beabsichtigte, würden dse amerikanischen DetegrertLr ihr nicht beipflichten können.
Pessimistische Stimmung in Paris.
W. 1 .-B. Bern, 4. Dez. (Drahtbericht.) Die französischen Presieävßerungen über die russische Lage sind pessi» io-st,sch, aber ruhig gehalten. Der ..Matin", der einen großen Teil der Presse widerspiegelt, schreibt: Man müsse alles tun, um Ütußland zu retten und sich auf das Schlimmste gefaßt machen, nämlich, daß n,an den Krieg fortsetzen muffe, selbst wenn Rußland keine Unterstützung nrehr geben könne., — .Eavlois" erklärt, auf Kaledin nicht mehr zu rechnen. Die Perstäi-digviig Rußlands mit Den, Mittelmächten werde leider, wie aus den Berliner Depeschen ersichtlich sei, schneller eriolaen, als man anfangs glaubte. Die Pariser Konferenz müsse dal>er ver allem die Fortsetzung des Krieges ohne Rußland besprechen und organisieren. — „Journal du People" sagt, der Gedanke fiir sofortigen Freden habe sich in Rußland, das vollkommen erschöpft sei und tdeffen Lage buckstablich unerträglich sei, volkstümlich gemacht. ES werfe sich deshalb in die Arme deffen, der es durch etwas Neues retien wollte.
Die Schweizer Sozmldemokrntie und Rußland.
— Bern, 4. Dez. (zb.) Der schweizerische sozialdem«. kratische Parteitag in Aargau beschloß eine Sympathiekundgebung für Rußland und nahm eine Entschließung an. m der verlangt wird, dah die Schweiz gerade jetzt aus politischen Gründen an ihrem Asylrecht festhaltr.
Keine Lebensmitteltransporte mehr an die rumänische Front!
— Berlin, 4. Dez. (zb.l „Daily Mail" meldet cm» Petersburg: Die maximalistische Regierung ordnete die Einst :llung der Lebeusmitteltr rnsporte an die rumänische Armee an.
Die Anklage gegen die Minister der früheren vorlauflgrn Regierung.
W. T.-B. Kopenhagen, 4. Des. (Drahtbericht.) „Ber> linaske Tidende" verörfentlicht eine Meldung der Petersburger Zeitung „Dien" daß der Rat der Volkskommissare auf Vciicblag des Revcluttonskomitees beschlossen hat, die ver» h, steten Mitglieder der vocläufigen Regierung frerzugeben. sobald die verfassunggebende Nationalver. sammlung eröffnet sei. Der UntersuchungSausschug hat beschlossen, die Untersuchung gegen einzelne frühere Minister einzustellen und drei frühere Minister unter Anklage zu stellen, nämlich den Marineminister WerderowSki, weil ei eiaenmächtig seinen Posten verlassen hat, T er e st s ch e n l o, treil er gum Schaden Ntu^landö diplaniatische Oehennvertrag- abgesstlcffen hat, und den sozialistischen Minister K i s chk i n. weil er bewaffneten Widerstand gegen die Bokschewiki-Regle» rung ciganisiert hat. Werderowski. der vor einigen Tagen verbaftet wurde, ersuchte das Revolutionskomitee, um di- Erlaubnis, nach der Krim reisen zu dürfen, wo sich seine Familie aufhält. DaS Komitee hat das Ersuchen abgeschlagen und den Befehl erteilt, ihn in seiner Wohnung sofort zu ver» Höften.
Eine klare Erklärung über die Kriegsziele der Entente?
— Berlin, 4. Dez. (zb.) Das Organ Clemenceau». .Homme Libre", kündigt an. daß die Pariser Konferenz dl4 Friedensbedingunq-n der Entente m einer scharf Umriss e n e n Erklärung festlegen werde. D,e Pariser Konferenz konnte, wie es heißt, über kemen der Vorschläge für ein« künftige gemeinschaftliche Oberleitung aller Stieitkiöfte der Entente schlüssig werden.
Eine französische sozialistische Interpellation über die Geheimverträqe.
— Berlin, 4. Dez. (zb.) In einer Interpellation ver» langt der sozialistisch« Abgeordnete Moutet von der scanzch sikchen Regierung Rechenschaft über d,e ohne Wiffcn de» Parlaments abgeschlossenen, von Trohky letzt veröffentlichte» Gchrimverträge.
Der amtliche türkische Bericht.
W T.-B. Nonsrantinopel, 4. Dez. (Drahtberiqt.1 Amtlicher ^ Hcerc-teiichr Liiiatiront: An der ganzen Front Ruhe. abgo. sehen von dem üUichen Artillcrieseuer. Uajere Land» au* Osfia»» fließet waisen Bcvücu aus Jn.bros, - '!
