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Wiesbadener

Verlag Langgaffe 21

„Tagdlatthaus".

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12 Ausgaben

Fernruf:

„Tagdllltlhaus" Nr. 6650-53.

Bo» 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntag».

Amt Lützow 6202 und 6203.

Dienstag, 4. Dezember 1917.

Oer Anfang vom Ende!

Wenn bei der ersten Bekanntgabe des vom 28. No­vember datierten Vorschlags der russischen Regierung, betreffend die Einleitung von Verhandlungen über einen Waffenstillstand und einen allaemstnen Frieden, möglicherweise noch ein Zweifel hätte bestehen tonnen, ob dieser Vorschlag eines allgemeinen Friedens, falls er sich n i ch t als e r r e i ch b a r erweise, den Even- tnalvorschlag eines Sonderfriedens nut den Mittelmächten enthalte, io war hierüber, nachdem der genaue Wortlaut der russischen Rote veröffentlicht wor­den war, volle Klarheit gegeben. Tie A n t io c r t aus die Weigerung der Alliierten, sich dem russischen Vorgehen anzuschließen, und auf die damit verbundenen Drohungen der lieben Bundesgenossen war m dem von Zarskose Selo ausgegangenen Manifest schon» vorweg- genommen mit der Erkärung: „Falls die Alliierten

keine Deleg'erten schicken, werden wir allein mit den Deutschen über den Frieden verhandlet,. Wir fordern einen allgenseinen Frieden, aber wenn die allnerte Bourgeoisie uns zivingt, einen Sonderfrieden adzn» schließen, so fällt die Vtzrantwort^inq auf die alliierte Bourgeoisie." Die Leninsche Regierung hat nunmehr ihrem Entschluß die T a t f o l g e n lassen. Unbe­kümmert um den Protest der Entente-Botschafter und um das Wutgeheul in den Zeitungen Englands, Frank­reichs und Italiens ist sie dazu übergegangen, offi­zielle W a f f e n st i l l st a n d s v e r h a n d l u n g e n mit uns anzuknüpfen. Sie hat den Entente-Diplomateu einfach zu wissen getan, daß Deutschland zu diesen Ver­handlungen bereit sei und daß sic am Sonntag beginnen würden. Die Teilnahme daran wurde den Alliierter freigestellt, aber wohl kaum in der Erwartung, daß di Herrschaften davon Gebrauch machen ivürden. Man siel also, daß die Leninsche Regierung ent'chlosson ist, iich durch die Tröstungen Englands und seiner Trabanten nicht von dem Schrilr abhalten . zst lassen, der allein noch Rußland vor der Katastrophe zu bewahren vermag. Im übrigen sind die Drohungen der Entente und der erv'-esser.iche Druck, den sie uns Rußland auszuüben versucht, wieder einmal eine präch­tige Erläuterung zu der Phrrck- von dem S e I b si­tz e st i m m n n a s r e ch t der Völker für das die Alliier­ten angeblich kämpfen. Ein Kapitel, zu dem ja auch die Veröffentlichung der Geheinwerträq' so wertvolle Brr- träae geliefert bat. Aber das seht an der Macht.be­findliche bolschewistische Regime ist trotz aller Drobun- ren entschlossen, die Folgerung aus der Erkenntnis zu ziehen, die das Friedensmanstest in die Worte kleidet: „Die russische Armee und das ruffisttze Volk können und wolle.» nicht länger warten"

Es scheint auch, als ob die Marrmalisten jetzt nicht nur den W i I l e n, sondern die Macht zur Lianidatron des Weltkrieges haben. Kann doch kein Zweifel meha dari'.ber bestehen, daß der Diktator a. D. Kerenskr Iine Rolle a u s g e s p i e l t hat. und die Gegenrevolu­tion Kaledins scheint schon deshalb wenig Aussicht auf Erfolg zu haben, weil die koiakstch-autokratisch- zaristischen Ziele dieser Kadestmaktion allzu klar zu­tage liegen. Daß aber die Leninsche Regierung nicht nur im russischen Volke, sondern auch in; Heere sich immer mehr durchsetzt, geht ans du bd e ü t s a m e n Meldung von der Flucht des bisherigen Oberkomman­dierenden, des Generals D u ch o n i n. aus dem Haupt- giiaatier hervor. >vo nunmehr der Beauftragte der Leninschen Regierung Krylenka das Kommando übernommen hat. Mit Dnchonin mit dem d i c V e r- treter der Entente geflohen sind, aber h'ven stärkste Stütze und das größte Hindernis gegen einen Friedensschli'.ß gefallen Meldet doch sogar die „Times" daß jetzt alle ntffiWv’n Truppsnsormntinnen den Vorschlag eines Waffenstillstandes angenommen haben.

Kennzeichnend für die Stimmung in der Entente ist die onostvolle Sorge, mit der ihre Presse die Folgen eines Waffenstillstandes bezw. Friedensschlusses zwischen Rußland und den Mittelmächten erörtert wobei sie sich nicht verhehlen kann, daß Rumänien der Nächste da­zu sein wird. Berichtet doch "in sranzöst'ches Platt, daß „der Pariser Konferenz ein Ersticken d;r rumänischen Regierung vörliege, welches von folgenschwerer Bereu, tung sein werde". Welcher Art di's Ersuchen sein dürfte, gebt ans der Erklärung d-s Bubieaster Politi­kers Professors Stere hervor, daß „Rumänien keinen Krieg mehr führen könnte, falls .Rußland Frieden schließen sollte". Aber auch in Italic n steht man ^,dasSchicksal Karthagos berannahen", und der Minister Orlando hat Pariser Ausf-mgern wehmütig bekennen müssen, daß „Italien vielleicht noch schwerer als Este anderen Ententestaaten durch Rußlands Verrat De- grossen worden sei". Wobei es ein Witz der Welt­geschichte ist. wenn a » s g e r e ch n e t die I i a l i e-

e-. die sich doch ans das Geschäft verstehen, vom V e r- rat sprechen

Morgen-Ausgabe.

Aber auch die Engländer scheinen sehr beklommen zu ' sein: denn sie wissen wohl, was die Entlastung im Osten für. den Westen bedeuten würde, um so mehr, da sie ge­rade setzt aus dem Schlachtfelde von Eamdrai eine Kostprobe davon erhalten haben, lind haben die Eng­länder sich schon klar gemacht, was es für die Kriegslage in der asiatischen Türkei, nO 1 die Entscheidung m M e' o p o t a m i e n und P a l ä st i n a bedeutet, wenn Rußland die Operationen geaen die Türkei ein­st eilt und diese dadurch freie Hände bekommt? Es gehört wirklich nicht viel Pcophetenanbe dazu, um zu erkennen, welche weittragenden, '.nrlirarrschen Folgen das Ausscheiden Rußlands aus der Reibe der Traban­ten Englands mit sich bringen müßte und mit diesem Ausscheiden ist nunmehr, nachdem die Waffenruhe bereits in zahlreichen Abschnitten der rnssstchen siront turckj Vereinbarung von. Division zu Division zur Tatsache geworden ist. und nackwein bevollmäch­tigte Vertreter Rußlands sich zu V nch.mdlungen »nt unseren bevollmächtigten Vertretern in einen verab­redeten Ort begeben haben, aus bas bestimmteste zu rechnen Bereits ain gestrigen Sonntag haben die Verbandlnnaen begonnen, und man darf ihnen mit der Gewißheit entaeqensehen, daß sie den Anfang vom

Ende bedeuten. ^ • ,

*

Die Wirkung des russischen Ausscheidens aus dem Kampf.

U. Rotterdam, 3. Dez. (Gig. Drahtberichi. zb.) Ter „Nieuwe Rotterd. Courant" hebt hervor, der Waffenstillstand mit Deutschlmrd dürste die größte militärische Wirkung haben, weil Deutschland, Österreich-Ungarn und die Türkei über­aus starke Streitkräfte fr ei mächen und an anderen Fronten verwenden können. Gin italienisches Blakt soll kürzlich baldigen Friedensschluß aus Kosten Rußlands empfohlen haben. Das ist — bemerkt- der „Ntceuvc Rotterd. Gourani" — s ch o n z n s p ä i. Gerade das Umgekehrte dürfte demnächst stattfinden, daß nämlich Rußland einen günstigen Sonderfrieden erlangen wird und die anderen Gntentemächte den Schaden zu tragen haben.

Protesterklärung der Entente.

8. Stockholm, f Dez. (Eia. Deo.btbencht. zb.) Aus zuverlässigerOnelle wird mir mitgeteilt, daß die Chefs der verbündeten Gesandtschaften, ausge­nommen der amerikanischen, folgende Protesterklärung dem russischen Ministerium des Auswärtigen abaahen: Tie Unterzeichneten Cbefs der Verbündeten Gesandt­schaften in Rußland bähen hiermit auf Grund bestimm­ter Instruktion zn erklären daß sie in energische'' Deist bei dem Oberbefehlshaber der Arniee geaen den Bruch desBerrraas vom 23. August durch die r u i fisch e Armee protestieren, in der di? Alliierten, einschließlich Rußlands, sich feierlich verpflichten, weder Einzel; frieden abzuschließen noch einzeln dieOpera- tionen ein zu stellen. Die Unterzeichneten ver­langen, daß dem russischen Generalstab di? Wa r n u n g zuteil wird, daß ein Vertragsbruch von russischer Seite s e h r e r n sie F o l g e n nach sich zieh»n würde.

YV. T.-B. Petersburg, 2. Dez. (Reuter.) Der amerika­nische Milstärbsvollmächtßgte in dem Hauptquartier des russi­schen Geucralstabs übermittMe Dnchonin einen energi­schen Protest der Regierung der Vereinigten ©tarnten . gegen -den Abschluß eines S o nd e r w a f fe n st i l l st a n d s -durch Rußland. Auch der französische Milstärbevollmäch- rigte hat Dnchonin mitgeteilt, daß Frankreich die Vollmacht der Volkskommissare, nicht anerkenne, und daß es das Vertrauen hege, daß das • russische Oberkommando alle verbrecherischen Verhandlungen avleihnen werde.

Das Verhalten der Entente-Botschafter in Petersburg

8. Stockholm, 3. Dez. (Gig. ^rahtbericht. zb.) Wiederum gelangt hierher die Nachricht, daß die Botschafter Petersburg verlassen wollen. Diesmal, so meldet das Gerücht, handelt es sich jedoch nur um eine Protest­kundgebung, uwd sie wollen sich deshalb nur nach Stockholm begeben, während das Botschaftsper­sonal in Petersburg zurückbleibt.

Frankreichs Beklemmungen wegen der Vorgänge in Rußland.

YV. T.-B. Bern, 3. Dez. (Drahtberichi.) Die ganze fran­zösische Presse erklärst in den letzten Tagen, daß angesichts der Vorgänge in Rußland ein vollkommen neuer Kriegsplan ausgestellt werden muffe. Die Vorgänge werden als sehr ernst angesehen. Die scharfen Ausfälle regen die Maximalisteu. d'estls Verräter und deutsche Spione bezeichnet werden, nehme* unentwegt ihren Fortgang. Da­bei' warnen Blätter aller Parieirichtuiigen, darunter MattN", „Pahs" und „Lauterne", vor dem Abbruch der Be Ziehungen zum russischen Volke. Der „Temps" schreibt u. a.: Alan könne zur verfassunggebeiiden Versammlung, die jetzt in Rußland gewählt würde, ironisch lächeln unD ihr feind­selig gegemiberstehen, aber es wäre besser, nachzudenke» Mid schließlich doch änziierkennen, daß sie das erste Symbol des revolutionären Rußland fest Zum erstenmal besitze Ruß- lc-rid wieder ein Werkzeug, das der gewaltigen Umwälzung eine gesetzliche und demnächst endgültige Form geben könnte.

Nr. 615. . 65. Jahrgang.

So lange die gesetzgebende Versammlung bestehe, sei sie der Ausdruck des Volkswillens. Vielleicht bedürfe es nur weniger Wccheu, damit sich unter dem Einfluß der Versammlung das ganze russische Problem von Gcund auf in seinem Angesicht vciärdere.

In Petersburg vollkommene Reihe und Ordnung.

Br. Bern, 3. Dez. (Gig. Dcahtbericht. zb.) Der russische Mitarbeiter des Berner „Bund'' meldet: In Petersburg

herischi seit einigen Tagen vollkommene Ruhe und Ordnung. Der Rat der Volks beauftragten hat die strengsten Maß­nahmen elgriffen, um jede Gegenrevolution im Keime zu ersticken. Die Ausländer sind vollkommen sicher; die Lebens- msttelzufuhr ist vollkommen ausreichend.

Jeiiidliche Stimmung gegen die Amerikaner.

Br. Haag, 3. Dez. (Gig. Drahtberichi. . zb.). »Daily Chronicle' meldet aus -Petersburg- Die amerikanische Mst- -chast in Petersburg wirb von einer Abteilung englischer tzoldateri bewacht, da die Stimmung gegen d^e Amerikaner ist.

Oie Anbahnung des Waffenstillstandes an der ganzen russischen Zront.

Gesterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

YYY T.-B. Wien, 3. Deg. (Dvahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 3. Dezember, mittags: In den letzten Tagen

wurde an vielen Abschnitten der russischen Front v o» Division zu Division, vop Korps zu Koros Waffenruhe vereinbart. - Im Pripjet-Gcbiet hat die russische Armee mit dem gegenüberstehenden Kommando der Berbünvctcn Fiinen f o mm c l l e n Waffenstillstand abgeschlossen. Eine russische Abordnung durch­schritt gestern unsere Linien, um mit dem Bevollmächtigten der verbündeten Heere einen W affen st i l l st and an der ganzen russischen Front an zn bahnen.

Anf^dcm italienischen Kriegsschauplnv und in Albanien nichts ReueS. ’

Der Chef des Generalstabes.

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Der Waffenstillstand am Privjet.

YV. T.-B. Berlin, 3. Dez. (Amtlich. Drahtbericht.) Am

1 d M. ist mit einer russischen Armee Waffenstillsiand für »die Frönt vom Südnsers de 8 P rips et nach Süden bis südlich der Lion vereinbart worden. Mit denl 2. d. M., 16 Nhr abends, wurden in diesem Abschnitt diö Feindseligkeiten e i n g e st e l l t.

Es sind A b m a ch un gen getroffen worden, die sich auf den Verkehr zwischen de» beiderseitigen Linien, Trnppcnvcr schiebnngen, Steklnngsarbeiten und Fliegertätigkeit beziehe».

Für die Kündigung der Waffenruhe ist ein Zeitraum von mindestens 48 Stunden festgesetzt, vor dessen Ablauf die Feindseligkeiten nicht beginnen dürfen.

Eine große diplomatische Konferenz der Verbündeten?

Br. Haag, 3. Dez. (Gig. Dcahtbericht. zb.) „Daily News" meldet: In politischen Kreisen verlautet gerüchtweise, daß binnen kurzem, veranlaßt durch den Brief Lansdownes, eine große diplomatische Konferenz zwischen den Verbündeten zu einer ernsten Aussprache über die Kriegsziele statt- finden soll. Alle Handels- und Jndustriezeitschriften sowie die wirtschaftlichen und finanziellen Presseorgane begrüßen m ihrer kurzen politischen Übersicht die Ausführungen Lord. Lansdownes.

Zunehenende Verstiimnung über Lord Lansdownes Friedensbries.

Uhi, Rotterdam, 3. Dez. (Gig. Drahtberichi. zb.) „Ti.mes" schreibt * am Samstag: Die Verstimmung über Lansdowne sei noch gestiegen. Der Verlaus einer Versammlung der Union istischen Partei habe gezeigt, daß Lansdowue sch?werilich Unterstützung bei den Unionisten finde. Hertlings Siellungnachme GnAaud gegenüber in seiner Reich»- tagsrede habe dazu beigetragen, die Neigung eines großen Teils der Allgemeinheit, L a n s d o w n e b e i z u p fl ichie n, tv e i t e r z u schwächen.

Oie militärische £<xae.

fiR o n unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 8 . De; (Gig. Trahtbcricht. zb.) Über Ae Waffen- st i l I^st a n d s v c r h a n d l u n g e n mit Rußland gibt die amt­liche Mitteilung Auskunft. Und obschon zahlreiche Meldungen Hier- über aus dem ucistralen Auslande vorliegen, teils auch aus verdäch­tiger- Gvtcutcauelle, wird man sich im wesentlichen mit den Mit­teilungen aus ,Oterost" begnügen können, die ja-erfceulich genug lind. Gilt übermäßiger Jubel wird im deutschen Volk über das Fortslbrcitei' der Wassenruhe an der'russischen Front nicht entstehen, da wir giTemi baten, auch grösste Ereignisse mit Ruhe zn be­urteilen und vor allein ofsunmtea, bis durch die unwider­ruflichen Tatsachen nr-serc Hrssnnngen erfüllt sind.

Ui sere Feinde int W c ft c n werden sich sagm müssen, daß es des vcükcmwcncn Kam» sende- im Osten nicht bedurfte, um unseren und der vtikündeten Heere z» gestatten, k r a-s t v o l l s t e Offen- s i v st ö ß e oder »rsclarnchste Abwehr gegnerischer Osseiisive durch zuführeil. Bei G «in b r a' hat sich nach dem Einsatz verhältnismäßig geringer, ans den ircpttchen Reserven genommener Brrstarkunü«» bist