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Verlag Langgasse 21

„Tagtlatthaus".

Echalter-H-lle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr a&enit».

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gateftellen und in den benachbarten L°..d.rten n..d im Rheinen'die' beLLn

12 Ausgaben.

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„Tagdlatthaus" Nr. 665»-SS.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, anher Sonntags.

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Der neue Runzler vor dem Reichstag.

^ le. Berlin, 29. November.

Am Tisch Los Bunidesvats: Reichskanzler Graf v. Hert- Grats v. .Roadern, v. Kü'hlman«n, v. Bveitenbach, ° Dc. spelle, v. Stein, Dr. FrieSberg, v. Krause,, Schiffer, ^sydow Herght und zahlreiche Vertreter aller Bundesstaaten — Haus und Tribünen sind überfüllt.

Präsident Dr. Kaempf.eröffnet die Sitzung um 3.15 Uhr. . Nach Bekanntgabe einer Anzahl den Ernennungen und einer einleitend«- patriotischen Rebe des Präsidenten, in der er auf die Leistungen unserer Truppen und denen der Flotte

UUb -u” Dank der Heimat zum Ausdruck

brachte, ergreift

Reichskanzler Graf v. Hertling

das Wert zu folgenden Ausführungen:

. . §eT ? en! -urch das Vertrauen Seiner Majestät

des Kaiser? aus meinen Posten berufen, habe ich die Ehno

l SU begrüß«,. Ich will nicht unterlassen, zu- nnch,t a^em Präsidenten meinen Dan«k für die sreuEichen Worte auszuWvechen, di« er an mich gerichtet hat. Möge die wnySfchlayene Note gegenseitigen Vertrauen? un- sere gemmnsan en Arbeiten leiten. Wie Ihr Präsident schon

^ im H°uS. WäSrend zweie: durch 6 Jahre getrennter Msthnitte bin ich im ganzen - ^MiLylied rd-ies.es Hcruses g-ow-esen. Ich h^Z-e üUls verschiedenen Gebieten mit Angehörigen aller Partei « znsammengeaDbeitet. Ms ich im Februar 1912 an die 'Spitze des baheridchen Ministeriums berufen, und dadurch mckner ParlEntamschen Tätigkeit ein Ende gemacht war, ging ich °°u h-er mit dem Bewußtsein, viele Freunde, manchen poli- ^^ner zu haben, aber ich vertraute, keinen persön­lichen Feind zurückzuilassen. (Zustimmung.) Mit di->«m Vertraren trete ich jetzt vor Sie. Wenn ich mich tn ftirm. swcgter Zeit entschlossen habe, das schwere und vevamtiv-.".-- tungSvclle Amt veS ReichÄa.r.^ler? zu übernehmen, wenn ich d:e Bedenken zuruckgesstellt hübe, die sich schon allein ins EEN vorgeschrittenen Alter .ergeben konnten, so leitete mich dabei die Überzeugung, daß ich die ungesucht an mich herangetvetene Ausgabe nicht ablebnen dürfet da cs PlstM dem Vaterland jedes, .auch dos schwerste Opfer «m bringen. Aus dieser Gesinnung heraus bin ich dem an mich Y^-n-r: Ruf des-Kaisers gefolgt. An .diesem | r " tc 'ch Sie, meine Herre». UNI Ähre vertrauensvolle

am Schluß eines Jahres, das uns auf den ^ verschiedenen Kri-eysschmtplätzen weitgehende Entscheidungen gebracht hat. -

Ssolz und dankbar werden wir daran erinnert, daß fast überall unsere Waffen, die eigenen wie die unserer Ver­bündeten, von Erfolg begleitet waren.

Unsere Flandern front blieb, wenn auch einige Dörfer imö Hofe verloren gingen, in sich völlig unerschüttert. 3K- g.eini ist f«n«n Ziel, sich der flandrischen Küste zu be­mächtigen und unseren dortigen Stützpunkt für die U-Boote zu unterbrechen, nicht näher gekommen. Nach den verlustreichen Kämpfen in Flandern, such«-n die Englände- fetzt bei C am brat eine neue Entscheidung. Die Ansangs- eriolge. die die Engländer dort erreicht hatten, konnten von ihnen nicht weitergeführt werden. Unsere Führer und Truppen sehen dem Ausgang dieses Kampfes mit voller Zuversicht enchegen. (Beifall.) Das ruhmreiche Vordringen der verbündeten Armeen in Italien hält die Welt noch heute in Staunen. Wenn man den «gesainten Gewinn in Ziffern umrechnen würde, so würde er sich auf Milliarden belaufen. Die Beute zu bergen, ist bisher noch ssar nicht möglich gewesen. Der weitere Erfolg unserer .Jsonz,siege ist die wirksame Entlastung unserer ' L. e st f r r n t. In gleicher Weise macht sich üiese-r Sieg in . ^ Z c d o n i e n füihlbrr, denn der Feind scheint jetzt die ge-- ringen Erfolge, die er westlich des Ochir.ida.sees erruuaen bat freiwillig wieder ansgeben zu wollen

„2 0 " c . ^ at die auf sie gesetzten Hoffnungen durch-

auv erfüllt. Unsere Hochseeflotte, deren rastlose Tätigkeit den vollen -tauf des VatecianoeS verdient (Beifall.), hat nach ihrem Ruhmestag vom Skagerrak wieder bei der Wegnahme von Mel, Moon und Drgö gezeigt, was sie in wirksamem Zusam men wirken mit dem Landheer vermag. Unsere Hochsee- bie "-'ch"ge Aufgabe, den Stützpunkt für unsere Unterseeboote zu bilden. Unterseeboots-

Han d e l s k r i e g übt seine gewaltige erfolgreiche Tätigkeit weiter aus. (Beifall.) Er war und ist das einzig er- f°fe r f TC ^ e ducchgc>ifende Mittel, um unseren ge fahr- ' bei J % üf>rez eigentlich der ganzen balti­schen Kriegsmacht, an seinem Lebensnerv zu treffen. (Leb- hafter Beifall.) Wir können nur der. - Zuversicht und Erwar­tung Ausdruck geben, daß er seine Aufgabe weiter erfülle,

wird.7Le^LlM^ Krieges bald entgegenführen

<ro bietet der Blick auf die Kriegslage unserer Zuversicht und Siegesgewißheit neue Nahrung.

Wir können nicht die Kriegslage erwähnen, ohne uns mit dem Gefühl unauslöschlichen Dankes zu erinnern, denen wrr ritsc günstige Lage verdanken; der glorreichen Armee und Flotte unter ihrem genialen Führer! (Leb- cn> ^^ Wenn unser Dank sich besonders, an die

Westfront richtet, so geschieht es selbstverständlich nicht, um rre unvergleichlichen Verdienste der Armeen zu schmälern, die einer Lawine gleich durch unwegsames Gelände hindurch auf tn Gefilde Lberitaliens eingedrungen sind, um das verräterische Italien zu züchtigen. Aber unsere siegreiche Msensive in Rußland 1915, in Rumänien 1Ö16 und °uch 'er siegreiche Feldzug in Italien hätten nicht in gleicher Kraft durchgeführt werden können, wenn nicht die eherne Mauer im Westen den wütenden Anstürmen standge- halten bätte. Ihr gilt deshalb unser besonderer Dank.

Der gleiche Dank wie unserem Volk in Waffen gebührt dem V o l k r n d c r H e i m a t. Es ist von gleichem Sieges­willen erfüllt Ruhig und stetig erträgt es die Entbehrungen, die de>' Krieg mit sich bringt. Zielbewußtundopfer- b c r c l drangen sich die F r a u e n zu den Arbeiten, au? deiwn die Männer abberufen wurden. Me Stände und Kreise der Bevölkerung strengen im eifrigen Wettbewerb ihre Kräfte an, um die nötige Hilfe zu leisten. Unsere bei Beginn des Krieges eingeschlagene Methode, den Krieg zu finanzier«,, hat srch erfreulich bewährt. In regelmäßiger Folge hat das -Ebenmal an das deutsche Volk appelliert, um immer die Mittel zur Fortsetzung des Krieges bereitzustellen. Alle Kreise des Volkes haben an ihrem Teil mitgeholfen, die Füh- rung des Krieges zu ermöglichen. Summen, die uns in den hinter uns liegenden FciedenZjahren phantastisch. vorge­kommen wären, nahezu 73 Milliarden, sind durch freiwillige Zeichnungen aufgebracht worden. (Bravo!) Wenn ich an dieser Stelle allen denen, die zu dieser großartigen Leistung beigetvagen haben, den Dank des Vaterlandes aus­spreche. so geschieht es nicht, weil ich dächte, daß sie in diesen Leistungen nicht unermüdlich fortfahren würden, auch ohne, daß dieser Dank ausgesprochen ivird, wird das jeder im In^ teresse des Vaterlandes tun.

Der zuletzt von dem hohen Haus bewilligte Kredit nähert sich der Erfchüpfung. Ich habe daher die Ghbe, dem hohen Haus einen Nachtragsetat zur venfassungsmäßi- gen Beschluß fassuing vorzuleyen. Ich «te Leu Reichstag, durch leine Z n st i m m u n g zu der «neuen Vorlage, wiederum zu 'erkennen zu geben, daß er zu jedem Opfer bereit ist. daß auch er bereit ist. alles zu tun, was das Vaterland oec-' langt an Bereitstellung von Mitteln für die Fortsetzung des Kriegs. Die Flüssigmachung der Kredits zu denen «ich die Ermächtigung «tttte, soll in der bisherigen -Weise geschchen. Die Höhe ist dieselbe wie das letztemal.

. Daß -der Krieg, und zum>al ein sc furchtbarer Krieg, wie ihn die Welt bisher gar nicht kannte, nicht nur tiefe Spuren i m P o l k s l e b e n zurückgelasten hat, sondern .auch neue Aufgaben stellen werde, zur Neugestal­tung hinführen werde, das müssen «wir beachten, auch wenn nicht die Geschichte frGerer Zeiten -daraus vorbereitet hätten Ein ungeheures Erlebnis hat unser gesamtes Volk erfaßt.

Die Begriffe von Volk und Staat, von Nation und Vater­land sind jetzt von jedem einzelnen in dem gesamten Volk in ihrem ganzen Wert unmittelbar erfaßt.

Nicht nur, indem sich .das ganze ^Volk w i e «e i n M a n n «er­hob, indem an jedem Tag da draußen im Feld unsere «Söhne und Brüder ihr Leben Sinsetzen, nein, auch der Arbeiter in der Werkstatt, d-r Landmaun hinter dem Pflug, weiß heute, daß die Arbeiten, die er unter erschwerten Verhältnissen leisb't dem Vaterland geleistet sind. Er fühlt sich «als Glied des einen Ganzen, er >ve-ß, daß der Staat, unter oefs«i Schutz er bisher seiner Beschäftigung nachgg.ng, sein «gensteS Eigentum, feine «Sache, fein. Besitztum ilst. Daher «denn auch das große In­teresse, das allerorts' an den staat-lichen Institutio­nen sich zeigt. Man geht an «sie heran mit der Frage, ob sie die Probe bestanden haben, die der Krieg an sie stellt, öder ob sie anderen Einrichtungen Platz machen sollen.

Hier gilt eS, das Richtige zu erkennen und das Erkannte mit fester Hand durchzuführen.

(Sehr richtig!) Es gilt, sich nicht von Schlayworten blenden zu lassen, und die Einrichtungen fremder Nationen nicht sklavisch nachzuahmen. Es g'lt, das zu tun, was dem re«i- len Be-dürsurs unseres Volkslebens, was deutsch,em Geist und «deutscher Eigenart entspricht. (Bravo!) An den Gr und- lg gen unserer Reichsverfassung kann und darf nichts geändert werden. Sie ist recht eigentlich aus dem historisch gewordenen Charakter des deutschen Volkes und seinen verschiedenen Stämmen emporgewiachsen. (Sehr rich­tig!) Und die paolameatarische Bertvetung des Reichstags rrbt aus 'denkbar sssiester Basis. Wenn das auf dem fester Fundament sich bewsgende politische Leben ,:eue Ausgaben evhäl't. wenn sich neüe Bedürfnisse Herausstellen sollten, neue Bedürfnisse im Rahmen unserer ReichDvMsassunü. so wird die

Reichsleitung Wünsche und Anregungen, die ihr auS diesem bohen Hause zukommen, jederzeit — des bin ich gewiß —- ihr qenei,gteS Ohr leihen und sie einer sachgemäßen Prüfung untevwmsen.

«Ebenso wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, der Be­schränkungen der Koalitionsfreiheit, die aus dem Z. 153 der Reichsgewerbeordnung sich er«gelken, beseitigt. Auch dieser Gesetzentwunf wird dem Reichstag in seiner näch­sten Tagung zugchen. Daß auch d-e Regierungen der Bund«Ä» stao«ten die gleiche Auffasinng teilen, ist sich«. Sie alle wissen, m welch großzügiger Weise in dem mächtigsten deutschen Wun- «desstaat von der höchsten Stellt die Initiative zur weitgehenden Reform ergrifsen worden ist. Ich habe jetzt hier über diesen Gegenstand weiter nichts zu sagen.

Was die Zensur betrifft, so bin ich gern bereis der freien Meinungsäußerung zu ihrem Recht zu berihÄsen, so weit viterländische Interessen nicht im Wege stehen. Gewisse Tcbranken werden sich ja im Krieg niemals vermeiden lassen. Die Presse ist ihrerseits gar nicht in der Lage, jedesmal zu erkennen, ob Mitteilungen «oder Erörterungen, die sie bringt,

. den, Vaterland schädlich oder nüMch sind. Sie bedarf desh-alb der Führung und der Kontrolle. G«egLnü.ber den strengen Zensurmaßregein in den anderen Ländern, befinden wir uns beute in der Lage eines Spielers, d« mit offenen Karten des Spiels genötigt ist, während die Gegner die ihrigen ver­stecken müssen. Sie alle haben gelesen, mit welcber katsgorr- fch«! Bestimmtheit jüngst C leme n ceau noch'jede Milde­rung der Zensur abgelehnt hat, deffclbe Clemenceau, der als Herausgeber des „Homme onchain«" mit größter Erbittmung gegen die Zensur «'Ngekämpst hatte. «Es ist mein ernstes Be-' streben, Mi'ßstände und berechtigte Klagen abzustellen und ihrer Wied«er5ehr vorzubeugen. Namentlich im Verbotdcr Z e i t u n g e n soll eine Milderung.eintreteu, und es soll ein eng«es Verhältnis zwffchen den Hera- sgebmn und der Zen­sur stattffndeu. Nun möchte ich aber auch an Sie eine drin­gende Bitte richten: '

Lassen Sie alle Mcinungsverschiedcr.heiten möglichst zu­rücktreten. Zum Austrag von Parteigcgensätzen ist nach dem Krieg Zeit genug.

Zeigen Sie durch Ihre einheitliche Geschlossen- £.e i t, daß es in Deutschland nur einen Gedanken gibt- der' alle Herzen «erfiillt, den Gedanken an das Batttland, daß wir nur von «dem einen GedEken befeftt sind, du-rchzuhalteu bis zvm Ende.

Nun einige Worte über die allgemeine Lage. Mein verehrter Vorgänger hat mir ein kostbares Erbe hinterlassen, «die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zu. O st e r r e i ch - 1l n «g a r n, Wn«lgarien und der Türkei« Die Verteidigung der heili«gsten Güter hat uns zusammenge- führt. und wir w«den aushalten bis zum Sieg« Nun bin ich in der Lage etwas Neues mitzuteilen:

Die russische Regierung hat von Zarskoje Selo aus ein vom Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Herr» Trotz kt, und dem Vorsitzenden des Rats der Volkskom­missare Herrn Lenin unterzeichnetes Kunkentelc- g r a m m an die Regierungen und die Völker der kriegführen­den Länder gerichtet, worin sie vorschlägt, zu einem nahen Termin in Verhandlungen über einen Waffen- stillstand und allgemeinen Frieden einzutrcten. (Stür­mischer Beifall.) Ich stehe nicht an, zu erklären, daß in den bisher bekannten Vorschlägen der russischen Regierung dis­kutable Grundlagen für die Ausnahme von Verhand­lungen erblickt werden können, und daß ich bereit bin, in solche einzutreten» sobald die russische Regierung hierzu be­vollmächtigte Vertreter entsendet. (Lebhafter wiederholt« Beffall.) Ich hoffe und wünsche, daß diese Be. strcbungrn bald feste Gestalt annehmen und uns den Frieden bringe« werden

Mit aufrichtiger Teilnahme verfolgen wir die Entwick­lung der schweren Krise des russischen Volkes! und wünschen, oaß es möglichst bald zu ruhigen und geordnete» Verhältnissen kommen möge.

Was die Zukunft von Polen, Kurland und Livland an- geht, so können wir Hc dem Selüstbestimmungsrecht ihrer

, Völker überlassen.

Wir Erwarten, daß sie sich selbst diejenige staatliche Gestalt geben werden, die ihren Verhältnissen und der Richtung ihrer Kultur enffpricht. Übrigens sind alle diese Dinge noch in der Schwebe. . Nachrichten, die vor einiger Zeit durch die Presse gegangen stno, als ob in allen Punkten schon feste Ab­machungen getroffen wären, eilen den Tatsachen weit voraus. Anders ist die Lage ipegenüber Italien, Frankreich und England. Seit w>r und unsere Verbündeten uns aus den Boden der P a v st n o t e gestellt haben, ist natürlich dem törichten Gerede, als ob der deutsche Militarismus