Verlag Lmiggaffe 21
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Samstag, 24. November 1917. flbCltö*HU$ClClfe£* Nr. 600. ♦ 65. Jahrgang.
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Der erfolglose neue Äurchbruchsversuch der Engländer.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Nov. (Amtlich.)
2Hcfüid?ci* 5iriegsfchln,platst
Heeresgruppe Kronprinz Ruvprccht.
Bei gesteigerter Artillerietötigkeit in Flandern wechselten Feuerwellen von größter Heftigkeit mit ruhigem Zer- störungsfchießen zwischen den von Boesinghe auf Staden und von Aper» auf Roulers führenden Bahnen.
südwestlich von Cambrai suchte der Engländer er- ueut die Entscheidung.
Starker Feuerkampf auf der Front von Q u c a n t - B a n «e u * leitete die Schlacht ein.
Ein starker Angriff auf Jnchh brach vor dem Dorf zusammen.
MoeuvreS wurde in erbittertem Kampf gegen mehrfachen Ansturm zShverteidigt.
Bon besonderer Wucht war der auf B o u r k o n über Fontaine und La Folie gerichtete Stoß. Einer dichten Welle von Panzerwagen folgte tief gegliedert Infanterie. Ihre Kraft brach sich an dem Heldenmut unserer Truppen und unter der vernichtenden Wirkung unserer Artillerie. Den unter schweren Opfern nur langsam auf Bourlon Boden gewinnenden Feind traf der Gegenstoß im Angriff bewährter Truppen. Sie warfen sie ans Dorf und Wald Bourlon wieder hinaus.
In mehrmaligem vergeblichen Ansturm gegen das heiß- umstrittene Fontaine und den Wald von La Folie erschöpfte der Feind feine Kräfte. Dieselbe Truppe, die am Tag vorder bei der Erstürmung des Dorfes ihren glänzenden Angriffvfchneid erwies, hat sich gestern ebenso standhaft und tapfer in der Abwehr geschlagen. 30 allein vor Fontaine zerschossen liegende Panzerkraft, wagen geben ein Bild über den Einsatz der feindlichen Kräfte.
Starkes Feuer hielt auch während der Nacht in einzelnen Kampfabschnitten an. Unsere Arlilleriewirkung hielt nächtliche Vorstöße gegen Ru milly und südöstlich MaSniercs nieder.
Herresstruppe Deutscher Kronprinz.
An vielen Stellen der Front erhöhte Tätigkeit der Franzosen.
Seit dem 20. November verloren unsere Gegner im Luftkampf und durch Abwehrfeuer 27 Flugzeuge.
Rittmeister Freiherr v. Nichthofen errang seinen 62., Leutnant Freiherr v. Nichthofcn seinen 26., Leutnant Bongartz seinen 24. Luftsieg.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Keine größeren Kampfhandlungen.
Mazedonische Front
Das Feuer lebte zwischen dem Prespafee und Mouastir, sowie im Cernabogen auf.
Italienische Front.
Westlich von der Brenta und zwischen Brenta uad Piave scheiterten italienische Angriffe.
Der Erste Gcneralquartiermeister: Lndendorff.
vis Bedeutung des mißglückten englischen Vurchbruchsversuchs bei Cambrai.
W. T.-B. Berlin, 23. Nov. Der englische DurchbruchS- verluch in der Richtung Cambrai ist nach dem üblichen ersten zur Regel gewordenen Anfangserfolg trotz Einsatzes ungezählter frischer englischer Divisionen und trotz gr..vpenweiser Verwenoung von mehreren hundert Tanks blutig gescheitert. Der dritte Tag dieser Schlacht war ein voller Erfolg der deutschen Truppen. Der Feir.d versuchte am 22. November sowohl im Norden wie im Süden dir Einbruchstelle durch erbitterte Angriffe neuer Neuerten zu erweitern und gleichzeitig in Richtung Cambrai Raum zu gewinnen. Gegen den Ort Moeuvres und die westlich anschließenden Stellungey führte der Feind von 1 Uhr nachmittags ab wiederholte erbitterte starke Angriffe, die meist schon in unserem Feuer verlustreich zusammen- brachen, an einzelnen Stellen im Gegenstoß abgeschlagen wurden. DaS Dorf selbst blieb in unserer Hand. Den Hai'ptangriff führte der Feind südöstlich des Waldes von Bourlon beiderseits des Dorfes Fontaine. Unter außerordentlich boben Verlusten brachen hier die feindlichen Maffea- angriffe zusammen. Nach erbittertem Kampfe stürmten die deutschen Truppen den Ort Fontaine selbst, den die Engländer am Vortage unter schweren Opfern hatten besetzen können. Auch weiter südlich gewann unsere tapfere Infanterie Gelände und vertrieb den Feind völlig aus dem Walde von La Folie, der voll von Haufen englischer Gefallener ist. Im Süden des Hauptk rmpffeldes griff der Feind mit starken Kräften gegen Rumilly und Banteux an. Hier scheiterten 'restlos die englischen Angriffe, wie ebenfalls ein weiter südlich geführter Teilangriff. Die Verluste des Feindes an allen drei Kampftagen sind außerordentlich schwer.
Die neue Offtnsive der Engländer auf Cambrai ist ein AWvis dafür, daß tgc englischen Obersten Heeresleitung
allmählich die Erkenntnis aufgeganzen ist von der Stärke und Unüberwändlichkeit der deutschen Flandernfront und der Unmöglichkeit,. dort ihr entscheidendes operatives Ziel, die deutsche Unterseebootsbasis, zu erreichen. Sie ist zugleich ein Eingeständnis der schweren dauernden Niederlagen, die das an Zahl und Material vielfach überlegene britische Heer in dreimonatigen andauernden Großkämpfen trotz Einsatz von weit mehr als l 1 /? Millionen Mann unter ungeheuren Massen- opfern im Kampfe um die deutsche Unterseebootsbasis im flandrischen Sumpfgebiet erlitten hat. Um den Eindruck dieser fortgesetzten Niederlagen abzu-chwächen, macht die englische Presse mit dem lokalen Ge ländegewinn in Richtung Cambrai eine alles Maß übersteigende Reklame, die zugleich die wirklich großen Erfolge der Mittelmächte in Italien in Schatten stellen soll.
Das russische waffenstillstandsangebot.
Br. Rotterdam» 24. Nov. (Gig. Drahtbericht, zb.) Eine Reutersche Privatdep.-sche aus Petersburg meldet: Trotzky richtete an die Vertreter der Alliierten ein Schreiben, worin er sie vgn der Errichtung der neuen Republik des russischen Reiches in Kenntnis setzt und ersucht, Vorschläge über einen Waffenstillstand und demokratischen Frieden, den der allrussische Kongreß der Sowjet-Vertretung gemacht hat, als formellen Vorschlag für den Waffenstillstand an sämtlichen Fronten und sofortige Anleitung von Fciedensverhaiidlan..zen zu betrachten. Trotzky sagt weiter daß der Antrag an alle kriegführenden Völker und Regierungen gerichtet wird.
Xi. Wien, 2-1. Nov. (Erg. Drahtbericht, zb.) Nach hier eingegangenem Funkspnich erklärte Trotzky den alliierten Regierungen, wenn sie bis 23. November nicht in eine Revision ihrer Kriegsziele eintreten würden, so würde sich Rußland zum Abschluß eines Sonderfriedens mit den Plittelmächten entschließen.
Eine Erklärung an die Botschaften.
W. T.-B. Petersburg, 23. Nov. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentuc.) Erklärung an die Botschaften.
Herr Botschafter!
Ich habe die Ehre, Ihnen mit diesen Zeilen mitzu- teilen, daß der Kongreß der Generalräte der Arbeiter-, Soldaten- und Bauern-Abgeordneten ganz R u ß l a n d s am 26. Oktober (8 November) eine neue Regierung der Republik ganz Rußlands begründet hat, die der R a t d e r V o l k s b e a u f t r a g- ten darstellt. Wladimir Ilitsch Lenin ist zum Vorsitzenden der Regierung bestimmt. Die Politik ist meiner Sorgfalt anvertraut, der ich zum Beauftragten iür die gukträ, tagen Angelegenheiten bestellt bin. Indem ich Ihre Aufmerksamkeit, Herr Botschafter, auf den tu der Tagung des Kongresses der (sseneralratsabaeordneten gebilligten Wortlaut der Vorschläge für einen Wa ffen- still st a n d nnd für einen demokratischen, auf den (MnmMSfeen der Unabhängigkeit der Völker und ihr Reckt, ibre Entwicklung selbst zu bestimmen, gegründeten Frieden ohne Annexionen und ohne Kontributionen lenke, habe ich die Ehre. Ihnen vorrriscklaaen, dos genannte Schriftstück altz c> m t- licken Vorschlag eines sofortigen Waffenstillstandes Und eines sofortigen Eintritts in Friedensnerbandlnngen anzuseben. Die Regierung der Republik ganz Rußlands macht diesen Vorschlag allen Völkern und ihren Regierungen.
Wollen Sie, Herr Botschafter, die Versicherung der vollkommenen Hochachtung der Generalräte dem französischen Volke übermitteln, das sich nicht wird enthalten können, nach Frieden zu verlangen, wie übrigens alle kriegführenden. auSgebluteten und durch das Gemetzel erschöpften Völker.
Der Volksbeauftragde für die auswärtigen Ange- legenheiten: L. Trotzkij.
Das Programm der Heeresausschüffe für eine neue Regierung.
Br. Rotterdam, 24. Rov. (Gig. Dvaibiibenicht. zb.) Noch einer privaten Depesche Reuters meldet „Djelo Narodna", daß hie HeeresauSschiiffe am brn Fronten ine Initiative zur B i l» düng einer neuen Regierung ergriffen haben, in der nur Vertreter mit dem folgenden Programm vertreten sein sollen: 1. Unverzügliche Übertragung des Landbesitzes an die agrarischen Ausschüsse; 2. Einberufung der konstituierenden Versammlung zu einem bestimmten Datum; 3. Aufhebung der volitischen Schreckeirs» horrtschaft und Wiederherstellung der bürgerlichem Freiheit.
Die Absetzung des wberstommandierenden vuchonin.
W. T.-B. Wien, 28. Nov. (Meldung des Wiener k. u. k. Korr.-Bure.aus.) L e u i n hat an die Soldaten und Matrosen der russischen Armee die telegraphische Mitteilung gerichtet, der Rat der Volkskommissare habe dem russischen Oberkommandierenden Du ch o n i n gm 20. November befohlen, einen Waffenstillstand Vor
anschlägen. Der Oberkommandierende Duchonin. dem diese Depesche am 21. nachts ^gekommen sei. habe dar- auf bis zum Ab-md des genannten Tages nicht g eantwortet, worauf Lenin im Aufträge des Rates der Volkskommissare von Duchonin, A ufklärungen verlangte, auf die dieser g u s w e i ch e n d antivot tete. Darauf sei ihm befohlen worden, di- Verhanolungen wegen eines Waffenstillstandes unverzüglich auf- zunehmen, worauf ec sich kategorisch g elvel- gert habe, sich di-sem Aufträge zu unterziehen. Der Rat der Volkskommissare erklärte hierauf Duchonin stines Postens als Oberstkommandierender enthoben und ernannte den Fähnrich Crylenko zum Ober- kommandierenden.
Baldige Veröffentlichung der Geheim- korrespondenz.
— Rotterdam, 23. Nov. (zb.) Nach einer Meldung aus Petersburg wird der Kongreß der Bauernabgeordneten seinen Sitz nach Mohilew verlegen. Trotzky gibt bekannt, die Regierung habe die geheime diplomatische Korrespondenz Rußlands im Besitz. Sie werde bald veröffentlicht werÄen.
Die Gesseimderträge geborgen?
Lr. K-Pinhagca. 2t. Nov. (Gig. Drahtkericht. zb.) Russisch» Zeitungen teilen entgegen anders lautenden Meldungen mit, daß die G-heinirert-ägc mit den Alliierten vcn dem früheren Minister der Äußern Neratow der englischen Botschaft in Petersburg übergeben worden wären.
Die Lage in Petersburg
Br- Stockholm 24. Ncv. (Gig. Drahtbericht. ;b.) In BeterS. bürg ist die vrllkommcne Ordnung durch das Militär gesichert. In den Straßen sind überall Ptakate angeschlagen, aus welchen süc alle, die für die Ordnung eintreten, die Tetephonnummer der zu- ständigen Kommissariate angegeben sind. Gegen diejenigen, welche aufsässig werden, sind strenge Strafen angedroht. Die Zcitunge.'. veröffentlichen Dekrete welche große F ü r s o r o e der Regierung für das Wirtschaftsleben oufweisen Ein zunaqst dreinwncitige? Moratorium (für Mieter sechsmonatig) wurde angenommen. Ein Dekret über den Achtstundentag verlangt Vorsicht über die Erhöhung der Produktion Die polilische Lage tft noch ungeklärt. Die Internationalen setzen dre Bemühungen siir das Zustandekommen eines homogenen sczialistischen Ministeriums sott. Lenins Regierung lehnte den Vorschlag der Internationalen auf drei, tägige Waffenruhe ab, weil ste dir Heranziehung von Berstärlungeu für die Betroher Petersburgs begünstige.
Baron Rosen Kutzenminifter?
— Berlin, 24. Nov. (zb.) Im „B. T." heißt eS, unter den Bolschewiki sei eine ernste Zersplitterung eingetreten. Dazu komme, daß es Trotzky technisch unmöglich sei. den Posten deS Mmsters des Äußeren zu bekleiden, weshalb die Frage erörtert werde, den früheren Botschafter in Wasbington und Tokio, Baron Rosen, den Befürworter eines Sonderfriedens, mit dem Ministerium zu be- trauen.
Lin Spezialk-orps gegen Rakedin?
W. T.-B. Bern, 23. Nov. Der „Temps" meldet. General Murawjew, der Kommandant der Truvpen in Petersburg, nahm seine Entlassung. Er werde wabxschernlich ein Spezial- korpS bilden, um gegen KalÄin zu marschieren.
Aufstände in Sibirien.
XV. T.-B. Bern, 21. Nov. Nach Drahtnachrichten aus Tokio brachen in verschiedenen Städten Sibiriens Aufstände aus. Me Telez.-amme aus den Städten östlich Tonis! werden aufgehalten. Post und Telegraph sind von den Maximalisten beschlagnahmt. Es fanden Straßen» kämpfe statt. Biele Japaner verließen Sibirien.
Rücktritt des Admirals Wcrderewski.
— Rotterdam, 23. Nov. (zb.) Nach einer Privatdepesche des Reuterschen Burvius ist Admiral WerderewSki als , Minister zurückgetreten.
Der revolutionäre Ausschuß von Moskau besetzte die Filiale der Staatsbank, in der vor kurzem hundert Millionen Rubel aus Petrrsbucg hinterlegt worden waren.
Die Verbindung Russland-Japan unterbrochrni
— B«sel, 23. Nov. (zb.) Nach einer Meldung der „Times" ist ne Verbindung zwischen Rußland und Japan vollständig unterbrochen.
Unsere vollständige Zernhaltung von den innerrussischen Verhältnissen.
W. T.-B. Köln» 23. Nov. Der „Köln. Zig." wird aus Berlin telegravhiert: Der „Vorwärts" hatte mit Bezug auf VtS WaftenstillstandSangebot der Bolschewiki-Regierung ein« Meldung der „Drily NewS" aus Petersburg angezcgen, worin es heißt: In Petersburg werden Nrch ichten verbreitet, teß Deutsckstand ruf da? Telezr:mm des Sowjet, in den, diese den Frieden forderten, mit der Erklärung beantwortet habe: Deutschland könne lediglich nach Wiederherstellung der Monarchie oder nach dem Zilsürndekommen der gesetzgebenden Versamnilnng mit Rußland verhandeln. Eine Erklärung der deutschen Regierung, wie sie oie „Drily News" macht, ist selbstverständlich nicht erfolgt. Es ist ein unverrückbar fest- gehaltener Grundsatz der deutschen Regierung, sich in diq inneren Verhältnisse der ftindlichen Staaten nicht ein» zumrschen. Das ist auch offen von maßgebend« Stelle teufe lich ausgesprochen worden,
