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vienstag, 20. November 1917.
5 lbend-klusgabe.
Nr. 592. . 65. Iahrgang.
Erbitterte Uämpfe am Monte Tomba.
«W. I.-B. Großes Hauptquartier» 20. Not». (Amtlich.) Westlreifer KriestSsrffnnplatst Heeresgruppe Kronprinz Nuvprecht.
Der Artillerie! ampf in Flandern nahm gestern nachmittag vom Houthoulster Wald bis Zandvoorde bedeutend ;u und hielt ouch nachtS über mit unverminderter Heftigkeit an. Starkes Zerstöruagsfeuer lag auf dem Kampfgebiet bei Porlkapelle und PaS- schendaele.
Auch im ArtoiS beiderseits der Scarpe» bei Bulle- co u rt und Qutim lebte dir GefechtStätigkeit auf. Feindliche Anfklärungsabteilungen wurden im Nahkampf »urück- grworfen.
Herresgrupve Deutscher Kronprinz,
Nördlich von S o i s s o » S und auf dem östlichen MaaS- ufer war das Fenrr gegen die Borlage erheblich gesteigert. Ihm folgte gegen den 6 h a n m e w a l d der Angriff eines franiösische« Bataillons; er wurde mit fchweren Berlustrn unter Einbuße von Gefangenen abgewiesen. Unser Lrriiichtungsscuer zerschl ig den noch mehrfach am Abend gar Wiederholung der Angriffe 'ich rüstenden Feind in sei rer Bereitsten.»ig.
Unternehmungen eigener Abteilungen nvrdlrch und östlich von B r r d u n hatten E' folg.
Lfftlirffer Kriegsschauplatz.
Keine größeren Kampfhandlungen.
Makedonische Front.
Auf dem westlichen Wardarufer drangen bulgarische Stoßtrupps in die franjöstfchen Gräben ein und machte» Gefangene.
Italienische Front.
Starke Gegenangriffe der Jtakiester gegen die von uns eroberten Stellungen am Nordhang des Monte Tomba führten gestern ;u erbitterten Kämpfen. DaS Feuer unserer Artillerie »nd Maschinengewehre lichtete die Reihen des in dichten Haufen stürmenden Feindes. Die Infanterie warf ihn in seine Ansannnon-onngen zurück. Starkes Feuer hielt in diesem Kampfabschnitt an.
An der unteren Piave nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeister: Lndendorff.
»
Ueberwindung hartnäckigsten Widerstands der Italiener.
IV. T.-B. Berlin, 19. Nov. In Flandern stetgecte sich am 18. November auf der Hauptkampffront das Feuer zeitweise zu größerer Stärke. Besonders in den Nachmittags- und Abendsturrden war das Artilleriefeuer. verbunden mit kräftigen Feuerüberfällen und ptanmäßiyem Zer- störungsbeschuß durch schwere Kaliber, m der Gegend Nieuport wesentlich lebhafter als an den Vortagen. Zwischen der Straße Poet!kapelle--Westroosebe«ke und der Bahn Dpern-Roullevk sowie bei Dixmuiden blieb da? feindliche Feuer auch nachts flank und steigert« sich am Morgen des 19. November östlich Passchendaele weiter. An der Bahn Bösrngbe-Staden und nördlich Passchendaele vorstoßende feindliche Patrouillen wurden unter schweren Verlusten a b- gewiesen, während eigene Patrouillen Gefangene ein- bringen konnten. Auch im Artois sonne in -der Gegend St. Quentin lag auf verschiedenen Frontstellen lebhafteres Feiuer. Nordöstlich Soissons war gegen Abend und iw Lauf der Nacht die Feuertätigkort ebenfalls Lebhafter als an den Vortagen.
In der Champagne gingen nach «heftiger Feuervor- bereitung westlich Tahure feindliche Patrouillen gegen unsere Stellungen vor. Sie wurden bereits durch unser gutliegender Sperrfeuer abgewiesen.
Nordöstlich Asiago und zwischen Brenta und Piave versuchten di« Italiener, teils durch Mollen- a ii g r i f f e frischer Kräfte, teils durch zähen, verzweifelten Widerstand dos weitere Dordvingen der Verbündeten mit allen Mitteln auszn »hatten. Während in der Gegend von Asiago ine mehrfach wiederholten tiesgeglieberton Angriffe gegen die von uns eroberten Höhen unter außerordentlich schweren blutigen Verlusten scheiterten, vermochte auch der harlnäckiaste Widerstand der Italiener in ibren starken, auSqebauten Ge-birgsftellungen dem Angriff unserer uuouf- .holtsam, durch schwieriges Gelände vordringcndcn Truppen nicht standzuhalten. Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen eroberten nach heißem Kampf die aus dem Westufer der Piave gelegenen, mit allen Verteidigungs- Mitteln ausgobai'ien Höhen bei Quero und oen nordwestlich vemelagerten Monte Cornelia. Wiedsrvtm wurden 1100 Italiener gefangen.
vte Zlucht aus Venedig.
— Berlin, 80. Nov. <zb.) Nach einer Pariser Blätter- ineldung hol en ein Teil der Bevölkerung und zahlreiche Ver- w kltungen und Handelsleute Venedigs diese Stadt verlassen. Benelianischc Zeitungen teilen mit, daß sie in Rom erscheinen i.wrden.
— Berlin, 20. Nov. (zb.) Die mehrere Blätter aus Nom melden, sind dort 60 000 Flüchtlinge aus Venedig eilige«
troffen. Eine römische Depesche französischer Blätter meldet die Bildung einer neuen s o z i a l i ft i s ch e n Partei, der »Italienischen ttziulistischen Union".
Absetzung eine- italienischen Generalstabschefs.
Ur. Lugano, 20. Nov. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die „Neu? Zürcher Ztg." meldet, daß der italienische Kri«egsminister den zuzeiten Chef des Genevolstabs General P o r r o von fernem Posten enthoben und ihn mit Jnspektionsaufgaben betrau; bebt.
Lloyd Georges Verteidigung.
IV. T.-B. London, 19. Nov. (Meldung des Reutcrfcheii Bureaus.) Bor überfülltem Hause wurde die Erörterung über den neuen Rat der Alliierten Und über die Rede Llovd Georges in Paris von A s q u i t h mit dem formellen Antrag auf Vertagung eröffnet. Asquith betonte die Notwendigkeit, daß die Regierung die äußerste Verantwortung für das, was getan oder nicht getan worden sei, übernehme, und kob die vitale Bedeutung häufiger vertrauliche: Bespitchnuoen zwischen den alliierten Staatsmännern sowie die Bedeutung einer vollständigeren Zusammenarbeit hervor. Er letente ferner die vollständige Kontrolle Dei'tschlands über alle keine Verbündeten in Politik und Heerführung und lehnt? jede Organisation ab, welche die Verantwortlichkeit der G e n e r a l st ä b e gegen- übii ibren Regierungen zuwiderlaufe oder die das Ansehen oder die Verantwortlichkeit jeder Regierung der Verbündeten vrr ihrem etgenen Volke schmälern würde. Mit Bezug auf die Rede Lloyd Georges in Paris sagte Asquith, er wolle zwar jeden unnötigen Streit vermeiden, doch würde er gegen seine Pflicht verstoßen, wer» er diese Rede außer acht ließe. Asquith drückte Zweifel darüber aus, ob der Rat in Versailles im letzten März die Lage in Rußland beeinflußt haben würde. Er frage, ob es nicht Tatsache sei, daß bis zum Jorabend deS deutschen Angriffs gegen Italien C a d o r n a dara«tf vertr-iut habe, daß er den T r i u m p.h über sie davontragen würde. Bezüglich einer anderen Stelle der Rede sagte Asquith. Lloyd George Hobe zu verstehen gegeben, daß britische Tapferkeit und britisches Blut verschwendet worden seien, Ehrend sie in strategischer Hinsicht anders und besser verwendet wenden können. Er zweifle, ob irgend ein Rat der Alliierten sich in eine der beiden großen Offensiven des Westens einnemischt haben würde. Zum Schluß seiner Rede betonte Asquith inmitten von Beifall die Bedeutung der britischen Mitwirkung am Kriege.
IV. T.-B. London, 20. Nov. (Dvaihdbericht. Reuter.) Ja Antwort auf ASguith? Rede erklärte Lloyd George, daß die Sache der Alliierten an dem Mangel an Zusammenwirken leide, und «daß seine Ausstellungen an dem, was geschehen sei, sich nicht gegen irgend einen Generafftab oder Höchstkommandierenden der englischen oder anderen Armeen gertlAet hätte. Er hätte nur eine gewisse Beurteilung des Umstands gelben wollen, daß der Mangel an Zusanimenavbeii bei den TlMierten ein Unglück zur Folge gehabt hätfe. Man habe «das für den Versuch eines Zivilisten erklärt, sich in Angelegenheiten des Militärs zu mischen, aber das sei schon von Kitchener und lm Juni d. I. vovgeschlagen worden. Der Plan, betreffend die gemeinsame Leitung, habe schon bei der Tagung der Generolstabschefs, «bei der England, Frankreich und Italien vertreten gewesen seien, bestanden. Der Ernennung eines Generalissimus habe er sich aufs äußerste widevsetzt. Diese würde keinen Ruhen schaffen, vielmehr Reibungen bewirken. Auf Asquiths Frage wegen der italienischen Front, und was C a d o r n a gesagt habe, sei schwer zu antworten. Man könnte sehr viel über das sagen, was Cadorna gesagt, und darüber, was man in England denke. England sei für die ttalienische Front nicht verantwortlich. Die engli«sche Regierung habe manches gewußt, geglaubt und ve-rmutet, die italienische Regierung wußte einiges davon, aber Sir William Robert- s o n konnte die Angelegenbeit inbetreff der anderer: Fronten, der englischen, nicht mit Nachdruck betreiben. Hätte es jedoch den gemeinsamen Rat in Versailles gegeben, so hätte Robertson jene Ansicht mit Hilfe der Vertreter der Regierung nachdrücklich vertreten können «und würde ihr so Beachtung verschafft haben. Die italienische Front, sagte Lloyd George, fft wichtig für unsere Front. An der ttal'e- nischen Front fand ein Zusammenbruch statt. Wir sind dorthin geetilt, die Franzosen ebenso, um dieses Unglück wieder gut zu machen. Beeinflußt da-S unseren Qperattons- plan an unserer Front nicht ebenso stark? Gut! Also w*r kämen zu dem Schluß, daß das System - von Verbindungsoffizieren un d gelegentlichen Zusammenkünften der Minister und Generalst«abscbefs durchaus unwirksam und ungenügend für die Sicherung des wirklichen ZusEmeuwirkens sein würde. St müssen eine ständige Körperschaft haberr, 'velche ausdauernd aufpaßt, Anregungen gibt und an die Regieru«ngen berichtet, gleichgültig, ob unsere Front oder die ffanzösische oder italienische oder die russische Front in erster Linie in Bettacht kommt. Die Möglichkeit von Reibungen müßte ausgeschaltet tffierben, und wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ratgebern «unserer Armee und denen anderer Armeen austreten, so wird diese Körperschaft «die Regierung ftagen uns die abweichertden Gesichtspunkte, wcltz^ nicht nur unserer Re
gierung,' sondern auch allen anderen Regierungen zur.Beurteilung unterbreitet werden, miteinander in Einklang bringen. Asquith sagte, die endgültig« Entscheidung müsse der Regierung verbleiben. Das ist bis jetzt der Fall gewesen und würde sich auch nicht ändern, weim dies« Einrichtung getroffen wird. Ll iyd George fuhr fort: Ich mag nichts von militäri«s«cher Strategie verstehen, doch einiges oon politischer Strategie (Lachen u«nd Beifall.), und dv- von, wie man die öffentliche Meinung dei einem sie ange«hen- den Vorschlag gewinnt, wie man sie von einer Schwachheit überzeugt. Ich habe mich entschlossen, eine unangenehm« Rede zu halten. (Beifall.) DaS muhtt alle Welt zwingen, von diesem Plan zu sprechen, und man hat davon gesprochen in zwei und drei Erdteilen. DaS Ergebnis merneS «Schrittes ist, daß Amerika, Italien, Frankreich und England einge» weicht sind, und daß dre öffentti«che Meinung erngeweiht 'st. Das ist von äußerster Wichtigkeit. (Beifall.) All das Gerede Über O st l e r und W e st l e r ist bloßes Gewäsch. Unser Schlachrfekd fft im Norden. Süden, Osten und Westen. Unsere Sache ist, dem Feind von allen Richt«ungen der Windrose her unter Druck zu setzen und ihm Schläge beizubrin- gen, wie wir können. Das ist unsere Aufgabe und «der Grund, warum wir diesen gemeinsamen Rat brauchen. Er soll dieses ganze Operationsfeld überwachen und nicht nur einen Teil davon.
Wir brauchen alle Erfahrungen und Hilfe, die wir bekommen können.
Unsere Alliierten brauchen st« auch; ihr Bedarf darnach ist gegenwärtig größer, als der unferige. Wir wollen den Sieg und wollen ihn erreichen, aber ich wünsche nicht, daß di« ganze Last dafür auf England falle. Deshalb wünsch« ich einen gemeiusamen Rat aller Alliierten, «der den ganzen Kriegsschauplatz so einteilen wird, daß sämtliche Hilfsmittel der Alliierten im Kampf eingesetzt werden, um den Druck auf den Feind stärker zu machen. (Beifall.) Bezug- nehmend auf die verschiedenen Angriffe in der Presse meinte Lloyd George: Niemals in der ganzen
Kriegsgeschichte des Lmrdes hätren die Militärs eine vollständigere wirkliche Zurückhaltung der Politiker erreicht als .während dieses Jahres, fei es beim Transportchon Geichritzeu, bei Verschiffungen oder sonstwie. Ich spreche sagte Lloyd George, natürlich nicht vom bloßen Reden. Wir erwarten ein Zuscnnmenwirken, nicht mrr zwischen Zivilisien und Militär, sondern zwischen Alliierten und Alliierten. Wollten «wir in «diesem Lande Leute dulden, die aus rein polft!« scheu oder persönlichen Gründen Mißtrauen oder Eifersucht auf Frankreich in die Herzen der Engländer streuen? Ich sage, wir solllen dem hier jetzt ein Ende machen. Seit ich in diesem Krieg arbeite, habe ich ni«cht nur nach einem Zusammenwirken zwischen den Alliierte«», sondern nach mehr aesttebt: Nach Freundschaft, nach gutem Willen und Kameradschaft. Ich habe meinBesteSgetan,um diese Völker zu Freunden zu machen. Es ist iw« Geheimnis unseres Volkes, es ist wesentlich, diesen voWändigen guten Willen zu haben, Wie steht e§ denn mit Frankreich, dem armen Frankreich, daS so niiedevgetreten worden fft, und seinen ihm für immer verlorenen «Ahnen und seinen reichsten ihm entwendeten Provinzen? Frankreich wünscht nichts als die Befreiung Von der täglichen Bedrohung, die 60 Jahre lang auf ihm lastete Ich hoffe, was auch inrmer geschehen möge, daß man aufhören werde, mit Händen, Zungen oder Federn zu versuchen, weiter Argwohn und Eifersucht zwischen unS und Frankreich auszustreuen. Ich habe keine Angst vor dem, wqs kommen wird, wenn wir einträchtig handeln.
Ich sehe Beforgniffe am Horizont» die ich niemals verheimlicht habe.
Es ist besser, dem Volk zu sagen, «was vorgeht. Aber ich sehe keine Besorgnisse, die meine Zuversicht waädeln könnten. Es gtbt nur zwei Dinge, die unS eine Niederlage hätten beibrin« gen können: Die eine war der NnterseebootSkrie^ Wenn,er uns die Freiheit der Meere genommen hätte, dann «wären in der Tat unsere Hoffnungen erschüttert worden; aber jetzt habe ich keine Furcht mehr vor den Unterseebooten. Und >das andere Ding: «Das fft nur der Mangel an Einigkeit! Ich unterstütze jeden Plan, der un» auf dem Weg zum Sieg weiter hilft. Zn einem wirklichen Sieg, einem überwältigenden Sreg. einem Sieg, der dag Frieden der Wohlfahrt bvingend wird. (Lauter Beifall.)
W. T.-B. London, 20. Nov. (Drahtbericht.) Im Unter» haus sprach nach Asquith noch eine Anzahl Redner. Dann wurde di? Debatte a e s ch l o s s e n.
— r erlin, 20. Nov. (zb.) Eine englische Regierungskrise, heißt es in einer Melüuirg aus Londoli, werde jetzt auch deshalb für wenig wahrscheinlich gehalten, weil di« Position Lloyd Geocg-S durch das Telegramm des Präst» denten Wilson an Kolvnel House gestärkt worden sei.
Oie sldmiralstadsmeldung.
IV. T.-B. Berlin» 19. Nov. (Amtlich.) Durch die Tätig, keit unserer Unterseeboote wurden im Sperrgebiet um England wiederum
14 990 Bruttoregistectonnen
vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich zwei englische Dampfer, die aus einem stark gesicherten Geleitzug herausgeschossen wurden, D« «ne Dampfer war bewsffnztz
