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Die militärische Lage.
(Don unserer Berliner Abteilung.)
I*. Berlin. 15. Nov. (®tg. Drahtbericht, zb.) Der Kamps ln Italien Hut zu einer erneuten Abschnürung von besonderer strategischer Bedeutung geführt. Die aus dem Sugana- und Bcentulal nach Nordosten vorswßenden österreichisch-ungarischen Truppen Conrad v. Hötzendorffs haben mit den über die Piave nach Westen vorrückenden Truppen der 14. Armee sich die Hand geveicht und eine von A s r e r o, Äsiago, Primolano bis Fonzaso vollkommen gerade verlausende Jdsallinie erreicht, die sich dann mit einem Schnitt nach F e l t r e fortsetzt. Dies ist das Ergebnis der Kämpfe vom 12. und 13. November und der Abschluß des Kampfabschnittes, der auf di« Überschreitung der Livenza Linie folgte. Damals meldete die verbündete Heeresleitung, daß die Gefangenenziffer 220 000 übersteige; am Monte Simone wurden darauf 17000 Gefangene gemuckt, in den Bergen nördlich des Piavetales nach verschiedenen Meldungen 5000, 3000, 10 000, und beim Vorstoß auf B e l l u n o 4000, dazu von den Truppen Hötzendorffs in den Bergen des Brentatales 2500. W lö jetzt noch nördlich der oben bezeichneten Linie in den Tiroler Alpen steckt und mangels der Entschlußfähigkeit der italienischen Obersten Heeresleitung nicht recdtzeiiig zurückgezogen wurde, ist verloren und wird die hilflose Beute der Verbündeten werden. Von größter militärischer Bedeutung ist eS, daß der Duvpelvocstoß von Feltre aus und vom Brentrtal anS die stacke Befestigungszone von Primolano zum C. di Lan überrannte und daß die weiteren SverrfortS bei Fonzaso unseren nach Süden vorgehenden Truppen kein unüberwindliches Hindernis mehr bieten konnten. Östlich und südlich Alsirro und Astago breitet sich das Gebirge nur noch in einem Ausmaß von 15 Kilometer anS mit dem Talausgang der Brenta l ei B a s s a n o. Dann liegt die Ebene von Venetien und Trevisc breit vor den kämpfenden Truppen. Die Piave ist an allen Stellen von unseren Truppen erreicht. Mit weit- tragenden Gischützen könnte die Festung Venedig unter Feuer genommen werden, was die ungeheure Frontverkürzung der an der Piave entlang über Feltre, Pri- molanr bis Asiago verlaufenden Linie zeigt, und die kaum noch 120 Kilometer mißt, etwa so diel wie die Frynt am Fsenzo, von Dobergo bis südöstlich des Plöckenpastes. Und der Wegfall der fast zweimal so langen Gebirgsfront von diesem Paß bis zum Suaanatal bedeutet eine unschätzbare Krastersparnis fiir die Mittelmächte. Sehr viel kürzer könnte die Kampffront hier kaum werden, da die Luftlinie von Arsiero bis Venedig noch etwa 80 Kilometer mißt. Abzuwarten bleibt jetzt, ob die Entente ihre zu Hilfe gesandten Truppen in größerer Stärke in diesem Abschnitt einsetzt. Die Divisionen, die sie vom westlichen Kriegsschauplatz wegnehmen mußte, werden, w>e Painleve in seiner großen Rede vor dem Sturz affen zugab, schmerzlich entbehrt toerden und bei den Offensivunternehmungen in Flandern und an der Aisne fehlen. Gegen Jahresende muffen sich die Heerführer der Entente lviedernm die Frage stellen, wer in 1017 die Initiative gehabt hat. w i r o d e r s i e. Die vom Feinde verhüllte neue deutsche Taktik geringer Ge- ländeanfgabe und Verteidigung mit schwachen Kräften, die im Westen als auf dem zunächst nicht str die Entscheidung zu betrachtendem Kriegsschauplatz geübt wurde, hat sich glän- zend bewährt, da inzwischen die Offensivtruppcn der Mittelmächte im Osten und Süden entscheidende Arbeit geleistet haben.
»Der italienische Feldzuq kein Feldzug der Italiener mehr'."
W. T.-B. Bern, 15. Nov. S t e 0 e m o n «.schreibt fm Bund" zur Kriegslage: Die stitLen, Abgang fron- Mischer Divisionen nach Italien in die Gräben ciezcHe- nen amerikanischen Kräfte sind offenbar sämtlich an der Voaesenfronr eingesetzt morden- sie wurden von den Deutschen im Abschnitt des Rboin-Marne- Kanals, im stlbschnift von Tbaan und an der Belsorter Senk? festaestellt. Sie sind demnach nicht nur an einer Front eingesetzt worden, die seit längerer Reit ruhig blieb, sondern auch dahin gebracht worden wo sie in die Laaer von Commerey. Belsort 'iad Besangan am schnell- st?n aelanaen konnten. Hat Versisire infolge der Not- laae der Italiener seine ganze Armeekorps in die Gräben legen müssen, so-ist das fiir die weitere Auf- stelluna und Ausbildung amerikanischer Kontingente sihr mißlich. Viel wichtiger ist setzt die Frage, daß Frankreich tatsächlich seine ganzen geschulten und zulammengebaltenen strategischen Reserven. darunter seine besten afrikanischen Trnvven. nach Italien schafft, wäbrend Englrnd nlir eine kleine Streitmacht absandte, und dafür weiter' Anstrengungen in Flandern und im Artois unternimmt. Die E i n- h e i t s s r o n t wird so ans Frankreichs K o st e n dnrchgesübrt. Die strategischen Folgen worden nicht sonne auf sich warten lasten. Die Einheitsfront der Alliierten entbebrt bente eines kraftvollen und bestimmt bondelndenOberbelebls, denn die Entsendung eines ein- beitlichen vierkövliaen Oberkommandos ist kein? Lösung im Sinn? der Vereinbe'tlichnna und der Vereinfachungen der Operationen. Fest steht jedoch.
daß das italienische Oberkommando bedeutend im Einfluß e i n b ü tz t e und der italrenstche Feld- zug kein Feldzug Italiens mehr ist.
Eia italienischer Divisionskommandeur gefalle«.
W. T.-B. Rom, 15. Nov. (Drahtbericht.) Bei den Kam; fen in Oberitalien ist der Divisionskommandeur General Giovanni Villani gefallen.
Die Wendung der italienischen Katastrophe sehr schwierig Tda. Berlin, 14. Nov. Der militärisch« Mitarbeiter des »Daily Telegraph" schreibt am 7. Nov.: Selbst wenn die
Italiener den Feind zwischen dem Tagliamento und per Etsch uichl aufhaTten können, dürfte die Etsch ein unüberwindliches Hindernis für den deutschen Vormarsch bilden, so lange die Schweiz neutral bleibt. Die italienische Katastrophe ist anscheinend von unserem Oberkommando nicht vorgesehen worden, daher ist zur Rettung unseres Verbündeten Zeit nötig. Auch darf man mtt einer plötzlichen Änderung -ce-r Lage nicht rechnen. SÄche Truppe n- verschiebungen, mit allem was dazu gehört, gehen sehr langsam vor sich, gleichgültig, ob die Truppen zur See oder mit der Balhn befördert werden. Vorläufig hängt Italiens Sch'.ck- scü von -der Geschicklichkeit der italienischen Führung und der Wider st an-dslraft der italienischen Armee ab. Die Lage ist sebr schwierig. Nach Mailand ist es von München ein kürzerer Weg als von der Somme oder von der, Marne ans.
(vrlando zur Lage.
W. T.-B. Rom, 15. Nov. In der Kammer hielt Minister- Präsident Orlando eine Rede, in der er u. a. sagte: Drc militärrschen Ereig-uffe in den letzten drei Wochen haben für Italien eine Lage gcschlfsen, deren außerordentlicher Ernst nicht beschönigt werden kann. Unglückliche Ereigm„e wirkten zusammen, am die Notwendigkeit zum Rückzug der italienischen Streitkräfte zu bestimmen, damit die Hauptmacht der Armee gerettet werden konnte. Aus strategischen Gründen mußten die östlichen Einfallstore Italiens dem Eindringen des Feindes geöffnet werden, und der Feind lagert in Städten, die Bollwerke des italienischen Glaubens waren. Die italienische Armee hat einen schweren Sch i cksalSschlag erlitten, dem sich selbst die kriegsgewohntesten und ruhmvollsten Heere nicht entziehen können. Die Reoiorung ist sich des Ernstes der Stunde voll bewußt und wünscht eine gründliche und schnelle Besprechung der Lage. Aber jetzt m-itz gehandelt und nicht geredet werden. Der Ministerpräsident betonte dann die Einigkeit zwischen Italien und seinen Verbündeten, Frankreich und England, die sofort Histstrnpven entsandt hätten, und erwähnte die Beschlüsse der Konferenz in Rapallo, betreffend Einsetziing eines politischen Rgtes dfr Alliierten u,id eines ständigen bemte wen militärischen Ausschusses aus hervorragenden Generalen. Auch Amerika werde in diesen Räten vertreten sein. Die Regierung fühlte außerdem, daß er ihre Pflicht wäre, ständig mit der Armee und dem Oberkommando in Berührung zu bleiben. Sie hxhalte sich vor, ichnelle Mittel anzuwenden, die diese Bezkohvngen bester regeln und organisieren könnten.
5V. T.-B. London, 15. Nov. DaS Reutersche Bureau berichtet aus Rom: Nach der begeistert aufgenommenen Rede Orlandos nahm die Kamme- einen Beschluß an, der die Notwendigkeit der Einigkeit der Nation und die Zusammen f a s s u n g aller Kräfte bestätigte, um dem Einbruch des Feindes mit Hilfe der tapferen Armee und rm Vertrauen auf die Alliierten Widerstand zu leisten.
GsterVrichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 15. Nov. (Dcahtbericht.) Amtlich verlautet vom 15. November, mittags:
Italienischer Kriegsschauplatz Auf der Hochfläche der S i e b e n g e m e i it b e n haben gestern österreichisch ungarische Bataillone den Mt. Castel- gomberto erstürmt. Im Suqanatal warfen wir de, Feind über Primolano hinaus. Südöstlich von Feltre gewinnt unser Angriff Boden. An der Piave keine besonderen Ereigniffe.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Albanien.
Westlich des O ch r i d a s e e « zogen sich die Franzosen von ihren vorderen Stellungen zurück.
Der Chef drS Generalstabes.
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0erde"t^ekF^»n»bersck'tv0't,sS. November.
w T.-B. Berlin, ib Nov., abends. (Amtlich. Drahtöericht.) Im Westen und L si e n nichts Besonderes.
Im Gebirge l'-idcrs«its des BrrntataleS stn» nnfer« Truppen kämpfend im Bordringen.
Lin amtliches Oamenli der Schweiz.
W. T.-B. Bern, 15. Nov. (Schweizerische Depeschen- agentur.) Sowohl in der Schweiz als besvnd-ers in den -an- stoßettden kriegfühvenden Staaten l-aufen gegenwärtig hartnäckige Ge r ü chte um. wonach die Schweiz kürzlich aufgefor- devt worden wäre, den Durchzug von Truppen oder
die Durchfuhr von KrivgSmaiteÄ,al durch ihr Gebiet zuzu» lassen. Das polittsche Departement erklärt, daß solche Behauptungen jedwüder Begründung entbehren, da die , schweizerische Regierung von keiner Sette derartige Anfragen erhaill-en -hat. _
Lin engl! «Der Zerstörer und ein Monitor an ver Nüste von Palästina versenkt.
W. T.-B. London, 15. Nov. (Amtliche englische Meldung.)
Ein englischer Zerstörer und ein kleiner Monitor wurde durch rin feindliches Unterseeboot versenkt, während sie im Zusammenwirken mit der Armee in Palästina operierten. Bon dem Zerstörer werden 7, von dem Monitor 26 Personen vermißt.
Vie angebliche Versenkung des Mesenschiffe» „Vaterland^'.
L. Berlin, 15. Nov. (Gig. Drahtbericht, zjb.) In Marine- kreiisen geht die Na-chricht um. das Rielsenschisf „Vaterland", das von Amerika beschllagnahmt wurde, sei von einem unserer U-Boote torpediert worden. An zuistäudiiger Stelle ist darüber nichts bekannt und man hält die Meldung für unwahrscheinlich. Die Vereinigten Staaten werden dte „Vaterland" kaum für Truppentransporte benutzen wollen, da sie sich mit ihrer kostspieligen Einrichtung dafür sehr wenig eignet, und da sie ihrer gewaltigen Wafferverdrängung wegen mir 8000 Mann ausnebmen könnte, während auf kleineren -Schjissen bis zu 15 000 Mann sch befördern lasten. ViÄlscht handelt es sch -bei dies-er Meldung um ein- anderes großes Schiff, -dos in den letzten Tagen das Opfer der U-Boote ge- worden fein könnte. Was die Verwendung der von Amerika beschlagnahmten dentschen Schiffe anbettifft. so wird darauf vevwi-es-en, daß die Dampfer des Bremer Aoyd sehrfchwerw-rederherzustel-len find, wett sie sämt- Uch auf deutschen Werften erbaut und ihre Pläne verbrannt würden« während manche Dampfer der Hamburg-Amerikw- Li-nie von englischen Werften stammen, so daß die W ieder- - Herstellung nach vorhandenen Plänen bewirkt werden 1&nW. Besondere Freude mußte e« unserer U-Bootswoffe machen, daß das erste Einheitsschiff, der „War Clove r". der am 28. November 1916 in Belfast mit großem Apparat in Dienst gestellt wurde, bereits in der Nacht zum 19. Oktober» bevor es mit 8000 Tonnen Kohle seinen BcstimrmungKort Malta erreichte, versenkt wurde. Die Engländer rühmten, daß dem Einheitsschrff das Aussehen eines großen englischen Zer-' störers gegeben wurde, und daß die seltsame wtweiße Bemalung die deutschen Verfolger noch Wetter irreführen mühte. Das 5000 Tonnen große Schiff, 'das durch auswechselbare Schlote und Maste seine Ansicht mehrfach verändern konnte, hatte Tange 12-Zentimekergeschützs an Bord.
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Vas Seegefecht an der flandrischen »llste. .
W. T.-B. London, 15. Nov. (Drahtbericht.) Amtliche eng. lische Meldung. Am 12. November kamen einige deutsch« Zerstörer aus ihren Stützpunkten unter dem Schutz ihrer Küstenbatterien und feuerten einige Salven auf unsere Patrouillenschiffe. Keins von diesen wurde ge» troffen. Das Feuer wurde sofort erwidert. Die Deutschen zogen sich sofort wieder unter dem Schutz ihrer Küstenbatte» rien zurück und die Patrouillenschiffe nahmen darauf sofort ihre Tätigkett wieder auf. Vorfälle dieser Art ereignen sich täglich und stören in keiner Weise di« Aufrechterhaltung und Wirksamkeit unseres PatrouillendiensteS. Daher wird über sie nicht berichtet.
Wir verweisen auf den amtlichen deutscher Bericht vom 13. November. _____________
Die französi'che Kabincttsftrfffs.
Ag. Genf, 15. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Petit Parisien" meldet: Die Tatsache, daß PoincarL Clemen- c e a u zur Unterredung ins Elysäe lud, hat nach der Meinung polittscher Kreise seine Aussichten in der jetzigen Krise ge» besterk. Falls er die KabinettsbiAung übernehmen sollte, wird er P a m s, den früheren Ministerpräsidenten B r i a n d und den Führer der M«hrheitssozial«sten Renoult zu Mid- arbeitern zu gewinnen suchen. Sollte ihm dies nicht gelin» geg, was nach den schanfen Beschlüssen der Sozialisten gegen ihn wahrscheinlich ist, so kommt als sein ernstester Kon. kurrent Viviani in Betracht. Auch der bisherige Autzen- ininister B a r t h o u kandidievte eine zeiilang, doch bat er in der Kammer viel Sympathie durch den Mißerfolg seiner letzten Rede eingebüßt, so daß man ernstlich nicht mehr von ihm spricht. __
Die Friedensfrage auf der Tagesordnung der pariser Konferenz?
Br. Amsterdam, 15. Nov. (Eig. Dralhtbericht. zb.) Wie der Londoner Gewährsmann der „Bost. Ztg." meldet, iwrlau. tet b(£’i den Ententediplomai^n in London, daß Italien die Frieidenßfpage als Hauptpunkt der Pariser Konferenz zu behandeln wünscht. Nur Amerika und Frankreich durften wahrscheinlich dagegen sein. Es dürft« eine gehei m^ Vor loa, ferenz stattfinden« mn diese Frage zu reges» . j
