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Verlag Langgasse 21

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Berliner Abteiluna des Wiesbadener Taablatts: Berlin

121 K. KernGrerber: Amt Liitzow 6202 und 6203.

Sonntag. II. November 1917. MorgeN-klUSgabS. _ nt. 576. ♦ 65. Jahrgang.

Die rastlose Verfolgung der geschlagenen Italiener.

W. T.-B. Wien, 10. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 10. November, mittags:

Italienische Front.

Der Wasfcngang in Benetien führt die Verbündeten immer tiefer in das feindliche Land. Starke österreichisch^ ungarische und deutsche Streitkräftc stehen am unteren Piave. Feindliche Nachhuten sind geworfen worden, wo sic sich stellte». Nach zehntägigen schweren Gebirgskämpsen, dir mit der Erstürmung des Monte Paralbo be­gannen und mit der Einnahme der das oberste Piavetul bc- Lerrschenden Gruppe ihren Höhepunkt erreichten, gewann gestern die k. und k. 04. Jnfanteric-Tivision B o i g o und, LiavLdi C ade re. Die Division, deren Kampfkraft und zähes Dinchhalten die größten Schwierigkeiten überwand, brachte insgesamt lvv00Mann,94Ges ch ü tz e und un­zählige Maschinengewehre nnd Mincnwerfer ein. Im Cor- dovolc-Tal ist Agordo besetzt worden. De.r Nied-rbruch der alten italienischen Front erstreckt sich nun auch auf dass Sngana-Tal und den Oftt-il der S i c b e n g e m e i» - de» Die Truppen des Feldmaeschalls Frhrn. v. Eonradi dringen östlich von Borgo gegen die Grenze vor und bemäch­tigten sich in erbittertem Straßenkampf der Stadt A s i a g o.

An der russischen und rumänischen Front und inj Albanien ist die Lage unverändert.

Der Chef des Generälstabes.

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Der deutsche Abendbericht.

W. T.-B 1 . Berlin, 10. Nov.. abends. (Amtlich. Drahtbe- rrcht.) In Flandern sind starke englische Angriffe zwischen P-elkapelle und Passchendaelc in unserer Abwehr­zone blutig zusammcngebrochcu.

In Italien wird die Verfolgung im Gebirge fortgesetzt. ___________

Gegenseitige Rmtnn Kaiser Wilhelms und Kaiser Karls

W. T.-B. Berlin, 10. Nov. (Dcahtbericht.) Dis „Militär. Wochenblatt" berichtet, baß das Infanterie-Regiment Nr. 63 in Zukunft den Namen „Kaiser K-ael von Österreich und König von Ungarn" zu führen hat. Seine Majestät der Kaiser hat damit für die Ehrung des Kaisers Karl das Regiment de- . stimmt, das durch die Eroberung des Monte Malajur bcson- Xders auf dem italienischen Kriegsschauplatz sich ausgezeichnet 'hat. Kaiser Karl erwiderte Kaiser Wilhelm diese Ehrung, indem er ihn zum Inhaber des k. und k. Feldhaubitzen-Regi- ments Nr. 25 ernannte. Dieses Regiment war hervorragend bei Leu Kämpfen auf dem östlichen Kriegsschauplatz beteiligt.

Der König von Bulgarien aus der Fahrt nach dem italienischen Kriegsschauplatz.

W. 'I .-B. Triest, 10. Noö. Kaiser Karl hatte den Zaren Ferdinand vrn Bulgarien und dessen Söhtie eingeladen, auf den südweistlicken Kr^sühauplatz zu kommen, mm Zeugen de« gießen Siege»Her Verbündeten zu sein. Der Zar traf mit den Prinzen Boris und Kvrill und in Begleitung des Generalissimus Jekow am Vormittag in Trieft ein, wo ' Kaiser Karl zu vorübergehendem Aufenthalt weilte. Zum ' Empfang woren Kaiser Karl. Erzherzog Max und der Chef des 'Generalstabes, Frhr. v. Arz, erscbienen. Die Begrüßung der beiden verbündeten Herrscher war ungemein herzlich. Auch die -bulgarischen Prinzen wurden vom Kaiser herzlich w. «kommen geheißen. Dann stattete der Zar mit seinen Söhr en der Kaiserin im Hofzug einen Besuch ab. Nach dem Frühstück, an d-em auch die Erzherzöge Max und Friedrich Leopold Sälvator teilnahmen. setzte der Zar die Reise ins.. Operationsgebiet fort.

Die Ministerpräsidenten der Alliierten an der Front.

W. T.-B. Rom, 10. Nov (Agenzia Stefani.) Aus dem Kriegsgebiet wird vom 8. November gemeldet: Horte begaben sich Lloyd George, SmurS, Painleve, Sonnino und B i s s o l a t i an die italienische Front, um den König zu begrüßen. Sie waren begleitet von den Generalen Robertsc- n-, Foch und Wilson mit ihren Militär- ge'audlschaften. Der König erklärte in einem beinahe zwei stüntigen Vortrag alle Maßnahmen, die die Lage zugleich mit der tätigen und. herzlicken militärischeil Mitarbeit der Verbündeten erfordert. Nachdem sich die Minister vom König veral-sckiedet hatten, besuchten sie die französisch-englischen Truspen, die sich zur Front begeben, wo sie in den Kampf cingreifen srllen. ___

Der neue Umsturz in Rußland.

Line berechtiole Makinnna.

Br Lugano» 10. Nov. (Gig. Drahtbericht. zb.) Hier war gestern, Freitag, ms mikontrouiecvare Gerü-yt verbreitet, Lenins neue öi e g i e r u n g habe einen Waffenstill­stand mit den Zentralmächten abgeschlossen und mit Frie- densverbandlungen begonnen. Die Meldung kam telephonisch aus Bern und erregte rn der hiesigen kosmopolitischen Be­völkerung allergrößte Sensation. Bei vielen Rcichsitrljenern lösten sich Ausoeücke-höchsten Unwillens aus. Rußland wurde natürlich des schändlichen Verrats gegen Italien in deffen schwersten Stunde beschuldigt. Tie Bevölkerung ve- xuhigte sich erst nachmittags, als die Berner und Züricher

mmmmsssr. v.-jawtm— u».. -acw—

Blätter hier eintrafen, ioelche keine Bestätigung des Gerüchts enthielten. Dafür kam nun aber aus Rom die amt­liche Meldung vom Rücktritt Eadornas vom obersten K,;mmardo. Man zweifelt hier nicht daran, daß der neu­geschaffene oberste politische Rai, welcher seinen Sitz angeblich ii: Nervi haben soll, trotz seines hochklingenden Namens nur dekorativen Wert haben ioird und vielleicht dazu geschaffen wurde, mn die tatsächliche Absetzung Eadornas vor dem italie­nischen Pclk und der Welt zu verschleiern.

Der „B. L.-A." bemerkt hierzu: Wir begreifen wohl, daß man in unmittelbarer Nähe der italienischen Grenze Ge­rückte vom Angebot eines Waffenstillstandes gerade im gegenwärtigen Augenblick mit großer Bewegung aufnehmen muß. Wir aber möchlen auf das eindringlichste warnen, ih,e Tragweite zu überschätzen, auch wenn sich die Gerüchte als begründet erweisen sollen. Vorläufig ist a d s o l u t un­geklärt, wie weit der Machtbereich der SowjetÄeute reicht, insbesondere, ob sie auch nur über Teile der Front , wirklich verfügen. So wenig man selbstverständlich geneigt sein wird, irgendwie etwas zu behindern oder zu erschweren, was dep Frieden mit Rußland bringen könnte,, ebenso wenig wird man sich der Leichtfertigkeit hingeben dürfen, bindende Abmachungen mit Leuten zu treffen,deren guter Wille wohl außer Frage stehen mag, deren M acht aber aufs äußerste fraglich ist. Wer gibt uns die Garantie, daß nicht morgen ein neuer Gewalthaber über die russische Armee vertilgen kann, der im Sold der Interessen Englands es aufs neue mit dem Krieg versucht? Noch einmal möchten wir darum auf das eindringlichste davor warnen, die Tragweite des angekündigten und vielleicht wirk- lick iwhe bevorstehenden Schrittes der neuen russischen Macht­haber zu überschätzen.

Ein neuer Aufruf -er Arbeiter- und Soldatenräte.

W. T.-B. Petersburg, 0. Nov. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Der allgemeine Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands richtete folgenden Aufruf an die Arbeiter, Soldaten und Bauern:

Auf der Gr rndl lge des Willens der überwältigenden Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und Bauern, gestützt aus die gelungene Erhebung der Arbecker und der Garnison von Petersburg, nimmt der Kongreß die Gewalt in seine Hand. Er wird allen Völkern einen demokratischen Frieden und einen sofortigen W a s f e n st i l l - stand, der alsbald auf sämtlichen Fronten eintreten soll, Vorschlägen. Die Macht der Arbeiter- und Soldatenräte wird die unentgeltliche ^Auslieferung der privaten, Regie-, r ungs- und Kirchenländereien an die Bauern- auslchüssc sicke-stellen. die Rechte der Soldaten verteidigen unter Verwirklichung einer v oft l k o mm e n e n Demo- k r. a t i s i e r u n <f, der Armee, eine Kontrolle der Arbeiter über die Erzerqing schaffen, die Einberufung de- verfassunggebenden Bersammlrng zu gegebener Zeit sichersteNen, iür die Versorgung der Städte mit de-r Gegen­ständen des. dtinKeridsten Bedarfs sorgen und allen Natio­nalitäten, die Rußland bevölkern, das wirkliche Recht garantieren, ihre Zukunft zu organisieren. Der Kongreß be­schließt, daß die gesamte örtliche Gew alt auf die örtlichen Arbeiter- und S o l d a tze n r ä t e übergeht, die eine dauerhafte revolutionäre Ordnung herzustellen haben. Der Kongreß fordert die Soldaten in den Schützengräben zur Wachsamkeit und Festigkeit auf. Der Kongreß ftst überzeugt, daß die revolutionäre Armee die Revolution gegen alle im­perialistischen Versuche zu sckützen wissen wird bis zu dem Augenblicks wo die neue Regierung- den demokratischen Frieden zustande gebracht haben wird, den sie auf direktem Wege allen Völkern vorscklagen wird. Die neue Regierung wird alle Maßnahmen ergreifen, um der Armee alles Notwendige zu sichern durch eine energische Politik der Auflagen und Steuern auf alle begüterten Klassen Sie wird in gleicher Weise die wirtschaftliche Lage der Soldatenfamilien verbessern. Die Parteigänger Korinlows, Kerenskis, Kaledins und anderer versuchen. Truppen nach Petersburg kommen zu lassen. Einige Ab­teilungen, die such durch Kerenski hatten täuschen lassen, sind berckts auf die Seite des in Erhebung befindlichen Volkes ü l- e r g c t r e t e n.

Scldoten! Setzt tatkräftigen' Widerstand Kerenski. diesem Parteigänger KvrnilowS, entgegen. Eisenbahner! Haltet die Streitkräfte an, die Kerenski gegen Peters­burg schickt!

Dieser Aufruf wurde mit allen gegen 2 Stimmen bei 12 Stimmenthaltungen angenommen.

Die baltische Flotte auf seiten des Sowjets.

V/. 1 -B. Petersburg, 9. Nov. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Aqentur.) Nach Meldungen aus Hel- singfors beschloffrn die Abgeordneten der baltischen Flotte und die Soldatenausschüsse, sich dem Arbeiter- und Soldatenrat Petersburgs und oem Revolutionsausschuß an­zuschließen ujnd sie zu unterstützen. Der revolutionäre Ausschuß in Reval besetzte alle militärisch wichtigen Punkte dort. ,

Kornilvw soll vor ein revolutionäres Kriegsgericht kommen-

W. T.-B. Petersburg, 0. Nov. Der revolutionäre Mili­tärausschuß teilt asten Offizieren, Soldaten und Ausschüssen an der Front und im Lande feinen Beschluß mit, K v r n i l o w

und seine Parteigänger in die Petrr-P-aulsfestung nach Petersburg zu überführen und sofort vor ein revolutionäres Kriegsgericht zu stellen. --

Ver rkriegszustand mit Brasilien.

IV. T.-B, Berlin, 10. Nov. (Drahtbericht.) Nach einer amMchen Mitteilung der mit dem Schutz der deutschen Inter­essen m Brasilien betrautem Regierung der Niederlande hat der -brasilianische Kongreß am 26. Oktober den Gesetzentwurf a n g e n o m m e n, der den K r i e g s z u- st a n d zwischen dem Deutschen Reich und den -verbündeten Staaten von Brasilien verkündet. Der Präsident der brasi­lianischen Republik hrt diesem Gesetz zugestimmt.

ver türkische Rückzug in Palästina.

IV. T.-B, London, 10. Nov. (Drahtibcricht. Reuter.) Amt­licher englischer Bericht aus Ägypten: Genmal Allenbh meldet, daß aus seinem rechten Flügel der Feind sich nach Hebron z u r ü ckzo g^-.Unsere berittenen Truppen rückten durch Jomaweh über Hey 13 ibezw. 9 Meilen von Gaza und er­reichten das Süduser ÄeS Wadi Hesi (11 bis 12 Meilen nördlich der türkischen Front), wodurch sie die Verbindung mit unseren von Gaza verrückenden Truppen herstellten. Die letzteren besetzten das nördliche User der Mündung des Wadi Hesi in den Herbich, erreichten die Eisenbahn und die vom Feind an diesem Fluß vorbereitete Au-fnahmestellung. Auch der an der Käste gelegene Endpunkt der türkischen Eisenbahn Beitkanum wurde erobert. Der Feind wurde kt der Rich­tung aus Wadi Hesi verfolgt. Die ganze türkische Armee befindet sich aus dem Rückzug nach Norden, über <0 Kanonen wurden erbeutet. Die englische nnd -französische Flotte wirkten während der ganzen Dauer der Kämpfe mit.

Die Verhandlungen des Grafen Ezernin mit dem Grafen Hertllng.

Falsche Kommentare?

W. T.-B. Wien, 10. Nov. Der dreitägige Auifenthakt d»S Ministers des Auswärtigen Czern in in Berlin hat zu voll­ständig falschen Kommentaren Anlaß gegeben. Die Ursache der haltlosen Gerüchte wollen wir hier nicht weiter unter» sacken. Männer, die an den Berliner Verhandlungen nicht teilgonommen haben und gar nicht wissen konnten, was darb gesprochen worden ist, haben Nachrichten in die WM ges-eht, die von anderen als ernst und vollwertig genommen werden. In -der wild-zerrissenen Zeit, in der wir loten, machten diele durchaus unbegründeten Erzäklnnaen Eindruck. Der Minister des Auswärtigen hatte pflichtgemäß den Wunsch sich mit dem neuen Reichskanzler baldmöglichst über alle gro­ßen schwebenden Fragen anszuspvechen Es leg ihm daran, dem bedeutend älte-ren und mit Arbeit überbürdeten Reichs­kanzler Grasen Hertling die Reffe nach Wien zu er­sparen. Der Komplex der Fragen, die heute Zwischen Berlm und Wien zu erörtern sind, ist ein sehr großer. Dreitägige Konferenzen genügen knapp, um die verschiedenen Themen zu erörtern Un>ter diesen Fragen wurde natürlich auch die polnische b -e s p r ö ch e n. Das ist vichtig. Es ist ja die Pflicht der leckenden Etgatsmänner, über die großen aktuellen Fragen zu beraten und^ sie vorzuberwten, bevor sie dieselben den übrigen kompetenten Faktoren unterbreiten. Aus eine andere Art sind ja die Staatsgeschäfte überhaupt nicht zu macke n. Die Ereignisse aus der Dleltenbühne überstürzen sich, und niemand kann wissen, wie nahe oder wie fern bar Friede ist. Um gemeinsam mit Erfolg auf der Frrs» denskonferenz auckreten zu können, müssen die Ver­bündeten sich untereinander über di« zu verfolgenden Richtlinien klar sein. Wenn nun auS dieser Tat­sache gewisse Parteien be: uns den Schluß ziehen, der Ministe« des Auswärtigen bube eine Schwenkung in seiner Politik gemacht oder sei mn Begriff, eine solche vorzn- nchme-n, so ilt dies eine grundfalsche Auffassung, der aus dis allerenerailcksie entg cg engetreten werden muh. -Das Programm der öfter reich:'ch-ungarffcken Regierung h.rt sich nicht um Haaresbreite verschoben. Ihr Ziel bleibt dasselbe^ die baldmöilichste Erreichung eines ehrenvollen Friedens. Polen ist ein selbständiger Staat und di« neuen Machthaber in Rußland konzedieren dem polnischen Volk.das Recht, über sein künftiges. Schicksal selbst zu entscheiden. Deutschland und wir hoben dein Wunsch des polnischen Volkes bereits Reche nung getragen und seine selbständige Staatlichkeit anerkannt.

Deutsches Reich.

Oer Wechsel in den leitenden Stoatsämtern.

W. T.-B. Berlin» 10. Nov. (Drahtbericht.) Der „Reichs­und Staatsanzeiger" veröffentlicht die folgenden Bekannt­machungen: Se. Majestät der Kaiser und König haben aller» gnädigst geruht, den Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatsminister Dr. H e l s f e r i ch seinem Ansuchen gemäß, von den Ämtern als Srellvertrecer des !1!eichskanzlerS und Mitglied des SbaatoministerinmS unter Verleihung de» Großkreuze» des Roten Adlerorde-siS sind unter Belasiuug des Rangs und Titels als Si-aatSm-rnfftor zu «nt- bindeu. * \

Sc. Majestät der Kaffer und König haben allergnädigst geruht, den Staats minister Dr. v. Bre " nbach sernsiz