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Samstag, 1°. November ,9,7. MOrgeN- AUSgabst.

Der neue Umsturz in Rußland.

Jm-Exzareirreichc ist nichts dauernd als der Wechsel, und der Umsturz wird dort nachasro.de zu eurer typr- schen Erscheinung. Erst zwei Monate sind vergangen, seit der Vorstoß von rechts gegen den Diktator Kerenükr, der Kornilow-Putsch, erfolgte, der freilich, da vre Auf­ständischen nicht einmal bis nach Petersburg kamen, init einem schnellen nnd glatterr Sie^e des republikani­schen Zaren endete. Diesmal ist die Gegenrevolution nicht von rechts, sondern von links erfolgt, und es war ihr von vornherein ein bedeutsamer Erfolg dadurch; be schieden, daß ne' in Petersburg selbst wrerr Ur sprung nahm, wo die Maxixnalisten, bre sich jetz. an die Spitze der Gegenrevolution gestellt- haberr. von jeher über einen starken Anhang verfügten.

Satte doch der ahnungsvolle K e r e n s k i eben aus diesem Grunde erst rmlängst die Verlegung der Haupte stadt nach Moskau geplärrt, welche Absicht er ledoch p folge des -Widerstandes der Sozialisten fallen Ias,en mutzte. Seit der Zeit war der Gegensatz zwischen dein Diktator, der von den bürgerlichen Parteien nur sehr widerstrebend und lau unterstützt wurde und sich eigent­lich nur noch auf den von Tscheidse geführten rechten Flügel der Sozialisten verlassen konnte,, und den Maxr- malisten immer stärker geworden. Wie brüchig das Koalitionsministerium, in dem 6 Bürger liehe nnd 10 Sozialisten saßen, war. erhellte aus, dem soeben erf.olqten Rücktritt des Krregsmrrrrsters Werchowski, der mayimalistischer. d. h. frredens freundlicher Neigungen dringend verdächtig war.

Ter chronische Konflikt wurde durch die Verband lungon im russischen V o r p a r l a NI e n t akut. Die maximalistischen Bolschewiki nahmen offen gegen Kerenski Stellung, dessen Regierung ne als eureRe­gierung des Volksverrats" bezeichneten. und der am 4, Novencher eröffnet? Kongreß der Arberter- undSoldatenräte ganz Rußlands stellte eure für Kerenski höchst gefährlich- Konkurrenz. gegen das Vor Parlament dar. Daß der Diktator ab^.r auch im Vor Parlament keine Mehrheit mehr bat ergibt sich aus der ersten Meldung, welche die Petersburger Telegraphen Agentur*nach ihrem Übergang in die Sande der Marl mallsten verbreitete. Danach bat das Vorparlament rn Beantwortung de.s von Kerenski geforderten Ver trauensvotums. nämlich der Ermächtigung zum Vor gehen gegen die Umstürzler, mit 122 gegen 102 Ltrni men bei 26 Stimmenthaltungen , einen Beschluß gefaßt, worin die sofortige Bildung eines öffentlichen WoblfahrtsansschnsseZ und zugleich eine Aussprache mit den Alliierten über die Friedensbedrn gungen bezw. die Einleitung von Friedens Unterhandlungen gefordert wird.

Man sieht, daß dieser bedeutsame Beschluß sich be reits sehr dem P r o q r a m m der Bolschewiki nähert, welches von dem Organ des Moskauer Sowjet veröffentlicht wurde. Danach forderten sie einen völli gen Ausschlnß der Bouraeorsre von der M a ch t. deren Übergebe an die Arbeiter- und Soldaten­räte, die vollständige Einstellung der Zinsenzahlung von allen Kriegsanleihen und endlich energische Schritte zu einem sofortigen Friedensschluß. Offenbar war es ein Versuch Kerenskis, mit dieser Strömung zu Pak- tieren, als er unlängst dem Vertreter derAssociated Preß" versicherte, daß Rußland erschöpft ser. Aber gerade die Erwiderung L a n s r n g s. der von der neuen, Kerenski gewährten Anleihe von 31 700 000 Dollar Mitteilung machte, sckzeint zahlreichen Russen die Augen darüber geöffnet zu haben, daß die Politik, auf Grund deren sie sich für fremde Kriegszrele aufopfern müssen, in letzter Linie von bezahlten Agenten Englands und der Union gemacht wird.

Gerade durch seine Friedenspolitik hatte aber der Bolschewismus immer mehr am Anhang im russischen Volke gewonnen, das ja eben den Zarismus revoltiert hatte, weil es Bröt und Frieden haben wollte, und das sich zuerst von den Kadetten und dann nicht minder von Kerenski, dem ansführendcn Organ des britischen Botschafters Vnchanan, gründlich übers Ohr gehauen sah. Kerenskr erkannte die Gefahr, die ihm drohte, und so beschloß er, die über wiegend bolschewistisch gesinnten Petersburger Regi menter an die Front zu schicken. Der Petersburger Sowjet aber forderte die Garnison auf, nur noch die von dem militärischen Ausschuß der Sowjet gezeichneten Befehle auszuführen, und so kam es denn zmn offenen Kämpf um die Macht, der jetzt mit dem Siege der M a x i msa I i st e n, mit der F l u ch t Kerenskis und der Verhaftung deiner Mmister- Kollegen geendet hat. .

Nun ist freilich die Hauptstadt noch, nicht das Reich, und es ist ungewiß, wie der Kampf zwischen den beiden Parteien sich weiter entwickelt: aber immerhin, der

Bürgerkrieg ist erneut entbrannt. Man wird zunächst seine Entwicklung abwa.-ten müssen nnd

besonders gespannt muß man darauf sein, welches Ruß­land denn nun aus der Pariser Konferenz vertreten sein wird, das von gestern, das von heute oder das von morgen. Eines aber steht schon setzt fest der Hilfen.f, den die Entente an Rußland gerichtet hat, welches dem der Katastrophe zutreibenden Italien. zu Hilst eilen soll, hat die Republik im ungünstigsten Augenblick er­reicht.

Aufrufe des Sowjets an die Bürger Rutzlands und an die Front.

W. T-B Petersburg, 9. Nov. ; Pc irr sburger ^ Delsgr r- pbenagentur.) Der revolutwnärie militärische Ausschuß d:Z Petersburger Arbeiter- und Soldarenro-i? hat sollenden Aus­ruf an die Bürger Riußkamds veröffentlicht:

Die vorläufige Regierung ist ge ft ü r z t. Die gesamte Macht ist in die Hände eines Organs des Pe-strs- bn-rgvr Arbeiter- und Soldaten-rats übergegongen, nämlich des revolutionären militärischen Ausschusses, der on der -e^ntze des Proletariats und der Garnison Petersburgs steht. 2>a$ Zieh für das das Voll gekämpft hat, nämlich der Vorschlag

eines sofortigen demokratkschen Friedens, die

Aushebung des Rechts der Grundeigentümer, das Land m besitzen» die Aufsicht der Arbeiter über die Erzeugung und dre Bildung einer Regiermng des Arbeiter- und -SoldaienrwtS ist gesichert. Es lebe die Revolution der Scltaten,' Arbeiter und

Bauern! _. ,

®m zweiter Schatz des Ausschusses besagt: Dre Macht über Petersburg 'st in den 'Händen des, revolutionären militä rischen Ausschusses des Petersburger Arbeiter- und SA dlüenrats, dar Soldaten und Arbeiter, die sich einmütig er­hoben h.rben. Die Regierung Kerenskis ist ohne Mutvsr- gi-ctzen gestürzt worden.' Der Ausschutz fordert die Front auf. den Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat, die neue militärische Macht, zu unterstützen, der sofort einen gerechten Frieden und die RüLgckbe des Sandes an die Bauern Vorschlägen und' dre verfassunggebende Ver- sammlung einberusen wird Die ganze örtliche Gewalt geht aus die Bezirks-, Arbeiter- und Soidalenräte über.

, W. T.-B. PetersburgsB. -SM tr ftDccchtbericht. Peters- Tel-egraphenager.tur.) An dem großen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenrät« aus ganz Ruß­land nehmen 560 Abgesandte teil. Der vorläufige Vorsitzende schlug v-n, ein Bureau zu wählen, in da? die Maximaikiisien Lenin, Cinowie und Trotzkv sowie 7 revolutionäre Sozialisten gewäM wurden. Der "Kongreß billigte davans felgende Tagesordnung: 1. Die Organisation der Macht-,

2. Frieden und Krieg; 3. Berfaflunggekende Versammlung. Darauf wählte er eu.e Abordnung, die mit den anderen vsoo- lutionäven domokrati'chen Verbänden iu Berhi-ndlung-n -über Maßnahmen zur Bechinderung des Mutvorgietzens, das iehon begonnen, einzutreten hat. Der Kongreß der Avbeiter- und Soldatenräie aus ganz Rußland richtete einen Ausruf an alle russischen Armeen, in dem er sie auffordert, vorläu­fige revolutionäre Ausschüfse zu schaffen und diese- verantwortlich für Aufrechterhaltung der revolntionä'-en Ordnung und die Tüchtigkeit der Front zu machen,. Die Besehlshaber müssen den Befehlen des Ausschusses Folge l-ilten. Die Kommsssare der Regie­rung werden ab ge setzt und solche des Kongresses der Ar­beiter- und -Soldatenräte reisen an die Front.

Ein Aufruf des Zimmerwalder Ausschusses in Stockholm.

W. T.-B, Stockholm,, L. Rov. (Dr-ahtbericht.) Die Siach richt bon den Ereignissen in Petersburg ruft in den hiesigen rustischen und neutralen Kreisen große Aufregung her­vor. Der Erlaß eines Aufrufs des holländisch-skandinavischen Ausschusses zu einer Versammlung der Vertreter der sozio- listischen Partei in Siockbolm gilt als bevorstehend. Der hiesige Zimmerwalder Ausschuß erließ gemeinsam nrit den se'nerzeit von Lenin erngeietzten Auslandsvertrete en der Zentralverwaltung der russischen Bolschewiki- Partei einen Ausruf der den Sieg der PeterSburg.er Ar- be-t->- und Soldaten über die Regierung Kerenskis fordert, die als Bürge des En t entekap ital s Pas Voll weiter in den Krieg gezogen hat, ohne auch nur einen Versuch zu Un­ternehmen, die Wege zu dem Frieden zu bahnen. Der Ausruf fährt fort: Das erste Wort Petersburgs- ist der Frieden. Rußlands Arbeiter und Soldaten fordern einen soforti gen Waffenstillstand, unmittelbare Verhand­lungen über einen ehrlichen Frieden ohne AnneÄio- Neu und ohne Entschädigungen auf Grrpid des Seldstbestim- mungsrechts der Völler Arbeiter und Ülrbetterinnem, au ouch, die ihr dem Gesvenst eines vierten WinterfeldzuK ins Auge blickt, richtet sich der Ruf Petersburgs und der ruffi- fchen Proletarier. So heldenmütig sie siegen wögen, sie können nicht allein Brot. Frieden und Freibest erobern. Die Mächte -er Unterdrückung in Rußland werden alle Kräfte ^ am spannen, um die Revolution zu ersticken. Sie werden ver­suchen, Lebensmittel oon den Städten fernzuhallen und di- Kosakenaufzuhetzen. Glückt ihr Vvrbaben. so werden sie den Krieg forts>chen, aber nicht nur vcn ihnen wird das FricdenSwerk bedroht- Sowohl die Regierungen der Mittelmächte wie der E ntenteländer stoben de: Befreiung der 'VokkSmassen ftindlich gegenüber. Die Mittel­

mächte können versuchen, Rußlands Bürgerkrieg ans- zunutzen, um den sinkenden Kviegswillen chrvr Volker an- rnfe-i«rn. D-e Ententemächte werden versuchen, die Geg en- revolntron mit Geld zu uuterstützen Prole­tarier, schließt euch der -russischen Revolution an! Kern Schuß d a r f m >' h r fallen! Verlaßt euch nicht auf die Friedensphrasen. Wir ruten die Bertreter aller Partelem, die . bereit sind, den Kampf für den Frieden zu führen, naä; Stockholm^ Verlangt sofort die Pässe für diese Abge­sandten, verlangt -die Freigabe der gefangenen Genossen dir das Vertrauen der internationalen Proletarier gemetzen, damit /sie an der Friedensarbeit teilnchmen können.

Änßerungen eines hervorragenden Maximalistcn.

8. Stockholm, 9. Ncv. l-Eig. Drähtberlcht. zb.) Der B-'- richteristatter desB. T." hatte eine Unterredung mit ernear heiwormgenden Ma-ximalisien, der m direkter toleyrap^i;cher Verbindung mit Lenin sieht, und morgen nach; Petersbuiig .abreist. Er erklärt?, daß die Zimmerwalder Konfe­renz in Stockholm stattfinden werde, um nach Rua- sprachen mit den Parteigenossen über sosorirgea Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zu be­rate-, Es erging beute telegraphische Einladung an dre ö st erreicht'ch - ungarischen Sozialisten und die Vertreter der deutschen sozialdemokratischen Minderheit, an dem Kongreß teilzunckhmen. ^.er deut­schen Mehrheitspartei iteht es frei, aus dieser Konfenenz z« erscheinen. Einqeladen sie wegen der Würzburger Bc- schlüsie nicht, sofern sie ück nicht bereit erklärt, tm Bnvg- frieden zu brecken. Was die Friedensmogl-chke-ten betrifft, so erklärte der Bol-chewist, daß d-e Ententemächte glattweg die Aufforderung zum Wasfci-stlllstand «blebven würden'. Es b'eibe somit Rußland nichts anderes übrig, als

direkt mit den Mittelmächten zu verhandeln. Lenin ist ein Realpolitiker, der mit konkreten Frie­densbedingungen an die Miitelmächte :m Fall de. FrredenSgeneigtheit herantreten wird.

Ein enalischrr Kenner der Verhältnisie über den Sreg der BolschewikrS.

Br. Berlin, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht. ch.; Der Peters­burger Bo»icht«vsl«tter derTailt, News", der jetzt '"London we-'U, schreibt zu dem maximalistischen Handstreich, de? ukwlg. Rußland werde wahrscheinlich dem B°:,!P'el Peters­burgs folgen, weil die BolsSewikis in Moskau de Mehrheit haben, wenngleich -die Kosaken auch im Duden ier BÄvcgUlNig fast völlig fernblei«ben wer-oen.

Nnterbrechung des Eisenbahnverkehrs Petersburg-Finnland.

»r. Stockholm, 9. Nov. (Eig. Drahtberrcht. zb.) Wie Stcckholm Tidningen" aus H rviranda erfahren, ist d,e Bahn. Verbindung Finnland-Petersburg unterbrochen.

Die Beurteilung in Lonvon.

W T-B Amsterdam, 9. Ncv. (Dvahtbericht.s Das Lan'-elsblaad" meldet aus London: Hier herrscht allgLmern dw Auffassung, daß die Ereianisse in Ruhlar.d die Vor­läufe r d e S B ü r q e r k r i e g S sind. Es wrrd berichtet, daß KerenSki von Len Plänen Le n i n? gewußt hat und Maß- reaelii traf, um den Sitz der Regierung nach Moskau zu ver- leaen Kerenskis Freunde in England glauben, daß er jetzt drrnäch tr-ackten ivivd. alle gemäßigten Elemente um sich zu vere>n'->ien und^die Kosaken und die anderen Truppen- die noch nicht unten dem Einfluß der Maximaliften sichen, un-ter seine Fahne zu sammeln.

Der deutsche Kbendbericht.

XV r B Berlin, 9. Nov., abends. (Amtlich. Trahtbericht.) In Flandern scharfer Artilleriekampf bei Pas« schendaele.

J-r der B e r s a l g u n g gegen den P r a v r geht es v» rwärts. E ,

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

\V. T.-B. Wien, 9. Nov. Amtlich verlautet:

Italienischer Krieqsschauplatz.

Der Widerstand der Italiener an der Livenza ist lieb Wochen. Tie Verbündeten haben den Fluß in der ganzen Front überschritten nnd dringen gegen

'Westen vor. , . . ,

Avch im Tiroler Grenzgebirge machten unsere

Truppen Fortschritte.

Fm Ostcn und in Albanien nichts Neues.

Der Chef des Generalstabes.

»

Der italienische Uriegsminister an Cadorna und an den Generalstabschef.

XV T.-B. Rom, 3. Nov. (Meldung der Agenzia Stefans.) Kriegsminister Alfter: sandte am 7. Rov. an C a d o r n a - folgenden Brief:Exzellenz! Sie haben schon durch -seine Majestät den König sie amtliche Mitteilung von der Maß- "nafovie erhalten, die Sie betrifft und die in den Personen die Zusammensetzung des Oberbefehls rm Heere ä n d e r t. Obgleich die Geschäfte, die bei Ihnen setzt zusammenfließen, sehr hohe lind derart sind, daß ohne Zweifel