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13 Kusgaben

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Freitag, 9. November 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 572. * 65. Jahrgang.

Die neue Revolution in Rußland.

UerensKi geflohen» Sie übrigen'Minister verhaftet.

W. T. B. Wien, 8. Nov. (Drahtbericht.) Aus dem Kriegspresicauartier wird mitgeteilt: Nufere Radio-

stationeu im Nordosten haben heute folgenden verstüm­melten Fnnkspruch ausgenommen, der von Petersburg an alle Armeen gesandt wurde: Ausruf des kricgs-

revolutionären Komitees? (In offener Sprache, der Anfang der Depesche fehlt.) Die politischen Gefangenen werden unverzüglich befreit. Die ehemaligen Minister Konowalow, Kischki» Terestschenko, Maljantowitsch, Nikitin usw. wurden von dem revolutionären Komitee ins Gefängnis gesteckt. Kerenski ist ge­flohen. Es wird allen Armee-Organisationen anbe­fohlen, Maßnahmen zu treffen, um Kerenski so­fort zu verhaften und ihn nach Petersburg aus- 5,,liefern. Jede Hilfe zugunsten Krrenski wird als schweres Staatsverbrechen bestraft werden. Iw Petersburg hat die Arbeiter und Soldaten- Rcvolntion gesiegt.

Ter Mrnsiische Kongreß der Arbeiter- und Sol- »aten-Deputierten drückt die Hoffnung aus. daß auf den Eisenbahnen die Ordnung aufrechterhalten bleibt und

der Betrieb nicht eine Miaute lang unterbrochen wird.

*

Ans der letzten Sitzung des Vorparlaments.

W. T.-B, Petersburg. 8. Rav. (Drahtbericht. Peters­burger Tslegrapbenayentur.) Das Vorparlament nahm geigen Mitternacht in Bea-ntwortung der Vertrauensfrage, die K e r e n § I i gelegentlich seiner Rede über daö Vorgehen des Heeres und der Maximal'st en stellte, mit 123 gegen 102 bei 6 Stimmen Enthaltung eine Ent­schließung >an., in dar die sofortige Bildung eines öffentlichen Wohlfahrtsausschusses gefordert toitb, und ferner zur Hintanhaltung des Steuerkricgs vsr- langt wind, dem Agrar«usfchutz das Land zn übergeben und die russische Diplomatie zu einem entfckckdenen Schritt zu verianlaffen, damit die Alliierten sich über d^efe Fvie- dcnsbcidllhgnngen crusfiprecheu und Friedensnuter- Handlungen e i n l e i t e n. In: Lauf der Rocht und heute früh verschärfte sich die Streitfrage zwilchen der Regie- rung und dem Aroeiter- und Scildatenrat noch weiter. Das Vergehen der Maximalisteu entwickelte sich zieml'ch schnell. Der Telegraph ging bereits in ihre Hände über. So weit ..die Meldung der Petersburger Telegrapbenagentur. Es folgt sodann wörtlich die von uns verbreitete Reuter Meldung.

Lenin verlangt sofortigen lvaffenstillftand und Frieden.

IV. T.-B. London, 8. Rov. (Dvahtlericht.) Das Renter- fche Bureau erhielt ein Telegramm der amtlichen Peters­burger Telegraphenagentnr, die in den Händen der Maxima- listcn ist. und in dem es Hecht, daß di« M a x i m a l i st c n die Stadt in der Hand heben und die Minister verhaft tet find. Der Leiter .der Bewegung, Lenin, habe sofortigen Waffenstillstand und. den Frieden verlangt.

Die Anarchie.

W. T.-B. Bern, 8. Rov. (Eig. Drahtbevicht. zb.)Progres de Lyon" meldet aus Petersburg: Das Landgut des Groß­fürsten Nikolaus Michaelowitsch bei Nikolajew ist dem Ero- boden gleich gemacht. Die sehr wertvollen Kunst: fckiähe des'Großfürsten sind verschwunden. Alle Untersuchun­gen zur Entdeckung der Schuldigen blieben ergebnislos In Prdolien, der Ukraine und in Rordbeßarabien ist die Lage durch die Plünderbanden sehr ernst, so ernst, daß die Rcgierung den Militärbehörden die Vollmacht.gegeben hat, mit aller Strenge vorzugehen, um die Ordnung wieder- herzustellen.

Oie Gstfragen.

O Berlin, 7. November.

Der Kronrat vom Montag hat sich gutem Vernehmen nach u. a. mit den Fragen bcschäftiflt. die durch die werte Hinausschiebung unseres besetzten Gebietes nach Osten hier entstanden sind und nnnmebr eine endgültige Lösung erfordern. Es handelt 'ich dabei um das Schick­sal von Litauen, Kurland und Livland, es handelt sich aber auch irm die Frage, wie das neue Königreich Polen in den Interessenbereich der ver­bündeten Mittelmächte so einzusügen sein wird, daß Selbständigkeit und vertragsmäßig gesicherte Zugehörigkeit miteinander verknüpft roeröen können. Es geht ferner um die Frage, bis wohin nach Osten und Nordosten die Grenzen des neuen König­reichs ausgedehnt werden sollen, und wie sich alsdann die bekannten Ansprüche der Polen auf Litauen mit den Bedingungen vereinbaren lassen werden, die unserer­

seits für die Sicherung eines dauernden Zustandes m ' diesen Gebieten gestellt werden müssen. Bei allen die- en Problenien wird es endlich darauf ankoiymen, sie so zu lösen, daß die Rücksicht aus die E r m o g l r ch u n g eines späteren guten Verhältnisses zu Rußland gewahrt bleiben kann. Man muß srch zur Stunde selbstverständlich damit begnügen, nur ole un­gefähren Umrisse der Aufgaben zn ziehen, die nunmehr die Reichsleitnng in Fühlungnahme, mit dem befreun­deten Donaureich zu erfüllen haben wird. Graf Hcrr- ling tritt hier zum ersten Male nor eine Aufgabe, an der er erweisen kann, ob seine ktaatsmännisme ^lusicht vermögen wird, den außerordentlichen Schwierigkeiten aerecht zu werden. Niemand kann in diesem Augen­blick wissen, welche Ratschläge der zum Kronrat hrn;n- pezogene Genecalseldmarschall v. Hindenburg ge­neben hat, niemand auch weiß, wie das Programm des neuen Reichskanzlers in bezug auf die Fragen des Ostens beschaffen ist. So muß zunächst, ab gewartet iver- den, ob richtunggebende Andeutungen über die gefaßten B^chlüsse kommen mögen. Nach übereinstimmenden Mitstilungen soll im Kronrat nanientlich die polnische Frage einen breiten Raum eingenommen haben, und es wird auch aemat. daß Graf Czernin mit wegen die­ser polnischen Angelegenheiten nach Berlin gereist wi. Es wird sogar behauptet, daß er an den Beratungen beim Kaiser teilgenommen habe oder noch teilnehmen werde, eine Angabe, die wir indessen bezweifeln möchten. Aber ob sie zutrifft oder nicht, lo würde man es dabei nur mit einer Äußerlichkeit der Form zu tun haben, und jedenfalls wird sich der österreichische Minister mit dem Grafen Hcrtling über die polnischen Dinge tn ein Einvernehmen gesetzt haben oder zu setzen versucht haben, das doch manche Abwandlungen des bisherigen Zustandes mit sich bringen wird. Verschiedentlich wird daran erinnert, daß in W i c n den polnischen Wun'cken. die ans eine .engere Verbindung zwischen Kon-ncßpolen und Galizien hinauslanfen, ein ausgesprochenes Wohlwollen erwiesen wird. Damit ist jedoch noch nichts über den Inhalt der jetzt stattfindenden Besprechungen ansgesagt. Die nmlc-.ufenden Gerüchte, bieten zunäffsi keinerlei Unterlage für ein Urteil. Sie können wahr sein, aber dann können sie es nur durch einen Zufall st in, und dann wird nur gut geraten worden sein Die Behauptung, daß die polnische Fraae im wesentlichen im Sinne der österreichischen Vorschläge entschieden worden sei, braucht also, niemand zu kümmern, sie dünkt uns c'rnraermnßen voreilig, und doch wird man auch diese Möglichkeit im Anne bcbalten müssen. Was heißt im übrigenösterreichisch Vorschläge"? In Buda- p p st denkt man über die rweckwäßigste Lösuna des pol­nischen Problems beträchtlich anders als in Wien, und von einer Verständigung müssten den beiden Reichs- Hälften über di? Zukimft Polens hat man einstweilen noch nichts gehört. Weiter wäre zn bedenken, daß eine Ordnuna der polnischen Frage -m Sinne von österreichi­schen Wünschen immer nur einen Teil der größeren und schließlich entscheidenden Frag" bedeuten würde, wie das Verhältnis zwischen den Mittelmächten gerade dann, wenn Polen an das Donau euch angegliedert würde, organisch auszubauen, vertragsmäßig zn erweitern, mit Brngschaften zu sickern wäre die uns für die Aus- dabnung der österreichischen Grenze bis nach Tlwrn unentbehrlich sein würden Siebt man die Frage von dieser Seite ber an. so bekommt man nicht den Eindruck, daß die Ding? schon soweit gediehen stin könnten, um die Bebauvstlng zu rechEertiaen. daß cs in bestig aus Polen nunmehr nach den österreichischen Vorschlägen neben soll oder kann Da sich der Kronrat auch mit der Zickrrifft der baltischen Gebiete beschäftigt hat. so wird man mobl bald nielerlei berufene und noch mebr unberufene Ratschläge und Vorschläge hören, was mit Kurland und Livland wi.' mit Litauen zu aeschelwn hoben soll. Wir möchten uns an dickem freilich nickst rei'losen Sviel nickt beteiligen, sondern wollen nnr di? Heiden Möglichkeiten erwähnen, die sich unterer Politik hier darbieten. Wir können, um es obn'.- Umichweif zu waen uns viel Land -im Osten anali >dern. und wir würden dabei keinen allzu MH*eit Widerstand Eng­lands ruckressen, desien geschickte Staatskunsl es seit einiger Zeit schon.sichtbar darmff anlegt. uns auf d"n Osten als Enffchädiaunasaebiet binz»lenken, wo'ü.r wir im Westen den brisissten Ansprüchen bis zum l?b- trn eutr -»aeukoruTuen sollen. Der s^rt des geinnasien Widerstandes ist jedenfalls der Osten und dst Ver­leitung, di" hierin liegt, ist wobl Maß gder könnl? es werden. M,f der enderen Seit" erbebt sich die Frage, mos uns für die Knknnft größeren G"wckii. nrösieT-« Sicherung des Friedens und des wickschafflrchen Ge- dk-isiprs ver'Nricht. ob eine Grenzerwesterung oder ein gebessertes Verhältnis zu Rußland. Vom Grusen Hert- liirg möchte man seinen bisberigen Kundgebungen Nbax swiea und Frieden annelunen. daß er einen um- bältnismäßia leicht zn erlangenden Vorteil, däranfbin betrachten würde, ob m den G>? ini 'tn nicht durch spätere bleibende Nachteile ansgleichen müßte.

aber genau, weiß niemand, welche grund.egende Ent­scheidung jetzt vielleicht schon getroffen worden tu^oöer sich jedenfalls vorbereitet. Allzulange aber wird dre Ungewißheit doch Wohl nicht dauern.

I* Berlin, 8. Rov. ' (Eia. Drahtbericht. zb.) In der Be^ liner Parteipresse herrscht seltene Einmütigkeit hinsrchtlrch der nack den Informationen einiger Blätter im Kronrat beschlossenen Lösung der polmschen Frage. Es gibt kern Blatt, das sie verteidigt oder sie auch nur, a nn eh mb a t "irrtet. Wir sagten gestern schon, daß der Reichstag sich kaum erneu: mit einer so wichtigen Frage übergehen lasse. Heute mellet der ,.B. L.-A.": Gegen die angekündigte Losung der polnischen Frage machen sich auf der Linken des Reichstags, rusbesondere in der sozialdemokratischen, Partei, sehr torke Bedenken geltend. Daß die. Sozialdemokraten rn dieser Frage Opposition leisten würden, läßt, der heutige ..Vorwärts" erkennen, der groß über das Blatt die Aufschrift trägt:Anuexionistische Pläne." ES ist zu hoffen, daß unsere aestriae Information, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, sich bestätigt. Auch dieVoss. Ztg." glaubt noch nicht an eine endgültige Entscheidung Sie sagt: D>e Meldung einzelner Blätter über ein abschließendes Ergebnis der Ber. liner Verhandlungen, wonach Kiiser Karl König von Palen und gleichzeitig Kaiser Wilhelm zum Herzog von Kurland und Fürst von Litauen proklamiert werden solle, werden uns aus­drücklich als unrichtig bezeichnet. Tatsache scheint zu sein, daß die Besprechungen über diese Punkte, und zwar hauptsächlich übe- die volmsche Frage, ohne ein end- gültiges Ergebnis geschlossen worden ist. .

NsÄ) Seine sndyültitze Entscheidung.

L. Berlin, 8. Slot). (Eig. Drahtlbericht. zb.) Bon zuistmr- diger Seite wird uns mitgeteilt, daß die gestrige Meldung der ,.Tägl. Runidsch.". die pobnischem, kurländifchen und liv° ländischen Problems insbesondere auch die dynastischen, Ibätten imi Vevlaur des Kronrats eine endgültige Lösung gefunden, nicht ben, Daffachen entspricht. Wir hatten beveits unsere Zweifel geäußert. Richtig ist nur, vah bei den Verhandlungen mit dem Grafen Czernlir die Ostftage den hauptsächlichsten GespräckspniM bildete, und daß sie auch weiter den Gegensiaud der Verhandlungen zwi- scheu Bevlin und Wien sein werden. Bevor sie spruchreif sind, sollen Parlament und.Presie zeitig Mitteilungen erhalten. Wenn wir richtig orioritiert sind, haben di? Bedenke n, di« beim Reichskanzler Grafen Hertling und dem Staats­sekretär v/Kühklmann bestanden, schon jetzt in Derbindnng mit der polnischen JiegentschaftAösung, auch die der Königs­wahl vorzunehmen, und zugleich mit der Verleihung dsS Königstitels an Kaiser Kack die Verleihung eines Herzog!- oder Fürstentitels an Kaiser Wilhelm zu proklamieren, einen Aufschub bewirkt, was uur zu begrüßen ist.

Die rastlose Verfolgung der Italiener.

W. T.-B. Wien, 8. Rov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 8. November, mittags:

Italienische ^ront.

Tie verbündeten Armeen des Fctdmarschalls Erzherzog Eugen sind gestern in rastloser Verfolgung andieLivenza vorgestoßcn. Der Feind setzte dem überschreiten des Flusses überall heftigsten Widerstand entgegen, wurde jedoch an mehreren Stellen von den österreichisch-ungarischen und» deutschen Truppen geworfen und zum weiteren Rück- zug gezwungen.

Auch im Gebirge leisteten die Italiener an zahlreiche« Punkten zähe Gegenwehr. Südlich von Tolmezzo hinter unserer Front vermochte sich, gestützt nnf die Werke von Simeone, eine tapfere italienische Gruppe unter denk Kommandanten der 36. Division mehrere Tage hindurch gegen die umfassenden Angriffe unserer Gebirgstruppen und deutscher Jäger zu behaupten. Erst vorgestern abenlf stellten die italienischen Geschütze ihr Feuer rin. Gestern sprengte der v ö l l i g a b g e s ch n i t t e n e F e i n d die Werke. Seine Versuche, sich dnrchznschlagen, scheiterten. Rach ehren­vollem Kampfe streckte der Gegner, einige tausend Mann stark, die Waffen. Auch in den Randgebirge» des Cadore nnd im P r iuibr kam es zu heftigen Zusammenstößen. Unsere Truppen bcn.ächtigten sich wichtiger Punkte. An Ge­fangenen nnd Beute sind gestern in die Hand der Ver­bündeten gefallen: 1 General, ein DivisionSstab, 2 Obersten» 176 Offiziere, 17 000 Mann, 80 Geschütze und 6 Flugzeuge. Dir Gesamtzahl an Gefangenen ist auf 250 000 Mann, die der erbcnteten Geschütze auf 2300 angewachsrn.

OestUcher Kricllsschanplatz und Albanien.

Unverändert. Ter Chef des Generalstabes.

Anszeichnunsten aus Anlaß der Siecle in Italien.

IV. T.-B. Wien, 7. Rov. Anläßlich der jüngsten Siege in Jtrlien verlieb Kaiser Krel u. et. dem Feldmacschall Erz. Herzog Engen und dem Generrlseldmarschall v. Hiuden» b u' g d-c Brillanten zum Militä-verdienstkreuz 1. Klaffe mit der Kriegsdekoration, vom Generrl der Infanterie v. Belowi daS Grotzkreuz des Leopildsordens mit der Krtegsdekoratu n, dem Generalleutnant K r a ff t v. Delmen singen daS Militärverdicnstkreuz 1. Klaffe mit der Kriegsdekoration.