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Verlag Langgafse 21
„TagtlailhauS".
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Mittwoch, 7. November 1917. Morgen-Ausgabe._ Ur. 568. . 65. Jahrgang.
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Oie Zukunft der besetzten Gebiete im Osten.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 6 Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Geheimversammlungen unserer leitenden Männer der Regierung und des Heeres dauern in Gegenwart des österreichischer- Ministers des Äustern Grafen Czernin fort. Da auch das tiefste Geheimnis allmählich durch Tür und Fenster auf die Straße tritt, so spricht uian heute in allen politischen Kreisen ganz offen davon — und die Abendblätter verweisen darauf —, daß über die Z u k u n f t d e r i m O st e n .besetzten Gebiete beschlossen werden soll. Grast Czernin hat seinen prlnischen Spezialisten mitgebracht. Bon deutscher
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Werden, die einen Frieden ohne Eroberungen und Vergewaltigungen anstrebe, crne Politik, die auch mit unserer Ehre und Zukunft veierr.bar sei.
Drr Eintritt Dr. Friedberqs in das Ministerium.
— Berlin, 6. Rov. (zb.) Nach der „Germania" soll als feststehend angesthen werden können, daß der nationalllbcrale Abgeordnete Dr. Friedberg das ihm angetragene Amt eines stellvertretenden Ministerpräsidenten in Preußen voran-: sichtlich annehmen werde, nachdem die national- likercle Lanttagsfraktion ihre Zustimmung ausgesprochen hak e. ,
Seile nimmt der Zivilgouverneur "von Wilna, Senator Reumann, an den Beratungen teil. Es wird auf das Wiener Telegramm der „Münchener Neuesten Nachrichten" verwiesen, daß Kaiser Karls Proklamation zum König von Polen bevorsteht. Diese Nachricht schien noch vor ein paar Tagen nicht viel glaublicher, als wenn mqn verbreitet hätte, der deutsche Kaiser werde den Titel eines Herzogs von Kur- und Livland annehmen. Heute läßt sich der „B. L.-A." von einem besonderen Gewährsmann schreiben: „Eine engere Anpliederung Polens an Österreich-Ungarn würde der verbündeten Monarchie einen erheblichen Kcästezuwachs bringen, dem eine entsprechende Ausdebnung der deutschen Macht- svbäre ivi Osten gegenübergestellt werden dürfte, wobei als Gebiet für eine Angliederung an Deutschland Kurland und Livland in Frage kämen." Der Gewährsmann er- wägt rann die ,hockst dornigen Einzelfragen". Polen, zum mindiften das aktivistische, würde es mindestens im Prinzip brgisiißrn. im Rahmen einer trialistischen Monarchie^ mit Galizien wieder vereinigt zu sein. Andererseits würden Lerricktleistunpen auferlegt werden. Litauen erhält einen nicht unerheblichen Einschlag politischer Stadtüevölke- rung und volnischen Adels. Städte, wie Wilna und Gcodno. waren Mittelpunkte polnischer Kultur. Im Norden wiederum müßte voraussichtlich aus militärischen Gründen der N a r l n f l u ß als natürliche Grenze gewährt werden. Da- mit würde wieder eine Million volnischer Bevölkerung zu Litauen geschlrgen werden, was ein neues Problem V ü ! ti i scher Irre d e n t a schassen könnte. Andere Schwie- vigkeiten bestünden im Verhältnis Polens zu Österreich- Uagor». Die Realunion sollte sich naturgemäß auch mit einer Personalunion verbinden. Die letzte Reihe von ungeklärten Fragen eröffnete da? Verhältnis Litauens zu K u r l n n d, da? den zahlenmäßig überlegenen Nachbarn mit gemischten tVefüblen begrüßen würde. Mit all diesen Problemen ist natürlich auch das des dynastischen Zuwachses verknüpft, und man versteht es, wenn sich verantwortliche Staatsmänner noch bei uns den folgenschweren Beschlüssen widcrsetzen, die Graf Czernin anstreben soll. Hoffentlich läßt sich auch der deutsche Reichstag nicht ausschalten, da clnebin schon genug politische Fehler im Osten begangen wurden, ohne daß er etwas dazu tun konnte.
W. T.-B. Berlin, 6. Nov. iDr-chtbeiickt.) Die „Iiordd Mg. Ztg." schreibt: Der Reichskanzler besuchte beute den türkischen Botschafter Hokki-Pascha und empfing spät-or den bulgarischen Gesandt«, Rizow und -den Gesandten rn Bern Frechcrru v. R o m b e r g.
Oie innerpoUtische Lage.
sBon unserer Berliner Abteilung.)
I*. Berlin, 6. Nov. (Eig. Drahtboricht. zb.) Die Krise oenn man empfand heute, daß sie noch fortbost-eht — hat bisher nur den Beweis mbracht, daß die vier Mehrbrits- Parteien zusammenholten, wenn die Pevso- ualwünsche der einen oder anderen von ihnen schon erfüllt sind. Di« interfraktionelle Konferenz rm Reichstag hat nochmals über das Angebot des Grafen Hertling an den Abgeordneten Geheimen Rat Fri-S-dberg (preußisches Vi^Präsidium,- l-sraten, da -die Reichs- and preußischen Fragen nun einmal unverbrüchlich z-isiammerchängen. Schon war -besannt geworden, daß im Namen des Grasen Hertbi-ng und auch der Hoskreise, die seine Schritte hemmen, eine Art Vermittlung s v orsch la g an die Volkspartei ergehen sollte: Statt des Postens des Vizekanzlers, der unbesetzt bleiben würde, wolle man einen Fortschrittler mit einem Stoats- s e k r « t a r i a t der v e s e tz stc n Gebiete ^bestücken. Der neue Staatssekretär könne dann auch preußischer Minister ohne Portefeuille sein. Man lcmn di« Entscheidung oex Reichs tagslink cn mit einiger Spannung erwarten.
vie Stellun, der Sozialdemokratie zur neuen Regierung.
In Elbing und in Königsberg hat sich der Abgeordnete Scheidemann über die Stellung der Sozialdemokratie zur neuen Regierung ausgesprochen. Er erklärte, es sei noch nicht an der Zeit für di- Partei. Ministersessel in An spruch zu nehmen. Die Sozialdemokratie würde aber dir Regierung unterstützen, wenn sie nach ihren Versprechungen vorgehe. Dec Beweis d-rfüc, daß das deutsche Volk keine Hilfe von außen brauche, um die Freiheit zu erlangen, tic c r-.be, e Völker besitzen, sei erbrachst wenn wir zum gleichen Wahlrecht im Reiche das gleiche Wahlrecht in Preußen bekämen und wenn für die Zusammensetzung dee Regierung und für ihre Politik der Mehrheitswille der Volks, ertretung maßgebend würde. Dann stünde e» schlicht n'it der Behauptung, daß Deutschland autokratisch regiert würde und daß man deshalb mit ihm nicht Frieden schließen könne. Der Fortschritt, der sich jetzt friedlich bei „ns vollziehe, habe anderwärts Ströme von Blut gekostet. R a i a u fe e r. hin müsse eine feste und klare Politik getrieben
Oer deutsche klbendbericht.
W. T.-B. Berlin, 6. Nov.. abends. (AmÄich, DvaihtLe- richt.) Frühangriffe der Engländer führten tagsüber zu Kämpfen um Passchendaele.
Bei G h e l u n e l t brach der feindliche Ansturm ergeb- nis- und vertu st reich zusammen.
Vom Osten nichts Neues.
Der Tagliamento ist auf der ganze« Front überschritten. Die Verfolgung ist rm Fortfchreiten.
sStünmffchsr, immer erneuter Beifall und Händeiklaitschen.) Ihr Beifall beweist die h o h« F r e u d e. die wir alle über die Erst-lge unserer siegreichen Armeen empfinden, die miter drr nnmittelibaren Leitung des oborslen Kriegcberrn stehen» und vor allem auch. darüber, oaß di« Aussichten sür de« Frieden stärker geworden sind, (Lebhaster Deisall und Händckl-alachen.st und daß dar einstige Verbündote. der nach dem schmäylick'en Treribruch durch mehr als 2 Jahre wnzere slch^ichen Grenzen hart bedrängte, hoffentlich bald aus der Liste unserer Gegner gestriche,, sein wird und wir dem so heiß ersehnten Frieden näber kommen. Ich bitte um die Ermächtigung, Sr. Majestät u-nscre Glückwünsche -im Drahtweg übermitteln zu dürfen. (Lanpanha-ltender Deisall und Hände- klatschten.)
Der mangclude Überblick über den Krieg als lSanzcs.
"Br. Rotterdam, 5. Nov. (zb.) Im „Manchester Guardian" wild hinsichtlich der italienischen Nieder-
läge hervorgehoben, es sei dies das dritte Mal, dag sich so etwas ereignet. Das erste Mal war es mit Serbien, das zweite Mal Mit Rumänien der Fall; wenn wir noch tte Dardancllencrpedition hinzufügen. dann würde dies sogar der vierte Fall fern. Der Grund ist jedesmal derselbe ge- welen. nämlich das offenbare Unvermögen des Kriegs amtes, einen genügend weiten Überblick über den Krieg als Ganzes zu gewinnen.
Der italienische Zusammenbruch an der Dolemitenfront.
XV. T.-B. Wien, 6. Nov. ^Drabtbericht.) Amtlich verlaut« vom 6. November, mittags:
Italienische Arout.
Der in dem Raume vo« Ofoppo - Pinzano geführte Stotz der «erbündeten hat den italienischen Widerstand an der gonzen Tagliamentofront gebrochen. Tie österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte des Feldmarschalls "-Erzherzog Eugen gewannen überall bei C r d r o i p o unter den Augen Seiner Majestät unseres Kaisers nnd Königs duS rechte Flußufer und sind im ordringcn gegen Weste«.
Im Bereich deS oberstrn Tagliamento warfen Truppen des Frhrn. v. K r o b a t i n den Feind aus seinen Feld- und Gel'irqsstellnngen östlich des Cadore. Unsere neuen Erfolge konnten auf die D olo m i tenf r« nt nicht ohne entscheidenden Einfluß bleiben. Vom Kreuzberg bis über den Rrller.paß hinaus ist der Feind zum Rückzug ge z w u ,r g c n Feldmarichall Frbr. v. Conrad hat die V e r s o l g » n g ausgenommen. Bus dem Gipset deS Co l di L a „ a, dessen durch Sprengung erreichte Einnahme seinerzeit ganz Italien in einen Sieqestanmel stürzte, und auf dem Monte Piano weben ansere Fabnen. In Cortina ,'A m> ezzo sind unsere Truppen unter dem Jubel der Be- velkcrnng gestern abend ei n g e r ü ck 1. Auch SanMartino di C a st r o z ; im Primoertal ist znrückgewonnrn.
Seit Mai 1915 streckte der Italiener seine begehrlichen Hände ».ach dem Pustrrtal aus »nd nach Bozen, dem Herzen Tirols. Tank der unerschütterlichen Standhaftigkeit unserer Tapleren konnte des Feindes Hoffen nie nnd nimmer zur Tat werden. Die Vorteile, die er in diesem Raume in 2^ Inl.ro, des Kampfes unter harter Arbeit errang, lassen sich nach Schritten zählen. Nun ist auch dieses Werk in wenigen Tagen zusammengebrochen.
Hstlichrr Kriegsschnnplat, und Albanien. Nichts Neues. . Der Chef des Generalstabes.
Ein Sündenbock'
Br. Zürich, 6. Nov. (Erg. T-rnhtbeaicht. zb.) Noch dam „Popolo Jialiia" ist der -Herzog vo« Aosta sein« Stellung ÄS OtrerLef-ehlShaher der zwei.1«, Anm« enikhobew worden. ... «
Meutereien in der italienischen Armee.
Nr. Zürich, 6. Nov. (Eig. Dnahtbericht. zb.) Die Stärke dsr -heremkcmrme-nden sranzösffcken Hilsstruppen wird bisher auf drei Divisionen geschätzt. In Padua Hot, wve ans einem Tagesbefehl des Oberkommandierenden hervovgeht, d:e kom-l-iniorte Brigade Bari rebelliert und den Gehorsam verweigert, wodurch die rückwärtigen Derchrndungen der dritten italicn, scheu Arnree aufs schwerste gesährdat wnr- den. Di-e Brigade wurde als aufgelöst erklärt und ihre Neu- biildurrg angeordnet. Rach Gerüchten nehmen die Meutereien in der Armee zu. über Stoitoub sind deutsche Flugzeuge erschienen.
Französische Bedenken wegen Überschätzung der italienischen Front
W T.-B. Bern, 5. Nov. Das „Journal des Debats" war-rt tie'Öffentlichkeit vor dem Gedanken, daß man auf dem italienischen Kriegsschauplatz den B e w e g u n g s k r i e g unb zuc leich die Entscheidung finden werde. Es ser gut. tie Italiener mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen »nd an dem gemeinsamen Erfolg überall da mitzu- totrW U'ü der Feind tie Entscheidung suche. Aber es je, crne Täuschung, wenn man sich einbstde, daß man Deutschland eine e n t s ch e i d e nd e N i e d e r l a g e auf einem Sckli'chtfelde beibringen könnte, dessen wirkliche Lage man wckt kenne, und das so weit von den Reserven der Entente und ihrer Basis in Frankreich entfernt liege. Die Einpert- lickkeit der Front habe schon ihre Berechtigung, aber man müsse zur ächst die Einheitlichkeit der militärischen Anstrengungen Frc.l'krdichS auf dec Wesffront verwirklichen.
Wilson und der Krieg.
Di« $rew&e im Ssterrei^lschen Parlament.
W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Drahtbericht.) Mgeordnete r- Haus. Der Präsident erössrikite die Sitzung mit folgender Ansprache: In -der letzten Sitzung des Hauses hatte ich Ge- legeuheit, die Hoffnung und den Wunsch auszudrücken, daß sich die Erfolge Unserer heldenmütigen Heere weiter auSge- ftalten mögen. Der Wunsch ging in einem über alles Erwarten ausfallendem, Maße irr Ersiillurg. (Lebhafter Vers ill und Händeklatschen.) Gemeinsam mit den tapseren veroün- deien Heorem beftefte:, unsere Armeen das Küstenland Kärnten von den sei.rdlicheu Jnv-astonStruppeu und trugen unsere sieg reichen- Fahnen tief in Feindesland. (Stürmischer Bei lall und Häiideriatscheii.) Nach den nur zu- gegangen-en Mitteilungen erzielten unscre Heere wertere Erfolge. Ich habe soeben folgende Rachrickrt erihalten: „Im Auftrag Sr. Exzellenz des Chefs des Generalstäbs beehre rch mich. Gw. HockN oblaeb-oren die Mitteilung zu machen, daß die Verbv-ndetinr den Tagliamento,überall überschritten haben (Stürmischer Beisall und HämLekla-ffchen.). r-nd daß der Femd die ganze D o l o mite n fro n t vom Kveu^bea^ bis über Si"llenboch hinaus t'äumen mußte ,S,ürm sicher Bei »all nnd Handeftchscherr.) Unsere Truppen rückten ru Cortina d'A m p e z z o mrd in San Ma r t i n a ti Crstrozz ein. Krsi-er und König^larl wohnte dem Taglia>mento-Üh?rgang bei Codrorpo bei. Für den Chef des GenoralsHabs, Freiherr v. Waldstetien, Gensralmchor."
Ein Jahr weiteren Blutvergießens ist am 7. November verstrichen, seitdem der aroste „^rtedensmann Woodrow Wilson aus dem stürniischen Wchlkampße wiederum als Sieger hervorgi."!) nnd ihm durch den Mehrheitswillen der amerikanischen 9l tt'on zum zwer- tenmal die Würde der Präsidentschaft \n den Vereinigten Staaten übertragen wurde. „Wnwn ncflt mti friedlichen Mitteln!", da? war die hinreißende Wahl- Parole mit der sich der gar nicht weltfc'nrde .^zdeotoge Wilson die unbedingte Gefolgschaft der friedliebenden demokratischen Partei sicherte und ganz Amen.a m den frommen Wahn versetzte, eine ungebeur: Bereicherung, eine dauernde wirtschaftliche Machtstärkung Amerikas, das würde der amerikanische Sieg in diesem Weltknege werden, obne daß Amerika selbst das Odium der mrlr- tärischen Beteiligimg und eigener Vlutopfer aus sich zu nehmen brauchte. Das war allemdinas ganz nach amerikanischem Geschmack, und der bisherige Verlauf des Krieges in dem die Wilsonsche Politik der gewinnbringenden Neutralität str hc'-ftiche Erfolge gezeitigt hatte, schien der beste Beweis seiner stoats- männischen Erleuchtung zu sein. Während die Volker auf dem europäischen Kontinent in ungeheurem Waffen-^ gange sich erschöpften, flössen Goldströme in die Taschen der amerikanischen Kriegsindusiriellen. gewann Amerika als lachender Dritter Sckmirt ^ii 1- Schritt dre wirtschaftliche Vorherrschaft und verstand es. das Welt- geschäft immer mehr an sich zu reisten. War aber das alte Europa genügend zur Ader g.'lasien, vor allem die deutsche Militärkraft gebrochen, dann ge- dachte Wilson in gottgefälliger Menschenliebe, als Friedensbringer" hervorzutreien. Wilsons Ruhm, als edelster Repräsentant der Billigkeit und
