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Verlag Laaggaffe 21

..TagblanhauS".

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Dienslag» 6. November 1917.

Ein großes Ereignis.

O Berlin, 4. November.

Was' wir jetzt, bei der Ernennung des Grafen Hertling zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten erlebt haben, das ist mehr als Polit«, das ist Geschichte, das ist ein Stuck Welt- geschickte. Man darf, man muß große und starre Worte gebrauchen, um dem bedeutenden Ereignrs ge-^ recht werden. Eure Entwicklung Hut sich durchgesetzt, von der vor wenig Jahren noch auch der kühnste politi­sche Träumer nicht hätte Vorhersagen wollen, daß sie pcy so sckmll verwirklichen lassen werbe. Mit Zelträumen von Jahrzehnten mußte gerechnet werden, und jetzt Hub--» rin paar kurze Monate geniiot, um uns das zu bringen, was man anderswo parlanientarisches S y st e m nennt und was bei uns auch heute noch etwas schamhaft unter gemilderten Begrissen und Bezeichnun­gen geht, während es in allem Wesentlichen genau das­selbe^ ist. wie eben in den parlamentarisch regierten Staaten. Es hat sich gezeigt, daß eine ft a r k e M e h r- heit der Volksvertretung, wenn sie sich unter­einander über ihre Ziele verständigen konnte, ihren Wiin'chen den Erfolg zu sichern vermag. Es hat sich erwiesen, daß eine Regierung um so gesichertere» Boden unter den Füßen haben kann, je mehr Wert sie darauf legt, ein Vertrauensverhältnis zu solcher Mehrheit herzustellen. Wir haben es erlebt und werden es weiter erleben, daß es keinen Rückweg mehr zu den alten Übungen und Überlieferungen geben kann. Denn wie sollte bas möglich sein! Wer vermöchte sich vorzustellen, baß wir später einmal wie­der einen Reichskanzler bekommen. dessen Ernennung obne vorangegangene Fühlungnahme mrt eurer parlamentarischen Mehrheit stattzufinden hätte! -Das Große und Schöne an der neuen Entwicklung ist es gerade, daß sie so wundervoll deutlich zeigt, weläien reichen moralischen wie sachlichen Gewinn auch die Krone aus dem veränderten Zustände zieht.. Dem Kaiser gebührt höchster Dank für die Weisheit, mit der er die Zeickzen der Zeit erkannt hat und sein er­habenes Amt so führt, daß der vollste Einklang zwischen ihm und dem tiefsten Empfindunqtzgehalt der Natron hergcstellt worden ist. Der Kaiser hat die großen Er- Wartungen, mit denen alle Vorkämpfer der nunmehr erfolgreich gewordenen Entwicklung aus ihn blickten, durckxius erfüllt. Er hat, ganz wie in den Ländern der parlamentarischen Praxis, dem Manne fernes Der- trauens, dem Grasen Hertling, die Ermächtigung er­teilt in Verhandlungen mit den Parteiführern den Boden zu bereiten, auf dem eine fruchtbringende Porr- tik nach innen und nach außen im engen Einvernehmen zwischen Reichsleitnng und Reichstagsmehrheit betrle ben werden kann Diesem Aufträge hat sich Graf Gert lina unterzogen, und das Werk ist ibni gelungen. Ware das nicht geschehen, so hätte ec seinen Auftrag in dre Hcmb des Kaisers zurückqelegt. Bei der Neuheit und inan kann sagen, gewissermaßen bei der Zarthcrt und Unerprobtheit des veränderten Grund­verhältnisses wäre eS vielleicht ja eine schwierige Frag- gewesen, wie die Dinge verlaufen sein würden, wenn der Versuch mit dem Grafen Hertling mißlungen und ein zweiter Versuch gemacht worden wäre. Die Rücksicht ans diese Schwierigkeit mag die Führer der Mehihc-itsparteien bei manchem ihrer Schritte mitbe- stimmt und ihnen nahegelegt haben, so viel Entgegen­kommen zu zeigen, wie sie ihrerseits beanspruchten. Aber das betrifft immer nur Einzelheiten der statt- gehabten Auseinandersetzungen und Verständigungen, während es das Wesentlichste bleibt, daß die neue Re­gierung, wie gesagt, nur durch ein g e s i ch e r t e s E in­vernehmen mit der Mehrheit zustande- kommen könnte und znstandegekommen ist. Wir haben in Deutschland nun einmal untere eigene Methode der politischen Entwicklung, eine Methode, die anderen Völkern als zu schlicht und unauffällig er­scheinen mag, an der sie das dramatische Moment eines arellen Reichtums an sogenannten packenden Ereignissen vermissen mögen. Wie gut unsere sich so bescheiden ausnehmende Methode ist das seben wir jetzt an den Früchten, Diele mögen es noch gar nickt m ihr Be- wußtsein ausgenommen haben, welche ungeheure Ab­wendung von allem bisher «Gewesenen - wir durchgemacht haben. Um *0 b e ' s e r r o. denn um so u n a e st ö r t e r wird d-r weitere Verlauf sein, wird sich vollenden, was so trcfflicf» begonnen hat. Wir wer­den letzt eine Regierung bekommen, deren Zusammen­setzung der Ausdruck der in der V o l? s v e r t r e- tuna aegenwärtig bestimmenden Kräfte sein wird und das Mißverhältnis wird anfböcen. das solange darin bestand, daß die Regierung eine angeblich über den Parteikämpsen schwebend? verkörperte Objektivität ssin wollte, während sie in Wahrheit im ewigen Linnndher zufälliger Kombinationen einen Schwer­punkt suchte, den sie niemals finden konnte. Aufhören

Morgen-Kusgabe.

wird der falsche Parlamentarismus, dessen Kennzeichen es stets war. daß eine Beamtenregte- riino ihren Rückhalt zuerst und zuletzt bei einer kleinen, nur durch das veraltete preußische Wahlgesetz über Gebühr einflußreichen Minder h e i t, bet den Konservativen, fand. Jede Reichsleitung t'jirb fettem, wenn es ihr nicht gelingen 'sollte, auch die Minderheit zu beruhigen oder vielleicht sogar zu ge­winnen, den offenen Kampf mit diesen Minder, heit aufnehmen müssen, und das wird unter Umstäir- d,n nickt bloß für den Grafen Hertling sondern auch für einen solchen späteren Nachfolger gelten, der sich ge­gebenenfalls, wenn die Parteiverhaltnisse es so fügen, uif eine anders als jetzt zufamnicngesi-tzte Mehrheit stützen und einen Teil der heutigen Mehrheit als seine Gegner erkennen und bekriegen wird. Aufhören wird fcrnci der Druck von Preußen ber auf das Reich, alio die Verschiebung des tatsächlichen-Kräfteverhait- niftes durch die Wirkungen eines vcenßischen Wahlgesetzes, däs der konservative Minder­heit ihre so unzulässige Macht allein hatte verschaffen und erhalten können So schwer euch die .Kämpfe nach sein werden, die zur Durchsetzung des all­gemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preu­ßen werden ansgefochten werden miisien so gesichert ist 'chon jetzt ihr Ergebnis. Das neue Wahlrecht w i r d k o m m e n, und die nächsten vrnißischen Wahlen werden sich ans seiner Grundlage abspielen. Dann erst wird man ersahten, welchen großen geschicht- lichen Wandlungsprozeß wir durchgcm-acht haben. Wir stehen ja erst am Anfang. wir können noch aar nicht sagen, welche Folgen die Ereignisse von heute noch haben werden, aber der Gewißheit können nsir sein, daß keine rückläufige Bewegung kommen wird, und daß die begonnene Bewegung un- seien Zuständen eine erhöhte Festigkeit ge­nähten w iid, während wir nichts von dem, was un­seren Besitztum und unseren Stolz bis dahin ausgemacht lat, verlieien werden.

Nr. 566. * 65. Jahr'gang.

liegt es sicherlich, daß efti hervorragender, trefflich bewahrte Fachmimite: seiner Tätigkeit nicht wegen - vontischM Zwischenk-illS entrissen wird, für den der ehemalige ^Reichs­kanzler die Verantwortnng trägt.

Die italienische voiomitensront im Wanken.

GesterreichisL-ansarlicher Nbendbericht.

W. T.-B. Wien, 5. Nov. (Drahtbericht.) Aus dem Kriegs­pressequartier, 5. November, abends, wird gemeldet: Die

Ereignisse in der venezianischen Ebene nehmen eine» günstigen Berlauf, Auch die Tolomitenfront der Italiener wankt.

Oer deutick e Kben-bericht vom S. November.

W. T.-B. Berlin, 5. Notw abends. (Amtlich, Drahlibe- bericht.) In Flandern wechselnde Artillcrietätigkeit; bei den anderen West-Armeen und im Osten nichts Wesentliches. In Ober-Italien geht es gut vorwärts.

Abschiedsempsang bei Dr. Michaelis.

W. T.-B. Berlin, 5. Nr». Denn früheren Reichskanzlo- Dr. Michaelis fand gestern avend ein Abschiedsemlpfong im klsinlste.il Kreis stait, an dem außer der eigenen Familie und der nächsten Umgebung des scheidenden Kanzlers Hinden- b u r g und Luocndorfs teilnahmen.

Graf Ezernin in Berlin.

W. T.-B. Berlin, 5. Nov. Der österreichisch-ungarische Minister der auswärtigen Angelegenheiten Graf C z e r n i n ist heute vormittag hier eingetroffen.

Nronret und Parlamentarier-Nonferenzen.

L. Berlin, 5. Nor. (Eig. Drahtbeiächt. zb.) Im Pots­damer Schloß Bellevue Kronrot, tu: Reichstag Konferenz der Mehrheits-Parteien. — Vorläufig herrscht Stillschweigen üb.w die beiden Goschehmsse, die nicht ebne Zusammen Hang sind. Man glaubt nur zu «wissen, daß in Gegenwart des Reichskanzlers Grafen Hertling, des Generalfeld- marschalls v. Hindenourg, 'daun des Ersten Generalquarti«er- metstovs ^Ludendopff auch die innere Regierungsge ftaltung einer Entscheidung zuyefülhvt 'wurde. Jti der interfraktionellen Sitzung hat man sich zweifellos ebenfalls mit der Lage beschäftigt und, wie wir kören, Beschlüsse von Bedeutung gefaßt, die den zuständigen Stellen auch sofort zur Kenntnis gebricht wurden. Es wurde unter den Vertretern der Mehrheitsfvwlticmen abgemacht, über Einzelheiten Ech nach der persönlichen Seite hin das Geheinmis zu wahre» Der „L.-A." meldet, daß bei den Beratungen im Dundesrats­saal des Reichsamts des Innern auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amts mit den beiden Unterfiaatss d rotären zu­gegen ist. Gleyensiand der Verhandlungen ist die gesamte militärische uiid politische Lage. Anch «die Polen- fragc w«i«vd erörtert, auch die nougefchassene Lage am unferor Nordostsront, was die Gegenwart des ZivilgonveNrenrs voT R j g a. des Senators Neumann, erkennen läßt. Dern Ver­nehmen nach wird aucb Gras C z e r n i n an diesen Be­sprechungen teilncbmen. Nach der „N-itionalzeitung" ist der Rücktrttst Helfferichs beschlossen, soll aber erst nach der Riickkehr de? «Arafen Hertling «bekanntgegeben wer­den. Eöenfo siebt fest, daß Gcbeimer Rat Fri cdberg zum ViWpyisildenten des preiißiichen «StaatsMinisteriums erN'Mint wird. Fraglich sind geblieben die fortschrittlichen Kandidatu­ren, zumal Geheimrat Dove aus persönlichen Gründen das preußische Handelsminiiter-um äblehnt, wofür die Valkspartei als eventuellen KEdidaten den LandtagKabgeordiMtoii Bank­direktor M o m m i e n in Vorschlag bringt.

Staatssekretär v. Capelle.

Das Ausscheiden deS Herrn Dr. Michaelis' aus dem Kanzleramt hat eS von vornhe w:n wahrscheinlich gemacht, daß Admiral v. Capc-lle Staatssekretär des Reichsmarinermts bleibt. ES überrascht daher nicht, wenn ,ctzl oie Ablehnung des vrn Eapelle eingereichten Entlastungsgesuches auch dort begrüßt wird, wo man ursprünglich bereit war,-den Reichs­kanzler Dr. Micimelis unter Preisgabe des Admirals von Capelle im Amte zu erhalten. Im vaterlärwischen Vorteil

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

xv. T.-B. Wien, 5. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver. lautet vom 5. November, mittags:

Am Tagliamento ist der Kampf wieder aufge. uommen worden. Ojterreichisch-ungarischr und deutsche (tonen erzwangen sim am Mittellauf den Übergang und gc-winnen fechtend Raum. Die Division des Generals ervlix Prinz von Schwarzenberg, die seit vorgestern mittag auf dem Westufer des Flusses steht, hat sich durch rasches schneidiges, Zugreifen besonderes Bcrdienst um das Gelingen des StotzeS erworben. Der Feind verlor über 60 00 Mann an Ge­sa » g r u e n und eine Anzahl Geschütze.

Auch die Armee des Generalobersten Frhrn. v. Krobatr» erzielte überall Fortschritte.

Östlicher Kriegsschauplatz und Albanien.

Nichts von Belang. Der Chef des Generalstab^ß.

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Kaiser Karl an die Front abgcreist.

XV y _B Wien, 5. Nov. (Drahtbericht.) Kaiser Karl »ahm gestern die üblichen Vorträge entgegen und empfing ur besonderen Audienzen sodann u. a. den Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten Grafen Czernin und den bulga. rischen Militärbevallmächtigten Obersten Tantilow. Abends r-eiste der Kaiser an die Front ab.

Oer Uebergang über den Tagliamento.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 5. Nov. (Eig. Drahtbericht, zd.) .Der Über- gang über den Tagliamento ist erzwungen! Wiederum 60 0 0 Gefangene und eine Anzahl Geschütze fielen den deutschen und österreichisch-ungarischen Divisionen, die west­wärts Udine sich von Flußübrcschwemmungen Nicht aushalte,l ließen und über den mittleren Tagliamento kämpfend weiter in die vencziauische Ebene vorftießen, in die Hand. Cadarna sieht den zweiten Verteidigungsabschnitt, der sich bis zum P i a v e f l u tz erstreckt, bedroh t. Am 1. Nov. war der erste Akt unserer g-oß-u tt-ilienischen Ossensive oe- endet. Auf den Einbruch im Flitschbecken folgten mit fast; unbeakkifticker Schnelligkeit der zermalmende Durch- tfudi entlang der ganzen Jsonzofront und die Säuberung des e-iten stratemschen Abschnitts im Venezianischen. Ber Gorlic- ,-oaren am 2. Mai 1915 in zehn Tagen 140 000 Ge- sangcne gemacht und ein Drittel der russischen Artillerie er- lm tet wurden. Bei Zloczow waren am 19. Juli 1617 :n vier­zehn ^agen nur 30 000 Gefangene und 60 Geschütze emge- bcacht" wurden. Zwischen Jsonzo und Tagliamento wurden voui 24 Oktober 1917 innerhalb zehn Tagen über 200 0 00 Ge san ge« e gemacht und über 1800 Geschütze ge» nommen. Man ersieht daraus, daß die letzte der drei Durch, bruchs«chlachten dieses Krieges das bei weitem bedeutendste Ergebnis gezeitigt hat. Noch immer stehen die endgültigen Zahlen nicht fest, da man an vielen Stellen der überrannten Front weder eine Zählung der Gefangenen noch der erbeuteten Kanonen vornahm, auch nicht die gewaltige übrige Beute üner gri'ndlichen Zäblung unterwerfen konnte. Besonders -in den Kärntner Alpen soll Allerlei versteckt sein, was erst im «a-'ie dieser Woche herausgeholt und ausgezeichnet werden kaiiii Der 2. November ist nicht tatenlos verlauftn. Über di« teils zerstörten Wege mußte die schwere Artillerie nachge» zogen und über de» Tagliamento mußten erst Erkundungen vlrgisandt weiden. Der Feuerkampf vom linken zum rechten Flußufer hinüber begann. Am 3. November sammelten sich di- deutschen Divisionen, um in n e u e m S to ß die jetzt vom ««k l ii t e Croitio südwärts entlang des Tagliamento ver- lausenden Linien weiter gegen Westen vorzutragen. Di« Ereignisse in d-ec Friaulischen Ebene üben ihre overative Fr- rn n-irkung auf die sämtlichen westlichen Kriegsschau, plähe aus. Das Kampfgewicht gleitet von Frankreich unÄ Flandern nach Italien, wohin zu den französischen Hilfs- tristven die Engländer auch mindestens Materialersatz ab-> geLen miissen, ohiie daß bisher die großsprecherisch angeküw, digte tzilfsexpeditwn sich fühlbar gemacht hätte.