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Wiesbadner

Verlag Langgasse 21

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Uuzeigen-Auuahme: Für dieAdend-Au-a. biSiSUHr ^ *

Hir dte^orgen-vu-a. bi» 3 Uhr nachmittags. Berliner Abteilung des Wiesbadener TaablattS: Berlins

13 Ausgaben.

Fernruf;

Tag»I,«,h,»«" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgen« bi» 7 Uhr oben»«, außer Sonnt«,».

Iiungen; ss »fg. für oBe ,u«w«rtigen Injetgrn; ......

augwarrige mriloinen. Bei wiederholter Aufnahme unorrändertor Anzeigen in kurien 3 »i-che»eäun,e!i ent,»reihender Nachlaß >»>»>»»»>>»>»>»,

Zamstag, 3. November 1917.

P-tsdam°r Str.121 K. Ferustr.:««t Lä,-« 6202 ». KS03.

6bend-5lusgabe.

Nr. 562. 65. Jahrgang.

Ueber 200 000 italienische Gefangene.

Mehr als 1800 Geschütze.

W. T.-R. Großes Hauptquartier, 3. N«w. (Amtlich.)

* Westlicher Kriegsschauplatz

Regen und Nebel grenzten die Grfrchtstatigkeit bei allen Armeen ei«.

2« Flandern unterhielt der Feind starkes Feuer auf die Stadt D i x m u i d r n und ihre Anschlußlinien.

Zn der Nacht vom 1. zum 2. November haben wir die vor laugerer Zeit beabsichtigte Verlegung unserer Linie vom Chemrn des Dames ohne Störung zu Ende ge­führt. Alle Bewegungen blieben dem Feind verbergen, der bis gestern mittag noch lebhaftes Feuer auf die von uns auf- V gegebenen Stellungen unterhielt.

Am O-Hein-Marne-Kanal wurden bei einem Erkundungs- vorstoß nordamerikanische Soldaten gefangen eingcbracht.

Unsere Flieger haben in der Nacht vom 1. zum 2. November London, Chattam, Gravesand, Ramsgate, Margate und Dünkirchen mit Bomben angegriffen.

Starke Brände ließen auf gute SS i r l u n g schließen.

In den letzten Tagen vermehrten von unseren Kampf­fliegern die Zahl ihrer Luftsiege: Leutnant Müller auf 32. Bizefeldwebel Buckler auf 23, Leutnant Böhme auf 21, Lentnant B o n g a r tz auf 20.

östlicher Kriegsschauplatz.

Bei Dünaburg, Smorgon, Baranowitschi und am unter Zbruez lebte die Feuertätigkeit aut.

An der

mazedonischen Front

schwoll der Artilleriekampf östlich de« Wardar zu er­heblicher Stärke an.

Italienische Front. .

Keine größeren Kampfhandlungen.

Bis jetzt sind über 200000 Gefangene und mehr als 1S00 Geschütze gezählt worden!

Die Beute an Maschinengewehren, Minenwerfern, Kraft­wagen, Bagage und sonstiges Heeresgcrät hat sich noch nicht annähernd feststellen lasten!

Der Erste Generalquartiermeister: Ludcndorff.

Tine höchst beachtenswerte kaiserlich e Mahnung.

Des Kaisers Antwort an den Reichstag.

\V. T.-B. Berlin, 2. Nov. Der Kaiser erwiderte auf die Depesche des Neichstagspräsidenten Dr. Kaempf fol­gendes:Ich danke herzlich für den Glückwunsch, den Sie mir nn Namen des Reichstags zu dem überwältigenden Erfolge darg-bracht haben, den unsere tapferen Truppen Schulter an Schulter mit den Armeen des- engverbündeten Lsterreich.Ungarn im glänzenden Siegeszuze erfochten haben. Bewundernd und dankbar ftehea wir vor dem Opfermut und der Ausdauer der alles überwindenden Tapferkeit unserer Brüder im Felde, nichr nur die Heimat mit ihrer Brust vor einer Welt von Feinden schützend, sondern in kühnem Wage- mut in Nord und Süd ihre sieggewohnten Waffen in das Land des Feindes tragen. Möchten fte ein leuchtendes Beispiel sein für alle in der Heimat und eine er nfte Mahnung, nicht zurückzu st ehe n an glühender Vaterlandsliebe und alles tragenden Opfersinn. Möchte das Volk daheim und seine Vertretung den Brüdern im Felde seinen Dank dar- rringen durch den gleichen Opfermut und jene sefte innere Einigkeit und Geschlossenheit, die den Känivfern draußen den schönsten Lohn, den Feinden aber die Gewißheit bringt, daß Deutschlands Kraft auf keine Weise zu brechen ist. Daun wirdnS Gott endgültigen Sieg schenken und unser teueres Vaterland durch Kampf und Not zu einem ehrenvollen Frieden führen.

(Gez.) Wilhelm I. R."

Auch Hindenburg mahnt zur Einigkeit!

W. T.-B. Berlin, 2. Nov. Generalfeldmarschall v. Hin- den bürg hat auf die Depesche des Reichstagspräsidenten Dr. Kaempf folgende Antwort gesandt:Eurer Exzellenz spreche ich für die Worte der Begrüßung, die Sie anläßlich des Steges in Italien an micb zu richten die Güte hatten, der- knudlichsten Dank aus. Während im Westen unsere herr- lichen Truppen seit Monaten ohne Unterlaß heldenhaft und unerlchutwrl die gewaltigstrn und gleichzeitig entsagungs- vollsten aller Kämpfe ,pegen den verzweifelten Ansturm der Franzosen und Engländer führen, haben am Jsonzo im Ver­ein mit den verbündeten Österreichern und Ungarn deutsche Divisionen, beneidet von allen ihren Kameraden, in unge­stümem Vorwärtsdränzen den Zusammenbruch des italieui- schen Heeres herte,geführt. Wahrlich, das deutsche Volk muß stolz fern auf seine Söhne, und oarf getrost sein Geschick und sein Gut rqcen starken Herzen und Armen anv-rtrauen! Das Heer wird seine -Schuldigkeit tun, dem deutschen Volke und Vaterland eine Grnndluge zu erkämpfen für einen kraftvollen und Dauer verheißenden Frie­den. Aber es rechnet darauf, daß das deutsche Volk ein«g wie ein Mann hinter ihm steht »ah, zuversichtlich, friedferttg, aber sieqesw'llig, seines Rechts und seiner^- bewuLt. Vorwärts für SMfcr uaö Reich!"

hertling; Programm.

(von unserer Berliner Abteilung.)

Nach dreiwöchigen schwierigen und langwierigen Ver­klungen hat endlich die kanzlerlose, die Ichreck- uche Zelt und damit zugleich die nur dreiundeinhalb Monate dauernde Ära Michaelis, von der man sich so viel versprochen und die so wenig gehalten hat, durch ctt Aiüfntip des Grafen Hertling in das Amt des oeut.chen Reichskanzlers lind zugleich des preußischen Ministerpräsidenten ihr End? gefunden. Wenn von leiten einzelner konservativer Blätter gegen die k>ines Bayern zum Leiter der preußischen Politik Einspruch erhoben wird, w ist dem entgegenzu- daß erstens schon ein Präzedenzfall, nämlich der oes rvntstcn Hohenlohe norliegt, daß zweitens Grcft ^crtling nicht Bayer, sondern Heise ist, daß er drit­tens als ehemaliger Professor der Bonner Universi- rat und langjähriger Vertreter preußischer Wahl- tleiie im Reichstag hinreichendakklimatisiert" erscheint, und daß es viertens nicht darauf ankommt, ob einer Nord-, Süd-, Ost» oder Westdeutscher ist. sondern n u r darauf, daß er ein guter Deutscher und zugleich ein ganzer Mann, deni Posten, auf den man ihn stellen will, gewachsen ist.

Wenn nun Dr. Michaelis, der zweifellos ein so her­vorragend tüchftg»r Verwaltunqsbeamter und ein so ge­nauer Kenner unseres Wirtschaftslebens ist daß seine Verwendung an anderer Stelle als dringend wün­schenswert erscheint, als leitender Staatsmann Schiff- biaich litt, weil er zu wenig Politiker und zu wenig - l h i v m a t war, so wird man diese beiden Eigen­schaften dem Grasen Hertling in vollstem Maße zuer­kenn e n müssen; er hat sie sowohl als Führer der Zen- trunlsfraktion wie als Leiter der bayerischen Politik hin­reichend bewiesen.

'Run hat er freilich in seiner inneren Politik bisher den Standpunkt des rechten Zen t r u m s fI ü g e I * vertreten; aber man darf von ihm. .der wiederholt ver- 'ichert hat, rr stehe übe r den Parteien, ganz gewiß crwaitcn, daß er in seiner neuen, verantwortnngsreichen Stellung die Dinge nicht durch die Parteib rille st-ben sondern die Interessen des großen Ganzen als alleinige Leitschnur betrachten wird. Auch, ist sa bei den Verhandlungen der Parteiführer mit dein CflTofen Hertling eine nahezu restlose Überein- st I N! m u n g mit den Mehrheitsp irteien über ^.politischen Richtlinien erzielt worden. Seinen Widerstand gegen die heftig umstritten.' und viel miß- deutete Parlamentarisch rnng" hat er trotz seines Ern- 'pruchs gegen die Abänderung des Art. 9 der Reichs- Verfassung in der Praxis insofern aufgegeben, als er sich zur weiteren Berufung von Parlamen- t a r r e r n in die Regierung bereit erklärt hat. Weiter lmt er sich im Einvernehmen mit den Mebrh->itspaltcien i.ir die Schaffung eines Ar b e i t s k a m m e r g e s e tz e s für die Aufhebung des gegen die Gewerkschaften gerichteten 8 153 der Gewerbeordnung siiwre für die Übertragung der Politischen Zensur auf die Zivilbehorden ausgesprochen und sich für die loyale Durchführung der preußischen Wahlrechts­reform eingesetzt.

Letztere hat jetzt eben die Zustimmung des Königs erhalten, so daß ihrer Einbringung im Landtag nichts m« br rm Wege steht. Doch dürfte die erste Lesung erst nach dem Wiederzusammentritt des Reichstag« slattftnden, der für die Mitte dieses Monats einberufen werden soll, um ans dem Wege einer Interpella­tion dem neuen Reichskanzler Gelegenheit zur Be­kanntgabe «eines politischen Programms zu geben. Cr dürfte dabei eines Vertrauens- Votums seitens der überwältigenden Mehrheit des dcnftchen Reichstags sicher sein: denn außer dem Zen­trum sind die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei zur Unterstützung des Kanzlers entschlaf- sen, wozu sich auch die Reichspacter h-ezw. die Deutsche Fraktion gesellen dürfte, während das Szialdemokrati- >che Zentralorgan erklärt, daß die Parteiihre Siel- lung gegenüb-r der Regierung von ihrer Haltung ab- hängig machen werde", und die konchrvatio? Presse sich zunächst noch überwiegend ablehnend verhält.

Was Hertlings Programm auf dem Gebiet der ^."6wörtigen Politik betrifft, ch kommt ihm zu- nachst-zngutc, daß er hier im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern über theoretische Kenntnisse und praktisch? Erfahrungen verfügt. Er hat nicht nur bei seinen glän- senden Reden im Reichstag, die stets allgemeine Auf- meinamkei- fanden, eine intime Kenntnis der Welt- Politik und einen Blick für die großen Zusammenhänge gezeigt, 'andern er hat sich auch als Vorsitzender des B u »desratsausschusses für auswärtige Angc- legcnheiten, sowie in mehrfachen Svezialmissionen prak- tflch als Diplomat bewährt. Was seinen politischen St andpu nkt anbetrifft, so hat er den in der deutschen Antwort auf oie Vavstuote niedergeleLten als deu .

seinigen anerkannt. Weiter hat er in der Sitzung der bayerischen Kammer der Abgeordneten vom 24. Oktober sein Programm tzahin erläiitert, daß wir einenehren­vollen Frieden anstreben müssen, der kein Verzicht­friede und kein ErobernngJfriede sein d'irfe, ändern ein Friede, der die Gewähr der Dauer enthält". Im übrigen hoffen wir dringend, daß ictzt nach der Beendigung der Krisis der verderbliche Streit der Parteien einem erneuten Bekenntnis zum B u rgfricden Platz macht, und daß sich unter Z u- rnckstellnng der innerpolitischen Gegensätze alle auf das bei derselben Gelegenheit verkündete innere Friedensprogramm des neuen Kanzlers einigen: ..Einigkeit und Geschlossenheit

' st d a § G e b oi. d e r S t n n d e. Nur ein Wille darf das gesamte Volk beseelen: Ausharren und durchhalten! Und darin werden und wollen wir uns von niemand übertresfen lassen bis zu einem ehrenvollen Frieden."

. _. 7""; j-«.«. Ä'iuiMyciiuji. zv.- s.ex

L ü;f. Eindruck bei den Mehrheitsparteien nach der end» rnltigen Eimennung des Grafen Hertling ist weniger put. Es erheben sich anscheinend erneut Schwie­rigkeiten: Wie dieVoss. Ztg." meldet, versuchte rm Namen des Grafen Hertling ftin Kabincttschcf Frei- bc-rr v. Stengel - bereits von dem Programmh e r- u n t e r z u h a n d e l n". Auch ist bisher kein offizieller Antrag an c>ie offtgenannten Parteiführer ergangen so auch n.cht an Geheimrat Friedberq. DieB. Z." mel- det. daß Graf Hertling gestern im B n n d e s r a t über die Vorgeschichte ferner Kanzlerschaft Mitte! lun- gen mgchte und erklärte, er habe nicht gealaubt. sich diesmal dem an ihn ergangenen Ruf entqiehen zu kön- mn Er schilderte auch seine Verbandlunoen mit den Parteien und Jente dar, warum er, sich eine Bedenkzeit s»r g ine endgültige Antwort an den Kaiser Vorbehalten babe. Die Fühlungnahme mit den Parteien Hobe er zu seiner .Information und, zur Beruhigiina der Gemüter ttir notwendig gehalten. In seiner persönlichen S t e 1- Iitn gznr Frage der Parlamentarisierung habe sich nichts geändert. ü

Dir Aufnahme in den Parteihlatirni.

SwtVorwärts" schreibt: über die n-eilteren Grnemmn. am >m Reich mid in Preußen verlo-uiet noch irichts. Gvft Herblrng hat sich in dies« Beziehung bmn Kaffer Freihett er­beten. D°e Sozialdemokratie l>ack verzichtet, N-ahrend die Volkspartei zwm Eintritt in die Reaioruna bereit fft Dies« Partei, ivc »wischen der Mitte und den Sazmldemoknaten mne-hchlb der Mehr lM da« ver bin- dende Glied danstelle kam, aus der Re^erimo nicht an s geschaltet -werden, wenn denen Stellung nicht van v o r n b e r e i n auf unsicherer Grundlage rrchen soll.

In derPost" liest man: Wes an Dr. Michaelis sta^k und unbeugsam schien, gibt sich leim Grafen Henflinr glatt und gefällig. Die FLhiGkeit det- öffentlichen Auftretens, des Redens und Verhandelns s«.en chm in hohen, Maße eigen.

DieGermania" monnt: Die WM der Männer, so wett sie jetzt schon bekannt sind, die Graf Hertling zu Staet»seS-e. taven und zu Minisievstellen ausevsehen hat. beweist das eine, daß er nichts sehnlicher anstrebt al§ eine Teilnahme u-nd Mitverantwortung der verschiedenen Par- teien an der Regierung, als «ne größtmögliche Einheit und Geschlossenheit Kwffchen Kaiser, Rsg:e- rumg nnd Volk.

DttKreuzzeitung" macht keinem Hetzl dovans, warrmi sie insbesondere auöh ernste Bedenken g««em die Übertragung auch des -preußischen Mnnisterpräsidi-uinS an -den Grafen Hertling -erheben^ müsse. Trotz alledem, schreibt «sie, können wir natürlich unsere Aufgabe nicht -darin sehen, dem neuen Kanzler Schwier-i^keiten zu bereiten, sondern hatten uns zck loyaler Mitarbeit für veivflichtet, so weit mfteve Überzeugung ist, was mit den höchstem Interessen des Vater- lands vereinbar ist.

Der Abschiedsartikel derBayerischen Staatszeitung".

ZV.'I .-B. München, 2. 7tov. Dem neuen Reichsk-rnzlec Grafen v. H-ectling widmet dieBayerische Staats- zeitung" einen läng-cen Artikel, in dem an die Verdienste des aus den bayerischen Staatsdiensten .scheidenden Staats- mannes für Bayerns Krone und Land, für die Pflegendes Reichsgedankens und seine Tättqkeit im Vundesratsaus- chuß für auswärtige Angelegenheiten erinnert wird und in dem darauf verwiesen wird, in wie schwierigen Zeit­läuften dem Grafen Hertling nunmotzr v«»i Kaiser der Reichskanzlerposten übertrugen wurde. Las Blatt erinnert an die schwierige innecvolitische Lyge und an den Weltkrieg, den rin FriedenSschluh von ungeheurer Tr-ugweite beenden mühe, der bestimmend sein werde für Deutschlands Zukunft und das Schicksal der Welt aus alle Zeiten. Der König er­klärte bei der Genehmigung seines Rücktrittsgesuches, daß die Berufung des Grafen Hertling auf den Posten des Reichs­kanzlers den Interessen des Reiches dient, hinter denen der König seine Interessen zurücktceten laßen müsse. So ist dann die Scheidestunde gekommen, in der Graf Hertling

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