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Zreitag, 2. November k9l7.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 560. . 6S. Iahrgang.
Reichskanzler Gras he-kling!
XV. T.-B. München, 2. Nov. (Dcahtbericht.) Die Korrespondenz Hoffmann veröffentlicht einen Tclcgramm- wechsel zwischen dem Grasen Hertling und dem König von Bayern, in dem Graf Hertliniz die A n n a v m e seiner Berufung zum Reichskanzler erklärt und der König den Rücktritt deS bayerischen Staatsminrsters geuechmigt.
. Das Ministerium Hertling, dessen Zustandekommen damit also enbflültifl feststeht, obwohl seine Zusammensetzung augenblicklich noch nicht feststcht, ist kein K o a l i t i o n s m i n i st e r i u m. wie es parlamentarisch regierte Staaten unter den Einwirkungen deS Krieges aufweisen. Denn weder die Rechte noch die sozialdemokratische Linke dürfte in ihni vertreten sein. Das Ministerium Hertling ist aber auch k e i n Mehr- h e i t s m i n i st e r i u m, weil in ihm wohl die natto- nalliberale Minderheit vertreten ist. von den crgent- lichen Mehrheitspn rteien des Reichstags aber die Sozialdemokratie ihre Teilnahme .iblehat, ohne deshalb eine feindselige Haltung einzunehmen. Mit dieser Taktik widerspricht sich die Sozialdernokratie insofern selbst, als sie grundsätzlich verlangt, daß die Parteien die Verantwortung für die Leitung der Reichstzeschafte übernehmen müssen. Jedoch die Sozialdemokratie zieht eine Politik der „kritischen Bewegungsfreiheit" mutmaß, lich darum vor, weil sie sich von ihr eine Erleichterung der Parteiagitation für die nächsten Wahlen im Reiche und in Preußen verspricht, und weil ste das neue Ministerium hauptsächlich nur in den Fragen unter- sllitzrn will die ihr als Partei vor allem am Herzen liegen' in der Durchführung der preußischen Wahl« reform, im Abbau der politischen Zenstir usw., in der Schaffung eines Arbeitskammergefohes, ist der Beseitigung des 8 153 der Gewerbeordnung und in bezug auf die Autonomie Elsaß-Lothringens. Bringt mithin das Fernbleiben der Sozialdemokratie von dem neuen Ministerium ein Element der Unsicherheit in die allgemeine Lage, so stünde einem Minsterium Hertling- Payer-Friedberg als einem Ministerium der bürgerlichen Mittelparteien im Reichstag eine leidlich stcbeie Mehrheit wob! nur dann zur Verfügung, wenn das bisherige, vom Grafen Hertling anscheinend großenteils angenommene Programm der Reichstagsmehrheit bis zum Friedensschluß nicht um Dinge bereichert würde, die als Parteifragen die Parteigegen'äde verschärften. In we' hem Grade die sozialdemokratische Taktik der kritischen Bewegungsfreiheit die die Verantwortung tragenden bürgerlichen Mittelparteien einander nähert, bleibt abzuwarten. Dringend wünschenswert ist eine solche Annäherung in der Richtung, daß Zentrum und ebenso die Volkspartei den Mehrheitsbeschluß vom 19. Juli, den inanche seiner hervorragendsten Befürworter selbst für überholt anst'ben, nicht mehr zum Sch i b o l e t h macken, sondern der Regieruna freie Ha n d kür die Fr i e d e n s- perbandlunqen lassen.
Nach innen verkörpert ein Ministerium Hertling- Paver ein bisher incht gekanntes Übergewicht s ü d- d e n t s ch e t Einflüsse. Desto unerläßlick^r ist es, daß gegenüber diesem Einfluß in der Person eines national- liberalen Stellvertreters des Ministerpräsidenten das preußische Gewicht zur Geltung gebracht wird. Abgeordneter Dr. Friedberg besitzt dafür persönlich die er- fcrderlichen Eigenschaften in vollem Maße. Bewährt als Führer des gemäßigten Liberalismus, ein geschulter Parlamentarier und ausgezeichneter Rednw, ist er der Mann, aecade auf dem Gebiet der Nationalitätenpolitik die lebenswichtigen Interessen Preußens gcgen jede Verdunkelung durch vorgefaßte Parteimeinungen des Zentrums und der Volkspartei zu vertreten. Von Dr Friedberg darf erwartet werden, daß er trotz der veränderten Zeitnmstände. die für den „Vorwärts" schlechthin ausschlaggebend sind, den Staats- ni'tU'endiakeiten der preußischen Monarchie mit unbeirrbarer Entschiedenheit gerecht wird.
Zustandegekommen ist das Ministerium Hertling bekanntlich auf Grund von Verhandlungen mit oen Reichstagsparteien und nach teilweiser Annahme ihres Programms. Nicht.ohne Ursache erblickt darin die bürgerliche und die soziale Demokratie eine Annäherung an das p a r l a m e n t u n > ch e § y ^ ein. In die Aufhebung des Artikels 9 der Reichs- Verfassung, laut dem kein Reichstagsabgeordncter Mitglied des BundeSrates sein kann, hat Graf Hertling jedoch nicht gewilligt. Damit fällt die verfass,mgsrecht- liche Grundlage für den Übergang zum parlamentari- fchen Svstem auch in Zukunft fort, und es hat jetzt bei der Brrufung weiterer Parlamentarier in die Regierung stin Bewenden. Welche Erfahrungen hiermit gemacht und welche Wirkungen von ihnen für die spätere Entwicklung ausgchen werden, .ist eine oüene Frage.
Für die unmittelbare Gegenwart aber bängt die Würdigung des Reichstages durch das deutsche Volk von der Ai t ab. wie er unter Verzicht auf Partei- t b e o r i e n es der Regierung ermöglichte, den mili- t ä r c i ch e n Errungenschaften diplomatische an die Seite zu stellen.
Gras Hertling beim Kaiser
W.T.-B. Berlin, 1. 9lo». Seine Majestät der Kaiser empfing heute nachmittag den Grafen Hertling.
Die Haltung der Nationalliberalen.
Berlin, 1. Nov. Der Vorstand der nationallioeralen Reichstagsfiaktion trat am Dienstag zu einer Sitzung zusammen, um zur polittichen Lage Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen führten zur Annahme folgender Cnttchließungen:
„Der Vorstand der nativn>alM«valen Fraktion dös deutschen Reichstaigs begrüßt die Bestrebungen auf H c r b e i f ü f* rurig eines neuen Burgfriedens bis zur Beend'- guug des Kriegs, um dre großen Erfolge unserer Waffen nicht durch innere Streitigkeiten in Frage zu stellen. Er hÄt eine alsbaldige Erledigung der preußischen Wahlreform im Smne der kaiserlichen Botschaft für notwendig. Erwünscht gt die Aufhebung der politischen Zensur, gsgebeiuenfalls ihre Übertragung auf die vevantwort- itfd>en Zivilbehörden. Sr ist bereit, an einem ArbeitS» kanimergefetz mitzracboiten und für die Beseitig mg von Vorschriften, die die Arbeiterbewegung hemmen, einzutreten. Wenn ein solches Programm dazu führen kann, daß unter Zurückstellung anderer Fragen der Burgfrieden bis zum Friedensbegina gewahrt wird, so ist dies im Interesse des Landes freudig zu begrüßen.
Der Vorstand wünscht auf dem Gebiete der auswärtigen Politik volle Bewegungsfreiheit des Reiches. Kit den in der Antwort auf die P a p st n o t e dargelegten allgemeinen Grundsätzen ist er einverstanden, betont aber, daß die von der Fraktion schon früher abgelehnte Bezugnahme auf den Mehrheitsbeschluß von- 19. Juli 1917, der, lvie auch von einigen seiner hervorragendsten Befürworter anerkannt worden ist. eine tatsächliche Bedeutung nicht mehr besitzt, nicht mehr bindend ist. Zur Wahrung des Burgfriedens gehört, ouß keine Partei von der Einwirkung avf die Politik des Reich:s ausq fchaltet wird, wenn sie bereit ist, auch die entsprechende Verantwortung zu tragen. Der Fraktion widerstrebt entschieden cme Trennung des Amtes des Reichskanzlers von dem deS preußischen Ministerpräsidenten. sie fordert vielmehr, daß die bewährte enge Verbindung zn'ischen dem Reich und dem führenden Bundesstaat auftechl erhalten wird. Die Beteiligung der Fraktion an den interfraktionellen Besprechungen berührt in keiner Weise ihre Selbständigkeit, wie dies in der Stellungnahme und den Abstimmungen der Fraktionen bisher zum Ausdruck gekommen ist und weiter zum Ausdruck kommen wird.
Dar linke Taqliamenis-Ufer frei vsm Heinde.
Starke Krtllleriekämxfe im westen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Nav. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Ruphrecht.
Der Artillerickomvf in Flandern war gestern im Flußgebiet der Dscr, insbesondere bei Dixmuiden, beson- deis stark. Zwischen dem Houthoulster Wald und der L y S lag lebhaftes feindliches Störuugsfcuer auf unserer Kampfzone.
Englische Erknndnngsvorstöße scheiterten an mehre- reu Stellen der Front.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am Oise-AiSne-Kanal längs des Rückens deS Chemin des Dames hat die Kampftätigkeit der Artillerien bedeutend zugcnommen. Nach mehrstündigem Trommel, f c u e r griffen starke französische Kräfte bei Brayc an. De» A n st u r m brach vor unseren Linien blutig zusammen.
östlicher Kriegsschauplatz.
Keine wichtigen Ereignisse.
Mazedonische Front.
Nordwestlich von Monastir wuide rin Vorstoß feindlicher Bataillone verlustreich a l g e w i e s e n.
• Italienische Front.
LängS des mittleren und unteren Tagliamento stehen unsere Armeen mit dem Feind in GefcchtSfühlung. Italienische Brigaden, die auf dem Lstnfcr deS Flusses noch standhielten, wurden durch Angriff zum Zurückgehen gezwungen oder gefangen.
Vom Fellatal bis zum Adriatischcn Meer ist das linke Taglia«ento-Ufer frei vom Feind.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludcudorfs.
Ueber 4000 chuadratkilometer in 8 Tagen erobert.
W. T.-B. Berlin, 1. Nov. T-crs Drama deS von seinen DöLbündstön im Stich gelassenen italienischen Heeres wächst sich immer mehr zu einem welterfchütterndenEr- e i g n i s ans.
In einsr kurzen Woche sind zwei große stark« italienische Armeen fast völlig aufgerieben, über 180 000 Mann gefangen, mehr als 1800 Geschütze er» 'beutet. Die in die Welt hinau-spvsaunte Hoffnung des italienischen Volkes, westlich Udine den Siegeslauf 'der Vevbüw- deten aufzuhalten, ist noch dem letzten großen Sieg am Tagliamento z u j a m m « n g « b r o ch e n. Noch hat di« ital'S- nrsche Heeresleitung und die Regierung nicht den Mut, dem Volk die ganze Grüße der Niederloge einzugestehen und klammert sich krampfhaft an die erwartete Hilfe üvr E na* länder und Franzosen.
In drei Tagen haben die Verbüwdeten di« für u n ei'.i- nehmbar erklärten starlen italienischen Gebirgs- und Fel- sensiellungcn, Panzcrwerke und Forts gestürmt, am vi«rts-i Tage sich den Eintritt in die Ebene erkämpft, lldine. Goez, Monsalcone erobert und die in der Ebene des Tagliamento sich zur Schlackst stellende Nachhutarmee Ccdornos vernickstend und entscheidend geschlagen. Tausende von Ortschaften, eine große Anzahl bedeutender Städte sind genommen, über 4000 Ouadratkiloweter Landes dem Feind entrissen. Zu der gewattigenGefangenenbewte treten die schweren blutigen Verluste, die der an vielen Punkten zähe und tapfer fechtende Feind erlitten hat. D'S Zahl der eroberten G e s ck ü tz e, zum größten Teil unversehrt mid moderner Art, übertrifft fast um das Doppelte den Friedensstand des amerikanistben Artilleriematerials.
Die ungezählten glanzenden Abwebrsiege :n der monatelangen Schlacht im Westen, die deutsche Truppen trotz 'der verzweifelten Anstrengungen der Engländer und Foanzosen erkämpften, sonne die Erfolge im Osten schufen die Grundlagen zu der neuen gewaltigen Operctian. Jeder deutsche Soldat im Osten, Westen und Übersee hat darum Anteil an den Erfolgen in Jtal'err, die^m vierten 5drtegsjahr nach einem Kampf fast gegen die ganze Welt alles bisher Da» gewesene üdevtreffen. Die lügnerische Berichterstattung feindlicher Funksprüche wird erneut durch den französischen Funkipruch Lyon erhärtet, der nach ^ am 1. November meldet, die Italiener hätten lediglich den Jfvnzo verlassen, den weiteren feindlichen Vormarsch aber aufgehn l te n.
Der Ka'ser an kjindenburg^
Auf die Meldung des Generalfeldmarschalls v. Hinden- burg an den Kaiser traf folz-ide Antwort ein:
Neues Palais, 1. November.
Generalseldmarschill v. Hindenburg, Großes Hauptq lactier,
Die Nachricht von dem neuen gewaltigen Erfolg deutscher und österveichisch-ungacischer Truppen am Tagliamento wird, wie von mir, von der gesamten deutschen Armee, unserem Baterlind und unseren treuen Berbün- deten, mit Freude and Stolz vernommen werden. Der genialen Leitung, den vorausschi-uenden Maßnahmen des Generalstabs, der Umsicht und Tatkraft der Führer und der Tapferkeit der Truppen aller deutschen Stämme verdanken wir diesen Sieg und sehen mit Gott- Vertrauen in die Zukunft. Ich beauftrage Sie, mein lieber Feldmarschall, meinen kaiserlichen Dank den auf italienischem Boden fechtenden deutschen Tc-avpen zu übermitteln. Ich habe befohlen, daß aus Anliß dieses großen Sieges geflaggt wird. Gott hat geholfen, ihm sei die Ehre!
Euer wohlgeneigter Kaiser und König Wilhelm k. R.
Die Lehre für unseren treulosen ehemaligen verbüntzetrn.
W. T.-B. Berlin, 1. Nov. (Amtlich.) Telegramm Seiner Majestät des Kaisers an General der Infanterie Otto von Be low, A.-O.-K. 14:
Auf den obecitalienischen Schlachtfeldern haben deutsche Truppen Seite an Seite mit unseren waffentreven öfter- reichi'ch-ungarischen Verbündeten unter Ihrer Führung die starken und zäh verteidigten Gebirgssttllungen der Italiener am mittleren Jsonzo üurcki brachen und sich den Austritt aus den julischen Alpen erzwungen.
In rastloser Verfolgung durch die Friaulische Ebene ist der Tagliamento erreicht. Verzweifelt sich wehreiive Nachhuten der Italiener, strömender Regen und grundlose Weg; ftni.ten den schnellen Siegeslauf Ihrer Armee nicht aufizalten.
Unser treuloser ehemaliger Verbündeter hat erfahren, was deutsche Kraft und deutscher Zorn zu leisten vermag.
Mit mir dankt da? Vaterland seinen unvergleichlichen Söhnen. Weiter mit Gott! Wilhelm I. R.
Die deutsche Presse an ^indenburo.
ZV. T.-B. Berlin, 1. Nov. Der Verein deutscher Z«l- tungsverleger, der Verein großstädtischer, Zeitungsverleger und der Reichsve iband der deutschen Presse'haben an Generalfeldmarschall v. Hindenburg folgendes Telegramm gerichtet: Eurer Exzellenz sprechen wir namens der deutschen Presse unsere» ehrerbietigsten Glückwunsch zu den neue»
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