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Verlag Langgasse 21
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Donnerstag, 1. November 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 557. . 65. Jahrgang.
Ueber 120000 Gefangene!
Ueber 1000 Geschütze.
Der deutle' e klbenr bericht vom 31. Oktober.
W. T.-B. Berlin, 31. Okt., abends. (Amtlich. Drahtbericht.) In Flandern und am Chcmin des Dames wechselnde Artil- lerietätigkcit.
Im Osten nichts Besonderes.
In Italien erfolgreiche Kämpfe in der Niederung des Tagliamento.
Die Gcfangenenzahl hat sich auf über 12V Oüü, die der Geschütze auf über 1VVV erhöht.
Planmäßiges weiteres Vordringen.
W. T.-B. Wien, 31. Okt. tDrabtbe eicht.) Amtlich verlautet vom 31. Oktober, mittags:
Die verbündeten Armeen des Feldmarschalls Erzherzog Eugen dringen im Gebiete des oberen Tagliamento und in der venezianischen Ebene planmäßig vor.
Auf den anderen Kriegsschauplätzen keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes.
Der der Lösung der Uanzleikrisk.
L Berlin, 31. Okt. (Eig. Drahtbeeicht. zb.) Heute abend kann man die innerpolitische Lage dahin charakterisieren, daß die K a n z l e r f r a g e an sich entschie- den ist und den gesienmärtigen Verhandlungen nur die Bedeutung der Beratungen über die Besetzung LMeitcr Posten zukommt. Grat He r t l i n g wünscht eine weitergehende Beteiligung von Parlamentariern an seiner Re wring. Man nimmt an, daß Geheime Rat F r i e d b e r g. der nation-illiberale Par- teivoisitzende, zum Vizepräsidenten des preutzr. schon Staatsministeriums ausersehsn ist.
Noch t-edcutlamer wäre «8, wenn der farkschrrttliche Abgeordnete b. Payer die ihm zugejegte Vizekanzlerschafi als Nachtfacher Heifferichs annehmen wollte. Der württem- berg-sche Kcnnmervo-vsihende Exzellenz v. Payer «st die führende PensÄLickckeit der Forttchritklichen Volkspartei und genießt auch höchsten OvtS Ansehen. Es soll dem Grafen Härtling sehr viel daran liegen, sich die Mttwirknnv des Herrn v. Patwr zu sichern, der auch von Staatssekretär v. Kühl- mann wegen seines aogellüvten Urteils in owßenpoliüschen Ivagen sehr geschätzt wird.
Der Vormarsch gegen den oberen Tagliamento.
W. T.-B. Wien, 31. Oft. (Drahtrbericht.) Aus dem ikriegk-pi-esiegnarti-er wind unter dem 30. Oktober gemeldet: Cadownas Arrstbuldignngen gegen die Truppen in der zwei-ten idwli-eni'chem Armee entspringen den Bemühungen, das Verständnis der katastrophalen Niederlage des linken Flügels der Jlonzolront dem bange a-ufborchenden Volk Italiens mundgerechter zu machen. Unaufhaltsam über den hoüge-schwollenen J-lonzo nachdränacnd, de^en vom Feind zerstörten Brücken bereits wieder her-gestellt sind, stoßen ösierrcich-isch-ungariische Truppen, ungehindert durch stänke Grw'tterftürme und Regengüsse, hier bereits geaen dw Reick-Sgrenze vor, a-ll-evtbcl>ben reiche Kriegs- beut? vorfindend, die der eilig weichende Feind trotz zahl- retcher Brandstiftungen nicht mehr zu retten ver- mockte. Udine ist bereit? überschritten. Der vrochtvolle Schwung der deutschen Divisionen, mit iibnen ve>-- eint die u. k. Truppen, streben nördlich davon dem oberen Tagliamento zu, an dem das beifeistigte Lager von Gemona den Austritt in d>e Ebene schützen soll. An der Karn-scheu Front liegen alle jene Punkte, die oft in unseren Heeresbe- wchten Erwäbnung landen, vom Plöckenipah und Findinig- Ko-fel engesang-'n. bi? mm Cranei-da-Borg und dem oft blut-g umstrittenen Mittagsko-fel südlich von Mallcwghet hinter der Front der machtvoll gegen -den oberen Tagliamento trotz Regen und Schneefällen verbrechenden Arn-ee des Generalobersten Freih.'rrii >> Krobatin.
Italienischer Heeresbericht vom 30. Oktober.
Währrnd des gi-ßripen Tages wurde die Rücknahme unserer Truppen ans die l e s di ’ ? {f c n c n Stellungen fortgesetzt. Die von uns cmsgcsnhrt» Zc'sirrung der Isonzobrücken nnv die wirksame Tätigkeit unserer Tedungsabteilungen verlangsamen den Vormarsch de- Feindes. Unsere Kavallerie nahm Fühlung mit den seirdlichcn Vorhuten.
Zunehmende Panik in Gderitalien.
W.T. 3. Berlin, 31. Okt. (Dcahtbericht.) Die „B. Z " berichtet aus Zürich: Pariser Blätter berichten aus Mailand, daß dort die Panik immer weiter um sich greife uud der Fällige Zusammenbruch befürchtet wird. Die Kriegshetzer fordern gebieterisch die Einführurrg der Diktatur.
Die Rückwärtsverlegung des italienischen Hauptquartiers.
W. T.-B. Berlin, 31. Okt. (Drahtbericht.) Die „58. Z.' meldet aus Basel: Über Paris wird aus der italienischen Hauptstadt gemeldet, daß das italienische Hauptquartier tn die Gegend von Padua verlegt worden ist.
Die Niederlage auch des JrredentismuS.
W. T.-B, Wien, 31. Okt. (Drahwericht.) In Besprechung des Siegeszugs der -verbündeten Armeen in Italien sagt d-:s „Fremdeublttt", -das; mit llDtnc d'e Hochburg -des I r r e- dentismus gefallen ist. Die Stadt, in der gleichsam als Symbol für den Haß gegen nnieven Staat das Over- dankmuseum gestiftet wurde. Und gleicl,zeitig vernehmen wir, dah die Armee des Generals Krobatin -auf v-ene- z ionischen Boden emgesallwi ist, und die Flucht de>. itali-enäschen Ddcvssen sich regelbs gegen -den Dogl:am-cnto hin- wälzt. Das Blatt betont, Äcch die Entente, wie im Mai ISld bei deni Eintritt Italiens in den Krieg, glaubte, dag JtaliLU ihr zur Hilf- gokommeu sei, um bx Zentvalmächte zu -er- schnlottern. Nun berät sie, wie Italien gerettet worden kan». Das Blatt stellt feist, -das-, wie in diesen Tagen, -auch diesmal unsere Gegner das g >- o he Wort führten, wah- rend w ir -die Tat vollbrachten, und schließt: Aus den blut- aetränkten -Schlachtsoldern am Jsonzo und auf der venelzi-ani- schen Tief-'bene erlebt nicht nur das Heer des Grafen Cadovn.r eine schreckliche Niodorlage, sondern auch dir Idee, dte mehr als ein halbes Jahrhundert vielfach als unumstößliche W-ihrhett galt. Aus der venezianischeu Tiefebene brachen die Jrrtümor zusammen, die in der zweiten Hälfte des 10. Jah-rhundorts die leitenden politischen Gedanken waren, die Godanken nünüich, daß nur oin einheitlicher nationaler Staat lebensfähig sei, daß aber ein aus vielen Völkern -bestehendes staatliches Gebiet n ich r imstande -wäre, einem Angritt staudzuhalten. Diese Jrrtümer aus dem jüngst verflossenen Abschnitt der Geschichte erfahren nunmehr -ih'e Revision. Der Besiegte der letzten Dag-e :st nicht nur dr? italienische Heer, sondern auch der Jrreden- tismüS, und wie Cadorna aus unserem Gebiet verschwand, sind auch die sogenannten ttali-entschen As-pt-vationen vernichtet tvor-den.
Englische Befürchtungen.
W.T.-B. giotterdam, 81. Okt. (Drahtbericht.) Wie der .Nieuwe Rotterd. Courant" aus London berichtet, wird dort befürchtet, daß die Behauptung des Feindes, die ganze it.ilie- rtiftfc Js>-r,zoftont sei zusammengeüeichen, größtenteils --ichtig ist. Die „Times" schreibt: ES wäre voreilig anzunehmen, di.s> Udine, welche? einige sehr starke Verteidigungswerke besitzt. leichtsinnig preis gegeben wird. Man wird sich ober auf diese Möglichkeit nicht allzu sehr verlassen können. Wenn, wie am Jsonzo, die ganze Front auseinander- f'illt. so ist eS gegenüber einer scharfen Verfolgung schwierig. sie wieder zu rekonstruieren. Eine emste Tatsache' ist, daß die Linie in den Kärntner Alpen bis Plöckenpaß vcchgibt. Zweifellos wird bald die ganze Gebirgsfront in Käruten gefährdet sein. Die Alliierten sehen sich einer g e f ä b r l i ch e n Lage gegenüber, und dies ist vielleicht eist der Anfang. Wenn Udine geräumt wird, wird Cadorna danach trachten, am Tagliamento Widerstand zu leisten.
Dänische Prcffestimmen.
W. T.-B. Kopenhagen, 30. Okt. Die deutsch-österreichische Offensive an der Jsonzofront. steht :m Vordergrund des allgemeinen Interesse?; mit größter Spannung wird überall ihrem wetteren De-lauf entgegengesehen.
„Berlingske Tidende" bemerk: dazu heute abend: Mit überwältigender unwiderstehlicher Kraft haben die österreichisch-deutschen Heere die Italiener von der Jsonzofront und aus den Eroberungen zurückgedrängt, die sie mit ungeheurer Mühe, großen Opfem und ausgezeichneter Tapferkeit in dem mehr als schwierigen Gelände errungen haben.
^ie Beurteilung in der enteutrfreundkichen Schweizer Presse
W. T.-B. Bern, 29. Okt. Die „Gazette Ticinese" bringt die erste Stefanimeld-ing über der italienischen Rückzug. Es heißt darin: Unglückliche Umstände begünstigten den deutschen Schlag. Das Blatt will wisse:, die e „ g l i s ch e n und f r a n- z ö s i s ch e n Batterien, die die Augustoffensive unteestützt hatten, seien vor ungefähr 14 Tagen zurücktransporttert worden. Die „Grzette" spricht daun in bemerkenswerter Weise die Hoffnung aus, Italien möge nach einem siegreichen Kriege eine Republik werden. — Die lwuttge Genfer Presse beurteilt die Lage der italienischen Armee recht pessimistisch. — „Joumal de Geneve" schreibt: Die
Armee Cappallos sei verloren, die Armee des Herzogs von Aosta sei allerdings noch intakt Cadorna verfüge über große Reserven; aber die Jiakiener bätten in fünfTagen alles verloren, was sie in 2.V, Kriegsjahren mit so unendlich großen Opfern an Menschen und Material erkämpften. — Die „Tribüne de Geneve" schreibt: Die Offensive gehe mit Riesenschritten vorwärts. — „Suisse" hofft, die englisch-französische Hilfe möge nicht zu spät erfolgen. Udine sei kaum 100 Kilometer von Venedig entfernt. Die italienische Armee scheine augenblicklich nicht imstande zu sei», sich zu stellen.
Eine türkische Auszeichnung für Kaiser Karl.
W.T.-B. Triest, 31. Okr. (Drahtbericht.) Der türkische Prinz Osman Fuad Effendi traf gestern mittag mit Gefolge in Triest ein, wo sich K-iiser Karl vorübergelpind befand, um dc:u Kaiser den ihm vvm Sultan verliehenen Chenedain- Ali-Osman-Orden zu überreichen, den höchsten und ältesten türkischen Orden. Der Kaiser verlieh dem Prinzen das Großkreuz des Leopoldordens mit der Ksiegsdekoration. Am Nachiiüttag fuhr der Prinz mit Gefolge in das Ope- rativusgebiet der gegen Italien vorrückenden Armee.
Eine fette U-Vootsbeule.
W. l.-B. Rotterdam, 31. Okt. (Dcahtbericht.) In der zwetten Oktcberwoche hat ein deutsches Unterseeboot im Kanal einen aus Amerika kommenden bewaffneten englischen Damvfer mit folgender Ladung versenkt: 135 Stück 15-MiIlimeter-Feldgeschützen, 30 Stück 12-Zentimeter- Haubihcn, 50 000 Feldgranaten, 22 000 12 - Zentrmeter-
Eranaten, '50 000 Handgranaten, 20000 Gewehren, sechs Pauzerantomclilen, 11 Lastkraftwagen, 1% Millionen Pctronen und 140 Maschinengewehren.
Verunglückte neutrale Schiffe.
W.T.-B. Rotterdam, 30. Okt. „Maasbode" meldet: Der Sckoner .Jernved", der niederländische Segler „Hendrika" und der Segler „Mathilde" strandeten. Der norwegische Dancpfer .Dokku" (1115 Tonnen) streß mit einem anüereu Dampfer zusammen und sank sofort.
Die vertagte Rrlegszieldebatte ver pariser Rlliierten-ttonferenz.
W. T.-B. Rotterdam, 30. Okt. Nach dem „Nieuwe Rotterd. Courar.t" lerichtet „Daily News": Das Unterhaus wurde
gestern durch die Mitteilung Bonar Laws überrascht, daß die bevorstehende Ententekonferenz sich ausschließlich mit der Kriegführung und nicht mit den KrregSzielen beschäftigen wird. Dies steht im Widerspruch zu einer in der letzten Woche durch den Pvem'erminister Lloyd George abgegebenen Erk'ärrrng, daß die Konferenz sowohl militärisch, als auch politisch sein würde. DaS Blatt schreibt weiter: Tie Alli'.erttn sollten r, rperweilt Bedingungen feststellen, unter denen sic zirm Frieden bereit wären, und die Grundsätze, die sie bei der Neuordnung der Welt angewendet zu sehen wünlck-en. Im jetzigen Stadium sich dieser Pflicht zu entziehen. wäre frebelhaft. \
— Berlin, 31. Okt. (zb.) Zur Beschränkung der Aufgaben der Alliierten-Knnferenz sagt die .Voltsztg.": Aus der plötzlichen Vertagung der Kriegszieldebatte ist zu schließen, daß die 5: r i e g s z i e l f r a g e durch irgendwelche Ereignisse lu. plizierter geworden ist, während man vorher anscheinend e-ne Verständigung für ausreichend hielt. Ob unsere Sie-pe und de: Regierungswechsel in Italien, wie die Lage in Rußland oder die Vorgänge in Frankreich den Anstoß gegeben haben, das laßt sich vorläufig nicht mit Bestimmtheit sagen. Jel enfa'l? dürfte aber darin ein Beweis zu erblicken sein, d-rß es auch bei der Entente zu tagen beginnt.
Vre Rede Eerestschenkos.
(Fottsetzung.)
W. T.-B. Stockholm, 31. Okt. (Drahtbericht.) Deutschland tritt in Polen mit weit weniger Entschiedenheit auf, als in L i t a u e n und Kurland, dir wirtschaftlich schwächer sind. In Kurland arbeitet Deutsch! mb schau einen ins einzelne gehenden Plan seiner Kolonisirrung aus, indem es damit seine Soldaten für ihre Bemühungen belohnen will. Der Plan bezweckt sicherlich d-e Stärkung der deutschen Kultur in Kurland, aber hier muß Rußland f e st erklären, daß es n i ch t d u l d e n ivird, daß es seines Ausgangs zum offenen Meer dee-inbt wird. lLebbaftcr Beifall rechts und im Zentrum sowie auf einigen Bänken der Linken.) Demnach trachten die Pläne der sogenannten Antiannexio- msten in Deutschland vor allem dahin, die LebenSinter- essen Rußlands zu gefährden. Wir müssen Widerstand leisten; ebenso unsere Armee, die übrigens begreift, daß die Wahrung der Unversehrtheit des russischen Gebietes ihre H a u p t a u f g a o e ist.
Ein neues Versammlungs- und UmzngSverbot in Petersburg.
Petersburg, 31. Okt. Angesichts der Gerüchte, bah die Maximalisten eine bewaffnete Erhebung vorbereiteten, unterlegte der Militärgouverneur von Petersburg, um die Orirnng ciulr-cht zu erhalten, alle Versammlungen, Umzüge nud Kundgebungen, und forderte die Soldaten der Garnison Pc tersburg auf/nicht in die Falle der Provokateure zu gehen, scndern rubig zu bleiben.
Oie Erstarkung der iriscken vewegung.
Bern, 30. Okt. Dem „Manchester Guardian" zufolge sieht man allgemein mit großer Span>nung der nach Dublin rnS Mcmjion-Houfe Änbe-rufen-en Sinmfeiner-Konvcntion ertt- gegen. Uber di-e m der Zirknlcweimlodu-ng nicht bezeichneten Zäelc derselben gibt die von öan Si-mUcine-rführLr DarroL
