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Sonntag. 28."Gktober 7917. IHOtgEN-AUIgOdE. Nr. 550. . 65. Jahrgang.

60000 Italiener gefangen!

450 Geschütze und unübersehbares Kriegs» material erbeutet.

Der Ausgang des gestrigen Schlacht­tages in Flandern für uns günstig.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Olt. (Amtlich.) *

Westliriler Kriegsschanplatz.

Heerrsgrn-pe Kronprinz Rupprecht.

Die Franzosen und Engländer setzten gestern tagsüber, auf dem Kampffelde in der Mitte der flandrischen Front von neuem starke Kräfte ein, um die Schlachtent­scheidung zu suchen. Der Erfolg blieb unser; ver­geblich haben die feindlichen Divisiono» sich in unserer tlb- webrzone verblutet. Gesteigerte Artilleriewirkung lag auf dem Kampfgelände, ehe der Feind zum Angriff schritt. Hinter der sich vorwärts drängenden Feuerwalze brachen seine Sturmtruppen vor.

Nördlich von Bixschoote gelangten die Franzosen bi.S Bvltchoek, von dort warf sie unser Gegenstoß ins Trichterfeld zurück.

Zwischen der Straße Kleken-Poelkapelle und der Bahn Rouiers-Avern drangen in wiederholtem Ansturm die Engländer vor. Nach hin- und herwogendeu Kämpfen, die westlich von Passchendaele besonders erbittert waren, mutzte sich der Feind mit wenigen Trichterlinien vor feiner Ausgangsstellung begnügen.

Abgesehen vom Sauptangriff wurden mehrere englische Divisionen gegen unsere Front von Becelaere bis Gheluvelt vorgeführt. Anfänglich brachen sie in den Park von Paecel- b o e k u»d in Gheluvelt ein: doch wurde der Feind durch unseren kraftvollen Gegenangriff bald wieder über die alte Linie zurückgeworfen.

Dir Teilangriffe dauerten bis in die Aacht an; das starke Feuer ließ nur vorübergebend nach.

Truppen avs allen Teilen de? Reiches baben ruhmvollen Anteil an dem für uns günstigen Ausgang deS Cchlcchttages.

Heerrsnrnvve Deutsckirr Kronprinz.

In wenigen Abschnitten am Oise-Aisne-Kanal «ahm der Artillerirkam»f große Starke an.

Feindliche Infanterie versuchte gegen Abend vergeblich an mehreren Stellen auf dem Nordufer des Kanals Fuß zu faste».

In der E b a m v a g n e und an der Maas steiqerte sich dirlfoch die Frurrtätigkeit in Verbindung mit Aufklärungs- gefrcht^'.

Auf dem

östlichen Kriegsschauplatz

und an der

mazedonischen Front

ist die Lage unvrrä,de:t.

Italienische Front.

Die unter versönlicher Oberleitung Seiner Apostolische» Majestät des Kaisers Karl von Österreich, Königs von Nuga.m, tiorüerei*'» Operation gegen die Haupt­macht der italienischer Alrnec reift unter Mitwirkung der unvergleichlichen Stoßkraft deutscher Trrrv- pr«, die Schulter'an Schulter mit ihren tavferen Wnffen- brüdcrn am Jsonzo in den Kamvf irrten, einem großen Erfolg entgegen.

Die zweite italienische Armee ist ge­schlagen.

Durch gute? Wetter begünstigt, drangen über die Höben und durch die Täler, vielfach zähen Widerstand den Feindes! brechend, deutsche und österreichisch-ungarische Divisionen unaufhaltsam vor.

Der scharfk'.atiqe Höhenrücken des Stol wurde von der k. und k. 22. Schiikie» -Division genomme n. Ter 1641 Meter hohe stark befestigte Ginfel deS Mt. Matajur fiel schon am 25. Oktober, 7 Nbr vormittags, 23 Stunden nach Beginn unseres Angriff? bei Tolinein, durch hervorragendü Tatkraft des.Leutnants Schnieder, der mit vier Kom­pagnien des oberschlesischen Infanterie-Regiments Nr. 63 den starken italienischen Grenzftützpunkt stürmte.

Tie Komps- und Marschleistungen aller Truppen, die durch die Borwerke der Jnlischen Alpen der italienischen Ebene zuströmrn, sind über jedes Lob erhaben.

Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 60 VVV, die der erbeuteten Geschütze auf 4 50 erhöht.

Nnübeisehbares Kriegsgerät muß aus den genommenen Stellungen der Italiener noch geböpgen werder. 2 6 feind­liche Flugzeuge sind in den beiden letzten Tagen a b - geschussen worden.

Tie italienische Jsonzo-Front wankt bis zur Wippach; auf der Karst-Hochfläche hält sich der Gegner.

Der Erste Grneralauartiermeister: Lvdendorff.

*

Der ungehemmte Durchbruch über Berg und Tal.

Ni Wien, 27. Oft. (Drabtberichtt, In Würdigung der Ereignisse an der Jsonzottont führt der Militär- krittker derNeuen Freien Presse" aus: Es handelt sich

bei den Verbündeten Truppen darnni. den Feind zwi- schen Flitsch und Auzza, der mir Ausnahme des Beckens von Tolmein durchweg auf den Höhen des lin­ken Jsonzoufer stand, ins Tal und über den Fluß zu werfen, um d.-mn selbst die jenseitigen Höhen zu besteigen und in Besitz zu nehmen. Es ist dies eine der schwierigsten Operationen und stellt in Führung und Truppen die allergrößten Anforderungen. Hierbei ist zu bedenken, daß der Kolowral -Rücken von den Italienern in 2% Jahren zu gewaltigen Stellimgen ausgebaut wurde. Die Leistungen müssen als Aoß- artig bezeichnet werden. Um die Operationen an bei­den Schlachtagen gebührend zu kennzeichnen, mutz man von einem vollständig gelungenen Durch­bruch sprechen, einem ungehemmten Durchbruch über Berg und Tal. Die Operationen bleiben in fortschrei­tendem Fluß, anders als die englisch-französstchen Durchbrnchsversuche, die rn der Regel nach einem Tage

oder mindestens zu begrenzen. Allein der Eindruck bei- der Swlachtage ist »in derartiger, daß die Schlußfolg:, rung alle Berechtigung.hat, »s werde Cadorna kaum gelingen, die Wucht de? gewaltigen Vorstoßes z u brechen. Im Gegenteil scheint denelbe sich lawinen­artig zu entwickeln. Die strattgischen Operationen, die sich gegenwärtig noch im Anstande der Entwicklung be- finden, nähern sich bereits ihrer völligen Entfal- t u n g, ^

.W. T.-B. Wien, 27. Oft lDrahtbericht.) Ans dem Kriegsvressequartier wird g.'m»ld»t' Unsere Erfolgs gegen Italien haben beute b'reits io kurze Zeit nach* kein Beginn der Operationen unserer und der'denttchen Truppen, die italienische Front an dem ihrer bestver- toidjaten Vi'ukt» durckb-ich-n und erreicht. Weitere Meldnnaen. feeiaiicn bereits die k i ta st p o p h a le n Rückwirk,innen die stidlichen Positionen des Feindes. Ständig schwindet Italiens Guthaben an un­terem Boden. Die riesige Büste ist die klare und stea- baUe Frage der siegreich»» Truppen, die uns in naher Zeit den größten, verdienten Tnumpb verkündm wird.

Der Monte Santo erstürn«i;

IV. w-v. Wien, 27. Okt. (Drobtberickt.) Au? dem Kriegs- preflegucirtier wirk geweidet: Der Monte Santo ist von den ver- l-ündetrn Truppen in- Sturm genommen worden. Damit wurde ein weiterer Grundpfeiler des it-liewsch.-n Widerstandes g e - fallt und ein Markstein in unserem siegreichen Borwärtsschreiten erreicht Als die italienische Trikolore nach zehn vergeblichen Jsonzoschlachten in der Frühe des 25. August auf d?n Gipfeln des Montp Santo gipilanrt wurde, kannte der Jubel und das Triumph- gcschrei rm Körn,-reich keine Grenzen. Die Eroberung dieses Schlüssel« nach Triest , sollte die öffentliche Meinung der Italiener über alle Mißerfolge binwegtäuschcn. N.rch einer drei­tägigen Offensive ist dieser Schlüssel wieder in unserer Hund. Die Krone des italienischenL e fr ei u n g.s w e r k e s" ist zertrümmert. Unter den ehernen Brücken der verbündeten Heere wankt die italienische Front in ihren Grundfesten.

Di« Aufnahme der Unglucksnachrichten in ver italienischen Presse.

W. T.-B. Bern, 27. Okt. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Corriere della Sera" meldet ans dem italienischen Hauptquartier: Die Offensive der Mittelmächte ist in voller Wucht und Hartnäckigkeit entwickelt und zeigte sich sofort als eine der größten Anstrengungen, die der feindliche Bund während des Krieges gemacht hat. Die Schlacht tobt mit unerhörter H°e f t i g- keit vom Rembou bis zur Hermada und ist in ständi­ger Steigerung begriffen. Der stärkste Druck erfolgt am Brückenkopf von St. Lutia und am Bergstock des Monte Nero. Über di? Entwickelung der gesamten Kampfhandlung kann man noch nichts lagen. Wenw aber die auf Grund der allgemeinen Lage gemachten Berechnungen richtig sind, daif man annehmen, daß die Schlacht an den großen, stit geraumer Zklt votge- sehenen Widerstandslin'm znmStillstand kommen wird.

Br. Lugano, 27. Okt. (Drohtbericht.) Dre italieni­schen Berichterstatter haben sich endlich entschlossen, die deutsch-österreichische Offensive als ernsthaft anzuer- kennen. Amtlich wird bisher nur der Verlust der vor­dersten Verteidigungslinie und d»r Ebene bei Prezzo auf dem linken Jsonzoufw zuaegeben. Daneben berich­tet der Korrespondent de?Secolo", die Oisenstve sei mit außerordentlicher Sorgfalt vorbereitet worden und die Kräfte des Feindes an Infanterie und Artillerie seien bedeutend großer als bisher angenom­men. Der strategische Plan 'ei von allergrößter Be­deutung. Er sei auf die Sttaßenknoten gerichtet, welche es dem Feinde erlauben würden falls er sie ein- nehmep sollte, in den Rücken der italienischen Auf- stellüng am Jsonzo zu gelangen und in Ita­lien einzumarschieren. Das italienische Volk müsse die kommenden Erngnisie mit Ruhe aufnehmen.

Verblenditng in Italien.

IV. T.-B. Rom, 26 Olt. Die »Agenchcr Stestrni" verbrei­tet einen Artikel desGiornale d'Jteli«", in dem gesogt wird, die Kannmor habe trotz ihrer widerspruchsvollen Haltung de>t festen Willen bekundet, die Kriegspolitik ent­schlossen und kräftig fortgesetzt zu sehen. Dl« Lage scheint verwirrt, aber die Krise mutz schnell gelöst wer­den. besonders heute, meint das Matt, wo die üsterveichisch- ungEschen und deutschen Truppen uns angreisen in der törichten (?) Hoffnung, uns zum Weichen zu brin­gen. Es ijst durchaus nötig, schnell zu beweisen, daß Italien fest rey'ert wird und seine Stellung im europäischen Streitsill keineswegs erschüttert ist.

Die politische Wirkung unserer Zsonzo- Gffenswe.

Der große Erfolg der deutsch-österreichischen Offen» sive in Italien tut bereits vollauf leine politische Wir­kung. Prompt, hastig, beinahe übereilt reagierst das südliche Temperament. Die italienischen Heeresberichte geben die Niederlage, wenn auch verblümt, zu. Die ncrditalienischen Zeitungen verschweigen nicht, daß der Feind, der bisher artilleristisch in der Minderheit war. durch den Zutritt der Deutschen in der Artillerie dcK Übergewicht erlangt habe. Und wenn auch der Kviegs- minister, General Gantane Gi.irdino, in der Kammer die stolzen Worte tyractr Mögen sie nur kommen, wir fürchten sie nicht!, die Stimmung im Volke und bei den Reaiei enden ist durchaus der Lage entsprechend höchst katzenjämmerlich. Der Mai­länderSecolo" prophezeit in keiner Angst, der Ein­griff der deutschen Truppen werde nielleicht die Ent­scheidung des ganzen Krieges herbeisnhren. Man lasse sich auch, so meinst das Blatt/durch den neuen Einheitsblock der Kammer über die verzweifelte Lago nicht hinwegtänschen. Die politische Krise bestehe, wenn auch latent, weiter. In der Kammer hat nämlich die Furcht die streitenden Parteien znsammengeschlosien. Die 82 Abgeordnete zählende liberale Gruppe der Rechten und das Zentrum einigten sich, zwar gegen das Kabinett zu. stimmen, die Kriegführung und die auswärtige Politik jedoch gutzu­heißen, eine Entscheidung, die dem Feind und dem eigenen Volke imponieren soll, in Wahrheit aber nur eine Maske ist, hinter der sich die Hilflosigkeit der Re­gierung verbergen soll. Welche auswärtige Politik kann man in Rom zur Stunde betreiben? Doch keine andere als die eines flehenrlichen .Hilfegeschreis, gerichtet an die Adresse der Verbündeten, vor allem an die der lateinischen Schwester. Frankreichs. Aber ge­rade mit den französisch-italienischen Beziehungen ist es zurzeit sehr schlecht bestellt. In Paris bat schon vor Losbruch der deutsch-österreichischen Offensive ein regel­rechter Preßseldzug gegen Italien eingesttzt. ohne daß die Zensur bisher eingeschnitten wäre, also offenbar mit Billigung der französischen Regierung. Man versucht den Italienern unverblümt zu Gemüts zu führen, daß