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Samstag, 27. Oktober 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 548. . 65. Jahrgang.
Die d utte große Durchbruchsschlacht de- Weltkriegs. >
Eine zwölfte Jfonzoschlacht gedachten die Italiener den Österreichern zu liefern. Ungeheure Vorbereitungen hatte Cadocna getroffen. Die Verbündeten hatten ihm noch reichere Hilfe als bisher an Geschützen. Schiffen und Menschen geleistet. Mehr noch, man hatte einen ganz neuen Kriegsplan ausgeheckt. Der Pariser Ententekriegscat, der nächste Woche in Paris stattfindet, sollte sich damit beschäftigen. Es handelte sich um einen italienischen Vorschlag, bis zur Ankunft der amerikanischen Armee in Europa den Schwerpunkt der Offensive vom Westen nach dem Süden zu verlegen. König Viktor Emanuel soll bei seinem letzten Besuch an der französischen Front erklärt haben daß ein Durchbruch an der österreichischen Front die Alliierten dem Frieden näher bringen würde als der Versuch, dre deutsche Mauer im Westen zu durchbrechen. Man müsse eine Anzahl von britischen und französischen Armeekorps von der Flandernfront nach dem Jsonzo schaffen und dort den Angriff geg->n die tonst unzertrümrncrbare oster, eichisch-ungarische Front beginnen. Aus dem eitlen Plänchen wird nun wohl nichts. Die Hindenbürgst r a t e g i e ist ihm zuvorgekommen.
Plötzlich und furchtbar wie eine Lawine brach der deutsch-österreichische Vormarsch in der Nacht vom Dienstag aus Mittwoch los. Aut einer Breite von 80 Klometer wurde die italienische Jsonzofront bei Flitsch und Tolmein bereits am Mittwoch durchbrochen und in Ausnutzung dieses Durchbruchserfolgs drangen unsere verbündeten Truppen am Donnerstag in un- widerstehlichem Ansturm über Knrfreit und Romcina hinaus. Aus starken rückwärtigen Höhenstellungen ist der Feind geworfen und er hat ionnr bereits, aut 60 Kilometer Fr o n t ins W e i ij e n gebracht, gur beginnenden Räumung der nielumstrittenen Hochfläche von Bainsizzn-Heiligengeist schreiten müssen. Uber 30000 Gefangene und die Eroberung von mehr als 300 Geschützen, darunter vielen schweren, meldet sowohl der deutsche wie auch der öster- reichisch-ungarische Bericht vom 26. Oktober. Wahrlich ein ganz ungeheurer rasch erkämpfter Erfolg!
Das. Gelände, in dem die Kämpft sich abspielten, rst ein reines Gebirgsland, bas die Verteidr- gung außerordentlich erleichtert, und wo der Angreifer gezwungen ist, steile Höhen im feindlichen Feuer zu erklimmen. Wer alles dies vermochte den Tatendrang und den Ansturm der beldenmiitiaen deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen nickst aufzuhalten. Sie drangen von Stellung zu Stellung, von Kupve zu Kuppe siegreich nor und fügten dem Gegner eine fürchterliche Niederlage zu. Das Entscheidende liegt darin, daß den erfolgreiche Angriff nicht am ersten Tag zum Halten kam, und daß es zu si-iner Fortführung neuer Vorbereitungen und einer längeren Ruhepause nicht bedurfte, sondern daß der Vorstoß in ununterbrochenem Flusse blieb und hintereinander durch- gcführt wurde Darin liegt das charakteristische Moment ein»r großen erfolgreichen Operation. Weder die Italiener in ihren zahlreichen früheren Schlachten noch die Franzosen und Engländer mit dem westlichen Kriegsschauplätze^ haben dies ie fertig gebracht. Darin liegt ruck zugleich eine gewisse Gewähr dafür, daß die Operationen auch in ihrer Gesamtheit glücklich verlaufen und zu einem wirklich-entscheidenden Erfolge führen werden. Wir können mit v,ller Ruhe und Zuversicht der weiteren Entwicklung entaegsn'eben. Ob die große deutsch-österreichsich-ungarische Offtnstde auf dem jetzigen Abschnitt beschränkt bleiben wird oder ob sie sich auch noch auf andere Abschnitte ausdehnen wird, und welches die Operationsziels 'ein werden, läßt sich noch nicht übersehen. Es ist dies auch lediglich eine Angelegenheit der obersten Heeresleitung. ubm die es müßig ist, schon, jetzt Vermutungen anzustellen. Wir wollen uns lediglich der großen, bisher erzielten Erfolge erfreuen und dabei der beldenmüti.aen Leistungen der deutschen und der Österreichisch-ungarischen' Truppen mit höchster Bewunderung und Anerkennung gedenken.
Ne gnoolllgt Mnlige Ser Italiener.
W. T.-B. Wien, 26. Okt. (Drcchtbericht.) Amtlich verlautet vom 26. Oktober, mittags.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die am mittleren Jsonzo angcsetzten österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte haben im rüstigen Vordringen die Linie Karfreit-Auzza überschritten. Die Betoegung wird seit gestern früh durch schönes Wetter begünstigt.
Auch aus der Hochfläche Bainsizza-H eilige »- g e i st bis in die Gegend des M - »t e - S t. Gabriele wurde der Widerstand der Italiener gebrochen. Der Feind ist im Begriff, alles Gelände freizugeben, dessen Brsttz er iu der 11. Jfonzoschlacht durch das Leben vieler
Tausender erkauft hat. Auf der Karsthochfläche entwickeln sich bei unverändert bleibender Lage stellenweise lebbafte Kämpfe.
Der Anprall der Verbündeten vermochte an zwei Kampftagen die feindlichen Linien auf 50 Kilometer Frontbreite ins Wanken zu bringen. Bei den weichenden Italienern herrscht größte Verwirrung. Zahlreiche Verbände mußten, völlig ab geschnitten, auf freiem Feld die Waffen strecken. Große Geschützmaffrn aus allen Kalibern zusammengesetzt und unübersehbares Kriegsmaterial fielen in die Hände der Verbündeten.
Eine österreichisch-ungarische Division nahm südwestlich von Tolniein dem Feind allein 70 Geschütze ob. Bisher sind über 30006 Gefangene durch die Sammelstellen der Verbündeten gegangen und etwa 300 Geschütze erbeutet worden.
Östlicher Kriegsschauplatz und Albanien.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabs.
*
Drei Durchbruchsstellen!
Ni. Wien, 26. Okt. (Eig. Dr-rhtbericht. zb.) Der Mrlitär- kritiker" der „Neuen Freien Presse" führt über die Offensive gegen die Italiener -ras: Die Verbündeten haben das höchste Ziel, das im Stellungskrieg möglich ist, den Durchbruch, an mehreren Stellen erreicht. Die drei Hauptdurchbruchstellen sind die Becken von Flitsch und Tolmein und der Abschnitt von Au; z a. Sobald Flitsch erst von unseren Truppen genommen war, wurden die Italiener in südlicher Richtung gegen daS Jsonzoknis zurückgeworfen. Der mittlere Stützpunkt und zugleich der Angriffsvunkt ist Tolmein. Dort buben unsere Verbündeten von den Talhöhen des jenseitigen JsonzouferS auf dem Kolawartrücken Fuß gefaßt. Die deutschen Regimenter eroberten die Höhenstellungen von Kärnten, die zu dem fixen Punkt werden, von dem aus es möglich wäre, die italienische Front auf der Hochfläche von V a i n s i z z a uvS den Angeln zu heben, weil die Stoßrichtung nach Süden in ihren Rücken bohren würde Von der dritten Einkrn.hsstelle auf der Hochfläche von Bainsizza hat der Stoß wieder bis an den Jsonzo und auf die Höhe nordöstlich von Auzza gefnbrt. Werter nördlich leiiten die Italiener noch keftigsten Widerstand. Dieser noch festhaltende Frentteil mutz infolge der Nachbarereignisse eine senkrechte Ferm angenommen haben, da er im Süden umgangen ist und es dürfte ein weiteres Verweilen für die Italiener veibängnisvoll werden. Ihr Rückzug könnte schon auf Schwierigkeiten stoßen.
Italienischer Heeresbericht vom 26. Oktober.
Gestern mcipen ercffnete der Feind nach einer mehrstündigen Pause au der ganzen Front wieder das heftige Artilleriefeuer. Darauf winden starke Jnfanteriemassen zum Angriff vorgeworfen. Der Engpaß r»n Saga hielt den Stoß des Fe,»der aus, aber »lehr sittlich gelang cs dem Feind, begünstigt durch dichten Nebel, der iwser Sperisiuer wirkungslos machte, unsere vorgeschobenen Linien auf dem linken Jsonzoufcr ein zudrücken und sich der AngriNzstellungen 'des Brückenkopfes von Santa Maria und Santa Lucia zu bemächtigen, wobei er den Kampf auf die Hänge des rechten Flußufers hinüb ertrug. Gleichzeitig erfolgten starke Angriffe westlich von Bolnik auf der Hochfläche von B a i n - sizza und auf den Wcstbängen des Mo-lte San Gabriele. Sie wurden durch unsere Truvpcn abgeschlagen.
ver deutle Kbenöbericht vom 26. Oktober.
W. T.-B. Berlin, 26. Okt.. abends. (Amtlich. Drahtbericht.)
Di« heutigen Kämpf« entwickeln sich zu einer großen Schlacht. Starke Angrilie der Franzosen und Engländer von Bixschoöte bis zur Bahn Rovlers-Apern und zv beiden Seite» der Straße Menin-Dpern sind trotz mehrfachen Ansturms in unsere Ab- wehrzon« blutig znsammengebrochen.
Am Oise-Aisne-Kanal geringe Gefechtstätigkeit.
Im Osten vichts von Bedeutung.
An der italienischen Front sind unser« Korps kämpfend in schnellem Bordrin gen. Gefangene und Bentezahlrn wachsen von Stunde zu Stunde.
Scharfe Angriffe gegen vartho« in ver franzSsiicken Kammer.
W. T.-B. Paris, 26. Okt. (Drahtbericht. Agence Havas.) In der Kammer fragte Augagneur in einer Interpellation nach den Gründen, die Ribot zum Austritt aus dem Kabinett bewogen haben, während der Abg. M o u t e t die Politik der Geheimverträqe zum Gegenstand einer Anfrage machte. P a i n l e v e erklärte, daß er die Debatte über die auswärtige Politik nicht wieder eröffnen werde. Er fuhr fort: Das, worauf augenblicklich in Frankreich die Gedanken gerichtet seien, das sei die Rückkehr Elsaß-Lothringens zu Frankreich. Redner schloß, indem er das Vertrauen der ganzen .Kammer forderte. Es wurde eine Vertrauenstages- ordnnng mit 283 gegen 137 Stimmen angenommen. An der Debatte beteiligte sich Barthou mit einer längeren Rede.
AG. Genf, 26. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Propres de Lyon" bringt Einzelheiten über die Siurmszenen, die den Jnterpellatioven der Abgeordneten Augagneur und Meutel folgten. ®jg. Mouitet schloß seine Rede mit Angriffen aus deu neuen Minister des Äußern Barthou. Er sei der Schöpfer des Gesetzes über die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit gewesen, die der schwere Irrtum
der Zeit vor dem Krieg sei Der Führer der Sozialisten Renaudel ries daswischen: „Dieser Irrtum verschuldet
unsere Niederlage von Charleroi." Eine Viertelstunde lang tobte betäubender Lärm. Besonders die Abgeordrieten Mjaginv und Aginot, Lagos und Eandac ergehen sich in >Be- ichimpsunqen der äußersten Linken. Endlich konnte Moutet fortfahren. Er verlas einige Stellen ans der bekannten chauvinistischen Rede, die Barthou vor einer-Reihe von Wochen in Gens hielt, ebenso aus dem Artikel des „Motin", in dem Barthou die völlige Zerschmetterung Dsutschlands gefordert hatte. Moutet fragte, ob Barthou jetzt seine AnnektionS- politik widerrufen wolle; anderenfalls wäre er als Minister völlig unmöglich Daraus erhob sich P a i n - leve zur Antwort auf die Interpellationen. Die Kammer hörte die Rede des Miwiterprasidenten kaum cm. Als Barthou zur Selbstverteidigung das Wort -nahm, klatschten besonders das Zentrum und die Rechte seinen versteckten nationalistischen Ausführungen Beifall. Auffehen erregte ein scharfer Angriff, den der bisherige sozialistische Munitivnsminister Albert Thomas gegen Barthou richtete. E§ bestünde ein Gegensatz zwischen chm und der jetzigen St-mmung Frankreichs. „Progres de Lyon" betont daS auffällige Stimmenverhältnis von 382 gegen 137 Stimmen bei 100 Stimmenthaltungen. Das erste Auftreten Barthous hat nur geringe Hoffnungen erwecken können.
Vas Vertrauensvotum für Vas Nabinett voselli abgelehnt!
W. T.-B. Rvm, 26. Okt. (Drcchtbericht. Agencie Stesam.) Kammer. B o s e l l i erklärte- die Tagesordnung Callini annehmen zu wollen- die «besagte, die Kammer billige die Erklärung und gehe zur Alstimrnung über die provisorischen Zwölftel über. Boselli verlangte Teilabstimmung und stellte bezüglich des ersten Teiles der Tagesordnung die Vertrau enS- frage. Diese wurde in namenLicher Abstimmung mit 3 04 gegen 9 6 S t i nc m e n bei 5 Stimmenthaltungen abgelehnt.
Eine Neve Scnninos.
W.T.-B. Rom, 25. Oft. über die auSwärtigeLage sprechend, hob Sonnino in der Kammer die schweren inneoen Schvierigkeiten Rußlands hervor und sprach die Hoffnung airs, daß das russische Volk erkennen werde, daß das Heil der Freiheit untrennbar mit der Verteidigung gegen den äußeren Feind verknüpft sei. Das Heer und die Marine Griechenlands; die gegenwärtig mit Hilfe Frankreichs und Englands reorganisiert würden, würden sich bald den Alliierten anschließen. Die zwischen Poincare und dem König ausgetauschten Besuche geben die Gelegenheit, die Übereinstimmung und das volle Vertrauen zwischen den verbündeten Heeren feftzustellen und zu befestigen.
Sonnino kam weiter auf die Note des Papstes zu sprechen und erklärte sich mit ihrer allgemeinen Absicht einverstanden. Ihre einzelnen Bedingungen aber würden ebensowenig die Grundlage für einen Meinungsaustausch zwischen den Kriegführenden bieten wie die Reden des Reichskanzlers, des Staatssekretärs v. Kühlmann oder des Grafen Czernin. Verhandlungen hätten eben nur Zweck, wenn die ihnen zugrundeliegenden Vorschläge die erwünschten Merkmale der E r n st h a f t i g k e i t besitzen würden. Wenn die Zentralmächte hoffen, in Verhandlungen eintreten zu können, ohne sich vorher durch die
Bekanntgabe von „cnudlezeaden Bedingu igen zu binden oder restzulegen, so tun sie.das nur in der Hoffnung auf die Wirkungen der Schwächung und Müdigkeit, S:e bei der Bevölkerung der Alliierten durch die Nachricht von dem Beginn der Verhandlungen hervorgerufen wurden. Dadurch würden sich die alliierten demokratischen Regierungen in einer Zwangslage befinden, selbst die härtesten Bedingungen anzunehmen, da es ihnen nicht möglich wäre, die öffentliche Meinung in ihren Ländern in die nötige Stimmung zu versetzen und die Feindseligkeiten wieder energisch aufzunehmen. weiter, weil sie bofstZn, zwischen den Alliierten Streitigkeiten hervorzurufen durch größere Zugeständnisse an einen Verbündeten auf Kosten eines anderen. Jeder öffentliche Schritt zu einer Friedensvermittlung kviine, wenn er im ungünstigen Augenblick erfolge, eher eine An- nähcrung zwischen den Kriegführenden, ebenso wie den Abschluß jeden Abkommens zwischen ihnen erschweren, als erleichtern. Auf die einzelnen Vorschläge der Papstnote eingehend, crkläite Sonnino, daß sowohl fiir die Abrüstung wie für das Schiedsgericht die theoretische Zustimmung aller Kriegfiihrenden vorliege, doch sei die praktische Durchführung schwierig. Sicher sei jedenfalls, daß dies jich »i-r auf genaue Beachtung des internationalen guten Glaubens und verpfändeten Wortes gründen könnte.
Die Freiheit der Meere
sei in der Kriegszeit schwer durchzusühren Die Mittelmächte erklärrrn theoretisch, sie annehmen zu wollen. Ihre pwaLtilscüe Anttvart sehe man vn ver vom Grasen Luxburg empfohlenen Methcde. Belgien müsse im Friedensvertrag besonders beharttelr Moden, denn bei chm handele es sich nicht um zerstörte Gebiete infolge dnekter und unvooineMichenCreignisse eines loyalen und noch den Regeln des Völkerrechts geführten Krieges, sor.dern int eine offenbare und standalöse Verletzung aller Gesetze des Kriegs und deö Friedens, ja der Grundsätze des guteii Glaubens Einfach die belgische Frage durch Zurückgabe oder Austausch in anderen besetzten Gebieter zu
