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Verlag Sanggaffe 21

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Mittwoch, 24. Oktober 1917. Nr. 543. . 65. Jahrgang.

kschrelcheS kilisehe« ftBch-östemiihischeii AoM gegen Slulien!

Die neuen französischen Großangriffe.

lv. T.-S. Großes Hauptquartier, 24. Ott. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Fa Flandern drängten unsere Truppen durch Gegen­angriff den Feind f a st völlig ans dem in unserer Ak- wehrzone noch besetzten Streifen am Südrande des Houthoulsterwaldes zurück. Gefangene blieben in unserer Hand.

Im Kampfge.lände von Draaibank bis Zandvoorde nahm nachmittags das Feuer wieder erheblich zu. Nene Angriffe erfolgten nicht.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die Franzosen begannen gestern an zwei Teilen einen Großangriff am Chemi» des Dames, von dem Ailette- Grund nördlich von Baugaillon bis zur Hochfläche nördlich von Pirisii, (25 Kilometer).

Tie vormittags südlich des O i s e -»i s n e - Kanals sich, entwickelnden Kämpfe führten zu schwerem wrchselvollem Ringen zwischen Ailc «nd zwischen den Höhen von Ostel. Der früh morgens gegen unsere durch sechstägiges heftiges Feuer zerstörten Linie« anstürmende Feind fand starken Widerstand und kam wegen schwerer Verluste nicht vorwärts. Erst einem späteren nach neuer Vorbereitung geführten und durch zahlreichePanzerwage« unterstützten Stoß frischer französischer Kräfte, von Westen her auf A fl e m a n v, von Süden her auf C h a v i g n o n» gelang es in unsere Stellungen einzubrechen und bis zu diesen Dörfern vorzu- dringen. Dadurch wurden die dazwischen liegenden Stellungen unhaltbar. Bei der Zurücknahme der Truppen aus den vor der Front zähe gehaltenen Linien mußten auch vor­geschobene Batterien gesprengt und dem Feinde Überlasten werden. Die Franzosen drängten scharf nach, doch wurde durch das Eingreifen unserer Reserven der feindliche Stoß nördlich von Rinon bei Baudcsson und dem hart umkämpften Chavignon aufgefangen. Weitere Fortschritte blieben dem Gegner versagt.

Der gleichzeitig auf der Hochfläche beiderseits des Ge­höftes La R o y s s e (südlich von Filain) angesetzte Angriff mehrerer französischer Divisionen scheiterte trotz wieder­holtem Ansturm unter den schwersten Verlusten.

Abends schritt nach mehrstündigem Trommelfeuer der Feind bei B r a h e und A i l l e S zum Angriff. Zweimal stürmten dort feine Truppen tief gegliedert vor. Im Abwehrfeuer nnd stellenweise in erbittertem Nahkamvf brach an dieser Front der Stotz der Franzosen völlig zu­sammen.

In örtlichen Kämpfen fetzte sich die Schlacht bis tief l« d i e N a ch t fort. Sie ist bisher nicht wieder aufgelebt.

Unsere Truppen haben sich heldenmütig geschlagen.

Auf dem östlichen MaaSufer svielten sich tagsüber süd­westlich von Beaumont Grabenkämpfe ab.

Lstlrcher Kriegsschauplatz.

Zwischen dem Rigaischen Meerbusen und der D üm a »ahmen wir in den Nächten bis zum 22.-Oktober ohne Störung durch den Feind unsere in breiter Front vor die Hauptstellung weit vorgeschobenen Sichernngstruppen zurück, die in erfolgreichen Gefechten den Russen den Einblick in unsere Hauptstellung seit Anfang September verwehrt hatten.

Mazedonische Front.

Lebhaftere Artillerietätigkcit nur westlich des Ochrida- sees und vom Wardar bis Doiran, wo Borstöße der Engländer abgewiesen wurden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die GefechtStätigkeit in Tirol, Kärnten und am Jfonzo ist merklich aufgelebt. Deutsche Artillerie hat in den F-uerkampf eingegriffen. Deutsche »nd österreichisch- ungarische Infanterie hat heute morgen bei Flitsch, T o l m e i n »nd am Norteil der Hochfläche von B a i n s i z z a die vordere italienische, Linie genommen.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludrndorfs.

Sur innerpolilischen Lage.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 24. Oft. (Erg. Trahtbericht. zb.) Mehrere Berliner Parteiblätter zeigen sich heute er­staunt und enttäuscht, daß durch kaiserlichen Erlaß Dr. H elfter ich ausdrücklich irrt Amte als Stellvertreter des Reichskanzlers bestätigt worden ist,, woraus sie schließen wollen, daß auch Tr. Hsliferich auf fernem Posten verbleiben soll. Die'e Armqtzme ist unbegrün­det. Nach Lage der Dinge war der kaiserliche Erlaß unbedingt zu erwarten. Der -Reichstag hat die vom Reichskanzler geforderten Nnchtragskredite bewilligt, wenn auch nach längerem Zögern. Folglich wäre es ein empfindlicher Mißtrauensbewers des Kaisers gegen Dr.

Michaelis und Dr. Helfferich gewesen, tvenn die Unter­fertigung des Erlasses über die Ausgestaltung der Reichsregierung, wie sie bisher hauptsächlich das Werk des neuen Kanzlers gewesen ist. ausgeblieben wäre. Der Erlaß greift nicht im mindesten den weiteren Entschlie­ßungen des Monarchen vor, der nirr einem bestehenden Provisorium Gesetzeskraft verlieh, ohne damit den Per­sonenfragen eine Lösung von Dauer gegeben zu haben.

Der Kaiser empfing gestern den Kanzler zu längerer Audienz. Dr. Michaelis hat von der politi­schen, ihm ungünstigen Lage dem Kaiser Aufschluß geben müssen, zumal ihm bereits der Schritt von Vertretern der Mehrheitsparteien bei dem Chef des kaiser­lichen Zivilkabinetts Herrn v. Dalentini bekannt war. DieGermania" warnt beute vor sensationellen Nachrichten, fügt aber dann 'elbst einige an, die man schon so nennen könnte. Schon jetzt kann so viel fest- gestellt werden, daß innerhalb der vier Parteien, der Nationalliberalen, des Zentrums, der Fortschrittler und der Sozialdemokraten, v o l l st ä n d i g e E i n m ü t ig- keit über alle politischen.Fragen herrscht. Jedenfalls ist dringend zu wünschen, daß die politische Lage so schnell wie möglich geklärt wird. Atzs feststehend kann heute gelten, daß dem E n t l a s s u n g s g e s u ch des Staatssekretärs der Marine o. E a v" l l e aller Vor­aussicht nach keine Folge gegeben werden wird. Was die Stellung des Kanzlers angeht, so liegt die Ent­scheidung ausschließlich beim Kaiser, und aus diesem Grunde müssen alle darüber an die Öffentlichkeit ge­brachten Mitteilungen lediglich auf Vermutung beruhen. Voraussichtlich werden die nächsten Tage die allgemein als dringend bezeichnet; Klärung bringen. DieBer­liner Börsenzeitnng" bringt aber solche Mitteilungen in bestimmtester Form, die man nicht ohne weiteres als bloße Vermutung zu. bezeichnen vermag, da hinter die- sem Platte bekanntlich einflußreichste uationallioerale Politiker stehen. Es heißt in derBörsenzettung": Die interfraktionellen Reratimaen haben gestern mit Unterbrechung bis in die Abendstunden hinein ange­dauert. Die Kanzlerkrfte besteht nach wie vor, und an einem Rücktritt des Dr. Mihaelis' ist kaum zu zweifeln. Bestimmte Ereignist: des gestrigen Tages bestärken diese Auffassung. Es ist mit Rücksicht auf verschiedene Vorträge, die der Kaiser gestern bereits entg->gengenommen hat und im Verlaufe des heutigen Tages noch entaegennehmen wird, sogar nicht ausge­schlossen. daß die Entscheidung b e r e i t s- h e u t e *ällt. Sehr wahrscheinsich wird die vom Kaiser in Aus­sicht genommene Persönlichkeit vor ihrer endgültigen Ernennung mit den Parteisührern Besprechungen ab­halten." Der , L.-A." meldet' .Es versteht sich von selbst, daß d-w Kaiser eine unbaltbar gewordene Lage nicht länger als unbedingt notwendig wird fort- danern lasten," DerVorwärts" will aus dem kaiser- licken Erlaß schließen, daß die Krise bis zum Wieder- zusammeniritt des Reichstags Antang Dezember in Schwebe bleiben soll. Für diesen Fall darf man, so sagt man, auf das weitere Verhalten der Fortschrittlichen Volksvartei nnd des Zentrums gespannt sein. Das sozialdemokratische Organ verweist varteiamtlich noch­mals darauf, daß die Fraktion die Kreditverweig, rung als äußerstes Mittel anwenden werde ^alls eine Regie- rung bestehen bleibe, die dem Reichsschiff einen unheil­vollen Kurs gebe._

Die Admiralstabsmeldung.

W.T.-B. Berlin, 23. Oft. (Amtlich.) Neue Unterfeie, boolr-rrfrfae im Ärmelkanal und in der Nordsee: 3 Dampfer und 2 Segler. Die drei mittelgroßen Dampfer, die alle beladen waren, wurden von einem Unterseeboot innerl.nlb 24 Stunden aus drei gesicherten Geleitzügen her­ausgeschossen. Die.versenkten beiden Segler hatten Gruben­holz für England geladen.

Der Chef des Admiralstabes, Versenkt.

W, T.-B. Kopenhagen, 23. Okt. Nach derBerlingske Tideude" teilte das norwegische Ministerium des Äußern mit, daß der norwegische DampferLeander" am 20. Oktober versenkt'worden ist. Ein Mann sei umgekommen, der Rest der Be'atzung in Scarbcrough gelandet worden.

Neutrales Verständnis für Len deutschen U-Vootkriec».

W. T.-B» Kopenhagen, 23. DIL (Drahtbericht.)Social­demokraten" beginnt heute emre Folge von Artikeln, die die jlbrvschrvflAltera pars" trägt und beabsichtigt, auch dom deutschen Standpunkt .des U-Bootskri«gs gerecht zu werden. In dun 'heutigen Artikel macht der Verfasser Magister K>iwl G a d geltend, daß Deutschland den U-Vootskrieg nur als Vergeltung auf den Aushungerungskrieg Eng­lands . anwende, und führt dabei u. a. aus: Wie man auch dieses sogenannte Repressalienrecht betrachtet. Las bean Außenstehenden stets als etwas Bedenklichss Vorkommen muß, so -darf man einer Sache nicht vergessen» nämlich, daß Deutschland am 28. Januar 1915 direkt erklärte, den Untec-

foebootskkieg sinzitstellen, wenn England mtt der Auishu-nge- rnngspolttik aushören werde. Die Verantwortung so­wohl -für die Einleitung wie die Fortsetzung dessen, was man einen gegenseitigen Absperrn.ngskvieg nennen könnte, liegt nrm'tdsrlogllch bei England. Außerdem muß man daran evrnnern, daß dos ZieL -des Absperrnngskriegs verschieden ist -Englands Ziel ist ein Frieden, der sich auf den Sieg gründet; Deutschlands Ziel ist ein Frieden, der sich aus die! Verständigung gründet. Der Absperrungskrieg ist so­mit aus deutscher Seite seinem Ursprung nach Vergel­tung, semiesn Z'Ä nach eine defensive Maßnahme, mährend der englische ganz und gar ossensiver Natur ist.

Zur Versenkung des enylffä'en Geleitzuaes.

8. Stockholm, 2». Okt (Eig Drahtbericht, zb.) Der Korrespon­dent vonStc-ftvlms Dagbladet" in Bergen befragte den Kapitän des versrnltcn 'chwedischen DampfersWiskur" über die Vernichtung ('des Konvois in der Nordsee, insbesondere über die von englischer und norwegischer Seite verbreitete Nachricht von angeblichen deut­schen Grausamkeiten bei der Versenkung. Der Kapitän be­stritt, daß die Deutschen bewußt aus die Rettungsvoore geschossen hätten. Das seien alles Zeitungsenten. Der norwegische Kapitän, welche», die erschwerende Aussage zugeschrieben wird, be­richtete selbst den, schwedischen, daß er mit sein-m Boot auf der Rück­seite des Schisses lag, während die deutschen aus der anderen Seite lagen, ohne das Boot zu bemerken. Hätten die Deutschen bas Rettungsboot verienken wollen, so hätten sie dies unschwer vermocht. Dabei ist der Kapitän nicht etwa als Teutschenfteund zu betrachte».

Die Opfer beim letzten Luftangriff auf England.

Ein englischer Hilfskreuzer vernichtet.

W. T.-B. London, '24. Okt. (Dvahtbericht. Amtliche Mel­dung.) Bei dem Luftangriff am Freitag wurden insge­samt 24 Personen getötet und 56 .verwundet. Ein TorpedobootSzcastörer ist infolge Zusammenstoßes gesunken. Z-wei Offizttoe und 21 Manu wurden gerettet. Der HUfs- kreMerOrama" mit 12 927 Bruttoreglstertcmnen wurde am SO. Oktober torpediert und ist gesunken. Es sind keine Ver­luste an Menschen zu beklagen.

vas verdiente Schicksal derDrama".

Br. Berlin, 24. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Den eng­lischen HilfskreuzerOrama", dessen Versenkung die eng­lische Admiralität meldete, hat d>e vecdieuie Vergeltung erreicht, dennOrama" ist.eines von den drei englischen Kriegsschiffen, die am 14. März 1915 unserer! tapferen kleinen KlbeftzerDresde n" innerhalb der chilenischen Hoheitsgewäffer unter grober Verletzung des Völkerrechts überfielen und vernichteten. DieDresden" hatte 500 Meter vom Lande entfernt in der Cumberland-Bai geankert, um Reparaturen dcrzunebmen. Während der Verhandlungen des Kapitäns derDresden", Lüdicke, und den chilenischen Behörden kam ein englisches Geschwader, bestehend aus dem Kreuzer .Glasgow', dem HilfskreuzerOrama" und dem Ä'.euzerKent", und begann sofort dieDresden" zu beschießen. DaS Gefecht dauerte nur kurze Zeit. Die Be­sitzung begab sich an Land, sprengte aber das Schiff in die Luft, so daß es dem Feinde nicht in die Hände fiel. Die chilenische Regierung hat gegen den englischen Völkerrechts­bruch allerdinas protestiert, von einer S ü h n>e der Vcrlktznng der chilenischen Seehoheit hat man aber nichts gt hört.

Englische Mitteilungen über die verlorenen Zeppeline.

Br Haag, 24. Okt. ''Eig. Drobtbericht. zb.) Londoner Nachrichten besagen, daß die vermckiteten Zeppeline nach Frankreich getrieben worden seien, weis sie in Englßnd ge­zwungen worden waren, außerordentlich hoch zu fliegen, um sich gegen tue Flieger zu schützen. Dadurch froren die Mornrc e-n. Während dieser Zeit gerieten die Zeppelin? noch Frankreich und wurden hei dom Versuch, iu wärmere Schichten herabzugeben, von den französischen Kanonen und Fliegern erreichtL. 49" undL. 50" gehören zu den Über -Zeppelinen. Sie sind 196 Meter lang und haben 55 000 Kubikmeter Inhalt. An Bord waren nur Marine- ma'inschaften. Im ganzen stuhren 13 Luftschiffe, davon gingen 2 d'rekt zu ihrer Basis zurück, 11 flogen über französisches Gebiet.

Zeppelin-Jnfaffen erfroren anfgefilnden.

Br. Haag, 24. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) DasHan- del-sblload" meldet, der Zeppelin, der in Montigny eine Gondel mit 16 Mann verlor icnd mit 4 tan an Bord weitergetr'eben wurde ist in der Schweiz niedergegangM. Die Insassen wurden dort erfroren aufgesunden.

Das Ende der sranz. Kabinettskrise.

Ribot ausgeschifft.

Sr. Genf, 24. Ott. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Die Ab­lehnung der G e s a m t d c m i s s i o n des Kabinetts Painleve durch den Präsidenten der Re.publib -vird nachträg­lich dahin auszelegt, daß Voincarö zwischen Painkve und "Ribot zugunsten Painleves seine Wahl traf. Auch der Ministerrat erklärte sich mit Painleve solida-isch. D iS Kabinett bleibt also vorläufig, mtt Barihou als Minister deS Auswärtigen,