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Verlag Limggafse 21

„Tagblntthnus".

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Dienstag. 23. Oktober 1917. KbeNd-KUSg(lbe.

Nr. 541. ♦ 65. Jahrgang.

Der volle Erfolg de; gestrigen Groß­kampftage; in Klaubern unser!

Kuch die Infanterieschlacht bei Soisfons nun im Gange!

W. T.-B'. Großes Hauptquartier, 23. Okt. (Amtlich.)

Westliclzer Kriegsschanplatz,

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die in Flandern zwischen Draai-Bank und Poel- -apelle sich gestern morgen entwickelnden Kämpfe dauerten bis gestern abend. Die Ziele der französisch-englischen An­griffe lagen nach aufgefundene» Befehlen 2 bis 2y 2 Kilo­meter hinter unserer vorderen Linie. Der anfangs nur am Südrande des Honthoulstrr-WaldeS tief in unsere Abwehrzone gedrungene Feind wurde durch Gegenangriff zurückgeworfen. Bon den Gegnern herangeführte Ver­stärkungen konnten den geringen Raumgewinn von höchstens 308 Meter Tiefe bei 1200 Meter Breite nicht erweitern.

Bei Porlcapelle wurde im hin- und herwogcnden Kampfe gegen die vormittags und erneut am Abend vorbrechen­den starken Angriffe der Engländer unsere vordere Trichterlinie behauptet oder zurückgewonnen.

An den übrigen Stellen des Angriffsfeldes scheiterte der feindliche Ansturm völlig.

Tief gegliederte Angriffe richteten sich gegen den Front­abschnitt beiderseits von G h e l u v e l t. Hier brach unsere Abwehrwirkung die Kraft des englischen Stoßes, der nirgends an unsere Hindernisse gelangte. Franzosen > wie Engländer hatten in uuserem gegen das Kampfgelände zufammergefaßten Feuer schwere blutige Berluste und ließe» Gefangene in unserer Hand.

Der gestrige Schlachttag in Flandern brachte uns einen vollen Erfolg.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die Artillerieschlacht nordöstlich von SoissonS fetzte nachmittags mit voller Wucht wieder ein, nachdem es an dem nebrligen Morgen bei geringer Fenertätigkeit nur zu Erkun- duiigSvorstößen der Franzose» gekommen war.

Der MnnitionSrinsatz aller Kaliber erreichte am Abend im Kampfgebiet ztvische» dem Ailctte-Grund und Brape eine g e w a l t i g e H ö h e. Bei Eintritt der Dunkelheit ließ das feindliche Feuer nach, um dann von Mitternacht an sich zu anhaltender Trommelwirkung zu steigern.

Bei Hellwerden hat mit starken französischen Angriffen die Infanterieschlacht begonnen.

Auf dem Ostufer Ser Maas stürmten o st f r i e s i f ch e Kompaguien und Tc-le eiueS Sturm-Bataillons nach treff­licher Feuervorberejtung die Höhe 326, südwestlich von Beau­mont. Mehr als 100 Gefangene wurden cingebracht.

Östlicher Kriegsschanplchtz.

Die Gesamtbeute der Operationen gegen die Inseln im Rigaischen Meerbusen beträgt: 20130 Gefangene, über 100 Geschütze, davon 47 schwere Schiffsgeschütze, einige Re­volver-Kanonen, 150 Maschinengewehre nnd Minenwcrfer, über 1200 Fahrzeuge, gegen 2000 Pferde, 30 Kraftwagen, zehn - Flugzeuge, 3 Staatskaffen mit 365 000 Rubel, große Vorräte an Verpflcgvngsmitteln und Kriegsgerät.

Zwischen Ostsee und Schwarzem Meer kam es nirgends zu größeren Kampfhandlungen.

Mazedonische Front.

Bei Regenwetter ließ vormittags die Gefechts- tätigkeit nach. Abends nahm sie bei Monastir, im Eeruabvgen und vom Ostufer des Warvar 6*3 zum Dviransee wieder an Heftigkeit zu.

Der Erste Grneralquartiermeister: Ludrndorff.

Oer Krieg gegen Rußland.

vie Lage bei der Gstseeflotle und in Petersburg.

8. Stockholm, 23. Okt. lEig. Drahtbericht, zb.) Die Mannschaft der iiissischen Ostseeflotte nimmt den gegenwär­tigen Augenblick, wo die Zukunft von ihrer .Haltung abhängt, zu einem erneuten Vorstotz gegen Keren ski wahr und lezeichnet seinen Tagesbefehl an die Flotte nach der deutschen Landung auf Osel als eine Herausforde­rung Tie Krnferenz von Mannschaften der Ostseeflottc fordert vom Petersburger Arbeiterrat die ,E n t f e r n u n g KerenSkis, der in seiner Rede die Revolution beschimpfe. Die allgemei-e niilitärische Lage gilt gegenwärtig in Petersburg als u n k l a r. Dort versichern die Blätter nach Infor­mationen ans militärischen Kreisen, datz der Generaljtab in svatesiens^ fünf Tagen die Pläne der Deutschen durch- sciauen könne. Rach der „Börsenzeitung" ist auch die NäumungvcnHelsingforS geplant. Generalgouver- neuc Reki-isow begab sich nach Petersburg, um dort den Plan der Evakuierung den Regierungsbehörden vorzulegen. Der finnische Senat wurde von der Räumungsabsicht nicht in Kenntnis gesetzt.

Br. Lugano, 23. Ott. (Eig. Drahtbericht. zb.) 3B : e -Secdlo" aus London meldet, erwartet man jeden Augenblick die Hiobspost van der Übergabe oder Vernichtung der blockier­ten russischen Osts«flotte. In Petersburg brach eine ungeheure Panik aus. Die Petütsburger Bevölkerung flieht

mit allen verfügbaren Mitteln nnd verbreitet dabei die Panik im ganzem Hinterland.

Zeppelinfurcht in Petersburg,

W. T.-P,. Amsterdam, 22. Okt. Einem hiesigen Blatte zufolge meldet die „Times" aus Petersburg, datz alle wich­tigen Munitionsfabriken aus Petersburg ent­fernt wurden. Man fürchtet, datz Zeppeline bald bis Peters­burg kommen werden.

w«chsende Anarchie in Rutzland.

TDA. Berlin, 22. Oft. (zb.) „Rutzkoje Wjedomosti" vom 5. Oktober bringen die letzten Nachrichten aus der Provinz und Moskau unter folgenden Überschriften: „Unruhen in Taschkent." „Vergewaltigung des Gerichts" (Kiew). „Kon­ferenz der Industriellen des Dougebietes" (stellt den bevor­stehenden Zusammenbruch der Industrie fest). „Kasiation der Wahlen." „Widerstand gegen die Behörde" (Ufa). „Soldatenunruhen in Hömel." „Anarchie im Starobjolski- Bezirk." „Agvacunrnhen" (in ven Gebieten Taganrog, Tamhow, Sorski, Orgijew). „Schließung von Geschäften" sPoltawa). „Plünderung von Waggons" (Kiew). „Volks- tumulte" (Odessa). „Ausstand der Apotheker (Moskau). „Vor dem Telephonausstand.'

Weiteres Sinken des Nubelkurses in London.

— Berlin, 23. Okt. (zb.) Die „Deutsche Tagesztg." meldet ans Petersburg: Der Rubelkurs in London hat sich neuerdings stark verschlechtert.

Oie Rdmiralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 22. Okt. (Amtlich.) Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz wurden durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote wiederum

15 000 Bruttaregistertonncn

versenkt. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ein bewaffneter, anscheinend mit Erz beladener Dampfer, ferner die englischen Schoner „Dalcyone" mit Kohlenladung und „Oihuci" mit Porzellanerde nach Lepve. Eines unserer U-Boote hatte im engli­schen Kanal ein Gefecht mit einer U-Bootsfalle in Gestalt eines versteckt bewaffneten Dreimastschoners, in dessen Verlauf der Segler zwei Treffer erhielt, rinen durch die Takelage, einen mitten in den Schiffs­raum. Der Ehef des Admiralstabs der Marine.

Auffallender Rückgang des Schiffsverkehrs dcr Entente.

«.Br. Zürich, 23. Okt. (Gig. Drahtbericht, zb!) Die „Zürcher Ztg." meldet, datz in der zweiten Oktoverwoche 22 große englische, französische und italienische Handelsschiffe mit über 1600 Tonnen Inhalt versenkt wurden. Alle Be­richte balbamtlicher Agenturen lassen einen ganz auffallend starken Rückgang des Schiffsverkehrs erkennen.

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Abberufung des deutsche» Marineattachds in Spanien?

Br. Zürich, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die „Neue Korrespondenz" meldet aus Madrid: Der deut­sche Marineattach6 o. Horn sei auf Verlangen Spaniens abberufen worden. Die französische Regie­rung sei um freies Geleit ersucht worden, was sie be- des Havas-Bureans nicht in unversehrtem Zu­sammenhang mit dem Entweichen des in Spanien interniert gewesenen U-Boots stehen.

Oer Verlust unserer Zeppeline auf französischem voden.

W. 7.-P. Sisteron, 22. Okt. (Meldung der Agence Havas.) Der Zeppelin „L 48" war wegen noch nicht festgestellten Ursachen gezwungen, zwischen Niffon und Chäteau-Ncuf zu landen. Nach der Lrndung Wirde das Luftschiff von der Mannschaft verbrannt, die ans dem Kommandanten Kölle, Oberleutnant S:z und !9 Mann bestand. Sie sind sämtlich von Einwohnern verhaftet »rnd nach Laragne verbracht worden, wo sie gegenwärtig ^fingen gehilten werden.

W. X.-B. Chanmont, 22. Okt. • (Meldung der Agence Havas.) Der Zeppelin .,L 45' landete heute morgen 1 Uhr 49 Minuten bei Bourbonne-les-Bains. Der Führer des Luftschiffes und 19 Mann der Besatzung wurden gefangen genommen.

Auch das Wrack von „L. 49" zerstört.

A.G. Genf, 23. Okt. „Progrds de Lyon" meldet: Das deutsche Luftschiff „L. 49" ist entgegen der Meldung reits zugestanden habe. Die Abberufung soll ini Zu­stand geborgen worden. Nur die Motors sind intakt, das G e r ü st dagegen zersplittert. Eine Verwendung des Lufftchiffes ist daher unmöglich.

Oie Demission des Gesamtkabinetts »on poincartz abgelehnt.

W T.-B. Poris, 23. Okt. lDralhtberickt. Agence Havas.) Nqch der Sitzung des Kabinetts am Montagabend begab sich P a i n l e v e z u Poincare, um ihm das En tlasfung s- gesuch des gesamten Ministeriums zu unterbrei­ten. Poinca-re erwiderte, daß' die Kammer am Freitagabend dein Mnvilste.rrum ihr Vertrauen ausgesprochen habe, und se.t- .dem keime andere Meinung geäußert habe. Er glaube des­halb daö Entlassungsgefuch nicht a n n e h m e n zu können,

und bat PninlevL, es zurückzuziehen. Infolge dieser Ableh­nung stellten die Minister ihr Entlassungsgesuch Painleve zur Verfügung, der die Lage prüft. 4

Ag. Genf, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Pettt Pari- sien" meldet: Painleve konferierte gestern stundenlang mit StaatSminisier Barthou, der wiederholt Äs Nachfol­ger Painleves genannt Wuw>e.

Ribot bei PoincarL

Br- Zürich, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus PavlL wird gemeldet: Wie die „Information" erfährt, fand eine Un­terredung Rilots Mit Poin care im Elysee statt, bei eiste große Bedeutung beigemessen wich.

Br- Basel, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Laut „Mattn" hatte Painleve gestern zahlreiche Besprechungen, u. a. mit Ivan Dupuh, Franklin Boullmn und Loucheür; er begab sich hierauf zu Ribot.

Eine neue Rede Lloyd Georges.

W. T.-B. London, 2.3. Okt. (Drrhtbericht.) Lloyd George hielt am Montag in der Albert Hall vor einer gewrUigen Zuhörerschaft eine Reoe zngrnsten der nationalen Sparsamkeit. Er wies darauf hin, datz durch die Ein­schränkung, die sich die Engländer auferlegt hätten. 5 bis 7 Prozent an Nahrungsmitteln, d. h. mehrere hunderttausend Tonnen, erspart wurden. Dann sprach er von den riesen­haft großen Kriegskosten, über die ihn jedoch der Umstand tröstet, datz England in dem Krieg die Tttkraft seiner Bevölkerung und die Sicherheit seiner Grenzen vermehrt habe, rnd daß der größte Teil der Schulden in der eng-, tischen Familie bleibe. Lloyd George fuhr fort: Ich kann nicht voranssagen, wann das Ende desKrieges kommen wird. Kein verständiger Mensch möchte ihn nur eine Stunde ver- längern, wenn die Gelegenheit für einen wirklich dauernde« Frieden gegeben ist (Anhaftender Beistill.), nicht für einen Frieden, der das Vorspiel zu einem neuen, einem verwüsten­den Krieg bildet. Wie Sie sich denken können, suche ich mit der größten Sorgfalt den Horizont ab, aber ich vermag nicht zu eikennen, datz irgend welche Bedingungen in Sicht seien, die zu einem dauernden Frieden führen könnten. Ich habe das Gefühl, datz die Bedingungen, die jetzt möglich sein wür­den, solche wären, die auf einen Weg voll Waffen hinaus- lairfen würden. Ich möchte sagen, auf einen Waffensttll- stand in Waffen, der mit einem noch schrecklicheren Kampfe enden Nürdc. Der Krieg ist über jedes Matz furchtbar. Aber 'o schrecklich er an sich selber ist, noch furchtbarer ist er in den Möglichkeiten neuer Schrecken zu Land, zur See und in der Lust, die er enthüllen wird. Ick fordere diejenigen auf die unter uns etwa nach einem verfrühten Frie­den reden, sich einen Augenblick zu überlegen, was sich er­eignen würde, wenn wir zu einem nicht zuffiedenfiellenden Aisschlutz kämen. In allen Ländern sind die besten Köpfe der Wissenschaft angespornt von nationalem Wetteifer, natio­nalem Hatz und nationalen Hoffnungen. Sie werden ihre Kräfte für 10, 20 oder 30 Jahre der Aufgabe weihen, die zerstör enden Mächte zu vergrößern, jener ftrccktbaren Werkzeuge, deren Macht sich den kriegführenden Völkern erst innerhalb der letzten beiden Monate erschloß. Dem müssen wir ein- für allemal ein Ende mache n. Die Luftwaffe, in ihren Anfängen unbedeutend, und die Waffen der Tiefe' sind außerordentlich entwickelt' ebenso all die chemischen Elemente, die zum erstenmal ausge- nrtzt worden sind, Wenn sich das nach 30 Jahren wissen­schaftlicher Arbeit in der Anwendung wiederholt, glauben Sic mir. dann sind es die Männer und Frauen hi-er in dieser Halle, die den Tod der Zivilisation mitansehen wer- i-en. Einem Streit dieser Art muß jetzt ein Ende gesetzt werden

Es ist wesentlich für die zukünftige Wohlfahrt des

Menschengeschlechts, daß die Entscheidung jetzt in diese«

Kampfe erreicht wird,

durch die die rohe Gewalt für immer von dem Throne ge­stoßen wird, so datz unsere Kinder nicht zu den Furcht- l ackerten und Schrecken, verurteilt sein werden, die d:e lebhafteste Einbildungskraft Nicht auszumalen verniag. Deshalb setzen , wir alle unsere Kraft darein, den wiichtigen Arsgaibg dieses Streits jetzt zu erzielen. (Beifall.) Könnte mich jemaird ffagen, ob eine solche Bei- legung tnuerhailb unmittelbarer Reichweite ist? Ich sagte bereits, daß Äes nach mdnöm Dafürhalten nicht der Fall i> st. Deuffchlaud würde jetzt meines Erachtens einzig zu einem Frieden bereit sein, zu Bedingungen, die e» :.n den Stand setzen würden, aus diesem Krieg Nutzen zu ziehen, indem es die Welt nach seinem Wunsch stutzt.

Das würde heißen, daß Deutschland aus feinem eigenen srevelhaften Wagnis Nutzen hätte, das würde eine Ernrutiyung für irgend ein frSideudeoiges Reich der Zukunft bedeuten, das gleiche Experiment z» wiede.rholen. Der Mißerfolg Napoleons verschaffte Frankreich eine Lehre, die es niemals vergaß, und die gleiche Lehre mutz' in das Herz und Gedächtnis eines jeden Preußen eingebrannt werden, bevor dieser .Krieg zu Ende ist. (Lebhafter Beifall.) Mitten unter allen Beratungen über Bedingungen und Zuge­ständnisse hier und dort müssen wir unsere Augen feist auf v e große Ausgabe des Kriegs gerichtet halten. Es ist nicht die Frage nach territorialen Berichtigungen, nutzer noch solchen, die für dje Anerkennung nationaler Rechte »ot-