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Verlag Laaggasse 21

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Sonntag, 21» Oktober 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 537. 65. Ishrsang.

Siegreich in der Sst- und Nordsee.

Stolz können wir auf Me Taten unserer Flotte sein. Bei uns braucht niemand zu fragen. Wo bleibt die-deutsche Flotte? Warum greift sie nicht ln die Kämpfe ein? Ist es ihr bisher auch nur ein ein­ziges Mal vergönnt gewesen, ihre Kräfte mit dem Geg­ner in großer Seeschlacht zu messen 'und die englische Flotte zu schlagen, so war das Ausbleiben weiterer ent­scheidenderer Seekämpfe nicht die Schuld der deutschen Flottenleitunq. Der Feind war es. bei es nicht wagte, sich zum Entscheidungskampfe zu stellen, obwohl in Eng­land und Frankreich zahlreiche Stimnien laut würden, die eine erhöhte aktive Tätigkeit der englischen Flotte forderten. Ist es nach der Schlacht ani Skagerrak auch zu keiner großen Entscheidung zur See niehr gekommen, so haben doch zahlreiche Teile der deutschen Seestreit- kräfte sich während des ganzen Krieges überaus tätig gezeigt, verschiedene kühne Unternehmungen auSgesührt, und sind überall, wo es möglich war, dem Gegner aus den Leib gerückt. Das seebeherrschende England hat es sich gefallen lassen müssen, daß deutsche Schiffe ver­schiedentlich einen Vorstoß gegen die englifchen Küsten ausführten, und die englischen den und Vertcidi- gungsanlagen erfolgreich beschossen. Auch wir können mit Recht die Frage aiftwerfen, Wo bleibt da die englische Flotte?

Unter Mitwirkung unserer Flotte ist das Unter­nehmen von Osel erfolgreich fortgeführt worden. Nach der Eroberung von Lsel selbst ist auch die I n s e l M o o n besetzt worden. Sie liegt zwischen Osel und dem Festlande (Estland) und wird von ibm durch den Moon- sund getrennt, der während des Krieges von den Russen so vertieft worden ist, daß er auch ftir schwere Seestreit- kräfte befahrbar ist. Es ist derjenige Meeresarm, auf dem die Russen in der Regel oon Reval und Baltisch- Port in den Rigaischen Meerbusen einfuhren. Erst mit der Besetzung der Insel Moon wi-' g der deutschen Führung möglich sein, d.m Moo.chund gänzlich zu sperren, sei es durch Ausleaen von Minen, sei es durch die Tätigkeit unserer leichten Seestreitkräfte. Außerdem liegt die Fahctrinne, im wirksamsten Feuer­bereich aller schweren Küstenbatterien, die auf der Insel Moon aufgestellt werden. Dadurch wird nicht nur die Aufräumung etwa gelegter Minenfelder, sondern auch jedes Vordringen feindlicher Streitkräfte erfolgreich verhindert. Jetzt erst ist der Rigaische Meer- busen vollkommen gesichert und kann von allen deutschen Schiffen gefahrlos befahren werden. Andererseits sind wir in der Lage, mit unseren Kriegs­schiffen durch den Moonsund nach Norden vorzustoßen, um den Eingang in den Finnischen Meerbusen zu gewinnen. Immer deutlicher tritt hervor, welchen wichtigen Stützpunkt für die Fortführung aller Operationen die Inselgruppe von Oiel bildet, wrc emp­findlich sie die russische Nordslanke bedroht und wie günstig sich die allgemeine Lage im Osten durch das siegreich ducchgeführte Unternehmen von Osel, an dem unsere Marine einen so reichen und erso'sgreichen Anteil hatte, gestaltet hat. Auch unsere Truppenlandung a u f D a g ö ist ein Ereignis, das in dieser Hinsicht hoch bewertet werden muß.

Vergebens hatten die Russen gehofft, daß die eng­lische Flotte ihnen zu Hilfe kommen würde, Wie wenig die englische Flottenleitung an ein so weit reichendes Unternehmen denkt, hat der kühne Vorstoß leichter deutscher Seestreitkräfte nach den Shetlands- r n s e l n gezeigt. Die englische Flotte kann nicht ein­mal ihre eigenen Gewässern sichern. Die Mietlands­inseln liegen nördlich der Nordspitze von Schottland und den Orkney-Jnseln und stad von der Helgoländer- Bucht etwa 500 Seemeilen entfernt. Es ist das erste Mal, daß deutsche Flottenteile einen so weiten Vorstoß unternehmen, der sie weit über die Nordspitze Shet­lands hinausfichrt. Dort, inmitten des um England gelegten Sperrgürtels, ist ein großer Gelertzug von 13 Fahrzeugen einschließlich zweier moderner englischer Zerstörer versenkt worden. Abgesehen von dem schweren materiellen Schaden, der danrit deni Gegner zugefügt wurde, bildet dieses Unternehmen ein weithin sichtbares leuchtendes Zeichen von der Tatkraft und Unternehmungslust unserer Flottenterle und von dem gänzlichen Versagen des seebeherrschcnden Albions. Groß muß der Eindruck davon in allen feind­lichen und neutralen Ländern sein. Mögen die Neu- ttalen nun endlich »rkennen, was es in Wirklichkeit mit der englischen Seeherrschaft auf sich hat. In der Ostsee üben die deutschen Schifte Me Herrschaft unbeschränkt aus und schreiten dabei von Erfolg zu Erfolg. In der Nordsee führen deutsche Flottentefte erfolgreiche Streifzüge und Unternehmungen aus, bedrohen die englische Küste und vernichten den englischen Handel. Wo aber bleibt die englische Flotte?

Die Vernichtung des Geleitzuges von 13 Schissen und 2 englischen Zerstörern.

W. T.-B Lhristiani«, 20. Okt. (Drahtbericht,) Wie der kom­mandierende Admiral mitteilt, ist ein Rettungsboot mit dem Kapitän und 7 Manu des norwegische» DampfersHabil" sowie einem schwedischen Kapitän hier cingetroffen. Die Geretteten melden, daß ein aus 12 Schissen bestehender Gcleitzng Mittwoch früh 7 Uhr, etwa 115 Seemeilen westlich Marstencr, von zwei deutschen Kreuzern angegriffen wurde. Die geleitenden Fahrzeuge sowie 8 Handelkschisse wurden versenkt, darunter die vier norwegischen Habil",Srriaug",Scha" undThristine". Später wurde dem kommandierenden Admiral gemeldet, daß 51 Mann von den folgenden Schiffen eingebracht wurden: Ein Mann vonChristine", zwei von dem schwedischen SchissWikendez", neun vom schwedischen Schiffe Wistur", 11 von , Sortaug", 7 vonSilja" und 7 vonHabil". Nach Aussage der Überlebenden waren die von den deutschen Schiffen versenkten Geleitschiffe die beiden englischen Zer störe: M a r y Nos e" undI n d f u l".

Versenkt'

W. T.-B. Kopenhagen, 20. Okt (Draytbericht.) Der Minister des Äußern teilt mit: Der dänische DampferStella" auf der Fahrt von Norwegen nach England, wurde am Mlttwoch- vrrmittag versenkt. Von der Besatzung sind wahrscheinlich 7 Mann gerettet. Das Schicksal der übrigen ist unbekannt.

weiteres über bis Unternehmung gegen Gesel.

W. T.-B. Berlin, 20. Okt. (Drahtbericht.) Zu der Un­ternehmung gegen Osel .erfahren wir weiter: Während die ersten Marinetruppen und Radfahvevaibteilungen der Armee nach Niederkämpfung von Toffti bei Pam« rot an Land gesetzt waren, ging gleichzeitig der Hauptteit der Flotte in der Kassarbucht vor Anker und landete hier.eine große An­zahl Truppen, die in schnellem Vormarsch nach Süden und die Halbinsel Sworbe abznschneiden strebten. Nach Beendigung der Ausschiffung ging dieser Teil der Flotte nach Süden. Miliiensuchoevbäirde mußten hier längere Zeit im Feuer der feindlichen Brttecien aus der HMrinsel Sworbe aioeiten, bis die deutschem Kriegsschiffe die modernen 3 0,5- Ze n tr me t e rg« schü tz« niedergekämpft hatten, dann konnten, während größere Minensuchverbäinde das Fahr­wasser von zahlreichen russischen Minen säuberte, der Vor­marsch-wach Oste» ans ArenSbuwg angetvcten werden. Die Insel Rund im Rigaischen Meerbusen wurde durch einen Offizier und 16 Manu, die aus schwimmenden Seeslug­zengen dorthin gebracht wurden, g e n o m m e n. Ferner wurde idie Insel Abo besetzt und die malrtärischen und Hwsenanlagen der aus dem Festland belegenen russischen Sta dt. P e r n a u verschiedentlich von Luftschiffen mit eifier großen Zahl Bomben belegt. Rach der Eroberung von Arensburg durch die deuftchen Truppen nahm der in den Rigaischen Meerbusen eingedrungene Teil der Hochsee­flotte Kurs aus den Süd aus gang des Moon­sund e s und kam hier mit russffchen Seestreitkräften in eui Gefecht, nachdem diese sich zunächst in den Moonsund zu­rückgezogen hatten. Hierbei ivuvde das ruffftche Linienschiff ,Slaw a" durch Artilleriefeuer vernichtet und sank in der Nähe der am Moonsund liegenden Insel SchiDau, wäh- - vend eS demZ ä s a r « w i t f ch", dem23 o j a n" und ande­ren russischen <Ä,estreitkräften gelang, 'ich im Schutz ihrer Minensperre nach Norder: zurückzuziehen. Die deutschen Minensuchveribände gingen im Feuer der feindlichen Geschütze von Moon und Werder unter großen Schwierigkeiten n a ch Norden vor, nachdem die Batterien von den deuftchen Kriegsschiffen niedergekämpst und vernichtet waren, drangen diese noch Säuberung des Fahrwassers durch K u n w a l t vor. Zu gleicher Zeit machten die deutscher: Truppen auf Osel, unterstützt von Fahrzeugen des Fregattenkapitäns von Rosenberg, einen Übergang nach der Insel Moon, die sie nach kurzer Zeit nahmen.

Die Eroberung »on Krensburg und der Halbinsel Sworbe. ~

Br. Berlin, 20. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus Arensburg drahtet der Berichterstatter derBoss. Ztg. ': Schon am zwecken. Tag der Landung aus Osel gegen i Uhr war eine Patrouille von vier Manu wird einem Offizirrstellvcrrceter durch die feindlichen Linien und Truppen bis nach Arensburg in kühnem Handstrerch vorge­drungen. Gegen 9 Uhr früh hatte sich das Gerücht verbreitet, daß die Deutschen vor der Stadt ständen. Lin Teil der russi­schen Besatzung, die seit dem Fall von Riga um zwei Bataillone verstärkt war, versuchte sich nach Zerel durch­zuschlagen, der andere Teil 'zog aus der großen Straße nach Moon in beschleunigtem Rückzug ab. Der die Patrouille führende Offizier ließ sich die Stadt- und Archivschlüssel übergeben und nahm wichtige militärische Meldungen ent­gegen, Gerade als er sie aufnotterte, drangen von allen Seiten die berittenen Grcnzwächter in die St;rot, so daß sich die Patrouille durch die Scharen durchschlagen mußte ES gelang, dem Offizier, mit zwei Mann zu entkommen. Die beiden arideren wurden gefangen gerrominen, aber von den Russen später zurückgelassen. Arensburg selbst ist un- zerstört in unsere Hand gefallen. Biele Vorräte wurden erbercket. Tie Bevölkerung begrüßte unsere einzieheuden Truppen als Befreier. Das an dem linken Ufer der T a g g a l u ch t ausgesetzte Regiment war in südlicher Rich­tung sofort gegen die Halbinsel Sworbe marschiert, ohne

zunächst auf kräftigen Widerstand zu stoßen. Am 14., morgens, standen unsere Truppen vor den russischen Stellun­gen. Ein Oberleutnant wurde als Parlamentär aus- gekckickt. um die russische Besatzung, die abgeschnitten war, zur ül ergäbe aufzufordern. Da der Parlamentär bis zu den frühen Stunt en des 13. nicht zurückkam, wurd-> der An­griff zwischen 9 und 10 Uhr angesetzt und die russischen Stellungen irn Sturm genommen. Die Besatzung floh w eiter nach Süden. Der deutsche Parlamentär kam mit einer» russischen Oberleutnant zurück. Die Verhandlungen Winten eirgeleitet, hauptsächlich über die Frage, ob die russi­sch;» Offiziere die Säbel behalten dürften. Die Russen hofften auf Enftotz durch die Flotte. Um 3 Uhr nach­mittags sah man von Arensburg die Rauchfahne der , Slawc', die von Torpedobooten begleitet war. Ein kühner Angriff deutscher Marineflieger verhinderte die Landung. Noch wollten die russrschen Offiziere den Widerstand auf­nehmen, aber die Mannschaft, die aus Zerel staftoniert war, weigerte sich schließlich, an dem Kampf teilzunehmen. So wurde um 12 Uhr nachts die ehrenvolle Kapitu­lation der Besatzung angenonimen.

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Tie russische Flotterevolutionärer als je zuvor".

8 . Stockholm, 20. Okt. (Etg. Drahtbericht. zb.)Rjotsch" sagt, daß in Rußland alle Blicke jetzt aus die Flotte gerichtet seien. Alle beten dafür, daß die Flotte ihre Pstlcht erfüllen möge. Reuter leistete uns Russen einen schlechten Dienst, als er die Nachricht über eine Rsvoluftonierung der deutschen Flotte in die Welt hinaustelsgrapchierte. Es wirkte in .Ruß­land, Mmal in der Marine, als Dolj.ewiki-AgitaticmSstoft, und die Deuftchen konnten ihre Landung nicht nur durch dich- ten Nebel, sondern auch durch «inen geradezu diaboli­schen Leichtsinn der russischen Nation begürfttigt vor­nehmen. Die deujftche Flotte, welche man kampsunsabig wähnte, tat vielmehr alles, um ihre militärische Ehre rein­zuwaschen. Die Stimmung in der russischen Flotte ist revolutionärer als zuvor. Den Auftus Kerenskis an die Flotte hat der Soldatenrat im Kronstadt zm- rückgewiesen, der seinem Standpunkt im folgender Resolution zum Ausdruck bringt: Die neue KocckitionsLeyierung ist eine Vereinigung der Anhänger Kornilows mit dem Leitern der Demokratie. Nur der ökonomische Zerfall treibt d.rs Land in den Bürgevkrieg. Me K r o n st a d t e r Garnison vevw-eigert mit Snftch:<edemheit der. Regierung jede Unter­stützung zur Vernichtung der Revolution,

Die Stimmung in Petersburg wird jetzt bei dem anhal­tenden deuftcheer Ersolgem täglich nervöser, die Presse schlägt darum Beruhigungstöne am, so schreibtArmee und Flotte": Die späte Jahreszeit macht die Annahme wahrschein­lich, daß .die Eröberung vom Osel den Schlrrß des.deutschen Herbstftldzugs 1917 bildet. Die Deutschem Awingerr uns, durch Bedrohung unserer rückwärtigen Verbindungen, bedeu­tende Truppenmassen von der bisiherigm Front mach anderen Stellen zu senden.

Maßnahmen zur Räumung Petersburgs.

XV. T-B. Petersburg, 20. Okt. (Drahtberrcht. Telegraphen- agentur.) Dir Blatter melden, daß angesichts der neuen Lage die Regierung Maßnahmen zur demnachstipen Räumung der Hauptstadt treffen wird. Ein Sonderausschuß wurde zu diesem Zweck gebildet. Die Iiegiervng wird sich wahrscheinlich nach Moskau begeben, wo sie sich rni Krcmel cmrichten wird. Man glaubt, daß die versa sfungge den de Versammlung ebenfalls in Morkan ihren Sitz nehmen wnd. Me Räumung vurch die Regte- rrlng und ihre Organe wird übrigens nicht den Charakter einer Überstürzung tragen, sondern sich allmählich nur im Falle unbe­dingter Notwendigkeit vollziehen. Was das Vorparlament betrifft, welches bestimmungsgemäß niorgen seine ersten Sitzungen in Petersburg abhaiten wird, wird dieses auch ;päter nach Moskau übersiedeln.

Das russische Vorparlament.

8 . Stockholm, 20. Okt. (Eig. Drahtbevicht. zb.) Das russische Vorparlament soll am 18. Oktober (russischer Kal-emdsr) eröffnet wenden. Es besteht aus 555 Mit­gliedern, wovon 338 Vertreter demokratischer Verbände sind.

painleve erkämpft sich ein nochmaliges Vertrauensvotum.

W. T.-B. Paris, 20. Okt. (Meldung der Agence Havas.) Deputierte »kam in er. Der republikanische Abgeord­nete Riboire sagte in Begründung seiner gestrigen Inter­pellation über die allgemeine Politik de: Regierung, die bisher befolgte anZwärtige Poliftk sei nicht diejenige Ribots, sondern Frankreichs. Er schloß mit der Aufforde­rung an die Regierung, ihr Programm bekannt zu geben. Puech erklärte, ec veciveigere der Regierung sein Vertrauen, weil es Ribot nicht verstanden habe, die Einigkeit herzu­stellen und diese auch nicht mehr Herstellen könne. Er machte Painleve den Vorwurf, daß er es an Festigkeit bei verschie­denen gerrchtlrrhen Angelegenheiten habe fehlen lassen, namentlich bei den Anklagen gegen Dtalvy. Darauf bestieg Pa : nleve die Tribüne,

Painleve begamr. Indern er crkrärre, die Debatte mußte eine Entscheidung h e r b e i f ü h r c n. die es der Regie­rung ermögliche, sich zu vergewissern, ob die Kammer ibr Vertrauen zur Regierung Wecker beibehalte, die ihr Werk in dem Sinne der Kammer focftetzen roolle. Ich bin über­zeugt, fuhr er fort, daß die Alliierten den Step in tzxx