Sette 2. Frettag. 79. Oktober 1W17.
Es folgen Petitionen. Die Petition des Echuhver-
Landes für deutschen Grundbesitz in BecLru um ^'lbernahure SerHaftungfür nach st eilige Hypotheken in der Itbcrgaugszert durch die Gemeinden unier fördernder Mitwirkung der Reichs- und Staatsorgane wird durch Übergang ßur, TcgesorLr.uug erledigt. — Di« Petition des preußischen Stadteioges m Berlin um übecnayme der gesamten Kriegsberhilfen fiir Volksschüler aus Staatsmitteln wird zur Berücksichtigung überwiesen.
... T^eSordnung ist erschöpft. — Nächste Sitzung uube- U'mmt. nicht vor Ende November oder Anfang Dezember. Ler Präsident wicd ermächtigt. Tag litxD Tagesordnung fest- -»setzen. — SMkß 31/2 Uhr.
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Oie preußische Wahlrechtsvorlage.
j. B £,..^ etI *”' Drahtbericht, zb.) Wir
• Rundschau aus varlamentarischen Kreisen . wrrd sich der preußische Ministerpräsident Dr.
M rchae.lt s bei der Einbringung der Regierungs- Vorlage über dae Wahlreform und die Umgestaltung des Herren hanies einführen. Man Nimmt an, daß die preußische StaatZregierung diese Vorlagen emschlreßlich derjenigen über die Ände- rung der Wahlkreiseintei!un g und des Handelskammergesetzes als ein organisch zusammen- hangendes^ Ganzes vertreten wird. In der Vorlage über die Umgestaltung des Herrenhauses dürfte auch die Frage der fetzt geltenden Berufung auf Lebenszeit chre endgültige, Entscheidung dahin finden, daß diese Prüfung aus ore aus königlichem Vertrauen Berittenen beschrankt blerbt. wahrend für alle aus den Wahlen her- vorgegangenen Mitglieder fünfiübrige Wahl- z e t t e n tn Betracht kommen. Das Herrenhaus wird in ferner Neugestaltung größere Aufgaben zu erfüllen haben und daraus werden sich längere Tagungen er- geben. Es muß daher auch die Frag? der Gewährung von Anwesenhsitsgeldern für die Mitglieder eine Rege- lu ng erfahren. _
Deutscher Reich.
Sie Abstimmungen der Unabhängigen Sozialisten.
Berlin, 1b Oh (zb.) Der „Vorwärts" beantwortet die «rage., was die unabbängigen Sozialisten für Frieden u« ^reihen getan haben, folgendermaßen: Sie haben gestimmt gegen den Verftandigungsfrieden, gegen die Besteuerung der Ltriegsgcwinne, gegen die Befreiung der Gewerkschaften von den Festem des politischen Vereinsrechtes, gegen die Auf- bcbnng der pol, tischin Zensur, gegen das Kapitalabfindungsgesetz und gegen bie Aufhebung des Artikels 9 der Reichs-
beteutrt'bStte **" Bc * llw ber Parlamentarisierung
DaS Zeichnungsergebnis. W. T.-B. Berlin. 18. Ott. v Die Meldungen der VMmittLungSstellen über di« Ergebnisse der Zeichnungen auf die 7. Kriegsanleihe lausen bei der Rerchsbank in Berlin erst währemd des Freitags ein und »Eden dafeibst in per Nacht ans den Samstag zusammen- güftÄlt Frühestens im Laus des Samstags bann folglich ein vorläufiges Ergebne, b^annt gemacht werden. Sollten vor- her Zuchten genannt werden, so beruhen sie auf Schätzungen nnd Vermutungen ohne siche« Grundlage.
Hindenburgspende und Ostpreußenhilfr. W. T.-B. Ber- IiTh 18. Oh Seitens des Reichsverbands der Ostpreußen- * Hilfe wurden Genevalfeldmorschall v. Hindenbuog anläßlich seines 70. Geburtstags 100 000 M. für Wohlfahrtszweckc in Ostpreußen zur Versiegung gestellt. Der Feldmarschall nahm diesen Betrag mit Dank an und bestimmte, daß die Surnme .für den weiteren Ansibau der landwirtschasüichen Lehranstalt für Kriegsbeschädigte Allenstein verwendet werden soll.
SNe*d«Senrr Ta,«„N.
Wiesbadener Nachrichten.
— Mißbrauchte Feldpost. Nicht selten werden ans Post-' karten, die von Scldoten ansgehen und mit Recht als „Feldpostkarten" bezeichnet werden, von Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten Zusätze gemacht, indem diese auch ihrerseits Mitteilungen für den Empfänger beifügen older ihm Grüß« und dergleichen zugehen lassen. Es wird davans aufmerksam gemacht, daß solche MitteÄnngen Nichlheeresamge-
lsetzung.) Nachdruck
Zrau Mannas Ehe.
Roman von Erna Weißenborn-Dancker.
„Du nicht, liebes Kind", erwiderte Henriette langsam. „Aber dein Mann und sein Geschäft vielleicht."
„Kuckuck", kicherte die kleine Schwarzwälderuhr aus dem Nebenzimmer in die letzten Worte hinein und Frau Hanna drückte ihr erblaßtes Gesicht wie erschrocken über dieses spöttische Lachen in das Polster des alten Sessels.
Fred Lenz aber hatte plötzlich blitzende, zornige Augen.
„Das war überflüssig", sagte er kalt. Und dann zu Hanna gewandt mit dem Nerinch, lustig zu scheinen: „Sre könnten mir einmal den Garten zeigen. Will doch sehen, ob die alten Bunkhardtschen Bäume noch so ehr- würdige Gesichter machen wie früher."
Sie ging mit, ohne die Schivägerin noch einmal an- zusehen. Er wandte sich im Türrahmen um und grüßte flüchtig. Dann nahm er Hannas Arm.
„Was war das für ein danials. Frau Hanna? Aber was frage ich. Man hat eben über mich geschimpft, wie so oft, und Sie nahmen den in Schutz, den Sic nicht einmal kannten. Wie soll ich das nur gutmachen?"
, „Das ist ja lang vorbei", wehrte sie ab und verzog die Lippen, als wolle sie lächeln.
„Ich danke Ihnen tausendmal", fuhr ec fort. „Sie dürfen das aber nicht noch einmal tun. Sehen Sie mul, mir schadet es nicht, wenn sie über mich herziehen, ich darf auch offen dagegen auftreten, aber Sie sollen sich nicht um meinetwillen in Ungelegenheiten bririgen."
„Sie meinen also, mir könnte es schaden, wenn ich — ?"
.„Gott — was man so schaden nennt."
, »Dann", sie sah ihn trostlos an. „Dann hat Hen- rrette also recht, dann hängt Konrad, sein Geschäft. —
ich, von der Suade der Bunkhacdts ab."
höriger portopflichtig sind, und daß ihre Anbringung auf Feld- Postkarten als ein Mißbrauch der P 0 rt 0 fr e iche, t angesehen wird, der nach den Bestimmungen des Pojtgefetz»s von den PusiibeHörden zu verfolgen und mit mindestens 3 M. ZU. bestrafen ist. Der gleichen Strafe sitzen sich diejenigen aus auch Militärperfonen —, welche bei Sendungen, die re-rn gewerbliche Angelegenheiten betreffen, den - Permerk „Feldpost" anwenden, denn die Pvrtofverheit soll nur der Abwicklung der persönlichen Beziehungen des zum Heeresdienst b«iocmgezi>z?nen Staatsbürgers zugute kommen, nichr aber sinnen geschäftlichen Interessen dienstbar gemacht werden — Das Kreiskomitee vom Roten Kreuz, Abteilung 10 (Rechtsauskunft für Kriegsteilnehmer), teilt mit. daß es seine Geschäftsstelle von Mainzer Straße 25 (Soldatenheim) nach dem König!!. Schloß, Mittelbau' recht? 1. Stock.' Zimmer 200. verlegt hat.
— Zum Sachverständigen in Reblaus-Angelegenheiten
für die Provinz Hessen-Nassau wurde durch den neuen Oberprastdenten der Gärtner Monist König bier ernannt
— KriegsanSzeichnungeu. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe wurde verliehen' dem Feldwebel Wilhelm Schott von hier, dem Karl M. Simon, Unierosfizier und Qnariicrmeister in einem Fcldart.-Negt., Sohn des Herrn Moritz Simon. Frankfurter Straße, hier, dem Land- slurmmann Friedrich Gang hier. ,
— Weitere Schulzeichnungen. Die Zeichnungen auf die 7. Kriegsanleihe durch Vermittelung des König!. Gymnasiums be- laufen sich aut 08085 M. — In der Niederverg-Mittel- schule erreichte die Summe 46 655 M.
— Stellennachweis fiir kaufmännische Angestellte. Bei der Der-
wrttlnngslielle im Arbeitsamt wurden im Monar September d. I. 133 offene Stellen, davon 81 für weibliche Kräfte, neu gemelvet. Eingetragen als Stt'llmfficküvdc wurden 35 männliche und 77 Weid, liwe Bewerber. Vermittlungen kamen 164 zustande, darnntcr 7g durch Zuweifmig von weiblichen Angestellten. Die Hälfte der gemeldeten offenen Stellen fiel unter das Hilfsdienstgesetz. Die Zahl der zu besetzenden Stellen hat gegen den Vormonat etwas zugenommen, das gleiche gilt von her Anmeldung von Bewerberinnen, unter denen viele Anfänge, innen mit nur theoretischer Ausbildung vertreten sind. Daaeoen meldeten sich iveniger inäunliche Bewerber als im Barmouat. Don diesen wird jetzt öfters Kur,- und Mrschinen- fchrist gefordert, bierin besitzen aber wenige Bewerber Fertigkeit:
— Kleine Notizen. Am Wiesbadener Konsecvato- r i u m (Rheinstraße 64) findet Samstag, abends 7 Uhr, der 146. Bor. tragsabend ,Mittel, und Oberklosten) statt. TS gelangen Soli für Klavier. Biiline und Cello zum Vortrag.
Fsraekitischer «otterdien». JsraektttlSe KuNu,qe«
meinte. Sdnaglpe- Michelsberg. Gottesdienst in der Haupt- svnaavge- Freitag' abends 51h Uhr, Sabbat: morgens 6 Uhr, nachmittags 8 Uhr. Ausgang 6.10 Uhr. Wochentage: morgens 7 Uhr, cbends 5% Uhr Die Gemeindebibliothek ist geöffnet: Dienstag-
nachmittags von 8 bis 41h Uhr.
Alt-Israelitische Kulturgemeinde. Synagoge, Fricdrichsnatze 33. Freitag: abends 5 Uhr. Sabbat: morgens
Uhr, Vortrag 10% Uhr, nachmittags 3 Uhr, abends 6.10 Uhr. Wochentage: morgens 7 Uhr, obends 4% Uhr.
Talmud Thrro-Verein (E. B.) Wiesbaden, Kleine Schwalkacher Straße 10. Sabbat-Eingang 5 Ubr, morgens 8.30 Uhr Mincha 5 Ubr, Ausgang 6.10 Uhr. Wochentags: morgens 7 Ubr' Maarif 8 Uhr _
Kur dem Landkreis Wiesbaden.
Erbenheim, 18. Olt. Die Schnlzeichnungen auf die 7. Kriegsanleihe betrugen 2135 M. Vermittelt wurden durch die Lehrer bei Privaten 66 605 M. DaS Gesamtergebnis betrug 178 135 M. _ ^
aus Provinz und Nachbarschaft.
ht. Frankfurt fl. M.. 17. Okt Der vom Lanvwittschaftlichen Verein heute am Ostbahnhof veranstaltete ArbertSpferde- markt war von mehr als 200 Tieren beschickt um erfreute sich eines äußere,deutlich starken Besuchs von Käufern und Psi-rdelieb- hadern. Bei der augenblicklichen Gettflüsstgkett in landwirtschaftlichen Kreisen setzte das Geschäft von vornherein lebhaft und fest ein. Für gute Pferde wurden anstantslos dis zu 7000 M. bezahlt, ein Pferd ging sogar für 7500 M ,n andere Hände über. Pferde mittlerer Oualität fefictcn bis 4000 M Zu Mittag war der Markt nahezu geräumt CchlaSupferde standen abermals nicht zum Verkauf. •
h. Limburg, 18. Okt. Heute nachmittag stürzte aus dem Fenster des im 2. Stockwerk des Landratsamtes belegenen KreiSausschuß- bureaus der 27 Jahre alte KreisauSschuß-Assijtent Lin,. Cr frei auf den Lahnwcg und blieb bewußtlos liegen. In anscheinend schwer- verletzten, Znstan' wurde er in? St. Vinzenzhospital gebracht.
Morgen-Bv?gak>e. Erstes Blatt. Nr. 333.
bis. Kaffel, 18. Okt. Ein schwerer Unglücksfall mit tödlichem Ansgang ereipnete sich gestern abend auf dem öenachburten Bahnhofe Eschenst,uth der Kafscl-Waidkapelle-Bahn. Ein junges Mädchen stieg vorzeitig aus dem Zug. rmfchtc dabei vom Trittbrett ab, geriet unter die Räder und wurde aus der Stelle getötet.
Sport.
Pferderennen.
Berlin-Karlshorst, 18. Okt. '(Eig. Drahtbericht.) 1. R. 16 000 Mark. 4400 Meter. 1. Mg Deutsch. Sportvereins „Lucarne" (Falke), 2 „Voigt". 3 „Marchese". Sieg: 102:10: Platz: 33, 20:10. — 2. R. 10 000 M. »200 Meter. 1. A. Robitschecks „Fortuna 2" (Sandmann), 2.. „Onix", 3. , Korrespondenz". Sreg: 71:10; Platz: 18, 82, 23:10. — 3. R 500C- M. 3400 Meter. 1. K. v. Tepper- LasktS „Quiri" (Gerhardt), 2. „Eigenlob", 3. „Kobold". Sieg: 90:10; Platz: 24, 21. 31 10. — 4 Großes Hürdenrennen. 20 000 M. 4000 Meter. 1. Stall Bollendorfs „Pfau' (Lewicki), 2. „Litronelle", 3. „Donlidocus" und „Thu's feste". Sieg; 34:10; P'atz: 17, 22. 11, 11:10. 5. R. 10 000 M 3600 Meier. 1. O. Kampfhenkels „Hera' (Ein- smger), 2. „Earlkw.indc", 3. „Kaffeetante") Sieg. 52:10; Platz: 18,
30, 30:10. - 6. !lt. 5000 M. 3000 Meter. 1. G. KucklickS „Leopard" (Unruh), 2. „Mentone", 3. „Indus". Sieg: 193:10; Platz: 28, 21, 15.10. — 7. R. 5000 M. 1400 Meter. 1. E. Wolffs „Salaz y Gomcz" (Sticlau), 2 „Lulu", 3. „Mikroskop" Siez: 77:10; Play:
31, 35, 20:10.
Gerichtssaal.
* Der Entmüi'dignngsprozeß des Prinzen Friedrich Leopold Sohn. VS. T.-B. Berlin, 17. Okt. In dem Prozeß d'.s Prinzen Friedrich Leopold Sohn wurde die vorläufige Entscheidung verkündet. Der Gerichtshof verkündete zunächst ein Teilurtei, und dann ein Zwischemirteil. Die Klag«, soweit sie sich gegen den König von Preußen kezw, gegen seinen Vertreter richtete, wurde abgewiesen. Zweiten- wurden die gegen die 'Rechtsgültigkeit der allerhöchsten Kabinettsrrder vom 19. Juni 1917 und des bisherigen Verfahrens erhobenen Einwendungen als unbegründet verwerfen. Sodann wurde betreffs der materiellen Begründung der Entmündigung Beweiserhebung beschloffen. Ec- soll über die Behauptung ves Klägers de- tteffs seiner Anschaffungen und über den Wert ver angeichafsten Sachen bezw. ihre Beräußerungsmoglichkeiten eine Relye von Zeugen und Sachverständigen vernommen werden.
Handelsteil.
Berliner Börse.
$ BeiUn, 18. Okt. (Eig. Drahtbericht.) Nach der kräftigen Abwärtsbewegung der letzten Tage machten sich heute Bestrebungen zu Gewinnsicherungen geltend, womit bei Schwankungen ein Gefühl der Unsicherheit in die bisher so feste Grundstimmung getragen wurde. Auch die bislang lebhafte Geschäftsbetätigung hat nachgelassen. Im Verlaufe bekundete der Markt auf dem für die bisher bevorzugten Werte leicht ermäßigten Kursstände gute Wieder- standskraft; die Kursbilduug bleibt aber uneinheitlich. Von Einzelheiten ist hervorzuheben, daß oberschlestsche Montanwerte stärker abbröckelten, wogegen rheinisch-westfälische sich besser hielten. Niedriger notierten auch die meisten Rüstungs-, Sohiffahrts- und Petroleum werte. Feste Haltung bewahrten chemische, Hektrizitäts- und AutomobQ-Aktien, sowie die Mehrzahl der Nebenwerte.
Marktberichte
W. T.-B Berliner Produktenraarkt Berlin, 18. Okt (Drahtbericht.) Der Waggo.imangel wirkt augenblicklich wieder sehr ungünstig auf den Warenverkehr ein. Heu und Stroh fallen fast ganz aus und auch die Angebote von greifbaren Rüben sind nur gering. Abschlüsse in Waren auf Abladung werden infolge der Verkehrsschwierigkeiten, die einen bestimmten Liefertermin ausschließen, kaum getätigt. Im Sämereigeschäft ist keine Änderung eingetreten. Die Nachfrage der Händler für Wicken, Seradeila und Grassämereien kann nicht voll befriedigt werden.
Die Morgen-Ausgabe umfaßt 8 Seiten.
HauptschrMleiter: A. Heger Horst.
LeranNvertüch für oeuvche Politit: A. Hegerhorst: für Au-kanhDi»oiitfti Dr phil. K. etutm- für drn ÜnlerhaliungSIeil: B ». Nauendorf fst, NaLriünen aus Wiesbaden und den Aachbarbezirlen: I H Diesenh.ch' 5! b'^es-nba»; lür Suo« und Lustf°?ri I e BüHadeT;
^nr m i!!?9u, U ' B * ^".deieUaslrn T Lotacker; für den Haudeidlefl W Sh: ^ ^Uizeigen und Reklamen: H. Dornauf: sämtlich in cköie-baden «ruck und Bcriag der L Schellenborg-fcheu Hos-Buchd^et in «.-.da»«.
„Wir wollen einmal ganz vernünftig sprechen", ent' schied er ernst. „Wissen Sie. !vas ein Betriebskapital ist? — Nun ja, solch ein Kapital steht in den meisten größeren Betrieben, die BunkhardtS haben es stets durch die Familie bekommen. So ist es auch jetzt noch. Wür- den nun die Tante und seine Schti>estern das Geld einfordern. so wäre Konrad gezwungen, ffemdes Kapital aufzunehmen. Das könnte dem Ruf seines Unter- nehmens Schaden bringen."
„Kann es denn nicht so weit kommen, daß Konrad das Geld selbst besitzt?" fragte sie zaghaft. „Vielleicht, wenn wir ganz sparsam leben würden?"
„Die Bunkhardts sind die letzten, die mehr verbrauchen, wie nötig ist", meinte er. „Die Dienerschaft, Gesellschaften, gutes Essen und Trinken, das gehört eben zu dem alten Hause am Markt, das kann es sich leisten. Ob das andere, das was Sie meinen — ich weiß es nicht. Ich glaube aber eher nein wie ja."
„Don Geschäften verstehe ich so wenig", murmelte sie, stehenbleibend. Es mutzte ganz plötzlich über sie gekommen sein, sie warf mit einer jähen Bewegung den Kopf herum, drückte die Stirn gegen den alten Nuß- bäum, der ihre „Insel" überschirmte, und wointe herzbrechend. Es war ein leidenschaftliches, trotziges Kin- derweinen, er hörte daraus, wie iung sie bei all ihrer frühen Reife noch war. Ungeschickt, wie er sich bei sol- chen Gelegenheiten stets erwies, verlegte er sich aufs Trösten. Als das nichts hals, zog er ihr behutsam die Hände vom Gesicht und begann zu bitten. Sie sah zum ersten Male, wie weich und ernst die Schalksaugen zu blicken vernwchten, und fühlte, wie gut es tut, wenn eine liebe bang? Stimme versucht uns einen Kumnier auszureden. Mit einem letzten Ausichlucken ttocknete sie sich die Augen.
„Sie haben recht, Fred. Das war dumm und ganz gegen die Verabredung, di-- ich mit mir getroffen. Ich will besser auf mich achten."
„Das Amt nehme ich gern aus mich", versuchte er
tu scherzen.
^Sie seufzte leicht auf und stieg mit etwas müden Schritten die Stufen zu ihrem „Eden" hinauf. Er war mit zwei Sprüngen ebenfall oben.
„Nanu", meinte er, verwundert das eiserne Gitter- turchen betrachtend, das zwischen dem Buschwerk her- vorschrmmerte.
„Das war mein Wunsch", erklärte sie rot werdend. „Ich wollte etwas haben, das ganz mir allein geliört."
„Dann muß ich wohl draußen bleiben?" forschte er.
. „Kommen Sie nur", sagte sie leise. „Sie gehören ia zu denen, die ich lieb habe." v
. In ihm regte sich etwas ganz Wunderliches. Die feme Frauengestalt unter den überhängenden Zweigen, das dunkle Grün um sie herum und das Eisentürchen, wie es leise klirrend hinter ihm ins Schloß fiel, das alles kam ihm vor wie ein lieber, licktheller Traum Er war sonst keiner von denen, die wunschlos einer schönen Frau gegenüberstehen, aber er fühlte, daß die da anders war wie die Frauen, die bisher in sein Leben getreten. Da hatte er nur immer zugegrfffen, rote Lippen mit stürmendem Mund genommen, wie man ein Sektglas hebt und leert, jetzt stand er still und schauerte wie^ ein Bub zusammen als eine ter feinen tociftcn «ande sich zu ihm hinüberstr"ckte und eine junge Stimme bat: „Setzen Sie sich zu mir. Fred."
„Er gehorchte und blickte ebenso verträumt in die grünen Wipfel, wie die zarte Frau an seiner Seite.
"3® ^tii ganz anders wie sonst", gestand er plötzlich nachdenklich. „Da ist Ihr Weinen schuld. Frau Hanna."
Ihre Hände sanken langsam in den Schoß
„Warum sie mich nur all? nicht leiden können?" fragte sie unsicher.
„Mich können sie auch sticht leiden", gab er zurück „Wir sind eben aus einer anderen Welt wie sie."
„Vielleicht beide aus derselben, Fred." Sie sagte es ganz mechanisch und doch mit einer bangen Fraae
lm Ton. (Fortsetzuna folgt.)
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