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Mittwoch. 17. Oktober 1917. KbeNd-KUSgLlbe. Nr. 530. . 65. Iahrgang.

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Asel jetzt ganz in deutschem Besitz!

Grohe Brände durch unsere Flieger in Nanzig.

Der Tagesbericht vom 17. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 17. Oll. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

In Flandern schwoll der Artilleriekampf vom Lberschwemrnrrngsgebirt von der Äser bis zur Lns gestern wieder zu erheblicher Stärke an. In einzelnen Abschnitten war die F r u r r k r a f t am Abend und auf der ganzen Front heute morgen gesteigert.

Ansirr Erkundungsgesechten, die auch zwischen dem Kanal von La Baffee und der Scarpe zahlreich waren, kam es nicht zur Infanteriekampftätigkeit.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Der F-eucrkampf nordöstlich von S o i s s o n s dehnte sich gestern seitlich aus und war zeitweilig sehr heftig; er hielt auch nachts a».

In der westlichen Champagne, in den Argounen und aus dem östlichen Maasufer erreichte die Artillcrietätigkeit gleichfalls größere Heftigkeit als in den letzten Tagen.

Zehn feindliche Flugzeuge und ein Fessel­ballon sind gestern ahgeschossen worden. Leutnant von Bülow brachte seinen 23. nnd Leutnant Böhme den 20. Gegner im Luftkampf zum Absturz.

Dünkirchen wurde von unseren Fliegern erneut nnd mit erkannter Brandwirkuny durch Bomben angegriffen.

Zur Vergeltung für Bombenwürfe feindlicher Flieger auf offene deutsche Städte wurde die im französischen Operationsgebiet liegende Stadt Nanzig von uns mit Bomben beworfen. Große Brände waren die Folge.

östlicher KriegsschKilPlatz.

Dir auf der Insel S w o r b e noch Widerstand leistenden feindlichen Kräfte wurden gestern durch unsere Truppen überwältigt.

Die Insel Ö s c l ist damit völlig in unserem Besitz.

Die Beute mehrt sich; gestern wurden mehr als 110 0 Gefangene eingebracht.

Unsere Seestreitkräfte hatten nördlich von Öse! und im Rigaischen Meerbusen mit russischen Zer - stürern und Kanonenbooten Gefechte, die für un8 günstig ausgingen.

Ohne eigene Verluste wurde« die feindlichen Schiffe zur Umkehr gezwungen.

Mehrere Luftschiffe bewarfen P e r n a u mit Bombe»; große Brände brachen dort aus.

Auf der festländischen Front lebte die Gefechts­tätigkeit beträchtlich auf; vordringendc Streifabteilungcn der Russen wurden vertrieben.

Mazedonische Front.

Keine größeren Kampfhandlungen.

Der Erste Generalquartiermeister: Lvbendorff.

Unzutreffende russische Meldungen.

W. T.-B. Berlin, 16. Oft. (Amtlich.) Wir erfahren von zuständiger Quelle: *Dec amtliche russische Bericht vom 14. Oktober meldet den Verlust von einem kleinen Kreuzer und vier Torpedobooten. Wie aus dem deut­schen Bericht hervorgeht, war bis znm 16. Oktober kein außer zwei zum Minensuchen bestimniten Fischüampfern an der Unternehniung beteiligtes Kriegsfahrzcug ver­loren gegangen. Dagegen ist ein kleiner Transport- dampfer auf eine Mine geraten. Mannschafts- Verluste sind - hierbei nicht cinaetrelcn. Ebenso wenig zutreffend ist der im amtlichen russischen Bericht vom 16. Oktober gemeldete Verlust zweier deutscher Torpedoboote im Kassar-Wiek. Der von uns genom­mene Zerstörer „G r o m" ist bei unseren Einbringungs­versuchen gekentert und gesunken.

Die Darstellung der russischen Kdmiralitäl.

W. T.-B. Petersburg, 15. Oft. Die Admiralität teilt mit: Heute nachmittag 4 Uhr wurde unsere aus vier Torpedobooten und zwei Kanonenbooten zu­sammengesetzte Streifabteilung, welche die Durchfahrt des Sölasundes kreuzte, von einem an der Küste westlich der Meerenge befindlichen deutschen Groß­kampfschiff beschossen. Unser Torpedoboot „Grom" erlitt starke Beschädigungen. Unmittelbar danach drangen 12 deutsche Torpedoboote neuer Art, von anderen begleitet und gedeckt, durch das Feuer des erwähnten Großkampffchiffes, in den Sölasund ein. Unsere Streifabteilung nahm den Kampf auf, in dessen Verlauf das Panzerkanonenboot „Chrabry" das Torpedoboot unter deftigem feindlichen Feuer zweimal ins Schlepptau nahm. Die anderen Torpedoboote schützten es, indem sire m en erjü±Ur­

ten Kampf mit dem Feinde unterhielten, welcher be­sonders auf „Chrabry", „Grom" und das Kanonenboot ,.Neor" (?) feuerte. Aur letzteren! brach, nachdem alle Geschütze außer Gefecht gesetzt waren, ein heftiger Brand aus. Die Schlepptrossen brachen, und bald darauf sank das Schiff. Da? Panzerkanonenboot „Chra­bry" näherte sich trotz heftigen feindlichen Feuers aber­mals, um das Torpedoboot „Grom" ins Schlepptau zu nehmen. Dies gelang aber nicht. Darauf ging die Mehrzahl seiner Besatzung auf „Chrabry" über, wäh­rend das Torpedoboot sank. „Chrabry" feuerte stark und versenkte ein feindliches Torpedoboot. Bald darauf kamen andere Torpedoboote zu Hilfe» Unsere Verluste auf den anderen Schiffen sind bedeutungslos. Der Be­fehlshaber der Flotte stellte die Nachhaltigkeit und Stärke des Feuers und die Fähigkeit unserer Kanonen­boote fest, besonders des Vanzcnkanoncnbootes „Chrabry", des Kanonenbootes „Chiwinecz" und der Torpedoboote „Subijaks", „Pobjöditel" und „Konstan­tin", welch letzteres die ganze Last des Kampfes gegen den an Zahl überlegenen Gegner zu tragen hatte. Nach der Aussage von Zeugen sind zwei feindliche Torpedo­boote gesunken. Zwei andere wurden ernstlich beschädigt.

Auf der Insel ü s e l verstärkt sich der Feind an­dauernd. Beunruhigende Nachrichten kommen über den Zustand unserer Batterien bei Z e r e l (Swalferort) auf der Halbinsel Sworbe, welche die Einfahrt zum Riga- schen Meerbusen sperren.

Unmittelbare Bedrohung Revals?

Berlin, 17. Okt. (zb.) Wie die Mailänder Blätter aus Petersburg weiten, wird in der russischen Hauptstadt die Besetzung der Inseln Ösel und Dugö als unmittelbare Be­drohung Revals aufgefatzt.

Russische Bewunderung des deutschen Vorgehens auf Gefek.

Br. Haag, 17. Okt. (Erg. Drabtbericht. zb.) „Nowoje Wremja" meldet laut „Morning Post"' Die deutschen Operationen gegen Osel waren mit großer Sorg­falt vorbereitet. Die Stellungen aller russischer Batterien waren vollkommen bekannt. Alle Truppen­gattungen waren vorzüglich gegliedert und mit den ihnen obliegenden Aufgaben vertraut gemacht worden. Auch zur See haben di? Deutschen eine geschickte Kriegslist angewendet. Leichte Seestreitkräfte der Deutschen haben 50 Kilometer von Riga entfernt dis Stellung der Bojen, dis die dortige schwierige Fahr- sttaße markierten, verändert. Als darauf russische Torpedoboots ausfuhren, ttieben verschiedene von ihnen auf die Küste zu. Wenn auch keine Verluste zu be­klagen waren, so waren die russischen Schiffe für einige Zeit doch schlecht orientiert. Demzufolge konnte nicht rechtzeittg davor gewarnt werden, daß die Deut- schen eine Landung in Szene setzten. ' Außerdem wur­den die Operationen durch Nebel begünstigt.

Panik» in Petersburg.

W. T.-B. Bern, 17. Okt. (Trahtbericht.) Das „Journal" meldet aus Petersburg' Die Bekanntgabe der Besetzung Ssels hat große Besorgnis erregt. Man hält die von der Regierung' getroffenen Schutz­maßnahmen allgemein für unwirksam. Der Generalstab und die Minister treffen Maßnahmen, um einer Offensive gegen Petersburg zu be­gegnen. Die Lage hält man für e r n st, aber noch nicht für verzweifelt, da Petersburg noch nicht unmittelbar bedroht ist. Unter der Bevölkerung ist eine offene Panik ausgebrochen. Unzählige Personen ver­langen auf den Bahnhöfen Fahrkarten nach dem mitt­leren Rußland. Pessimistische Gerüchte sind im Unllauf. So heißt es, daß alle Amtsstellen die Hauptstadt ver­lassen. Der Minister des Innern gibt bekannt, daß ein derartiger Entschluß noch nicht gefaßt worden ist. Die Panik wird von dem Berichterstatter selbstverständlich auf die Tättgkeit deutscher Agenten zurück- geführt. _

Die Rdmiralstabsmeldung.

Neue Erfolge des „U. 39".

W. T.-B. Berlin, 16. Okt. (Amtlich.) „U. 39" unter seinem in den Kricgsjnhren hervorragend bewähr­ten Kommandanten Kapitänleutnant Forstmann versenkte unter anderen Erfolgen vor der Straße von Gibraltar fünf wertvolle Dampfer mit über 20 000 Bruttoregistertonnen, und zwar die bewaff­neten englischen Dampfer „Rormanton" (3862 Ton­nen), „M'Mexsatio" (3817 Tonnen), „Almora" (4385 Tonnen), „Nucoria" (4702 Tonnen) und den japani­schen Dampfer „Hikosan Marn" (3555 Tonnen). Tic innerhalb drei Tagen vernichteten Schiffe hatten zu­sammen 31500 Tonnen Kohlen als Ladung. Davon waren mehr als 26 000 Tonnen für den Win- terbedarf Italiens bestimmt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Das Eindringen unserer deutschen Zeestreitkräfte in den Rigaischen Meer­busen.

XV. T.-B. Berlin, :7. Olt. (Amtlich. Twahtbevicht.) Nach der Niederkämpfung schwerer Batterien auf der Süd- spitze der Insel Ö s e l sind unsere Secstreitkräfte in de« Rigaischen Meerbusen einge'ornngen. Sie haben ihren Vor­marsch nach Osten am 17. Oktober fortgrsetzt und be­herrschen das Seegebiet bis zum Mohnsund.

Ter Chef deS BdmiralstabeS der Mltrine.

per Beginn einer neuen Generalostensive der Entente.

Br. Genf, 17. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der „Matur" schreibt: Der unternommene neue Angriff in Flandern Ren­tei den Beginn der angekündigten Generaloffensive der Entente, die in Mandern postierten französischen Dwt- sionen hätten wieder in den Kamps eingegriffen nnd den größten Erfolg des Sieges (?) davcmge tragen.

Die preuhische Wahlrechtsvorlage.

Br. Berlin, 17. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) E>ne Nach­richtenstelle meldet, die beiden Gesetzentwürfe über die Ände­rung des Wahlrechts zum Abgeordneterchans und die Zns-rm- mensetznng des Herrenhauses sind inzwischen von den beteilig­ten Ämtern fertiggestellt, so daß ihre Vorlage nunmehr im Staarsminister > rrm erfolgen wird, wo ihre Veraoschie» dung in kürzester Zeit zu erwarten ist.

Ein neuer französischer Gencralstabschef.

W. T.-B. Paris, 16. Okt. (Aigenre .HabaS.) DivffionS- geneva! Alby wurde an Stelle des Generals Dupm«t zmn GoneraHstabschef ernannt.

Abgeordnetenhaus.

W. T.-B. Berlin, 16. Oktober.

Am Regiernngstisch: Sydow, TvewS.

Präsident Dr. Graf v. Schwerin-Löwiy eröffnet die Sitzung um 3,25 Uhr mit folgender Ansprache: Meine

HerrenI Wir treten heute in unsere vierte Kriegs­wintertagung ein. ■ Ob wir seit unserer letzten Tagung dem ersehnten Friedensziel eines siegreichen Krieges wesent­lich näher gekommen sind, wer wagte e§ zu sagen? Nilr das eine dürfen wir sagen: Die Hoffnung unserer Feinde, unS durch die Fortsetzung des Krieges mit der zahlenmäßigen Überlegenheit niederzuzwingen oder die militärische Gesamt­lage auch nur ini mindesten zu ihren Gunsten ändern zu können, :st trotz der riesenhaften Vorbereitungen ihrer An­griffe und der rücksichtslosesten Einsetzung ihrer Kräfte auch im vierten Krieassommer wieder vollkommen gescheitert. (Zustimmung.) Das Wort Hindenburgs: „Unsere

Truppen stehen bombenfest", hat sich, wie alle seine Vorarrs- tz igen, resrlo s b ew ähr) , (Beif all.) Da M kom mt, daß.