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Verlag Langgasse 21

Tagblatthaus".

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Tagblatthaus" Nr. 6650-53.

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mÄaöi!m?d.7La-L-l^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berli» Potsdamer Str.121 K

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Sonntag, 14. Oktober 1917.

Michaelis und die «eichziagrmehrheit.

O Berli», 12. Oktober.

Ob wir eine offene oder eine schleichende Kris eh oben, ob nur die Ahnung einer kommenden K^e ^re Ge­müter erfüllt oder ob wir schon mitten m dem Wirrwarr stecken, der fo oder so zur Lösung drangen mutz, icden- falls ist der Zustand unbehaglich. Er kann nrcht bler- ben. wie er ist, aber die Möglichkeiten, rhn zu andern, wollen sich noch nicht klar abzeichnen. darüber ist wohl kein Zweifel, daß die Wirksamkeit de?- neuen Reiais- kanzlers weithin als beträchtliche Enttäuschung zu buchen ist. Diese Enttäuschung äußert such natur- gemäß verschieden je nach dem Temperament der ern- zelnen Parteien, je nach den herkömmlichen formen ihrer Ausdrucksweise. Sie wird in der schärfsten Ton­art von den Sozialdemokraten kundgetan sw nimmt etwas mildere, jedoch nicht weniger deutliche Formen bei der Fortschrittlichen Volkspartei an, sie dampft etwas ihre Stimme, insoweit es sich um das Zentrum Handel.., sie wird auch von den Nationalliberalen nrcht ver­schwiegen, nur daß sie hier einstweilen das Gewand der Behutsamkeit trägt. Aber vorhanden ist ste. Diele Unzufriedenheit mit Herrn Michaelis darfnimr ver­hehlt werden. Sie ist vielleicht nichtsroßer unü nicht allgemeiner als die, deren Opfer Herr v. -dcthmann Hollweg wurde, aber sie findet nrcht die Gegenweitc, die unter dem früheren Reichskanzler dennoch wirksam waren und die in der persönlichen Wertschätzung dieses Mannes lagen, den man seit langen Zähren kannte, zu dem sich ein Verhältnis der Vertrautheit mit seinen Vorzügen wie mit seinen Fehlern, nnt seinen seden- falls gewinnenden menschlichen Eigenschaften heraus­gebildet hatte. Es wird naturgemäß ledern Beurteiler sernliegen, dem neuen Reichskanzler als Menschen und als Charakter auch nur von weitem mißtrauen zu mol- len Davon kann gar keine Rede fern, indessen man kennt ihn doch kaum, er ist uns als ein Fremder vor den Reichstag und vor die Osfentlichkeit getreten und er hat sich erst das Kapital z» erwerben, das seinem Vorgänger nach jahrelanger Tätigkeit und vor der Volksvertretung wie von selbst zur Vmst'gung stand. Darum hat es Herr Michaeli? ungleich schwerer als Herr v. Bethmann Hollweg, iind was sich in den letzten Tagen ereignet hat, das ivar gewltz nicht dazu angetan, ihm seine Aufgabe zu erleichtern. Die Rerchstagsmehr- heit wünscht geklärte Verhältnisse. ste will nicht immer von Fall zu Fall und unter fortgesetzten Reibungen mit dem verantwortlichen Staatsmann arbeiten, sie be- gehrt nach einem s i ch e r e n V e r 81 t n t s des gegen- festigen Vertrauens, nach entschlossener Beendigung dieses gegenwärtigen Zustandes einer schillernden Un- bestimmtheit, in der jeder Tag neue unliebsame Ube» raschunaen bringen kann. Di? Mehrgest Will einen Reichskanzler haben, den sie als ihren Bevollmacyttg- ten in der Leitung der RmchsPolttck betrachten kann, sie Ordert einen Kanzler, der es in den Fingerspitzen hat, cb er die Fühlung mit dem Reichstag .aesttzt oder ob er auf schwankendem Boden jedesmal von frischem suchen muß wie er mit der Mehrbest wohl einigermaßen glimpflich zustande käme. Die Mehrheit steht unter dem unerfreulichen Eindruck, daß diese ihre Wunsche und Forderungen zurzeit keine Erfüllung finden. Es acht im gegenwärtigen Augenblick und m der ocson- deren Frage des Verhältnisses zu Herrn Michaels gar nicht so sehr um die vielberufene Parlamentisie- r u n g, es geht um die Frage, ob dre K o n t a I t- keitung überhaupt ordnungsmäßig zu arbeiten ver- mag und diese Frage wird auch dort verneint werden, wo eine Übertragung des parlamentarischen Systems auf unsere Zustände abgelehnt wird._ Was baBci nurt* mehr herauskommen kann, darüber ledoch laßt sich so leicht nicht urteilen, wie es viele tun, die erne neue Kansterkrste sür etwas Unabwendlrch-'s' halten. Man muß auf den Unterschied zwischen der Stellung des Herrn v. Bethmann Hollweg und der-emgen seines Nachfolgers zu sehr einflußreichen Schichten und, Per­sonen aufmerksam machen um zu begreifen, datz stch die Dinge nicht so einfach vergleichen lasten. Herr von Betbmann Hollweg fand außerhalb der setzigen Mehr- beitsparteien mehr Widerstände als innerhalb dieses Parteienbereichs. Da ihn aber auch niemand von der Mehrheit so recht halten wollte, konnten sene Wider­stände genügend erstarken, itm ihm fern amtliches Da- sein unmöglich zu machen. Es steht mit Serim Michaelis nicht so, es steht vielmehr gerade nnigekehrt. Er kann sich auf Richtungen -stützen, die seinem Vorgänger ent- gegen waren, nnd wenn die Reichstagsmehrhest mir ihm weniger im Einklang ist als mit Herrn v. Beth- mann Hollweg, so muß man '''ch zugleich klarinachen, daß auf diese Weise ein Machtkampf von ganz anderer A'-t als der frühere nahen könnte, sob-ild die sogenannte schleichende Krise von heute zuni Austrage gebracht werden sollte. Wir können diese Zustande, nur an­deutungsweise berübren. aber niün wiro ste ia auch so Verstehen und seine Schlüsse daraus ziehen. Inzwischen

Morgen-Kusgabe.

wstd ja die Vertagung des Reichstags bis zum 2. De­zember eine gewisse Schonzeit bedingen, und es wird m

veiriisr. Aver iri vieie auji ü--

beginn der Tagung werden doch 'chwerwregende Ent schlösse fallen, von denen es alsdann abhangen wird, welche Stellung die Mehrheit zum Kanzler anzu- nehmen beabsichtigt. Wir denken dabei an die oevor- stehende Beschlußfassung über die Zukunft Elsaß- Lothringens, und wir denken auch an die Form und das Wesen, womit das preußische Wahlgesetz endlich indas Licht treten soll. Freilich wird man erwarten mussem daß gerade die Lösung dieser beiden Aufgaben durch den Reichskanzler und Ministerpräsidenten auf die ein- zelnen Glieder der Mehrloeit verschieden wirken wird, daß das, was der einen Partei mißfällt, der anderen oder einer Gruppe von anderen gefallen kann. Nach einer Erklärung des Grasen Hectlrng über Elsaß- Lothrinaen ist es uns beispielsweise einigermaßen zwei­felhaft, "ob die Errichtung eines selbständigen Bundes­staates der Reichslande, wie ste von mehreren Par­teien entschieden gefordert wird, auch dem, Zentrum durcblvea willkommen wäre. Was sodann die preußi­sche Wohlreform anlaugt, so wird -s geraten fern, ähn­liche Vorbehalte nach der Seite sogar mehrerer Par- toten zu machen Bei solcher Verschiedenheit der Grund- anschauungen müßte es freilich um so mehr die Auf­gabe des verantwortlichen Staatsmanns mm, sich m engster Fühlung mit der Volksvertretung zu halten, ste nickst durch Überraschungen zu verblühen, wie es in der leidigen Dienstagssitzung des Reichstags geschah,- und seinen Standpunkt stets innerhalb des Kreises zu wählen nicht an der Peripherie und erst '-echt nicht a"ßeihalb. Daran hat cs Hern- Michaeli? bisher fehlen lassen daher diese unaufhörlichen Miß ver- ständnisse und Reibungen. Immer noch hat er e§ in der Hand, ein gutes Verhältnis zur Mehrheit anzubahnen, aber zuweilen ist man im Zweifel, ob er das überhaupt will. Sollte er es nicht wollen, dann allerdings würde eine unvermeidliche Entwicklung doch wohl schneller verlmlfen, als es ilnter anderen Umstän­den der Fall zu kein braucht.

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Staatssekretär v. Capelle zurückqetreten!

Sr. Berlin, 13. Ott. (Eig. Drahtbe-richt. zb.) DerL.A." meldet: Der Staatssekretär deS ReichSmarincamtS v. Capelle hat sein Abschiedsgesuch unter Darlegung der Gründe ringer Acht. Die von anderer Seite gebrachte Behauptung, daß er in seiner Erklärung im Reichstag über die mit dem Reichskanzler getroffene Vereinbarung hinausgc- gangen ist, ist unrichtig

Deutsche Ztreilkraste auf der Insel Gsel.

Der deutsche Kbendberrcht vom 13. Oktober

XV.T.-B. Berlin, 13. Oft., abends. (Amtlich. Drohtbericht.',

In Flandern wechselnd starke Feuertätigkeit. Keine Jnfanteriekämpfe.

An den übrigen Landfronten nichts von Bedeutung In gemeinsamer Unternehmung haben Teile des Heeres und der Flotte auf der Insel Lscl im Rigaischen Meerbusen Fuß gematzt. ^

Gesterrelchisch-ungarischer Tagesbericht.

\V T -B- Wien, IS. Okl. (Di abtbericht.) Amtlich verlautet vom 13. Oktober, mittag!: Im Osten nnd in Albanien bei unseren Truppen nichts Neues.

Am I > o u 3 o und an der Tiroler ^ttni kam e» an zahl­reichen Stellen zu lebhafterer Gcschütztätigkeit. Südlich des Pele- ariniiales Volten unsere Stoßtrupp:-, durch Ttand^Lutzcn ver stärkt, Gefangene und Krregsgerät aus der feindlichen Stellung.

Der Chef des Generalstabs.

Der Kotier in vulgarie».

W. T.-B. Sofia, 13. Oft. (Drahtbericht. Agence Bulgare. An der gestern abend im königlichen Palast zu Ehren er­lauchter Gäste veranstalteten P r u n k t a f e l najmcn 78 Per fönen teil, vor allem Kaiser Wilhelm, Prinz August Wilhelm, der König mit der ganzen königlichen Familie, Staatssekretär v Kühlmann, der deutsche Ges mdte mit dem Personal der Gesandtschaft, die Gesandten der verbündeten Länder mit den Militärattaches, hervorragende Mitglieder der Regierung, Oberbefehlshaber Schekow, die Armeekommandanten, Gene- ralstabsckess usw. Anschließend felgte Empfang, an dem Abgeordnete fast aller politischer Parteien und hervorragende Mitglieder der deutschen Kolonie, rm ganzen fast 100 Per­sonen, teilnahmen. Im Lause deS Empfangs hielt der Kaiser Cercle und plauderte mehr oder weniger lang mit den an- weselckrn politischen Persönlichkeiten.

Die Begrüßungsrede des Königs Ferdinand.

W. T.-B»' Sofia, 13. Oft. (Drahtbe.richt. BuLgauischL DeleyraphLria-gentur,) Bei tzer Galataj«! M: König

Nr. 524. . 65 . Iahrganz.

Ferdinand folgende Rede: Eure Majestät! Der heutige Tag. ail dem cS mir vergöunt ist, den mächtigen Herrschendes edlen deutschen Volkes in Sofia willkommen zu heißen, ist ein Er­eignis von hoher geschichtlicher Bedeutung nicht nur für mich und inein Land, sondern auch für den ganzen Orient. Mit mir begrüßen meine Armee und mein , Volk den erlauchten »obersten Krtogsherrn des mächtiHen Deutschen Reichs, den treuen -Bundesgenossen und aufrichtigen Freund Bulgariens. In meinem Namen und im Namen aller, dank der gemetnsamen Mftabbeit des ruhrnreichen deutschen Heeres und meines bewaffneten Volkes, unterstützt von unse­ren treuen Verbündeten Osterreich^Ungarn und der Türkei nunmehr geeinten Bulgariens, sage ich Eurex Majestät t i egefühltesten Dank für die ho.he Ehre, welche Eure Majestät durch Allerhöchst Ihren Besuch uns zu evweisen ge­ruhten. Dieses frohe Ereignis ist uns ein neuer kostbarer Beweis der aufrichtigen und bundestreuen Ge­sinnung, die Eure Majestät für mich und mein Land hegen und die rch, wie auch meine Landesftnder hoch zu schätzen wissen. Seit dieser Zeit hat sich politisch und militärisch gar vieles geändert, nichts aber ln den gegeniseftigen inni­gen Beziehungen unserer Länder zueinander. Das aus den Schlachtfeldern geknüpfte durch gemeinsam vergossenes teures Mut besiegelte Bündnis wird unsere Völker auch in der kommeitden, Zeit des Friedens, für den wir bis zum endgültigen S-eg zu kämpfen entschlossen sind, zum dauernden Segen gensichen. Ich lege hohen Wert darauf zu versichern, datz auch der letz^te bulgarische ^Soldat weitssthin treu «in der Seite seiner Verbünde­ten aushält und alles einfetzen wird, um. den endgül­tigen Sieg zu erringen, welcher unseren Völkern die freie Entwicklung gewährleistet und das heitzerlstvebte nafto- nale Ziel für uns, die Vereinigung aller Bulgaren, zur Ver- wftklichung bringt. In diesem ungehenren Ringen hat das von Eurer Mftestät weise geftchrte deutsche Volk mft feiner ihm innelwoihnendon Macht, seiner staatlichen Organisation und bew-underuugswüvdigen Aufopferung die ganze Welt rn E r st a u n e n g e s -e tz t. Dieses glänseude Beifpieil wird von seinem treuen bulg-rrckchen Verbündeten für alle Zeit ein steter Ansporn und leuchtendes Vorbild sein. Möge der Segen deS Allmächtigen auch fernerhin auf unseren Ehel- denhaften Streitern ruhen und ihnen den Lohn für ihren unvergleichlichen tapferen Mut zuteil werden^ lassen. Von ganzem Herzen wünsche ich, datz Eurer Majestät die Stunden des Ausenthalts in meinem Lande angenehm sein, und datz -Eure Majestät befriedigende Eindrücke und gute Erinnerun­gen mit in die deutsche Heimat nehmen mögen.

Ich erhebe mein Glas -auf die kostbare Gesundheit Eurer Majestät, meines mächtigen Verbündeten und trenon Freun­des, sowie auf den Ru-hm der glorreichen deutschen Armee und die verheißungsvolle Zukunft des^ deut­schen Volkes!

Die Antwort des Kaisers.

w. T.-B. Sofia, 13. Oft. (Drahtbericht. Bulgarische Telegräphen-Agentur.) Seine Majestät der deutsche Kaiser antwortete: Eurer Majestät spreche ich für die herzlichen

Worte des Willkommr.is meinen tiefempfundenen Dank aus. Eure Majestät konnten, vor kurzem das schöne Fest des 30jährigen Regierungsjubrlaums begehen. Ich begrüße mit besondrer Freude die Gelegenheit, Eurer Maje­stät meine schriftlich dargebrachten Glückwünsche zu dieser bedeutungsvollen Feier von Angesicht zu Angesicht zu wiederholen. Stolz und glücklich können Eure Majestät auf diese reichen Jahce zucückblicken. Das Werk, ist ge­krönt, an dein Eure Majestät zum Heile Ihres Volkes un­ablässig gearbeitet haben, seit Sie an jenem Augutztage in Tirnowo einzogen. Der frohen Erinnerungsfe-er folgte nur zu bald ein Tag schmerzlicher Trauer. In tiefer Bewegung gedeirke ich oer verewigten Königin, die stch iu fried-ichen Zeiten, wie in den Stürmen des Krieges als- wahre Landes- mutter erwiesen hat und deren segensreiches Walten auf allen Gebieten werktätiger Nächstenliebe sür immer unver­gessen bleiben wird. Der gütigen Einladung Eurer Majestät folgend, hatte ich auf der Fahrt nach Bulgariens Hauptstadt die hohe Genugtuung, mich so mit eigenen Augen überzeugen zu können, welche Blüte das Land unter Eurer Majestät weiser Herrschaft erreicht hat. Seit lange waren wir be- wundernde Zeugen des rastlosen zielbcwutzten Strebe ns, das, von kluger Hand gelenkt, das kraftvolle Volk der Bulgaren von Stufe zu Stufe aufwärts geführt hat. M'.t' aasrichtiger Teilt-ahine beobachteten wir das tieft, aus dem Herzen des Volkes entspringende Sehnen und DLängen nach nationaler Vereinigung. Wir füh.'en uns rn Erinnerung an unsere eigene VergangenheltE der jungen starken Nation innerlich verwandt. Dieses Gefühl inner­licher Verbundenheit hat seine schönste Bestrtrgung erfahren, als Bulgarien sich unrer Eurer Majestät weit­blickender Leitung in diesem Weltkrieg der gerecMn sache der Mittelmächte an schloß nnd sein Los mit dem unscrgen verknüpfte. Seit ,]tvri Jah-en stehen Deutsche und Bul- garen im Bunde mit Österreichern, Ungarn und Osmanen Seite an Sette tm Kamps gegen eine Welt von Feinden. Dieser Kampf hat Bulgarien nach glorreichem Ringen die Erfüllung seines geschichtlichen Sehnens ge­bracht. Ich bin stolz darauf, datz es meinen Truppen ver­gönnt war, zur Erringung dieser Erfolge beizutragen. Die herrlicken W-iffontaten, die Bulgaren und Deutsche gemein- sam verrichteten, iverden sür alle .Mft n ein RutzmeSblaft ig